Die Elfen und die A2…. ein Test oder was? geschrieben von Roadman

25. August 2018

Vor einiger Zeit geisterte (!) ein Bericht durch mehrere Zeitungen und soziale Netzwerke. In diesem hieß es, dass eine „Elfenbeauftragte“ und ihre Kollegin eine Unfallserie an der A2 in der Nähe von Hannover zu stoppen versuchte, indem sie mit dem dortigen Feenvolk Verbindung aufnahm. Das betreffende Amt liess die beiden Frauen tatsächlich zu kritischen Stellen fahren und sie begutachten, allerdings kostenlos. Das geschah schon im Juni, und als es publik wurde, hagelte es in den jeweiligen Kommentarfunktionen überwiegend hämische und spöttische Kommentare. Ich konnte nicht anders als mitmischen und auf die Kommentare mit den mir möglichen Mitteln zu antworten. Irgendwo leider immer vergeblich, da die meisten natürlich nur das glauben, was sie mit physischen Augen sehen. Mich machte das traurig und stinkend wütend. Dabei regt sich ein Zorn in mir, der uralt ist und nach Regeln, die heute nicht mehr sozial anerkannt wären, vorgehen würde. Aber – man kann nicht einfach jeden Ignoranten köpfen und pfählen.

Ich denke, ich lasse mal ein wenig die Hosen herunter: Ich sehe es gar nicht so sehr aus der menschlichen Perspektive, sondern als einer des Verborgenen Volkes. Mir fiel auf, dass ich über die Jahre massive Schwierigkeiten, mit potentiellen Klienten, Seminarteilnehmern oder anderen an meinem Weg Interessierten darüber zu kommunizieren, hatte, und der Grund ist der, dass ich vieles „von der Innenseite des Hügels“ aus wahrnehme und bewerte.

Gehen wir mal die ganzen Argumente von vorne durch: „Geister gibt es nicht!“. Nun, das mag aus Sicht der Naturwissenschaften stimmen, aber: hätte man schon zu Albert Einsteins Zeiten oder früher so gedacht, dann wären Schwarze Löcher oder Antimaterie vielleicht nie entdeckt worden. Ich verweise auf die Historie: https://www.spektrum.de/magazin/albert-einstein-und-die-schwarzen-loecher/823187

Mein Eindruck heute ist, dass die Wissenschaft sich selbstgefällig in ihren Bunker zurückgezogen hat und alles lächerlich macht, was ihr nicht in den Kram passt. Was eigentlich gar nicht zu ihrem eigentlichen Geist passt, der auf Erforschen und Grenzen ausloten besteht. Sie sieht zur Zeit einen bestimmten Ausschnitt der Welt, und wenn sie sich das eingestehen würde, dann täte vieles entspannter ablaufen.

Oft verweise ich Skeptiker darauf, es bitte selber mit der schamanischen Reise oder Remote Viewing* zu versuchen. Wenn man diese Techniken gut beherrscht, ergeben sich verblüffende Aha-Effekte. Besonders Remote Viewing ist in der Hinsicht sehr eindrucksvoll. Da klebt man schon mal unwissentlich an einem Proton oder redet mit seinen Verbündeten, ohne es zu merken. Erstaunlicherweise klemmen bei so einem Angebot die meisten den Schwanz ein und keifen noch ein wenig, wie unwissenschaftlich das sei und überhaupt – dabei hat keiner von denen sich ernsthaft mit dem RV-Protokoll oder der schamanischen Reise beschäftigt. Auch hier: Kleben an einer einzigen Weltperspektive, Nachhecheln, was einem gesagt wird und Angst vor einem neuen Weltbild.

