Interview der TWPT mit Esra Free übersetzt von Dreamdancer – Teil II

TWPT. Wann hattest Du Dich dazu entschlossen zu schreiben und auf welche Art drückte sich dieses Verlangen aus bevor Du Dein erstes Buch in Angriff nahmst?

Esra: Um ganz ehrlich zu sein: ich habe mich nie als Autorin gesehen. Selbst als „Wicca 404“ veröffentlicht und „draussen in der Welt“ war, tat ich das nicht. Ich bin Hohepriesterin. Eine einfache Forscherin auf dem Pfad und Weberin der „Craft“, und das reicht mir völlig. Bevor ich „Wicca 404“ in Angriff nahm, in meiner Rolle als Hohepriesterin des „Cosmic Goddess Covens“, schrieb ich Material für unser gemeinsames „Book of Shadows“, Lehrpläne für neue Initiationsanwärter, unseren Newsletter und solche Sachen. Während dieser Aufgaben begann ich – in Zusammenarbeit mit meinem Umfeld und den Aktivitäten mit dem Coven – die Basis für die Thealogie zu schaffen, die sich im Buch ausdrückt. Mein Mann, Jack Preston King, der übrigens ein Schreiberling ist, las das zusammengewürfelte Material und sagte dann irgendwann: „Esra! Du musst dieses Zeug veröffentlichen! Die Welt braucht das! Wicca überall sollten das lesen!“ Jack ist zwar kein offizielles Mitglied des Cosmic Goddess Coven, aber sehr wiccafreundlich. Überhaupt ist er sehr offen was spirituelle Ideen und Pfade anbelangt, und so wie sich der politische Zustand der Welt derzeit zeigt, auch sehr besorgt was die Zukunft des Menschen auf diesem Planeten an sich anbelangt. Ich stimmte absolut mit ihm überein, dass die „kosmische Perspektive“ unseres Covens der breiten Wicca Community zugänglich gemacht werden sollte, da man gute Denkanstösse daraus ziehen könne, von denen nicht nur Wicca, sondern die Menschen an sich profitieren könnten. Allerdings war ich mir überhaupt nicht sicher, dass jemand ein von mir geschriebenes Buch je lesen würde! Aber ich vertraute seinem Urteil und machte mich auf, Richtung Word Programm! Etwaige Leser müssen das Resultat nun für sich beurteilen!

TWPT: Fandest Du seinerzeit, dass die Bücher aus denen Du über diesen neuen Pfad lerntest qualitativ und informativ hochwertig genug  waren und Dir genug  bzw. kompetent die Wicca Basis vermittelten?

Esra: Die e-i-n-f-a-c-h-e Basis, ja. Traditionen um die Sabbate, Techniken um einen Kreis zu ziehen, einige fundamentale Konzepte der Magie und deren Anwendung, diese Sachen halt. Es versteckt sich wichtige und wertvolle Information zwischen den Seiten so mancher dieser grauenvoll kitschigen „Anfänger Bestseller“ die da überall aus den Regalen in jeder vorstellbaren Variante violetter Umschläge und Covers heraus glänzen. Allerdings brauchst Du mit Sicherheit nicht mehr als eine oder zwei dieser Exemplare in Deiner Sammlung. Es steht sowieso überall nahezu das Gleiche drin. Wicca 101 ist was es ist – der Ausgangspunkt, ein Ort von dem aus man starten kann, ein durchaus notwendiger Abschnitt des Lernens und der Entwicklung, durch den alle Wicca erst einmal durch müssen. Aber ich denke, dass eine Menge Leute dort dann auch schon steckenbleiben und sich niemals über die Anfangsbeziehung mit der Göttin hinaus weiter entwickeln, so wie viele erwachsene Christen ein Leben lang in der kindlichen Vorstellung von Gott, Jesus und der Bibel hängen bleiben anstatt ihren Horizont über die „Big Daddy im Himmel“ oder „ich glaube weil es mich beruhigt“ Stufe hinaus zu erweitern. Die Tendenz zum „steckenbleiben“ in den einfachsten Anfängen des Wicca-Pfades hat teilweise, zumindest glaube ich das, mit dem traurigen Mangel an Wicca 202, 303 oder 404 Büchern zu tun, von denen es kaum welche auf dem Markt gibt. Sie existieren, aber sie sind selten violett und haben kaum dralle Frauen in transparenten Roben auf den Titelseiten, die sich dann auch noch verführerisch drapieren. Lese Margot Adlers „Drawing Down the Moon“, Reven Grimassis „The Wiccan Mysteries“, Bücher von Janet und Stewart Farrar. Dann – und das ist besonders wichtig! – wende Dich den darin angegebenen Bibliographien zu und lese die deren Quellen und wiederum deren… Die Perlen sind da draussen, aber Du musst nach ihnen graben. Oder kauf einfach „Wicca 404“ … (lacht)…

