Mit ‘Extraktion’ getaggte Artikel

Schamanismus in der Postmoderne geschrieben von Road Man – Teil I

Samstag, 04. August 2012

Seit einiger Zeit boomt der Schamanismus (schon wieder?) in der Esoterikszene, und er taucht auch auf dem Markt der alternativen Heilmethoden immer öfters auf. In einschlägigen Zeitschriften stehen Anzeigen, in denen Reisen zu echten Schamanen in Peru, Nordamerika oder sonst wo hin angeboten werden, gekoppelt mit Versprechen von Heilung, Sinnfindung und Spiritualität. Oder es werden Kurse angeboten, in denen man „in 6 Wochen“[1] zum Schamanen ausgebildet wird. Leider ruft dieser Boom auch viele Scharlatane auf den Plan, die den Schamanismus, der von der WHO als Heilmethode anerkannt ist, in Misskredit bringen. Auch glauben viele Menschen, daß es in unserer Kultur keinen Schamanismus gibt, demzufolge werden auch Menschen mit echter schamanischer Begabung nicht anerkannt oder als Exoten betrachtet, während Schamanen, die z.B. aus Nordamerika oder Sibirien eingeflogen werden,der Nimbus eine allwissenden Halbgottes und Heiligen anhaftet. Dieser Artikel will versuchen, einige dieser, aus meiner Sicht fatalen, Missverständnisse zu klären und den Schamanismus ein wenig aus seiner „Schmuddelecke“ herausholen.

Schamanismus – was ist das?

Der Schamanismus im eigentlichen Sinne ist eine Technik, mit der der Bewusstseinszustand verändert wird. Ein Schamane ist eine Person, die mittels bewusstseinsverändernder Techniken in einen tranceartigen Zustand geht und in diesem ihre Seele auf eine Reise in die Welt der Geister schickt, um dort Rat und Hilfe sowohl für Klienten als auch für sich zu erlangen. Die Techniken, um in Trance zu kommen, können recht verschieden sein: Singen, Tanzen, Trommeln, halluzinogene Drogen, Hyperventilation, „Zittern“ des Körpers etc. Bei vielen zirkumpolaren Völkern (also Sibirien, Alaska, Lappland) wird eine monoton gespielte Rahmentrommel verwendet, um quasi auf ihr in die Geisterwelt zu „reiten“.

In den meisten schamanisch geprägten Kulturen herrscht eine „mythologische“ Dreiteilung der Welt vor. Es gibt eine mittlere Welt, die Welt, in der wir leben, dann eine Welt darunter, die eher „unterirdischen“ Charakter hat, während die Welt über der mittleren Welt oft eher ätherisch und „himmlisch“ wahrgenommen wird. Selbst in unseren Breiten lebt diese Vorstellung, wenn auch christlich geprägt, in Himmel und Hölle weiter, während z.B. in den germanischen Eddas von 9 Welten gesprochen wird, sozusagen eine Potenzierung der Drei.

Diese 3 Welten werden oft durch eine Weltenachse, eine Leiter oder einen Heiligen Berg miteinander verbunden. Bei den Germanen war das der Weltenbaum Yggdrasil, an dem der Gott Odin 9 Nächte hing, um die Weisheit der Runen zu erlangen, bei dem Volk der Sami gibt es Höhleneingänge oder Seen, über die der Schamane im Geiste in die anderen Welten reist. In den keltischen Sagen gibt es die Feenhügel, mit deren Betreten ein Auserwählter die Elfen und Zwerge besucht und manchmal auch von ihnen entführt wird.

Der Schamane ist ein „Berufener“. Oftmals tritt er seinen Weg gar nicht freiwillig an, sondern wird z.B. in Träumen von Geistern besucht oder von ihnen mit Krankheiten geschlagen, bis er ihren Ruf annimmt und zu schamanisieren anfängt. Manchmal „zerfetzen“ tiefgreifende Geschehnisse im Leben des Anwärters sein Ego dermaßen, daß die Geister an der Grenze zum Wahnsinn ihn zu dem Auftrag, den er bekommen hat, zwingen können. Solche „Schamanenkrankheiten“ gibt es auch in der heutigen Zeit und in Mitteleuropa, sie werden nur nicht als solche erkannt.

