Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil II, geschrieben von Uwe

Die innere Ebene „Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Wie ich in der äußeren Betrachtung meines Frühstückstisches belegt habe, lässt sich das Entstehen in Abhängigkeit an einer Vielzahl von Objekten leicht beobachten. Wer nachdenkt erkennt, dass alles, was in diesem relativen, weltlichen Geschehen erfahrbar ist, auf bestimmten Bedingungen beruht. Und nicht nur bestimmten, nein. Unendlich vielen bestimmten.

Vom Supermarkt zum Ich

Im äußeren Bereich ist also beispielsweise ohne Biene, Blüte und Nektar kein echter Honig möglich. Und aus Nutella entsteht nun mal kein Brot oder umgekehrt. Es braucht für das eine wie das andere die passenden Bedingungen und Umstände. Die zwar in vielen gleich sein können, in anderen jedoch unterschiedlich. So wie, auf den Honig bezogen, Biene, Blüte und Nektar nur drei Bedingungen sind, die für Honig benötigt werden.
Wobei Boden, Sonne und Regen ebenfalls nötig, die aber ebensogut für Brot, Nutella und Tupperschüsseln wichtig sind. Diese Zusammenhänge kann jeder mit ein wenig gutem Willen klar als eine logische und beweisbare These befürworten.

Nun kommen wir damit auf die „Innere“ Ebene des abhängigen Erscheinens zu sprechen. Denn das, was auf dem Bild des Frühstückstisches vordergründig zu sehen ist, ist nur die äußere Seite. Was ist mit dem Verkäufer, der den Honig handelt? Der Supermarkt, der Zulieferer, die Infrastruktur, das Geld? Was ist mit dem Haus, in dem diese Küche mit dem Tisch zu sehen ist? Mit der Kamera, die das Bild aufgenommen hat? Der Computer, der das Bild verarbeitet, das Internet, über das dieser Artikel weitergeleitet wird? Wir sehen, die äußeren Bedingungen, damit diese Betrachtung überhaupt gemacht wersen kann, werden noch vielfältiger.

Vor allem jedoch, was ist mit dem Menschen, der diesen Beitrag nun liest?  Und was ist mit dem, der dies alles schreibt? Hier berühren wir die innere Ebene des bedingt abhängigen Entstehens. Tatsächlich gibt es eine Menge Menschen, die davon ausgehen, dass Dinge wie Honig, Brot, Kunststoff, Haus, Computer, Internet und vor allem sie selbst, ihre Probleme, Beziehungstreitereien, Kriege, Liebe, Glück und all der Quatsch aus etwas anderem entstehen.
Wie der Honig aus Nektar. Oder diese Dinge entsteht aus sich selbst. Oder aus dem Nichts. Oder gar aus einer Mischung der ersten und zweiten Behauptung.
Diese vier theoretischen Möglichkeiten des Entstehens gibt es. Was aber so nicht ist. Denn Abhängig Bedingtes Entstehen hat (und hier berühren wir schon die „verborgene“ Ebene) keine wirkliche Ursache. Aber halt. Bleiben wir bei der relativen Erscheinung der Dinge.

Auf Messers Schneide

Alles folgt hier einem klaren Ursache-Wirkungsprinzip. Auf dieser Ebene der relativen Erscheinung zweifellos. Was auf der Ebene der Erscheinung, wie wir sie erfahren und nachvollziehen können, auch zuverlässig funktioniert, wie jeder bestätigen wird. Deshalb „entstehen“ in Abhängigkeit natürlich auch aus heilsamen Handlungen, wie es der Buddha dargelegt hat, nur heilsame Erfahrungen. Und aus unheilsamen folgen unheilsame.
Aus diesem Grund konnte der Buddha auch davon sprechen, dass die Wesen Eigentümer und Erben ihrer Taten sind. Weil Erfahrungen nur aufgrund der entsprechenden Bedingungen gemacht werden können. Und in Bezug auf Erfahrungen, die Wesen machen, seien sie nun angenehme oder unangenehm handelt es sich bei einem Teil dieser Bedingungen um Handlungen, die von Wesen gesetzt werden. Immer und immer wieder.

