Das Märchen vom Glücksstein, geschrieben von Veleda Alantia

26. Mai 2018

Dieses Märchen vertraute mir die Herrin der See an einem nebeligen Tag an ihrer Küste an. Das Geräusch von Wellen begleitete ihre Geschichte, die ich nun aufschreiben darf..

In einem Land zwischen Meer und Land, umgeben von Deichen und Dünen lebte eine junge Frau. Ihr Vater war gestorben und sie hatte nur noch Mutter und Bruder.

Sie ging am Strand an einem Sommertag spazieren. Am Tag davor war die See aufgewühlt und wer mit wissenden Augen ging, konnte kleine Schätze der Meeresgöttin entdecken.

Inmitten einer Welle fand sie einen Lochstein. Sie sah durch das Loch hindurch in die Anderswelt. Als Dank schenkte sie etwas Honig und Milch dem Meer und trug den Stein.

Bild: Veleda Alantia

Die Zeiten jedoch wurden düsterer für die junge Frau. Zweifel an sich und allem schlich sich in ihr Herz. Der Drache von der hohen Burg riet ihr in einem Traum sich an den Lochstein zu erinnern. Er sei ein Geschenk der Göttin und Ahnen und sei voller Magie. Ihrer eigenen Magie.

Mit dem Stein in der Hand ging sie an einem Markttag zu einer Verkäuferin, die mächtige Magie erkannte. Sie prüfte den Stein. An sich nichts Besonderes, so wie die Frau..So erzählte sie ihr eine Lüge um den Stein hinterher an eine schwarze Hexe zu verkaufen.

Die Hexe wollte der jungen Frau mit ihrem eigenen Stein schaden, schickte ihr Alpträume und Ängste. Doch die Göttin trat ans Dunkle und entriss ihr den Stein.

Als die junge Frau wieder am Meer war ging sie zutiefst betrübt und entmutigt daher. Ihr Leid war gross, ihr Vertrauen in sich, ihre Magie fast zerstört.

Die Göttin schickte drei Wellen aus der Tiefe die den Stein, ihren Stein, ihr an die Küste spülte.

Als die Frau ihn aufhob und an ihr Herz drückte, da sie ihn wiedererkannte, hörte sie die Göttin sprechen:

“Du bist mein Kind. Vergiss nie deine eigene Kraft und Magie. Du bist stark genug. Geh in deine Schatten, mache sie zu deinen Verbündeten.”

Die junge Frau sah durch das Loch des Steins, genau auf die Grenze von Meer und Land und spürte wie der Stein sie in eine andere Seite der Wirklichkeit zog.

Sie sah, daß sie in einer Höhle war und hörte die Wellen über sich. Sie musste am Meeresgrund sein! Schnell band sie sich ihren kleinen Verbündeten eng um den Hals dann ging sie weiter in die dunkle Höhle.

Vor ihr waren drei Ströme. Ein jeder schien unüberwindlich und sie konnte hören, daß sie hier unten nicht alleine war. Angst erfasste ihr Herz. Warum war die Göttin so grausam zu ihr? Hatte sie nicht schon genug Leid zu ertragen?

Aus dem ersten Fluss kroch eine unansehnliche Frau. Ihre Haut war voller Beschimpfungen. Die junge Frau sah das unter dem Hässlichen die Frau litt. So berührte sie kurz den Lochstein und ging auf die Frau zu.Umarmte sie. Die Worte in der Haut begannen zu schreien. Es sollte sie verletzten. Tränen liefen ihre Wange hinab, als sie die Frau tröstete.”Das bist du nicht. Es sind Worte ohne Kraft. Lass nicht zu, daß sie dich weiter verletzen.”

Die Worte auf der Haut verschwanden und die hässliche Frau bekam anstatt der Beleidigungen goldene Linien. Ihre Haut erinnerte jetzt an japanische Keramik die das Kaputte damit ehrt.

“Hab Dank…”flüsterte die andere goldene Frau und strich ihr über den Bauch.”Dies ist das Zeichen deiner Kraft. Das Leben mag noch hart und dunkel werden doch wirst du alle Kraft in dir allein finden.”

