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Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil XV

Samstag, 21. Juli 2012

Kelten und Celtic Recon

Kelten

Da uns die Neodruiden kaum etwas über die Kelten verraten, müssen wir leider in die historische Tiefe gehen. Erst einmal zur Quellenlage. Diese ist, was keltisch-heidnische Religion betrifft, nicht gerade günstig – um es vorsichtig auszudrücken. Weniger vorsichtig ausgedrückt: Wenn man sich das ganze Gebiet heidnisch-keltischer Religion als ein fertiges Puzzle-Bild vorstellt, haben wir von einem 1000-Teile-Puzzle vielleicht 100 Stück, die unregelmäßig auf der Bildfläche verteilt sind. Man kann also so eine Art „roten Faden“ erkennen, Zusammenhänge und Ähnlichkeiten und vielleicht errät man sogar das ganze Bild im Groben. Aber faktisch weiß man nicht, welche Teile die großen leeren Flächen füllen.

Um diese bescheidene Quellenlage besser verstehen zu können, hier erst einmal ein kurzer Abriss über die keltische Geschichte: Die Kelten – eine vielfältige Kultur mit gemeinsamem Sprachzweig (nämlich Keltisch – nona) – breiteten sich in der Antike seit ca. 700 v. Chr. über weite Teile Europas aus. Die antike keltische Zivilisation (Festlandkelten), die wegen ihrer großen Verbreitung und ihrer Aufsplitterung in verschiedene Stämme, Völker und Königreiche das Gegenteil von einheitlich war, ist archäologisch vor allem durch die La Tène-Kultur (teilweise auch durch die Hallstattkultur) fassbar. Dabei handelt es sich um eisenzeitliche Epochen. Mit der Unterwerfung unter das römische Reich um die Zeitenwende entwickelte sich eine reiche gallo-römische Mischkultur, welche ab ca. 500 n. Chr. durch Germanisierung, Völkerwanderung und Christianisierung verschwand bzw. assimiliert wurde. Die einzigen Gebiete, die seitdem noch keltisch besiedelt sind, beschränken sich auf Irland, Schottland, die Insel Man, Cornwall, Wales und die Bretagne. Die mittelalterliche bis neuzeitliche Kultur dieser Gebiete wird „inselkeltisch“ genannt, die Gebiete selbst als „keltischer Gürtel“. Das heidnische Keltentum fand ab ca. 400 n. Chr. nach und nach sein Ende, da die keltischen Gebiete (auch jene, die von den Römern unberührt blieben, wie Irland) zu den ersten gehörten, die christianisiert wurden.

Wir haben also drei historische Großgruppen: Die eisenzeitlichen Kelten, die durch archäologische Funde, griechische und römische Geschichtsschreiber und einer Handvoll keltischer Inschriften belegt sind. Die gallorömische Kultur, die trotz (und auch wegen) der Romanisierung die meisten keltischen Inschriften hinterlassen hat – auch hier haben wir zusätzlich archäologische Funde und schriftliche Aufzeichnungen römischer und griechischer Autoren. Und dann die Inselkelten, die selbst viel aufgeschrieben haben aber dummerweise schon christlich waren, als sie die Geschichten über ihre heidnischen Vorfahren zu Pergament brachten. Hier interessieren vor allem die mittelalterlichen irischen Handschriften, da sie die frühesten und umfassendsten inselkeltischen Aufzeichnungen darstellen (sprachlich teilweise bis ins 7. Jhdt. n. Chr. datierbar).

Für die Jahreskreisfeste stütze ich mich vor allem auf das Buch „Die hohen Feste der Kelten“ von Le Roux u. Guyonvarc’h, in dem alle historischen Hinweise zu diesem Thema herausgearbeitet sind. Ich kann dieses Buch für Keltenfans nur wärmstens empfehlen, da es zu diesem Thema auf Deutsch nichts Besseres gibt. Die Quellen zum Jahresfestkreis sind nämlich in allen möglichen mittelalterlichen Handschriften verstreut, die in dem genannten Werk zusammengetragen wurden.

