Mit ‘Druiden’ getaggte Artikel

„Nazi-Druide“ „Burgos“ alias „Hasspredix“ und die „Heidenszene“, geschrieben von MartinM

Samstag, 28. Januar 2017

Der „Druide“ und „Reichsbürger“ Burghard B., der sich selbst „Burgos von Buchonia I.“ nennt, wirkt in seinem offensichtlich von „Asterix“ und Fantasy-Filmen inspirierten „authentisch keltischen“ Druiden-Ornat auf den ersten Blick eher komisch als gefährlich. Selbst dass er sich wie ein Saruman-Imitator aufführt und die zu dieser Rolle passenden Machtphantasien zeigt, lässt noch nicht die inneren Alarmglocken läuten: Ein größenwahnsinniger „Heidenfürst“ in der an skurrilen Charakteren nicht gerade armen „Heidenszene“ mehr, was soll’s?

„Burgos“ führte als „keltischer Druide“ gewandet Wandergruppen durch die Rhön und galt bei den regionalen Medien hier und an seinem Wohnort Schwetzingen (bei Heidelberg) als interessanter Spinner. Sogar der Bayerische Rundfunk hielt den „Druiden“ vor einigen Jahren anscheinend für einen harmlosen Exzentriker und filmte ihn beim Kräutersammeln im Wald und beim Bogenschießen. Dabei erzählte er mit ernster Mine, er sei vor 2.500 Jahren in einer Winternacht als Neffe des Zauberers Merlin geboren worden.
Es ist nicht auszuschließen, dass „Burgos“ das wirklich glaubt. Er glaubt ja so Einiges, was halbwegs politisch gebildete Menschen für blühenden Unsinn halten – zum Beispiel, dass das „Deutsche Reich“ nach wie vor bestünde, die BRD eine GmbH und Deutschland nach wie vor besetzt sei. Er ist überzeugt, dass es „ohne Juden keine Kriege, ohne Kriege keine Asylanten“ gäbe, ist der Ansicht, Deutschland werde seit 130 Jahren „bekriegt“, Winston Churchill wäre Zionist gewesen und habe Befehl gegeben, „Millionen Menschen unseres Volkes“ zu vernichten und behauptet, zwei Weltkriege seien geführt worden, „um die dominante Rolle Deutschlands zu verhindern“. (Am Rande bemerkt: Der zweimalige britische Premierminister Winston Churchill (1874–1965) trat 1908 in die „Albion Loge“ des „Ancient Order of Druids“ (AOD) ein – er war also (Neu-)Druide!)
Selbst die meisten überzeugten Nazis würden das nicht so sehen wie „Burgos“. Wenn er jedoch fürchtet: „Wir sollen umgevolkt werden. Wir sollen unserer Identität beraubt werden“, dann sind das Ängste, die weit über die Nazi-Kreise hinaus von Rechtsextremisten (auch solchen, die sich lieber „besorgte Bürger“ nennen) geteilt werden. Auch seine zum Teil unflätige antisemitische und anti-muslimische Hetze und seine rassistischen Sprüche fanden beifällig nickende Zuhörer und Leser.

Spätestens seit Mittwoch, dem 25. Januar 2017 wird, von Gesinnungsgenossen vielleicht abgesehen, niemand mehr Burghard B. für einen „harmlosen Spinner“ halten.
Der Druide, der Juden vernichten will (tagesschau)
Der deutsche Generalbundesanwalt schickte am 24. Januar Polizisten zwecks Razzia zur Schwetzinger Wohnung B.’s und zu denen einiger seiner Gleichgesinnten. Die Beamten fanden in den Wohnungen der Beschuldigten neben zahllosen Waffen und Munition auch Pläne für Anschläge auf Juden, Muslime und Polizisten.
Die Bundesanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen (bzw. nach eigenen Angaben mittlerweile 2506-Jährigen) „Druiden“ und seinen fünf mutmaßlichen Komplizen vor, gemeinsam eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben. Allem Anschein nach zurecht.

Für uns ist das aus gleich mehreren Gründen äußerst ärgerlich!

„Burgos von Buchonia“ ist im deutschen Neuheidentum wirklich kein Unbekannter. Der selbsternannte Druide war gut vernetzt, sowohl persönlich, auf rechten wie auf heidnischen Treffen, wie auch auf facebook, YouTube und dem bei Verschwörungsideologen beliebten russischen sozialen Netzwerk VK.

Ärgerlich ist einerseits, dass solche kriminellen Gruselgestalten dem Ruf des Heidentums schaden. Dass wir als „germanisch“ bzw. „keltisch“ orientierte Heiden schnell und meistens zu Unrecht in die „rechte Ecke“ gestellt werden, liegt vor allem daran, dass völkisch-rassistische Spinner wie B. nicht nur in der „Bild“ (oder der „Krone“) das Bild des Heidentums bestimmen.

Vielleicht noch ärgerlicher ist andererseits, dass längst nicht alle auf „unserer“ Seite (also Heiden, die keine Nazis sind) klare Position gegen Rechtsextremisten wie „Burgos“ beziehen, und damit Nazis und Rassisten leichtfertig die Deutungshoheit über das, was die Öffentlichkeit über Heiden zu sehen bekommt, überlassen.

Sehr ärgerlich ist, dass nicht-rassistische Heiden mit dem mutmaßlichen Terroristen und schon damals als solchem erkennbaren völkischen Hetzer kuschelten.
Zum Beispiel war der „Druide“ bei der jährlichen Demonstration gegen das Bonifatius-Denkmal in Fritzlar dabei. Zur Erinnerung: Es liegt – unter Anderem – an der „Rechtsoffenheit“ dieser Veranstaltung, dass sich die Nornirs Ætt nicht daran beteiligt.