Dann wurde sie eins mit dem ersten Fluss und drei Steine erschienen als Weg zum zweiten und dritten Fluss.

Mit unsicheren Schritten erreichte sie das Ufer des zweiten Flusses. Eine gefesselte Frau entstieg dem Fluss.

Bänder aus Eisen bannten sie und nahmen ihr den Platz zum Atmen. Als die junge Frau näher trat sah sie daß auf den Eisenbändern Worte standen..Anforderungen wie sie zu sein habe. ‘Eine gute Frau tut dies, eine gute Frau hat so zu sein’. Sanft berührte sie die Bänder. Schluckte. ”Nein…so musst du nicht sein. Du kannst sein was du selber möchtest.” Die Bänder schnappten auf und die Frau konnte das erste Mal überhaupt atmen.

Die junge Frau streichelte tröstend die andere Frau. Sie sprach: “Hab dank Kriegerin des Herzens. Mein Segen begleite dich zu deiner dritten und letzten Prüfung.” Dann wurde sie eins mit den dunklen Wassern.

Bestärkt überschritt sie den steinigen Pfad.

Nun stand sie am Ufer des letzten Flusses. Sie hörte den Ruf von Raben und Eulen, sowie weit entfernt den Schrei der Möwen. Kam niemand? Sie ging zum Wasser und sah hinein. Ihr eigenes Gesicht, verzerrt und entstellt, sah ihr entgegen. “Das ist das wie andere mich sehen, die mich nicht kennen…”ihre Stimme brach unter Traurigkeit und ihre Tränen fielen in den Fluss. Wurden eins mit den Wassern und bildeten kleine Kreise.

Ihr Spiegelbild erhob sich aus den Wassern. “Du hast dich angenommen. Deinen Schmerz und deine Schatten. Geh mit dem Segen zurück in deine Welt.”

Plötzlich war sie wieder am Wasser, den Stein noch vorm Auge haltend. Sie hatte sich selbst erkannt. Ihre eigene Kraft, die in ihrer Vergangenheit ruhte. Mit diesem Wissen bestärkt konnte sie ihren Alltag meistern. Jedoch vergaß sie nie denen auf der anderen Seite zu danken die ihre Verbündeten waren.

Ende

Autorin: Veleda Alantia

Bild: Veleda Alantia

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil III, geschrieben von Uwe

26. Mai 2018

Wie zum Beispiel Honig. Oder Liebeskummer. Oder Depression. Hass. Mitgefühl. Tupperschüsseln. Klimawandel. Dass dabei etwas aus etwas anderem entsteht ist eine von vielen Menschen gestellte Behauptung. Die allerdings nichts anderes als dem „einfachen“ Denken geschuldet ist.
Zwar sind Blüte, Nektar und Biene definitiv was „anderes“ als Honig. Dass aus ihnen Honig entstehen würde, diese Sichtweise beruht jedoch auf einer Art Faulheit. Auf einer grundlegenden Unachtsamkeit, besser ausgedrückt, einem NichtGewahrsein. Dieses Nicht-Gewahrsein wird insbesondere von theistisch orientierten Menschen gepflegt. Und auch von Atheisten.

Vom Schöpfergott zum Gehirn

Theisten haben sich dabei etwas ganz besonders „anderes“ ausgedacht. Alles Erfahrbare und auch nicht Erfahrbare, so stellen sie ihre Sicht dar, gehe auf die Schöpfung einer überlegenden Wesenheit, eines Gottes zurück. Der ewig, unveränderlich und unabhängig agiere. Der in der Lage ist, aus dem Nichts etwas zu erschaffen.
Nun, wie etwas aus dem Nichts erschaffen wird, mag man erst mal erklären. Aber dazu später mehr.