Wie kam der Schamanismus in die Esoterik?

In den 60ern und 70ern waren die Bücher von Carlos Castaneda sehr populär, wobei diese aus ethnologischer Sicht mittlerweile widerlegt sind. Eine weitere wichtige Person, die die Bewegung ins Rollen brachte, war und ist Michael Harner. Als junger Ethnologe studierte er Anfang der 60er des letzten Jahrhunderts Indianerstämme Südamerikas und probierte von deren Schamanen auch das berüchtige „Ayahuasca“, meist als „Liane des Todes“ übersetzt. Dieses halluzinogene Gebräu versetzt den Konsumenten in einen visionären Zustand, der unter richtiger Führung durch einen Schamanen zu tiefen Einsichten oder Heilung führen kann. Harner war jedenfalls überzeugt, seine vorher eher atheistische Weltsicht war gründlich ins Wanken geraten, und er begann, bei vielen Ethnien den Schamanismus zu studieren. Im Laufe dieser Studien und Experimente löste er die Grundtechniken, die von jeder schamanischen Kultur verwendet wurde, heraus und bereitete sie so auf, daß sie auch für den gänzlichst „unschamanischen“ Westler zu erlernen waren. Diese Techniken sind folgende[2]:

  • Die schamanische Reise. Man hört einem monotonen Trommelrhythmus zu und visualisiert dabei einen Eingang in die Geisterwelt. Diese Visualisation gewinnt sehr schnell an Eigenleben, und man tritt im Idealfall den typischen Seelenflug an, den Autoren wie Mircea Eliade beschreiben.
  • Verbündete Geister. In der Geisterwelt werden Verbündete gefunden. Die wichtigsten „Hauptagenten“ sind hierbei das Krafttier und eine Lehrerpersönlichkeit. Vorrangig von ihnen bekommt der Schamanisierende Rat und Hilfe, und sie sind auch „Kanäle“ seiner persönlichen „Schamanenkraft“.
  • Zwei Hauptkonzepte von Krankheit. Das erste Konzept besagt, daß in der Geisterwelt etwas Schädliches in den Patienten eingedrungen ist, was oft als „Geist der Krankheit“, „Geisterpfeil“, „Elfenschuß“ oder ähnliches bezeichnet und vom Schamanen mittels seiner verbündeten Geister entfernt wird. Die FSS nennt das „Extraktion“. In der zweiten Variante wird vom „Seelenverlust“ ausgegangen. Hier verlässt den Patienten aufgrund z.B. eines Schocks, Schrecks oder auch eines Missbrauchs ein Teil der Seele und entschwindet in die Geisterwelt. Der Schamane muß die Seele „drüben“ suchen und wieder zum Patienten zurückbringen. Man geht im schamanischen Paradigma davon aus, daß manche Depressionen und Süchte hier ihren Ursprung haben. Tatsächlich nimmt der Patient solche Beschwerden oft als „mir fehlt etwas“ oder „ich habe das Gefühl, mit dem Rauchen (Saufen etc…) eine Leere ausfüllen zu müssen!“