Nächstes Argument: „Für Geister, Elfen, Aberglaube und Schamanismus ist in unserer heutigen Kultur kein Platz mehr. Wir sind aufgeklärte Menschen!“. Dazu muss man sich geschichtlich etwas bilden. Vor der Aufklärung war der Mensch tatsächlich unmündig und im Griff von Religion und Adel. Von daher war die Rettung des Menschen aus seiner „ihm selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ein wichtiger und notwendiger Schritt. Allerdings machten die Aufklärung und die Naturwissenschaften genau denselben Fehler wie die Religionsführer und stellten ihre Meinung als die absolute hin – siehe einige Absätze vorher.

Interessant ist, dass kaum jemand eine Synthese aus den beiden Ansichten im Betracht zieht oder gar lebt. Und die ist möglich. Sehr gut sogar. Beispielsweise ist es für mich kein Widerspruch, eine wissenschaftlich orientierte Fachsendung über die Entstehung von Sternen im Weltall zu verfolgen und GLEICHZEITIG darüber nachzusinnieren, ob die Sonnen, die Elemente in sich entstehen lassen, den Engeln, die die Welten erschufen, gleichzusetzen sind (faszinierenderweise gibt es in der henochischen Magie** in etwa so viele Geister oder Engel wie im Periodensystem bekannte Elemente). Die Synthese ist aus der Philosophie und gut geführten Diskussionen bekannt. Da gibt es eine These, jemand anderes stellt eine Antithese auf, man streitet sich und findet am Schluss eine Synthese oder einen Kompromiss aus beiden Ansichten.

Der Wissenschaftler kann somit sagen: „Wir können die Existenz von Elfen mit unseren Mitteln nicht beweisen, aber wir sind auch in einem Bereich, der anders arbeitet als z.B. die Geisteswissenschaften“, und umgekehrt kann die Esoterik (im „alten“ Sinne verstanden, das, was heute so rumkraucht, ist eigentlich keine Esoterik) akzeptieren, dass sie (noch) nicht in die Bereiche der Naturwissenschaft kommt.

Und jetzt kommt der äußerst subjektive Teil, der nicht aus Sicht des „menschlichen“ Matthias geschrieben ist: Diese Tendenzen, die ich „Ent-Seelung“ nenne, und die eigentlich schon mit dem „macht euch die Erde untertan“ begannen, haben meines Erachtens mit zu der ökologischen Krise, in der der Mensch sich heute befindet, geführt. Wenn etwas ein „Ding“ und z.B. keine Erdgöttin mehr ist, dann fällt es leichter, dieses Unbelebte auszubeuten, zu roden oder Schadstoffe reinzupumpen. Den Gegensatz sieht man ganz massiv bei den südamerikanischen Indianerstämmen, denn von denen haben einige noch ein sehr großes Wissen von den Naturzusammenhängen (was ich „Gesetz der Natur nenne“), und sie behaupten, dass ihnen die Geister des Waldes das beigebracht haben. Übrigens trifft dieses ökologische Denken nicht für alle „Naturvölker“ zu. Die Maya haben z.B. ebenfalls den Dschungel gnadenlos abgeholzt, und die Azteken frönten am Schluss einem Blutkult. Aber aus meiner Sicht führt diese Ent-Seelung und das Nicht-Wissen oder Mißachten des Gesetzes der Natur zum Untergang. Und zwar des Menschen.

Der Mensch ist eine intelligente Spezies. Früher war er offensichtlich lernfähiger. Wenn man die Stränge des Schicksals auf der „anderen Seite“ betrachtet, braucht er wieder ein offenes Denken, dass die Gegensätze von Naturwissenschaft und Geisterarbeit vereint und ihn weise macht. Wir sind in dieser Hinsicht schon weit über 5 nach 12 hinaus. In diesem Sinne glaube ich, das die Geschichte mit der A2 ein Test war. Das Ergebnis – nun ja, es ist leider offensichtlich. 6. Setzen.

 

*Remote Viewing ist eine „protokollierte“ Technik der Fernwahrnehmung. Siehe dazu die Bücher von Manfred Jelinski

**Henochische Magie beschäftigt sich mit den Engeln. Siehe hierzu John Dee und http://www.kondor.de

Editorial

18. August 2018

Well met, alle zusammen!