Der Glaube an einen ewigen, unveränderlichen und allmächtigen Schöpfergott ist dabei in doppelter Hinsicht denkwürdig. Wohlgemerkt, die buddhistische Sicht lehnt den Glauben an Götter nicht pauschal ab. Allerdings befinden sich diese Götter, so machtvoll, schöpferisch oder langlebig sie auch sein mögen jedoch logisch betrachtet ebenfalls innerhalb dieses relativen Geschehens. Und nicht irgendwo außerhalb.
Denn wären sie außerhalb dieses Geschehens, dann könnten sie keinen Einfluss auf die wechselseitigen, abhängigen Vorgänge bewirken.
Sobald sie jedoch etwas bewirken, sind sie innerhalb dieses Geschehens. Und dann unterliegen sie denselben Bedingungen wie alle Erscheinungen dieser relativen, erfahrbaren Existenz.

Und wenn ein Schöpfergott etwas erschafft, woraus erschafft er etwas? Wie gesagt, aus dem Nichts geht ja schon mal gar nicht. Und wenn der Schöpfergott ebenfalls Bedingungen nutzen würde, woher kommen diese Bedingungen? Oder hat dieser Gott diese Bedingungen ebenfalls aus dem Nichts erschaffen? Ja ja, so einfach ist das nicht.

Zum Zweiten stellt sich bei einem Schöpfergott noch die folgende Frage: Wer oder was hat diesen geschaffen?
Wenn nun jemand behauptet, dieser Gott sei „ewig“, ungeschaffen, dann sind wir schon bei der zweiten Behauptung angelangt. Das etwas aus sich selbst entstanden ist. Das eine solch komplexe Sache wie ein Schöpfergott, der etwas bewirkt und daher ja zielgerichtet vorgeht, mit einem Plan und auch Ausrichtung, aus sich selbst entstehen könnte geht aber auf dieser relativen, erfahrbaren Ebene schon mal gar nicht.

Atheisten haben ebenfalls eine sehr nette Erklärung parat wenn es um das Thema Geist geht. Diese, von keinem Neurologen, Biologen oder Wissenschaftler auch immer erklärbare Sache Geist wird flugs als ein Produkt des Gehirns bezeichnet. Nun denn, hierfür gilt selbiges wie für einen Schöpfergott.
Die Wissenschaft hat ein an und für sich lebloses Objekt wie Gehirn zu einem Schöpfer einer ihm völlig fremden Sache erklärt. Da wundert es, dass man Pinocchio, den hölzernen liebenswerten Bengel in den Bereich der Mythen verschiebt. Denn auch Holz etwas, dass wie Gehirn aus vielen Bedingungen in Erscheinung tritt. Und dann könnte Geist auch in Pinocchio „entstehen“.

Von gehörnten Hasen und Spaghettimonstern

Nun sagen einige findige Bürger, dass Gott, der Geist und die Dinge aus dem Nichts entstünden. Nun denn, das passiert ebenfalls nicht.
Auch Honig, wir erinnern uns, entsteht nicht aus dem Nichts. Und wenn dem so wäre, dann könnte auch im Himmel ein gehörnter Hase erscheinen. Einfach so.
Oder aber, wenn es denn einen Schöpfergott geben sollte, es die Gottheit der fliegenden Spaghettimonster ebenfalls geben müsste. Gibt es übrigens tatsächlich. Sogar eine Kirche, die diese anbetet. Dinge und Götter, auch nicht fliegende Spaghettimonster entstehen aber nicht aus dem Nichts.
Manche sagen auch, da gibt es halt eine Mischung aus diesen Möglichkeiten und die Dinge entstünden halt zufällig. Zwar betonen manche Leute, die Quantenphysik würde genau auf solches verweisen. Dass Dinge zufällig erscheinen. Dass es Multiversen gibt und darin Vorgänge, die jenseits der relativen physikalischen Gesetzmäßigkeiten liegen. Wo die Schwerkraft nicht gilt und Dunkle Materie die Dinge umkehrt. Wo Wurmlöcher Verbindungen zwischen den Galaxien und Dimensionen bilden und Warpantriebe Raumschiffe voranbewegen. Mit Mutter Theresa als Kapitän und Adolf Hitler als Schiffskaplan.

