Mit ‘Coven’ getaggte Artikel

Doreen Valiente – Witch

Samstag, 06. Mai 2017

 

Philip Heselton
Doreen Valiente – Witch
2016 / Centre For Pagan Studies Ltd / ISBN Paperback: 978-0-9928430-6-9, Hardcover: 978-0-9928430-7-6 / 357 Seiten / Gebundene Ausgabe: 35,34 Euro, Taschenbuch: 16,99 Euro

 

Über den Autor

Philip Heselton, geboren 1946, hatte schon seit seiner Jugend eine starke Beziehung zur Natur und zum Paganismus. Angeregt durch eine gut bestückte Bibliothek, interessierte er sich zunächst für Ufologie und traf auf Tony Wedd, seinen ersten Lehrer, der ihm Alfred Watkins große Entdeckung und Forschungsgebiet, die „Ley Lines“, näherbrachte. Philip gründete zusammen mit Jimmy Goddard 1965 den „Ley Hunters Club“ sowie „The Ley Hunter“ Magazine. Die Geheimnisse der Erde beschäftigten ihn so sehr, dass er darüber mehrere Bücher veröffentlichte, darunter „The Elements of Earth Mysteries“ und „Leylines – A Beginner’s Guide“. Sein Interesse an Landschaften führte ihn zu einem abgeschlossenen Studium der Geographie und er begann eine Karriere als Stadt- und Landschaftsplaner, und er wurde Naturschutzbeauftragter, bevor er 1997 in Rente ging. Er war sich immer darüber bewusst, dass es noch andere Existenzebenen als die physische gab und so interessierte er sich für psychische Phänomene und Techniken, einschließlich der Astrologie. 1960 las er zum ersten Mal Gerald Gardners „Witchcraft Today“, das ihn ansprach. In die „Craft“ wurde er jedoch erst wesentlich später initiiert. Für ihn ist Paganismus das Erfahren der tieferen, mystischen Seite der Landschaften um uns herum und dies versuchte er in verschiedenen Büchern, die beim Capall Bann Verlag erschienen, auszudrücken. Darunter „Secret Place of the Goddess“, „Mirrors of Magic“ und „Magical Guardians – Exploring the Spirit and Nature of Trees“. Seit einiger Zeit versucht er zurück zu seinen Wurzeln zu gehen und untersucht die Quellen von Gerald Gardners Schriften. Das Ergebnis sind seine beiden Bücher „Wiccan Roots“ und „Gerald Gardner and the Cauldron of Inspiration“.

 

Über das Buch

“Das ist das Buch, das ich hätte schreiben sollen”. So beginnt John Belham-Payne, der 2016 verstorbene Leiter der Doreen Valiente-Stiftung, sein Vorwort. Doreen Valiente hatte ihm nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihre magische Sammlung vermacht, darunter auch Dinge von Gerald Gardner. 2011 gründete er die Doreen Valiente Foundation. Liebevoll bezeichnet Belham-Payne Doreen als „the most remarkable person I have ever met“.

Doch das Schreiben der Biografie überließ Belham-Payne Philip Heselton, dem Experten, wie er schreibt. Weil er erkannte, dass ihm die Arbeit über den Kopf wachsen würde.

Autor Philip Heselton hingegen sah der Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits freute er sich darauf, war es doch eine für ihn würdevolle Fortsetzung der Gardner Biografie. Andererseits sei er auch ein wenig besorgt gewesen, weil er umgeben von Leuten war, die Doreen noch persönlich gekannt hatten. Im Gegensatz zu ihm.

Schon jetzt ist er sich sicher, dass diese Biografie nicht die letzte von Doreen Valiente bleiben wird, da er einiges aus ihrem Leben nur kurz gestreift und auch nicht alles aus ihrer umfangreichen Materialsammlung durchgesehen hatte. Er hat, schreibt Heselton in seinem Vorwort, nur die Oberfläche dieser gewaltigen Sammlung angekratzt, in der sicher noch viele Geheimnisse verborgen liegen.

Für seinen Streifzug durch Doreens Leben geht Heselton weit zurück. Er beginnt bei ihren Vorfahren, die aus Cerne Abas in der südwestenglischen Grafschaft Dorset stammen. Der Leser erfährt, dass Doreen eigentlich noch einen Bruder gehabt hätte, der aber nicht einmal ein Jahr alt wurde und an den Folgen eines Magengeschwürs im Jahr 1916 verstarb.