Die ältesten Aufzeichnungen über den altirischen Jahresfestkreis finden wir bei Geoffrey Keating, einem irischen Gelehrten aus dem 17. Jhdt., in seinem Werk „History of Ireland“, der aus verschiedenen mittelalterlichen Handschriften, die zum Großteil heute verschollen sind, schöpfte. Dort wird beschrieben, wie der mythische Hochkönig Tuathal Techtmar, der im 1. Jhdt. n. Chr. gelebt haben soll, die kultische Zentralprovinz Meath (Midhe) gründete. Dafür teilte er die Provinz in vier Teile, wobei jeder Teil einer der anderen Provinzen zugeordnet wurde, und in jedem dieser Teile war ein Königssitz für den jeweiligen Provinzkönig. Und an jedem der vier Königssitze wurde eine Festversammlung im Jahr abgehalten:

Der König von Munster war am Königssitz von Tlachtga. Dort sollte jährlich am 1. November die Samain-Nacht gefeiert werden. Die Druiden kamen zusammen, um allen Gottheiten in einem Feuer Opfer darzubringen. Alle Feuer in den Häusern mussten gelöscht werden (wer es nicht tat, bekam eine Geldstrafe aufgebürdet), und vom Opferfeuer musste man sich dann neues Feuer holen.

Der König von Connaught saß in Uisneach. Die Versammlung dort fand an Beltaine am 1. Mai statt. Man opferte dem meistverehrten Gott Bel und hielt Markt ab, wo Güter getauscht wurden. Überall wurden zwei Feuer angezündet, um zwischen den Feuern ein krankes Tier jeder Gattung hindurchzuführen, was alles Vieh in Irland vor Krankheiten schützen sollte. Jeder Anführer, der zur Versammlung kam, musste Pferd und Ausrüstung als Steuer dem König überlassen.

Der König von Ulster weilte in Tailtiu (Teltown). Hier fand zu Lugnasad am 1. August ein Jahrmarkt statt. Ehen und Freundschaften wurden geschlossen, wobei die Eltern die Verträge für ihre Töchter und Söhne besiegelten, während sich diese nach Geschlechtern getrennt am Fest aufhalten mussten. Der Gott Lughaid Lamhfhada stiftete das Lugnasad-Fest für seine Ziehmutter Tailtiu, da sie gestorben war und in Teltown bestattet wurde. Ihr zu Ehren war das Fest. Jedes Paar, das hier vermählt wurde, musste dem König Steuern zahlen.

Der König von Leinster weilte in Tara. Alle drei Jahre fand hier am 1. November das Fest von Tara statt, wobei, wie zu Samain, allen Gottheiten geopfert wurde. Das königliche Fest wurde offiziell angekündigt. Es wurden Gesetze und Bräuche beschlossen, die Annalen und Altertümer Irlands verabschiedet. Alle Beschlüsse wurden von den obersten Geistlichen in das Buch der Könige verzeichnet. Jeder Brauch, der mit diesem Buch nicht übereinstimmte, wurde nicht als echt angesehen.

Soweit zum Gründungsmythos von Midhe. (Weitere historische Hinweise auf die Feste im Alten Irland sind im Anhang zu finden.) Auffällig ist, dass der 1. November mit zwei Festen belegt ist (Samain und das Fest von Tara – wobei beide im Sinn ähnlich sind) während Imbolc am 1. Februar fehlt. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass letzteres eher ein Familienfest gewesen sein dürfte und keine königliche Volksversammlung. Nichtsdestotrotz sind Samain, Imbolc, Beltaine und Lugnasad als markante Feste und Jahreszeitenbeginne in den mittelalterlichen irischen Schriften oft erwähnt. Man kann also flapsig sagen, dass die Hälfte der Feste des achtfachen Jahres von den Kelten beigesteuert wurde. Während aber für die drei Versammlungen Samain, Beltaine und Lugnasad zumindest einige Hinweise über Sinn und Ablauf der Feste zu finden sind, ist nichts dergleichen über Imbolc bekannt. Mehr als dass es sich wahrscheinlich um ein Fest der rituellen Reinigung zum Frühlingsbeginn, wo die Mutterschafe Lämmer bekommen und Milch geben, mit anschließendem Festmahl gehandelt hat, ist nicht bekannt. (Ein anderer Name für Imbolc, das mit „umfassender Reinigung“ übersetzt werden kann, ist „Oimelc“, was „Schafsmilch“ bedeutet.)  Fraglich ist damit auch, ob die heilige Brigit, die in christlicher Zeit am 1. Februar so einen großen Festtag hat, auch in heidnischer Zeit als diesbezügliche Festtagsgöttin so wichtig war. Denkbar ist es, da auch die Mythen um die Göttin und die Heilige Ähnlichkeiten aufweisen. Aber es gibt keinen literarischen Hinweis darauf.