Für die ärgerliche Tatsache, dass offen erkennbare Hetzer einfach so in heidnischen Gruppen und auf Veranstaltungen mitmischen können, fehlt mir jedes Verständnis!

Die aus „Ættlingen“ bestehende Band „Singvøgel“ sang schon vor Jahren über die falsche Toleranz gegenüber falschen Freunden und zeigte, was von der „unpolitischen“ „Wir-sind-doch-alle-Heiden“-Gesinnung zu halten ist: Absolut nichts! „Freundchen“.

Zwar haben sich Druiden-Vereinigungen wie der OBOD und verschiedene keltische Gruppen und Vereine vom rechtsextremen „Druiden“ distanziert. Um der rechtsextremen Konnotation des Heidentums entgegen zu wirken, reicht es aber nicht aus, sich nur nach außen abzugrenzen – man muss in den eigenen Reihen anfangen!

Es geht auch anders: Der Steinkreisverein im badischen Brühl schloss 2012 seinen damaligen Vorstand aus, weil „Burgos von Buchonia“ auf Facebook Muslime beleidigt hatte. Dort hatte der „Druide“ damals das Bild einer brennenden Moschee gezeigt und die Hoffnung geäußert, bald möge auch das islamische Heiligtum in Mekka brennen. (Diese Äußerungen verhalfen B. zum „Druidennamen“ „Hasspredix“.)
Auch „Celtoi e. V.“ belässt es schon lange nicht mehr bei verbalen Abgrenzung – rassistische „Kelten“ haben hier keine Chance. So, wie rassistische „Germanen“ beim „Eldaring“ und erfreulicherweise inzwischen auch beim „Verein für Germanisches Heidentum e. V.“ keinen Zutritt haben. Und an der harten Haltung der Nornirs Ætt gegenüber rechtsdrehendem Heidentum und völkischer Ideologie dürfte ohnehin kein Zweifel bestehen.

Mistel – Schmarotzer, die zum Küssen verführen

Samstag, 26. Dezember 2015

In der laubfreien Zeit sind sie wieder besonders gut zu erspähen – die Mistel, oder auch Viscum album (Weißbeerige Mistel). Meist in den oberen Regionen der Baumkronen angesiedelt ziert das parasitäre Sandelholzgewächs sowohl Laub- als auch Nadelbäume. Um die Mistel ranken sich verschiedene Mythen, sie fand und findet Verwendung als Heilmittel, aus Amerika kommt der Weihnachtsbrauch sich unter dem Mistelzweig zu küssen und besonders in den Rauhnächten wird sie zum Räuchern verwendet.

Vögel gehen ihr auf dem Leim

Im Volksmund ist sie unter anderem unter den Namen Hexenbesen, Hexen- oder Trudennest beziehungsweise Vogelleimholz bekannt. Der letzte Namen bezieht sich auf die Verwendung vorwiegend der Eichenmistel bei der Vogeljagd. Ein Teil der Früchte wurde und wird zur Herstellung von Vogelleim verwendet, der in einigen europäischen Ländern noch immer beim Vogelfang eingesetzt wird. Der klebrige Schleim der Mistelbeeren wird dabei auf Ästen angebracht und wenn sich die Vögel darauf niederlassen bleiben sie kleben und können eingefangen werden. Vielleicht kommt daher auch der Ausspruch „Jemanden auf den Leim gehen“ – wer weiß.

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Dieser klebrige Schleim kommt daher, dass die Mistelfrüchte keine Samenschalen bilden, sondern die Samen von einer klebrigen Schicht, die unter anderem aus Cellulose und Pektinen besteht, umschlossen werden. Dieser Schleim hilft der Mistel auch bei der Verbreitung, die vorwiegend durch Vögel passiert. Die klebrigen Samen bleiben an den Schnäbeln haften und werden später an anderen Zweigen abgestreift. Werden die Samen von den Vögeln gefressen, dann wird die klebrige Schicht nicht vollständig verdaut und beim Ausscheiden bleibt der Samen dadurch trotzdem gut an Ästen kleben.

Familienzugehörigkeit

Im Unterschied zur Weißbeerigen Mistel hat die Eichenmistel gelbe Beeren und gilt als eigene Gattung. Das Verbreitungsgebiet der Viscum album sind hauptsächlich Mittel- und Südeuropa, sowie Südskandinavien. Wohingegen die Eichenmistel vermehrt in Südosteuropa, Mittel- und Osteuropa und Kleinasien verbreitet ist. In Österreich beschränkt sich ihr Vorkommen hauptsächlich auf Ober- und Niederösterreich, Wien, Steiermark und das Burgenland. In den Voralpengebieten gilt sie als gefährdet. Im Unterschied zur Eichenmistel findet man die Weißbeerige Mistel auf unterschiedlichen Laubbäumen, zu denen unter anderem Apfelbäume, Linde, Birken, Weiden und Pappeln zählen. Aber auch auf Bäumen wie den Weißdorn, der Robinie und der Hainbuche findet man sie recht häufig. Die Eichenmistel ist nicht nur an den gelben Beeren von der Weißbeerigen Mistel zu unterscheiden. Sie ist auch sommergrün und ihre Äste sind ab dem zweiten Jahr braun bis schwarzgrau – im Gegensatz dazu bleiben die der Weißbeerigen Mistel grün.

