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Kemetismus – ist das was für mich?

Samstag, 22. Oktober 2016

Es ist schwer sich für einen Weg zu entscheiden, über den man zumeist nur rudimentäre Kenntnisse hat. Das Augenscheinliche der altägyptischen Kultur und des kemetischen Kults mag noch so attraktiv erscheinen, viele wenden sich nach kurzer Zeit wieder von diesem Weg ab und sind enttäuscht, weil sie völlig andere Erwartungen hatten. Dieser Artikel soll eine Entscheidungshilfe bieten, die natürlich rein subjektiv ist, sich aber dennoch auf die geteilten Erfahrungen anderer Kemeten beruft. Wenn Ihr also nach dem Lesen dieser Worte immer noch beherzt „ja“ zum Kemetismus sagen könnt, dann seid ihr hier vermutlich genau richtig. Wenn Ihr einen anderen Weg als den Euren anseht, ist dieser nicht weniger richtig und vielleicht kann Euch der Kemetismus dann zumindest die ein oder andere wertvolle Inspiration bieten. Denn die Entscheidung zu diesem Weg liegt letztlich bei jedem selbst. Es gibt weder ein verbindliches Glaubensbekenntnis noch eine Verpflichtung ihn zu gehen. Die Entscheidung ihn zu gehen fällt jeder ganz allein für sich und täglich aufs Neue.

Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato
Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato

Anfänge

Die Gründe, warum Menschen plötzlich den Wunsch haben Kemetismus zu praktizieren sind sehr unterschiedlich. Sehr häufig ist es eine der bekannteren ägyptischen Gottheiten wie Isis, Horus oder Ra, die einen in ihren Bann gezogen haben. Oder es ist einfach die Faszination für die altägyptische Kultur an sich. Viele Leute finden auch über die stark ägyptophile Ritualmagie ihren Weg in den Kemetismus.

Ehe man beginnt, sollte man sich mit einigen wichtigen Merkmalen der altägyptischen Religion und der kemetischen Praxis befassen und sich ausreichend Zeit nehmen zu prüfen, ob man wirklich bereit ist diesen Weg zu gehen.

Unterschiede zum mitteleuropäischen Heidentum

Was den Kemetismus von anderen heidnischen und neuheidnischen Traditionen besonders hier in Mitteleuropa unterscheidet ist das unglaublich dichte Informationsspektrum. Während man im nordischen Heidentum mühsam seinen spirituellen bzw. religiösen Weg aus wenigen Quellen heraus interpretieren muss, ist die altägyptische Kultur äußerst gut und umfangreich belegt. Möchte man einigermaßen authentisch praktizieren, fehlt also im Gegensatz zum hiesigen Heidentum ein ganz entscheidendes Merkmal, das vielen spirituell interessierten eigentlich am Herzen liegt: der Raum für die eigene Intuition und Kreativität. Gerade zu Beginn des kemetischen Weges kann es sinnvoll sein die eigene Interpretation hinsichtlich Weltanschauung oder Ritualistik äußerst sparsam einzusetzen um erst einmal ein Gefühl für die authentische überlieferte Tradition und deren Inhalte als solche zu entwickeln und so eine solide Basis bestehend aus mythologischem Wissen und kultischen Grundlagen zu festigen. Kemetismus ist traditionell, das liegt nicht jedem, vor allem dann nicht, wenn man auf der Suche nach einer spirituellen Praxis ist, die flexibel und frei interpretierbar ist.

Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-
Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-

Freud und Leid der Literatur

Eine weitere Herausforderung stellt die Art der Literatur über das alte Ägypten dar. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie äußerst gespalten ist. Auf der einen Seite finden sich leicht zu lesende ausschweifende und passionierte Werke, die hauptsächlich im Bereich des New Age und der Esoterik anzusiedeln sind. Von Theorien über die außerirdische Herkunft der altägyptischen Götter, über Channeling Botschaften und Einweihungen verschiedener Gottheiten bis hin zu einem phantasieriechen Göttinnenkult um Isis finden sich eine Menge blumige Schriftwerke mit leider sehr dünnem und teilweise fehlerhaftem sachlichem Inhalt.

