Die Heißlände als Ein- und Auswanderungsgebiet – Donau, Traisen und die Au – Teil 3

Überall dort wo es noch einen einigermaßen natürlichen Flusslauf gibt, sind immer wieder mal Schotterbänke, meist an den Randzonen der Flüsse zu sehen. Diese Zonen werden in  Österreich Heißländen und in Deutschland Brennen genannt. Sie werden einerseits durch die normalen Ablagerungen des Flusses (mitgeführter Schotter z.B. aus dem Quellgebiet) und andererseits durch den angeschwemmten Schotter bei Hochwasserereignissen gebildet. Solche Aufschüttungen bestehen aus wasserdurchlässigem und normalerweise nährstoffarmen Material, wo sich eine dünne Humusschicht erst mit der Ansiedlung von verschiedenen Pflanzen bildet. Durch die Überdüngung des Bodens gelangt allerdings immer mehr nähstoffreiches Material in die Flüsse, und dieses lagert sich auch in den Heißländen ab.

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Heißlände in der Traisen

Die ersten Siedler sind trockenheitsresistente, krautige Pflanzen denen anspruchsvollere folgen. Sobald die ersten Gehölze aufkommen und mit ihren Wurzeln Anschluss an das Grundwasser finden, wächst die Heißlände zu und wird zum Vorwald.

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Heißlände mit krautigem Bewuchs

I’m sexy and i know it …

Eines der ersten Gewächse, die die mittlerweile nährstoffreichere Heißlände bevorzugt, ist das Indische oder Drüsige Springkraut – Impatiens glandulifera. Wie der Name schon nahe legt, stammt diese Pflanze ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet, genauer gesagt aus Kaschmir und wurde im 19. Jahrhundert gezielt als Zier- und Gartenpflanze nach England eingeführt. Mittlerweile hat sie sich zu einem nicht mehr so gern gesehenen Gast in der freien Natur entwickelt. Das Drüsige Springkraut verfügt über etliche Verbreitungsmechanismen und ist dadurch in der Lage, viele der heimischen Pflanzen, wie zum Beispiel die Brennnessel, zu verdrängen.

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Indisches bzw. Drüsiges Springkraut

Das Indische Springkraut ist zwar nur eine einjährige Pflanze, aber sie erreicht in kürzester Zeit eine Wuchshöhe von bis zu 2 Meter und kann so etliche andere Pflanzen überdecken. Weiters produziert sie pro Stunde und pro Pflanze 40 mal so viel Nektar wie eine vergleichbare heimische Pflanze – dies merken sich auch die natürlichen Bestäuber wie z.B. die Hummel, die über ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis bezüglich Futterpflanzen verfügt. Durch dieses Überangebot an Nektar wirkt das Indische Springkraut auf die bestäubenden Insekten um einiges sexuell attraktiver als der Rest der Pflanzen in ihrem Umkreis. Einen weiteren Vorteil sichert ihr die Verbreitung ihrer Samen durch einen Schleudermechanismus, der schon durch einen Regentropfen ausgelöst werden kann. Die Samen können bis zu 7 Meter weit weg geschleudert werden. Die Samenproduktion einer Pflanze liegt zwischen 1600 und 4300 Samen, und diese können bis zu 5 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Zusätzlich können abgerissene Pflanzenteile, die durch Wind oder Wasser fortgetragen werden jederzeit wieder im Boden wurzeln.

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Bestäuber bei der Arbeit

All diese Mechanismen haben dazu geführt, dass das Indische Springkraut vielerorts als Bedrohung angesehen wird. Durch eine tiefe Mahd bzw. das Ausreißen der Pflanzen vor der Samenreifung und einer anschließenden Kompostierung können die Bestände aber sehr wohl in Zaum gehalten werden. Allerdings wäre ein Rückgang der Düngung und somit eine Reduzierung des Nährstoffgehaltes in unseren Flüssen viel effektiver. Dadurch hätte die heimische Flora die Möglichkeit, sich selbst gegen solche Neophyten wie das Drüsige Springkraut durch zu setzen.

Evolution goes on …

Eine weitere krautige Pflanzengattung, die die Heißländen, aber auch die normalen Uferzonen bzw. auch Bahndämme bevorzugt, ist die Goldrute – Solidago. In Europa war ursprünglich nur die Echte Goldrute beheimatet, aber der Bestand wurde durch die aus Amerika eingewanderte Riesen Goldrute – Solidago gigantea bzw. die Kanadische Goldrute – Solidago canadensis erweitert. Wie das Indische Springkraut zählt auch die Kanadische bzw. die Riesen Goldrute zu den invasiven[1] Neophyten, da sie andere Pflanzen, die eine enge Standortwahl haben und die damit verbundene Fauna verdrängen. Andererseits dient sie auch den Insekten, die sich an das veränderte Angebot angepasst haben als Nahrungsquelle. Solche Pflanzen beschleunigen zwar den Artenwandel in einem ökologischen System, auf der anderen Seite haben sie aber erst durch schon vorhandene Störungen (wie das aktive Eingreifen des Menschen) und Landschaftsschäden überhaupt die Möglichkeit bekommen, sich in diesem Maße auszubreiten.