Die Viscum Album kann man nach der unterschiedlichen Wirtsbaumart in verschiedene Unterarten einteilen – die Laubholz-Mistel, die Tannen-Mistel (hauptsächlich auf Weißtannen), die Kiefern- beziehungsweise Föhren-Mistel (häufiger auf Kiefern und seltener auf Fichten oder Lärchen) und die Kretische-Mistel (kommt nur auf Kreta und hier auf der Kalabrischen Kiefer vor). Als eigene Arten (neben der Eichenmistel) gelten heute auch noch die Koreanische oder die Japanische Mistel.

Weißbeerige Mistel

Weißbeerige Mistel

Schnorrer auf dem Dach

Wie kommt jetzt die Mistel zu ihren Wirtsbäumen? Sie zählt zu den Halbschmarotzern – das bedeutet, dass sie eigentlich nur auf das Wasser und darin enthaltene Nährstoffe des Wirtes angewiesen ist. Der Keimling setzt direkt an der Sprossachse des Wirtsbaumes an und bildet einen Saugfortsatz aus, der durch die Rinde wächst und hier zwischen Holz und Rinde Stränge ausbreitet. Der Hauptsaugfortsatz entwickelt sich mit der Zeit zur Primärwurzel und daraus entwickeln sich wieder die sogenannten Senkerwurzeln, die das Versorgungsleitungsgewebe der Wirtspflanze anzapfen. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist entwickelt sich die Mistel weiter. Sie bildet dann kugelige Buschen von einem Durchmesser bis zu einem Meter aus und kann bis zu 70 Jahre alt werden. Das Wachstum der Viscum album ist sehr langsam – bei einer Astlänge von ca. 50 Zentimeter ist die Pflanze schon cirka 30 Jahre alt. Eine Besonderheit ist auch, dass die Mistel ab der Keimung voll photosynthetisch aktiv ist und daher in diesem Entwicklungsstadium einige Jahre überdauern kann – zum Beispiel wenn die Saugwurzeln die Leitungsbahnen der Wirtspflanzen nicht erreichen können. Wie einleitend erwähnt ist die Weißbeerige Mistel ein Halbschmarotzer und sie müsste daher dem Wirtsbaum nur Wasser und Mineralsalze entziehen. Warum sie dennoch die Leitungsbahnen für die organischen Substanzen des Baumes anzapft und ob sie ihm dabei auch andere Nährstoffe entzieht ist noch immer Gegenstand kritischer Diskussionen unter den Biologen.

Keimlinge einer Mistel

Keimlinge einer Mistel

Giftig und heilsam zugleich?

Die Mistel gilt als giftig, wobei einige Arten beziehungsweise Bestandteile giftiger sind als andere. Viscum Album von Pappel, Robinie, Linde, Walnuss und Ahorn sind am Giftigsten und die vom Apfelbaum als am wenigsten giftig. Die Blütenknospen und Früchte haben ihren höchsten Giftgehalt im Winter und die Blätter erhöhen ihre Dosis bereits im Herbst. Dieser Giftgehalt muss man bei der Verwendung der Mistel zu Heilzwecken besonders beachten.

Die jungen Zweige mit Blättern, Blüten und Früchten dienten und dienen als Heildroge und werden traditionell als Misteltee oder als Fertigpräparat mit Mistelextrakten zur Unterstützung des Kreislaufes und als Vorbeugung der Ateriosklerose eingenommen, wobei diese Anwendungen in der Wissenschaft auf Skepsis stößt.

Was allerdings auch in der westlichen Medizin gut aufgenommen wird, sind die Präparate aus frischem Mistelkraut, die zum Beispiel bei entzündlich-degenerativen Gelenkserkrankungen, Bandscheibenerkrankungen oder Arthrosen herangezogen werden. Und dann gibt es noch die sogenannte Misteltherapie die hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz verbreitet und in der alternativ- und komplementärmedizinischen Krebsbehandlung zum Einsatz kommt. Dazu werden Extrakte der Weißbeerigen Mistel nach der antiken Signaturlehre herangezogen. Da auch Krebs als „Parasit“ im menschlichen Körper empfunden wird und die Mistel in ihrer „Lebensart“ diesem entspricht wird sie zur Heilung desselben verwendet. Trotz langjähriger Forschung und Anwendung der Mistelpräparate konnte keine Heilung von Krebs oder eine Hemmung des Tumorwachstums nachgewiesen werden. Was allerdings schon nachweisbar ist, ist die Verbesserung der Lebensqualität bei paralleler Anwendung von Chemotherapie und Mistelpräparate zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen.

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Mythologisches Heilmittel, Fruchtbarkeitssymbol, Schutz und ewige Liebe

Im Altertum wurde die Mistel als Heilmittel und für kultische Handlungen von den Druiden benutzt. Laut Plinius war den keltischen Priestern besonders die selten vorkommende Eichenmistel heilig. Aufgrund ihrer immergrünen Erscheinungsart wurde sie bei den Kelten und Germanen auch als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Dies wird ihr angeblich auch heute noch in der Schweiz nachgesagt.

Abseits der Medizin wird der Mistel eine schützende Wirkung nachgesagt, was dazu führt, dass sie in manchen Gegenden besonders zur Zeit der Wintersonnenwende (oder als Weihnachtsschmuck) an Türen und Dächern angebracht wird. Ein weiterer Brauch aus dieser Jahreszeit ist das Küssen unter dem Mistelzweig – wen zwei dies tun dann soll aus ihnen ein besonders glückliches Liebespaar werden.