Dieses Konzept vermittelte Harner in seiner FSS (siehe Fußnote 2), und es wurde dankbar von der Esoterikszene aufgegriffen, gerade auch weil es sehr leicht zu erlernen und sehr wirkungsvoll ist, was zum einen für eine Verbreitung der Techniken sorgte, sie zum anderem aber auch verwässerte und ins Oberflächliche abdriften ließ, da in vielen Veranstaltungen schnelle Initiation und Heilung versprochen wurde und wird. Dieser nicht sehr große Tiefgang und die „Licht-und-Liebe“-Schiene in einigen Bereichen der Esoterikszene, oft gepaart mit einer eklatanten Ignoranz medizinischer und psychologischer Sachverhalte, führte dazu, daß der Schamanismus einen nicht sehr seriösen Anschein hat bzw. als „spinnerte Psychotechnik“ belächelt wird. Zudem gelten nur „indigene“ Schamanen als authentisch, weil ihre Initiationen gewissermaßen gesellschaftlich anerkannt sind, während es bei uns seit Jahrhunderten keinen Schamanismus mehr gab und Bemühungen in die Richtung eines Wiedererstehens schwer Fuß fassen können. Wie auch? Ein wild trommelnder Halbirrer, der Geister beschwört und mit Zauberei arbeitet, wie soll denn der in unsere postmoderne Gesellschaft, geprägt von Christentum und Aufklärung, hineinpassen? Und doch – der Schamane fasziniert, sonst würde dieser Begriff nicht so inflationär in der Esoterik verwendet werden. Einige Esoteriker „verinnerlichen“ den Schamanismus, indem sie sowohl die schamanische Reise als auch die Geister als Instanzen der eigenen Psyche betrachten. Beschäftigt man sich aber ernsthaft mit den Techniken, dann kommt man schnell zu der Gewissheit, daß die Geisterwelt NICHT die eigene Psyche ist.

Es gibt tatsächlich einen „Esotourismus – Boom“, der so aussieht, daß Menschen z.B. in den Amazonas reisen, weil sie sich Heilung durch eine Ayahuasca[3] – Zeremonie erhoffen. Solche Bemühungen, wie sie auch von diversen Vereinen, die Schamanen zu ihren Kongressen einladen, getätigt werden, sind zwar an sich lobenswert und machen mit dem Phänomen Schamanismus etwas vertraut, sie gehen aber meines Erachtens nicht den nächsten Schritt: den des Versuches einer Integration des Schamanismus in unsere Kultur.

Wohlgemerkt: ich möchte hier nicht die Esoterikszene an sich schlecht machen, aber zumindest in Punkto Schamanismus habe ich einfach öfters diese von mir beschriebenen Umstände erlebt und spreche sie hiermit auch an. Da das Schamanische meine „Nische“ ist, maße ich mir nicht an, über andere Bereiche der Esoterk Bescheid zu wissen.

Es gibt auch bei uns Menschen, die zum einen diese Begabung zum Schamanisieren, zur Seelenreise haben, und es gibt von denen auch einige, die die weiter oben genannten Techniken eines Michael Harner anwenden, um Hilfestellung für sich und/oder Klienten „von drüben“ zu bekommen. Und hier bestünde die Möglichkeit einer Integration: das Augenmerk mehr auf solche Menschen richten und die ernsthaft und gut Arbeitenden von den Scharlatanen unterscheiden. Wir haben eben das Problem, daß aufgrund des fehlenden kulturellen Hintergrundes diese Leute nicht wirklich anerkannt sind. Und dieser Artikel möchte eine Lanze für die „Neo-Schamanen“ in unseren Breiten brechen. Man muß nicht ins Amazonasbecken zu einem berühmten Schamanen reisen, um dort Heilung zu erlangen.


[1] So Herr Fenkart in der ORF-Sendung „Help TV“ vom 8. November 2007. Sinngemäß behauptete er, jeder könne in 6 Wochenendkursen Schamane werden.

[2] Harner gründete Anfang der 80er dann die Organisation „The Foundation for Shamanic Studies (FSS), die weltweit in Seminaren schamanische Techniken vermittelt, auch an indigene Kulturen, um deren Schamanismus wiederzubeleben. Tuva ist hierfür ein erfolgreiches Beispiel, denn hier fasste der Schamanismus nach der Wende wieder Fuß.

[3] Zeremonie der Indianer Südamerikas, in der die Trance durch eine halluzinogenes Getränk namens Ayahuasca –„Ranke der Toten“, so die Übersetzung dieses Wortes- ausgelöst wird.

