Mit ‘Doreen Valiente’ getaggte Artikel

Doreen Valiente – Witch

Samstag, 06. Mai 2017

 

Philip Heselton
Doreen Valiente – Witch
2016 / Centre For Pagan Studies Ltd / ISBN Paperback: 978-0-9928430-6-9, Hardcover: 978-0-9928430-7-6 / 357 Seiten / Gebundene Ausgabe: 35,34 Euro, Taschenbuch: 16,99 Euro

 

Über den Autor

Philip Heselton, geboren 1946, hatte schon seit seiner Jugend eine starke Beziehung zur Natur und zum Paganismus. Angeregt durch eine gut bestückte Bibliothek, interessierte er sich zunächst für Ufologie und traf auf Tony Wedd, seinen ersten Lehrer, der ihm Alfred Watkins große Entdeckung und Forschungsgebiet, die „Ley Lines“, näherbrachte. Philip gründete zusammen mit Jimmy Goddard 1965 den „Ley Hunters Club“ sowie „The Ley Hunter“ Magazine. Die Geheimnisse der Erde beschäftigten ihn so sehr, dass er darüber mehrere Bücher veröffentlichte, darunter „The Elements of Earth Mysteries“ und „Leylines – A Beginner’s Guide“. Sein Interesse an Landschaften führte ihn zu einem abgeschlossenen Studium der Geographie und er begann eine Karriere als Stadt- und Landschaftsplaner, und er wurde Naturschutzbeauftragter, bevor er 1997 in Rente ging. Er war sich immer darüber bewusst, dass es noch andere Existenzebenen als die physische gab und so interessierte er sich für psychische Phänomene und Techniken, einschließlich der Astrologie. 1960 las er zum ersten Mal Gerald Gardners „Witchcraft Today“, das ihn ansprach. In die „Craft“ wurde er jedoch erst wesentlich später initiiert. Für ihn ist Paganismus das Erfahren der tieferen, mystischen Seite der Landschaften um uns herum und dies versuchte er in verschiedenen Büchern, die beim Capall Bann Verlag erschienen, auszudrücken. Darunter „Secret Place of the Goddess“, „Mirrors of Magic“ und „Magical Guardians – Exploring the Spirit and Nature of Trees“. Seit einiger Zeit versucht er zurück zu seinen Wurzeln zu gehen und untersucht die Quellen von Gerald Gardners Schriften. Das Ergebnis sind seine beiden Bücher „Wiccan Roots“ und „Gerald Gardner and the Cauldron of Inspiration“.

 

Über das Buch

“Das ist das Buch, das ich hätte schreiben sollen”. So beginnt John Belham-Payne, der 2016 verstorbene Leiter der Doreen Valiente-Stiftung, sein Vorwort. Doreen Valiente hatte ihm nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihre magische Sammlung vermacht, darunter auch Dinge von Gerald Gardner. 2011 gründete er die Doreen Valiente Foundation. Liebevoll bezeichnet Belham-Payne Doreen als „the most remarkable person I have ever met“.

Doch das Schreiben der Biografie überließ Belham-Payne Philip Heselton, dem Experten, wie er schreibt. Weil er erkannte, dass ihm die Arbeit über den Kopf wachsen würde.

Autor Philip Heselton hingegen sah der Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits freute er sich darauf, war es doch eine für ihn würdevolle Fortsetzung der Gardner Biografie. Andererseits sei er auch ein wenig besorgt gewesen, weil er umgeben von Leuten war, die Doreen noch persönlich gekannt hatten. Im Gegensatz zu ihm.

Schon jetzt ist er sich sicher, dass diese Biografie nicht die letzte von Doreen Valiente bleiben wird, da er einiges aus ihrem Leben nur kurz gestreift und auch nicht alles aus ihrer umfangreichen Materialsammlung durchgesehen hatte. Er hat, schreibt Heselton in seinem Vorwort, nur die Oberfläche dieser gewaltigen Sammlung angekratzt, in der sicher noch viele Geheimnisse verborgen liegen.