Am 4. Januar 1922 in einer Familie geboren, die nicht sehr viel von übernatürlichen Dingen hielt, merkte Doreen bald, dass sie besonders empfänglich war. Heselton schreibt über ein Erlebnis kurz vor Weihnachten, als Doreen mit ihren Eltern London besuchte und ihrer Mutter von einer wunderschön gekleideten Dame vorschwärmte, die aber nur sie sehen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete sie für den britischen Geheimdienst, lernte kurz vor Ende des Krieges auch ihren Mann Casimiro Valiente kennen, den sie am 29. Mai 1944 heiratete.

Erst als sie ihre Arbeit beim Geheimdienst beendet hatte, hatte Doreen mit 22 Jahren Zeit darüber nachzudenken, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte. Und fand die Magie. Sie durchforstete die Bibliothek in Bournemouth, wo sie zur damaligen Zeit lebte und fand nicht nur Magie, sondern vor allem die Schriften Aleister Crowleys.

Durch einen Artikel über Hexerei, der am 27. September 1952 in einem Wochenmagazin erschien, bekam Doreen Kontakt zu Cecil Williamson und traf durch ihn im selben Jahr auf Gerald B. Gardner.

In ihren Aufzeichnungen schreibt sie: „We seemed to take an immediate liking in each other. I realized that this man was no time-wasting pretender to occult knowledge. He was something different from the kind of people I had met in esoteric gatherings before.”

„Wir waren uns scheinbar auf den ersten Blick sympathisch. Ich erkannte, dass dieser Mann niemand war, der einfach nur vorgab, sich im Okkultismus auszukennen. Er unterschied sich deutlich von den Menschen, die ich bislang auf esoterischen Treffen kennengelernt hatte.“ (S. 71)

Schnell kam Doreen jedoch drauf, dass die von Gardner angepriesene „alte Religion” gar nicht so alt war. Sie entdeckte in seinem Book of Shadows Material von Aleister Crowley. Darauf angesprochen stritt er es zuerst ab. Später erklärte er ihr, er habe von Crowley die Erlaubnis erhalten, eine Loge zu leiten. Also dürfe er auch sein Material verwenden.

Schließlich war es Doreen, die Gardners „Book of Shadows“ umschrieb und letztendlich auch die „Charge of the Goddess“ neu verfasste.

Nach einigen Streitereien mit Gardner kehrte Doreen dem Coven den Rücken und gründete ihren eigenen Coven. Als Gerald Gardner ein paar Jahre später, im Jahr 1964 stirbt, ist die Betroffenheit in der Wiccan Community zuerst groß. Dann versucht jeder, der in dieser Zeit etwas zu sagen hatte, Geralds Platz einzunehmen.

Nur Doreen nicht: Heselton beschreibt sie als Person, die es nicht mochte, im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen. Als Person, die die Geschehnisse lieber aus der Ferne betrachtete und sich nicht einmischte. Sie liebte die Einsamkeit, die stille Kommunikation mit den Göttern. Hier fühlte sie sich wohl, hier war sie zuhause. Wo es menschelte, da blieb sie lieber fern.

Was Doreen Valiente nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihrer Nachwelt vermachte, waren ihre fünf Bücher.

Fazit: Mit Hilfe von John Belham-Payne (gestorben am 15. Februar 2016) und des Centre for Pagan Studies hat Philipp Heselton eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Buch des Jahres 2016 verfasst. Doreen Valiente ist und bleibt eine der interessanten und einflussreichsten Personen in Wicca. Meiner Meinung nach war es höchste Zeit, dass dieses Buch geschrieben wurde. „Doreen Valiente – Witch“ ist packend erzählt. Heselton reiht hier nicht nur stur die Stationen ihres Lebens aneinander, sondern schafft es auch, durch die eine oder andere Anekdote aus ihren Aufzeichnungen Witz und Charme rüberzubringen. Zum Beispiel an der Stelle, wo sie Gerald Gardner einen „cunning old devil“, einen „ausgefuchsten, alten Teufel nennt“, als er sie vor einem Winter Solstice-Ritual durch einen Trick dazu nötigt, ein Ritual auszuarbeiten.

Schnell wird dem Leser klar, dass Gerald B. Gardner, der „Father of Witchcraft“ selbst alles nur erfunden hat, die alte Religion in Wirklichkeit gar nicht alt, sondern nur zusammengeklaut ist. Dass die Wicca-Rituale trotzdem funktionieren, wie die „Charge of the Goddess“ im Laufe der Jahre ein Eigenleben entwickelt haben – das ist vor allem Doreen zu verdanken, der bedeutendsten von Gardners Hohepriesterinnen.

Kurzum: Philipp Heselton hat eine rundum gelungene Biografie über eine faszinierende Frau verfasst! Wenn man sich für die Wicca-Geschichte interessiert, gehört „Doreen Valiente – Witch“ unbedingt in den Bücherschrank!

