Wenn man auf ganz alten Pfaden wandelt – Teil I geschrieben von Christian

In einer Druiden-Facebookgruppe hat kürzlich jemand etwas über ihre Liebe zu Landkarten und ihre damit verbundene spirituelle Beziehung zu diesen zweidimensionalen Darstellungen unseres Landes und seiner Topographie gepostet. Ihr Beitrag erinnerte mich daran, dass ich schon lange eine Erfahrung teilen wollte, die ich vor ein paar Jahren in meiner österreichischen Heimatstadt gemacht habe. Wie diese Erfahrung mit Landkarten zusammenhängt mag nicht sofort klar sein, ich verspreche aber, dass das noch kommt.

 

Das Gasthaus zum Reichsapfel, jedenfalls einen Besuch wert wenn man Baden bei Wien verweilt

 

Es war an einem angenehm lauen Sommerabend, nicht zu heiß aber gerade einmal warm genug um lange im Vorgarten meines Lieblingswirtshauses zu sitzen und ein paar Bier mit meinen Geschwistern und Freunden, zu denen die Wirtin zählt, zu trinken, als dann noch später der Schwager derselben zu unserer illustren Runde hinzustieß. Irgendwann ließ Rudolf, wie der Schwager heißt, dann so nebenbei fallen, dass er, immerhin damals Kurator des örtlichen Heimatmuseums, gerade ein paar bronzezeitliche Kupferbarren in Diskusform untersucht hat, die im Tal westlich der Stadt in einem Stück Land, dass von einem antiken Wall umgeben ist, gefunden worden waren.

 

Kupferbarren (Fundort Cholerakapelle)

 

Natürlich war meine Neugierde sofort geweckt. Es war zu früh, als dass Rudolf Details über den Fund herausgeben konnte, klar war aber auf jeden Fall schon, dass die Fundgegenstände aus Vor- wenn nicht Protokeltischer Zeit stammten. Ein paar der Tonscherben, die dort ebenfalls entdeckt wurden, zeigten Muster aus der frühen Hallstattzeit. Was für mich noch wichtiger war: ich fand heraus wo dieser Wall zu finden war.

Grün gekennzeichnetes Gebiet: „Regnum Noricum“, Teil des “ Gallia Transalpina“, besiedelt von den „Norii“. Wir finden Juvavum (Salzburg) dort, und Hallstatt. Im sandfarbenen Gebiet: Meine Geburtsstadt Baden (Aquae); Vindobona (Wien) und die römische Garnisonsstadt Carnuntum, alle im Stammesbereich der Boii. Die Grenze im Norden wird vom Verlauf der Donau angegeben,im südwestlichen Eckpunkt die nördliche Adria, wo sich heute Triest befindet.

Nein, hier geht es nach wie vor nicht um heilige Landkarten, auch wenn mein Bruder und ich eine benutzten um zu der besagten Stelle zu kommen. Auf einer modernen Karte findet man die Bastion in der als „Burgstall“ bezeichneten Flur unmittelbar nördlich der Cholerakapelle im Helenental, westlich der Stadt Baden bei Wien in Österreich.

Baden, das in vieler Hinsicht dem englischen Bath ähnlich ist – unter anderem darin, dass dort seit spätestens der Antike heiße Quellen aufgesucht wurden – war den Römern unter „Aquae Pannoniae“ bekannt. Diese Eindringlinge aus dem Süden wurden von dem warmen Schwefelwasser angezogen, weil sich die Kombination von Hitze und Schwefel als exzellentes Heilmittel gegen Rheumatismus herausstellte, einer Krankheit an der viele der an die trockene Hitze gewöhnten Römer in diesem nasskalten Außenposten ihres Reiches litten. Vor allem die Offiziere, die Zenturionen der in Carnuntum stationierten Legion, sollen die heißen Quellen frequentiert haben. Die Römer ließen übrigens auch ein Geschenk für uns Badener zurück: den Weinbau. Seit dieser Besatzung (es folgten über die Jahrhunderte hinweg noch weitere solche) war meine Heimatstadt von Weingärten umgeben.

Das Gebiet war allerdings schon lange vor den Römern besiedelt, unter anderem von dem Keltenstamm der Boier, und auch sie haben sich schon an den heißen Schwefelquellen ergötzt. Weniger am damit verbundenen Gestank, würde ich jedoch meinen. Wir wissen, dass der Schwefelduft schon früh ein Thema war. Immerhin geht der Name des Flusses, der durch meine Heimatstatt fließt, Schwechat, auf das alte deutsches Wort „swechan“ – riechen, stinken – zurück. Außerdem veranlasste der üble Geruch, oder ein schlechtes Gehör, einen frühen Kartenzeichner dazu, das den Fluss darstellende blaue Band auf seiner Karte mit dem Ausdruck „Schwöfat“, also schwefelig, zu versehen. Der Fluss wird in den Ausführungen über heilige Landkarten auch noch einmal eine Rolle spielen.

Ende Teil I

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