Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil III, geschrieben von Uwe

Wie zum Beispiel Honig. Oder Liebeskummer. Oder Depression. Hass. Mitgefühl. Tupperschüsseln. Klimawandel. Dass dabei etwas aus etwas anderem entsteht ist eine von vielen Menschen gestellte Behauptung. Die allerdings nichts anderes als dem „einfachen“ Denken geschuldet ist.
Zwar sind Blüte, Nektar und Biene definitiv was „anderes“ als Honig. Dass aus ihnen Honig entstehen würde, diese Sichtweise beruht jedoch auf einer Art Faulheit. Auf einer grundlegenden Unachtsamkeit, besser ausgedrückt, einem NichtGewahrsein. Dieses Nicht-Gewahrsein wird insbesondere von theistisch orientierten Menschen gepflegt. Und auch von Atheisten.

Vom Schöpfergott zum Gehirn

Theisten haben sich dabei etwas ganz besonders „anderes“ ausgedacht. Alles Erfahrbare und auch nicht Erfahrbare, so stellen sie ihre Sicht dar, gehe auf die Schöpfung einer überlegenden Wesenheit, eines Gottes zurück. Der ewig, unveränderlich und unabhängig agiere. Der in der Lage ist, aus dem Nichts etwas zu erschaffen.
Nun, wie etwas aus dem Nichts erschaffen wird, mag man erst mal erklären. Aber dazu später mehr.

Der Glaube an einen ewigen, unveränderlichen und allmächtigen Schöpfergott ist dabei in doppelter Hinsicht denkwürdig. Wohlgemerkt, die buddhistische Sicht lehnt den Glauben an Götter nicht pauschal ab. Allerdings befinden sich diese Götter, so machtvoll, schöpferisch oder langlebig sie auch sein mögen jedoch logisch betrachtet ebenfalls innerhalb dieses relativen Geschehens. Und nicht irgendwo außerhalb.
Denn wären sie außerhalb dieses Geschehens, dann könnten sie keinen Einfluss auf die wechselseitigen, abhängigen Vorgänge bewirken.
Sobald sie jedoch etwas bewirken, sind sie innerhalb dieses Geschehens. Und dann unterliegen sie denselben Bedingungen wie alle Erscheinungen dieser relativen, erfahrbaren Existenz.

Und wenn ein Schöpfergott etwas erschafft, woraus erschafft er etwas? Wie gesagt, aus dem Nichts geht ja schon mal gar nicht. Und wenn der Schöpfergott ebenfalls Bedingungen nutzen würde, woher kommen diese Bedingungen? Oder hat dieser Gott diese Bedingungen ebenfalls aus dem Nichts erschaffen? Ja ja, so einfach ist das nicht.

Zum Zweiten stellt sich bei einem Schöpfergott noch die folgende Frage: Wer oder was hat diesen geschaffen?
Wenn nun jemand behauptet, dieser Gott sei „ewig“, ungeschaffen, dann sind wir schon bei der zweiten Behauptung angelangt. Das etwas aus sich selbst entstanden ist. Das eine solch komplexe Sache wie ein Schöpfergott, der etwas bewirkt und daher ja zielgerichtet vorgeht, mit einem Plan und auch Ausrichtung, aus sich selbst entstehen könnte geht aber auf dieser relativen, erfahrbaren Ebene schon mal gar nicht.

Atheisten haben ebenfalls eine sehr nette Erklärung parat wenn es um das Thema Geist geht. Diese, von keinem Neurologen, Biologen oder Wissenschaftler auch immer erklärbare Sache Geist wird flugs als ein Produkt des Gehirns bezeichnet. Nun denn, hierfür gilt selbiges wie für einen Schöpfergott.
Die Wissenschaft hat ein an und für sich lebloses Objekt wie Gehirn zu einem Schöpfer einer ihm völlig fremden Sache erklärt. Da wundert es, dass man Pinocchio, den hölzernen liebenswerten Bengel in den Bereich der Mythen verschiebt. Denn auch Holz etwas, dass wie Gehirn aus vielen Bedingungen in Erscheinung tritt. Und dann könnte Geist auch in Pinocchio „entstehen“.

Von gehörnten Hasen und Spaghettimonstern

Nun sagen einige findige Bürger, dass Gott, der Geist und die Dinge aus dem Nichts entstünden. Nun denn, das passiert ebenfalls nicht.
Auch Honig, wir erinnern uns, entsteht nicht aus dem Nichts. Und wenn dem so wäre, dann könnte auch im Himmel ein gehörnter Hase erscheinen. Einfach so.
Oder aber, wenn es denn einen Schöpfergott geben sollte, es die Gottheit der fliegenden Spaghettimonster ebenfalls geben müsste. Gibt es übrigens tatsächlich. Sogar eine Kirche, die diese anbetet. Dinge und Götter, auch nicht fliegende Spaghettimonster entstehen aber nicht aus dem Nichts.
Manche sagen auch, da gibt es halt eine Mischung aus diesen Möglichkeiten und die Dinge entstünden halt zufällig. Zwar betonen manche Leute, die Quantenphysik würde genau auf solches verweisen. Dass Dinge zufällig erscheinen. Dass es Multiversen gibt und darin Vorgänge, die jenseits der relativen physikalischen Gesetzmäßigkeiten liegen. Wo die Schwerkraft nicht gilt und Dunkle Materie die Dinge umkehrt. Wo Wurmlöcher Verbindungen zwischen den Galaxien und Dimensionen bilden und Warpantriebe Raumschiffe voranbewegen. Mit Mutter Theresa als Kapitän und Adolf Hitler als Schiffskaplan.

Nun, das ist jetzt ein wenig überspitzt. Tatsächlich verdanken wir unsere heutigen hochentwickelten technischen Geräte auch den teils verrückten Thesen der Quantenphysik. Das heißt aber nicht, dass diese Thesen nicht doch Regelmäßigkeiten folgen würden. Es kommt dabei nur darauf an, wie sie interpretiert oder überhaupt verstanden werden.
Denn, wer stellt diese Theorien auf? Sind es nur Physiker, die das mit ihrem Denken durchdrungen haben wollen und mit besonderen Geräten beobachten? Wer programmiert die Computer, die etwas außerhalb der relativen Realität beobachten wollen? Und wie interpretiert man eine solche Messung, die man macht? Und ist das Chaos, das manche Physiker dann erkennen wollen vielleicht auf einer verborgenen Ebene nicht doch wieder wohlgeordnet? Nicht, dass Quantenphysik nicht eine Geltung haben würde. Nicht, dass sie nicht gute, phantastische Theorien liefert für unser Sein. Das ist aber eine andere Sache.

Ende Teil III

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