Die vier Hochfeste des Alten Irland werden im keltischen Gürtel – und einige darüber hinaus – noch heute in christianisierter und/oder säkularer Form gefeiert. Samain hat sich zu Halloween entwickelt, wobei die Bräuche des neuzeitlichen Samhain mit denen des anglisierten Halloween identisch sind. Das Totengedenken zu Allerseelen hat ebenfalls auf das Samhain-/Halloween-Fest abgefärbt. Imbolc wurde zum Fest der hl. Brighid, das im goidelischen Raum (Irland, Schottland, Insel Man) gefeiert wird und um die Heilige zahlreiche Familienbräuche ausgebildet hat. Beltaine entwickelte sich zum Maifest, welches ähnliche Bräuche aufweist wie hierzulande. Und Lugnasad hat heutzutage mehrere Feste im keltischen Gürtel um den 1. August, das bekannteste ist vielleicht der Garland Sunday, der letzte Sonntag im Juli, wo unter anderem die Wallfahrt auf den Berg Croagh Patrick stattfindet. Die altirischen und neuzeitlichen Feste weisen teils Unterschiede auf (siehe Anhang).

Wie schon angemerkt, markieren die vier Feste auch den Beginn der Jahreszeiten. Samain ist der Beginn des Jahres überhaupt und auch der Beginn des Winters (die Bedeutung des Namens ist „Sommerende“), Imbolc ist der Frühlingsbeginn, Beltaine (Feuer des Bel) der Sommerbeginn und Lugnasad (Versammlung des Lug) der Herbstbeginn. Da zu Samain und zu Beltaine im alten Irland jeweils Notfeuerbräuche stattfanden (alle Herdfeuer mussten ausgemacht werden, und die Druiden (zu Samain) bzw. der König (zu Beltaine) entzündeten das neue Feuer für das Volk), markieren diese beiden Feste die Zeitpunkte zwischen den Jahreshälften: von Samain bis Beltaine ist die dunkle Zeit und von Beltaine bis Samain die helle Zeit.

Man mag sich nun wundern, warum die alten Iren so ausgefallene Jahreszeitenbeginne hatten. Von Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen ist in den Handschriften jedenfalls nirgends die Rede. Die Antwort ist meines Erachtens vielleicht, dass es einen religiösen Grund hatte, denn auch wenn es in Irland durch den Golfstrom im Winter wärmer ist als in Kontinentaleuropa, ist das nicht unbedingt ein Grund, den Sonnenlauf zu ignorieren. Vielleicht kamen die vier Feste auch aus Spanien mit keltiberischen Einwanderern nach Irland, also aus einem mediterranen Klima. Sicher werden wir es wohl nie wissen.

Drei der vier Feste sind noch heute irische Monatsnamen: Bealtaine heißt der Mai, Lúnasa der August und Samhain der November. Die Namen für Juni (Meitheamh – Mitte des Sommers), September (Meán Fómhair – Mitte der Ernte) und Oktober (Deireadh Fómhair – Ende der Ernte) könnten darauf hinweisen, dass die Jahresaufteilung in den alten inselkeltischen Gebieten in 4 x 3 Monate geschah, wobei die vier Viertel vielleicht in „Anfang“, „Mitte“ und „Ende“ einer Jahreszeit aufgeteilt waren. (Ähnliche Monatsbezeichnungen gibt es auch in den anderen inselkeltischen Sprachen.) Wie auch immer – es gibt bei den Inselkelten keinen Hinweis auf einen vorchristlichen Mond- oder Sonnemondkalender. Ich nehme daher an, dass schon in heidnischer Zeit ein Sonnenkalender eingeführt wurde. Altirische Monatsnamen, geschweige denn heidnisch-inselkeltische Kalender, konnte ich bei meiner Recherche leider nicht finden. Im Gegenteil: Die irischen Kirchenväter verwendeten schon im frühen Mittelalter die lateinischen Monatsnamen.

Natürlich gab es auch bei den anderen Inselkelten Jahreskreisfeste. Die mittelalterlichen Schriften in diesen Gebieten geben aber meines Wissens zu diesem Thema kaum etwas her.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil XIV

Samstag, 05. Mai 2012

Wie auch immer. Die Welt der modernen Druidenorden ist dermaßen vielfältig und komplex, dass ich auf die vielen Strömungen hier nicht näher eingehen kann. (Darüber sind bereits ganze Bücher geschrieben worden.) So gibt es heute unter dem Label „Druiden“ alle möglichen Traditionen: vom freimaurerischen, wohltätigen Männerbund über Iolo Morganwgs Bardentum bis hin zu rekonstruktionistischen Strömungen, die sich historisch mit heidnischer keltischer Religion auseinandersetzen. Auch hat sich das Neodruidentum in Europa und den USA ausgebreitet und dort weitere Traditionen entwickelt. Seit 2010 ist das Druidentum als Religionsgemeinschaft in Großbritannien staatlich anerkannt.