Nun, das ist jetzt ein wenig überspitzt. Tatsächlich verdanken wir unsere heutigen hochentwickelten technischen Geräte auch den teils verrückten Thesen der Quantenphysik. Das heißt aber nicht, dass diese Thesen nicht doch Regelmäßigkeiten folgen würden. Es kommt dabei nur darauf an, wie sie interpretiert oder überhaupt verstanden werden.
Denn, wer stellt diese Theorien auf? Sind es nur Physiker, die das mit ihrem Denken durchdrungen haben wollen und mit besonderen Geräten beobachten? Wer programmiert die Computer, die etwas außerhalb der relativen Realität beobachten wollen? Und wie interpretiert man eine solche Messung, die man macht? Und ist das Chaos, das manche Physiker dann erkennen wollen vielleicht auf einer verborgenen Ebene nicht doch wieder wohlgeordnet? Nicht, dass Quantenphysik nicht eine Geltung haben würde. Nicht, dass sie nicht gute, phantastische Theorien liefert für unser Sein. Das ist aber eine andere Sache.

Ende Teil III

Editorial

19. Mai 2018

Well met, alle zusammen!

Ziemliche „Grünexplosion“ haben wir hier in meinem Garten – alles blüht und grünt und wächst und … der Kampf gegen die Schnecken, die Wanzen und Blattläuse ist demnach auch entbrannt. Gehört halt zusammen der Überfluss und die Nutznießer desselben. Ich schau da lieber auf das Blütenmeer und höre dem „Harfengezupfe“ der Grillen zu.


In unserem heutigen Update haben wir ein sehr aktuelles Schmankerl, das uns Johanna zur Verfügung gestellt hat. Sie hat sich absolut zu Recht über einen Artikel echauffiert „Hexenmystik“ 6, setzen!“ Vielen lieben Dank Johanna! Wenn der besprochene Artikel nur 10% so gut gewesen wäre, wie Dein Leserbrief, dann wären wir um ein großes Lesevergnügen gekommen …
Den zweiten Artikel bestreitet Isis, mit einer Rezension „Candle Burning – its occult Significance„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Vergnügen beim Lesen und uns Eure Mithilfe beim Verbreiten und Vermehren unserer ArtikelVielfalt!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

„Hexenmystik“ 6, setzen!, geschrieben von Johanna

19. Mai 2018

„Hexenmystik“ 6, setzen! oder: ein Leserinnenbrief zu „Esoterik und Feminismus: Hexenmystik als emanzipatorische Praxis?

Eine bekennende Atheistin, die über Esoterik und magische Praktiken schreibt, ist m. E. vergleichbar mit einer Veganerin, die über Schlachtmethoden der örtlichen Großmetzgerei berichtet oder einer Schulmedizinerin, die gegen Homöopathie hetzt – immanente Meinungsmache ist in allen drei Fällen vorprogrammiert. Aber dass es gleich sooooo polemisch wird… („Tut das Not?“ hätte meine heidnische Großmutter gefragt…)
Warum die Autorin praktizierende Esoterikerinnen, Kartenleger und Hexen a) in einen Topf wirft und b) als unterprivilegiert bezeichnet, ist mir als Leserin nicht nur unverständlich – es bürstet mich auch stark gegen den Strich! Offenbar ist die Schreiberin des Artikels auch gegen Bachblüten und homöopathische Medizin eingestellt. Polemische Journaille anstatt neutraler Berichterstattung – nun gut oder eher schlecht, das gibt es ja leider oft, und polarisierende Schwarzweiß-Malerei scheint gerade „in“ zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, was dieser Artikel bezwecken soll, außer die darin „Niedergemachten“ (Hexen, Esoterikerinnen, Kartenleger etc.) zu provozieren und aus der Meditation zu reißen, damit sie mit der Faust auf den Tisch schlagen, was ich hiermit tun will – nein, Frau Kuhnen, so nicht, und schon gar nicht mit mir!

