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Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

Samstag, 19. Mai 2018

 

Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

The most simple magical Art

 

Erstauflage: 1975/Aquarian Press; Zweitauflage 1980/Aquarian Press/ISBN UK: 085030 168 8/ISBN USA: 0877284905/95 Seiten/47,95 Pfund

 

Über den Autor

Michael Howard war seit 1976 Herausgeber des Hexen-Magazins „The Cauldron“. Er schrieb über 20 Bücher über Runen, Folklore und Magick. 1969 wurde Howard in Gardnerian Wicca initiiert und war in den 60er Jahren Mitglied des „Luciferian Order of the Morning Star“, später war Eingeweihter der englischen traditionellen Witchcraft-Gruppe „Cultus Sabbati“. Howard verstarb im September 2015.

Eine kleine Auswahl seiner veröffentlichten Bücher: Angels & Goddesses: Celtic Christianity And Paganism In Ancient Britain / Mysteries Of The Runes / The Sacred Ring: The Pagan Origins Of British Folk Festivals And Customs / Way Of The Magus / The Pickingill Papers / The Pillars Of Tubal Cain / The Sacred Earth Guide / The Roebuck In The Thicket / The Robert Cochrane Letters / The Book Of Fallen Angels / Faery Beasts And Animals Of Legends/ Modern Wicca – A History From Gerald Gardner To The Present

 

Über das Buch

Michael Howard behandelt in diesem Buch zwei Themen: Einerseits die Bedeutung von Magie mit Kerzenritualen, andererseits das Finden des persönlichen Begleiters in Form des Erzengels.

Als die einfachste Form der Magie bezeichnet er die Kerzenmagie. Warum sie so einfach ist? Weil der Lernende dafür nicht die 365 Namen Gottes auswendig lernen muss oder mühsam bei Vollmond Alraunen aus dem Boden buddeln muss. Viele hätten sie sogar schon praktiziert, die Kerzenmagie, schreibt Howard und nennt das Ausblasen der Geburtstagskerzen in Verbindung mit einem bestimmten Wunsch. Außerdem kann Kerzenmagie von jedem durchgeführt werden, ganz egal, welcher Religion er angehört. Howard erklärt die Farben für das jeweilige Ritual  (zum Beispiel Rot für die Gesundheit und sexuelle Potenz, Grün für Fruchtbarkeit und Glück, Blau für Weisheit und Schutz oder Weiß für Reinheit und Spiritualität) und nennt die entsprechenden Wochentage, an denen Rituale am besten durchgeführt werden (zum Beispiel Freitag für die Liebe oder Donnerstag für Geldangelegenheiten). Natürlich dürfen an dieser Stelle einfache Rituale nicht fehlen.

Komplizierter wird es dann ab der Buchmitte, wenn er Rituale aufzählt, für die die Hilfe von Engeln benötigt wird. Zum Beispiel bei der „Mystical Novena“, ein Ritual, das der Erfüllung eines speziellen Wunsches dient und über einen bestimmten Zeitraum hinweg durchgeführt werden muss. Oder bei Ritualen für die Astralreise oder einem Ritual zur Zukunftsschau, für die ebenfalls die Erzengel herangezogen werden. Der persönliche Erzengel kann anhand einer Tabelle im Buchanhang gefunden werden, ebenso wie der Planet fürs persönliche Sternzeichen, der auch für einige Rituale von Bedeutung ist.

 

Fazit: Insgesamt ein interessantes Buch über die Herkunft und den Gebrauch der Kerzenmagie. Die meisten Rituale sind einfach durchführbar. Dennoch ist mir persönlich dieses Buch zu Engel-lastig. Wer ein bisschen Erfahrung mit Kerzenmagie hat weiß, dass man dafür nicht einen Erzengel Raphael, Uriel oder Gabriel zu Hilfe holen muss, sondern die einfache, aber prägnante Formulierung des Wunsches, unter Umständen ein entsprechendes Öl als Verstärker (das von Howard auch erwähnt wird), aber vor allem die Konzentration reicht, um einen Wunsch Realität werden zu lassen.

Außerdem bedenklich: Howard erwähnt bei seinen Regeln zur Kerzenmagie im Anhang, dass kein Mensch gegen seinen Willen beeinflusst werden soll, hat aber offensichtlich kein Problem damit, ein Liebesritual  niederzuschreiben, mit dem genau das bewirkt werden soll. Obwohl er auf Seite 29 noch einmal explizit auf den freien Willen einer Person hinweist und vor solchen Ritualen warnt, steht auf Seite 21 unter der Überschrift „Example of Typical Spell“,  wie Person A die Liebe von Person B gewinnen kann.