Weiters soll die Mistel hauptsächlich auf Bäumen wachsen die an „schwierigen“ Standorten (vermehrte Erdstrahlung, Wasseraderkreuzungen, etc.) stehen. Dies soll bewirken, dass sie beim Verräuchern „negative“ Schwingungen in positive umwandelt.

Wie ihr seht, ist die Mistel also ein sehr vielfältig einsetzende Gewächs deren Geheimnisse noch immer nicht alle entdeckt sind. Daher finde ich sie als sehr passende Pflanze für die Zeit der Wintersonnenwende und der Rauhnächte – mögen auch wir unsere vielfältigen Talente und Gaben entdecken und einsetzen. In diesem Sinne wünsche ich euch entspannte Feiertage und einen guten Start ins neue Kalenderjahr!

Quelle:
Unterlagen Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer – LFI St. Pölten
www.wikipedia.at

Eine religionsübergreifende Erfahrung, geschrieben von Damh, the Bard, übersetzt von Anufa

Samstag, 20. Dezember 2014

Eine religionsübergreifende Erfahrung

Plakat

Gestern gab ich beim religionsübergreifenden Gottesdienst der „Brighton and Hove Interfaith Contact Group“ eine Lesung. Vor über einem Monat wurde ich gebeten, dort zu lesen und war sehr erfreut, dass sie dort das Druiden- und Heidentum in ihr Spektrum der spirituellen Wege aufgenommen haben. Der Bürgermeister von Brighton und Hove, Caroline Lucas (MP für Brighton Pavillion und vormalige Vorsitzende der Grünen), Repräsentanten der jüdischen, islamischen, christlichen, buddhistischen, Bahai- und Hindu- Gemeinschaften waren anwesend, und ich.

Es gab eine Mischung aus Lesungen und Musik und es war auch eine richtige Hochschaubahn der Gefühle. Mein Lieblingsteil war das islamische Gebet, das von einem Moslem aus der Türkei geleitet wurde. Er sang seine Andacht, und irgendwie verstand ich jedes Wort. Es sprach von schrankenloser Liebe für seinen Gott, gesungen in Freiheit und mit Hingabe. Als Musiker, der selber Musik, die in meiner Tradition heilig ist, schreibt und singt konnte ich das vollkommen verstehen. Kein Wunder, dass Cat Stevens, ein tiefspiritueller Mensch, seine Heimat dort als Yusuf Islam gefunden hat.

Das Thema des Gottesdienstes war „Eine Hoffnung für die Zukunft – Ein Wunsch nach Frieden“. Meine Lesung war gegen Ende und als meine Zeit gekommen war, ging der Leiter des Gottesdienstes zum Mikrofon und sagte: „Diese Treffen sind immer aufregend. Als nächstes haben wir einen Heiden und ich weiß nichteinmal ob er wirklich hier ist.“ Ich hob meine Hand und wurde nach oben ans Rednerpult geholt. Das Mikrofon hatte während einiger der Gespräche Rückkopplungen geliefert und als ich mich näherte fragte sie mich, welches der Mikorfone ich bevorzugen würde. Ich sagte: „Ich nehm dieses – Ich mag Heavy Metal und habe deshalb nichts gegen ein wenig Rückkopplung“. Gelächter aus dem Publikum.

Ich sag zu den Politikern, den Leuten unterschiedlichen Glaubens und sagte, wie glücklich ich wäre, dort sein zu dürfen, ein Teil dieses Treffens und für das Druidentum zum Thema „Frieden“ sprechen durfte Dann begann ich meine Lesung.

Hier ist sie, damit ihr sie lesen könnt. Es war ein wirklich wunderschöner Nachmittag und die Gespräche nachher, bei Tee und Kuchen waren anregend.

Religionsübergreifende Lesung

Frieden. Das ist ein Wort, dessen Bedeutung ziemlich überfrachtet sein kann. Für mache mag es Ruhe bedeuten, Meditation, der Friede der Berge und Wälder. Das Wort „Druide“ bedeutet „einer der das Wissen der Eiche hat“, der Waldweise. Was könnte friedvoller sein als das?

Die klassischen Autoren wie Julius Caesar und Diodorus Siculus, sprachen davon, dass in den alten Zeiten die Druiden vom Militärdienst ausgenommen waren und keinen Waffen trugen und davon, dass sie öfters kriegführende Stämme befriedeten, indem sie zwischen den zusammengeballten Reihen der sich entgegenstehenden Kräften hin und her wechselten und den Frieden urgierten.

Julius Caesar schrieb: „Denn sie (die Druiden) beseitigen alle Streitigkeiten, sowohl öffentliche als auch private … Die Druiden bleiben für gewöhnlich dem Krieg fern, sie haben die Befreihung vom Kriegsdienst. „

Diodorus Siculus schrieb: „ Oftmal, wenn die Gegner sich Kopf an Kopf gegenüber standen, die Schwerter gezogen wurden und die Speere aufgerichtet waren, kamen diese Männer und ließen die Schlacht verstummen, genauso wie wilde Tiere manchmal ruhig gehalten werden. So verwandelt sich sogar bei den wildesten Barbaren der Zorn in Weisheit und Mars wird vor den Musen beschämt. „

Am Beginn druidischer Zeremonien, bevor etwas anderes geschieht, gibt es einen Ruf nach Frieden. Der Druide geht nach Norden, dann in den Süden, Westen und Osten und hält in jeder Richtung seine Arme zum Gruß gehoben, im Gefühl, dass Frieden nach außen ausstrahlt und sagt, „Möge Frieden sein im Norden/Süden/Westen/Osten“. Nach der Rückkehr in den Osten stimmt der ganze Kreis mit der Antwort ein, „Möge da Frieden in der ganzen Welt sein.“

Aber man wird auch Druiden in der vordersten Front der 90er Proteste in Twyford Down und Newbury gesehen haben. Ihr werdet Druiden bei den Anti-Fracking-Protesten in Balcombe und Barton Moss gesehen haben. Das Druidentum beinhaltetet den Frieden des heilgen Haines, die Magie der grünen Wälder, aber auch dass friedvolle Demonstranten freudig unter zivilem Ungehorsam aufstehen für die Dinge, die ihnen wichtig sind.