Für seinen Streifzug durch Doreens Leben geht Heselton weit zurück. Er beginnt bei ihren Vorfahren, die aus Cerne Abas in der südwestenglischen Grafschaft Dorset stammen. Der Leser erfährt, dass Doreen eigentlich noch einen Bruder gehabt hätte, der aber nicht einmal ein Jahr alt wurde und an den Folgen eines Magengeschwürs im Jahr 1916 verstarb.

Am 4. Januar 1922 in einer Familie geboren, die nicht sehr viel von übernatürlichen Dingen hielt, merkte Doreen bald, dass sie besonders empfänglich war. Heselton schreibt über ein Erlebnis kurz vor Weihnachten, als Doreen mit ihren Eltern London besuchte und ihrer Mutter von einer wunderschön gekleideten Dame vorschwärmte, die aber nur sie sehen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete sie für den britischen Geheimdienst, lernte kurz vor Ende des Krieges auch ihren Mann Casimiro Valiente kennen, den sie am 29. Mai 1944 heiratete.

Erst als sie ihre Arbeit beim Geheimdienst beendet hatte, hatte Doreen mit 22 Jahren Zeit darüber nachzudenken, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte. Und fand die Magie. Sie durchforstete die Bibliothek in Bournemouth, wo sie zur damaligen Zeit lebte und fand nicht nur Magie, sondern vor allem die Schriften Aleister Crowleys.

Durch einen Artikel über Hexerei, der am 27. September 1952 in einem Wochenmagazin erschien, bekam Doreen Kontakt zu Cecil Williamson und traf durch ihn im selben Jahr auf Gerald B. Gardner.

In ihren Aufzeichnungen schreibt sie: „We seemed to take an immediate liking in each other. I realized that this man was no time-wasting pretender to occult knowledge. He was something different from the kind of people I had met in esoteric gatherings before.”

„Wir waren uns scheinbar auf den ersten Blick sympathisch. Ich erkannte, dass dieser Mann niemand war, der einfach nur vorgab, sich im Okkultismus auszukennen. Er unterschied sich deutlich von den Menschen, die ich bislang auf esoterischen Treffen kennengelernt hatte.“ (S. 71)

Schnell kam Doreen jedoch drauf, dass die von Gardner angepriesene „alte Religion” gar nicht so alt war. Sie entdeckte in seinem Book of Shadows Material von Aleister Crowley. Darauf angesprochen stritt er es zuerst ab. Später erklärte er ihr, er habe von Crowley die Erlaubnis erhalten, eine Loge zu leiten. Also dürfe er auch sein Material verwenden.

Schließlich war es Doreen, die Gardners „Book of Shadows“ umschrieb und letztendlich auch die „Charge of the Goddess“ neu verfasste.

Nach einigen Streitereien mit Gardner kehrte Doreen dem Coven den Rücken und gründete ihren eigenen Coven. Als Gerald Gardner ein paar Jahre später, im Jahr 1964 stirbt, ist die Betroffenheit in der Wiccan Community zuerst groß. Dann versucht jeder, der in dieser Zeit etwas zu sagen hatte, Geralds Platz einzunehmen.

Nur Doreen nicht: Heselton beschreibt sie als Person, die es nicht mochte, im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen. Als Person, die die Geschehnisse lieber aus der Ferne betrachtete und sich nicht einmischte. Sie liebte die Einsamkeit, die stille Kommunikation mit den Göttern. Hier fühlte sie sich wohl, hier war sie zuhause. Wo es menschelte, da blieb sie lieber fern.

Was Doreen Valiente nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihrer Nachwelt vermachte, waren ihre fünf Bücher.