Alles in allem ist dieses Buch eine nette Ergänzung zu anderen Büchern über Kerzenrituale, wie sie zum Beispiel von Raymond Buckland, Ruby Ray, Anna Riva oder Blaine Ryker publiziert wurden.

Werner Gertz: Schamanische Reisen in andere Welten

Samstag, 08. Oktober 2016

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Schamanische Reisen in andere Welten –
Unterwegs in der Nicht-Alltäglichen Wirklichkeit
Dezember 2015 / tao.de – Kamphausen Verlag / ISBN: 978-3958028388 / 14,99 € / 206 Seiten

Verlagsinfo: Die Ausprägungen und Methoden des schamanischen Arbeitens sind vielfältig und es gibt viele Missverständnisse. Neben einer Einführung in eine aktive moderne schamanische Praxis, enthält das Buch rund 50 thematisch beispielhafte Fallstudien, anhand derer die Verläufe und Wirkungen der Arbeit modellhaft aufgezeigt werden. Es stellt eine Verbindung her zwischen dem Weltbild des Schamanen und einer modernen Naturwissenschaft. Der Zugang zu geistigen Dimensionen wird für all diejenigen erleichtert, die sie sonst höchstens philosophisch, aber nicht im alltäglichen Leben vermuten.
Aufbauend auf dem traditionellen Schamanismus, der meist als eine eher exotische Form spirituellen Wirkens gesehen wird, gibt es heute eine aktive moderne schamanische Praxis, in der das traditionelle tiefere Wissen und Vermögen immer wieder neu entdeckt, erforscht und moderneren Gestaltungsformen zugeführt wird. Er gerät zunehmend ins Blickfeld einer an spirituellen Themen interessierten Öffentlichkeit, insbesondere auch als eine alternative Heilkunst.
Eine der wirkungsvollsten Methoden, die geistige Welt um Informationen und Heilung zu bitten, ist die „Schamanische Reise“. Im Buch wird sie in ihren einzelnen Aspekten beschrieben. „Neulinge“ im Bereich Schamanismus erhalten so eine praktisch orientierte Einführung in dessen Philosophie, Methoden und Verfahren. Leser mit schamanischer Erfahrung können das Buch nutzen, um ihr Wissen aufzufrischen, etwa durch die beschriebenen Methoden zu den Fallstudien.

Über den Autor

Ursprünglich studierte Werner Gertz Elektrische Nachrichtentechnik und arbeitete als Management-Berater über viele Jahre hinweg in verschiedenen Unternehmen. Als er vor einigen Jahren mit seiner Frau nach Namibia zog, lernte er eine deutsche Schamanin kennen und kam durch sie in Kontakt mit dem Schamanismus. Er und seine Frau wurden schamanisch ausgebildet und führen heute Behandlungen in Deutschland, der Schweiz und Namibia durch.

Über das Buch

Wenn ein Mensch erkrankt, muss das nicht immer an irgendeinem körperlichen Gebrechen liegen. Es kann auch mit der Psyche zusammenhängen mit irgendeinem Geschehen in der Vergangenheit. Schamanen gehen in ihrer Suche nach den Ursachen noch weiter: Sie suchen eventuell nach abgespaltenen Seelenteilchen, hören dabei auf den Rat ihrer Führer, die ihnen meistens in tierischer Form erscheinen.
Wie das funktioniert, hat Werner Gertz mit 50 Fallbeispielen verdeutlicht. In seinem Buch finden sich verschiedene Krankheitsbilder. Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht haben oder in ihrem Leben immer wieder Situationen erleben, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt. Werner Gertz und andere Schamanen, mit denen er Heilungen durchführt, haben ihre Erfahrungen für dieses Buch niedergeschrieben.

Teil zwei des Buches sind Fallstudien. Hier geht es nicht nur um Probleme, die von den Klienten an Werner Gertz und sein Team herangetragen wurden. So ist gleich das erste Beispiel eine Reise zu den Hausgeistern, die das Grundstück von Feema betreuen. Oder es sind Reisen zu Gefühlen, wie zum Beispiel der Gier oder der Liebe. Eindrucksvoll schildert Werner Gertz, wie bei verschiedenen Klienten durch eine Konfliktlösung in einem früheren Leben ein Problem in der Gegenwart behoben werden konnte. Auch Fremdenergien, wie Verwünschungen, Flüche oder Dämonen konnten mithilfe der Krafttiere beseitigt werden.