So ist es immer schon gewesen.

Das moderne Druidentum sieht seine Wurzeln um 1700 bei Edward Williams, besser bekannt unter seinem Druidennamen Iolo Morgannwg . Sein druidischer Orden wurde 15 Jahre lang von bewaffneten Tory Bürgerwehren verprügelt, nur weil sie sich trafen, nur weil sie Druiden waren. Sie gaben bekannt, dass sie einen Kreis in Pontypridd abhalten würden, bei den Wackelsteinen, würde die druidische Zeremonie stattfinden. Die Information wurde ihnen weitergeleitet, dass die ansässigen Grundbesitzer mit Schwertern und Gewehren ebenfalls dort sein würden. Sollten sie ihre Zeremonie trotzdem abhalten, würden sie getötet werden. Aber sie trafen sich, barfuß und ohne Kopfbedeckungen um zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren und da wurden die Worte des Gorsedd Gebetes zum ersten Mal gesprochen.

Grant, oh God/Goddess/Spirit your protection,

And in protection, strength,

And in strength, understanding,

And in understanding, knowledge,

And in knowledge, the knowledge of justice,

And in the knowledge of justice, the love of it,

And in the love of it, the love of all existences,

And in the love of all existences, the love of God/Goddess/Spirit and of all goodness.

Die letzte Zeile beschört „die Liebe allen Existenten“ und das schloss auch die Reihe der Reiter mit ein, die vor ihnen stand. Diese Reihe an Reitern drehte um, ritt zurück und kam nie wieder.

1792, in Primrose Hill in London proklamierte Iolo den Gorsedd of Bards der britischen Insel und wiederholte dieses Gebet. Das wurde dann nachfolgend das Walisische Nationale Eisteddfod und das Gorsedd Gebet wird bis heute immer noch während der druidischen Eröffnungsfeier gesprochen.

So fließt dieses Blut immer noch durch die Adern des modernen Druidentums im friedvollen Protest, dem moralischen Widerstand. Sobald die Erde solchen Bedrohungen wie Fracking und globaler Erwärmung gegenüber steht, wäre es inkongruent, wenn die Menschen, für die diese Erde heilig ist nicht für ihren Planeten sprechen würden, für ihre Heimat, die keine Stimme zu haben scheint immitten der Firmensprachen die viele Politiker sprechen.

Ja, möge da Frieden sein in der ganzen Welt.
Und möge dieser Frieden für alles Leben da sein, für alles, das existiert.

Eine sehr verkürzte Geschichte des britischen Heidentums – Teil I geschrieben von Jack Dark und übersetzt von Anufa

Samstag, 24. November 2012

Jack Dark teilt diese humorige (und auch ziemlich kontroverse) Geschichte mit uns:

Also los – hier ist sie also meine sehr, sehr kurze und ein wenig zwielichtige Geschichte des Heidentums in UK. Ich schreibe das alles aus dem Gedächtnis, ohne die Quellenlage zu untersuchen und bitte euch das im Auge zu behalten.

Nun gut …

Damals zu Anbeginn der Zeit, in den Nebeln der Geschichte, war jeder Heide und betete zur Göttin. Es gab Berge und Wasserfalle in Glastonbury und überall flogen Drachen herum.
Genau genommen, war es nicht annähernd so.

Das Leben war ganz schön schwierig, die Leute fanden ihre eigenen übernatürlichen Erklärungen für das Wetter und versuchten Sinn in die Dinge zu bringen, die sie nicht verstanden. Das taten sie, indem sie diese Konzepte antropomorphierten. Sie formten sie nach sich selbst, deshalb hatten sie Gesichter, eine Stimme und man konnte sich an sie wenden. So wurden die Götter geboren. Wir könnten diese unterschiedlichen Naturgötter genauso gut „heidnisch“ nennen. Sie lebten überall, auch im Himmel und im Meer. Einige Leute versuchten diese Götter zu studieren, von ihnen zu lernen oder sie zu beeinflussen. So wurde die Religion geboren. Die unterschiedlichsten Vorstellungen zur Religion kamen und gingen mit den Menschen, weil die hin- und herzogen und sich gegenseitig überfielen.

Deshalb gab es in UK einen ganzen Haufen unterschiedlicher heidnischer Religionen und Götter, von denen wir nicht wirklich viel wissen, bis zu dem Punkt an dem die Römer daher kamen und ihre Götter mitbrachten und einige der unseren stahlen. Sie schrieben ein bisschen was über die Druiden, während sie diese gleichzeitig umbrachten, weil sie die Anführer und so was wie Verwalter waren, die von den Römern als zentraler Punkt für etwaige Rebellionen gefürchtet wurden.

Nur knapp bevor sie sich dazu entschlossen Christen zu werden, verließen die Römer Britannien und sie hinterließen einige ihrer religiösen Ideen. Einige Ideen von früher hatten auch ein Revival aber dann entschlossen sich die Vikinger zu plündern und Überfälle zu machen, wobei einige sich im Osten des Landes niederließen. Dabei brachten sie auch ihre eigenen großen, haarigen Götter mit.