Aspekte der Initiation, geschrieben von Yvonne Aburrow und übersetzt von Chris Frey – Teil II

Samstag, 18. Juli 2015

Initiation durch die Götter und Göttinnen

Die Gottheiten sind sowohl real als auch Metapher – ein Ausdruck unserer Beziehung zur Welt der Archetypen, dem Land und dem kollektiven Unbewussten. Vielen hinduistischen Denkschulen nach sind die Gottheiten nur Formen und Gesichter des Unendlichen – Brahman, der im Universum spielt.

Wenn wir dem Göttlichen in einem initiatorischen Erlebnis begegnen, kann das das Resultat eines Initiationsrituals sein oder aber es kann geschehen wenn die Gottheiten es so entscheiden; es obliegt nicht wirklich unserer bewussten Kontrolle. Aber die Erfahrung ist eine von großer Kraft und Energie, von Verbundenheit zu Allem was ist – vielleicht eine Vision in der plötzlich klar wird, wie Alles zusammenpasst, oder vielleicht eine Ahnung, dass Alles voller Götter ist und von innen leuchtet.

Erleben der Mysterien (Arrheton)

Die Erkenntnis der unaussprechlichen Natur des Göttlichen – dessen, das dem Manifesten zugrunde liegt – kann nicht in Worten ausgedrückt werden. Es mag erfahren werden als Resultat eines Initiationsrituals, einer anderen Erfahrung oder eines inneren Prozesses.

Empfangen von Geheimnissen (Aporrheton)

Die Geheimnisse einer Gruppe oder Linie sind per Definition nur zugänglich für die Menschen, die sie bereits kennen. Die Gründe, warum sie nicht ausgesprochen werden sollten, sind unterschiedlich. Carl Gustav Jung sagte, dass Menschen Geheimnisse brauchen um einen Sinn für Gruppenidentität zu entwickeln. Meine eigene Sicht ist die, dass die Geheimnisse privater Natur sind und nur im Zusammenhang der Wicca-Kultur und des Wicca-Symbolismus verstanden werden können. Der Symbolismus der Wicca ist höchst erotisch und das entspricht nicht dem, was der Mainstream unter Spiritualtät versteht. Weil wir so durchdrungen sind von der Idee, dass Eros und Spiritualität miteinander verwoben sind, ist es einfach zu vergessen, dass andere Menschen das einfach nicht verstehen, also benötigen wir vielleicht die Einrichtung von Geheimnissen um uns daran zu erinnern. Es wird außerdem oft argumentiert, dass die Mysterien in einer bestimmten Reihenfolge enthüllt werden, weil sie so mehr Sinn ergeben. Und Menschen könnten die Geheimnisse nicht erfahren, bis sie die richtige Ebene der Initiation erreicht haben. Wir müssen jedoch vorsichtig sein, nicht so zu handeln, als sei das Zugang zu den Geheimnissen der einzige Zweck der Initiation – er ist es nicht.

Eintritt in den Gruppengeist des Covens


Die meisten Coven scheinen die Erfahrung des Gruppengeistes gemacht zu haben; zu wissen, was in einer Visualisierung kommt, noch bevor die Person, die sie leitet, es ausspricht; in der Lage zu sein wahrzunehmen wo die Coven-Mitglieder sich in einer Visualisierung gerade befinden; mit dem richtigen Essen zum Treffen aufzutauchen; usw.

Eintritt in einen Gruppengeist ist aus offensichtlichen Gründen nicht durch Selbstinitiation zu bewirken, denn diese ist eine solitäre Erfahrung. Der Sinn für den Gruppengeist entwickelt sich allmählich durch die Arbeit miteinander, aber wenn eine neue Person beitritt, ist es vielleicht der Ruck, den das Initiationsritual auslöst oder die geteilte Erfahrung des Ganzen, die sie in den Gruppengeist einführt.

Beitritt einer Linie oder Tradition

Die Idee einer Linie ist es, dass dir ein bestimmter Strom der Energie übermittelt wird, der spezifisch für deine bestimmte Linie ist, vermutlich da er all den Menschen, durch die sie weitergegeben worden ist, geprägt worden ist, was ihr letztendlich einen bestimmten Charakter verleiht.

Ebenso gibt es die Möglichkeit, dass du ein Teil des Wicca Egregors oder Gruppengeistes wirst, wenn du initiiert wirst. Dieser ist viel diffuser als der Gruppengeist des Covens.