Anfangs geht es um die Ursprünge des Schamanismus, um Michael Harner und seine Foundation for Shamanic Studies, die er im Jahr 1979 gründete. Es geht um die schamanische Weltsicht, um Leben, Tod und Wiedergeburt. Und es geht natürlich um schamanische Reisen, um die drei Welten (obere, untere und mittlere Welt) und den Kontakt zu den Krafttieren.
„Ein Schamane wird auf der Reise von Krafttieren begleitet, die ihn beschützen und auch leiten. Man spricht von ihnen auch als Schutzgeister, die – ähnlich wie Schutzengel – bestimmte Funktionen haben. Sie beraten den Schamanen und sind auch dessen Führer. Sie haben eine zentrale Bedeutung für die schamanische Reise“. (S. 42/43)
Wie eine schamanische Reise durchgeführt wird, welche Fragen der Klient stellt, die Besprechung im Vorfeld, die Reise selbst und die Nachbesprechung finden sich auch im ersten Abschnitt. Und Werner Gertz warnt vor dem „Do-it-yourself-Schamanismus“, also den Büchern mit beigefügter Audio-CD, die den Schamanen-Anfänger in Kürze zum Meister machen sollen. Er betont aber, dass Schamanismus erlernbar ist, jedoch bedarf es dazu der Anleitung von erfahrenen schamanisch Tätigen, zum Beispiel in einem Seminar.

Fazit

Dieses Buch zu lesen, macht einfach Spaß. Es macht Spaß, weil Werner Gertz den Schamanismus mit seinen vielen vielen Beispielen verständlich rüber bringt, zeigt, was alles mithilfe der Krafttiere möglich ist.
Trotzdem stellen sich bei der Rezensentin im Nachhinein einige Fragen: Viele seiner Fallstudien beruhen auf Erlebnissen in der Vergangenheit. Dinge, die seinen Klienten nicht nur in diesem Leben, sondern auch in früheren Reinkarnationen passiert sind und direkten Einfluss auf aktuelle Ereignisse haben. Und es macht mitunter den Eindruck, als würden die Ursprünge physischer und psychischer Probleme ausschließlich in früheren Leben zu suchen sein. Ist das so?
Eine weitere Frage ist die in Bezug auf Dämonen. Laut dem Autor bleibt ein Dämon so lange bei an einem Menschen haften, „solange der Mensch sich selbst negativen, angstvollen oder hasserfüllten Gedanken hingibt. Es besteht immer eine Resonanz zwischen der dunklen Energie und dem Menschen, der sie in sich trägt. Eliminiert der Mensch seine destruktiven Energien, findet das dunkle Wesen keinen Halt mehr und verlässt seinen ‚Wirt‘“. (S.104)
Wenn eine dunkle Wesenheit allein durch eine Veränderung der Gedanken und in Folge des Charakters in die Flucht geschlagen werden kann, warum nehmen dann die Exorzismen in der katholischen Kirche zu? Warum wird dies nicht schon längst bei Betroffenen geraten, die eindeutig von einer Fremdenergie besessen sind?
Letztendlich ist jedoch schwer, Erfahrungen auf den Prüfstand zu stellen, die Werner Gertz und sein Team erlebt haben und für die „Schamanischen Reisen“ niedergeschrieben haben. Allein die Tatsache, dass sie und ihre Krafttiere so vielen Klienten geholfen haben, sollte Beweis genug sein, dass der Autor nicht irgendein Scharlatan ist, sondern hier wirklich fundiertes Wissen und Praxis dahinter steckt.
Dieses Buch ist nicht nur spannend und unterhaltsam geschrieben, sondern auch eine echte Inspiration für jeden, der sich für Schamanismus interessiert oder sein Wissen vertiefen möchte.

 

Die alte Göttin und ihre Pflanzen

Samstag, 31. Januar 2015

Wolf-Dieter Storl

Die alte Göttin und ihre Pflanzen
Wie wir durch Märchen wieder zu unserer Urspiritualität finden
2014/Kailash Verlag/ ISBN 3424630802/272 Seiten

Über den Autor

Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als 11-jähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.

Über das Buch:

Dass sich Wolf-Dieter Storl bei Pflanzen, ihren Heilwirkungen und dem Wesen der Pflanzen auskennt, hat er schon des Öfteren bewiesen. Auch verbindet er diese Pflanzen gerne mit allerlei Mythen, Legenden und Märchen. Mit diesem Buch wagt er sich allerdings auf ein Terrain, mit er bislang noch nicht oder kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist: Er bringt Pflanzen und Märchen mit den Göttern, genauer gesagt mit der Göttin in Verbindung. Das Ergebnis ist allerdings diskussionswürdig.

