The times, they are a changing … ?!

WeiberCraft war ein mehr als gefragtes Thema als wir mit der Planung des WurzelWerk begonnen haben – im Jahre der westlichen Zeitrechnung 2000, quasi pünktlich zur Jahrtausendwende. Viele beschäftigten sich damals mit „Frauenfragen“, Gleichberechtigung, Frauenpower, Frauenspiritualität und vielen anderen Frauenthemen. Sind die Baustellen heute schon erledigt? Damals latent vorhandene Kriegsschauplätze befriedet?
Die Gesamtheit dieses mehr als komplexen Feldes soll allerdings heute nicht mein Fokus sein, sondern eher (wie so oft) die spirituelle Seite des Frau-Seins. Da mir persönlich der Feminismus nie ein grundlegendes Anliegen gewesen ist und ich die Entwicklungen vornehmlich ob meiner spirituellen Interessen mitbekommen habe, kann es gut sein, dass ich schlichtweg den Anschluss verpasst habe an das, was sich auf diesem Gebiet heute tut. Solltet ihr, werte Leserschaft, da bessere und breitere Zugänge habt, dann würde ich mich über eure Darstellung natürlich mehr als freuen!!!


Eine kurze Herleitung

Für diejenigen, die mich noch nicht (oder nicht mehr) kennen, will ich kurz beschreiben, wessen Geistes Kind ich bin. Für mich ist diese materielle Welt polar aufgebaut, weshalb ich auch seit vielen Jahren von der traditionellen chinesischen Medizin mehr als fasziniert bin. Dabei gibt es kaum „harte“ Definitionen nach dem Muster „das IST so“ sondern eher „im Vergleich mit x ist y dieses und jenes“. Je nachdem auf welche Beobachtung ich mich beziehe, können sich diese Klassifizierungen ändern (weil ich ja auch jedes Mal andere Bezugsrahmen habe).
Deshalb fühle ich mich in der Craft (in dem, was viele als „Wicca“ bezeichnen) zu Hause. Für meine Spiritualität brauche ich einen Ansprechpartner, deshalb auch ein Pantheon, eine Götterwelt. So gibt es Göttinnen und Götter genauso wie „geschlechtslose“ oder „mehrgeschlechtliche“ Wesenheiten – wie in der Natur, wenn ich mir Fauna und Flora so ansehe.

Die Seite der Göttin hat mich am Anfang meines Weges wesentlich mehr fasziniert, weil ich schlicht und ergreifend vornehmlich mit männlichem Muster an Spritiualitätsausübung, dem Katholizismus, aufgewachsen bin. Budapest und Starhawk waren damals meine Hängebrücken auf denen ich balancierte. In den Feministenecken der Buchgeschäfte fanden sich etliche Autorinnen, wie Luisa Francia und Angelika Aliti (die mir beide bis heute Gedankenstöckchen werfen in Blog und facebook). Eine Zeit, in der ich mich selber erforschte, meine Rolle in diesem kosmischen Spiel und die Modelle, die sich mir anboten. Die Erfahrungen und Sichtweisen all dieser Autorinnen zu Hilfe nehmen zu können, war ein großes Geschenk! Eigene Erfahrungen sind in meinen Augen durch nichts zu ersetzen, aber die Lebenszeit und die Ressourcen sind begrenzt, deshalb bin ich immer dankbar, wenn mir jemand aus seinem Leben und Denken erzählt. Das erlaubt mir, gewisse Vorgehensweisen bevorzugt zu erkunden und andere eher hinten anzustellen. Für mich hat sich das mit den Jahren sehr bewährt.

