Die dreifache Göttin – Teil II, geschrieben von Yvonne, übersetzt von Anufa

15. April 2017

Alternative Dreifache Göttinnen

Eine sehr kraftvolle dreifache Göttin ist Brighid, die drei Rollen erfüllt, die der Heilerin, der Schmiedin und die der Poetin. Auf den ersten Blick scheinen diese Rollen miteinander nichts zu tun zu haben aber der Schmied arbeitet Metall um und transformiert es, der Heiler transformiert Körper und Geist und der Dichter transformiert Worte. Alle drei sind Aspekte eines kreativen Impulses.

Mary Jones schreibt:

Die berühmteste der dreifachen Göttinnen ist Brighid, die Tochter des Dagda, die auch oft „die Dichterin“ genannt wird. Ihre Verehrung war weit verbrietet, eventuell auch durch die Teil-überlegenheit des Briganter-Stammes, der ein großes Gebiet von Irland bis Gallien abdeckte. Cormac´s Glossary folgend, gab es drei Brigits, alle Schwestern – Brigit, die Dichterin, Brigit, die Schmiedin und Brigit, die Ärztin – Schirmherrinnen der jeweiligen Kunst. Jedoch wird nicht erwähnt, dass sie Maiden-mother-crone wären; sie sind alle im selben Alter. Stattdessen legt ihre Vielzahl nahe, dass sie Meisterin vieler Künste war und wie die Matronen, Schirmherrin ihres Stammes.

Eine andere wirklich wichtige keltische Dreiheit waren die Matronen, die oftmals als romano-britische Figurine dargestellt wurden. Erst letztens habe ich ein Beispiel dafür im Corinium Museum in Cirencester (UK) gesehen. Das sind drei Frauen, manchmal dargestellt als verheiratet, manchmal als unverheiratet, mit Blumensträußen, Obst oder Weizen. Sie sind im selben Alter. Manchmal haben sie die Namen lokaler Gottheiten erhalten. Die Darstellung in Cirencester war den Suleviae gewidmet, was möglicherweise ihr lokaler Name war.

Three goddesses, small Roman relief, Corinium Museum. Photo by Tony Grist (Public domain)

Gwenhwyfar (Guinevere) die Frau von König Arthur, könnte ebenfalls eine dreifache Göttin gewesen sein, da sie in den „Welsh Triads“ als drei Königinnen beschrieben wird. „Gwenhwyfar, Tochter von Cywryd Gwent und Gwenhwyfar, Tocher von Gwythyr, Sohn von Greidiawl und Gwenhwyfar, Tocher von Gogfran, dem Riesen. Noch eine Form der dreifachen Göttin findet sich in den Göttinnen des Landes. Hier wieder Mary Jones:

Die Dreiergruppen in diesen Fällen haben nicht denselben Namen, sondern es sind drei Schwestern wie Eriu, Banba und Fotla, Töchter von Ernmas, die drei Namen für Irland. Sie waren mit den drei Königen von Irland verheiratet, den Brüdern Mac Cuill, Mac Cecht und Mac Grienne, alle Enkel des Dagda und eine männliche Dreiergruppe. Dann gibt es Erius, Banbas und Fotlas Schwestern, die Kriegsgöttinnen, Morrigan (manchmal Anand oder Anu genannt), Badb und Macha, die wiederum die Hoheitsgewalt Irlands (de facto ist diese Verwandtschaft sehr komplex und benötigt einen zweiten Zugang). Sie sind nicht in drei unterschiedlichen Altern oder Stadien sondern im selben Alter. Und sie spiegeln sich zu einem gewissen Grad in den drei Schwestern Arthurs, Morgan le Fay, Morgause und Elaine.

Also sind die meisten Beispiele für dreifache Göttinnen aus der tatsächlichen Mythologie entweder Schwestern oder Einzelfrauen, in drei unterschiedlichen Rollen. Wie Mary Jones aufzeigt, gibt es auch männliche Dreiergruppen (Lugh, Lamhfhada, the Samildánach; Brian, lucar und lucharba, die Söhne Turenn; Cian, Cu und Cethe, die Söhne von Cainte; und Bleiddwn, Hydwn und Sychdwn, der Große, die Söhne von Gilfaethwy und Gwydion, in The Mabinogion).

