Allgemeine Gedanken zum Tarot, geschrieben von Kale

In den meisten Büchern, die es heute über das Tarot im Buchhandel gibt, findet man Angaben und Interpretationen zu sämtlichen Kartendecks. Allerdings ist mir aufgefallen, dass eigentlich kaum darüber geschrieben wird, was eine erfolgreiche Legung an sich überhaupt ausmacht. Aus diesem Grund möchte ich diesem Thema einen kurzen Artikel widmen und von meinem Umgang mit den Karten berichten.
Um das Deuten und Interpretieren von Karten soll es hier allerdings nicht gehen, das ist ein anderes Thema. Vorausschicken möchte ich, dass meine Ausführungen keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit stellen, sondern meine Gedanken im Umgang mit dem Tarot wiederspiegeln.

Position 1: Wo stehe ich?

Wenn man in verschiedene Tarotbücher schaut, werden etliche Legungen zu Problemen und Fragestellungen angeboten. Was ich dabei festgestellt habe, ist, dass mir die Muster aus Büchern fast nie wirklich geholfen haben, ein Problem zu beleuchten.
Dafür gibt es unterschiedliche Gründe:
Zum einen ist es so, dass jedes Beispiel immer von einer Person mit einer bestimmten Intention kreiert wurde.

Arbeite ich mit einem Buch, kann ich mir nie sicher sein – trotz Erklärung -, ob die Legung wirklich alle Schritte und Aspekte umfasst, die mit meiner Problemstellung zu tun haben. Jeder Mensch hat individuelle Methoden, wie er Probleme strukturiert angeht und löst. Das hat dazu geführt, dass ich mit eigenen Legungen arbeite – was einen entscheidenden Vorteil hat.
Wenn ich einem Freund – und nichts anderes sind ja auch die Tarotkarten – eine Situation schildere, macht es ja auch möglichst Sinn, dies in der gemeinsamen Sprache zu tun, also in meinem Fall auf Deutsch, und nicht z.B. auf Chinesisch.
Erstelle ich selbst eine Legung, habe ich die Möglichkeit genau zu bestimmen, wie welche Positionen gemeint sind.
Viele Autoren sind sich da selbst bei gleichem Legemuster nicht einig. Ein gutes Beispiel dafür ist die bekannte „Das Keltische Kreuz-Legung“, für die es etliche Varianten gibt.

Habe ich mir also Gedanken darüber gemacht, wie ich grundsätzlich ein Problem beleuchte und diesen Gedankenprozess in einer Legung verarbeitet, habe ich schon mal eine Grundlage dafür geschaffen, dass ich bei einer Legung ein sehr wahrscheinlich besseres Ergebnis erziele, als mit einer fremden Legemethode.

Position 2: Was muss ich tun?

Es mag wahrscheinlich für den ein oder anderen ungewöhnlich klingen, aber ich gestalte Legungen tatsächlich wie ein kleines Ritual. Das heißt, ich suche mir vorher einen Tag im Kalender aus und stimme mich dann – wenn der Zeitpunkt gekommen ist – darauf ein.
Ich versuche an dem Tag für mich alleine zu sein, sowie Stress und alles was mein inneres Gleichgewicht vielleicht in Wanken bringen könnte, zu vermeiden.
Ich nehme oft ein Bad mit ätherischen Ölen und nutze eine Räuchermischung aus bestimmten Kräutern/Pflanzen, um mein „Drittes Auge“ zu schärfen.

Dazu gehört auch ein kleiner Schutzkreis, den ich vorher ziehe, um negativen/störenden Einflüssen zu entgehen, denn auch diese können eine Legung unter Umständen beeinflussen.

Position 3: Der Weg dahin

Stehe ich tatsächlich vor einem Problem, stellt sich die Frage, wie so eine Legung bestmöglich ablaufen könnte.
Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch, der das Tarot befragt, sich schon lange mit einem Thema plagt, denn sonst würde man ja kein Orakelsystem konsultieren wollen.