Fazit: Mit Hilfe von John Belham-Payne (gestorben am 15. Februar 2016) und des Centre for Pagan Studies hat Philipp Heselton eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Buch des Jahres 2016 verfasst. Doreen Valiente ist und bleibt eine der interessanten und einflussreichsten Personen in Wicca. Meiner Meinung nach war es höchste Zeit, dass dieses Buch geschrieben wurde. „Doreen Valiente – Witch“ ist packend erzählt. Heselton reiht hier nicht nur stur die Stationen ihres Lebens aneinander, sondern schafft es auch, durch die eine oder andere Anekdote aus ihren Aufzeichnungen Witz und Charme rüberzubringen. Zum Beispiel an der Stelle, wo sie Gerald Gardner einen „cunning old devil“, einen „ausgefuchsten, alten Teufel nennt“, als er sie vor einem Winter Solstice-Ritual durch einen Trick dazu nötigt, ein Ritual auszuarbeiten.

Schnell wird dem Leser klar, dass Gerald B. Gardner, der „Father of Witchcraft“ selbst alles nur erfunden hat, die alte Religion in Wirklichkeit gar nicht alt, sondern nur zusammengeklaut ist. Dass die Wicca-Rituale trotzdem funktionieren, wie die „Charge of the Goddess“ im Laufe der Jahre ein Eigenleben entwickelt haben – das ist vor allem Doreen zu verdanken, der bedeutendsten von Gardners Hohepriesterinnen.

Kurzum: Philipp Heselton hat eine rundum gelungene Biografie über eine faszinierende Frau verfasst! Wenn man sich für die Wicca-Geschichte interessiert, gehört „Doreen Valiente – Witch“ unbedingt in den Bücherschrank!

Doreen Valiente: Where Witchcraft Lives

Samstag, 16. Mai 2015

Doreen Valiente
Where Witchcraft Lives
Erstausgabe: 1962 / Aquarian Press / 112 Seiten / Hardcover
Weitere Wiederauflagen: 2010 / Whyte Tracks / ISBN: 978-8792632098 / 127 Seiten
2014 / Centre for Pagan Studies / ISBN: 978-0992843014 / 127 Seiten

Die Rezension bezieht sich auf eine Ausgabe aus dem Jahr 2010


Über die Autorin

Doreen Edith Dominy wurde am 4. Januar 1922 in Mitcham geboren. In ihrer Jugend kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Magie. 1941 heiratete Doreen Joanis Vlachopoulos, der allerdings im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ihr zweiter Mann war Casimiro Valiente – die Hochzeit fand 1944 statt. 1952 kam sie in Kontakt mit Dafo, die Gerald Gardner 1939 initiiert hatte. Dafo stellte den Kontakt zu Gardner her und dieser gab ihr 1953 den 1. Grad. Nachdem er 1964 gestorben war, wurde Doreen von Robert Cochrane in eine Hexen-Familientradition initiiert. 1972 starb ihr Ehemann. Doreen konzentrierte sich darauf hin auf das Schreiben von Büchern und veröffentlichte „ABC of Witchcraft“ (1973) und „Natural Magic“ (1975). Es folgten „Witchcraft for Tomorrow“, „Witchcraft A Tradition Renewed“, “The Rebirth of Witchcraft” und “Charge of the Goddess”. Am 1. September 1999 starb Doreen Valiente in einem Pflegeheim.

Über das Buch

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Das ist kein Buch über die Geschichte von Wicca, kein Buch über die Geschichte der Hexerei, wie es der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Doch das macht die Wiederauflage des ersten Buchs von Doreen Valiente, das ursprünglich im Jahr 1961 veröffentlicht wurde, nicht weniger interessant. Längst ist die Erstauflage nicht mehr erhältlich, weshalb es jetzt wiederaufgelegt wurde.
John und Julie Belham-Payne haben es in einer limitierten Auflage wieder auf den Markt gebracht, wobei alle Einnahmen aus dem Verkauf in den „Doreen Valiente Trust“ fließen.
Doreen Valiente hat in diesem Buch größtenteils über Sussex geschrieben. Diese Grafschaft in Südengland war zugleich ihre Heimat. Warum sie sich dazu entschieden hat, schreibt sie in ihrem Vorwort:
„This is partly because I wish to write of things I know personally, and partly because Sussex could be taken as a sample of the way in which the strange tapestry of witchcraft has been woven through the centuries.“ (S. XIX)
Tatsächlich geht es in diesem Buch nicht nur um Sussex, sondern um Sympathiemagie und Folklore, um Hexenprozesse und Coven. „Witchcraft survives all over Western Europe, and was taken by emigrants to the colonies of America and Australia”, schreibt sie im Vorwort. Und es ist stimmt: Wicca hat überlebt – bis heute!