Das Sommerwetter bleibt uns erhalten, die Blätter färben sich schon … allerdings ist es zu trocken und deshalb fallen sie schon ab, nicht dass es schon „herbsteln“ täte …
Das heutige Titelbild entstammt, als Gruß der virtuellen Realität, aus dem Computer von Georgie – herzlichen Dank dafür!

Greenman copyright https://www.facebook.com/illustratorg/

 

Heute findet Ihr in unserem Update ein kleines SpendenMärchen von Veleda, „Das Märchen vom Kreis der Träume„.
Wie letzte Woche bitte ich Euch um Eure Mitarbeit!

„Solltet Ihr weiter neue Artikel im WurzelWerk lesen wollen, dann lasst uns das wissen (per Mail oder per Kommentar im Blog oder vielleicht sogar durch Zusendung eines Artikels).“

Bis Ende September bleibt die Frage offen, ob weitere Updates Sinn machen und/oder möglich sind. Sinnvoll, weil wir eine Menge an Lesern haben und möglich, weil wir genügend Artikel für diese Leser zur Verfügung stellen können.
Während der letzten Woche haben uns schon ganze vier Kommentare erreicht, die uns bestätigt haben, dass das WurzelWerk für Euch Sinn macht. Ein Anfang …
Leider gibt es (wie schon oft erwähnt!) kaum freiwillige ArtikelSpenden und wir wollen ganz bestimmt keinen „persönlichen Blog“ aus dem WurzelWerk machen, sondern die Vielfalt weiter ausbauen.
Also harre ich der Antworten, die da bei uns in der Redaktion eintrudeln und halte Euch auf dem Laufenden.

Für heute wünsche ich dann viel Kurzweil beim Märchenlesen und uns Euer zahlreiches Feedback!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Das Märchen vom Kreis der Träume (Märchen aus Avalon VI), geschrieben von Veleda Alantia

18. August 2018

Diese Geschichte erfuhr ich von einer alten Priesterinnenmutter auf der Insel der Nebel im heiligen See.
Es war Frühsommer und das Fest der Hoch-Zeit und der Feuer rückte sehr nah…

Es war zu einer Zeit als noch reger Austausch zwischen den Welten und ihren Bewohnern stattfand. Es gab wenig Worte die trennten und mehr das verband.

Eine junge Schülerin der alten Priesterin Morraghan lauschte den Geschichten die ihr ihr Lieblingsbaum erzählte.

Sie war sich sehr unsicher über sich und ihren Weg. Alle anderen schienen sich so sicher und gefestigt. Nur sie wars nicht und das bereitete ihr Angst und setzte sie unter enormen Druck.

Der Baum konnte ihr auch keinen Rat geben und so verstrichen die Tage und Nächte ohne daß sie sich traute Hilfe zu suchen. Alpträume befielen sie bis die Angst Teil ihres Lebens war.

Die Priesterinnen und Priester berieten sich an Neumond über jeden Einzeln und sie berieten sich was sie gegen die namenlose Angst der jungen Novizin machen konnten.

Eines Morgens wurde sie zum Steinkreis auf dem Hügel der Insel geführt.

Sie sollte sich an einen der uralten Steine setzen und warten.

Eine der Waldpriesterinnen kam zu ihr. Einen Korb voller Garn, Holzstäben und kleinen Stücken Kräutern und Steinen und Federn trug sie in ihren Armen. Es war grosse Medizin des Waldes und der Naturwesen.

“Tochter, wir sahen deine Angst und haben uns lange beraten wie wir dir helfen können. Doch hat uns die Göttin gesagt, daß du dir nur selbst helfen kannst.” sagte sie sanft und stellte ihr den Korb hin. “Mach aus den Stäben einen Kreis und aus dem Garn flechte ein Netz. Dies ist eine heilige Aufgabe und dieser Kreis der Kraft wird dir neuen Mut geben.” Mit diesen Worten ging die Priesterin und liess die junge Frau allein.

