Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil IV, geschrieben von Uwe

Zwei Wirklichkeiten

„Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Die buddhistische Sichtweise schließt keine Theorie grundsätzlich aus, nur Und haben dennoch, wie wir aus der tagtäglichen Erfahrung mit Computern, Smartfones und anderen technischen Errungenschaften Auswirkungen auf die relative Ebene, das eigene Leben.

So könnte man natürlich sagen, auch ein Schöpfergott hat diese Auswirkungen. Allerdings haben wir bei einem solchen Gott das „Problem“ der Herkunft und der Unmöglichkeit des Einwirkens auf relative Erscheinungen. Wie ich das im letzten Artikel dargelegt habe. Insbesondere ist es fahrlässig, mit den Erklärungen des verborgenen im Bereich der relativ erfahrbaren Wirklichkeit mutwillig herumzupfuschen.
Es nützt vor allem nichts wenn es um den großen Bereich der eigenen Gefühle, des eigenen Selbst, des Lebens an sich geht. Zumindest solange man nicht selbst die absolute Wirklichkeit durchdrungen hat.
Es nützt nichts, wenn es um relativ erlebbares Karma und ja, auch Wiedergeburt geht. Nützt nichts bei der Frage, wie man aus diesem Schlamassel der Verstrickungen in die eigenen Gefühle und Verflechtungen, den „karmischen Gestaltungen“, in denen man brutal feststeckt, eigentlich rauskommt.

Weil sich ja dennoch, trotz aller Beteuerungen und Theorien alles immer und immer weiterdreht, ohne Unterlass. Ohne Anfang, ohne Ende. In einer Art Dauerschleife der Wiederholungen. Und was ist nun der Ausweg aus dem Dilemma? Der Versuch einer Beschreibung folgt.

Die schreckliche Wirklichkeit

„Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Auf der Ebene der relativen Wirklichkeit haben Bedingungen keinen Anfang, wenn wir sorgfältig darüber nachdenken.
Wo sollte es denn bitteschön auch irgendwo einen Anfang für Bedingungen geben? Wann hat „Evolution“ tatsächlich begonnen? Oder, was die Astrophysik ja auch nicht beantworten kann, was war vor dem Urknall? Und was war die Ursache für den großen Knall? Wo kein Anfang da kein Ende. Das sagt zumindest die buddhistische Lehre. Sie spricht definitiv von unendlichen Zeitaltern, in denen Welten entstehen und vergehen. So verlockend es nun auch sein mag, es ist grundsätzlich nicht empfehlenswert, im alltäglichen Erleben, in diesem relativen Zusammenhang mit relativen überschaubaren Zusammenhängen unserer Erfahrungen mit der Traumebene zu argumentieren.

Zuerst gilt es, die relative Wirklichkeit anzuerkennen, wie sie ist. Und da gibt es nun mal Anfang und Ende. Man akzeptiert, dass Geburt geschieht, Krankheit, Alter. Und auch Sterben. Das da erfahrbares Glück ist wenn was Hübsches geschieht und Leiden, wenn Mist passiert. Dass all dies aufgrund von Bedingungen geschieht. Und nicht aus dem Nichts, zufällig, schicksalhaft.
Geht man hierbei aus dem Kontext der Relativität hinaus und argumentiert mit Quantensprüngen, schwarzen Löchern und Leerheit mag das für die esoterische Stammtischdiskussion ganz nett sein. Bringt aber ansonsten rein gar nichts. Nicht für das relative eigene Leben. Im Gegenteil. Das wäre, als würde man einem Menschen, der soeben sein Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hat auf die Schultern klopfte und sagte, dass dies doch alles nur ein Traum sei.
Letztlich stimmt das. Alles ist wie ein Traum. Wer schon die 60 Jahre überschritten hat wird dies ohne Umschweife bestätigen. Denn woran erinnert man sich mit 60 noch konkret aus seiner Kindheit. Oder erscheint nicht doch alles wie ein langer Traum? Dennoch wird dies in einer traumatischen Situation wie dem Verlust eines Kindes keinen Nutzen haben.

In einer solchen Situation hilft zuerst nur die Anerkennung dieser relativen, scheinbar wahrhaft existenten Ursachen und Wirkungsprinzipien folgende Wirklichkeit, wie wir sie als Menschen erfahren.
Hier ist ein Kind gewesen. Das man aufgezogen hat. Mit dem man Zeit verbracht, das man geliebt hat. Und nun ist es tot, gestorben. Plötzlich und unvermutet, zufällig, durch einen Unfall. Durch eine plötzliche, heftige Krankheit. Durch Selbstmord.
Statt über Träume zu faseln nimmt man einen solch verwaisten Menschen in den Arm und versucht, sein Leid zu lindern durch Anwesenheit. Wobei dieser Mensch mit seinem Leiden immer allein sein wird. Und kaum zu trösten.

Ein abgehobenes, intellektuelles Geplappere über eine „Absolute Wirklichkeit“ hilft wirklich nicht. Nicht in einem solchen Moment. Bewirkt eher das Gegenteil. Wichtig ist zuerst der Blick auf die relative, scheinbare Wirklichkeit, wie sie ist.
Dann gilt es, Hilfe zu geben. Und Formalitäten zu regeln. Die Beerdigung. Die Benachrichtigung der Verwandten. Die Wochen und Monate danach zu überstehen helfen.
Und wenn man mal so weit ist und der Schmerz nicht gar so groß ist und man irgendwann ansprechbar für solche Themen, dann ist man vielleicht auch fähig für eine kleine Einsicht.

Dann ist es vor allem wichtig zu begreifen, dass alles was uns umgibt und was uns ausmacht, alles, was wir erfahren, genießen und erleiden auf einem unendlich vielfältigen Zusammenspiel von Bedingungen beruht. Die nur mit einem selbst zu tun haben. Mit nichts anderem.

Ende Teil IV

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