Die Idee der Linien-Abstammung mag verwandt sein mit der christlichen Idee der apostolischen Abfolge, aber vielleicht ist sie auch älter als diese. Der Titel des Pontifex Maximus, den der Papst ursprünglich benutzte, gehörte ursprünglich den römischen Imperatoren als Oberpriester des Kultes der römischen Gottheiten. Zudem wurden viele uralte heidnische Priester zu christlichen Priestern, und so beinhaltet die apostolische Abfolge der christlichen Kirche auch Linien aus vorchristlichen Traditionen (sowohl jüdischer als auch heidnischer). Mehr zu diesem Thema du online in dem hervorragenden Artikel The role and function of Thelemic Clergy in the Ecclesia Gnostica Catholica (1997) von Tau Apiryon finden.

Nochmal: der Linie, der Tradition oder dem Egregor beizutreten ist aus offensichtlichen Gründen nicht möglich durch Selbstinitiation, denn diese ist ein solitärer Akt.

Schlußwort

Initiation ist eine vielschichtige Erfahrung und Teil eines Prozesses der Transformation. Es geht nicht nur um das Ritual selbst, sondern die Erfahrungen, die auf das Ritual hin führen, und die weiterführenden Prozesse, die dem Ritual folgen. Einige Aspekte dieser Transformation finden im Inneren statt und sind sehr persönlich, andere werden uns durch die Gottheiten zuteil.

Aspekte der Initiation, geschrieben von Yvonne Aburrow und übersetzt von Chris Frey – Teil I

Samstag, 11. Juli 2015

Meiner Ansicht nach gibt es sechs separate Aspekte der Initiation. Da wäre der innere Prozess der Transformation; die Initiation durch die Götter und Göttinnen (Kontaktaufname mit dem Numinosen); die Erfahrung der Mysterien (das, was nicht ausgesprochen werden kann oder Arrheton); das Empfangen der Geheimnisse des Covens (das, was nicht ausgesprochen werden darf oder Aporrheton); das Eintreten in den Gruppengeist des Covens; und die Aufnahme in die Linie oder Tradition, von der der Coven ein Teil ist.

Einige dieser Aspekte können in einer Selbstinitiation vermittelt werden, aber die Coven- und liniengebundenen Aspekte können das nicht, und das ist der Hauptunterschied zwischen Selbstinitiation und Initiation in einen Coven.

Es ist nicht so, dass eine Selbstinitiation keinen echten Kontakt mit den Göttern oder eine wahrhaftige innere Transformation vermitteln kann, sondern nur, dass die coven- und liniengebundenen Aspekte per Definition nicht Teil einer Selbstinitiation sein können. Ganz ähnlich bedeutet es auch, dass, wenn eine Gruppe, in die jemand initiiert ist, nicht Teil einer Linie oder Tradition ist, diese Initiation auch nicht die Mitgliedschaft einer Linie übertragen kann. (Ich möchte James Butler für die Unterscheidung von Arrheton und Aporrheton danken.)

An diesem Punkt ist es vielleicht hilfreich, die Aspekte der Initiation in einer Tabelle darzustellen:

Aspekt Selbst-
initiation
Initiation
in eine      Gruppe

(keineLinie)
Initiation in
einen Coven
(mit Linie)
Innerer Prozess
der Transformation
Ja Ja Ja
Initiation durch die Götter und Göttinnen Ja Ja Ja
Erleben der Mysterien – Arrheton Ja Ja Ja
Empfangen von Geheimnissen – Aporrheton Nein Ja Ja
Eintritt in den Gruppengeist
des Covens
Nein Ja Ja
Beitritt einer Linie
oder Tradition
Nein Nein Ja

In den Eleusinischen Mysterien war Arrheton das, von dem nicht gesprochen werden konnte, und Aporrheton das, was nicht von den Initianten ausgesprochen werden durfte.

Alle sechs Aspekte der Initiation mussten nicht zur selben Zeit geschehen; der Zeitpunkt der Initiation durch Götter und Göttinnen ist deren Angelegenheit, und der innere Prozess der Transformation ist ein anhaltender Prozess – beide führen zum Initiationsritual hin und halten darüber hinaus an. Immerhin bedeutet Initiation etwas zu beginnen.

Lasst uns uns nun jeden der sechs Aspekte detaillierter betrachten.

Innerer Prozess der Transformation

Erkenne dich selbst“ besagt die Inschrift in Delphi, und Initiation ist ein wichtiger Schritt – manchmal der erste Schritt – auf einer Reise der Selbsterkenntnis: seine inneren Prozesse zu verstehen; herausfinden, mit welchen Archetypen man sich identifiziert, aber sie dann zu echten Charaktereigenschaften abzurunden, indem man sie in Konflikt mit anderen Archetypen bringt. Diese letzte Idee stammt aus einem exzellenten Buch namens 45 Master Characters von Victoria Lynn Schmidt. Dieses ist eigentlich ein Buch darüber, wie man Archetypen nutzen kann, um bessere Romanfiguren zu schreiben, aber es ist ebenfalls nützlich, wenn man sich mit Selbstentwicklung beschäftigt.