Auf der anderen Seite bietet die ägyptologische Fachliteratur sehr wenig Informationen für den Laien an und schon gar nicht für religiös Praktizierende, man muss also schon fast ein halbes Ägyptologiestudium auf sich nehmen um sich einen einigermaßen authentischen Überblick zu verschaffen und praktikable Rituale abzuleiten. Literatur zum eigentlichen Kemetismus ist weitestgehend auf Englisch, da die amerikanische Szene in dieser Hinsicht um einiges ausgeprägter ist und bereits seit den 80er Jahren in stetiger Entwicklung ist. Neben Büchern, stehen zahlreiche Blogs, Websites und social media Gemeinschaften zur Verfügung, die einen großen, dynamischen und diskussionsfreudigen Pool an unterschiedlichsten Infos bieten. Englische Sprachkenntnisse sind daher von großem Vorteil. Inzwischen gibt es im deutschen Sprachraum wenige hochwertige virtuelle Informationsquellen zum Thema Kemetismus. Dies hat sich u.a. auch diese Seite zum Ziel gemacht.

Tägliche Kultpraxis

Über eines sollte man sich als im Klaren sein, wenn man sich dem Kemetismus widmen möchte: für diesen Weg braucht man Zeit, Geduld und Beständigkeit. Ein typisches Merkmal der kemetischen Praxis ist ihre Regelmäßigkeit und weniger ihre prunkvollen Rituale. An dieser Beständigkeit scheitern sehr viele. Wenn man erwähnt, dass tägliche Opferrituale keine Seltenheit sind, dann kommt schon mal die verwunderte Gegenfrage „Wirklich jeden Tag?“. Ja, wirklich jeden Tag.

Der altägyptische Kult hatte eine sehr wichtige mythologische Bedeutung. Er war darauf ausgerichtet die vielen verschiedenen ineinandergreifenden Zyklen der Schöpfung in Gang zu halten. Den Lauf der Sonne, die jährliche Wiederkehr der Nilflut, die Zyklen der Landwirtschaft, den Wechsel von Nacht und Tag usw. Durch den Ritus bindet sich der Mensch als spirituelles und natürliches Wesen in diesen Lauf der Schöpfung mit ein, nimmt daran Teil und bewirkt ihn letztlich. Der Kult ist also nicht nur Dienst an den Göttern und Ausdruck ihrer Verehrung, es ist auch eine praktische Bewusstseinsschule um sich auf die kemetische Weltanschauung auch im täglichen Leben ganz und gar einzulassen.

Der tägliche Aufwand muss nicht übermässßg groß, aber dennoch regelmäßig sein. Man tut also gut daran ein tägliches Maß zu finden, dass man einigermaßen leicht über mehrere Monate hinweg durchhalten kann.

DSC_0370Tägliche Opfergaben, Foto: Sat-Ma’at

 

Das Kalenderproblem

Hinzu kommen eine schier unerschöpfliche Zahl an Feiertagen und Festen, deren korrekter Zeitpunkt heutzutage nur noch schwer zu rekonstruieren ist, weil der altägyptische Kalender zum einen anders strukturiert ist und sich aufgrund der zeitlichen Ferne der altägyptischen Kultur Zeitrechnungsfehler eingeschlichen haben, die zu einer nicht unerheblichen Verschiebung der Feiertage geführt habe. Auch die geographische Lage Ägyptens im Gegensatz zu der in Mitteleuropa spielt eine große Rolle bei der Berechnung verschiedener astronomischer Ereignisse. Wikipedia liefert aber trotz allem einen relativ guten Überblick über die verschiedenen Festtage und größere Tempel in USA verfügen teilweise über einen eigenen Kalenderlauf, der auch für freie Kemeten erhältlich ist.

Canis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert), Wikimedia Commons, Bild: Michelet BCanis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert),
Wikimedia Commons, Bild: Michelet B