Auf den ersten Seiten schreibt sie über den Gehörnten Gott und die Entwicklung des Teufels: „The traditional appearance of the Devil, with horns, hoofs and tail is precisly that of the Great God Pan as depicted in ancient sculptures.“ (S. 8). Trotz der Verbote, die mit der Einführung des Christentums erlassen wurden, lebte die Folklore weiter, Rituale und Festivitäten fanden ihren Platz im Leben der ländlichen Bevölkerung. In Sussex lebte der Gehörnte in der Figur des „Puck of Pook’s Hill“ weiter, der immer mit einem Besen in der einen und einer Kerze in der anderen Hand portraitiert wurde.
Natürlich gab es in Sussex auch Hexenverfolgung und Hexenprozesse. Und nicht immer wurden die, die als Hexen bezeichnet wurden, gefürchtet. Doreen Valiente zitiert aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1570, als sich der Vikar von St. Dunstan in der Nähe von Canterbury, beschwerte, dass einer inhaftierten Hexe zu viele Freiheiten gelassen wurden. In Sussex selbst wurden zwischen 1558 und 1736 15 Einwohner der Hexerei bezichtigt, vier verurteilt und nur eine im Jahr 1575 hingerichtet.

Doreen Valiente zählt die Anklagepunkte für Hexerei im Einzelnen auf – Behexung von Tieren, Verhexung von Menschen, Verhexung mit Todesfolge.
Eine Geschichte aus dem Jahr 1607 fand sie so kurios, dass sie die in ein eigenes Kapitel gepackt hat. Susanna Swapper wurde von vier Geistern heimgesucht, die ihr erzählten, dass im Garten des Hauses das Familienerbe ihrer Freundin, Ann Taylor, vergraben war. Die beiden Frauen buddelten nach dem Schatz, aber eine von ihnen musste aufgeben und so suchten sie nicht weiter. Vom damaligen Bürgermeister von Sussex wurden sie wegen Hexerei und Kommunikation mit Geistern zum Tode verurteilt. (S. 23ff)

Zu Hexenverfolgung und Hexenprozessen gehören selbstverständlich auch noch einige abergläubische Ansichten über Hexen: Wie die, dass sich Hexen in Hasen verwandeln können. An dieser Stelle erzählt sie die Geschichte über einen alten Mann, der einst in Sussex lebte. Dieser behauptet, er sei in einer Nacht rausgegangen, um Hilfe für eine kranke Person zu holen. Da habe er die Silhouette einer Frau gesehen, die er sofort erkannt hatte. Als er sie mit Namen ansprach, habe sich die Frau in Luft aufgelöst und stattdessen habe er einen Hasen erkannt, der vor ihm davongelaufen sei.
Warum sich Hexen gerade in Hasen verwandeln, begründet Doreen Valiente so, dass Hasen in der Mythologie der Mondgöttin dienen und der Hase demnach auch eng mit den Hexen verbunden ist.