Der gemeinsame rote Faden heutiger Druiden(Orden) beinhaltet ungefähr folgende Dinge: Die Selbstbezeichnung als Druiden und ein gewisser Hang zur Mystifizierung und Glorifizierung derselben, manchmal die Behauptung, eine ungebrochene Tradition seit der Antike (oder sogar darüber hinaus) zu pflegen und auch der Glaube von der unbedingten Verbindung zwischen antiken Druiden und den britischen Megalithbauten, obwohl diese durch die archäologische und historische Forschung längst widerlegt ist. Weiters wird die Natur und das Land für heilig erachtet (OBOD und andere sind manchmal im Umweltschutz aktiv), damit oft verbunden die Idee von Leylines (magische Erdenergielinien) und die Wichtigkeit der heiligen Inspiration (walisisch: „awen“ genannt).

Die Gemeinschaftsbildung funktioniert meist in (geheimen) Orden (respektive Hainen „groves“), dort können Initiationen stattfinden (wobei „Druide“ oder gar „Erzdruide“ der höchste zu erreichende Status ist), und es gibt ein hierarchisches Gradsystem – Barden und Ovaten gelten manchmal als Einweihungsstufen zum Druiden. (Der Begriff Ovate bedarf hier kurz einer genaueren Erklärung: Griechische Historiker berichteten von keltischen Vates, das waren Opferschauer und Seher. Die griechische Schreibweise lautet ouateis. Da es im griechischen Alphabet kein „u“, „w“ und „v“ gibt, werden diese Buchstaben durch „oy“ dargestellt. Das kleine y schaut auf Griechisch so „u“ aus. Ich nehme daher an, dass der Begriff Ovates auf dem Missverständnis beruhte, dass man das „o“ wie ein „o“ und das „u“ als „v“ (und nicht als „y“) gelesen hatte.)

Heutzutage können Druidenorden polytheistisch-heidnisch ausgerichtet sein, monotheistisch, oder sie legen sich nicht auf eine bestimmte Religion fest sondern sehen ihren Schwerpunkt in der Philosophie, in persönlicher spiritueller Entwicklung und vor allem auch in der Pflege der (bardischen) Künste.

Um der Verwirrung der vielen Druidentraditionen und –orden zu entgehen, konzentriere ich mich, was die Jahreskreisfeste betrifft, einfach auf Ross Nichols. Immerhin ist der Order of Bards Ovates and Druids (OBOD), den er gegründet hatte, der an Mitgliedern stärkste Druidenorden, aus dessen Dunstkreis auch regelmäßig Publikationen erscheinen. Der OBOD hat in der heutigen Zeit sicherlich einiges an Einfluss in der neodruidischen Welt.

Bevor Ross Nichols die Idee des achtfachen Jahres von Gardner übernommen hatte, dürfte es in vielen Druidenorden üblich gewesen sein, nur die Sonnenfeste zu feiern. Das Witzige an der Sache ist, dass der Gründer der Hexenreligion anfangs die vier Feuerfeste beging, nicht aber die Neodruiden! Immerhin sind ja gerade die Feuerfeste in der keltischen Geschichte fassbar – nicht aber die Sonnenfeste! An diesem Paradoxon dürfte aber die Liebe zu Stonehenge schuld sein, da dieser Megalithkreis ja den Aufgang der Sommersonnwendsonne markiert. Die Sommersonnenwende wird daher innerhalb von Stonehenge seit vielen Jahrzehnten von Druidenorden mit unzähligen Beteiligten begangen (manchmal kam es sogar zu Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt).

Ross Nichols (1902 – 1975) war anfangs Mitglied des Ancient Druid Order (ADO). Auch dort war und ist es üblich, nur die vier Sonnenfeste zu feiern, wobei die Wintersonnenwende privat begangen wird und die anderen drei Feste in der Öffentlichkeit stattfinden: das Frühlingsäquinoktium am Tower Hill in London, wobei rituell Samenkörner ausgestreut werden, die Sommersonnenwende – nona – in Stonehenge und das Herbstäquinoktium am Primrose Hill in London, wobei reife Früchte geopfert werden.

Nichols verließ später den ADO und gründete 1964 den OBOD, wo er auch die acht Jahresfeste einführte. Die Namen derselben variieren allerdings etwas von den im Wicca üblichen. Während die vier Feuerfeste ebenfalls die irischen Namen haben (Samhuinn, Imbolc, Beltaine und Lughnasadh), tragen die Sonnenfeste walisische Namen, und zwar Alban Arthan „Licht des Arthur“ für die Wintersonnenwende, Alban Eilir „Licht der Erde“ für das Frühlingsäquinoktium, Alban Hevin „Licht des Ufers“ für die Sommersonnenwende und Alban Elved „Licht des Wassers“ für das Herbstäquinoktium. Diese Festtagsnamen gehen auf „The Barddas“ von Iolo Morganwg zurück. Dort beschreibt er sie so: „Alban Elved markiert die Kalenden (= Monatsbeginn) des Oktober; Alban Arthan die Kalenden des Jänner; Alban Eilir die Kalenden des Frühlings; Alban Hevin die Kalenden des Sommers.“ Diese Festtagsbezeichnungen werden auch in anderen Druidenorden verwendet. Weiters behauptete Morganwg, das walisische Jahr begänne zur Wintersonnenwende.