Göttinnen und Götter

Die Göttin Isis, der Sonnengott Re, die musikalische Hathor, der falkengestaltige Horus oder die Katzengöttin Bastet sind weit über die altägyptische Tradition hinaus bekannt. Häufig werden sie auch innerhalb völlig anderer Traditionen verehrt. Viele die sich für den Kemetismus zu interessieren beginnen, finden über diese Gottheiten ihren Weg. Die altägyptische Kultur hat aber unendlich viele Gottheiten, mindestens 1.500 sind namentlich belegt, die teilweise natürlich nicht minder wichtig sind als die allseits beliebten und bekannten. Es ist sehr lohnend sich auch mit den weniger bekannten zu beschäftigen, ehe man sich einer bestimmten zuwendet, da sie oft tragende Rollen in der Mythologie spielen und es wichtig ist ihre kosmologische Aufgabe zu verstehen. Dennoch wird man natürlich schwerlich alle kennenlernen können. Die meisten Kemeten enden bei etwa 2-3 Gottheiten um die sie einen intensiveren Kult praktizieren und vielleicht 4-5 weitere für die sie eine sporadische Praxis betreiben und schätzungsweise weitere 10 die eher unter die Kategorie „bekannt“ fallen ohne explizite Praxis. Natürlich wird man dafür abermals viel Zeit, Geduld und Motivation aufbringen müssen.

Egyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor
Ägyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor

Der Erhalt der Ma’at

Auch steht der Götterkult im Kemetismus durchaus nicht so stark im Vordergrund wie es scheint. Der wichtigste Aspekt ist die Einhaltung eines ungeschriebenen ethischen Codex, die gleichbedeutend mit der kosmischen Weltenordnung ist, nämlich die sogenannte Ma’at. Dabei handelt es sich um ein gesellschaftliches Ideal gegenseitiger Unterstützung und sozialen Bewusstseins, dass die eigentliche Grundlage des Kemetismus bildet. Ein soziales Prinzip geradzu altruistischer Ideale in einer Welt der Ellbogenmentalität zu leben, deren Erfolgskonzept der blanke Narzissmus ist, kann zu einer psychischen Zerreißprobe werden. Dessen sollte man sich unbedingt bewusst sein.

Außenseiter und manchmal Feindbild

Ein leidiges Thema, dass hier bereits mehrfach angedeutet wurde, ist die Situation für den Kemetismus in Deutschland. Er ist bis auf wenige einzelne Ausnahmen so gut wie nicht vorhanden. Das hiesige Heidentum versteht sich in erster Linie als Wiederbelebung der prächristlichen deutschen Religionsgeschichte, die daher meist das Germanentum und zum Teil vielleicht das Keltentum umfasst. Verschiedene neopagane Strömungen wie Wicca, Hexentum oder Schamanentum stehen oft in enger Verwandtschaft zu den nordischen Traditionen, so dass man sich als Verehrer der altägyptischen Götter auf eine wahrhafte Exotenrolle einstellen darf. Auch gibt es vereinzelt durchaus Feindseligkeiten gegenüber der zivilisierten Hochkultur der Ägypter, die mit ihrem schillernden Pharaonentum, dem ausgefeilten Staatswesen und den beeindruckenden Prunkbauten in starkem Kontrast zu der naturnahen Tradition nordischer und germanischer Völker steht. Die Parallelen der altägyptischen Theologie zur frühchristlichen, die sich insbesondere im koptischen Christentum manifestiert, sorgt vereinzelt auch dafür, dass man als Kemet zum „Heidenfeind“ und „Christenfreund“ erklärt wird und damit der kollektiven Christentumsverdrossenheit der mittel- und nordeuropäischen Heiden widerspricht. Man muss sich also wohl oder übel auf einen einsamen Weg gefasst machen, der mitunter auch von Anfeindungen geprägt sein kann.

Immer noch interessiert?

Wer also mit einer weitgehend selbstständigen Praxis, die Literaturrecherche, Hingabe und eine gewisse Akribie erfordert gut zurecht kommt, erfüllt schon mal die wichtigsten Voraussetzungen Kemetismus zu praktizieren. Wer auf die Enthüllung abenteuerlicher Weltengeheimnisse und Verschwörungstheorien hofft und sich nach göttlich-magischen Einweihungen sehnt wird jedoch sicher bald enttäuscht sein.

Eins kann man getrost versprechen, es wird sicher nie langweilig und es gibt immer wieder neues und beeindruckendes zu erfahren. Die altägyptischen Religion ist trotz ihres Prunks und ihrer hochentwickelten Ritualistik immer noch im Kern eine Natur- und naturverehrende Religion mit animistischen Grundzügen, die die täglich erlebte Welt tief zu verzaubern vermag. Die täglichen Rituale werden schnell zur Gewohnheit und ermöglichen ein intensives Erleben kosmischen Eingebundenseins ganz ohne die notwendige Bodenhaftung zu verlieren. Sie sind ein starkes Band zu unseren Göttern die dadurch sehr präsent und unmittelbar erfahrbar werden.