Wer gerne Märchen liest und ein bisschen mehr über deren Bedeutung erfahren möchte, wird von diesem Buch nicht enttäuscht sein: Frau Holle, Schneeweißchen und Rosenrot, das Märchen vom Marchandelbaum, Junfrau Marleen, die sechs Schwäne, Rendezvous mit dem Teufel und viele viele mehr. Storl hat sie alle niedergeschrieben und sie durch das eine oder Detail aufgehübscht. So schreibt er beim „Teufel mit den drei goldenen Haaren“: „Es dauerte nicht lange, da kam der Teufel nach Hause. Er hatte einen guten Tag gehabt – er hatte im Wald Zecken mit Borreliose ausgesetzt und war in Brüssel durch die Politikerhirne gehüpft.“ (S. 133)

Natürlich erklärt er auch den einen oder anderen Begriff – wie den der Glückshaube („Man spricht von einer Glückshaube, wenn etwas Eihaut, die das Ungeborene im Mutterleib umgibt, am Kopf des Neugeborenen haften bleibt. In ganz West- und Nordeuropa galt das als Zeichen des sicheren Glücks.“ [S. 126]) und erzählt über die tiefergründige Bedeutung der Märchen – wie bei „Wassilissa“: „In dem Märchen von Wassilissa erfahren wir, dass Tag und Nacht und die Sonne – der weiße, der schwarze und der rote Reiter – Diener der verborgenen Göttin, der Baba Jaga, sind. Die Farben Weiß, Rot und Schwarz, sind und waren schon immer die Farben dieser dreifaltigen Göttin.“ (S.77)

Bei einigen Pflanzen erklärt er auch den Bezug zur Göttin – wie den von Frau Holle zum Holunder. „Ihr Name Holle, Hold, Hullefrau oder Hel beinhaltet das Verhohlene, das Verhüllte, aber auch das Helle, denn in der hellsichtigen Schau erscheint ihr Reich als lichterfüllt und hell.“ (S. 53)

Auf die Verbindung der Göttin Hel mit dem Holunder, kommt Storl erst viel später – auf Seite 103 – zu sprechen: „Frau Holles Baum ist der Holunder – auch Holler, Eller, Ellhorn (englisch: Elder), Flieder oder, in Sachsen, Schibecke genannt. Auch der Holunder ist ein Zugang zum Reich der Holle. Wenn man unter dem Holunder meditiert – sich hinsetzt, leer und offen wird und sich nicht von allen möglichen Gedanken ablenken lässt -, dann spürt man, wie der Holunder einem die Seele nach unten in die Erde zieht.“

Im Großen und Ganzen ist „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ ein interessantes Buch. Dennoch beschleicht einem bei manchen Textstellen das Gefühl, Storl hätte alles, was er über Götter, Mythen und Folklore gefunden hat, in einen Topf geworfen und kräftig rumgerührt: Da wird die Hexe plötzlich zum Nachfahren der Schamanen (S.247), die Märchenfigur Frau Holle zur Göttin („Die alte Göttin Frau Holle hütet nicht nur die Samen, die im Frühjahr keimen, sie schickt nicht nur die Tierseelen nach oben, wo sie Fleisch und Blut und Knochen annehmen, sondern sie schickt auch die Menschenseelen in neue Verkörperungen – S. 95) und auch seine Ausführungen zum Matriarchat sind fragwürdig (S.14 ff.).

Auch lässt er das Märchen von der Göttin Ostara wiederaufleben: „Unser Osterfest, benannt nach Ostara (auch Eostra oder Austra), der Göttin des neuen Lichts, der Morgenröte und der Frühlingssonne wurde umgedeutet zum Auferstehungsfest des Heilands des ‚Lichts der Welt‘.“ (S. 34)

Tatsächlich ist die Herkunft dieser Göttin wissenschaftlich nicht belegt, ist eine Erfindung von Jakob Grimm, der wiederum einst eine Mitteilung des 674 in Northumberland geborenen Kirchenvaters Beda las, der wiederum eine angelsächsische Bezeichnung für den Monat April (Eostur-monath) auf die Existenz einer heidnischen Göttin namens Eostre zurückführte.

Ein weiteres Manko des Buchs: Storl hat kein Stichwortverzeichnis hinzugefügt. Auch lässt er den Leser vielfach im Unklaren, aus welchen Quellen er seine Erkenntnisse gewonnen hat.