Wir müssen außerdem den Inhalten unseres Schatten und goldenen Schattens gegenüber aufmerksam sein, sie in die bewusste Aufmerksamkeit bringen.

Der goldene Schatten besteht aus den Eigenschaften von Personen, die du bewunderst, aber die du nicht in dir selbst erkennst. Zum Beispiel bist du, wenn du jemanden bewunderst der mutig ist, vermutlich selbst mutig, auch wenn du es vielleicht nicht realisierst.

Der Schatten besteht aus all den Aspekten von Leuten, die du nicht magst, aber die du nicht in dir selbst erkennst. Zum Beispiel magst du vielleicht jemanden nicht leiden, weil er faul ist, aber das ist eventuell so, weil du deine eigene Faulheit auf ihn projizierst.


Ende Teil I

Doreen Valiente: Where Witchcraft Lives

Samstag, 16. Mai 2015

Doreen Valiente
Where Witchcraft Lives
Erstausgabe: 1962 / Aquarian Press / 112 Seiten / Hardcover
Weitere Wiederauflagen: 2010 / Whyte Tracks / ISBN: 978-8792632098 / 127 Seiten
2014 / Centre for Pagan Studies / ISBN: 978-0992843014 / 127 Seiten

Die Rezension bezieht sich auf eine Ausgabe aus dem Jahr 2010


Über die Autorin

Doreen Edith Dominy wurde am 4. Januar 1922 in Mitcham geboren. In ihrer Jugend kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Magie. 1941 heiratete Doreen Joanis Vlachopoulos, der allerdings im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ihr zweiter Mann war Casimiro Valiente – die Hochzeit fand 1944 statt. 1952 kam sie in Kontakt mit Dafo, die Gerald Gardner 1939 initiiert hatte. Dafo stellte den Kontakt zu Gardner her und dieser gab ihr 1953 den 1. Grad. Nachdem er 1964 gestorben war, wurde Doreen von Robert Cochrane in eine Hexen-Familientradition initiiert. 1972 starb ihr Ehemann. Doreen konzentrierte sich darauf hin auf das Schreiben von Büchern und veröffentlichte „ABC of Witchcraft“ (1973) und „Natural Magic“ (1975). Es folgten „Witchcraft for Tomorrow“, „Witchcraft A Tradition Renewed“, “The Rebirth of Witchcraft” und “Charge of the Goddess”. Am 1. September 1999 starb Doreen Valiente in einem Pflegeheim.

Über das Buch

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Das ist kein Buch über die Geschichte von Wicca, kein Buch über die Geschichte der Hexerei, wie es der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Doch das macht die Wiederauflage des ersten Buchs von Doreen Valiente, das ursprünglich im Jahr 1961 veröffentlicht wurde, nicht weniger interessant. Längst ist die Erstauflage nicht mehr erhältlich, weshalb es jetzt wiederaufgelegt wurde.
John und Julie Belham-Payne haben es in einer limitierten Auflage wieder auf den Markt gebracht, wobei alle Einnahmen aus dem Verkauf in den „Doreen Valiente Trust“ fließen.
Doreen Valiente hat in diesem Buch größtenteils über Sussex geschrieben. Diese Grafschaft in Südengland war zugleich ihre Heimat. Warum sie sich dazu entschieden hat, schreibt sie in ihrem Vorwort:
„This is partly because I wish to write of things I know personally, and partly because Sussex could be taken as a sample of the way in which the strange tapestry of witchcraft has been woven through the centuries.“ (S. XIX)
Tatsächlich geht es in diesem Buch nicht nur um Sussex, sondern um Sympathiemagie und Folklore, um Hexenprozesse und Coven. „Witchcraft survives all over Western Europe, and was taken by emigrants to the colonies of America and Australia”, schreibt sie im Vorwort. Und es ist stimmt: Wicca hat überlebt – bis heute!