Im Buch „Die Weisheit der Druiden“ von Philip Carr-Gomm, dem heutigen Leiter des OBOD, gibt es eine interessante Assoziation des Jahreskreises mit dem menschlichen Leben: Samhuinn: Neujahr, Alter, Tod > Alban Arthan: Empfängnis, Inkarnation > Imbolc: Kindheit bis 7 Jahre, > Alban Eilir: Kindheit 7 – 14 Jahre, > Beltaine: Jugend: 14 – 21 Jahre, > Alban Hevin: junge Erwachsene 20 – 30 Jahre, > Lughnasadh: Elternschaft: 30 – 50 Jahre, > Alban Elved: Reife 50 – 70 Jahre.

Die Symbole und Gottheiten der OBOD-Jahreskreisfeste sind im Anhang aufgeführt. Bei den Zeremonien des OBOD bzw. des ADO (und sicherlich auch anderer Druidenorden) findet man oft folgende Elemente: Weiße Kleidung für Druiden (Ovaten und Barden tragen für gewöhnlich andere Farben), das Rufen der vier Himmelsrichtungen (oft in Form der Erzengel), ein Fanfarenstoß zu Beginn der Zeremonie, das Mitführen von Ordensbannern, ein Schwert (das zum Zeichen des Friedens halb aus der Scheide gezogen wird), jahreszeitliche Pflanzen und Opfergaben, Umtrünke, Schwüre auf die Schwertklinge, bestimmte Anrufungen, Friedensruf, das Gorsedd-Gebet (findet man im „Barddas“). Ähnlich wie im Wicca gibt es auch beim OBOD einen männlichen Sonnengott und eine weibliche Erd- und Mondgöttin, wobei beide in den Festen aufeinander bezogen sind.

Während die Gruppe im Kreise steht, platzieren sich die Akteur/innen darin auf Schlüsselpositionen (z. B. in den vier Himmelsrichtungen). Jede/r spielt eine bestimmte Rolle oder hat ein Amt inne: z. B. Herold, Pendragon, Schreiber, Erzdruide, Königin/Erdmutter, Barde, Schwertträger etc. Die Zeremonien sind – im Gegensatz zum mehr intimen und auch Trance-orientierten Wicca – eher förmlich, feierlich und vor allem groß angelegt (weil auch oft öffentlich). Das edle Freimaurertum hat hier seine Spuren hinterlassen.

Je nachdem, welchen Schwerpunkt ein Druidenorden setzt, wird er traditionell die vier Sonnenfeste begehen, oder wie der OBOD die acht Jahreskreisfeste oder aber – wie im keltischen Rekonstruktionismus (siehe Kapitel über die Kelten) – nur die vier Feuerfeste.

Bevor wir zum Kapitel über die Kelten kommen, möchte ich noch kurz auf ein Phänomen eingehen, das in der modernen Esoterik untrennbar mit Kelten und Druiden verbunden zu sein scheint: Baumkalender oder Baumhoroskope. Da, wie oben beschrieben, Kalender ja oft einen kultischen Einfluss auf die Jahreskreisfeste haben, komme ich nicht umhin, hier zumindest einen Baumkalender vorzustellen, und zwar jenen, den Robert von Ranke Graves erfunden hat und in seinem Buch „Die weiße Göttin“ ausführlich vorstellt. Dieser Kalender hat in Wicca- und Druidenkreisen eine gewisse Beliebtheit erlangt. Im Gegensatz zu anderen handelsüblichen (und recht banalen) Baumkalendern, -horoskopen und –kreisen hat sich Graves zumindest die Mühe gemacht, die Pflanzensymbolik mit keltischen Elementen aus den Mythen auf interessante Art zu verbinden und hat so ein recht brauchbares spirituelles System entworfen. Er verknüpft einen eigens erfundenen 13-monatigen Sonnenkalender mit den 13 Strophen des Amairgen-Liedes (ein Zauberlied, das der Druide Amairgen am irischen Strand sang, um den Milesiern die Eroberung der Insel zu ermöglichen – nachzulesen im „Lebor Gabála Érenn“) und 13 Buchstaben des 25-buchstabigen irischen Ogam-Alphabets (welches auch Baumalphabet genannt wird, da ein Gros der Buchstabennamen mit Bäumen in Verbindung gebracht wird), wobei die Buchstabennamen zugleich die Monatsnamen sind. Jeder Monat hat 28 Tage, was mit dem siderischen Mondumlauf zu tun hat – das heißt, der Mond braucht genau 27,32 Tage, um einmal die Erde vollständig zu umrunden (und so durch alle Tierkreiszeichen zu wandern). Der siderische Mondumlauf hat mit dem synodischen 29,5-tägigen, der für normale Mondmonate zuständig ist und nach den Mondphasen rechnet, nichts zu tun. Graves‘ Kalender schaut also so aus (die Monate, in denen die acht Jahresfeste stattfinden, sind markiert):