Ich bin Hexe, Priesterin der Göttin, schamanisch Praktizierende, Autorin, Kartenlegerin, durch Homöopathie und Bachblüten Geheilte und passe damit vermutlich in viele der bunten Schubladen, die Sie gern zudrücken würden. Das geht allerdings bei mir gar nicht, irgendein verquerer Zipfel von mir wird immer wieder raushängen… Sie glauben also, einzelne Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm angehören, die sich mit Dingen beschäftigen, die Ottilie Normalbürgerin (an die sich das Magazin „Siegessäule“ allerdings doch wohl eh nicht richtet?) könnten nichts bewirken? Da liegt der Irrglaube auf Ihrer Seite… aber ich vermute, Sie haben Sekundärliteratur bemüht, statt aktive Feldforschung zu betreiben. Das dauert ja auch so lange und ist so unbequem…

Hokuspokus und andere Mythen

Sie erwähnen z. B. „Hokuspokus“ – das entstammt der christlichen Messe aus einer Zeit, als sie noch (um „Unterprivilegierte“ vom Verständnis abzuhalten – na, merken Sie was?) in lateinischer Sprache abgehalten wurde. „Hoc est corpus meus“ sagte der Priestermann, „dies ist mein Leib“ – beim Abendmahl. Der bildungsferne Zuhörer, durch Stellwände ins seitliche Kirchenschiff abgedrängt, sah fast nichts und verstand nur „Hokuspokus“. Viel mehr haben Sie meiner Vermutung nach von dem, was wir Hexen heute praktizieren, wohl auch nicht verstanden…

Wir glauben zum Beispiel nicht an ein „fremdbestimmtes Schicksal“ – um es mit Asterix zu sagen (auch wenn er nicht queer oder LGBT ist): „Bleichgesicht Biberzahn irrt sich im Kontinent“, bzw. in der Religion. Heutige (und auch historische) Hexen bestimmen ihr Leben selbst – dazu gehören durchaus Mittel, die den Herrschenden und den „Normalbürgern“, so es die denn gibt, suspekt erscheinen mögen, wie Kartenlegen, Rituale, Beten an und Gespräche mit den jeweiligen persönlichen Göttinnen und Göttern.
Wenn die Mondin im Uranus steht, verschwinden leider weder Patriarchat, Sexismus oder schlechter Journalismus, sonst müsste ich diesen Leserinnenbrief gar nicht schreiben…

Sie greifen zwar munter in die Geschichtskiste, haben aber offenbar keinen Überblick über aktuelles religiöses Geschehen der Kirche – der Papst höchstselbst hat sich für die Morde an den Frauen, die als Hexen verunglimpft worden waren, entschuldigt. Das Rauschen im virtuellen Blätterwald, das hierdurch verursacht wurde, hat Sie, Frau Kuhnen, offensichtlich nicht erreicht. Mitnichten gibt es übrigens eine Verbindung vom spitzen Judenhut zum Hexenhut – letzterer entstammt der Zunft der Bierbrauer im Mittelalter. Dazu brauchte man Kräuter, und Hexen kennen und nutzen solche… aber das wissen Sie ja sicherlich bereits, das kennt man doch vom Hörensagen, gell!?

Zur Hexenverfolgung sei ferner angemerkt: Bei weitem nicht nur Frauen fielen den Hexenjägern und -richtern zum Opfer. Ihr Anteil lag in Deutschland im Zeitraum von 1530 bis 1730 bei 76 Prozent, in manchen Regionen, zum Beispiel im Bereich des Pariser Appellationsgerichts, sogar bei „nur“ 50 bis 60 Prozent. Während in katholischen Regionen bis zu dreißig Prozent der Hingerichteten Männer waren, verringert sich ihr Anteil in protestantischen oder reformierten Gebieten (England, Schottland, Schweden oder Niederlande) auf zehn bis 15 Prozent. Einer der Gründe für den weiblichen Überhang: Die im katholischen Bereich maßgebliche Bibelübersetzung Vulgata übersetzt die Stelle 2. Mose 22,18 mit „Die Zauberer sollst du nicht leben lassen“, die Lutherübersetzung (in Anlehnung an den hebräischen Text) hingegen: „Die Hexen sollst du nicht leben lassen“.
Ob sie Kinder aßen oder nicht – das allein genügte schon, Ihr Vergleich ist also ziemlich an den Hexenhaaren herbeigezogen.