Andere Mythologien haben ebenfalls dreifach Göttinnen, die nicht Maiden, Mother und Crone-Archetypen waren. Hecate, eine sehr komplexe und alte griechische Göttin, wurde öfters als dreigestaltig dargestellt, aber sie hatte mehrere Beinamen und Rollen. Die frühesten Darstellungen waren nicht dreigestaltig. Das dreigestaltige Bild (Trimorphe, dreigestaltig; Triodia/Trioditis, diejenige, die die Kreuzwege beschreitet; und Trivia, eine römische Form) kam erst später. Pausanias schrieb, dass Hecate das erste mal als dreigestaltig von dem Bildhauer Alkamenes (in der klassischen griechischen Periode, spätes 5. Jahrhundert vor Christus) dargestellt worden wäre.
Noch mehr Dreiergruppen finden sich in den Figuren der Drei Fates und er Drei Grazien, die in der grieschischen, römischne und slavischen Mythologie erscheinen und den drei Nornen aus der nordischen Mythologie. Bei all diesen ist ebenfalls kein Maiden-mother-crone Muster zu erkennen.

In der griechische Mythologie werden die drei Fates Moirai genannt (die Vollmachtgeber). Sie ähneln den Sudice aus der slavischen Mythologie. Die Moirai werden Clotho (die Spinnerin), Lachesis (die Zuteilerin) und Atropos (die Standhafte) genannt. Sogar die Götter konnten nicht verändern was die Fates auferlegt hatten.
In der römischen Mythologie wurden die Drei Fates die Parcae genannt. Sie sponnen den Lebensfaden, teilten den Menschen und den Göttern das Schicksal zu und durchschnitten am Ende das Lebens den Faden. Ihre Namen waren Nona, die den Faden des Lebens von ihrem Spinnrocken auf die Spindel spannte; Decima, die den Lebensfaden mit ihrem Stab abmaß und Morta, die den Faden abschnitt und die Todesart der Menschen bestimmte.
Die Nornen, der nordischen Mythen, waren kein direktes Äquivalent der Fates, aber sie erfüllten eine ähnliche Rolle, indem sie das Schickal der Menschen kontrollierten. Der Ursprung ihrer Namen ist interessant. Nach Wikipedia:

Der Ursprung des Namens „Nornen“ ist unsicher. Er mag von einem Wort abstammen, das „winden, verflechten“ bedeutet und was auf ihr Verzwirnen der Schicksalsfäden hindeuten könnte. Bek-Pedersen schlägt vor, das das Wort „Norn“ Verwandtschaft mit dem schwedischen Dialektwort „norna (nyrna)“ hätte, ein Wort das „geheimes in Verbindung setzen“ bedeutet. Das weist auf die Wahrnehmung der Nornen als düstere Hintergrundfiguren, die ihre schicksalhaften Geheimnisse den Menschen erst durch den Schicksalslauf selber kundtun, hin.

Der Name Urd (Altenglisches „Wyrd“ Weird) bedeutet „Schicksal“. Es ist erwähnenswert, dass wyrd und urðr etymologisch gleicher Abstammung sind. Das garantiert aber nicht, dass wyrd und urðr durch die Zeiten die selben semantischen Qualitäten von „Schicksal“ geteilt haben. Beide urðr und Verðandi stammen vom Altnordischen Verb verða „werden“. Während Urðr von der Vergangenheitsform abstammt (was „geschehen ist“) stammt Verðandi von der Gegenwartsform ab („was gerade ist“). Skuld stammt vom Altnordischen Verb „skulla“, was sein wird, nötig ist, dass wird; was bedeutet, „was werden soll“ oder „was erscheinen soll.

Noch eine Dreigestalt aus der griechischen und römischen Mythologie ist die der Grazien oder Charites:

In der griechischen Mythologie, eine Charis keɪrɪs Χάρις , oder Grazie, eine von drei oder mehr kleineren Gottheiten der Anmut, der Schönheit, der menschlichen Natur, der Kreativität und der Fruchtbarkeit – alle zusammen bekannt als die Chariten ˈkærᵻtiːz/ (Χάριτες [kʰáritɛːs] oder Grazien. Die übliche Reihung von der Jüngsten bis zur Ältesten ist Aglaea (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn) und Thalia (Hochstimmung). In der römischen Mythlogie waren sie als Grazien bekannt, die Gratiae. In einigen Varianten ist Charis eine der Grazien und nicht die Einzahlform ihres Namens.

Somit waren sie Göttinnen, die Glück, Schönheit und Harmonie erschufen und damit durchaus der Verehrung würdig waren.

