Garten der Göttin, geschrieben von Veleda Alantia

Die junge Frau hatte sich zur Pause abseits ihrer Kollegen gesetzt. Eine nervöse Stimmung war seit dem Morgen in ihrem Magen.

Als sie saß, schloss sie die Augen und fand sich in einem Garten wieder.

Weiße symetrische Flächen aus Kieselsteinen und kleinere Sträucher und Bonsaibäume zierten den Weg den sie lang ging.

Ihr Weg führte sie zu einer niedrigen Brücke über einen Teich. Ein goldener und ein silberner Koi zogen kalligraphieartig ihre Bahnen.

Eine Frau in einem dunklen Kimono mit rotem Lippenstift und Haarknoten erwartete sie.

“Schön, daß du meiner Einladung gefolgt bist.”

“Wie kann ich nicht?” fragte die Frau zurück.

Die Göttin schmunzelte. Ihre Augen waren dunkelbraun und schmal wie die Augen eines Fuchses.

“Du hast dich lange nicht sehen lassen. Dachte schon du hättest mich fallen gelassen.”

Die Göttin holte aus ihrem langen Ärmel eine kleine dunkelblaue Glasphiole und schüttete es elegant, als würde sie Matcha oder Sake eingießen, in das Wasser.

“Ich bin immer da. Auch bei deinen Reisen mit den Begleitern. Wo immer du bist, bin auch ich, Tochter.”

Ein Klang drang aus dem Garten. Jemand schlug eine Kodô-Trommel. Ihr Rhytmus wurde eins mit dem Körper, Geist und Seele der jungen Frau.

“Wie ist dein Name in dieser Gestalt?”

Ein Lachen wie der Klang einer Bambusflöte.

“Namen sind egal…aber wenn du willst nenn mich ‘die Mitfühlende ‘, oder ‘Himmels- und Erdkaiserin‘. Mein sind die täglichen kleinen Rituale, der Tee und die Wege des Alltags. Ich bin die Kirschblüte und der Ahorn.”

Die junge Frau hatte plötzlich ein Sakeschälchen in der Hand.

“Auf dich, Tochter, und den Alltag.”

Als die junge Frau zum zweiten Mal ihren Geist auf Reisen schickte war sie an den Klippen einer Insel.

Unter ihr fühlte sie die tiefe Kraft der Wellen, auf dem Boden, auf dem sie stand spürte sie die ruhige Kraft der Erde.

Die Luft roch nach Blüten und weiße Apfelblüten tanzten im Wind.

Wieder hatte die Göttin eine andere Gestalt. Ihr Haar war silbrigblond, ihr Kleid war wie ein Saphir und silberne verschlungene Knoten waren als Zier und Zauber eingewoben.

Ein kleiner rauchender Kessel erschien vor ihr und sie bat die junge Frau sich dazu zu setzen.

“Dies ist die Heimat vieler meiner Töchter und Söhne. Jene welche meinen Ruf hören und einen Weg der Priesterschaft folgen der nicht das sein muss was sich andere darunter als Bild malen.”

Die junge Frau schwieg.

“Aber…sind Priester denn wichtig?”

“Ja und Nein. Ein jeder der den alten Weg geht, lebt seine eigene Form davon. Nur wenige können tatsächlich einer Gemeinschaft dienen. Statt an Altem sollten neue Formen entstehen und das tust du zum Beispiel, Tochter von Erde und Meer.”

Salzige Luft vermischte sich mit dem Duft des erhitzten gusseisernen Kessels.

“Dann wozu das alles?”

“Weil ihr es immer wart. Nicht jeder kann dem Ruf folgen. Es erfordert Hingabe an das Unberechenbare. Aufmerksamkeit für den jetzigen Moment. Phantasie und Vertrauen. Und ganz wichtig ist die Erdung. Wer so stark mit uns verwoben ist brauch eine Kraft die alles überwinden kann. Selbsterkenntnis und den Weg dahin. Du weißt selbst, daß ich jene hart prüfe die ich liebe und doch verlange ich nur daß ihr euer Leben lebt.“

Die junge Frau verstummt. Denkt an ihre dunkle Zeit. Ihre Prüfungen die nie enden.

“Selbst wenn du scheiterst lernst du. Es gibt weder einen richtigen Weg noch Zeit. Alles ist jetzt.”

Autorin: Veleda Alantia

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