Mit ‘Ausstellung’ getaggte Artikel

Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich – Teil 1

Samstag, 22. August 2015

So lautet der Titel der heurigen Landesausstellung in Oberösterreich. Mich hat dieser Titel neugierig gemacht und ich nutzte meinen Urlaub um diese Ausstellung in Gallneukirchen (nähe Linz) im Haus Bethanien der Diakonie[1] zu besuchen.
Einerseits reizte mich der Inhalt der Ausstellung, immerhin wird gerade über das Thema soziale Sicherung und deren finanzielle Leistbarkeit sehr viel diskutiert. Andererseits interessierte mich die museumsdidaktische Aufarbeitung dieses Themas.

Der Ausstellungsort wurde als Heim der Diakonissinnen im Jahr 1909 als Ort einer Glaubens-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft gegründet deren Aufgabe in der Hilfestellung von Menschen in Notlagen ist und war. Zu Beginn war es ein Damen- später dann auch Flüchtlingsheim, Notkrankenhaus während des 2. Weltkrieges, Wohnort für Schülerinnen der Schwesternvorschule und Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz, wird unter anderem als Tagesbetreuungsstätte für Menschen mit Demenz benutzt und beherbergt ein Beschäftigungsprojekt für Menschen mit Behinderung im Kunst- und Kulturbereich.

Solidarität der Gesellschaft als Grundidee

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Hilfe bei sozialen Herausforderungen wie Krankheit, Armut, Behinderung oder soziale Ausgrenzung. Es zeigt, dass die Hintergrundidee der sozialen Sicherung auf der Idee einer Gesellschaft basiert, deren Pflicht es ist, sich um Menschen in Problemlagen anzunehmen. Sie zeigt die geschichtliche Entwicklung des gesellschaftlichen Umgangs mit den verschiedenen Lebensrisiken. Als BesucherIn hat man immer wieder die Möglichkeit in verschiedenen Rollen zu schlüpfen und sich mit den verschiedenen Lebenslagen, Schicksalsschlägen und verschiedenen Lösungswegen auseinander zu setzen. Es sollen die Schwachstellen der sozialen Sicherheit aufgezeigt werden und der Besucher/die Besucherin sensibilisiert werden, dass nicht nur die Gesellschaft Verantwortung für diesen Bereich trägt, sondern auch die individuelle Verantwortung jedes Einzelnen/jeder Einzelnen für ein gutes Leben beziehungsweise Zusammenleben gefragt ist.

Darstellung der verschiedenen Lebensrisiken

Darstellung der verschiedenen Lebensrisiken

Als ich die Ankündigungen für diese Ausstellung gelesen habe ich mir gedacht, na servas – wie wollen die bloß so ein schwieriges und auch sensibles Thema aufarbeiten. Eigentlich ist es ein trockenes, für die meisten unangenehmes Thema wo man als AusstellungskuratorIn wahrscheinlich auf eine Vielzahl von Flachware (Dokumente, Fotos, etc.) aber auf wenig haptische Objekte zurückgreifen kann. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass so etwas schnell langweilig für die BesucherInnen wird. Außerdem setzt man sich mit diesem Thema meist nur auseinander, wenn man selber (oder wer aus der Familie beziehungsweise dem Freundeskreis) auf das soziale Netz angewiesen ist oder damit in seinem Leben schon mal Erfahrungen gemacht hat.

Neue soziale Netze werden geknüpft

Im ersten Teil der Ausstellung wird die historische Entwicklung des Systems der sozialen Sicherung präsentiert und deren Zentrierung auf die Erwerbstätigkeit thematisiert. Der Gedanke der Solidarität bildet die Grundlage des Systems: Es lebt von der Akzeptanz und der aktiven Unterstützung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Verschiedene soziale Gruppen sind zu unterschiedlichen Zeiten und  in unterschiedlichem Ausmaß abgesichert worden, wobei die zentrale Voraussetzung der Kranken- und Unfallversicherung (wie in der Regel heute noch) in der Erwerbstätigkeit gegründet war.