Sie machte sich an die Aufgabe und merkte bald daß es nicht so einfach war. Es brauchte Geduld und die hatte sie nicht. Die Angst ungenügend zu sein griff an ihr Herz.

“Mutter, hilf mir!” rief sie unter Tränen, die in das Gras fielen und in die Erde einzogen.

Ein sanfter Ton weckte sie aus ihrem Frust und ihrer Ohnmacht. Ein Kreis aus vielen Gestalten stand um sie.

Eine Häsin mit dem Sternensymbol Arianrhods der Weberin auf der Stirn,

zwei Wildschweine der grossen Göttin und Hexe Cerridwen,

ihre eigenen Verbündeten Eule und Häsin, sowie ein weißer Hirsch und Raben.

Alle sprachen ihr Mut zu. So begann sie zitternd ein drittes Mal und wob den Kreis der Träume.

Müde und erschöpft fand sie die Priesterin des Waldes. Sie war stolz auf die Novizin. Sie hatte ihren Weg gefunden, ihre eigene Kraft.

Der Kreis geriet bald in Vergessenheit sowie die heilige Insel der Göttin und ihre Töchter.

Doch nun kehrt die Zeit wieder und die Kinder der alten Götter weben von neuem einen Kreis der Kraft.

Ende.

Autorin: Veleda Alantia

Editorial

11. August 2018

Well met, alle zusammen!

Angeblich macht sich die Dürre in Europa schon so breit, dass sie aus dem Weltall zu sehen sein soll. Die einen waten knöcheltief in Hagelkörnern und die anderen wissen nicht, wo sie das Futter für das Vieh hernehmen sollen … Es wandelt sich alles, auch das Klima!

Wolken wechseln copyright Rothani

In unserem Update findet Ihr heute einen weiteren Teil von „Geismar“ eine Neuerzählung der, in Germanenkreisen, vielzitierten Bekehrungsgeschichte.

Ein bißchen Arbeit habe ich für Euch auch angerichtet … wer weiter von uns Updates lesen möchte, der möge uns das bitte Kund tun. In Anbetracht der ganzen neuen Internetregelungen haben wir keine Statistiken mehr laufen und stehen somit im Dunkeln. Kommentare und Artikel trudeln auch mehr als sparsam in der Redaktion ein. Die Heidenlandschaft hat sich seit den 2000ern massiv verändert und damit ist es für mich nicht mehr klar, ob wir ausreichend Leser erreichen um die Arbeit an neuen Updates zu rechtfertigen!

Wenn Plattformen, auf denen Material aus den unterschiedlichsten Richtungen zu finden ist, kaum mehr frequentiert werden, was anhand der obigen Punkte fast anzunehmen ist, weil sie durch Whatsapp, facebook, persönliche Blogs und Co ersetzt wurden, dann ist das eine Zeiterscheinung, der Rechnung zu tragen ist.

Solltet Ihr also weiter neue Artikel im WurzelWerk lesen wollen, dann lasst uns das wissen (per Mail oder per Kommentar im Blog oder vielleicht sogar durch Zusendung eines Artikels). Ende September werde ich Euch dann das Ergebnis gerne mitteilen.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Geismar – Teil II, geschrieben von Michael