Nach einigen Jahren, Mitte meiner Zwanziger, stellte ich fest, dass ich mit der Sichtweise, „Alles ist die Göttin, Frauen haben´s einfach besser, weil sie von Haus aus besser sind!“ nichts anfangen konnte, sich dieses unterschwellige Motto aber immer weiter auszubreiten schien. Retrospektiv finde ich diese Einstellung, im Sinne einer Selbstfindung, als durchaus normal, wenn auch nicht sinnvoll als bleibendes Lebensmotto. Fast jeder Jugendliche hat eine Zeit in der alle Erwachsenen, besonders die Eltern, sowieso von nichts eine Ahnung haben und nur die eigene Clique den Durchblick beanspruchen kann und das auch heftigst tut. In diesem Alter durchaus berechtigt, finde ich …

Weiterspinnen

Nach wie vor gibt es Göttinnenkonferenzen (auf einigen sind heute sogar schon Männer zugelassen), der Anfang war in USA, dann folgte Glastonbury, dessen Konfernz mittlerweile zur Institution geworden ist und seit ein paar Jahren gibt es sogar eine eigene österr. Konferenz.
Ein paar feministische Blogs verfolge ich auch noch – obwohl mir in den letzten Jahren die spirituell-feministischen Blogs eher abhanden gekommen sind. Aber der spirituell-feministische oder feministisch-spirituelle Ansatz aus der WuWe Anfangszeit, den finde ich heute nicht mehr.

Wenn ich mir die „Frauenecken“ in den, zugegeben knapp zehn, Foren ansehe, dann erinnern mich die eher an Handarbeitsrubriken, Bastelecken, Kochrezeptebörsen oder Kindererziehungsratgeber (vornehmlich oder fast ausschließlich zu nichtspirituellen Themen).
Natürlich kann es jetzt gut sein, dass die Protagonisten dieser Foren es mittlerweile bevorzugen, sich im realen Leben zu treffen und ihre Spiritualität real auszuleben, anstatt im Netz darüber zu schreiben. Dagegen spricht für mich zwar,  dass ganz schön viel Zeit ins Netz investiert wird und meine Beobachtung eher in die Richtung geht, dass Leute über Themen schreiben, die sie tatsächlich auch beschäftigen (besonders, wenn das Schreiben mehr Zeit fordert).
Dieses Phänomen habe ich auch schon im WurzelWerk eigenen Forum anno damals beobachtet und schon damals nicht verstanden … In der WeiberCraft hatten wir das letzte Update vor mittlerweile fast einem Jahr. Wieder kann es durchaus sein, dass das an mir liegt, obwohl ich mein Bestes getan habe, GastAutorinnen anzusprechen und um Artikel oder Mitarbeit zu bitten. Das Ergebnis waren viele konsequenzlose Zusagen und bei etlichen anderen Projekten beobachte ich (in den zugehörigen Foren) ähnliches. Warum ist das so?

Wenn weibliche Spiritualität kein Thema mehr wäre, dann würden wohl die Göttinnenkonferenzen auch nicht mehr stattfinden können (wie es einige andere Festivals, mangels helfender Hände und begeisterter Besucher ja auch nicht mehr tun!)? Ist sie ein derartiges Randgruppenphänomen geworden, dass die Anzahl der Interessieren zu klein geworden ist? Ist die Zeit so knapp mit Kindern, Beruf, eigener gelebter Spiritualität, dass sie zum Schreiben nicht mehr reicht? Kann Frau die relevanten Themen nicht ausreichend sinnvoll be-schreiben? Gibt es keine relevanten Themen mehr? Reicht es sich einmal im Jahr (oder ein paarmal pro Jahr) zu treffen und die restliche Zeit davon zu zehren?
Viele Fragen und es gibt wohl noch mehr, aber auf keine davon finde ich persönlich eine wirkliche Antwort … vielleicht habt ihr ja die eine oder andere, die ihr mit uns teilen wollt?

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Eine Antwort zu “The times, they are a changing … ?!”

  1. […] Euch, werte Leserschaft, ein paar Fragen, die ich nicht im Stande bin zu beantworten – “The times, they are a changing … ?!“. Als zweiten Artikel hat uns Rothani einen von Merlin gespendeten Artikel mit Bildern […]

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