NATuQuTAN – Teil XII, geschrieben von Magister Botanicus

Anderswelten

Als nächstes knöpfen wir uns mal den Begriff der Anderswelt vor, die in vielen magischen Traditionen eine Rolle spielt. Da wären zunächst die Elementarwelten Erde, Luft, Wasser und Feuer, vorstellbar als Dimensionen oder Wirklichkeits­ebenen, in welchen diese Elemente den Kosmos abbilden.
Dann die Ebenen jener Anderswelten, die sich kulturell definieren; also keltische, nordische u.ä. Andersweltdefini-tionen. Schliesslich die Ebenen der Geisterwelt und des Totenreiches sowie der Ahnen; Ebenen/Dimensionen, die in schamanistischen Systemen eine wichtige Rolle spielen.

Auch die Welt der Naturgeister (Pflanzen, Steine usw.) sollte hier wegen ihrer Wichtigkeit in manchen magischen Systemen nicht unerwähnt bleiben, gerade weil diese Ebene meist als eine Zwischenwelt beschrieben wird, die sowohl die materiell-energetische Welt als auch die Anderswelten durchdringt.

Diese Ebenen nun einfach als weitere „Dimensionen“ ohne definierende Erklärung abzutun, wäre zu profan und würde keine weiteren Erkenntnisse bringen, obwohl wir den Begriff Dimension durchaus verwenden können – allerdings mit der Ein­schränkung, das es sich hierbei zunächst um eine virtuelle und – für unsere Raum-Zeit-Struktur, in der sich der Mensch normalerweise bewegen kann – also nur qualitativ beschreibbare Dimensionen handelt.

Und doch können diese Dimensionen bzw. deren Informationsstrukturen den Charakter wahrscheinlichkeitsverändernder Faktoren innerhalb der Raum-Zeit annehmen können.

Magische Dimensionen

Bei den Elementarebenen handelt es sich um Strukturen, welche direkt auf die Raum-Zeit einwirken können und zwar in der Art, das ihre Therme quantitativ durch die Chaos-Theorie und die theoretischen Prinzipen der sog. „Selbstorgani­sation“ beschrieben werden können. Für die Praxis heißt das, ein Mensch, der auf diesen Ebenen durch die beschriebenen bio-physikalischen Prinzipien über die WbD einen Zugriff hat, kann die Wahrscheinlichkeit dahingehend beeinflussen, das jene physikalischen Prinzipien denen Erde, Wasser, Luft und Feuer unterliegen, von ihm scheinbar manipuliert werden können.

Bei den kulturell definierten Anderswelten handelt es sich um virtuelle Dimen­sionen, die durch das Vorhandensein einer Kult- und Kulturgemeinschaft entstehen – als Beispiel seien hier keltische Vorstellungen von Anderswelten und ihren „Be­wohnern“ genannt; also etwa Sidhe, Leprechauns usw; im Allgemeinen unter dem Begriff Wildvolk bekannt. Entsprechend der einer Gesellschaft gelebten Intensität dieser Vorstellung und dem daraus erwachsenden, ständigen Umgang mit dieser Dimension und ihren Lebewesen, kann diese Dimension und können vor allem ihre Bewohner, eine Form von wahrscheinlichkeitsverändernden Faktoren annehmen.

Auch hier ist es völlig unerheblich, ob die entstehenden Effekte tatsächlich aus der virtuellen (Kultur-)Dimension heraus auf unsere Raum-Zeit einwirken oder ob es sich um Phänomene handelt, die der Mensch – innerhalb seiner kulturellen Identität – aus sich selbst heraus entstehen lässt. Dies differenzieren zu wollen, wäre ebenso unsinnig, wie etwa eine individuell erfahrene Gottesschau dahingehend erforschen zu wollen, ob es nun eine Selbstschau, ein tatsächliches Erfahren von Gott oder um eine Halluzination gehandelt hätte.

Totenreich und Ahnenwelt

Diese beiden Dimensionen sind vor allem für den magischen Bereich des Schama­nismus von großer Bedeutung, oftmals nicht von einander getrennt oder direkt in­einander übergehend. Innerhalb dieser Ebenen findet – über die beschriebenen bio-physikalischen / informatorischen Prozesse – ein Austausch statt, zwischen den in der als Jetzt empfundenen Raum-Zeit existierenden Individuen und jenen Indi­viduen, welche diesen Zeitpfeil verlassen haben.

Magische Naturwissenschaft – Naturwissenschaftliche Magie

All die Erklärungen in den vorangegangenen Kapiteln lassen einen Schluss zu: Magie und Naturwissenschaft schließen sich weder gegenseitig aus, noch enthält das eine Element das Andere.

