Das Märchen von der verwunschenen Burg, geschrieben von Veleda Alantia

Märchen aus den Nebelreichen III

Bild: Veleda Alantia

 

Diese Geschichte vertrauten mir Birken und Tannen am letzten Tag des alten Jahres an. Nach einem abenteuerreichen Weg, der mit einem Räucherkegel für die Berg und Naturgeister,der Perchta und der wilden Jagd begangen wurde, durfte ich jenes Märchen nach und nach erfahren..

Eine junge Frau, den alten Wegen wohlvertraut, ging in einem Wald spazieren. Es war ein klarer Januartag und es roch nach der Kühle der kalten Nacht vorher. Sie ging ohne einen speziellen Grund. Sie liebte den Wald und all seine Geschöpfe, sichtbare wie unsichtbare. Auf dem Weg durch den Wald wanderte sie zwischen Licht und Schatten hin und her. Schoss da ein Foto oder verweilte um mit den Naturgeistern zu sprechen. Dabei ging die junge Frau stets mit Respekt und Achtung vor.

In dem Licht, das von den dunklem Hain auf den Boden gelassen wurde, zeigte sich ihr eine Ruine. Es war ein Schloss das früher hier gewesen war. Es standen nur noch die Grundmauern und Moose und Farne, ja die ganze Natur des Waldes holte sich langsam das alte Werk der Menschen zurück.

Als sie so ging, sah sie ein Denkmal aus Stein sich mit den Kronen der Bäume vermischen. Als sie ihre Kamera erhob, hörte sie einen seltsamen Klang der von dem Stein und dem Plateau auszugehen schien.

Sie blieb und lauschte. Auch um sicherzugehen das sie nicht verrückt geworden war. Ein Wind kam auf, schüttelte die Kronen, und Blätter fielen wie Federn zu Boden.

Dort am Obelisken stand ein großer, hager wirkender Mann. Sein Haar, zu einem Zopf gebunden, war von der Farbe des Efeus. Sein Gewand war lang und liess weiße weiche Lederstiefel erkennen. War er ein Gott? Ein Geist der Burgruine? Oder gar der Geist des Waldes? Dies konnte die junge Frau nur vom Anblick des Wesens nicht sagen.

Lange Zeit sagte keiner der beiden ein Wort. Man schaute sich nur an. Ergründete die Seele voneinander. Bis das Wesen die junge Frau anlächelte. “Du bist die, auf die viele, die du noch nicht sehen kannst, gewartet haben. Doch denke nicht, daß alles einfach sein wird.” Seine Worte klangen wie eine Melodie aus einer Zeit außerhalb der Zeit. Sehr gewählt. Die Augen lächelten milde. Das Wesen sprang mit einem starken Satz zu ihr hin. Ein Duft wie von Fichtennadeln entströmte dem feinen Stoff. “Ich? Ich bin ein Mensch, was soll ich schon können.” sagte die junge Frau hastig.

“Ja, Du junge Dame. Wer denn sonst? Siehst du noch jemanden?” fragte der Anderswelthüter mit wohlklingender, eleganter Stimme.

Ohne auf weiteres nichtsagendes Geplänkel einzugehem nahm er die Hand der jungen Frau und sprang mit ihr zur Spitze des Obelisken, der als ein Mahnmal im Wald der Burg stand und wachte.

Zu überrascht um zu schreien sah sie nun den Platz aus dem Blickwinkel des Wesens.

“Sieh genau hin…dies ist einer jener Orte deren Wände dünn sind. Doch wurde er, und alles was mit ihm verbunden ist, verflucht. Eine dunkle Energie durchströmt wie Tauwasser die Wurzeln der Bäume und die Steine der Burg. Sie und alle Bewohner sind gefangen und du, Mädchen, die sieht, kannst sie retten.” Das Mädchen schluckte. Das war doch viel zuviel für sie! Und sie war allein!

“Sicher, daß du nicht geirrt hast? Es gibt doch auch andere die hierher kommen. Frag doch die!” Der Wächter lachte. Er lachte über sie!“ Ihr mit euren Beschränkungen. Dies klappt nicht..da ist es zu schwer. Dabei werdet ihr immer von uns unterstützt.” Was sollte das denn? Sie blickte zum Wächter. Sie konnte vorwärtsgehen. Das zurück schien ihr verwehrt. Und so elegant und modern der Mann wirkte, so strahlte er doch eine Kraft aus die vom Feuer der Erde und dem Wind gespeist zu sein schien.

“So genug gejammert, ich bring dich jetzt dahin wo du hin musst.” sagte der grüne Wächter und schnippte mit den Fingern.

Plötzlich war um die junge Frau der Duft von stehendem Wasser und Moos, eine Spur Pilze. Der Himmel über ihr war Wänden aus feuchtem Stein gewichen. Sie war in einer Höhle. Sie konnte sich nicht vom Fleck rühren zu gross war ihre Angst.

Ganz vorsichtig begann sie sich vorzutasten. Irgendwo würde sie schon ankommen.

Je weiter sie ging, um so tiefer schien sie zu gehen. Plötzlich roch sie frische Luft und sah Sonnenlicht und sie kam auf einem hohen Hügel heraus. Sie bemerkte an den Bäumen Zeichen. Die junge Frau untersuchte sie und der runische Zauber wurde ihr klar.

Mit einem Stock malte sie aus dem inneren Wissen ein Zeichen und ein Vibrieren und Brennen war in der Luft. Wie Eis, das unter den Schuhen knackte, brach die erste Schicht.

Ein Tor war sichtbar geworden, umrankt von Brennesseln. Wieder ein Schutz wie die junge Frau erkannte.

“Geist der Brennessel, bitte hör mich. Ich bin hier um zu lösen was gebunden ist. Nimm deine Stacheln und richte sie auf den, die den Fluch um diesen Ort wirkten.” Zuerst schien gar nichts zu passieren. Dann zog sich der Brennesselgeist zurück.

Die zweite Schicht war fort. Sie schritt mutig durch das Tor und fühlte sich von ihren Verbündeten umgeben und gestärkt.

Vor ihr kam ein Brunnen, der unter einem Weißdorn stand. Was sollte sie tun?

Sie trat näher und sah hinein. Alle Gewalttaten die Menschen einander antun wurden ihr gezeigt. Sie wollte schreien und sich abwenden, fühlte sie den Schmerz der Erde, der Tiere und Menschen. Alles schrie.

“Ich bin anders! Ich hab mich der Heilung und Verwandlung geweiht!“ rief sie weinend.

Aus den dunklen Wassern blickte sie nun eine Frau an. Das Haar silbern. Die Augen wie die Tiefe des Meeres. Eine Hand streckte sich ihr entgegen. In der Hand drei kleine Steine.

“Lege sie nach deinem wahren Willen um die Burg. Die Geister und Wesen dadrin werden von dem Fluch befreit, denn dein Mitleiden war der Preis. Tue dies und geh mit meinem Segen.”

Dankend nahm sie die Steine und tat wie geheissen. Sie konnte fühlen wie der Hass und Angst aus den Steinen wich. Glücklich und mit Tränen in den Augen dankte sie dem Wächter den sie nur noch im Traum sah.

Ende

Autorin: Veleda Alantia
Bild: Veleda Alantia

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