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Keine lieben Kätzchen – Kemetische Katzengottheiten – Teil I, geschrieben von Richard Chao

Samstag, 01. August 2015

Dass die Vorgänger unserer Hauskatze im alten Ägypten zeitweise ein hohes Ansehen genossen, ist allgemein bekannt. Vor allem die katzengestaltige Göttin Bastet ist Vielen ein Begriff. Auch der Sonnengott Re selbst wird oft als “der große Kater” bezeichnet.

Camera2-2014-11-09-13-34-28Es gab aber noch viele weitere, teilweise bedeutende Katzen- und Raubkatzengottheiten, die freilich, wie in Ägypten üblich, oft in Synkretismen miteinander verbunden waren, teilweise auch zeitweise zusammengeführt oder assimiliert wurden. Auf diese teilweise recht komplizierten Synkretismen wollen wir hier aber nicht näher eingehen sondern wenden uns den Gottheiten im Einzelnen zu, soweit sie bekannt sind. Ich möchte nicht nur die Bekanntesten dieser Gottheiten auflisten sondern auch meine Eindrücke sowie die von verschiedenen „Reisenden“wiedergeben, die sich mit ihnen beschäftigt haben.

Beginnen wir mit der Bekanntesten, Bastet, die in der Frühzeit noch als Löwin dargestellt wird, dann jedoch als sitzende Katze oder Menschenfrau mit Katzenkopf.

„…Worte zu sprechen von Bastet, der Großen, der Herrin von Bubastis, dem Auge des Re, die in Behedet weilt, die auf dem Thron sitzt, die die Feinde tötet, die die von den Göttern geschützt wird…“

Bastet hat eine enge Verbindung zu Sachmet, als deren sanfte Seite sie manchmal bezeichnet wird. Trotzdem ist auch die Bastet ein „Sonnenauge des Re“, das ihren Vater, den Sonnengott beschützt. Es überwiegen aber eindeutig ihre schützenden Seiten, vor allem dem Schutz der Schwangeren und Kinder scheint sie zugetan. Bast gilt aber auch als eine Göttin der Freude, der Feste, der Musik und des Tanzes und möglicherweise der Trunkenheit, jedenfalls spielte selbige in einem bekannten Fest zu Ehren Bastets, dem Bubasteia, eine nicht unwesentliche Rolle.

>>>[Sie wirkt wie eine abgeklärte alte Kätzin auf mich. Sie ist schwarz, sehr groß und hat grüne Augen. Auf der Brust hat sie einen weißen ovalen Fleck. Ich muss an einen Skarabäus denken, es ist aber keiner. Ich begegne ihr auf einem felsigen Hochplateau wo ein offener Tempel steht mit vielen Säulengängen. Sie leckt mir mit ihrer rauen Katzenzunge übers Gesicht zur Begrüßung und führt mich dann in den Tempel. Überall springen Katzen rum, junge, ältere, sie gibt mir zu verstehen, dass das alles ihre Kinder sind. Die Katzen sind aber nicht einfach nur Katzen, manche von ihnen fühlen sich menschlich an, obwohl sie Katzengestalt haben. Als würden sich hier die katzenartigen Seelen von verschiedenen Menschen aufhalten. Sie legt sich auf den Steinboden in einen Sonnenstrahl und ich lege mich zu ihr. Sie ist ungefähr so groß wie ich, also weit größer als eine normale Katze. Ich darf mein Gesicht in ihrem weichen Bauchfell begraben. Ihre großen hellgrünen Augen schauen sehr aufmerksam umher, sie scheint trotz ihrer vordergründigen Passivität alles unter Kontrolle zu haben. Sie schützt ihre Familie. Dann sitzt sie mir plötzlich gegenüber. Sie leckt wieder mein Gesicht und umschmeichelt mit ihrem großen Kopf meinen. Ihre Schnurrbarthaare kitzeln und ihre sanften Bewegungen wirken plötzlich sehr erotisierend auf mich. Ich komme fast in eine Art Rauschzustand und merke wie ich immer stärker von ihr angezogen werde und Schwierigkeiten habe zurückzukehren. Schließlich löst sie sanft die Verbindung und lässt mich gehen.]<<< -Sati

>>>[Meine erste Begegnung mit Bastet war nicht informativ aber einprägsam. Es war weniger eine visuelle Erfahrung als eine emotionale: Eine Umarmung und eine Berührung die mich, mit Verlaub, tief erschütterte in ihrer beruhigenden, beschützenden und ein bisschen augenzwinkernden Liebenswürdigkeit.]<<< -Chao

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Weniger bekannt sind die alte Panthergottheit Abi, zunächst ein Himmelspanther als Totengöttin in der Duat, später zunehmend eine Schutzgöttin.

