Stellenwert und Ansehen der Götter – geschrieben von René Dieken

In der Hrafnkels saga freysgoða finden wir Hinweise welchen Stellenwert die Götter früher hatten.

>>> Als aber Hrafnkell das Land zu Adalbol in Besitz genommen hatte, da veranstaltete er ein grosses Opfer; er Hess einen grossen Tempel erbauen.
Hrafnkell liebte keinen Gott mehr als Freyr und ihm gab er von allen seinen besten Kostbarkeiten die Hälfte.<<<<

Zudem erzählt die Saga uns noch, was passieren kann, wenn man ein Versprechen den Göttern gegenüber nicht halten konnte.

Kurzversion :
Hrafnkell weihte seinen Hengst Freyfaxi Frey und schenkte ihm die Hälfte und versprach jeden zu töten der es wagen würde diesen zu reiten. Einarr wurde von Hrafnkell eingestellt und sollte die Tiere hüten und bekam die Warnung, dass er alle Pferde nutzen dürfe außer Freyfaxi. An einem Morgen war die Herde weg und er dachte sich er nutzt das schnellste Pferd und ritt mit Freyfaxi aus um die Herde zu suchen und fand sie auch, doch beim Zurücktreiben warf Freyfaxi Einnar ab und ritt zum Hause Hrafnkell zurück, der gerade beim Essen war. Er nahm daraufhin seine Axt und tötete Einarr um sein Versprechen gegenüber Freyr einzuhalten.

Foto von René Dieken

Wenn man bedenkt, dass auf die Tötung die Verbannung stand, kann man nicht davon sprechen, dass Menschen Götter gleichgestellt waren. Denn Hrafnkell riskierte die Verbannung und den Verlust von all seinem Hab und Gut um Freyr zu besänftigen. Zudem ist die Schenkung der Hälfte seines Besitzes (in dem Falle auch das Vergraben seines Gold Silber und Co.) ein Beleg für die Ehrerbietung die
er für seinen Lieblingsgott Freyr hatte.

Kommen wir nun zu Ibrahim ibn Ahmed at-Tartuschi (ein Chronist aus Tortosa der in Haithabu zu Gast war im 10ten Jahrhundert ). Ihre Bewohner sind Sirusanbeter (Anmerkung dazu , Arabische Reisende/Chronisten dachten damals das Heidentum wäre eine zentrale Allgemeinreligion mit den selben Göttern und nannten daher alle Heiden Siriusanbeter) außer einer kleinen Anzahl, welche Christen sind und die dort eine Kirche besitzen.

Sie feiern ein Fest, an dem die alle zusammenkommen um den Gott zu ehren und um zu essen und zu trinken. Wer den Göttern ein Opfertier schlachtet errichtet an der Tür Pfähle und bringt das Opfertier darauf. Sei es ein Rind oder ein Widder oder ein Ziegenbock oder ein Schwein, damit die Leute
wissen, dass er es seinem Gotte zu Ehren opfert.

Die Stadt Haithabu selber ist arm an Gütern und Segen (aus arabischer Sicht ) und ihre Hauptnahrung besteht aus Fischen, denn die sind dort zahlreich. Bezogen auf die Praktik größere Tiere den Göttern zu opfern und Tartuschis Hinweis, dass an sich die Nahrung großteils auf Fisch besteht, beweist auch welche Opfer den Göttern gebracht wurden. Statt für sich die Tiere zu verwenden wurden sie den Göttern geopfert. Was einen großen Verzicht innerhalb der Familie brachte und man dann sich lieber dem Fisch zuwendete. Was auch ein Hinweis darauf ist, dass der damalige Mensch sich nicht
gleich mit den Göttern sah.

Dann hätten wir da den Stentoftenstein. Der 1,2 m hohe Stein wurde 1864 in die Kirche von Sölvesborg verbracht und im dortigen Portal aufgestellt. Die neuere Übersetzung des Textes zeigt auf, dass der Erbauer/Aufsteller des Steines auf sein Opfer aufmerksam machte wollte, das er
den Göttern gab um so für ein gutes Jahr zu sorgen.

„Durch das Opfer von neun Böcken, neun Hengsten gab Haþuwolafʀ ein gutes Jahr. Hariwolafʀ ist dem Jungen jetzt Schutz. Der Glanzrunen Reihe berge ich hier, Zauberrunen. Rastlos durch Argheit, eines tückischen Todes ist, wer dies Denkmal zerstört.

Und wenn man den Wert von 9 Hengsten zu der Zeit betrachtet, war das nicht gerade ein kleines Opfer. Zudem erhofft er durch die Anbringung von Runen, dass denjenigen der Tod ereilt, der diesen Stein zerstört.

Und dann zitieren wir mal Ibn Fadlan aus seinem Reisebericht aus dem 10ten Jahrhundert. So bald ihre Schiffe an diesen Ankerplatz gelangt sind, geht jeder von ihnen an Land, hat Brot, Fleisch, Zwiebeln, Milch und berauschend Getränk bei sich und begibt sich zu einem aufgerichteten hohen Holze, das wie ein menschlich Gesicht hat und von kleinen Statuen umgeben ist,
hinter welchen sich noch andere hohe Hölzer aufgerichtet befinden.
Er tritt zu der großen hölzernen Figur, wirft sich vor ihr zur Erde nieder und spricht:
„o mein Herr! ich bin aus fernem Lande gekommen, führe so und so viel Mädchen mit mir, und von Zobeln so und so viel Felle;“ und während er alle seine mitgebrachte Handelsware aufgezählt, fährt er fort: „Dir hab‘ ich dies Geschenk gebracht,“ legt dann, was er gebracht vor die hölzerne
Statue und sagt: „ich wünsche, Du bescherest mir einen Käufer, der brav Gold- und Silberstücke hat, der mir abkauft alles, was ich möchte, und der mir in keiner meiner Forderungen zuwider ist.“ Dies gesagt, geht er weg.

Besonders Fadlans Bericht zeigt auf, dass der damalige Mensch seine Götter geehrt hat und auch vor ihnen gekniet hat. Und sich nicht auf eine Ebene mit ihnen gestellt hat, wie es heute oft zu lesen gibt und von vielen Neuheiden propagiert wird. Denn ein Mensch ist nur ein Mensch und nicht auf derselben Stufe wie ein Gott.

Solange das deutsche Heidentum sich nicht von diversen Klischees wie z.B. der stolz stehende Heide, der nie kniet und Seite an Seite mit den Göttern in die Schlacht zieht und anderen Wagner´esken Fieberphantasien verabschiedet, wird es niemals eine Chance haben ernst genommen zu werden.

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