Ende Teil I

Schamanische Seelentherapie

Samstag, 17. Juli 2010


Rituelles Heilen und die Ganzheit des Wesens

Seele ist das, was fühlt, was lebendig sein lässt und dem Lebewesen ermöglicht, bewusst gestaltend am Leben teilzunehmen. Man kann dies als Zentrum vieler Erlebnis- und Handlungsverknüpfungen sehen. So zeigt sich einmal eine Geistseele, eine Körperseele, eine Vitalseele etc. Aus diesem Verständnis heraus lässt sich Seele nicht einfach mit einem Emotionszentrum allein gleichsetzen. Vielmehr ist Seele das lebendige Erlebnisfeld des Individuums.
Traumatische Erlebnisse im Leben führen zu einer Abspaltung von Erlebnisfähigkeiten. Verlust von geliebten Menschen, ein Unfall, eine Operation, Missbrauch oder Gewalteinwirkung können das bewusste Erleben einschränken und Ereignisse in einen Bereich des Unbewussten hinausblenden. Die Selbst-Identifikation wird auf bestimmte, meist vertraute Wahrnehmungs- und Handlungsmuster reduziert. Diese Selbst-Entfremdung führt im Menschen dann zu einem Verlust der persönlichen Kraft und in weiterer Folge auch zu gemüthaften Störungen wie Niedergeschlagenheit, Depressionen oder gar zu einer körperlichen Krankheitsanfälligkeit. In der Kompensation können Menschen dann oft auch in getriebenes Ausagieren ihrer Spannungen gehen.
In einer schamanischen wie auch in einer spirituellen Sicht wird die Fähigkeit entwickelt, die verlorenen Seelen(= Erlebnis)anteile zurückzuholen und einer Ganzheit des Selbst-Gewahrseins zuzuführen.
(c)Lucia

Vitalseele und Energiezentren

Das Zusammenwirken von einer Lokalisation im bzw. am Körper, ein funktional-feinstoffliches Erleben (z.B. Atem, körperliche Spannung bzw. Entspannung etc.) und bestimmten geistig-emotionalen Vorstellungen lassen ein Energiezentrum erleben. Diese Energiezentren im Menschen dienten in verschiedenen Kulturen als Fokus für bestimmte Erlebnisqualitäten.
In manchen Traditionen wurden die Energiezentren mehr mit dem körperlichen Erleben verknüpft, mehr in Verbindung mit der Bewegungsfähigkeit des Rumpfes und der Gliedmaßen gesehen. Andere Traditionen beschrieben die Zentren eher über geistig-emotionale Vorstellungen.
Bei den Gurung gibt es eine Dreiteilung der Seelenkörper. Diese Seelenaspekte werden auch als „Winde“ bezeichnet. Dana Bayu wird an den Füßen lokalisiert und ist auch die Verwurzelung mit der Erde. Shakti Bayu sitzt im Becken. Dieser Wind gibt dem Menschen die Kraft sich zu bewegen. Atman Bayu hat seinen Sitz im Brustbereich, speziell im Herzen, und wird als Sitz des Geistes betrachtet. Doch diese Einteilung kann wieder je nach Schamane unterschiedlich erfolgen.
Bei den Tamang kennt man sieben Seelenaspekte. Der wichtigste Aspekt befindet sich am Scheitel. Mit diesem Seelenaspekt wird Kontakt die spirituelle Verbindung zwischen Individuum und Umfeld gehalten. Ein weiterer wesentlicher Seelenaspekt ist im Herzen lokalisiert. Diese Seele ist für die geistige Wachheit, für das individuelle Bewusstsein, bedeutend. Links und rechts auf den Schultern sitzen ebenfalls Wesensaspekte. Diese Seelen sind für die körperliche Gesundheit wichtig. Verliert man einen dieser Seelenaspekte, wirkt sich dieser Verlust schwächer aus. Auch in jüngeren Jahren kann man einen Verlust dieser „Schulter-Seelen“ leichter ausgleichen. Die Anzeichen für einen Seelenverlust in dieser Region sind Frösteln, Furcht, Appetitverlust, ein Gefühl des Niedergedrückt werdens im Nacken und schwere Augenlider. Ein Verlust jener Seele am Rücken zeigt sich in Form von Steifheit, in Rückenproblemen, in schlechter Verdauung und man fühlt sich von hinten verfolgt. Auch dieser Seelenanteil hängt primär mit physiologischen Prozessen zusammen. Weiters wird in den Knien noch ein Seelenaspekt gesehen. Ein Seelenverlust hier zeigt sich in Schwächezuständen in den Beinen und in Schwindel.

