Pookas Samhainzauberspruch, geschrieben von Lora, übersetzt von Anufa

Pooka schaute grantig aus dem Fenster als seine Hexe Töpfe mit violetten, goldenen und karmesinroten Chrysanthemen auf die Stiegen des Häuschens stellte. Die Küche roch nach Äpfeln und Gewürzen und an diesem Morgen war ihr Freund Nathan mit einem Schubkarren voller Kürbisse, ein Geschenk des Bauern Gellis, angekommen.

Die kleine Katze wusste, was das zu bedeuten hatte. Samhain näherte sich schnell – die Nacht des Erinnerns, die Nacht der Geister und des „Süßes oder Saures“.
Die Geister beunruhigten Pooka nicht. Die „Süßes oder Saures“ Kinder taten das. Tatsächlich versetzten die ihn jedes Jahr in Schrecken. Aber dieses Jahr war er entschlossen, etwas dagegen zu tun.
Er sprang vom Fensterbrett herunter und tappste leise zum hinteren Teil des Häuschens, wo Elsies Kräuterzimmer war. Ihr Grimoire lag offen auf einem langen Holztisch. Pooka blätterte mit seiner Pfote durch die Seiten bis er den Mars-Spruch für Mut und Unerschrockenheit fand. Diesen studierte er sorgfältig.
Da hieß es, der Spruch musste an einem Dienstag gemacht werden. Schön, heute war Dienstag, also ließ ihm das nicht viel Zeit. Wie er durch die Liste an Zutaten las, schielte er auf die Kräuter, die über ihm hingen. Ja, die meisten waren da und für eine sportliche kleine Katze würde es leicht sein, hinauf zu springen und sie herunter zu werfen. Andere, so wusste er, würden im Garten sein. Kein Problem. Er las weiter … Und ein Blutstein?
Er erinnerte sich plötzlich, dass es da im oberen Stock einen Blutsteinring gab, in Elsies Schmuckkasten. Vielleicht wäre es ihr ja egal, wenn er sich den ausborgte? Unglücklicherweise plante die kleine Katze nicht, sie zuerst zu fragen. Er wollte nicht erklären müssen, was er da tat weil er es wirklich müde war, dass ihm jeder sagte, dass die „Süßes oder Saures“ Kinder nichts wären, wovor man sich fürchten musste. Also dachte er, dass er sich den Ring einfach ausborgen und ihn wieder zurückbringen könnte, wenn alles erledigt wäre. Richtig? (Nein! Das war sehr ungezogen von Pooka.)
Die kleine Katze las weiter … ein Quadrat aus roter Seide. Er hatte etwas davon im Nähkorb neben dem violetten Faden, der im Buch als nächstes aufgelistet war, gesehen. Drachenblut Räucherwerk. Elsie hatte das.
Natürlich würde er sie bitten müssen, das gemeinsam mit der roten Kerze, die der Zauberspruch auch noch zu brauchen schien, für ihn anzuzünden. Vielleicht würde sie ja nicht zu viele Fragen stellen.
Pookas Zuversicht wuchs. Er hatte das!

Dann kam er zum letzten Bestandteil des Spruches. Eine Drachenschwinge?
Er versuchte sich erstens vorzustellen einen Drachen zu finden, zweitens, höflich zu fragen, ob er eine seiner Schwingen haben könnte. Wenn eine kleine Katze den Mut aufbringen könnte DAS zu tun, dann würde sie keinen Zauberspruch brauchen!

Mit der Pfote knallte er das Grimoire zu. Er ließ seinen kleinen Kopf hängen und seine Schnurrbarthaare hingen traurig nach unten. Es hatte keinen Sinn. Pooka war verdammt dazu Samhain unter dem Sofa versteckt zu verbringen, mit den Wollmäusen, anstatt mit seiner Hexe zu feiern.
Er sprang vom Tisch herunter und schleppte sich durch die offene Türe in den Garten. Elsie und Nathan saßen auf den Stiegen der Häuschens, lachten und schnitzen Kürbisse.
Pooka hielt es nicht aus, sich zu ihnen zu gesellen. Statt dessen trugen ihn seine Pfoten in den Wald und letztendlich zu Thistles Haus.
Die Fee hatte sich draußen niedergelassen, hämmerte auf einer Eichel herum und rief ihm einen fröhlichen Gruß entgegen: „Hallo, Pooka! Ich bin grad dabei Suppe zu machen. Möchtest Du fürs Abendessen bleiben?“ „Nein danke,“ sagte er. Thistle schaute ihn scharf an und hörte mit ihrem Hämmern auf. „Was is los?“ fragte sie. Da Thistle vielleicht die einzige Freundin war, die sich nicht über seine Angst vor Kindern, die als furchterregende Wesen zu Samhain verkleidet waren, lustig machte, erzähle es Pooka.
„Ich bin es müde mich vor den „Süßes oder Saures“ Kindern zu fürchten!“
Die Fee nickte und flatterte zu ihm hinüber. „Ich habe einen Zauberspruch für Mut nachgeschlagen und ich kann alle Zutaten zusammenbekommen … bis auf eine. Diese eine ist unmöglich!“
„Was ist es?“ fragte Thistle.
„Eine Drachenschwinge“, rief Pooka. „und dann soll ich sie noch in einen kleinen roten Beutel tun! Dieser Spruch is Blödsinn!“