„…Abis Krallen ruhen auf der Brust des Verstorbenen, um ihn im Jenseits vor bösen Mächten zu schützen…“

>>>[Bei einer Reise nahm ich sie wechselnd als schwarze Katze, junge Schönheit und als ältere, dunkelhäutige Frau wahr. Ihr Wesen war sehr vereinnahmend, und als ich kurz abgelenkt war hieb sie mir sofort mit den Krallen über die Wange, bis ich wieder da war. Ich nahm sie als sehr kriegerisch wahr, als Göttin die über verbrannte Erde wandelt und Verwundete mit Wasser labt. Also auch einen trostspendenden Aspekt.]<<< -Monja

>>>[Himmelspanther und Totengöttin ist ja auch durchaus ambivalent. Die verbrannte Erde hört sich stark nach der Duat an.]<<< -Chao

>>>[Ich habe irgendwie auch Menschenopfer dort gesehen, wobei ich eher glaube, dass sie selbst es war, die geopfert wurde, oder sich opferte.]<<< -Monja

Camera2-2015-05-22-21-07-16Auch Kenmet ist ein Totengott, ein Leopardengott der in einem dauerhaften Kampf mit dem (göttlichen) Pavian steht, den er von anderen Göttern festhält.

„…Kenmet ist der Leopard, der in der Balsamierungshalle die Götter vor dem Pavian schützt…“

>>>[Kenmet wirkt auf mich sehr ambivalent, der Kampfaspekt hat etwas Rituelles und Zyklisches; eine rituelle Notwendigkeit scheint in seinem dauerhaften Kampf zu liegen.]<<< -Chao

mafdetMafdet wiederum ist populärer. Auch sie ist eine Pantherkatze und eine Beschützerin, aber mit hervorgehoben grausamen Zügen.

„…die Herrin des Lebenshauses, die Vernichterin feindlicher Schlangen und Beschützerin…“

Sie frisst die Köpfe der hingerichteten Verbrecher, sie ist „Mafdet mit dem Messer in der Hand“ und sie reißt Apophis das Herz heraus. Durch die Vielzahl ihrer Schutzfunktionen war Mafdet eine der idealen Beschützerinnen des Horus oder des Königs, eine seltener erwähnte Throngöttin.

>>>[Ich habe Mafdet als große Raubkatze gesehen, zunächst wie ein Gepard, dann eher wie ein Leopard. Sie hat mich zurechtgewiesen, nicht die Trommel sondern die Schellen zu benutzen, um sie zu rufen und mir gesagt, dass sie „die ist, die dem Leben nimmt, und dem Tod gibt“. Als ich nahe bei ihr war, hat sie sich in eine Frauengestalt mit nacktem Oberkörper und einem gefleckten Tierfell als Gürtel verwandelt. Als sie die krallenbewehrte Hand hob, entströmten ihr eine Unmenge schwarzer Fliegen, die den Raum füllten. Dann nahm sie mich mit, wie eine dunkler und dunkler werdende Höhle hinab.]<<< -Iffi

>>>[Dann hat sie dich vermutlich mit in die Duat genommen]<<< -Chao

>>>[Es war so dunkel, dass ich nur noch ihre Augen glühen sah. Ich musste etwas für sie tun, einen Toten ein Stück tragen in einer sehr merkwürdigen Umgebung, wie dunkles Leuchten, die Mitte einer Flamme. Anscheinend war es wichtig, dass er nicht mehr blutet. Dann sollte ich ihn liegenlassen, er könne nun alleine weiter.]<<< -Iffi

>>>[Klingt wie ein symbolischer Psychopompos mit Mafdet, die Hilfe für einen Verstorbenen in der Duat.]<<< -Chao

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Leicht mit Mafdet zu verwechseln ist die männliche Gottheit Mafed. Auch er ist ein Totengott, der in der Duat Wege für die Verstorbenen erschließt. Er gilt als „der Kater“.