Auf den ersten Seiten schreibt sie über den Gehörnten Gott und die Entwicklung des Teufels: „The traditional appearance of the Devil, with horns, hoofs and tail is precisly that of the Great God Pan as depicted in ancient sculptures.“ (S. 8). Trotz der Verbote, die mit der Einführung des Christentums erlassen wurden, lebte die Folklore weiter, Rituale und Festivitäten fanden ihren Platz im Leben der ländlichen Bevölkerung. In Sussex lebte der Gehörnte in der Figur des „Puck of Pook’s Hill“ weiter, der immer mit einem Besen in der einen und einer Kerze in der anderen Hand portraitiert wurde.
Natürlich gab es in Sussex auch Hexenverfolgung und Hexenprozesse. Und nicht immer wurden die, die als Hexen bezeichnet wurden, gefürchtet. Doreen Valiente zitiert aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1570, als sich der Vikar von St. Dunstan in der Nähe von Canterbury, beschwerte, dass einer inhaftierten Hexe zu viele Freiheiten gelassen wurden. In Sussex selbst wurden zwischen 1558 und 1736 15 Einwohner der Hexerei bezichtigt, vier verurteilt und nur eine im Jahr 1575 hingerichtet.

Doreen Valiente zählt die Anklagepunkte für Hexerei im Einzelnen auf – Behexung von Tieren, Verhexung von Menschen, Verhexung mit Todesfolge.
Eine Geschichte aus dem Jahr 1607 fand sie so kurios, dass sie die in ein eigenes Kapitel gepackt hat. Susanna Swapper wurde von vier Geistern heimgesucht, die ihr erzählten, dass im Garten des Hauses das Familienerbe ihrer Freundin, Ann Taylor, vergraben war. Die beiden Frauen buddelten nach dem Schatz, aber eine von ihnen musste aufgeben und so suchten sie nicht weiter. Vom damaligen Bürgermeister von Sussex wurden sie wegen Hexerei und Kommunikation mit Geistern zum Tode verurteilt. (S. 23ff)

Zu Hexenverfolgung und Hexenprozessen gehören selbstverständlich auch noch einige abergläubische Ansichten über Hexen: Wie die, dass sich Hexen in Hasen verwandeln können. An dieser Stelle erzählt sie die Geschichte über einen alten Mann, der einst in Sussex lebte. Dieser behauptet, er sei in einer Nacht rausgegangen, um Hilfe für eine kranke Person zu holen. Da habe er die Silhouette einer Frau gesehen, die er sofort erkannt hatte. Als er sie mit Namen ansprach, habe sich die Frau in Luft aufgelöst und stattdessen habe er einen Hasen erkannt, der vor ihm davongelaufen sei.
Warum sich Hexen gerade in Hasen verwandeln, begründet Doreen Valiente so, dass Hasen in der Mythologie der Mondgöttin dienen und der Hase demnach auch eng mit den Hexen verbunden ist.

Die magischen Fähigkeiten einer Hexe
Selbstverständlich reiten Hexen in der Nacht auf ihren Besen. Und sie können sich in Hasen verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie noch die Fähigkeit der Astralprojektion, das heißt, sie können ihren feinstofflichen Körper vom materiellen Körper trennen. Tatsächlich ist es der Astralkörper einer Hexe, der sich in den Hasen verwandelt. Dafür gibt es auch einige Erzählungen aus der Folklore. Wie die, dass sich italienische Stregas um Mitternacht treffen, nackt ausziehen, Körper mit allerlei Hexensalben einreiben und anschließend ihre Astralkörper auf die Reise schicken.
Dann gibt es auch noch die fantastischen Geschichten von Autoren, die gegen Hexerei schreiben: Wie etwa die, dass Hexen Gräber schänden und Kinder ermorden würden. Oder die Erzählungen von Leuten, die in Tiere verwandelt, durch den Blick einer Hexe verletzt oder gar getötet wurden. Erzählungen, die meistens vor Gericht bei einem Hexenprozess wiedergegeben wurden. Dies alles sei gegen Hexen gerichtete Propaganda, schreibt Valiente.
Gegen die Verwünschungen gab es allerlei Gegenzauber. Doreen Valiente schreibt vom Fall einer Mutter um 1593 in Sussex, deren Kind verhext worden war. Ein zauberkundiger Mann gab ihr den Rat, die entsprechende Hexe mit einem Messer in den Hintern zu stechen. Stattdessen stach sie sie mit einer Nadel in die Hand. Dieses Mittel wirkte, das Kind wurde wieder gesund.
Um herauszufinden, ob eine Person tatsächlich eine Hexe war, hatten die Inquisitoren verschiedene Anhaltspunkte. Ein sicheres Anzeichen war das sogenannte Teufelsmal, wie eine zusätzliche Brustwarze. Wenn man in diese Stelle stach, tat dies der betreffenden Person nicht weh. Oder kleine Tiere, die eine Hexe besaß und die ihr dienten. Für ihre geleisteten Dienste wurden sie mit Blutstropfen gefüttert.
Viele dieser Geschichten aus Sussex und Umgebung hat Doreen Valiente ausgegraben und in ihrem Buch festgehalten: Wie etwa die einer Hexe, die ihre Dienstbotin mit einem Zauber belegte, wenn sie ihr nicht gehorchte. Sie machte sich dann von daheim auf den Weg zum Haus der Hexe, verlief sich aber immer wieder. Wenn sie dann Stunden später dort ankam, verspottete sie die Hexe für ihre Unpünktlichkeit.
Oder die Geschichte eines Fischers, von dem die Leute glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Man erzählte sich von ihm, er könne durch ein Schlüsselloch kriechen und habe sogar seine Tochter in das Handwerk der Hexerei initiiert.
Auch ihre eigene Ansicht über die damaligen modernen Hexen, die es offenbar als schick oder In empfanden, sich als solche zu outen, lässt Doreen Valiente mit einfließen:
„Since the last of the Witchcraft Acts were repealed in 1951, it has become something of a popular gimmick to proclaim oneself a witch. […] My experience is that the louder and more frequently such claims are made, the less likely they are to be genuine. Real witchcraft, which certainly still exists, is a secret thing. The very last thing a possessor of real secrets does is to seek cheap publicity.” (S. 83)