Fazit: Ein nettes Buch, reicht aber an frühere Veröffentlichungen nicht heran!

Gedanken zur Psi-Forschung – oder der Versuch, mit Stäbchen Suppe zu essen, geschrieben von Martin Marheinecke – Teil II

Samstag, 25. Oktober 2014

Wie sähe aber ein „Löffel“ aus?

Erst einmal muss jedes vermeintliche Psi-Phänomen für sich gesehen werden. Im 19. Jahrhundert wurde z. B. die Hypnose vielfach als paranormales Phänomen gesehen („animalischer Magnetismus“) – heute gilt die „Hypnotische Trance“ als normaler Bewusstseinszustand.

Das Beispiel „Hypnose“ zeigt, dass für viele vermeintlich „paranormale“ Phänomene im Sinne der Anomalistik gültige Erklärung gefunden werden können. In anomalistischer Sichtweise wird anerkannt, dass unerklärte Phänomene existieren, aber nicht von einer prinzipiellen Unerklärbarkeit ausgegangen, sondern vielmehr versucht, entweder konventionelle Erklärungen zu finden oder neue Erklärungsmuster zu entwickeln, die wissenschaftlich angemessen sind. Gültig im Sinne der Anomalistik sind Erklärungen, die auf konventionellem Wissen und Nachdenken beruhen sowie einfach und unbelastet durch Spekulationen oder Hyperkomplexität sind. Die Beweislast liegt auf dem, der eine anomale Behauptung aufstellt, und nicht beim Forscher, der sie überprüft.

Außerdem gilt der skeptische Grundsatz:

Je ungewöhnlicher eine Behauptung ist, umso höher sind die Anforderungen an einen Beweis.

Die Hypnose war, als sie von der Psychologie „entdeckt“ worden war, zunächst ein anomales Phänomen, für das neue Erklärungsmuster gefunden wurden, dem ein das Denken des 19. Jahrhunderts sozusagen auf den Kopf stellender Perspektivwechsel zugrunde liegt: „Wir“, sprich unser Wachbewusstsein, sind nicht unumschränkter „Herr im eigenen Haus“, es gibt geistige Vorgänge, die uns nicht bewusst sind.

Die hypnotische Trance gibt meiner Ansicht nach auch ein Erklärungsmuster für viele „paranormale“ Vorgänge, nämlich das es sich dabei allein um Bewusstseinsphänomene handelt.


Ein Beispiel: Unsichtbarkeit

Ich stelle fest, dass ein Mensch sich durch eine Menschenmenge bewegt hat, und das sich anschließend niemand daran erinnern konnte, diesen Menschen gesehen zu haben.

Ein ad hoc-Erklärung könnte sein, dass dieser Mensch tatsächlich physikalisch unsichtbar war. Das z. B. eine psychokinetische Erklärung sein: dieser Mensch „biegt“ die Lichtstrahlen um sich herum. Dieser Erklärung erscheint doch etwas weit hergeholt, und könnte gegebenenfalls empirisch, etwa mit Hilfe einer Überwachungskamera, widerlegt werden.

Eine einfachere Erklärung wäre, dass dieser Mensch alle, die ihn gesehen haben, auf irgend eine noch zu erklärende Weise so beeinflusst hat, dass sie alle vergessen haben, ihn gesehen zu haben. Vielleicht durch Hypnose?

Damit bin ich beim Bewusstsein angelangt. Es kommt also bei der „Unsichtbarkeit“ gar nicht darauf an, nicht gesehen zu werden, sondern darauf, nicht wahrgenommen zu werden.

Und in der Tat gibt es viele erprobte Methoden, „übersehen“ zu werden. Die Erstaunlichste ist die Unaufmerksamkeitsblindheit: Objekte können sich direkt durch das Zentrum der Aufmerksamkeit bewegen und werden trotzdem nicht „gesehen“, wenn wir ihnen keine spezielle Aufmerksamkeit entgegenbringen. Ein verblüffendes Experiment ist der unsichtbare Gorilla.

Ich teile die „Psi-Phänomene“ vorläufig und grob in folgende Kategorien ein:

  • mit bestehenden wissenschaftlichen Theorien erklärbare Phänomene (das sind meiner Ansicht nach die meisten),
  • Phänomene, die neue wissenschaftliche Theorien zur Erklärung erfordern,
  • metaphysische, d. h. mit (natur-)wissenschaflichen Methoden grundsätzlich nicht erklärbare Phänomene.