1. Beithe – Birke „Ich bin ein Hirsch von sieben Enden“,                           24. Dez. – 20. Jän.

2. Luis – Eberesche „Ich bin ein See auf einer Ebene“,                               21. Jän. – 17. Feb.

3. Nin – Esche „Ich bin ein Wind des Meeres“,                                           18. Feb. – 17. März.

4. Fern – Erle „Ich bin eine Träne der Sonne“,                                            18. März – 14. Apr.

5. Sail – Weide „Ich bin ein Falke auf einer Klippe“,                                  15. Apr. – 12. Mai

6. hÚath – Weißdorn „Ich bin eine Fee zwischen Blumen“,                       13. Mai – 9. Juni

7. Duir – Eiche „Ich bin ein Gott, der Feuer für einen Kopf macht“,          10. Juni – 7. Juli

8. Tinne – Stechpalme „Ich bin ein kriegführender Speer“,                         8. Juli – 4. Aug.

9. Coll – Haselnuss „Ich bin ein Lachs in einem Teich“,                              5. Aug. – 1. Sep.

10. Muin – Wein „Ich bin ein Berg der Dichtung“,                                     2. Sep. – 29. Sep.

11. Gort – Efeu „Ich bin ein Eber, unbarmherzig und rot“,                                     30. Sep. – 27. Okt.

12. Gétal – Schilf „Ich bin ein Geräusch des Meeres“,                                28. Okt. – 24. Nov.

13. Ruis – Holunder „Ich bin eine Welle des Meeres“,                                25. Nov. – 22. Dez.

23. Dezember: Extra-Tag zwischen den Zeiten

Dass der Eiche-Monat in die Sommersonnwendzeit fällt und der Stechpalme-Monat in die Lugnasad-Zeit mag ein Grund für die Idee des Mythos um den Eichenkönig und den Stechpalmenkönig gewesen sein (siehe das Kapitel über Wicca). Es sei noch erwähnt, dass auch Graves behauptete, dass dieses sein System in Wirklichkeit auf alte keltische Tradition zurückgehe. Tatsächlich hat kein Baumkalender, auch nicht der von Graves, irgendeine erwiesene historische Entsprechung in der antiken oder mittelalterlichen Literatur. Alle „keltischen“ Baumkalender haben ihren Ursprung im 20. Jahrhundert.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil IX

Samstag, 06. August 2011

Kalender, Festkreisbeginn und Festdaten

Da das achtfache Jahr eine moderne Erfindung ist, braucht man nicht nach einem traditionellen, dahinterliegenden Kalender suchen. Die acht Jahreskreisfeste sind als Fixdaten konzipiert, die sich hervorragend im gregorianischen Kalender einfügen. Praktischerweise fällt die Hälfte der acht Jahreskreisfeste auch genau oder ungefähr auf gesetzlich anerkannte Feiertage: Beltaine (Tag der Arbeit am 1. Mai) und Samain (Allerheiligen am 1. November) sowie Jul (Weihnachtstag am 25. Dezember) und Ostara (Osterwochenende) – wenn man es nicht so genau nimmt mit dem Sonnendatum. Auch die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden (also die Jahreszeitenbeginndaten) sind zumeist in jedem Taschenkalender eingetragen, die Mondphasen sowieso.

Wenn man die germanischen und keltischen Wurzeln der einzelnen Feste bedenkt, kann man natürlich auch überlegen, einen germanischen oder keltischen Kalender zugrunde zu legen. Näheres dazu in den entsprechenden Kapiteln weiter unten. Aber es gibt auch moderne Hexenkalender, die man verwenden kann. (Der bekannteste ist der Ogamkalender von Ranke-Graves, wie er im Kapitel über die Neodruiden vorgestellt ist.) Für die Festtagsdaten macht das aber keinen Unterschied. – Es sei denn, man kommt auf die Idee, die acht Jahreskreisfeste (oder einen Teil davon) auf eine bestimmte Mondphase zu legen.

