Zauber und Sprüche, geschrieben von Damh, the Bard, übersetzt von Anufa

Letztes Wochenende war das Anderida Gorsedd Camp. Ich und Cerri haben mit diesen Camps schon 2003 begonnen und unser Anliegen war es, einen Raum zu schaffen, der sich auf Magie und Gemeinschaft konzentrierte. Es gab viele Camps die unterschiedlichste Workshops und Rituale anboten, aber mit Anderida Camps suchten wir uns ein Thema aus und zielten an diesem Wochenende alles darauf ab. Das gipfelt in der Samstagnacht in einem großen Gruppenritual, das auf dem Thema aufgebaut ist, das wir uns ausgesucht haben.
Das Thema des letztwöchigen Camps war „anglosächsische Zauber und Sprüche“ und die Inspiration für das ganze Camp war der anglosächsische Neun-Kräuter-Zauber. Wir hatten einen Gastreferenten, den Experten für Angelsachsen, Steve Pollington. Er sprach ungefähr eine Stunde über die Tradition der Kräuterüberlieferungen im angelsächsischen England, bevor er den gesamten Neun-Kräuter-Zauber auf Angelsächsisch vorlas und dann in modernem Englisch. Es ist immer wieder erstaunlich diese alte Sprache gesprochen zu hören. Etwas in mir kennt sie und es ist so, als ob jeder Grashalm zuhören und sagen würde, „Wart einmal, ich kenne diese Worte!“. Diesen Neun-Kräuter-Zauber in seiner originalen Form gesprochen zu hören, das war als solches schon magisch und half sich auf die Aktivitäten des Nachmittags zu konzentrieren.

Aber ich überhole mich grad selbst

Einer der Mitglieder meines Groves, Garry, ist ein Genie wenn es nötig ist, Sachen zu erschaffen. Als wir mit ihm über die Idee hinter dem Camp sprachen, dachten wir alle, dass es großartig wäre für das Samstagnacht-Ritual einen Kessel zu erschaffen. Einer, in den wir Kräuter geben und die dann verbrennen konnten um unsere Wünsche und Segen an die Götter zu senden. Damit ging Garry an die Arbeit und das ist, was am Camp, auf einem Anhänger ankam. Ich hätte so gerne die Gesichter der Leute gesehen, an denen er auf der Straße vorbeigefahren war. Ein zwei Meter hoher und zweieinhalb Meter breiter Kessel. DAS ist ein Kessel!

Anderida cauldron

Während Garry den Kessel machte, arbeitete Cerri hart daran, den Wächter zu schaffen und seine Schachtel in Herzform. Er würde im Meditationsbereich sitzen. Die Leute würden einfach hingehen und ihn besuchen können, mit ihm reden und etwas aufschreiben, das sie dem Kessel der Veränderung übergeben wollten. Das konnte alles sein. Heilung, ein Abschluss, Inspiration, einfach alles. Das Stück Papier kam in die herzförmige Schachtel.

Cerri´s Wächter

 

Alles an seinem Platz – lass die Reise beginnen

Nach dem Mittagessen sammelten sich alle in Gruppen zwischen acht und zehn Leuten. Ich und Cerri hatten schon sieben Pflanzen ausgesucht, mit der die Gruppen arbeiten sollten. Eine für jede Gruppe um sich darauf zu konzentrieren, aber auch Pflanzen, die – egal was die Leute als ihren Wunsch beigesteuert hatten – er würde von einer der Pflanzen unterstützt werden. Ich war selber in der Landschaft von Sussex unterwegs gewesen um eine kleine Menge davon zu sammeln.

Bevor also noch jemand seine Pflanze besprechen konnte, nahmen wir die Gruppen mit auf eine innere Reise zum Ton der Trommel. Sie wurden nur in einen Baumkreis geführt, und es wurde ihnen genügend Zeit geben ihre Pflanze zu finden. Die Zielsetzung der Reise war, den Geist der Pflanze zu jagen, ihm zu folgen, sich ihm zu nähern und mit ihm zu kommunizieren. Wenn ihr „The Way of Wyrd“ von Brian Bates nicht gelesen habt, dann würde ich das absolut empfehlen. Das Jagen der Pflanzen auf diese Art und Weise, wurde von einem Kapitel des Buches inspiriert. Der Grund, warum wir die Leute vorher nicht darüber sprechen lassen wollten ist, dass wir verhindern wollten, dass die Ergebnisse der Reise von voreingenommenen Vorstellungen über die Energie der Pflanzen beeinflusst werden. So unbedarft wie möglich zu reisen, bedeutet, dass die Informationen von den Pflanzengeistern kommt und nicht von wissenschaftlichem Lernen.