Thistle lächelte. (Naja, eigentlich schmunzelte sie.) „Ich glaube ich kann dir da helfen.“
Pookas Kopf schoss in die Höhe und seine Augen wurden groß. „Wirklich? Wie?“
Die Elfe zwinkerte ihm zu. „Mach den Rest des Zauberspruchs fertig und triff mich heute Abend in Elsies Kräuterzimmer.“
Die Katze hatte noch ihre Zweifel, aber nichts desto Trotz, stimmte er zu. Er sammelte die Zutaten im Garten und dann machte er in Elsies Kräuterzimmer Unordnung, während er den Rest sammelte. Er stahl ihren Blutsteinring aus ihrem Schmuckkästchen, entwendete ein Quadrat der roten Seide und violetten Faden aus ihren Nähkorb.
Dann fand er seine Hexe in der Küche beim Keksebacken und hatte die Nerven zu sagen: „Ich brauche eine rote Kerze und Du musst sie für mich anzünden. Oh, und auch ein wenig Drachenbluträucherung, bitte.“
Elsies Augenbrauen gingen in die Höhe. „Wirklich! Mmmmmh … okay.“
Sie folte ihrer Katze in das Kräuterzimmer und tat, worum sie gebeten worden war. Ihr Blick fiel auf die Seite des offenen Zauberbuches.
„Magst Du mir sagen, was wir hier tun?“ frage sie.
„Nein!“
„Okay,“ nickte sie. „Sag mir nur, wie ich helfen kann.“
„Du könntest die Kerze und die Räucherung für mich anzünden,“ sagte Pooka. „Und vielleicht mir dabei helfen einen Kreis zu ziehen?“

Elsie wusste, dass ihre Kekse fertig waren um aus dem Ofen genommen zu werden. Sie murmelte einen Spruch an die Küchengötter und stimmte zu, ihrem Familar zu helfen.

Der Kreis war gezogen, die Richtungen gerufen und die Kerze brannte. Der Rauch vom Räucherwerk kringelte sich durch den Raum. Pooka wartete dann noch auf die letzte Zutat für seinen Spruch und Elsie wartete mit ihm.
Sie warteten und warteten. Trotz ihres Spruches konnte Elsie riechen, wie die Samhain Kekse anfingen zu verbrennen …
Die kleine Katze war schon fast bereit aufzugeben, als Thistle durch die offene obere Hälfte der Türe schoss.
„Da – bitte schön!“ rief sie siegessicher. Sie ließ eine kleine schillernde Schwinge auf den Holztisch fallen.
Pooka schloß ein Aug und untersuchte sie aus der Nähe. „Sie ist wunderschön, aber so klein!“ Bist Du sicher, dass sie von einem Drachen ist? Das war doch kein Babydrachen, oder?“
Die Fee kicherte. „Das ist von einer Libelle, Dummerchen. Das ist, was der Spruch meinte!“
„Tat er das?“
Die Katze schaute beunruhigt. „Du hast doch nicht …?“
„Würde ich doch nie! Diese Libelle hat nun Geistflügel und hat diese nicht mehr nötig.“
Er nickte und dann gab Pooka die Schwinge zu den Kräutern und dem Blutsteinring (den Elsie vorgab nicht zu sehen) und sammelte sie alle auf dem Stoff, den er aus ihrem Nähkästchen genommen hatte.
Er chantete dann:
Bei Kräuterrauch und Kerzenflamm,
Rufe ich den Gott der Mutes an.
Stark und mutig will ich sein.
Mars ist hier. Er wird jetzt bei mir sein!

Er drehte sich zu Elsie. „Würde es Dir etwas ausmachen, daraus ein Päckchen zu machen und es mir an mein Halsband zu binden, bitte? Ich würde es ja selber machen …“
„Keine Daumen?“, beendete sie den Satz. Pooka nickte.
Sie machte, was er verlangt hatte und fragte: „Möchtest Du mir sagen, wofür das alles gut ist?“ „Nein.“ Pooka schüttelte seinen Kopf.

Elsie lächelte und band das Päckchen an sein Halsband. Natürlich wusste sie es sowieso schon. Und wenn der Spruch wirken würde, dann rechnete sie sich aus, dass ein Blech voller verbrannter Kekse dafür ein kleiner Preis sein würde!

Hinterlasse eine Antwort