Eine „außersinnliche“ Wahrnehmung gibt es meiner Ansicht nach nicht. Es gibt jedoch Wahrnehmungen mittels uns normalerweise nicht bewusster Sinneseindrücke, vielleicht sogar solche, die von uns bisher unbekannten und normalerweise unbewussten Sinnen stammen.

Der Schlüssel – oder der „Löffel“ zum Verständnis vieler (ich vermute: der meisten) „paranormaler“ Phänomene sind die unterschiedlichen Bewusstseinszustände.

Ein sehr stark vereinfachendes, aber grundsätzlich meiner Auffassung nach stimmiges, Modell der Bewusstseinszustände stammt von Daniel Pinchback. Der Schmanismusforscher und Drogenexperte vergleicht die Bewusstseinszustände mit den Sendereinstellungen eines Radios.

Der „Sender“, auf den wir im Wachzustand normalerweise eingestellt sind, ist die Konsensrealität oder, neoschamanisch ausgedrückt, die Alltägliche Wirklichkeit. Sie entspricht dem Programm eines üblichen „Informationssenders“: kurze Nachrichten, Verkehrsdurchsagen und Popmusik.

Im Zustand verminderter Konzentration empfangen wir „Dudelfunk“: immer noch Popmusik, aber weniger von uns gewollte Information, dafür mehr „Werbespots“ – wie sind in diesem Zustand manipulierbarer.

Im Extremfall sind wir auf einen Propagandasender eingestellt – wenn wir nichts anderes mehr hereinbekommen, nennt man das „Wahnvorstellung“, wenn man uns hindert, einen anderen Sender zu empfangen, „Gehirnwäsche“.

In meditativer oder schamanischer Trance oder unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen, oder beim hochkonzentrierten geistigen Arbeiten können wir auch noch weitere „Sender“ empfangen, die uns mehr bieten als „Radio Konsens“: vielleicht klassische Musik, Jazz, Hintergrundberichte, Reportagen, Folklore aus aller Welt, experimentelle Musik, Talkshows, Anrufsendungen, Quizshows usw. usw. .

Die „Radiowellen“, die unsere „Antennen“ erreichen, die Sinneseindrücke, sind immer die selben. Was uns davon erreicht, bestimmt die „Abstimmung“ unseres Bewusstseins. Manche „Sender“ werden so wenig gehört, dass sie von Menschen, die fast nur „Radio Konsens“ hören, für „paranormal“ gehalten werden können.

Es ist eine pragmatische Abgrenzung, Wahrnehmung von der Kognition (der gedanklichen Verarbeitung des Wahrgenommenen) und anderen Vorgängen innerhalb unserer Vorstellungswelt zu unterscheiden. Wie alle pragmatischen Definitionen ist sie nicht ohne „Grauzone“, aber ohne solche Konstruktionen bleiben wir im begrifflichen Morast stecken.

Lege ich den Wahrnehmungsbegriff der Biologie zugrunde – wogegen meiner Ansicht nach nichts spricht – dann ist „außersinnliche Wahrnehmung“ ein Oxymoron, ein „schwarzer Schimmel“ oder ein „altes Kind“: Wahrnehmung ohne Sinne geht gar nicht! Wenn es nicht die „normalen fünf Sinne“ sind, dann eben „außergewöhnliche“ – wir haben ja auch rein biologisch gesehen mehr als fünf Sinne, und vielleicht sogar Sinne, deren Wahrnehmung wir normalerweise gar nicht bewusst wahrnehmen.

Der Bewusstseinszustand entscheidet darüber, ob und wie aus einem Sinneseindruck eine Wahrnehmung wird.

Außersinnnliche Wahrnehmung“

(ASW / ESP) bezieht sich per Definition auf Wahrnehmungen der Außenwelt, die nicht durch bekannte sinnliche Erfahrungen, Wahrnehmungen oder Wissensquellen erklärbar sind.

Träume fallen also nicht unter ASW – es sei denn „Wahrträume“.

Logisch-abstrakte Schlüsse sind übrigens keine „Wahrnehmungen“, auch wenn sie ohne unmittelbare Sinneseindrücke zustande kommen. Irgendwann müssen wir die Erfahrungen gemacht haben oder mitgeteilt bekommen haben, auf deren Grundlage wir logisch schließen.

Es ist also meiner Ansicht nach Zeit, die Psi-Forschung zu begraben – oder sie darauf zu beschränken, ganz im Sinne etwa der GWUP, Scharlatane zu entlarven und Selbsttäuschungen zu erkennen. Statt dessen halte ich eine Forschung in den „Grenzbereichen“ der Psychologie für aussichtsreich, die dann aber auf „strenge Wissenschaftlichkeit“ im Sinne der wiederholbaren experimentellen Überprüfbarkeit verzichten müsste.