Fazit:
“Where Witchcraft lives” ist vom Erscheinungsjahr her ein älteres Buch. Und trotzdem modern. Wie Hexen damals gesehen wurden, welche folkloristischen Mythen es über sie gab, warum sie angeklagt und auch wieder frei gelassen wurden – Doreen Valiente hat über all das geschrieben. Hauptsächlich auf die Ereignisse in Sussex bezogen, das ist richtig. Und trotzdem haben all diese Ereignisse nicht nur in Sussex stattgefunden, sondern überall in Europa.
Eine nette und durchaus sinnvolle Ergänzung für die magische Ecke im Bücherschrank!

Du bist ein Teil von mir! – Teil I

Samstag, 14. Februar 2015

„Energetische“ Verbindungen zwischen Menschen sind immer wieder Thema, sobald mensch beginnt sich mit anderen gemeinsam auf dem Gebiet „Spiritualität“ zu bewegen.

Gerade das Sich-so-verbunden-Fühlen ist es, was viele in den unterschiedlichsten Gruppen suchen und auch finden. Sichtlich ist das Leeregefühl, das sich in unserer Gesellschaft der Beliebigkeit mehr und mehr auszubreiten scheint, ein starker Antrieb, die persönliche Sicht auf Gemeinsamkeit verwirklichen oder verwirklicht sehen zu wollen. Gerade auf dem Gebiet „Glaube“ besonders gemischt mit „Ritual“ bietet da einen weiten Spielraum. Kaum ein Teen, der/die nicht schon von Coven gehört hat, unzählige Suchmeldungen in diversen Foren und social network Portalen sprechen eine deutliche Sprache.

Ein paar Worte zum Energiekörper als solchen

Voraussetzen muss ich hier allerdinge ein Weltbild, das „Körperenergie/Aura/Energiefelder/Energiekörper“ einschließt. So gesehen, verfügt jeder Mensch und auch alles Lebendige über einen Energiekörper,die Aura. In Schalen, wie die einer Zwiebel, angeordnet, berühren und kontaktieren sich deshalb zuerst die Energiefelder. Als kleines Beispiel könnte die Ozonschicht der Erde dienen – die wäre dann das Äquivalent zum Kausalkörper des Menschen.

Wenn also Kontakt zu einem anderen Wesen zustande kommt, dann berühren sich diese Energiefelder, und wie das auch bei direktem Körperkontakt passiert, bleiben dann auf beiden Seiten „Reste“ dieses Kontakts zurück. Wenn nun einer invasiver ist (oder einer geschwächt), dann wird bei dem mehr Eindruck zurückbleiben als beim anderen. Ebenso läuft das, wenn jemand offener ist oder „bedürftiger“, bei dem bleibt dann mehr zurück als beim anderen. Als Bild kann wieder dienen, dass durch einen Raumanzug wenig durchdringen kann. Das hat den Vorteil, dass mensch sich nichts „einfängt“ und auch nichts „verliert“ – aber es gibt auch Nachteile, dass jegliche Wahrnehmung sehr eingeschränkt ist (weil mensch selber ja auch nicht aus dem Raumanzug „raus“ kann) und auch günstig Einflüsse nicht eindringen können! Wenn jetzt der andere ein Loch bohrt, weil er den anderen auch riechen will und nicht nur die Außenansicht des Raumanzuges genießen, dann passiert das, was bei einem Loch eben passiert – es kann was rein (egal ob das nu rein soll oder nicht) und es wird was rausgehen (auch egal ob das nun geplant war oder nicht). Wieder ist es von der Systematik her gleichgültig, ob der im Raumanzug das Loch selber bohrt, der Raumanzug schlecht gepflegt und/oder altersbedingt löchrig ist, ein rumfliegendes Teilchen den Anzug durchschlägt oder jemand von außen bewusst diese Loch macht. Dicht ist dicht und Loch ist Loch!