Die magischen Fähigkeiten einer Hexe
Selbstverständlich reiten Hexen in der Nacht auf ihren Besen. Und sie können sich in Hasen verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie noch die Fähigkeit der Astralprojektion, das heißt, sie können ihren feinstofflichen Körper vom materiellen Körper trennen. Tatsächlich ist es der Astralkörper einer Hexe, der sich in den Hasen verwandelt. Dafür gibt es auch einige Erzählungen aus der Folklore. Wie die, dass sich italienische Stregas um Mitternacht treffen, nackt ausziehen, Körper mit allerlei Hexensalben einreiben und anschließend ihre Astralkörper auf die Reise schicken.
Dann gibt es auch noch die fantastischen Geschichten von Autoren, die gegen Hexerei schreiben: Wie etwa die, dass Hexen Gräber schänden und Kinder ermorden würden. Oder die Erzählungen von Leuten, die in Tiere verwandelt, durch den Blick einer Hexe verletzt oder gar getötet wurden. Erzählungen, die meistens vor Gericht bei einem Hexenprozess wiedergegeben wurden. Dies alles sei gegen Hexen gerichtete Propaganda, schreibt Valiente.
Gegen die Verwünschungen gab es allerlei Gegenzauber. Doreen Valiente schreibt vom Fall einer Mutter um 1593 in Sussex, deren Kind verhext worden war. Ein zauberkundiger Mann gab ihr den Rat, die entsprechende Hexe mit einem Messer in den Hintern zu stechen. Stattdessen stach sie sie mit einer Nadel in die Hand. Dieses Mittel wirkte, das Kind wurde wieder gesund.
Um herauszufinden, ob eine Person tatsächlich eine Hexe war, hatten die Inquisitoren verschiedene Anhaltspunkte. Ein sicheres Anzeichen war das sogenannte Teufelsmal, wie eine zusätzliche Brustwarze. Wenn man in diese Stelle stach, tat dies der betreffenden Person nicht weh. Oder kleine Tiere, die eine Hexe besaß und die ihr dienten. Für ihre geleisteten Dienste wurden sie mit Blutstropfen gefüttert.
Viele dieser Geschichten aus Sussex und Umgebung hat Doreen Valiente ausgegraben und in ihrem Buch festgehalten: Wie etwa die einer Hexe, die ihre Dienstbotin mit einem Zauber belegte, wenn sie ihr nicht gehorchte. Sie machte sich dann von daheim auf den Weg zum Haus der Hexe, verlief sich aber immer wieder. Wenn sie dann Stunden später dort ankam, verspottete sie die Hexe für ihre Unpünktlichkeit.
Oder die Geschichte eines Fischers, von dem die Leute glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Man erzählte sich von ihm, er könne durch ein Schlüsselloch kriechen und habe sogar seine Tochter in das Handwerk der Hexerei initiiert.
Auch ihre eigene Ansicht über die damaligen modernen Hexen, die es offenbar als schick oder In empfanden, sich als solche zu outen, lässt Doreen Valiente mit einfließen:
„Since the last of the Witchcraft Acts were repealed in 1951, it has become something of a popular gimmick to proclaim oneself a witch. […] My experience is that the louder and more frequently such claims are made, the less likely they are to be genuine. Real witchcraft, which certainly still exists, is a secret thing. The very last thing a possessor of real secrets does is to seek cheap publicity.” (S. 83)

Fazit:
“Where Witchcraft lives” ist vom Erscheinungsjahr her ein älteres Buch. Und trotzdem modern. Wie Hexen damals gesehen wurden, welche folkloristischen Mythen es über sie gab, warum sie angeklagt und auch wieder frei gelassen wurden – Doreen Valiente hat über all das geschrieben. Hauptsächlich auf die Ereignisse in Sussex bezogen, das ist richtig. Und trotzdem haben all diese Ereignisse nicht nur in Sussex stattgefunden, sondern überall in Europa.
Eine nette und durchaus sinnvolle Ergänzung für die magische Ecke im Bücherschrank!