Die (spirituelle) Krise – Teil III geschrieben von Suna Jones

Samstag, 07. Juni 2014

Krisenportrait

Was ist, wenn sich der Blick auf die Dinge plötzlich verändert? Was liegt hinter der Oberflächlichkeit und jener teuren Trivialität, in der wir uns kollektiv beheimatet fühlen und uns darin Tag für Tag berieseln und berauschen lassen? Die ‚alten Fragen‘ nach dem Warum, nach dem Sinn und Zweck des Lebens und die Suche nach dem Selbst verlieren zwischen der x-ten Staffel irgendeiner Talentshow oder den nichts aussagenden Seiten hunderter Hochglanzmagazine ihre Bedeutung.

Krise: Mensch sein?

Es gibt Menschen, denen sprechen diese Fragen unbeirrt aus der Seele. Menschen, die nicht anders können, als sich von der schneidenden Bedeutungslosigkeit und der immer währenden und selbsterschaffenen Banalität des Lebens abzuwenden. Häufig sind es Gezeichnete. Ihre Narben, sichtbar oder nicht, sind Zeichen ihrer Wanderungen fernab ausgetrampelter Pfade.

Rust by Clement Danveau

Wir haben sie in allen Zeiten gekannt. Unsere Geschichten und Legenden erzählen uns von ihnen und ihrer Reise: Es ist die Reise des Helden, der dem Ruf des Abenteuers folgt. Es ist die Reise des Menschen selbst, der die (Schein-)Sicherheit der bekannten Welt verlässt, um sich letztendlich selbst zu überwinden. Es sind die Künstler und Visionäre jeder Epoche, die diesen Mythos für uns am Leben erhalten.

Welt in der Welt

Manche folgen auch heute noch diesem Ruf. Es ist der Ruf einer anderen Welt, der ihnen aus der Banalität des Alltags entgegenschreit. Schmerzlich fallen sie aus der Trivialität der Alltagswirklichkeit heraus. Die Realität wirkt für sie plötzlich fadenscheinig und leer.

Es sind Menschen, die Kontakt zu anderen Ebenen erhalten, die für „gewöhnliche Menschen“ nicht außerhalb von Fantasyfilmen und Comicstrips existieren dürfen.

Unsere Kultur spricht von jenen Welten nur als Sciencefiction, virtuellen Realitäten oder Phantastereien. Wir kennen diese Parallelwelten aus Kunst und Unterhaltung, genießen das Eintauchen in diese Matrix aber nur aus sicherer Entfernung. Geister, Dämonen, Magie und Interdimensionale Begegnungen sind Fiktion in einer Welt, die selbst ihrer realen Bedrohungen nicht Herr werden kann.

C.G. Jung wurde Zeuge einer dieser unbekannten Welten, als er den Archetypen in der Psyche seiner Patienten begegnete. Eine Welt des Geistes, die heute kaum erforscht und noch weniger verstanden wird – und heimlich unter der Oberfläche des Alltäglichen ruht. Unsere Welt, wie wir sie mit unserem Alltagsbewusstsein erfassen und interpretieren, ist nur die spiegelnde Oberfläche eines sehr tiefen Gewässers. Die Psychologen und Psychiater des letzten Jahrhunderts sprachen vom „Unbewussten“, Schamanen und Medizinmänner früherer Kulturen sprachen vom „Geist“, „dem Unnennbaren“, „der anderen Welt“.

schamanische Zerstückelung

Jene, die sich Zugang zu diesen Ebenen verschaffen konnten, wurden gleichermaßen verehrt wie gefürchtet. Es waren Sonderlinge, Eremiten, Hexen und Magier – die mit dem „zweiten Gesicht“ und den Helfern im Zwielicht. Aber es waren auch jene, die heilten, Wunder taten und das Verborgene im Offensichtlichen erkannten.

Heute ist diese Realität für uns in weite Ferne gerückt. Wir nehmen unseren Kindern den Glauben an Wunder und die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen, noch bevor sie eingeschult werden. Einige jedoch, werden nicht endgültig vom Kontakt mit jenen anderen Welten abgeschnitten. Manche hören auch heute noch den Ruf dieser anderen Welt. Und einige folgen ihm.

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Die Spirituelle Krise – Portrait moderner Initiation

Die (spirituelle) Krise ist eine Krise des Menschseins in einer entmenschlichten Welt.