Nur ein Scherz. Mein Buch ist natürlich auch kein „Ende aller Dinge“. In Wahrheit, und das kann ich mit absoluter Sicherheit aus meiner jahrelangen Praxis als Hohepriestern heraus sagen, lernt man 90% in Wicca sowieso nicht aus Büchern heraus. Bücher sind der Schlüssel den die meisten Menschen nutzen um eine Tür zu öffnen, eine Tür zu einer lebendigen Beziehung mit der Göttin und dem Gott, aber um diese Beziehung lebendig und real werden zu lassen musst Du die Bücher ablegen und durch diese Tür gehen. Du. Persönlich. Es sind viel Studium und Nachforschen nötig die man in die systematische, intellektuelle, theologische Grundlage investieren muss die jede Religion braucht, wenn sie sich als stabile soziale Struktur in unserer sich rasant und immer auf neue verändernden Welt verwurzeln möchte, aber Wicca ist in der Praxis nie und nimmer eine rein intellektuelle Übung. In der Praxis geht es um all diese Dinge die meinen Traum so grossartig machten und die mich zu allererst auf den Pfad brachten: Liebe, Leben, Leidenschaft, Ekstase, schiere Erotik, ein allumfassendes Lebensgefühl. Das findest Du in keinem Buch! Du kannst es in kein Buch schreiben und ich würde nie behaupten genau das getan zu haben. Meine Ambition für „Wicca 404“ ist, das es als so etwas ähnliches wie eine Landkarte dienen soll. Ein Fahrplan der die Leser auf ihre ganz persönliche Reise zu einem gelebten Wicca einlädt ohne zu behaupten „die Sache an sich“ zu sein. Das ist eine persönliche Entdeckungsreise die jeder für sich machen muss. Wicca ist ein lebenslanger Lernprozess auf dem Bücher sicher eine Rolle spielen – aber die wirklich wichtigen Dinge lernst Du wenn Du die Füsse auf den Pfad setzt und Tag für Tag auf ihm gehst, Seite an Seite mit der Göttin und dem Gott. Sie sind real uns sie lernen Dir diese Sachen bereitwillig und gratis. Wenn Du zulässt, dass Bücher diese Rolle übernehmen, dann betrügst Du Dich einfach selbst. Mach das nicht! Lese, studiere, lerne natürlich. Aber vergiss nicht zu leben, zu erfahren, eine Hexe zu sein und nicht nur ein ewiger Lehrling. Rede nicht nur über die Göttin, LIEBE SIE, höre auf Sie, spiegle sie, so wie der Mond die Sonne reflektiert. Studiere die Natur nicht nur, sondern steck Deine Hände in den Schmutz, geh barfuss auf einem Waldpfad, richte Dein Gesicht in den Wind und atme Natur tief in Deine Lungen hinein und wieder heraus. Fühl die Verbindung. Keine Bücher erforderlich!

Ende Teil II

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