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Goldrute

Generell werden die Pflanzen der Gattung Goldrute als harntreibende Mittel eingesetzt, weil sie die Wasserausscheidung im Körper fördern. Die Kanadische Goldrute wird auch als Färberpflanze verwendet.

Eine Pflanze wandert aus …

Auch der Gewöhnliche Blutweiderich – Lythrum salicaria ist auf der Heißlände beheimatet. Er wurde als Heil- und Gartenpflanze im 19. Jahrhundert von Europa nach Amerika eingeführt und gilt dort mittlerweile als lästiges Unkraut – obwohl nicht festgestellt werden konnte, dass er (wie bei andere Neophyten üblich) heimische Arten aus ihrem ökologischen System verdrängt.

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Gewöhnlicher Blutweiderich

Durch den hohen Gerbstoffgehalt besitzt die Pflanze blutstillende, harntreibende und bakterizide Eigenschaften, die quer durch die Jahrhunderte von der Volksmedizin genutzt wurden. Als Heilmittel wurde der Blutweiderich bei Ekzemen, Durchfall, Blutspeien, Ruhr und auch bei Choleraepidemien eingesetzt. Früher wurden Teile der Pflanze auch in Notzeiten dem Speiseplan hinzugefügt. Untersuchungen der Landbevölkerung im mediterranen Raum haben gezeigt, dass der Blutweiderich auch gegen Diabetes (Typ 2) schützt. Der Blutweiderichsaft wurde auch zum Gerben von Leder und zum Imprägnieren von Holz und Seilen gegen das Faulen im Wasser verwendet.

Und die Moral von der Geschicht …

Wie ihr hier in diesem Artikel sehen könnt, hat der Mensch wieder einmal einen großen Part in der Evolution übernommen. Einerseits durch das aktive Einführen von ursprünglich nicht heimischen Pflanzenarten und durch die Veränderung des Nährstoffgehaltes im Boden (Stichwort Düngung). Andererseits durch den Rückbau von Flüssen, was zur Wiedergewinnung von Landschaftsräumen für spezielle Pflanzen und Tieren führt. Vieles spielt bei der ökologischen Entwicklung zusammen – einige Auswirkungen kann man in einem ziemlich kurzen Zeitraum beobachten, und andere zeigen sich erst in etlichen Generationen. Meiner Meinung nach lässt sich dieses System nicht mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurück versetzen – die „gute, alte Zeit“ ist vorbei!

Die von uns ausgelösten Veränderungen können meiner Meinung nach vielleicht etwas verlangsamt werden. Aber wir haben jetzt die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen und uns durch die Beobachtungen der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte bewusst machen, welche Kettenreaktionen wir auslösen, wenn wir in bestehende Systeme eingreifen. Manchmal wird es sich wahrscheinlich nicht verhindern lassen, aber manchmal ist vielleicht ein Innehalten und „Nicht-Tun“ sinnvoller.

Im nächsten Artikel möchte ich euch noch ein paar Pflanzen der Heißlände, wie zum Beispiel die Rossminze und das Seifenkraut, und der Uferzonen, wie zum Beispiel den Sumpfhornklee und die Kohldistel vorstellen.

Quellen:
Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at


[1] Unter invasiven Neophyten versteht man eingewanderte Pflanzen die sich zu einem Problem entwickelt haben.

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3 Antworten zu “Die Heißlände als Ein- und Auswanderungsgebiet – Donau, Traisen und die Au – Teil 3”

  1. MartinM sagt:

    Danke, dass Du so knapp und dennoch differenziert über pflanzliche Ein- und Auswanderer schreibst – es gibt leider schon zu viele weitgehend kenntnissfreie Sensationsartikel (in der Machart von „Invasion der Killer-Pflanzen“ und leider manchmal in einem Stil, der an die „Das-Boot-ist-Voll“-Rhetorik gewisser „Ausländerstopper“ erinnert). Da tun botanische und ökologische Tatsachen richtig gut.
    Außerdem ist es wieder mal ein Leckerbissen für Flussauen-Liebhaber wie mich!

  2. Rothani sagt:

    Danke schön Martin! Der Vergleich mit der „Das-Boot-ist-voll“-Rhetorik ist mir beim Schreiben auch aufgefallen und ich finde es geht auf dieselbe Grundproblematik zurück – etwas (die Umgebung) verändert sich und weil Veränderung Angst macht, braucht man gleich mal einen Schuldigen den man seine Unsicherheit mit lautem Geschrei drüberstülpen kann. Aber Veränderung passiert nun mal – das Leben entwickelt sich einfach weiter, im Zweifelsfalle auch ohne uns ;-)

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