Weil Bedingungen zu den Resultaten passen müssen, fließt Honig deshalb auch nicht aus einem Messer. Selbst wenn dies so aussehen mag. Genauso wenig wie Glück nicht aus unheilsamen Handeln entspringen kann. Selbst wenn dies so aussehen mag. Allerdings „entsteht“ Honig auch nicht aus dem Nektar der Blüte. Denn dann müsste Nektar immer zu Honig werden oder in der Blume schon als Honig vorhanden sein. So ist es aber nicht.
Genauso ist das erfahrbare „Selbst“ eines Menschen, der etwas Angenehmes oder Unangenehmes erfährt nicht etwas, das einfach so entsteht aus dem Zusammentun verschiedener Komponenten. Oder in diesem irgendwo inhärent vorhanden. Es scheint so. Ja. Körper, Empfindung, Unterscheidung, Gewohnheitstendenzen, Bewusstsein scheinen so etwas wie ein „Selbst“ zu bilden. Diese sind aber nichts anderes als willkürlich benannte, wiederum aus vielen Komponenten bestehende Erscheinungen.

Insbesondere das, was wir „Ich“ nennen ist eigentlich sehr einfach zu durchschauen als zusammengesetztes Ding. Einige Gewohnheitsmuster, Verhaltensweisen, das Attribut männlich oder weiblich, ein Name, den wir uns nicht mal selbst rausgesucht haben, ein Aussehen, dass ebenfalls nicht von uns abhängig ist sondern genetisch bedingt, Wissen, dass wir uns von anderen angeeignet haben und Meinungen, die wechseln wie der Wind. All das nennen wir „Ich“.
Und alles, was dieses Ich unterstützt, was ihm gut tut ist „Freund“, „Heimat“, „Parteifreund“ oder sonst ein Zeug. Alles was dieses Ich bedroht ist „Feind“, „Ausländer“, „Mobbing“ oder „Parteifreund“. Dabei sind das alles nur Bedingungen, irgendwann zusammen gekommen und benannt. Und das alles zusammen nennt man dann „Ich“ und „Mein“.

Ein fataler Irrtum

Es braucht also, um zum Honig zurückzukommen, eine unendliche Vielzahl von Bedingungen, die nicht Honig sind um den Honig in seine letztliche „Existenz“ als Honig in Erscheinung treten zu lassen. Es ist aber genau diese Vorstellung „Entstehen aus Anderem“, die zum grundlegenden, fatalen Irrtum wird. Der zu dem Leiden führt, das der Buddha benennt.
Aufgrund dieses Irrtums glauben Menschen, dass irgendetwas anderes dafür verantwortlich oder schuld ist,. dass sie glücklich sind oder dass sie leiden. Ihr Nachbar. Ihre Vergangenheit. Ihre Gedanken. Ihre Gefühle. Ihr Lebenspartner. Ihr Beruf. Ihre Gesundheit. Ihr Aussehen.

Wenn dem so wäre könnte auch eine einfache Sache wie Honig tatsächlich aus etwas anderem entstehen. Dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass Honig wie gesagt auch aus einem Messer entstehen kann. Dem ist aber nicht so, wie wir erwachsene und aufgeklärte Menschen wissen. Einem Kind kann man noch erzählen, der Honig würde vom lieben Gott gemacht. Oder wir lassen eben Honig aus einem Messer fließen. Ein Kind würde das ohne Zweifel glauben. Aber wir sind ja keine Kinder mehr. Höchstens kindisch in unserer Denkfaulheit. Deshalb glauben wir auch, dass das, was wir erfahren etwas außerhalb von uns stattfindendes ist. Wird fortgesetzt mit einem zweiten Teil zu diesem etwas komplexeren Geschehen um das Entstehen in Abhängigkeit. Dann geht es um die beiden Wirklichkeiten des Geschehens. Die relative und die absolute. Es braucht eine Vielzahl ganz bestimmter Bedingungen, um etwas Bestimmtes zu erwirken.

Ende Teil II

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