Durch zunehmende Industrialisierung kam es zu einer Abwanderung der Bevölkerungen in die verschiedenen Städte und Industriegebiete. Somit wurde das soziale Netz, dass bis jetzt hauptsächlich durch die Familie im Fall von Krankheit, Unfall oder Alter und der daraus resultierenden Armut gebildet wurde geschwächt beziehungsweise ganz zerrissen. Der zunehmende Unmut der arbeitenden Klasse machte sich vermehrt durch Demonstrationen bemerkbar und der Staat und die Unternehmen sahen sich gezwungen ein Sicherungssystem für die ArbeiterInnen zu entwickeln – die Unfall- und Krankenversicherung wurde eingeführt. Somit hatten die ArbeiterInnen einen Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen – so lange sie erwerbstätig waren.

Wer hat Unterstützung verdient?

Wenn jemand in die Arbeitslosigkeit und damit meist auch in Armut geriet, war er/sie darauf angewiesen in seine/ihre Heimatgemeinde zurück zu kehren und dort um Unterstützung durch die Gemeinde anzusuchen. Ein zentrales Thema dieses Bereichs ist die Unterscheidung zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Armen, die die Fürsorgeeinrichtungen beschäftigte und auch heute noch beschäftigt, ebenso wie der Grundsatz der Subsidiarität[2]. Erst wenn wirklich keine Mittel mehr vorhanden waren, wurde die Unterstützung der Gemeinde gewährt. In diesem Feld – Versorgung der Erwerbsunfähigen – etablierten sich Hilfseinrichtungen von kommunalen und privaten (konfessionellen) Trägern, die jeweils spezielle Personengruppen betreuten.

Wer hat die Unterstützung wirklich verdient?

Wer hat die Unterstützung wirklich verdient?

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die soziale Sicherung zum Konfliktfeld der großen politischen Lager in der ersten Republik. 1920 wurde die Arbeitslosenversicherung eingeführt – unter anderem wollte man damit auch das Risiko eines militärischen Umsturzes durch die aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten und jetzt sich in der Arbeitslosigkeit befindlichen Männer verhindern. Die Politiker fürchteten, dass die Männer am Kommunismus Gefallen gefunden hatten und diesen auch in Österreich mit Waffengewalt einführen wollten. Ursprünglich war auch ein weiterer Ausbau des Versicherungssystems mit der Einführung einer Pension geplant, der wurde allerdings durch die Weltwirtschaftskrise verhindert. Die steigende Arbeitslosigkeit führte zu einem massiven Armutsphänomen und dies wiederum begünstigte den aufkommenden Nationalsozialismus. In der NS-Zeit wurden soziale Maßnahmen wie Alterspension, Ehestandsdarlehen und Kinderbeihilfen eingeführt; durch die Kriegsvorbereitungen kam es auch zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Die Leistungen des nationalsozialistischen Wohlfahrtsstaats standen aber nur jenen Menschen zur Verfügung, die die Voraussetzungen der Erbgesundheit und der Rassereinheit erfüllten.

Die Prinzipien des ASVG

Die Prinzipien des ASVG

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde das Modell der Versicherung beibehalten und nochmal ausgebaut. Der Kreis der Versicherten wurde zum Beispiel um bisher nicht erfasste Berufsgruppen und Angehörige erweitert. Die Basis dazu bildete und bildet auch heute in Österreich das Allgemeinde Sozialversicherungsgesetzt, kurz ASVG genannt. Sie deckt Risiken wie Krankheit, Unfall und Alter ab. Die Arbeitslosenversicherung zählt zwar auch zu den Pflichtversicherungen, ist aber in Österreich nicht im ASVG geregelt. Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetzt beruht auf verschiedenen Prinzipien – neben dem Prinzip der Pflichtversicherung, sind hier noch das Solidaritätsprinzip, der Generationenvertrag, die Normalarbeitszeit und das Versicherungsprinzip zu nennen. Das Solidaritätsprinzip besagt, dass Menschen mit höheren Einkommen auch höhere Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Der Generationenvertrag besteht darin, dass die heute Erwerbstätigen die Pensionen der heutigen Pensionisten zahlen. Das Prinzip der Normalarbeitszeit besagt, dass alle ArbeitnehmerInnen mit Normalarbeitszeit (Vollzeit und unbefristet) voll in das soziale System integriert sind – was natürlich in heutigen Zeiten mit einer Zunahme von Teilzeit und anderen mehr oder weniger prekären Beschäftigungsverhältnisse zunehmen zu einer Benachteiligung dieser letztgenannten Gruppe führt. Das Versicherungsprinzip besagt, dass die Erwerbstätigen eine Risikogemeinschaft bilden um bei Arbeitsunfähigkeit abgesichert zu sein.