Ebensolches gilt für den Vergleich der Verfolgung der Hexen mit dem Antisemitismus: Der Vorwurf des Schadenszaubers wurde in vielen Fällen vorgeschoben, wenn man die Menschen wegen anderer Taten nicht belangen konnte. Diebstahl, Sodomie, Alkohol-und/oder Drogenmissbrauch – auch in solchen Fällen kam es zu Anklagen wegen Hexerei. So, wie Richter ihre Anklage teilweise frei konstruierten, so folgten auch die „Besager“, also die Denunzianten oder „Zeugen“, nicht selten eigenwilligen, oft eigennützlichen Zielen: der Wunsch nach Scheidung, die frühere Verfügung über einen Erbteil, der Besitzerwerb von Nachbarn, Befriedigung persönlicher Rachegefühle, Ausschaltung von Konkurrenten um Wirtschaftsmonopolrechte, Sühne nicht verfolgter anderer Verbrechen. Und so manche Kirchengemeinde ist ihren Pfarrer, der in einem skandalösen Konkubinat lebte, mithilfe eines Hexenprozesses losgeworden.
Fazit: Juden und Hexen waren unbeliebt bei vielen „Normalbürgern“ der damaligen Zeit, aber die einen haben nicht zwingend mit den anderen zu tun außer Mitglieder einer Randgruppe der Gesellschaft zu sein. Und: nicht überall, wo Hexe draufstand, war auch Hexe drin…

Warum Sie Hexen und Esoteriker unter einen Hut stecken, erschließt sich mir ebenso wenig wie 99 % Ihres Artikels. Die eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie eine Kuh mit Radfahren. Wikipedia schreibt dazu: „Heute wird „Esoterik“ weithin als Bezeichnung für „Geheimlehren“ verstanden, wobei es sich laut Antoine Faivre de facto allerdings zumeist um allgemein zugängliche „offene Geheimnisse“ handelt, die sich einer entsprechenden Erkenntnisbemühung erschließen. Nach einer anderen, ebenfalls sehr geläufigen Bedeutung bezieht sich das Wort auf eine höhere Stufe der Erkenntnis, auf „wesentliches“, „eigentliches“ oder „absolutes“ Wissen und auf die sehr vielfältigen Wege, welche zu diesem führen sollen.“ Hexen folgen keiner Geheimlehre – das Wissen ist überall zugänglich, sowohl durch Bücher als auch tatsächliche Personen, und Hexenkreise nehmen neue Mitglieder auf, ich empfehle hier doch etwas mehr Praxis!

Über die „Matriarchatsmythen“ ziehen Sie natürlich auch her, ich habe, als ich mich durch Ihren Artikel gequält habe, schon darauf gewartet – und jaaa, da kam die Erwähnung dann ja auch. Wenn Sie sich mit der Vorstellung anfreunden können, dass Frauen durchaus als ernstgenommene Wissenschaftlerinnen ernst genommen werden, empfehle ich Ihnen die Lektüre der Werke von Marie P. König, Marija Gimbutas, Heide Göttner-Abendroth u.v.m. Oder, hier kommt wieder die Feldforschung und Praxis herein: Hexentipp! Verbringen Sie doch den nächsten Urlaub mal nicht auf Malle, sondern bei den Mosuo in China, dort wird man Ihnen gern gelebtes Matriarchat zeigen! Vielleicht bekommen Sie sogar einen Zuschuss zum Bildungsurlaub!? Und wir danach ein besseres Essay?

Matriarchat is nicht?!