Zunächst sollte man sich Zeit dafür nehmen und überlegen, wie man eine möglichst sinntragende Frage stellen könnte.
Dies mag sich vielleicht etwas übertrieben anhören, aber ich erwähne es deshalb, weil das Tarot ein sehr komplexes System ist und – je nachdem wie eine Frage definiert ist – eine Antwort der Karten anders ausfallen kann.

Bin ich mir nun darüber im Klaren, schreibe ich die konkrete Frage auf ein Blatt Papier und mache sie damit (auch für die Karten) „klar“. Ich werde sicher nichts Neues erzählen, wenn ich darauf hinweise, dass „Ja/Nein-Fragen“ für das Tarot eher ungeeignet sind. Für solche Fragen gibt es geeignetere Methoden, wie z.B. das Pendel.
Das Tarot ist immer auf Tendenzen vor dem Hintergrund der gerade vorliegenden Situation ausgerichtet, die sich aber auch jederzeit wieder ändern können. Sprich, was heute Fakt ist, kann nächste Woche durch eine drastische Veränderung wieder ganz anders sein.

Entscheide ich mich dann dazu eine Legung zu verwenden, macht es Sinn diese auf dem PC auszudrucken oder anders in Schriftform zu bringen. Das hat den Zweck, dass ich so auch so wieder für die Karten „klar“ mache, welche Karte auf welcher Position erscheinen soll.

Beide Zettel sind dann bei einer Tarotlegung mit dabei.

Ich habe oft festgestellt, dass Leute unterschiedliche Methoden haben ihr Tarot vor einer Legung zu mischen. Manche mischen ihre Karten mit beiden Händen und manche breiten sie auf einem Tisch aus und mischen sie dort. Es soll sogar Personen geben, die eine „Kartenmisch-Maschine“ benutzen.
Ich selbst bevorzuge Zweiteres, also eine großflächige Mischung auf dem Tisch, weil ich dadurch gewährleiste, dass die Karten dadurch möglichst „weit“ gemischt werden.
Auch achte ich vor dem Mischen darauf, dass sich alle Karten in aufrechter Position befinden, da ich selbst auch umgekehrte Karten berücksichtige. Für diejenigen, die keine umgekehrten Karten deuten, ist dieser Punkt irrelevant.

Während dem Mischen konzentriere ich mich auf die zu Papier gebrachte Frage und sollte den Vorgang erst dann beenden, wenn ich mir sicher bin, dass es jetzt „reicht“. Dieses Gefühl ist bei jedem unterschiedlich.

Bevor ich mit dem Mischvorgang beginne, sollte ich allerdings definieren, wie ich die Karten anschließend auslege. Sprich, habe ich entweder einen Stapel, von dem ich die Karten dann systematisch ziehe (also z.B. in der Reihenfolge von 1 bis 10) oder ob ich einen Fächer habe, aus dem ich dann nach Gefühl die Karten einzeln ziehe.
Dies ist deshalb wichtig, damit die Tarotkarten bereits im Vorfeld „wissen“, welche Positionen sie besetzen sollen, weil sich diese Festlegung bereits auf den Mischvorgang selbst auswirkt.

Position 4: Das Ergebnis

Als ich noch kaum mit dem Tarot vertraut war, gab es viele Situationen, in denen mein Vorgehen eher unkonkret war, weil ich zwar wusste, dass es ein Problem gab, ich dieses aber nicht so verbalisiert habe, dass da irgendetwas Sinnvolles hätte rauskommen können.
Oben habe ich ja bereits geschrieben, dass die Tarotkarten wie der Ratschlag eines guten Freundes genommen werden können. Und das stimmt!
Aber wenn ich meinem Freund nicht genau mitteile worum es eigentlich geht und was ich möchte (und mir auch nicht die nötige Zeit nehme), wie kann ich dann von ihm eine Antwort erwarten, die mir hilft?

Ich hoffe, dass ich vielleicht dem ein oder anderen, der sich noch kaum mit dem Thema Tarot beschäftigt hat, einen kleinen Gedankenanstoß zu dem Thema geben konnte.

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