Der Weg zur Selbstbestimmung und Chancengleichheit

Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird nochmal vertiefend auf die verschiedenen Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter und Behinderung eingegangen und die Rolle der verschiedenen sozialen Dienst in diesem Kontext herausgearbeitet. Zusätzlich wird das Thema Behinderung und Alter ausführlichere behandelt. Hierbei geht auch um die geschichtliche Entwicklung dieser beiden Risiken. Früher arbeitete man nach dem Motto „warm, satt und sauber“ und dabei ging es grundsätzlich um Grundversorgung der betroffenen Menschen. Dies hat sich über das Motto „Förderung und Rehabilitation“ hin zu „Selbstbestimmung und Chancengleichheit“ entwickelt. Heute steht zum Beispiel im Bereich der Behindertenarbeit zunehmend die Frage der Beteiligung/Inklusion und dem Abbau von Barrieren im Vordergrund.

"Kleine Helfer" für ältere Menschen

"Kleine Helfer" für ältere Menschen

Auch bei Personen im Alter hat hier in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Neben der Pension beziehungsweise einer allenfalls anfallenden Ausgleichszulage (damit die Mindestpension erreicht wird) ist es Ziel die Menschen in ihrem familiären Umfeld zu belassen – Stichwort Förderungen für die 24-Stunden-Pflege daheim, Ausbau von Tagesbetreuungsplätzen für SeniorInnen, etc. Die eventuell zusätzlich benötigten ambulanten und stationären Hilfestellungen werden – wie in anderen Sozialbereichen auch (Behinderten-, Jugend-, Familienarbeit, Unterstützung bei der Lebensbewältigung für verschiedenste Gruppen) – von immer qualifizierterem Personal geleistet. Auch die Sozialeinrichtungen agieren immer professioneller, kämpfen aber oft mit Unverständnis und Sparzwängen. Viele soziale Dienste könnten nicht geleistet werden, gäbe es nicht zahlreiche Menschen, die sich ehrenamtlich im Sozial- und Gesundheitswesen, aber auch im Freizeitbereich engagieren.


Im zweiten Teil des Artikels beschäftige ich mich mit der museumsdidaktischen Umsetzung des Ausstellungsinhaltes sowie mit den verschiedenen Fragen, die mir während meines Besuches zu diesem Thema – über die Zukunft einer solidarischen Gemeinschaft und inwieweit sich hier auch die verschiedenen heidnischen Gemeinschafen einbringen können.

Ende Teil 1

Quelle:
OÖ Landesausstellung 2015 – Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich
www.wikipedia.com


[1] Das Haus ist nach dem biblischen Ort Bethanien benannt und Heim der Diakonissinnen. Eine Diakonisse ist eine Frau die in einer evangelischen verpflichtenden Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft lebt.

[2] Subsidiarität ist eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einstellung, die die Entfaltung der Fähigkeiten des Einzelnen/der Einzelnen, deren Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in den Vordergrund stellt und anstrebt. Erst wenn das nicht klappt, dann springt eine übergeordnete Institution ein und übernimmt Aufgaben und Handlungen subsidiär, also unterstützend.

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Mamuz

Samstag, 19. April 2014

Das neue Erlebnis- und Kompetenzzentrum
für Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie!

2 Standorte: Schloss Asparn/Zaya,  Museum Mistelbach

Entdecken, staunen, ausprobieren! Das ist die neue Devise im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya und Museum Mistelbach. 40.000 Jahre Menschwerdung sind durch den Zusammenschluss zweier hochkarätiger Museen zu einem gemeinsamen Museumszentrum „MAMUZ“ nun noch umfassender und moderner präsentiert.

MAMUZ ist die neue Marke, die das Urgeschichtemuseum Niederösterreich Asparn/Zaya und das MZM Museumszentrum Mistelbach vereint. Die Standorte selbst bekommen damit ebenso einen neuen Namen.