Was wäre, wenn man plötzlich aufwacht und alles ist anders? Was zuvor Bedeutung hatte, wird irrelevant und fad. Man erwacht und fühlt sich fremd in der eigenen Stadt, im eigenen Land, im eigenen Körper. Eigentlich ist einem alles fremd und gleichgültig geworden. Etwas ist geschehen und man ist nicht mehr der, der man vorher war. Die spirituelle Krise ist eine Krise der menschlichen Identität.

„Gefühle von Einssein mit dem gesamten Universum. Visionen und Bilder von weit entfernten Orten und Zeiten. Empfindungen von pulsierenden Energieströmen im Körper, die von Krämpfen und heftigen Zittern begleitet werden. Visionen von Gottheiten, Halbgöttern und Dämonen. Leuchtende Blitze strahlenden Lichts und Regenbogen-Farben. Angst davor, verrückt zu werden, sogar zu sterben …“

~~~ Stanislav & Christina Grof, Spirituelle Krisen

Spirituelle Krisen, so schreiben Christina und Stanislav Grof, sind höchst individuell. Sie sind wie Fingerabdrücke. Ihr Auftreten und ihre Erscheinungen sind persönlich und spezifisch, auch wenn bestimmte Motive und archetypische Bilder sich wiederholen.

Das Zusammenleben mit der Umwelt verändert sich. Unser gesellschaftlicher Kontext bietet für Erfahrungen dieser Art kein konventionelles Mindset. Man selbst und die Ansprechpartner lehnen das Erlebte ab. Oft sehr radikal, weil Familie und Freunde, sogar Fachärzte, mit diesen Erfahrungen komplett überfordert sind. In längst vergangener Zeit hätte das Stammesoberhaupt oder der Schamane die Anzeichen der Krise spirituell gedeutet. Solche Erlebnisse waren Medium zur Kommunikation mit der jenseitigen Welt und daher prinzipiell akzeptiert und sogar geschätzt.

Ganz im Gegensatz zum heutigen Umgang damit: Das Umfeld ist in der Regel unerfahren und hilflos überfordert damit. Statt Unterstützung und Beistand erntet man in vielen Fällen Abgrenzung und sogar Spott. Von ärztlicher Seite folgen Diagnosen, die sich oft nur auf rein materieller Ebene bewegen und zur Pathologisierung des Erlebten neigen. Soziale Beziehungen werden durch das Auftreten einer spirituellen Krise auf eine harte Probe gestellt. Das Selbst- und das Weltbild zerbröckelt unwiederbringlich und man ist auf sich allein gestellt.

„Zwar gibt es individuelle Ausnahmen, aber in der Regel wird in der Psychiatrie und Psychologie nicht zwischen mystischen Erfahrungen und Geisteskrankheiten unterschieden. In diesen Fachgebieten wird offiziell geleugnet, dass die großen spirituellen Traditionen, die seit Jahrtausenden systematisch das menschliche Bewusstsein erforschen, etwas zu bieten haben. Die Konzepte und Praktiken, die sich in den mystischen Traditionen […] finden, werden daher ignoriert und ohne Unterschied verworfen.“

~~~ S. & C. Grof, Spirituelle Krisen

Die Krise ist eine Öffnung. Sie kann (bewusst) herbeigeführt werden, wie spirituelle Traditionen es seit jeher beabsichtigen. Meditation, Fasten oder das Gebet sind Praktiken, die den Zugang zu mystischen Erfahrungen erleichtern sollen. Aber auch der Ge- und Missbrauch von Drogen kann eine Öffnung gewollt oder ungewollt herbeiführen.

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Letztendlich findet man sich dadurch auf einem Pfad, für den unsere Kultur kaum Reiserouten bereitstellt und auf dem man sich leicht verirren kann.

Sie ermöglicht aber auch die Heilung und Ganzwerdung der Seele, von der wir uns heute oft so isoliert fühlen, dass die Frage nach ihrer Existenz nur noch Frage des Glaubens – nicht aber mehr Frage des Wissens – ist. Die Krise hält uns einen Spiegel vor, der uns die Möglichkeit schenkt, uns und die Welt auf eine neue Weise zu betrachten. Es ist eine Reise ins Innerste, ins eigene Herz, die uns eine Offenbarung sein kann.

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Weiterführend

S.E.N. – “Spiritual Emergence Network”

Freie Netzwerk-Initiative für Menschen in spirituellen Krisen und Transformationsprozessen

Tabelle zur Unterscheidung: “Spirituelle Entwicklung – Spirituelle Krise – Psychose”

Tabelle zur Unterscheidung: “Spirituelle Krise – Psychiatrische Störung”