Bilder von vierfaltigen oder fünffaltigen Göttinnen

Das Bild der dreifachen Göttin, Maiden-mother-crone wird oft mit den Wandlungsphasen des Mondes in Verbindung gebracht (Neumond, zunehmender und abnehmender Mond). Das lässt aber die Göttin des Schwarzmondes aussen vor, manchmal Hag genannt, die mit Menstruation, ungezähmter Sexualität, Widerstand gegen das Patriarchat, Lilith, Hexentum und Kinderlosigkeit verknüpft wird.

Dieser Archetyp ist enorm wichtig um Frauen von Beschränkungen der patriarchalen Bildern zu befreien, die ihnen aufgezwungen wurden. Erich Neumann identifizierte eine vierfache Göttinnenfigur. John Halstead schreibt:

Die Aspekte von Neumanns Göttin waren die Muttergöttin (betraut mit Vegetation und Geburt, repräsentiert von Demeter, Isis und Maria), die Jungfrau-Muse (betraut mit Inspiration, Vision und repräsentiert von Maria und Sophia), die Schreckliche-Mutter-Hexe (betraut mit Tod und Verschlingen, repräsentiert von Kali und Hecate) und die Junge Hexe (betraut mit Rausch, Irrsinn und repräsentiert von Astarte, Lilith und Circe).

Es ist auch der Erwähnung wert, dass die Aspekte der fünffaltigen Göttin Geburt, Einweihung, Vollendung, Rast und Tod sind. Diese werden auch im “The White Goddess” von Robert Graves genannt.

Viele Göttinnen

Es gibt viele unterschiedliche Göttinnen. Viele gibt es in einer Form und manche sind dreifach. Die dreifache Göttin des Altertums kam vornehmlich in der Form von drei Schwestern, drei Müttern, drei Königinnen und als Göttinnen des Landes, die mit Getreide, Blumen und Früchten in Verbindung standen, vor. Einige waren Einzelgöttinnen in drei unterschiedlichen Rollen, wie Hecate und Brighid. Einige waren für das Weben des Schicksals zuständig, wie die Nornen, die Sulevice, die Parcae und die Moirai; andere waren veranwortlich dafür Freude zu erschaffen, die die Drei Grazien.

Weiterführende Literatur:

Lupa Greenwolf: Maiden, Mother, Crone / Youth, Warrior, Sage and strict gender roles

Mary Jones, Triple Goddesses

John Halstead: 13 things you don’t need to know about the Triple Goddess but are kind of interesting

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 1: triads, triplicities, and trinities

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 2: the search for the Triple Goddess of antiquity

John Halstead: Beyond female role models: the Triple Goddess as Nature

Editorial

08. April 2017

Well met, alle zusammen!

Gerade in den letzten Monaten gib´s immer öfter Diskussionen um „fake news“. Im spirituellen Bereich liefert es regelmässig Gesprächsstoff, wo denn welche Infos genau herkommen und welchen mensch so glauben darf/kann/soll.

Da versteckt sich sogar der Osterhase …

Gerade wieder taucht z. B. auf facebook dieses Meme hier wieder auf …
und wie gesagt: da versteckt sich sogar der Osterhase. Hier findet Ihr einen wunderschönen Beitrag, der ein paar Fakten aufdröselt, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen können.
Zu diesem Thema möchte ich auch gerne einen (schon sehr alten aber dennoch lohnenden) GastAutoren-Artikel aus dem WurzelWerk empfehlen. Ostara – eine germanische Göttin?

In unserem heutigen Update gibt´s natürlich, wie vor vielen Jahren versprochen, möglichst gut recherchierte Fakten und persönliche Sichtweisen, die auch als solche gut erkennbar sind.
Persönlich beschrieben hat Sati, im Teil II ihres Artikels „Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer„.
Rays Teil IX der ArtikelSerie „Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist“ ist, wie gewohnt, eine gute Mischung aus persönlicher Erfahrung und beruflicher Praxis.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns würden – für die kommenden Updates – ein paar ArtikelSpenden wieder einmal gut bekommen!
Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist – Teil IX, geschrieben von Ray

08. April 2017

 

Abschließende Bemerkungen

Man mag zur archäologischen Bürgerbeteiligung und dem „Metallsucherproblem“ stehen wie man möchte; man sollte allerdings als WissenschafterIn bedenken, welche Argumente man in Debatten über diese Themen führt bzw. ob man sich auf demagogische Propagandamittel wie die „Hobbychirurginnen“-Metapher stützen möchte; und was die Verwendung solcher Mittel über die sagt, die sie verwenden. Ein gutes Licht wirft die Verwendung dieser Metapher jedenfalls nicht auf unser Fach und das Selbstverständnis vieler unserer KollegInnen.