  • MAMUZ Schloss Asparn/Zaya
  • MAMUZ Museum Mistelbach

40.000 Jahre Mensch“ ist das Credo des Urgeschichtemuseums MAMUZ, das an seinen beiden Standorten immer wieder neu und umfangreich aufbereitet wird. Im Schloss Asparn/Zaya ist die gesamte Fülle der Ur- und Frühgeschichte anhand von Originalen und historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden zu sehen. Im Museum Mistelbach werden jährlich neue Ausstellungen Highlights aus diesen Epochen beleuchten. 2014 geht die Ausstellung „Giganten der Eiszeit. Auf den Spuren der Mammutjäger“ im Museum Mistelbach mit einer umfassenden Schau an den Anfang des Menschen wie wir ihn kennen zurück, als der Moderne Mensch und der Neandertaler vor 40.000 Jahren für einige tausend Jahre nebeneinander durch Europa streiften.

MAMUZ versteht sich als Erlebnismuseum, in das zahlreiche Wissenschaftler ihr Know How einbringen um die Geschichte erlebbar zu machen. Mit moderner und vor allem interaktiver Ausstellungsgestaltung bewegen sich BesucherInnen durch die Niederösterreichische Landessammlung der Ur- und Frühgeschichte und erleben ebenso beeindruckende Fundobjekte aus der Mittelalterarchäologie.

MAMUZ Schloss Asparn/Zaya

Seit 43 Jahren wird im Schloss Asparn/Zaya ein umfassender Einblick in die Urgeschichte gegeben. Damals wie heute war das Museum ein Vorreiter in der Art der Darstellung der Urgeschichte – im Schloss ist die Entwicklung der Menschheit anhand der wichtigsten Funde der prähistorischen Sammlung des Landes Niederösterreich dargestellt. Ergänzend dazu bewegen sich BesucherInnen im archäologischen Freigelände, dem angrenzenden Schlosspark, realitätsnah durch die Zeiten.

Zur bislang gezeigten Urgeschichte werden 2014 auch die Frühgeschichte und Objekte zur Mittelalterarchäologie Niederösterreichs präsentiert. Somit werden nun Geschichten aus der Steinzeit vor 40.000 Jahren bis ins Frühmittelalter erzählt. 2014 wird als besonderes Highlight ein großer Teil der Ausstellungsfläche dem berühmten Schatzfund aus dem Raum Wiener Neustadt gewidmet.

MAMUZ Museum Mistelbach

Das MZM Museumszentrum Mistelbach beherbergte die sechs Jahre seines Bestehens das Museum Lebenswelt Weinviertel und das nitsch museum. BesucherInnen wurde ein abwechslungsreiches Programm durch stetig wechselnde, hochkarätige kulturhistorische Ausstellungen und deren Begleitveranstaltungen geboten. Das nitsch museum bleibt am Standort – als unabhängiges Museum – bestehen.

In der neuen Konstellation werden in der 737 m² großen Ausstellungshalle der bisherigen Lebenswelt Weinviertel künftig wechselnde Highlight-Ausstellungen als perfekte Ergänzung zur neu aufgestellten Landessammlung am Standort Schloss Asparn/Zaya gezeigt.

Die Ausstellungsfläche des Museum Lebenswelt Weinviertel wird unter dem Namen MAMUZ Museum Mistelbach 2014 neu eröffnet: Im Jahr 2014 erwartet die BesucherInnen als Auftakt die internationale Ausstellung „Giganten der Eiszeit. Auf den Spuren der Mammutjäger“.


Besuch des MAMUZ:

MAMUZ Schloss Asparn/Zaya
Schlossgasse 1
2151 Asparn/Zaya

02577/84180

Ausstellung 2014:

13. April – 30. November 2014
Schatz-Reich

MAMUZ Museum Mistelbach
Waldstraße 44-46

2130 Mistelbach

02572/20719

Ausstellung 2014:

13. April – 16. November 2014
Giganten der EiszeitAuf den Spuren der Mammutjäger

Geöffnet
Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr
(An Feiertagen auch montags geöffnet)

Tickets

(das Ticket gilt für das gesamte Urgeschichtemuseum MAMUZ – Schloss Asparn/Zaya, Museum Mistelbach)
Erwachsene € 10,-
Ermäßigt € 8,-
Kinder € 3,-
Schüler im Klassenverband € 3,-

NÖ Card gültig für einmaligen Eintritt.

Erlebnisführungen für die ganze Familie:
jeden Samstag, Sonn- und Feiertag 13.00 und 15.00 Uhr

www.mamuz.at