Dieses Beispiel mit dem Raumanzug mag ich deshalb so gerne, weil es wunderbar deutlich macht, dass die Person im Raumanzug zwar durchaus autonom (im Sinne von „eigenverantwortlich“ und „von außen unabhängig“) agieren kann. Solang ihre im Anzug befindlichen Ressourcen ausreichend sind und mensch (im Hinblick auf den Abfall) nicht sonderlich heikel ist, funktioniert das mehr oder minder gut. Autark (im Sinne von „völlig unabhängig“ und „absolute Eigenversorgung“) zu sein, wird allerdings nicht möglich sein .

Damit erklären sich dann die unterschiedlichsten Arten von Bindungen recht einfach.

Wie der Herr so das G´scherr

Ein altes Österreichisches Sprichwort, das beschreibt, wie sich Bindung auswirkt. Wenn einer (der Herr) bestimmte Eigenschaften hat, dann übernehmen die auch früher oder später seine Angestellten, Kinder, Angehörigen (G´scherr).
In einem „energetischen“ Weltbild erklärt sich das auch durch die Verbundenheit der Energiefelder, die eine Angleichung von Denken, Psyche und auf längere Sicht auch Physis hervorruft. Vielleicht ist schon jemandem aufgefallen, dass sich langjährige Ehepaare schon mal merkbar ähnlich sehen? Je länger beisammen, desto deutlicher? Das wäre für mich ein Beispiel für energetische Verbindungen. Schon einmal einen Blick auf Hundehalter und ihre Hunde geworfen? Ein anderes Beispiel …

Jetzt dürfte hoffentlich deutlich geworden sein, was ich unter „energetischer Bindung“ verstehe und wie die funktioniert.

Das läuft natürlich bei mehr als zwei Teilnehmern ähnlich ab – also auch in Gruppen. Je näher sich die Gruppenmitglieder sind, desto stärker werden diese Bindungen. Wie immer hat das Vor- und auch Nachteile, aber zu denen komme ich noch. Zuerst möchte ich noch einen kurzen Abstecher zu dem machen, was „Nähe“ ausmacht.
Wenn ich jemand sympathisch finde, dann werde ich demjenigen offener gegenüber treten als jemanden, der mir absolut unsympathisch ist. Wie schaut das aus, wenn ich es ins Beispiel mit dem Raumanzug einordne? Wenn ich mich vor jemandem fürchte, dann werde ich den wohl genauer beobachten als jemanden, der mir egal ist. Wie schaut das als Effekt auf meinen Raumanzug aus? Damit dürfte klar sein, dass ich mit „Nähe“ nicht die gute, freundschaftliche oder liebevolle Beziehung meine, sondern eine generelle neutrale Nähe, die aus den unterschiedlichsten Gründen heraus entstehen kann. Ein sehr plakatives Bespiel wäre Abneigung oder Hass – dadurch entstehen sehr feste Bindungen. Als Faustregel könnte gelten: Womit ich mich merkbar beschäftige (unwichtig ob positiv oder negativ empfunden), damit bin ich auf jeden Fall verbunden! Schwieriger wird es mit unbewussten Bindungen, aber dazu komme ich ebenfalls später …

Zuerst zu den Vor- und Nachteilen von Bindungen

Eine Verbindung ist so gut wie nie eine Einbahn! Dadurch ergibt sich, dass beide Partner mehr oder minder auf den anderen Zugriff haben. In einer energetischen Weltsicht, sind natürlich auch Gedanken Energie … dadurch ist es möglich jemand anderen Energie zukommen zu lassen aber auch, diese abzusaugen. Es ist möglich jemanden zu beeinflussen aber auch selber beeinflusst zu werden, etc. pp.
Zu glauben, dass es möglich ist, jemanden völlig zu beherrschen, ist in meinen Augen ein großer Irrtum, weil es eben so gut wie keine Einbahn gibt. Der scheinbar schwächere Partner hat unter Umtständen massiven Einfluss auf den vermeintlich Stärkeren, bloß dass es manchmal sehr lange dauert, bis sich dieser bemerkbar macht. So wie nicht jede Infektion kurzfristig ausbrechen muss sondern unter Umständen einige Jahre zur Inkubation benötigt.

Ende Teil I