Meistens bekriegte Mensch sich gegenseitig, kam hie und da miteinander aus und das Land wurde in die unterschiedlichsten Stammesgebiete aufgeteilt. Die meisten Stämme hatten ihre eigenen Götter.

Dann re-importierten die Römer das Christentum über eine Reihe von Stammesfürsten und später Königen, die Christen wurden. So wurden Teile Britanniens nach und nach vereint und damit auch christlich.

William Rufus war wahrscheinlich der letzte heidnische König Englands, nach einigen christlichen aber es gibt einige dämliche Geschichten über ihn, die man eigentlich ignorieren kann.

Damit spulen wir ein paar hundert Jahre vor, nach Wales zu einem so genannten Edward Williams, der sich selber Iolo Morganwg nannte. Er sah sich gerne als kleinen Poeten, deshalb recherchierte er in den alten bardischen Traditionen, die ein wenig  Verbindung zum Druidentum hatten. Ihre alten Märchen und Geschichten über die alten Götter wurden durch die mündliche Bardentradition weitergegeben. Er kippte hinein und entschloss sich Druide zu sein und das Druidentum neu zu erfinden. Er war tatäschlich nicht wiiiiiiiirklich heidnisch und die meisten Gebete, die er schrieb, bezogen sich auf „Gott“.

Iolo inspirierte ein paar Druidengesellschaften und –gruppen sich zu formieren und die machten alle ihr eigenes Ding, in mehr oder minder christlicher Manier. Genauso wie die anderen freundlichen Gesellschaften, einvernehmlichen Spar- und Rentenvereine und Saufclubs zu der Zeit es auch taten. Er bediente sich auch bei einigen Ideen, die er bei bardischen Quellen fand und die, wie er fand, ganz schön heidnisch waren und verbrachte die meiste Zeit zugedröhnt mit Laudanum und Opium.

Okay, das ist für jetzt genug über die Druiden, wir kommen später zu ihnen zurück.

Weiter … im 19. Jahrhundert gab es Leute, die an Magie und Alternativen zum Christentum interessiert waren und auch daran öffentlich aus dem Gewand zu springen. Golden Dawn und die unterschiedlichsten anderen magischen Gesellschaften machten ebenfalls ihr Ding und einige Intellektuelle sprachen sich für die Rückkehr zu römischen oder griechischen Werten aus. Die Dinge änderten sich langsam und die radikalen Denker wurden hie und da gehört.

Es gab aber auch Sachen wie „Wind in the Willows“ eine wunderschöne seelsorgerische Geschichte über Tiere, die ein Kapitel beinhaltete in dem Pan als der große gehörnte Gott mitspielte.

Aleister Crowley bumste durch die Gegend, schnupfte oder spritze sich fast alles was er finden konnte und es gab alle möglichen und unmöglichen magischen und quasi-magischen Gruppen, die sich formierten.

Um 1920 forschte eine Wissenschaftlerin, genannt Margaret Murray, über die Hexenprozesse und –verfolgungen und beschloss , dass sie dabei Hinweise gefunden hätte, dass die genannten Hexencoven eigentlich die Nachfahren einer alten Göttin-basierten Religion gewesen wären.

Damit beschlossen einige magische Gruppen, die bereits bestanden, dass das ihr Ursprung gewesen sein musste, dass sie wirklich Hexen wären und es bloß die ganze Zeit nicht gewusst hätten!

Auftritt Gerald Gardner

Gardner lebte im fernen Osten und schrieb über Dinge wie Messer, weil er damit einen Spleen hatte. Auch war er in einige unterschiedliche halbmagische Gruppen und freimaurermäßige Orden verstrickt. Er kannte Leute wie Aleister Crowley und auch Ross Nichols (zu dem wir in Kürze kommen werden).

Ende Teil I

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil XV

Samstag, 21. Juli 2012

Kelten und Celtic Recon

Kelten

Da uns die Neodruiden kaum etwas über die Kelten verraten, müssen wir leider in die historische Tiefe gehen. Erst einmal zur Quellenlage. Diese ist, was keltisch-heidnische Religion betrifft, nicht gerade günstig – um es vorsichtig auszudrücken. Weniger vorsichtig ausgedrückt: Wenn man sich das ganze Gebiet heidnisch-keltischer Religion als ein fertiges Puzzle-Bild vorstellt, haben wir von einem 1000-Teile-Puzzle vielleicht 100 Stück, die unregelmäßig auf der Bildfläche verteilt sind. Man kann also so eine Art „roten Faden“ erkennen, Zusammenhänge und Ähnlichkeiten und vielleicht errät man sogar das ganze Bild im Groben. Aber faktisch weiß man nicht, welche Teile die großen leeren Flächen füllen.

Um diese bescheidene Quellenlage besser verstehen zu können, hier erst einmal ein kurzer Abriss über die keltische Geschichte: Die Kelten – eine vielfältige Kultur mit gemeinsamem Sprachzweig (nämlich Keltisch – nona) – breiteten sich in der Antike seit ca. 700 v. Chr. über weite Teile Europas aus. Die antike keltische Zivilisation (Festlandkelten), die wegen ihrer großen Verbreitung und ihrer Aufsplitterung in verschiedene Stämme, Völker und Königreiche das Gegenteil von einheitlich war, ist archäologisch vor allem durch die La Tène-Kultur (teilweise auch durch die Hallstattkultur) fassbar. Dabei handelt es sich um eisenzeitliche Epochen. Mit der Unterwerfung unter das römische Reich um die Zeitenwende entwickelte sich eine reiche gallo-römische Mischkultur, welche ab ca. 500 n. Chr. durch Germanisierung, Völkerwanderung und Christianisierung verschwand bzw. assimiliert wurde. Die einzigen Gebiete, die seitdem noch keltisch besiedelt sind, beschränken sich auf Irland, Schottland, die Insel Man, Cornwall, Wales und die Bretagne. Die mittelalterliche bis neuzeitliche Kultur dieser Gebiete wird „inselkeltisch“ genannt, die Gebiete selbst als „keltischer Gürtel“. Das heidnische Keltentum fand ab ca. 400 n. Chr. nach und nach sein Ende, da die keltischen Gebiete (auch jene, die von den Römern unberührt blieben, wie Irland) zu den ersten gehörten, die christianisiert wurden.