Elementare Formkräfte

Elemente sind archetypische Formkräfte des Erlebens. Seelenaspekte werden daher auch in elementarer Qualität beschrieben. Die Wahrnehmung von Erde, Wasser, Feuer, Luft bzw. Wind und Raum dient als Grundmuster für die Beschreibung der Seelenfunktionen im elementaren Verständnis. So steht Erde für das Erleben von Stabilität und Festigkeit. Wasser beschreibt die Befeuchtung. Feuer charakterisiert das Temperaturempfinden. Wind in Form der bewegten Luft stellt die Bewegung dar. Und Raum ist das Erleben der Dimension, d.h. der wechselseitigen Bezugnahme der Bestandteile. Ein Verlust dieser seelischen Formkräfte zeigt sich in einem Defizit der elementaren Qualitäten.
elemente

GEISTkräfte

Genauso wie es elementare Formkräfte und Vitalzentren gibt kann man das Selbst-Gewahrsein auch in geistig-emotionalen Zentren verlieren. Diese „Zentren der GEISTkräfte“ unterscheiden sich sowohl je nach Tradition wie auch innerhalb einer Tradition oft sehr stark. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass diese Zentren von Schamanen, Yogis und Magiern in tiefen visionären Geisteszuständen erfahren wurden.
Mit ihrer visionären Schau erkannten sie die Untrennbarkeit von individuell körperlicher Lokalisation mit der äußeren Umgebung. So wurden manche Regionen des Körpers mit Wesenheiten und deren Plätzen auf der Erde in Verbindung gebracht. Das Ergebnis war eine intensive Verbindung von Individuum mit der Umgebung und eine Ausdehnung des Gewahrseins in transpersonale Bereiche.
Die Arbeit mit diesen Seelenaspekten wurde von den Schamanen, Yogis und Magiern kaum im Sinne einer klassischen Seelenrückholung betrieben, sondern wurde als Möglichkeit der spirituellen Entwicklung verstanden. Die Wesenheiten bzw. Plätze mussten daher nicht zurückgeholt, sondern die Wahrnehmung dieser Aspekte musste gereinigt werden.

Energetische Diagnostik

Bevor eine Seelenrückholung durchgeführt wird, nimmt der Schamane eine energetische Diagnose vor. Nach einer ersten Schilderung der Problemstellung durch den Klienten, kann ein einfaches Orakel (Mala oder Reis) die erste Ausrichtung des Schamanen vorgeben.
Ist das Problem schwieriger, dann wird oft eine Trance-Reise unternommen. In dieser Reise sieht der Schamane den Zustand der Seele und erkennt die Möglichkeiten der Rückholung. Die Seelenanteile erblickt der Schamane während der Reise meist als leuchtende Fäden oder Kugeln. An ihren Farben und ihrer Leuchtkraft erkennt der Schamane die Vitalität der Seele. Außerdem sieht er, ob die Seelenrückholung sich einfach oder schwierig gestaltet.