Archäologische Qualitätssicherung ist durchaus wichtig und richtig; und ich will mit diesem Beitrag keineswegs sagen, dass jeder wo auch immer es ihm beliebt archäologisch tun und lassen können soll, was er will, egal ob er oder sie es kann oder nicht. Was ich jedoch sehr wohl sagen möchte ist, dass wir uns dafür hüten sollten, demagogische Propagandamittel zu benutzen, um die Notwendigkeit der archäologischen Qualitätssicherung „öffentlich“ zu verkaufen, die letztendlich die

Wissenschaftsfreiheit, die gerade für uns selbst besonders wichtig ist, untergraben. Wenn wir für die durchaus notwendige archäologische Qualitätssicherung argumentieren wollen, dann brauchen wir dafür bessere Argumente als hinkende Vergleiche, die noch dazu falsch und ethisch bedenklich sind.

Wer die „Hobbychirurgen“-Metapher dennoch benutzt, hat also entweder nicht ausreichend darüber nachgedacht und plappert bloß gedankenlos etwas nach, was zwar schlau klingt, aber grundfalsch ist; oder weiß, dass die Metapher grundfalsch ist und benutzt sie dennoch, um mit unlauteren, propagandistischen Argumenten Ziele zu erreichen, die mit sachlichen Argumenten nicht zu erreichen sind; oder hat ein unzulässig verkürztes demokratisches Grundrechtsverständnis (VG Wiesbaden 3.5.2000, 7 E 818/00) bzw. ein höchst bedenkliches, weil „totalitäres“, Wissenschafts- und Gesellschaftsverständnis. Egal welchen dieser drei Fehler eine Person, die diese Metapher benutzt, im jeweils konkreten Einzelfall macht: sie disqualifiziert sich selbst als WissenschafterIn, weil keiner davon für WissenschafterInnen akzeptabel ist. Mitläufer, gefährliche Demagogen und Menschen mit mangelndem Respekt für die Rechte ihrer Mitmenschen haben wir – und zwar nicht nur, aber auch, in der Archäologie – schon genug gehabt, gerade im deutschen Sprachraum.

Wir sollten darüber hinaus auch bedenken, dass nicht nur „die HobbyarchäologInnen“ dazu verpflichtet sind, sich an denkmalschutzrechtliche Bestimmungen zu halten, auch wenn sie ihnen nicht passen, wie wir das immer – durchaus zurecht – verlangen, wenn wir gegen „Raubgrabungen“ und sonstige „illegale Archäologie“ wettern; sondern umgekehrt auch wir uns und die – wenigstens in ihren relevanten Inhalten von uns vorgegebenen – Denkmalschutzgesetze sich an die verfassungsgesetzlich garantierten Grund- und Menschenrechte zu halten haben, auch wenn sie uns

im konkreten Fall nicht passen mögen. Denn was auch immer wir im stillen Kämmerlein glauben oder uns wünschen würden: auch wir und die von uns veranlassten Gesetze (siehe Karl 2016a) stehen in modernen, demokratischen Gesellschaften nicht über dem Gesetz, sondern haben sich insbesondere an unsere jeweiligen Verfassungen zu halten. Wir haben eben keine Standesvorrechte, sondern sind

wie alle anderen Menschen auch – vor dem Gesetz allen anderen Menschen gleich.

Das bedeutet nicht zuletzt, dass wir auch akzeptieren müssen, dass die archäologische Forschungsfreiheit kein Privileg graduierter, promovierter oder gar habilitierter ArchäologInnen ist, sondern sich alle Menschen auf sie berufen können, wenn sie archäologische Forschung – und zwar selbstverständlich auch archäologische Feldforschung – betreiben wollen. Selbst wenn das für „die Archäologie“ schlecht sein sollte: alle Menschen haben ein Recht darauf; wir hingegen kein Recht, ihnen dieses Recht zu nehmen. Und ob es tatsächlich so unerträglich schlecht für „die Archäologie“ ist, dass man sich deswegen große Sorgen machen oder gar anderen Menschen Grundrechte entziehen müsste, lässt sich anhand des Beispiels von Großbritannien, wo jeder (außer auf unter Denkmalschutz stehenden Bodenflächen) frei der archäologischen Feldforschung nachgehen darf und trotzdem „die Archäologie“ nicht untergegangen ist, wenigstens stark bezweifeln.