Eine sehr verkürzte Geschichte des britischen Heidentums – Teil II geschrieben von Jack Dark und übersetzt von Anufa

Samstag, 12. Januar 2013

Er traf im New Forst ein paar Leute, die so etwas ähnliches wie Hexentum betrieben. Deshalb beschloss er, das was er, den Schriften Margaret Murrays folgend,  „Witch Cult“ nannte, wieder zu beleben. Dabei verarbeitete er auch einen Haufen Zeug von den Leuten, die er im New Forest getroffen hatte. Er bat Crowley, ihm einige Rituale zu schreiben (wahrscheinlich) und Crowley wollte dafür Geld haben (wahrscheinlich) und so ward Wicca geboren. Auch gefiel es ihm, sich aus der Wäsche zu werfen, verschnürt und ausgepeitscht zu werden, deshalb fand auch das Eingang in Wicca. Wicca war zu diesem Zeitpunkt „zieeeeemlich“ heidnisch, aber eher ging es um Engel, klassische oder magische Ideen als um das war wir heute unter Heidentum verstehen.

Zur selben Zeit als sich Gardner Wicca einfallen ließ, waren auch andere Leute am Hexentum interessiert und entschieden sich, ebenfalls ihr eigenes uraltes Erbe und ihre eigenen uralten Ausformungen davon zu haben. Einer davon war Robert Cochrane. Mehr zu ihm ein wenig später.

Okay, zurück zum Druidentum

Seit Iolo Dingsbums, gab es etliche Druidengruppen und ein Kollege von Gerald Gardner, Ross Nichols, war ein Mitglied in einer solchen. Er liebte das ganze alte walisische  Dichterzeugs und beschloss deshalb eine neue Druidengruppe zu gründen, die „Order of Bards, Ovates and Druides“, ein bisschen wie Wicca, in dem sie nicht christlich war, aber er bekam viel Inspiration aus dem Walisischen und dem Bardenzeugs, eingeschlossen Ideen über Götter, Geister und Helden aus den alten Geschichten.

Die anderen Druidengruppen blieben bestehen und existieren bis heute, auf die eine oder andere Weise, aber die Schriften von Nichols und die Arbeit, die er geleistet hatte, ist das, was wir unter modernem Druidentum kennen.

Das sollte dann zum Druidentum reichen, denke ich mal. OBOD hat sich gehalten und läuft noch und andere Druidengruppen entschieden sich auch, heidnisch zu sein. Damit teilten sie sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich. Immer wieder ad regurgitum …

Witchcraft Act macht´s unmöglich

Als 1951 der Witchcraft Act zurückgeschlagen wurde, veröffentlichte Gardner einige Bücher über Wicca und damit wuchs dessen Bekanntheitsgrad. Wahrscheinlich, weil die Leute dachten, dass sie da ein Runde Bumsen abstauben könnten, einige Leute nackig zu Gesicht bekämen und auch, weil sie dann dafür nicht mehr eingesperrt werden konnten.

Gardner hing dann im Museum of Witchcraft auf der Isle of Man rum und gründete im ganzen Land einige Coven, mit denen er auch arbeitete.

Nun, ähm … Achjaaaa, Doreen!

Doreen Valiente mischte sich in Wicca ein, nachdem sie in dem einem oder anderen fragwürdigen Magazin davon gelesen hatte. Sie traf Gardner und wurde Wicca. Allerdings dachte sie, dass einiges von dem Zeugs darin ein bisschen Kacke war. Vornehmlich war das von Crowley geschrieben worden und Gardner erlaubte ihr das umzuschreiben.

Was sie reinschrieb, das war viel heidnischer und auf die Göttin fokussiert. Sie zerstritt sich dann mit Gardner und traf sich daraufhin mit unterschiedlichen Leuten, die angaben, Hexen zu sein – eingeschlossen dem vorher erwähnten Robert Cochrane. Es stellte sich heraus, dass er auch einen Haufen Blödsinn erzählt hatte, zu den unterschiedlichsten Themen, und so zerstritt sie sich mit ihm ebenfalls.

Entlang ihres Weges, Mitglied in unterschiedlichen Gruppen zu werden und sich mit ihnen wieder zu zerstreiten, hinterließ Doreen Valiente bei jedem viel Schriftliches, das viel heidnischer  und wesentlich weniger strikt magisch oder Crowleyanisch war, als das was vorher gewesen war.