„…der Kater, der in der Duat die Wege für die Verstorbenen erschließt…“

>>>[Ich habe ihn tief unten in der Dunkelheit gefunden. Ein Drache umkreiste ihn und mich. Mafed ließ mich zusehen, wie er andere auseinander nahm und neu zusammensetzte. Er zerfleischte und zerstückelte in einer blutigen Kompromisslosigkeit. In seiner Gegenwart heißt es, auf der Hut zu sein.]<<< -Tante Anita

Mahes ist eine männliche, vor allem im Delta verehrte, Löwengottheit, der „wildblickende Löwe“.

“…Worte zu sprechen von Mahes, dem Sohn der Bastet im Gefilde von Netjerit, dem Löwen mit großer Kraft, der die Feinde fällt und vom großen Thron fern hält. Der Blitzende und Donnernde, der Herr des Dunkels und der Winde…“

MaahesMaahes Bronze Statue, Ptolemäische Periode, (664 – 30 v. Chr.)

Er wird als Mensch mit Löwenkopf dargestellt, oft mit Messern in den Pranken, was seinen kriegerischen Charakter noch verstärkt. Als Löwe wird er gerne dargestellt, wie er einen Gefangenen von hinten anfällt und verschlingt, als „Herr des Gemetzels“ der sich über Blut freut. Er galt als Sohn der Bastet.

>>>[Mir hat er sich als großer, schwarzer Panther gezeigt. Er wanderte durch die Dünen und knurrte und brüllte die Sonne an. Außer ihm waren nur Dünen, Sonne, Himmel. Und als er mich ansah, traten glühende Bäche unter seinen Tatzen hervor, die dann zu richtigen Lavaflüssen wurden, bis schließlich nichts außer ihm und Lavaseen war]<<< -Anufa

Ähnlich unangenehm konnte Mehit werden.

„…Worte zu sprechen von Mehit, dem Auge des Re, der Gebieterin von Tjar, der Starken in der Stätte des Erstechens…“

Als alte, prädynastische Gottheit wird sie als ruhende Löwin mit drei-vier Stangen auf dem Rücken dargestellt. Erst später erscheint sie als löwenköpfige Menschenfrau. Mehit war Anhor und Onuris als Gattin zugetan; beiden steht sie als Kämpferin zur Seite, so wie sie auch mit der Uräusschlange als Beschützerin des Re verglichen wird. Interessant ist der Mythos, in dem Onuris die Mehit aus Nubien sozusagen importiert, indem er sie dort jagt, befriedet und „heim“ führt. Er wird dort auch als „Der die Ferne zurückbringt“ beschrieben.

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Ende Teil I

Vergeltung für die Luchse

Samstag, 20. Juni 2015

Süddeutsche Zeitung 21. Mai 2015, 20:32 Uhr

Wilderer – Bis zu vier Luchse getötet

Wilderer haben nahe Cham im Bayerischen Wald bis zu vier streng geschützte Luchse getötet. Wie ein Sprecher des Vogelschutzbundes LBV erklärte, waren bereits am vergangenen Freitag in einem Waldstück vier abgetrennte Vorderläufe von Luchsen entdeckt worden. Der Fund bedeutet, dass mindestens zwei, womöglich sogar vier Tiere illegal getötet wurden. Die Kadaverteile waren so abgelegt worden, dass sie entdeckt werden mussten. Insider sagen, dass die Tat möglicherweise in Zusammenhang mit dem Einsatz des LBV für ein Luchsschutzgebiet am Kaitersberg steht. Hier wurde ein 37 Hektar großes Areal, das die Raubtiere zur Jungenaufzucht und als Rückzugsraum nutzen, als Schutzzone ausgewiesen. Das Projekt wird seit Wochen scharf angegriffen. Der LBV und weitere Naturschutzverbände haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Eurasischer Luchs, Wikimedia Commons, Foto: Berhard Landgraf

Jahrzehntelang war der Eurasische Luchs starker Verfolgung ausgesetzt bis er durch systematische Ausrottungsmaßnahmen schließlich völlig aus Westeuropa verschwunden war. Glücklicherweise erholen sich heute die Bestände langsam, so dass unter anderem die Alpen, der Jura, die Vogesen, der Harz, das Fichtelgebirge, der Bayerische Wald, der Böhmerwald und der Spessart wieder von Luchsen besiedelt ist. Der Luchs ist ein sehr spezialisierter Jäger, was seine Rückkehr in die deutschen Wälder nicht gerade leichter macht.