Wir haben also drei historische Großgruppen: Die eisenzeitlichen Kelten, die durch archäologische Funde, griechische und römische Geschichtsschreiber und einer Handvoll keltischer Inschriften belegt sind. Die gallorömische Kultur, die trotz (und auch wegen) der Romanisierung die meisten keltischen Inschriften hinterlassen hat – auch hier haben wir zusätzlich archäologische Funde und schriftliche Aufzeichnungen römischer und griechischer Autoren. Und dann die Inselkelten, die selbst viel aufgeschrieben haben aber dummerweise schon christlich waren, als sie die Geschichten über ihre heidnischen Vorfahren zu Pergament brachten. Hier interessieren vor allem die mittelalterlichen irischen Handschriften, da sie die frühesten und umfassendsten inselkeltischen Aufzeichnungen darstellen (sprachlich teilweise bis ins 7. Jhdt. n. Chr. datierbar).

Für die Jahreskreisfeste stütze ich mich vor allem auf das Buch „Die hohen Feste der Kelten“ von Le Roux u. Guyonvarc’h, in dem alle historischen Hinweise zu diesem Thema herausgearbeitet sind. Ich kann dieses Buch für Keltenfans nur wärmstens empfehlen, da es zu diesem Thema auf Deutsch nichts Besseres gibt. Die Quellen zum Jahresfestkreis sind nämlich in allen möglichen mittelalterlichen Handschriften verstreut, die in dem genannten Werk zusammengetragen wurden.

Die ältesten Aufzeichnungen über den altirischen Jahresfestkreis finden wir bei Geoffrey Keating, einem irischen Gelehrten aus dem 17. Jhdt., in seinem Werk „History of Ireland“, der aus verschiedenen mittelalterlichen Handschriften, die zum Großteil heute verschollen sind, schöpfte. Dort wird beschrieben, wie der mythische Hochkönig Tuathal Techtmar, der im 1. Jhdt. n. Chr. gelebt haben soll, die kultische Zentralprovinz Meath (Midhe) gründete. Dafür teilte er die Provinz in vier Teile, wobei jeder Teil einer der anderen Provinzen zugeordnet wurde, und in jedem dieser Teile war ein Königssitz für den jeweiligen Provinzkönig. Und an jedem der vier Königssitze wurde eine Festversammlung im Jahr abgehalten:

Der König von Munster war am Königssitz von Tlachtga. Dort sollte jährlich am 1. November die Samain-Nacht gefeiert werden. Die Druiden kamen zusammen, um allen Gottheiten in einem Feuer Opfer darzubringen. Alle Feuer in den Häusern mussten gelöscht werden (wer es nicht tat, bekam eine Geldstrafe aufgebürdet), und vom Opferfeuer musste man sich dann neues Feuer holen.

Der König von Connaught saß in Uisneach. Die Versammlung dort fand an Beltaine am 1. Mai statt. Man opferte dem meistverehrten Gott Bel und hielt Markt ab, wo Güter getauscht wurden. Überall wurden zwei Feuer angezündet, um zwischen den Feuern ein krankes Tier jeder Gattung hindurchzuführen, was alles Vieh in Irland vor Krankheiten schützen sollte. Jeder Anführer, der zur Versammlung kam, musste Pferd und Ausrüstung als Steuer dem König überlassen.

Der König von Ulster weilte in Tailtiu (Teltown). Hier fand zu Lugnasad am 1. August ein Jahrmarkt statt. Ehen und Freundschaften wurden geschlossen, wobei die Eltern die Verträge für ihre Töchter und Söhne besiegelten, während sich diese nach Geschlechtern getrennt am Fest aufhalten mussten. Der Gott Lughaid Lamhfhada stiftete das Lugnasad-Fest für seine Ziehmutter Tailtiu, da sie gestorben war und in Teltown bestattet wurde. Ihr zu Ehren war das Fest. Jedes Paar, das hier vermählt wurde, musste dem König Steuern zahlen.

Der König von Leinster weilte in Tara. Alle drei Jahre fand hier am 1. November das Fest von Tara statt, wobei, wie zu Samain, allen Gottheiten geopfert wurde. Das königliche Fest wurde offiziell angekündigt. Es wurden Gesetze und Bräuche beschlossen, die Annalen und Altertümer Irlands verabschiedet. Alle Beschlüsse wurden von den obersten Geistlichen in das Buch der Könige verzeichnet. Jeder Brauch, der mit diesem Buch nicht übereinstimmte, wurde nicht als echt angesehen.