Dann erschien Alex Sanders und erzählte, dass ihn seine Oma eingeweiht hätte, als er noch klein war – aber das war auch Blödsinn. Denn eigentlich war er Gardnerian, was aber, wie man munkelt, von Gardner nicht anerkannt worden war, weil Sanders ein kleines bisschen schwul war. Deshalb gründete Sanders seine eigene Tradition und initiierte Massen an Leuten. Das war´s dann mit Wicca.

„Old Craft“

Das kommt von den unterschiedlichsten Menschen und Gruppen, wie Robert Cochrane, der (vielleicht oder vielleicht auch nicht) einige Verbindungen zu früher schon existenten Magiern oder magischen Gruppen hatte, aber auch diese beschlossen heidnisch zu sein und Margaret Murrays Theorien anzuhören.

Dann gibt s noch die Heiden und nordische Traditionen

Die machten nicht dieselben Neuerfindungen oder Änderungen durch, wie die anderen heidnischen Religion es taten. Es gab sie in unterschiedlichsten Formen in Skandinavien und Europa bis sie in den 1960ern eine ernsthafte Wiedergeburt erfuhren. Diese Revivalgruppen zerstritten sich ebenfalls untereinander und teilten sich. Und betranken sich. Und teilten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich usw. …

Irgendwo dazwischen fingen die Leute an Magazine und Newsletter zu drucken. So unterschied sich eine heidnische Szene, die Leute untereinander in Kontakt brachte von der okkulten Szene und Gruppen wie die „Pagan Front“ bildeten sich heraus. Die beschlossen, dass offen heidnisch zu sein, eine gute Sache wäre und es dazu eine Art offizielle Anerkennung bräuchte.
Dann dachten sie sich, dass sich „Pagan Front“ zu nennen ein bisschen streitsüchtig klingen könnte und das Benamsen ihres Magazins „The Wiccan“ ein bisschen ausschließend wäre. So benannten sie sich um, in „Pagan Federation“ und „Pagan Dawn“.Dann zerstritten sich die Leute, die das alles ausgehandelt hatten und trennten sich. . Und betranken sich. Und trennten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich.

Irgendwann war dann das alles auch nach Amerika exportiert worden. Dort machten die Amerikaner zwei Sachen. Entweder wurden sie über-streng ob der Regeln und wurden ziemlich fundamentalistisch bezüglich ihres Zugangs zum Heidentum. Oder sie zähmten und zensurierten es restlos womit es scheußlich, wattebauschweich und nett wurde und so wunderbar weibliche Teenager ansprach. Es gab auch Leute wie Starhawk und die Dianischen, die Murrays Hexenkult-Mythos ein bisschen zu ernst genommen haben und als feministisches, politisches Statement ansahen.

Dann wurde das alles wieder nach UK zurück importiert. Cochranes Zeug kam als eine strenge, ziemlich hardcorige Version des Hexentums zurück, und Wicca wurde das eklektische Durcheinander, das wir heute kennen, nachdem es von fürchterlichen New Agern mit Beschlag belegt worden war.

Dann passierte das Internet. Jeder konnte nun etwas übers Heidentum herausfinden. Ein paar blöde Filme und TV Programme klauten seine Sprache und Ideale.

Dann glaubte jeder, Druide, Hexe oder Wicca sein zu können.

Eine in UK dachten, dass es großartig wäre. Einige hassten das. Und alle zerstritten sich untereinander. Und betranken sich. Und ihre Gruppen teilten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und dachten sich Geschichten aus. Und stritten. Und betranken sich. Und das ist es eigentlich auch schon, wirklich.
Ach ja, abgesehen davon, dass sie sich immer noch zerstreiten, sich betrinken, Gruppen bilden und wieder teilen und streiten. Manchmal, mitten in Alledem, geschieht aber auch etwas Sinnvolles!!