Vielmehr ist Magie die eine Seite der Münze Universum und Naturwissenschaft die andere Seite, doch – um bei dieser Metapher zu bleiben – diese Münze wurde in der Vergangenheit durch religiösen Separatismus und akademische Ignoranz zersägt. Jede der beiden geprägten Seiten wird immer nur von vorn betrachtet, ihre Rück­seite verleugnet oder ignoriert; was in der Vergangenheit dazu führte, das ein Welt­bild, also eine Ansicht vom Universum, immer nur unvollständig wiedergegeben werden konnte. Mathematischen Formeln wurde geradezu fanatisch Religion und esoterischer Glauben entgegengesetzt (oder umgekehrt!) und die Erklärungsgrenzen beider Systeme als Naturgesetz dogmatisiert.

Mit der hier vorliegenden Arbeit, könnte man diesen Schritt rückgängig machen; mit dem Lot der Toleranz und des ganzheitlichen Wissensdurstes die beiden Hälften dieser Münze wieder zusammenfügen.

Und das möchte ich hiermit tun, die Synthese zu einem Erklärungsmodell des Uni­versums, einem Bild der Welt, einem Weltbild, in welchem Religion, Glaube und Magie als ebensolche Formkräfte betrachtet werden können, wie die raum-zeitlichen Erscheinungsformen jeder Form der Energie.

Es soll ein Modell sein, in welchem Invokation und Gestaltwandlung, Telepathie und Psychokinese, Quantenmechanik und Chaoswissenschaft lediglich unterschied­liche Ausdrucksformen eines Universums sind.
Ende Teil XII

Eine Antwort zu “NATuQuTAN – Teil XII, geschrieben von Magister Botanicus”

  1. eald sagt:

    Moin, ohne dem Grundgedanken, die Wälle zwischen den diskutierten beiden Fraktionen – wo sinnvoll – einzureißen, möchte ich an einem Punkt doch zweifelnd nachfragen (zweifelnd, weil das meinem bisherigen Kenntnisstand halt grad widerspricht und nachfragen, weil ich mich da gerne eines anderen auch belehren lasse). Du schreibst u. A.:

    »Auch die Welt der Naturgeister (Pflanzen, Steine usw.) sollte hier wegen ihrer Wichtigkeit in manchen magischen Systemen nicht unerwähnt bleiben, gerade weil diese Ebene meist als eine Zwischenwelt beschrieben wird, die sowohl die materiell-energetische Welt als auch die Anderswelten durchdringt.«

    Aus dem Blickwinkel des Animisten heraus betrachtet, der die Beseeltheit alles Seienden eben ausdrücklich nicht in ein Jenseitiges hinein transzendiert, sondern all dieses vielmehr dem Diesseitigen als immanent verhaftet erachtet würde ich zum Einen gerne wissen, ob außerhalb des Animistischen die Naturgeister tatsächlich als eine „eine virtuelle und – für unsere Raum-Zeit-Struktur, in der sich der Mensch normalerweise bewegen kann – also nur qualitativ beschreibbare Dimensionen“ Bewohner im transzendierenden Sinne handelt (oder ob ich respektive den Animismus da bisher falsch auffasste, was gut wohl sein könnte)?

    Oder, 2. Frage, verstehe ich den Dimensionsbegriff und die Rede von Ebenen falsch, wenn ich diese als die durch sie beschriebenen Elemente als vom Diesseitigen transzendiert begreife? (Denn auch ich erwarte beispielsweise nicht, die von mir als der diesseitigen Welt immanenten verstandenen Naturkräfte/-geister, irgendwann durch physikalische oder andere naturwissenschaftlichen Nachweismethoden irgends tangiert, aka „bewiesen“ oder auch widerlegt zu finden.) Diese Schnittmengenlosigkeit zwischen, sagen wir mal, spiritueller vs. naturwissenschaftlicher Weltsicht, könnte man natürlich auch mit unterschiedlicher Dimensionalität etc. zu erklären versuchen, selbst wenn beides als rein diesseitig nichtsdestotrotz betrachtet würde. Meintest du das vielleicht so? Oder gehst du doch von einer Transzendierthrit aller nichtwissenschaftlich belegbarer „spiritueller“ Phänomene und Ereignisse? In letzterem Fall, also bei Transzendiertheit allen „Übernatürlichen“ wie gesagt, bin ich an diesem Punkt noch voller Zweifel, ob das meine Wahrnehmungen der Dinge widerspruchslos erklären könnte.

    Mit freundlichen Grüßen
    das eald

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