Tatsächlich habe ich beim Surfen im Netz öfters die Idee gefunden, zumindest die Feuerfeste an einem in der Nähe des jeweiligen Festdatums liegenden Neu- oder Vollmond zu feiern. Die Begründung dafür dürfte sein, dass man die Sonnenfeste der Sonne zuordnet und die anderen Feste, die jetzt nicht auf ein Sonnen-Eckdatum fallen, will man auch irgendwie an einem markanten Punkt haben. Der Mond bietet sich an, weil er der zweitgrößte Himmelskörper ist – von der Erde aus betrachtet -, außerdem hat man so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: man hat fixe Mond-Feierzeiten eingerichtet (Der Vollmond gehört ja zu den Hexen wie der Besen und der brodelnde Kessel), die zugleich auch große Feiertage sind. Eine weitere Begründung, die Feiertage auf eine Mondphase zu legen, liegt im lunisolaren Kalender der Gallier und einiger germanischer Völker (siehe dazu die Kapitel über die Kelten und die Germanen).

Zurück zu der Version mit den Fixdaten. Wenn keine anderen zwingenden Gründe dagegen sprechen (eine Wicca-Bekannte erzählte mir einmal, sie feiere Samhain ein paar Tage später, weil das besser mit der Astrologie zusammenpasse – die Sonne stehe da genau in 15° Skorpion), feiern die meisten Neuheiden die Feste an den oben beschriebenen Daten bzw., wenn der Job es nicht anders zulässt, an nahegelegenen Wochenenden oder Feiertagen.

Die Daten für die Sonnenfeste sind ja relativ klar. Es geht um die Tage vor der kürzesten Nacht (Sommersonnenwende) oder der längsten Nacht (Wintersonnenwende) oder um den Tag, der gleich lang ist wie die darauffolgende Nacht (Tagundnachtgleichen). Bei den Feuerfesten muss ich aber noch etwas ausholen, denn Samhain wird für gewöhnlich nicht am 1. November gefeiert sondern am Abend des 31. Oktober, Beltaine nicht am 1. Mai, sondern am Abend des 30. April, Imbolc nicht am 1. Februar sondern am Abend des 31. Jänner und Lughnasad nicht am 1. August sondern am Abend des 31. Juli. Vor allem für Samhain und Beltaine sind die Daten sehr bekannt, fällt ja auch Halloween (die moderne Version von Samhain) auf den 31. Oktober und die Walpurgisnacht (die festlandeuropäische Entsprechung zu Beltaine) auf den 30. April. Der Grund dafür liegt in der keltischen Tagesrechnung, bei der der Tag am Vorabend beginnt (diese Rechnung gab es auch bei den Germanen, Griechen und heute noch bei den Juden).

Da Gardner – im Gegensatz zu den Sonnenfesten, die in ihrer Gesamtheit kein bestimmtes historisches Vorbild haben – bei den Feuerfesten wahrscheinlich auf den altirischen Festkalender geschielt hat, hat er auch die Tradition des „Abend davor“ übernommen.

Imbolc wird in einigen Jahreskreisbeschreibungen auch auf den 2. Februar gelegt. Der Grund dafür dürfte das katholische Mariae-Lichtmess-Fest sein, das am 2. Februar stattfindet und mit dem Imbolc manchmal assoziiert wird. Die irische Heilige (und frühere Göttin) Brighid wird allerdings am 1. Februar geehrt. Das „keltisch-korrekte“ Feierdatum ist damit der Abend vor dem 1. Februar.

Bleibt noch zu ergründen, wann das achtfache Jahr nun richtigerweise beginnt. Ich habe einige Jahreskreisbeschreibungen in meinen Büchern miteinander verglichen. Die einzigen Feste, die NICHT als Beginnzeiten genannt wurden, sind: Beltaine, Litha und Mabon (aber vielleicht gibt es ja irgendeinen Coven irgendwo auf der Welt, der seinen Festkreisbeginn auf genau eines dieser Feste legt – ich meine, wenn man kurz die oben beschriebenen Jahresbeginndaten verschiedener Kulturen im Auge hat, könnte es griechischen Neuheiden einfallen, Litha als Jahresbeginn zu postulieren, jüdischen Mabon und tamilischen Beltaine – nur mal spaßhalber so angedacht …).

Alle anderen Feste dienen im einen oder anderen neuheidnischen System als Beginndatum des Jahresrades: Samhain hat jedenfalls den altirischen Kalender als Grund, Jul könnte sich auf die germanische oder römische Kultur berufen oder einfach auf die Wintersonnenwende selbst (Geburt der Sonne), Imbolc hat vielleicht Jahresbeginn-Symbolik in der Natur (Vorfrühling, wieder erstarkende Sonne), und Ostara als Festkreisanfang könnte sich neben der Symbolik der wiedergeborenen Natur auch auf persische, baltische oder slawische Tradition berufen.