11. August 2018

Ein Tag vor Sonnwend, im Dorf Geismar in Hrodgars Haus

Habt ihr schon gehört? Der Prediger ist wieder da. Er trägt jetzt einen seltsam spitzen Hut und einen langen Stab. Hält sich wohl für den Wanderer.“ Hrodgar betritt das einräumige Langhaus, wirft seinen Ledersack in die Ecke und schnauft wie ein Zugochse: „Mann, hab ich Hunger.“ Der zahnlose und schwerhörige Ahne am Feuerplatz kräht aus dem Hintergrund : „Was ist mit dem Predigtfuzzi? Ist er endlich vernünftig geworden? Macht er jetzt ordentlichen Zauber?“ „Im Gegenteil, Mummelvater – wisst Ihr was er vor hat? Er möchte den heiligen Baum fällen.“ „In welchem Raum will er bellen?“ „Ach Hrodgar, was du immer für Geschichten erzählst. Wenn dir das Bier nicht bekommt, dann gieß den Garten damit. Wer sollte sich sowas ausdenken?“ Die Frau im mattblauen Wollkleid nimmt unbeirrt eine tönerne Schüssel vom Bord neben dem Herd und befüllt sie mit Suppe. Der blonde untersetzte Mann mit den ledernen Riststulpen trägt ein Gesicht zur Schau, als hätte ihm jemand den Bart angesengt und greift sich ein Stück Pökelfleisch: „Nein-es ist wahr, Oda! Beim Herrn der Eide! Ich habe es gehört. Die Langkittel erzählen es jedem, der des Wegs kommt. Ich sag ́ dir, der will ernst machen.“ Oda scheint ungerührt: „Er wird es nicht wagen. Immerhin haben wir ein paar gesunde, starke Männer im Dorf.“ Ihr Blick zieht rasch über die Gestalt ihres krumm dalehnenden Gatten mit dem ansehnlichen Speckunterbau, dann schüttelt sie den Kopf: „Unter anderem….“ Hrodgar schmeisst den Gürtel von seinem Leibrock mit der schön bestickten Kragenborte, eine Arbeit seiner Frau, und lässt sich auf den, mit Fellen bedeckten Hocker in der Westecke des lehmverputzten Hauses fallen. „Du hast keine Ahnung. Diesmal hat er nicht bloß ein paar seiner Pfaffen mit. Ich habe sie gesehen. Eine mächtige Horde dieser ekelhaften Franken. Gerüstet und bewaffnet. Man sagt, er sei nun befreundet mit dem Frankenhäuptling Karl, den sie den Hammer nennen. Sie haben die Büraburg wieder unter volle Besatzung gesteckt. Mit DEM Rückenschutz kann er einen ganzen Wald umhacken. Da ist nicht viel Heldentum nötig.“

Heldentum….jawohl. Heldentum ist nötig . Ich erinnere mich an meine Jugend, da haben wir am Ederufer die Rübenfresser vom Nachbardorf vermöbelt, dass sie aus dem Arsch geraucht haben! Bis auf den Eckerich haben wir sie gejagt, die feigen Saukerle.“ Mummels Backen nehmen

Farbe an, er begeistert sich. Die Frau stellt die letzte der Schüsseln ab. „Aber denkst du denn…“ hebt sie nun mit einer Stimme an, die klingt, als wollte sie einem Kind die Angst vor den Schwarzalben nehmen: „…denkst du, Donar wird es zulassen, dass man sein Heiligtum zerstört? Der Segner des Feldes und der Schützer der Menschen? Denkst du nicht dass einer, der es gegen die Frostriesen schafft, einen einfachen spitzhütigen Spaßmacher in die Schranken weisen kann?“ Hrodgar zuckt die Achseln: „Ich weiß nicht. Man hört so viel von diesen Missionarren mit ihren neuen drei Göttern; sie sind überall. Und sie sind Zauberer. Verwandeln Wein und machen irgendwas mit Brot: Die Leute lassen sich in Scharen von ihnen Wasser über den Schädel gießen und sind dann ganz wunderlich hinterher. Das sagt zumindest der Hiltmunt , der weiter unten an der Eder wohnt, und der muss es wissen, weil er…“ Von draußen dringt das Krakeelen rauher Jungenstimmen herein und unterbricht das Gespräch. Offenbar haben sich zwei Vertreter der Dorfjugend, die der akuten Prahlsucht verfallen sind, in der Wolle. Oda wirkt kurz genervt, dann hebt sie die Hand, und geht zum Fenster. Mit der ganzen Autorität der Hausherrin öffnet sie den Verschlag und schleudert ein paar Worte an die Luft. Schlagartig senken die zwei Fünfzehnjährigen da draußen die Stimmen zu einem Flüstern herab. Oda dreht sich wieder ihrem Mann zu: „Was meintest du?“ Hrodgar sucht den Faden, aber es scheint, als hätte eine Dise ihn durchtrennt. Oda schüttelt den Kopf: „Ach, wie auch immer, mach dir keine Sorgen. Weißt du, ich denke, bevor er die heilige Eiche zerstört, wird eher das Bier mit Hopfen gebraut.“