Dass Sie sich die Muttergöttin nicht als Identifikationsfigur vorstellen können, siedelt auf demselben Ast, auf dem neben Ihnen als Atheistin auch die Schulmedizinerin sitzt, die in Globuli unwirksame Geldverschwendung sieht. Ich sehe mich übrigens – wie 99,99% meiner Mithexen – nicht als „in eine jahrtausendealte Opfertradition eingebettet“.
Nö. Nichts könnte mir ferner sein! Hexen handeln selbstbestimmt, holen sich Unterstützung unter ihresgleichen (ja, die wilden Walpurgisfeiern gibt es immer noch!) und bei den Göttern, Geistern, Pflanzen, Tieren, Steinen, ganz normalen unhexischen Menschen übrigens ebenfalls, egal welcher Couleur und welchen Glaubens… aber auch bei Rechtsanwälten, Heilpraktikern und den Medizinern, die den Körper als mehr ansehen als die Summe seiner Teile.

Das Hexenbild, das Sie im Kopf haben, ist schon sehr „quer“ und leider sehr platt.
Wir „glauben“ auch nicht an Zauberkräfte – wir haben sie. Ich „glaube“ auch nicht an den öffentlichen Personennahverkehr, ich nutze ihn. Letzteres hilft dem bestehenden System, klar, ersteres aber nicht. Magische Veränderungen geschehen seltenst mit Donnerschlag und publikumswirksamem Tamtam – die Welt wird LEISE aus den Angeln gehoben, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Beteiligten. Fragen Sie doch mal eine Hexe, ich kann Ihnen in Berlin einige empfehlen…

Bleibt noch die Frage, warum ausgerechnet Atheismus eine „widerständige Option“ sein soll?

Zwar kamen, historisch betrachtet, Atheisten oftmals in Konflikt mit bestehenden Systemen, und Atheismus war ferner Bestandteil der marxistisch-leninistischen Staatsdoktrin, aber der wahre Revoluzzergeist will mir hier nicht wirklich erscheinen, egal wo die Mondin gerade steht… Wenn Glaube Berge versetzen kann, warum sollte ich dann Atheismus befürworten? Natürlich sind Hexen mit Selbstheilung beschäftigt (unter anderem, und mit vielen Dingen mehr!). Das heißt aber nicht, dass wir weltvergessen Bauchnabelschau betreiben und uns um diese kranke Gesellschaft einen Dreck scheren!
Das gesunde Prinzip, zunächst vor der eigenen Tür zu kehren, bleibt nicht am Hexenbesen hängen. Wer sich selbst heilen kann, braucht dafür niemand anderen zu instrumentalisieren, ist unabhängig und schwer regierbar. Hexen haben Macht durch (die Götter, die Magie), nicht über…

Hexen und ihre Selbstbestimmung sind unbequem und für das bestehende gesellschaftliche System durchaus gefährlich – seit vielen tausend Jahren, ganz ohne Romantik, Geschichtsklitterung und „Emanzipation durch Esoterik“.

Schlussendlich muss ich sagen, ich habe selten außerhalb der Zeitung mit den Großbuchstaben so einen schlechten Artikel gelesen (und die Länge macht ihn nicht besser). In diesem Falle tue ich es meinen Hunden gleich und pinkele – virtuell natürlich – an die „Siegessäule“ für diese Veröffentlichung.
Johanna Klapper

Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

19. Mai 2018

 

Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

The most simple magical Art

 

Erstauflage: 1975/Aquarian Press; Zweitauflage 1980/Aquarian Press/ISBN UK: 085030 168 8/ISBN USA: 0877284905/95 Seiten/47,95 Pfund

 

Über den Autor

Michael Howard war seit 1976 Herausgeber des Hexen-Magazins „The Cauldron“. Er schrieb über 20 Bücher über Runen, Folklore und Magick. 1969 wurde Howard in Gardnerian Wicca initiiert und war in den 60er Jahren Mitglied des „Luciferian Order of the Morning Star“, später war Eingeweihter der englischen traditionellen Witchcraft-Gruppe „Cultus Sabbati“. Howard verstarb im September 2015.