Soweit zum Gründungsmythos von Midhe. (Weitere historische Hinweise auf die Feste im Alten Irland sind im Anhang zu finden.) Auffällig ist, dass der 1. November mit zwei Festen belegt ist (Samain und das Fest von Tara – wobei beide im Sinn ähnlich sind) während Imbolc am 1. Februar fehlt. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass letzteres eher ein Familienfest gewesen sein dürfte und keine königliche Volksversammlung. Nichtsdestotrotz sind Samain, Imbolc, Beltaine und Lugnasad als markante Feste und Jahreszeitenbeginne in den mittelalterlichen irischen Schriften oft erwähnt. Man kann also flapsig sagen, dass die Hälfte der Feste des achtfachen Jahres von den Kelten beigesteuert wurde. Während aber für die drei Versammlungen Samain, Beltaine und Lugnasad zumindest einige Hinweise über Sinn und Ablauf der Feste zu finden sind, ist nichts dergleichen über Imbolc bekannt. Mehr als dass es sich wahrscheinlich um ein Fest der rituellen Reinigung zum Frühlingsbeginn, wo die Mutterschafe Lämmer bekommen und Milch geben, mit anschließendem Festmahl gehandelt hat, ist nicht bekannt. (Ein anderer Name für Imbolc, das mit „umfassender Reinigung“ übersetzt werden kann, ist „Oimelc“, was „Schafsmilch“ bedeutet.)  Fraglich ist damit auch, ob die heilige Brigit, die in christlicher Zeit am 1. Februar so einen großen Festtag hat, auch in heidnischer Zeit als diesbezügliche Festtagsgöttin so wichtig war. Denkbar ist es, da auch die Mythen um die Göttin und die Heilige Ähnlichkeiten aufweisen. Aber es gibt keinen literarischen Hinweis darauf.

Die vier Hochfeste des Alten Irland werden im keltischen Gürtel – und einige darüber hinaus – noch heute in christianisierter und/oder säkularer Form gefeiert. Samain hat sich zu Halloween entwickelt, wobei die Bräuche des neuzeitlichen Samhain mit denen des anglisierten Halloween identisch sind. Das Totengedenken zu Allerseelen hat ebenfalls auf das Samhain-/Halloween-Fest abgefärbt. Imbolc wurde zum Fest der hl. Brighid, das im goidelischen Raum (Irland, Schottland, Insel Man) gefeiert wird und um die Heilige zahlreiche Familienbräuche ausgebildet hat. Beltaine entwickelte sich zum Maifest, welches ähnliche Bräuche aufweist wie hierzulande. Und Lugnasad hat heutzutage mehrere Feste im keltischen Gürtel um den 1. August, das bekannteste ist vielleicht der Garland Sunday, der letzte Sonntag im Juli, wo unter anderem die Wallfahrt auf den Berg Croagh Patrick stattfindet. Die altirischen und neuzeitlichen Feste weisen teils Unterschiede auf (siehe Anhang).

Wie schon angemerkt, markieren die vier Feste auch den Beginn der Jahreszeiten. Samain ist der Beginn des Jahres überhaupt und auch der Beginn des Winters (die Bedeutung des Namens ist „Sommerende“), Imbolc ist der Frühlingsbeginn, Beltaine (Feuer des Bel) der Sommerbeginn und Lugnasad (Versammlung des Lug) der Herbstbeginn. Da zu Samain und zu Beltaine im alten Irland jeweils Notfeuerbräuche stattfanden (alle Herdfeuer mussten ausgemacht werden, und die Druiden (zu Samain) bzw. der König (zu Beltaine) entzündeten das neue Feuer für das Volk), markieren diese beiden Feste die Zeitpunkte zwischen den Jahreshälften: von Samain bis Beltaine ist die dunkle Zeit und von Beltaine bis Samain die helle Zeit.

Man mag sich nun wundern, warum die alten Iren so ausgefallene Jahreszeitenbeginne hatten. Von Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen ist in den Handschriften jedenfalls nirgends die Rede. Die Antwort ist meines Erachtens vielleicht, dass es einen religiösen Grund hatte, denn auch wenn es in Irland durch den Golfstrom im Winter wärmer ist als in Kontinentaleuropa, ist das nicht unbedingt ein Grund, den Sonnenlauf zu ignorieren. Vielleicht kamen die vier Feste auch aus Spanien mit keltiberischen Einwanderern nach Irland, also aus einem mediterranen Klima. Sicher werden wir es wohl nie wissen.

Drei der vier Feste sind noch heute irische Monatsnamen: Bealtaine heißt der Mai, Lúnasa der August und Samhain der November. Die Namen für Juni (Meitheamh – Mitte des Sommers), September (Meán Fómhair – Mitte der Ernte) und Oktober (Deireadh Fómhair – Ende der Ernte) könnten darauf hinweisen, dass die Jahresaufteilung in den alten inselkeltischen Gebieten in 4 x 3 Monate geschah, wobei die vier Viertel vielleicht in „Anfang“, „Mitte“ und „Ende“ einer Jahreszeit aufgeteilt waren. (Ähnliche Monatsbezeichnungen gibt es auch in den anderen inselkeltischen Sprachen.) Wie auch immer – es gibt bei den Inselkelten keinen Hinweis auf einen vorchristlichen Mond- oder Sonnemondkalender. Ich nehme daher an, dass schon in heidnischer Zeit ein Sonnenkalender eingeführt wurde. Altirische Monatsnamen, geschweige denn heidnisch-inselkeltische Kalender, konnte ich bei meiner Recherche leider nicht finden. Im Gegenteil: Die irischen Kirchenväter verwendeten schon im frühen Mittelalter die lateinischen Monatsnamen.

Natürlich gab es auch bei den anderen Inselkelten Jahreskreisfeste. Die mittelalterlichen Schriften in diesen Gebieten geben aber meines Wissens zu diesem Thema kaum etwas her.