Zur selben Zeit, auf der Feste Büraberg

Filius Amatus“ – Er murmelt es leise vor sich hin, bemüht, nicht der Sünde des Stolzes zu erliegen. Der auffallend hochgewachsene Mann, er mag so um die fünfzig sein, den noch immer jugendliche Kraft umweht, rollt das Schriftstück langsam und bedächtig auseinander. Seine Augen über der kräftigen Nase und dem dichten, aber sorgsam geschnittenen, grauen Vollbart schweifen leuchtend über die Zeilen. – Filius Amatus – heißt es da. Geliebter Sohn. Damit ist er gemeint. Er hat sich durch seine, von manchen als Zehenleckerei diskreditierte, unverbrüchliche Treue gegenüber Papst Gregor, vom einfachen Wandertäufer und Almosensammler zum überregional befugten Missionar und letztlich sogar zum Bischof emporgearbeitet. Die letzte Romreise, von der er nun zurückgekehrt ist, war für ihn wie ein einziges Geschenk gewesen. Den stiernackigen Hausmeier der Franken, Martell, hatte er über dessen Stolz mit einem Empfehlungsschreiben seiner Heiligkeit gekriegt, womit die Unterstützung der fränkischen Soldaten nun sicher gewährleistet war. Immerhin, die Franken waren seit der Zeit Chlodwigs christianisiert. Auf die konnte man durchaus zählen, wenn was für sie dabei abfiel.

Ungeachtet ihrer bluttriefenden Geschichte: Mit ihnen im Rücken konnte er sehr viel mutiger an sein Werk gehen.

Ein Werk, das gerade hier, in diesem Land, schier übermenschliche Anforderungen verlangte, zumal es sich bei den hier ansässigen Chatten um extrazähe Esel handelte, die durch die heilige Schrift nicht zu knacken waren. Man konnte mit ihnen nicht disputieren, wie unter Gelehrten üblich. Etwas ,das auch nicht in Synoden oder Konzilen ausgeräumt werden konnte, weil sich diese Menschen hier völlig außerhalb des christlichen Systems bewegten. (Der Graubärtige lächelte nachsichtig, wie ein strenger aber gutherziger Vater, indes er den Brief des Papstes zärtlich streichelte.) Dennoch wusste er, dass sich nach und nach alle würden taufen lassen. Lediglich musste er die Strategie ändern, wie mit seiner Heiligkeit besprochen und von ihr voll gedeckt. Er machte sich keine Illusionen über die Missionierbarkeit der chattischen Herzen. Sie mit einem Taufgeschenk zu ködern, hatte bei den Ärmeren zwar gewirkt, war aber ein Pyrrhussieg, zumal sie dafür jeden Unsinn versprochen hätten. Es war, als würde man Wildschweine mit Eicheln in eine Kapelle locken und dann meinen, sie kämen aus Frömmigkeit. Nein, diese Geschenke bargen keinen Sinn. Das beste Mittel zur Bekehrung war immer noch Furcht. Papst Gregor der erste hatte zwar das Konzept der Angst vertreten, doch nur für die Reichen anwenden lassen. Den Armen hingegen kam er mit Versprechungen und Gaben. Leider hatte er in all seiner Weisheit vergessen, dass die Armen durch Geschenke nur gierig wurden, nicht aber eben gläubig.

Ende Teil II