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Sachmet Statue, Ägyptisches Museum München, Foto: Sati

Umso mehr hat uns diese Nachricht der Süddeutschen Zeitung erschüttert. Als Verehrer der Katzengestaltigen und Löwengottheiten, war klar, auch wir müssen und wollen handeln und zwar auf unsere Weise – auf kemetisch. Dabei lagen uns zwei Dinge am Herzen:

  • Die Täter müssen gefasst werden um für Ihre Tat der gerechten Strafe zugeführt zu werden
  • Die toten Luchse sollen es im Jenseits gut haben und dort wohlbehalten und sicher ankommen.


Isfet – Die Täter festnageln

Wir wählten zwei Wachsfiguren als Vertreter für die Täter (deren Zahl uns natürlich nicht bekannt war). Diese wurden zunächst für mehrere Tage vor einem Heka-Schrein „aufgebahrt“ um überhaupt erst einmal die Aufmerksamkeit der Götter für diesen Fall zu erregen.

DSC_0101 Wachspuppen-Magie

Am Tag des eigentlichen Rituals suchten wir dann unseren Ritualplatz an einem fließenden Gewässer auf. Fließende Gewässer eignen sich besonders gut, für Verwünschungsmagie, da die Energien mit dem fließenden Wasser zuverlässig davon getragen werden statt an den Ort gebunden zu bleiben.

DSC_0107 Der Ritualort

Die Puppen wurden erstmal auf ein Stück Holz genagelt, symbolisch für das „festnageln“ der Täter und natürlich auch um sie für ihre Tat zu bestrafen. Für den weiteren Verlauf wählten wir das traditionelle Ritual der roten Töpfe, wie es zum Niederschlagen der Feinde der Ma’at üblich ist.

Außerdem unternahmen wir eine schamanische Reise, nicht wie sonst mit einer Trommel, sondern mit Hilfe zweier kleiner Sistren, dem traditionellen instrument der Sachmet und Bastet. Zweck der Reise war nicht die Täter selbst zu schädigen, aber sie zu „markieren“, also den Göttern mitzuteilen, wer sie sind und was sie getan haben auf das diese schlußendlich entscheiden, was mit ihnen geschehen soll.

DSC_0111Festgenagelt!

DSC_0121 Die Flammen der Rache

DSC_0145 Das Zerschlagen der Töpfe

Anschließend vergruben wir die Tonscherben mit den Wachsresten der verbrannten Puppen, so tief wie möglich im Kies, damit wir den Ort so hinterließen, wie wir ihn vorgefunden hatten.

DSC_0149 danach…

Den gesamten Vorgang führten wir vor den Augen der Luchse durch bzw. vor zwei Katzenfiguren die wir als Stellvertreter für die toten Luchse gewählt haben, sowie einer katzengestaltigen Gottheit.

DSC_0130Ma’at – Heilung und Totenritus

Nun war der zweite Teil des Rituals zu vollziehen, die Heilung der Luchse und das Geleit in die Duat. Zu diesem Zwecke bemalten wir die Figuren mit magischen Zeichen der Heilung um sowohl ihre Würde, wie auch ihre Unversehrheit für das Jenseits zu gewährleisten.

DSC_0098Heilung der Luchse

Bis zum nächsten Morgen durften die Luchsfiguren noch im Hauptschrein bei Bastet und Sachmet verweilen, während wir die Totenwache übernahmen. Dann traten sie ihre letzte Reise an um würdevoll in der Erde der bayrischen Wälder vergraben und bestattet zu werden.

Möge Ihnen Gerechtigkeit widerfahren und die Ma’at für sie wieder hergestellt sein!

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Bastet, die lieblich-gnädige Göttin, und Sachmet, die furchtbar zornige,
Inbegriff des zweifachen Aspektes der Macht,
die den Loyalen schützt und den Übertreter vernichtet. *

Dua Netjeru,
Heil sei den Katzen- und Löwengöttinnen und -göttern!

*aus „Ägyptische Hymnen und Gebete“ von Jan Assmann