Das Märchen vom Kelch aus Silber, geschrieben von Veleda Alantia

Dieses Märchen sprach die Herrin des Sternenlichtes in ihrem Tal im Wald.
Sie sprach zu mir im Vertrauen an einem Morgen wo noch die Kühle der Dämmerung sich mit der Wärme des Tages zu vereinen suchte…

Eine junge Frau lebte mit ihrer Familie in einer Stadt, die an einem Wald mit tiefen Schluchten grenzte.

Der Wald galt als verwunschen. Geschichten von Feen, Elfen und anderen Wesen kursierten seid Jahrhunderten.

Das Elfenvolk wurde nur ‘die Strahlenden’ genannt, aus Furcht und Respekt vor den Kräften über die sie wachten.

Die junge Frau hatte einen natürlichen Zugang zu den anderen Welten doch hatte sie sich entschieden ihr Herz vor den Eingebungen zu verschliessen.

Es brachte ihr, scheinbar, nichts, und so entschied sie.

Doch wurde sie weiterhin beobachtet von den anderen Welten.

Eines Tages lief sie durch den Wald. Ihr Handy, welches ihr Navigationsgerät war fiel zur Gänze aus und der Wald war ihr nicht so vertraut wie sie es gerne hätte.

Frustiert und wütend begann sie zu schreien und zu fluchen. Stundenlang ging es so. Bis eine Frau in reinem weiß, langem goldenen Haar und Sternenlicht um Hals und Finger und Stirn, zu ihr trat.

“Warum störst du den tiefen Frieden des Waldes mit deinem Geschrei?” fragte die fremde Frau mit einer für eine Frau ungewöhnlichen tiefen Stimme und Melodie.

Die junge Frau sah die Fremde an. Trotz in ihren Augen. ”Frieden? Ich kann die Autobahnen hören und die Forstarbeiter. Mein Handy ist ausgefallen. Können sie mir den Weg zeigen?” Daß sie ohne ein Navi aufgeschmissen war sagte sie nicht.

“Das werde ich, junge Schwester und Erdenkind.” Mit einer anmutigen Geste wies sie sie an mitzukommen.

Murrend und maulend folgte sie der Frau zu einem See der im Nebel lag. “Hier ist nicht das wo ich hin will.” Die hohe Frau lächelte voll von tiefer weiblicher Weisheit.

“Ich zeige dir den Weg. Gehen musst du ihn selbst. Ein bisschen Vertrauen in dich und deine Welt wäre nicht schlecht.” Das kam mit einem leichten Tadel was sie noch mehr verdross. ”Ich hab mich entschieden die Welt so zu sehen. Ob du echt bist oder nicht ändert es nicht.”

Die Herrin des Sternenlichts teilte den Nebel und plötzlich waren sie an einem hohe gelegenen Brunnen. Die hohe Frau schimmerte wie Mondstein und kühles Silber als sie etwas Wasser entnahm und in eine erhöhte Schale samt Podest goss.

Die junge Frau trat neugierig ran. Sie erkannte verschnörkselte Buchstaben, Runen und Ogham als Verzierung.

“Sieh hinein. Erkenne deinen Kelch. Deinen Kessel und Gral.”

Entnervt von diesen Worten, denn sie wollte nichts tun oder sein ,sah sie in das Wasser. In dunklem Silber sah sie die Blätterkrone über sich. “Ich seh nichts.Da bin nur ich.”

Ein Kichern erklang von der Frau. “Mach weiter. Egal was es dir bringt. Vertrau.”

Ein tiefer Seufzer und sie sah erneut rein. Das dunkle Wasser wurde golden und tief. Die Schale schien in einen Schacht zu führen angefüllt mit Gold und Silber.

“Nun da du siehst, finde deins und deinen Weg.”

Die junge Frau ,voller Zweifel an sich und Allem griff hinein. Tropfend barg sie einen schmiedeeisernen Kessel. Er wurde zum Teil von ihr und verschwand in ihrem Unterleib.

Noch einmal griff sie hinein und ein schlichter silberner Kelch, indem sich das Licht der Mondin spiegelte, wurde zu ihrem.

“Kessel und Gral. Deinen Weg hast du gefunden. Gehe und sei. Das was du in dir trägst wird dich führen und leiten. Koppel keine Erwartungen an dich, denn du bist der Sämling des Baumes von Sonne und Mond im Reich hinter den Welten und Wellen.”

Plötzlich schlug sie die Augen auf. Über ihr das Dach des Waldes im tiefen Grün des frühen Abends. Der Abendstern schimmerte durch die Blätter.

Statt Selbstzweifel war in ihr nun Hoffnung und Vertrauen. Was sie da erlebt hatte, ob Traum oder Realität, oder etwas was die Grenzen aufweichte, war ihr gleich.

In ihr war nun ihr eigener Gral. Ihr Kessel der Verwandlung.

Was es war…es war.

Mit neuer Kraft trat sie aus dem Wald in die Stadt.

Ende

 

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