Seelenrückholung

Die Rückholung der Seele ist die zentrale Heilungsaufgabe des Schamanen. Dabei werden Seelenanteile (=Erlebnisgewahrsein) aus dem Bereich des Unbewussten wieder in die Bewusstheit des Klienten zurückgeführt. Da in der schamanischen wie der yogischen Sicht des Geist-Seele-Körper-Kontinuums „Seele“ nicht eine einzige fixe Größe ist, sondern ein Feld bzw. eine Verknüpfung aus mehreren Funktionen, kann der Schamane diese Aufgabe bewerkstelligen.
In einem Ritual zur Seelenrückholung verwendet der schamanische Heiler eine Trägersubstanz. Diese Substanz kann Wasser, Reiskörner, Blütenblätter o.ä. sein. Über ein Mantra, mit dem der Heiler seinen Geist ausrichtet, lädt er die verlorenen Seelenanteile ein, auf oder in dieser Trägersubstanz Platz zunehmen. Anschließend nimmt der Klient die Substanz in sich auf bzw. wird mit ihr in Berührung gebracht.
Das Ritual des Einladens wird so oft wiederholt, bis der Schamane die klare Empfindung hat, dass die verlorenen Seelenanteile zurückgekehrt sind. Man darf sich allerdings bei einer Seelenrückholung nicht immer das Wunder der Einmaligkeit erwarten. Genauso wie bei anderen Heilverfahren gibt es auch hier die Notwendigkeit einer Nachbetreuung bzw. Wiederholung des Rituals.

Extraktion & Austreibung

Manchmal kommt es vor, dass Seelenanteile nicht nur verloren sind, sondern von bestimmten Kräften festgehalten fühlen. Alte, überholte Lebens- und Verhaltensstrukturen können immer wieder durchlebt werden, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Das selbe Leid wird immer wieder erfahren. In diesem Fall kann man auch von einer „Besetzung“ ausgehen. Diese „Besetzung“ ist eine Vermischung von Identitätsanteilen und eine Übernahme von dem Individuum fremden Seelenanteilen. Das Gewahrsein des eigenen Erlebens wird dabei mit anderen Personen verknüpft. Aufgrund dieser mangelnden Unterscheidungsfähigkeit wird dann von Abhängigkeit bzw. Besetzung oder gar von „magischer Behexung“ gesprochen.
Im schamanischen Kontext wird dabei von Besessenheit, Liebeszauber und/oder Verhexung gesprochen. Ein Ritual zur Austreibung fremder Einflüsse, zum Durchtrennen von Abhängigkeiten etc. kann auf einer energetisch-geistigen Ebene durchaus hilfreich sein. In einem weiteren Schritt ist allerdings ein Erkennen der eigenen Geistesstrukturen und deren Bildemechanismen notwendig.
(c)Lucia

Seelenzentrum

In der Praxis der Seelenrückholung ist ein nachhaltiges Zurückbringen der Seele oft erst möglich, wenn der betreffende Mensch in sich eine Erlebnisbasis verspürt. Aus schamanischer wie auch aus yogischer Sicht wohnen in den verschiedenen Zentren der
seelischen GEISTkräfte Wesenheiten, die als Verbündete eingeladen werden können.
Diese Verbündeten können dem Menschen helfen, seine verstrickten Seelenanteile zu befreien und eine tragfähige Seelenbasis zu erleben. Durch ein Ritual der Seelenzentrierung kann ein Mensch sein Gewahrsein im HierundJetzt stärken.
Die Zentrierung des Gewahrseins im gegenwärtigen Erleben führt zu einer nachhaltigen Stärkung der individuellen Handlungsfähigkeit.

Wenn auch Sie interessante Erlebnisse und Erfahrungen zur Seelentherapie haben, würde ich mich freuen, wenn Sie einen Kommentar hinterlassen. Weiters können Sie mit mir über meine Homepage (www.enricokosmus.at oder www.lhundrub.at) oder per eMail praxis(at)enricokosmus.at in Kontakt treten. Interessantes zu weiteren Aspekten der Seelentherapie finden Sie auch auf rangdrol’s blog (http://enricokosmus.wordpress.com).