Nehmen wir über 99,9% (Aitchison et al. 2014, 19) aller Menschen dieses Recht – ob nun dadurch, dass wir, wie das österreichische Bundesdenkmalamt, das örtlich geltende Denkmalschutzgesetz so auslegen, als ob jede Art archäologischer Feldforschung nicht graduierten ArchäologInnen komplett untersagt wäre, auch wenn das rechtlich gar nicht der Fall sein kann (Karl 2016a); oder dadurch, dass wir, wie manche deutsche Landesämter für Denkmalpflege, angeblich „notwendige“ Ausbildungen von „Ehrenamtlichen“ derart verknappen, dass die, die innerhalb des örtlich geltenden gesetzlichen

Rahmens ihren archäologischen Feldforschungen nachgehen wollen, jahrelang darauf warten müssen, sie absolvieren zu können – dann sind nicht jene, die sich nicht an unsere Auslegung der von uns vorgegebenen Denkmalschutzgesetze halten, die „bösen“ Rechtsbrecher, sondern wir, weil wir die (weit wichtigeren) Verfassungsgesetze brechen, die diesen „HobbyarchäologInnen“ das Recht auf freie archäologische Feldforschung einräumen. Wir sollten also weit vorsichtiger sein, wen wir des

kriminellen“ Handelns beschuldigen, als wir es normalerweise sind; weil es sehr gut möglich ist, dass es nicht „die“, sondern „wir“ sind, die die weit schwereren „Verbrechen“ begehen.

Dass wir uns dank des „autorisierten Denkmaldiskurses“ (Smith 2006, 29-34) die Macht dazu angeeignet haben, in der Praxis jenen, die wir aus „unserem Wirkungsbereich“ ausschließen wollen, auch tatsächlich (und oft mit Unterstützung durch die Gerichte, die wir zu diesem Zweck auch gerne einmal mit Halb- und Unwahrheiten täuschen; siehe Karl 2016a) ausschließen zu können, macht das um nichts besser, sondern nur noch schlimmer. Denn unrechtmäßig angeeignete Macht auch noch zu missbrauchen, weil man es kann, zeugt keineswegs von der „moralischen“ Überlegenheit, die wir so gerne für uns in Anspruch nehmen, sondern nur von jener moralischen Korruption, die auch unsere fachlichen Ahnen im dritten Reich charakterisiert hat und die nahezu immer mit (zu viel) Macht einhergeht.

Ende Teil IX

Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer (Teil 2)

08. April 2017

Nisut (AUS) und Priesterschaft

Vielen modernen Heiden sind hierarchische Strukturen natürlich ein Greuel, daher möchte ich hier kurz auf die Organsiationsstruktur des House of Netjer eingehen. Da in der altägyptischen Religion wie auch in der Kemetischen Orthodoxie zwischen Staatskult und privatem Kult unterschieden wird, ist für ersteren eine priesterliche Struktur erforderlich um den entsprechenden Staatskult zu verrichten. Dieser dient dazu das kemetische Volk, dass ja nicht mehr geographisch sondern rein virtuell besteht, zu schützen und mit dem Segen der Götter zu versorgen. Nisut (AUS) -mit diesem Titel wird Rev. Tamara Siuda angesprochen, was soviel wie „Pharaonin“ oder „Königin“ bedeutet- fungiert dabei als oberste Priesterin, ähnlich wie der Papst für die katholische Kirche. Der Pharao bzw. die Pharaonin ist der Träger des „königlichen Ka“ also des Ka des Horus, damit sich die göttlichen Kräfte auf Erden für alle Menschen manifestieren können.

Politische Aufgaben sind damit freilich nicht mehr verknüpft, weil Kemet als Staat nicht mehr existiert. Die Priester und Priesterinnen sind dabei sozusagen der verlängerte Arm der Nisut, denn sie kann ja nicht überall gleichzeitig sein. Man legt auf eine umfassende, jederzeit verfügbare Betreuung größten Wert und diese Aufgabe übernehmen vor allem die Priester und Priesterinnen. Im Tempel in USA selbst gibt es natürlich auch noch Priester die unmittelbar an den Kulthandlungen teilnehmen, die außerhalb des Internets stattfinden.