Fazit: Wenn man keiner speziellen Tradition angehört oder einem bestimmten Dogma folgt, gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ bei den Daten und Festkreisbeginnzeiten des achtfachen Jahresrades. Es bleibt der Kreativität und den Wünschen der Feiernden überlassen.

Ritualpraxis

Im folgenden Kapitel geht es nicht nur um Gruppen, die die acht Jahresfeste begehen, sondern um alle Neuheiden, da das Meiste sowohl für die „Acht-Jahreskreisfeste-Traditionen“ als auch für die Recons und die anderen Neuheiden Gültigkeit hat.

Die Wicca-basierten bzw. -inspirierten Gruppen (allgemeines Neuheidentum und andere) übernehmen oft (nicht immer) Elemente der Ritualpraxis aus dem Wicca. Beliebte Ritualelemente sind: Das Ziehen eines Schutzkreises am Anfang und das Auflösen desselben am Schluss des Rituals, das Rufen der vier Elemente in die vier Himmelsrichtungen (beliebtes Schema: Luft – Osten, Feuer – Süden, Wasser – Westen und Erde – Norden), das Invozieren bzw. das „Energiearbeiten“ oder „magische Arbeiten“ mit Gottheiten (entweder nach Wicca-Tradition eine Göttin und ein Gott, nur Göttinnen in frauenzentrierten Gruppen oder in polytheistischen Gruppen auch mehrere zum Fest passende Gottheiten), das Aufbauen eines Kraftkegels bzw. das „Kreisenlassen von Energie“ (z. B. durch Tanz, Konzentrationsübungen, Chanten, Trommeln etc.). Andere Ritualteile aus dem traditionellen Wicca dürften im „allgemeinen Heidentum“ keinen so großen Anklang finden, wie z. B. der fünffache Kuss, die Verwendung einer Peitsche, der große Ritus o.ä.

Die Rituale traditioneller Gruppen sind – nona – traditionell und Recon-Gruppen versuchen, sich möglichst an historisch fassbare Zeremoniengestaltung zu halten (soweit möglich), was sich oft sehr vom Wicca unterscheidet.

Inwieweit man Kreativität in ein Jahreskreisfest einbringen kann, hängt davon ab, wie eng die Ritualvorgaben in der jeweiligen Tradition sind. In traditionellen Wicca-Coven, Neodruidenorden, traditionellen Heidentümern oder Recon-Gruppen mit vielen historischen Anhaltspunkten (z. B. Religio Romana oder Hellenismos) ist der Rahmen zur freien Ritualgestaltung naturgemäß enger als im „allgemeinen Heidentum“ oder im germanischen oder keltischen Recon (da dort genaue historische Ritualvorgaben meist fehlen). Weiters entscheidet jede Gruppe auch selbst, wie streng sie sein will, wie viel individuelle Gestaltung sie zulässt oder nicht. So kann auch eine chaosmagische, allgemein heidnische Gruppe sehr dogmatisch und eng strukturiert sein während eine Familientradition sich auch durchaus liberal geben kann. Wie auch immer: Durch die Vielfalt der Traditionen und Gruppen ergibt sich beim Vergleich der Jahresfestpraktiken sicher ein sehr buntes Bild.

Oft ist es üblich, einheimisches Brauchtum in die Jahresfeste zu inkludieren. Dieses Brauchtum ist in der westlichen Welt zumeist christlich geprägt, kann aber leicht in den heidnischen Kontext übernommen werden. Was Österreich betrifft, ließen sich für die acht Jahresfeste z. B. folgende Bräuche übernehmen: Weihnachtsbaum zu Jul, Lichtmesskerzen zu Imbolc, Ostereier zu Ostara, Maibaum zu Beltaine, Sonnwendfeuer zu Litha, Kräuterweihe zu Lugnasad, Erntekränze zu Mabon und Friedhofsbesuche zu Samain.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).

Beltane

Montag, 03. Mai 2010

Wir hoffen, ihr alle hattet ein schönes Beltane und falls ihr noch feiern solltet, wünschen wir euch natürlich noch ein schönes. Auch, wenn das Wetter inzwischen ein bisschen umgeschlagen hat (zumindest hier) – die Kraft des Lebens liegt klar in der Luft und verhilft zu neuem Schwung. In diesem Sinne hier ein paar sonnige Muntermacher für eure Computerbildschirme.

Und plötzlich ist sie ganz, ganz weit weg….