Als der Wandel der Zeit zur Musik wurde, geschrieben von Kristina Pfeifer & Herbert Pfeifer

Seit cirka 9 Jahren gibt es jetzt das Pagan Piper Project. Mittlerweile ist es eine fixe Band, begonnen hat es als offene Plattform, um modernes Heidentum künstlerisch zu beleuchten.

Ständig kamen neue Menschen hinzu, andere gingen wieder, je nach Änderung der Situationen, Vorlieben und Interessen. Manche bleiben lange, über Jahre, andere sind für wenige Songs – oder sogar nur für einen einzigen Song – zu Gast. Im neuen Album ist dieser Wandel, der das Projekt immer begleitet hat, besonders präsent. Wandel ist manchmal etwas Sanftes, Langsames, das auch eine gewisse Konstanz in sich birgt. Und es gibt natürlich den Wandel als plötzliches Ereignis, das ja oft als unangenehm wahrgenommen wird. Wer kennt das denn nicht? Wir wachsen ja alle damit auf.

Vivianne Crowley erschuf 2010 eine Sequenz von Worten, die aus den Inhalten des Buches „The Egyptian Book of the Dead“ zusammengesetzt sind, hierbei handelte es sich um eine Übersetzung von E.A.Wallis, die 1998 veröffentlicht wurde. In dieser Sequenz kommt die magische Abfolge dieser Zyklen des Wandels zum Ausdruck, worin einerseits die Vernichtung durch Veränderung zu spüren ist, aber auch ihre Konstanz, die in sich ein Geheimnis des Lebens birgt. „I am the Phoenix of the living flame, I arise from the ashes of the past. / I am the keeper of the book of things that are and the things that will be. / Eternity is the day. Everlastingness is the night.“ Etliche Jahre später, durch Sigrid Massenbauer, Veronika Kusová, Petra Kociánová und Anna Doubková wurden aus diesen Textzeilen ein Chant erschaffen und zusätzlich mit Damh the Bard, Karen und dem Broomstick Rallye Chor vertont und aufgenommen. Und dieser Chant ist das Herzstück des neuen Albums „Phoenix“ vom Pagan Piper Project.

Wandel drückt sich natürlich nicht nur so aus, er hat viele Gesichter, er hat einen Anfang und ein Ende, er erschafft Angst und Zuversicht, Isolation und Befreiung, Zweifel und Erkenntnis, sowie letztendlich einen Überblick über das Leben im Großen und im Kleinen. Im Song “Starting the Rite“, der bald nach dem ersten Album „The Turning of the Wheel“ entstand, werden schlichtweg die vier Elemente angerufen und der Ritus gestartet. Das hatte seine Wirkung, da in der Band sich zugleich ein heftiger Wandel vollzog. Eine schwierige Zeit. Wie soll es weitergehen? Da kam ein alter Spruch zu Tage, der von Kristina schon vor Jahren gedankenlos auf Papier gekritzelt worden war, und nicht nur die Situation ausgezeichnet beschrieb, sondern auch Hoffnung geben sollte: „Fear is just a mirror in the demon’s eyes.“ Darum herum entstand der Song „Morning Star“. Ein anderes Mitglied der Band hatte sich nach Jahren endlich aus einer schlimmen privaten Situation befreit, und schrieb darüber den Song „Tree of Life“, wo es darum geht, dass unser Lebensweg manchmal wie der verästelte Zweig eines Baumes wirkt, voller Weggabelungen, wo wir uns entscheiden müssen. Manchmal sind diese Entscheidungen besonders schwierig, und man fühlt sich gefangen, aber in Wirklichkeit ist man in jedem Moment frei, das zu tun, das einem nahe steht.

Als die schwierigen Zeiten sich dann zu lichten begannen, entstand aus langen Improvisationen schließlich einer der imposantesten Songs des Albums: „Panta Rhei“, der in sich dann schon eine abgeklärte Einstellung zu dem Auf und Ab der Zeit trägt. Nachdem das alles eigentlich auch immer wieder mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat, und dies dann besonders intensiv wird, wenn es um Liebe geht, kamen noch zwei Songs dazu, die mit einem leichten Augenzwinkern das Thema Partnerwunsch aus der heidnischen Sicht beleuchten („I Want a Pagan Man“ und „The Witches‘ Song“).

Und dann kam wieder die Kunst selbst ins Spiel. Die Band hat Kontakt zu vielen Formen des Heidentums und aber auch zu Menschen, die zu mystischen oder heidnischen Konzepten gar keinen Zugang haben. Doch da gibt es für alle ein verbindendes Element, das zudem den Wandel hervorruft: Es ist die Kunst selbst, die Kreativität, die uns hilft, das Gewohnte zu verlassen. Ein sehr alter Song, „Troubled and Sad“ der keinen Bezug zum Heidentum hatte, trug in sich eine Erklärung für die Wirkung in den verschiedensten Traditionen des Heidentums, wo in vielfältiger Art durch Kreativität eine neue Sicht der Dinge geschaffen wird. Und letztendlich in „Hands of Time“ wird rekapituliert, wie man doch immer wieder versucht, „sehend“ oder „erleuchtet“ zu sein, und dann stets auf die Ernüchterung trifft, dass man doch nicht alles sehen kann – oder vielleicht gar nicht will. Aber dafür gibt es eine Erklärung und letztendlich zumindest Anerkennung für den Versuch, der in sich Wert trägt.

Und damit ist das Album zu Ende. Die Geschichte selbst natürlich nicht. Mittlerweile geht es weiter und wir werden sehen, ob es Wandel oder Konstanz ist, oder eigentlich beides ohne klare Grenzen.


Ist es im Heidentum, abseits der Musik hier, nicht auch so? Es wandelt sich stets und jeder von uns hat sein/ihr Lied zu singen. Es ist oft eine Geschichte, die im Laufe der Zeit ein gesamtes Bild malt oder einen übergreifenden Song erschaffen kann. Vielleicht findet die eine oder der andere darin sich wieder. Man probiere es aus, auf 
www.paganpiper.com, auf Facebook oder Youtube, oder auf einer der anderen zahlreichen Plattformen, wo man die Videos des Projekts sehen kann oder die Musik lädt und hört.

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