Das Amt der Nisut ist also ein rein dienendes Amt zum Wohle aller Kemeten, die sich dem House of Netjer angeschlossen haben. Davon vollkommen unabhänig ist der private Kult. Jedes Mitglied der Kemetischen Orthodoxie kann ganz wie es ihm gefällt Kontakt mit den Göttern aufnehmen und seinen privaten Kult betreiben. Priester wie Nisut, oder auch andere erfahrene Remetj stehen einem dabei über die bekannten Medien jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung oder auch einfach nur zum lockeren Austausch.

Die Pharaonin Hatschepsut, ca. 1473-1458 v.Chr.

Aufnahme in das House of Netjer

Gegen Ende und mit Abschluss des „Beginner’s course“ wird man einige Male gefragt, ob man nun bereit ist Remetj zu werden. Hierzu erhält man nochmals großzügige Bedenkzeit, füllt nochmals einen Fragebogen aus und spricht auch nochmal persönlich in einem Einzelgespräch mit der betreuenden Priesterin, hat die Möglichkeit Feedback bzgl. des Kurses zu geben, Fragen zu stellen und persönliche Eindrücke zu schildern. Stimmt man nun dem Eintritt zu, werden nochmal alle Bewerbungen von Rev. Tamara L. Siuda geprüft und nach 2-3 Wochen erhält man ein persönliches Willkommensmail als neuer Remetj. Dem folgen noch weitere Mails verschiedener Priester mit interessanten Informationen über Online-Veranstaltungen wie Themen-Chats, abermals neue Forenbereiche oder aktuelle News aus dem House of Netjer, welches sich laufend für die kemetische Gemeinschaft im hohen Maße engagiert und wertvolle Informationen bereitstellt.

House of Netjer, Illinois/Chicago

Was hat sich für mich geändert seit ich Remetj bin?

Da ich bereits vorher Kemetin war, hat sich in meinem Alltag nicht allzu viel für mich geändert. Ich habe einige neue Rituale aus der Kemetischen Orthodoxie in meine regelmäßige Praxis mit aufgenommen und empfinde es als positiv Teil einer spirituellen Gemeinschaft zu sein, die mich in keiner Weise einengt, jedoch irgendwie trägt. Ich schaue ab und zu in die Foren, was es Neues gibt, versuche an den Themen Chats teilzunehmen, sofern es mein Terminkalender zulässt, feiere unsere religiösen Feste, genieße den „Service“ immer rechtzeitig über relevante Zeitpunkte informiert zu werden und halte regelmäßigen Kontakt zu einigen anderen Mitgliedern, die mir persönlich ans Herz gewachsen sind und zu Freunden geworden sind.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man eine große Familie in der ganzen Welt verstreut mit vielen entfernten Brüdern und Schwestern. Unsere Nisut ist eine überaus mütterliche, herzliche, liebevolle und engagierte Person, so dass man sich trotz aller Virtualität ein bisschen im House of Netjer zu Hause fühlen darf. Ich glaube, wenn Tamara könnte, würde sie am liebsten für jeden höchstpersönlich da sein und manchmal mache ich mir ernsthaft Sorgen um sie, ob sie sich nicht ein bisschen übernimmt. Aber es sieht so aus, als haben sie die Götter tatsächlich mit einem derart großen Maß an Kraft gesegnet, dass sie ihr Amt als Nisut mit bewundernswerter Hingabe führt. Für jemanden wie mich, die in Deutschland kaum Anschluss an die Heidenszene hat und als Kemetin eher ein Außenseiterdasein fristet ist das wirklich etwas durchweg Schönes.

 

Fotos: Wikimedia Commons, Google Street View

Editorial

01. April 2017

Da haben wir sie wieder, die Grünexplosion. So schnell kann mensch gar nicht schauen, wie das Frühlingsgrün aus dem Boden schießt. Was wir „Unkraut“ nennen wuchert ebenso wie, was wir als Nutz- oder Zierpflanzen benamsen und manchmal stellt sich heraus, das es sich einfach um Pflanzen handelt *zwinker*.

Unser heutiges Update bietet Euch wieder einen unserer GastAutoren, Dreamdancer, der uns ein paar Worte zum Thema „schön sprechen“ gespendet hat. Er fasst damit mal wieder ein „Heisses Eisen“ an …
Den zweiten Artikel bestreitet der Teil II  von Magister Botanicus „NATuQuTAN„.
Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder auch weiteren Input im Blog oder auf fb.