Eine kleine Auswahl seiner veröffentlichten Bücher: Angels & Goddesses: Celtic Christianity And Paganism In Ancient Britain / Mysteries Of The Runes / The Sacred Ring: The Pagan Origins Of British Folk Festivals And Customs / Way Of The Magus / The Pickingill Papers / The Pillars Of Tubal Cain / The Sacred Earth Guide / The Roebuck In The Thicket / The Robert Cochrane Letters / The Book Of Fallen Angels / Faery Beasts And Animals Of Legends/ Modern Wicca – A History From Gerald Gardner To The Present

 

Über das Buch

Michael Howard behandelt in diesem Buch zwei Themen: Einerseits die Bedeutung von Magie mit Kerzenritualen, andererseits das Finden des persönlichen Begleiters in Form des Erzengels.

Als die einfachste Form der Magie bezeichnet er die Kerzenmagie. Warum sie so einfach ist? Weil der Lernende dafür nicht die 365 Namen Gottes auswendig lernen muss oder mühsam bei Vollmond Alraunen aus dem Boden buddeln muss. Viele hätten sie sogar schon praktiziert, die Kerzenmagie, schreibt Howard und nennt das Ausblasen der Geburtstagskerzen in Verbindung mit einem bestimmten Wunsch. Außerdem kann Kerzenmagie von jedem durchgeführt werden, ganz egal, welcher Religion er angehört. Howard erklärt die Farben für das jeweilige Ritual  (zum Beispiel Rot für die Gesundheit und sexuelle Potenz, Grün für Fruchtbarkeit und Glück, Blau für Weisheit und Schutz oder Weiß für Reinheit und Spiritualität) und nennt die entsprechenden Wochentage, an denen Rituale am besten durchgeführt werden (zum Beispiel Freitag für die Liebe oder Donnerstag für Geldangelegenheiten). Natürlich dürfen an dieser Stelle einfache Rituale nicht fehlen.

Komplizierter wird es dann ab der Buchmitte, wenn er Rituale aufzählt, für die die Hilfe von Engeln benötigt wird. Zum Beispiel bei der „Mystical Novena“, ein Ritual, das der Erfüllung eines speziellen Wunsches dient und über einen bestimmten Zeitraum hinweg durchgeführt werden muss. Oder bei Ritualen für die Astralreise oder einem Ritual zur Zukunftsschau, für die ebenfalls die Erzengel herangezogen werden. Der persönliche Erzengel kann anhand einer Tabelle im Buchanhang gefunden werden, ebenso wie der Planet fürs persönliche Sternzeichen, der auch für einige Rituale von Bedeutung ist.

 

Fazit: Insgesamt ein interessantes Buch über die Herkunft und den Gebrauch der Kerzenmagie. Die meisten Rituale sind einfach durchführbar. Dennoch ist mir persönlich dieses Buch zu Engel-lastig. Wer ein bisschen Erfahrung mit Kerzenmagie hat weiß, dass man dafür nicht einen Erzengel Raphael, Uriel oder Gabriel zu Hilfe holen muss, sondern die einfache, aber prägnante Formulierung des Wunsches, unter Umständen ein entsprechendes Öl als Verstärker (das von Howard auch erwähnt wird), aber vor allem die Konzentration reicht, um einen Wunsch Realität werden zu lassen.

Außerdem bedenklich: Howard erwähnt bei seinen Regeln zur Kerzenmagie im Anhang, dass kein Mensch gegen seinen Willen beeinflusst werden soll, hat aber offensichtlich kein Problem damit, ein Liebesritual  niederzuschreiben, mit dem genau das bewirkt werden soll. Obwohl er auf Seite 29 noch einmal explizit auf den freien Willen einer Person hinweist und vor solchen Ritualen warnt, steht auf Seite 21 unter der Überschrift „Example of Typical Spell“,  wie Person A die Liebe von Person B gewinnen kann.

Alles in allem ist dieses Buch eine nette Ergänzung zu anderen Büchern über Kerzenrituale, wie sie zum Beispiel von Raymond Buckland, Ruby Ray, Anna Riva oder Blaine Ryker publiziert wurden.