Wieder zurück unter dem Zeltdach baten wir jede Gruppe einen kleinen Beutel, der die Pflanzen enthielt, in der Gruppe herumzureichen und als Talking Stick zu benutzen um mit der Gruppe die jeweilige Einzelreise zu teilen und auf die jeweiligen Verbindungen und Ähnlichkeiten zu achten. Als ich so herumging, bemerkte ich amüsierte Gesichter weil die Verbindungen immer deutlicher wurden. Der Energieschub um das Zeltdach war körperlich fühlbar.

Ich werde hier nicht sehr ins Detail gehen, weil sich das nicht richtig anfühlt aber am Ende des Nachmittags hatte jede Gruppe einen siebenzeiligen Spruch verfasst, der im Ritual Verwendung finden würde um im Ritual den Geist der Pflanze anzurufen.

Am Nachmittag begann es zu regnen. Wir waren unter dem Zeltdach und damit war das auch in Ordnung, aber wir hatten es nötig, dass der Regen sich verzog bevor wir den Kessel enthüllen und das Ritual beginnen konnten. Wir versprachen ein Opfer von vier Gläsern Sussex Festmahlmet wenn das Wetter sich ändern würde. Um halb neun abends klarte es auf.

Wir versammelten uns ums zentrale Lagerfeuer. Es wurden Fackeln angezündet und wir machten eine Prozession zum Schrein des Wächters um das Herz abzuholen. Das Herz trug alle Vorhaben und Wünsche der Anwesenden in sich. Der Wächter übergab freiwillig sein Herz und wir gingen weiter zum Kessel.

Ich näherte mich der ersten Gruppe.

„Welche Pflanze bringst du mit in diesen Kreis?“, fragte ich.
Die Gruppe gab ihre Antwort.
„Dann rufe ich die Kraft von … an.“

Die Gruppe rief nun dreimal im Ruf- und Antwortmodus ihren Spruch. Das erste Mal allein, dann beim zweiten und dritten Mal fiel der ganze Kreis ein. Stimmen klangen durch die Nacht. Nachdem die Pflanze gerufen worden war, trat der Pflanzenträger vor und legte sie in den Kessel. Das wurde dann noch sechsmal gemach, bis alle Kräuter drinnen waren. Dann sprach Cerri für das Herz und reichte es an mich weiter. Ich legte es in den Kessel.

Es wurden noch mehr Fackeln entzündet und das Reisig unter dem Kessel wurde von den ersten Flammen geküsst. Zuerst nur klein, sprang der Funke über. Alle Gruppen riefen nun ihren Spruch in einem Wirrwarr an Stimmen. Aber dann geschah etwas Unerwartetes. Am Anfang glühte und rauchte der Oberteil des Kessels aber plötzlich brachen die Flammen durch und der Kessel wurde zu einem hundert Meter hohen Inferno. Es war so heiß, dass nicht nur alle zurücktreten, sondern sogar von der Hitze weggehen mussten. Obwohl aber die Hitze so riesig war, waren die Seiten des Kessels immer noch vollständig. Aber siewaren doch nur Papier! Es waren ein paar Eierkartons im Kessel drinnen gewesen aber nichts, was dem Feuer derartige Energie gegeben hätte um eine derartige Höhe zu erreichen und eine derartigeHitze.

Wir bemerkten auch den genauen Augenblick, als der Inhalt des Herzens verbrannte. Ich fühlte eine schlagartige Erleichterung und damit war ich nicht allein.

Die Flammen erloschen. Unsere Stimmen wurden ebenfalls leiser. Wir standen im Kreis, jetzt unter dem sternenerfüllten, mondhellen Himmer und schworen den Eid des Friedens. Dann wurde das Awen gesungen. Der Zauber war vollendet.

Jetzt habe ich noch eine Sache zu erwähnen

Während wir zurück zum zentralen Lagerfeuer gingen, ging eine aus unserer Gruppe, Billie, zurück zum Feuer des Kessels. Die Flammen waren da noch ungefähr einen Meter hoch und sie konnte dieses Bild machen. Darin ist deutlich zu erkennen, dass der Wächter durch die Flammen geht und ein Herz hält.

Feuerherz

Magie passiert.
Cerri hat aus ihrer Sicht ebenfalls einen Beitrag geschrieben.

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