Ich habe Interesse… – Teil I, geschrieben von Chris

Du hast die Gruppe oder Person gefunden, bei der du gern um Aufnahme für ein Wicca-Training bitten möchtest. Was nun?

Im Netz gibt es eine Menge Artikel darüber, wie man die für sich richtige Tradition oder Gruppe findet und dabei die „faule Eier“ von vornherein aussortiert. Ein Neuling erfährt jedoch nur sehr wenig darüber, wie man sich seinem potentiellen Lehrer am Besten vorstellt und was man dabei besser vermeiden sollte, um ernst genommen zu werden. Seit ich einen Wicca-Fernkurs als Tutor betreue, habe ich eine Menge Gesuche von Menschen bekommen, die in der Kunst ausgebildet werden möchten, und möchte daher meine Erfahrungen mit euch teilen – vor Allem, um zukünftigen Interessenten wichtige Hilfestellungen zu geben.

Lass uns beginnen…

Gut. Du hast die Gruppe oder Person gefunden, bei der du gern um Aufnahme für ein Training bitten möchtest. Was nun? Zunächst einmal möchte ich dir eine wichtige Sache zu bedenken geben: Wicca ist eine Tradition, die nicht aktiv nach Mitgliedern sucht. Ganz im Gegenteil – nur bestimmte Menschen, die gewisse Voraussetzungen erfüllen, kommen für uns in Frage. Es heißt nicht umsonst, dass Wicca nicht für jeden gemacht ist. Das heißt jedoch nicht, dass wir uns als Elite empfinden und auf andere hinabsehen. Ein potentieller Kandidat kann falsch für diese bestimmte Hexentradition sein, aber eine echte Bereicherung für eine andere – oder eine hervorragende Solohexe! Wir würden ihm also keinen Gefallen damit tun, ihn in eine Richtung zu zwingen, die sich nicht mit seiner Grundpersönlichkeit verträgt. Ich bin stets bemüht, einem Anwärter genau das mitzuteilen, wenn ich diesen Eindruck habe.

 

Wo finde ich einen Lehrer?

Der Komplettheit halber möchte ich kurz darauf eingehen, wie man mit verschiedenen Gruppen in Kontakt kommt.

Wiccas mögen nicht aktiv nach Mitgliedern suchen, aber viele Gruppen und Lehrer haben sich bereit erklärt für Suchende offen zu sein. Zu diesem Zweck haben sie Webseiten erstellt oder ihre Kontaktdaten sind auf offen zugänglichen Listen oder in Foren zu finden. Im Fall von Silver Circle Deutschland ist es einfach. Man kann uns über unsere Webseite anschreiben. Auch andere Netzwerke, wie Wicca Berlin sind einfach zu kontaktieren. Ein weiterer Weg, in Deutschland traditionelle Wicca zu finden, bietet das Forum Hexenzirkel.info. Außerdem gibt es auf Facebook Gruppen wie Gardnerian Wicca Seekers and Initiates, wo man eine Liste von Covens und Lehrern findet, die gern Neulinge annehmen.

 

Wie verfasse ich mein Gesuch?

Zunächst einmal: all diese Gruppen erwarten, dass Leute auf sie zukommen – also keine falsche Zurückhaltung! Es ist okay, etwas von ihnen zu wollen, aber gib dir ein wenig Mühe beim Verfassen deiner ersten Nachricht. Das sollte eigentlich selbstredend sein, ist es aber im Zeitalter von WhatsApp und Snapchat wohl nicht mehr. Ich habe in der Vergangenheit E-Mails bekommen, in denen wortwörtlich „Ich habe Interesse…“ stand. Kein Hallo, kein Betreff, kein Gruß.

Also hier meine Tipps, was du tun kannst, um nicht gleich an den kleinen Dingen zu scheitern:

Sei formell. Ein wenig Form hat noch niemandem geschadet. Anrede, Betreff und ein Gruß am Ende sollten selbstverständlich sein. Ebenso sollte eine E-Mail in ganzen Sätzen und möglichst fehlerfrei formuliert sein. Ein Korrekturprogramm über einen Text laufen zu lassen, ist heute eine Sache von Sekunden. Du findest das überzogen? Vielleicht. Aber es macht definitiv einen besseren Eindruck und kostet kaum Zeit.

Sei höflich. Du möchtest etwas von der Person, die du anschreibst, nicht umgekehrt, also sei nett. Ich verstehe nicht, warum so viele Menschen sich selbst jegliche Chance auf eine Annahme verderben, indem sie auf gut Deutsch gesagt kackendreist daher kommen, und eine Ausbildung regelrecht verlangen. Vielleicht denkst du, ich habe nur auf dich gewartet? Glaub mir, das habe ich nicht, denn ich kenne dich höchstwahrscheinlich nicht einmal. Und abgesehen vom potentiellen Lehrer selbst hat auch die Tradition einen gewissen Respekt verdient, findest du nicht auch? Es stimmt, dass Höflichkeit eine schwindende Kunst ist, aber das ist die Hexerei auch.

Sei eindeutig. Sag was du willst, wofür du dich interessierst, was du erwartest. Das hilft dem Lehrer zu erkennen, wie er dir helfen kann.

Sei informiert. Mach deine Hausaufgaben. Es kommt immer gut, über die Tradition des Lehrers informiert zu sein und am besten darüber hinaus auch schon eine Menge über Wicca im Allgemeinen zu wissen. Ein Anwärter, der Gardnerian Wicca nicht von Reclaiming oder O.T.O. unterscheiden kann, wird von mir erst einmal wieder auf die Wiese gesetzt (so bezeichne ich den Ort, wo er erst einmal das nötige Vorwissen in sich aufnehmen und in aller Ruhe wiederkäuen kann, bis ein gewisses Verständnis vorhanden ist).

Sei authentisch. Schreibe etwas über dich selbst, um dem Lehrer ein Gefühl für deine Persönlichkeit zu geben. Es ist übrigens ein Trugschluss, dass man dafür gut schreiben können muss. Ich achte weitaus mehr darauf, ob ein Gesuch authentisch, sympathisch und persönlich wirkt, als darauf, dass jede Formulierung ausgefeilt ist.

Und zuallerletzt, nachdem du dein Gesuch abgeschickt hast: Sei geduldig! Die Person, der du schreibst, hat vermutlich noch ein Leben außerhalb von Wicca, und da kann es schon mal dauern, bis du eine Antwort erhältst. Ganz wichtig: in der Zwischenzeit mit den Hufen zu scharren ist nicht schlimm. Aber lass den Lehrer deine Ungeduld nicht spüren. Wicca ist ein Weg, auf dem man sich ohnehin viel in Geduld üben muss, und wenn du es nicht schon zu Anfang aushältst, vierzehn Tage auf eine Antwort zu warten, ist dieser Weg vielleicht grundsätzlich nichts für dich.

Ende Teil I

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