Mit ‘Gardnerian Wicca’ getaggte Artikel

Aidan A. Kelly: A Tapestry Of Witches

Samstag, 08. November 2014

Aidan A. Kelly
A Tapestry Of Witches
2014 / CreateSpace Independent Publishing Platform / ISBN 978-1499192643 / 15,45 € / 178 Seiten

Über den Autor

Aidan A. Kelly, geb. 22.10.1940, gehört sicherlich mit zu den wichtigsten amerikanischen Wiccas. Er war 1969 Mitbegründer des NRGOOD (New Reformed Orthodox Order of the Golden Dawn) in San Francisco, er half 1974 bei der Gründung des „Covenant of the Goddess“ und publizierte 1991 „Crafting the Art of Magic – Book 1 – A History of Modern Witchcraft, 1939-1964“, das erste Buch das sich mit der Geschichte von Wicca und deren Entwicklung kritisch auseinandersetzte.

Über das Buch

Raymond Buckland wurde von Gerald B. Gardner initiiert und hat Gardnerian Wicca im Jahr 1963 in den USA bekannt gemacht: Diese Information ist den meisten, die sich mit der Geschichte der Craft beschäftigen, bekannt. Aber darüber hinaus? Wie war die weitere Entwicklung? Welche Coven, welche Traditionen gab es und arbeiteten sie zusammen? Welche Personen waren involviert?

Aidan A. Kelly war dabei. Und nicht nur das. Er war einer der „Key Player“, also einer der Schlüsselfiguren. Gründer der New Reformed Order of the Golden Dawn (NROOGD), in Gardnerian Wicca und die Feri Tradition initiiert. Der heute 73-Jährige hat sich daran gemacht, die Geschichte der Craft in den USA niederzuschreiben. Deshalb hat der „Tapestry“, der Flickenteppich von Hexen, auch den Zusatz „Volume I“ bekommen, umfasst die Entwicklung bis zum Ende der 70er Jahre. Im zweiten Band will er sich den Ereignissen von 1974 bis 1983 widmen, schreibt Kelly.

Auf den ersten Blick kommt das Buch ziemlich spartanisch daher: Paperback, roter Einband (in der Auflage des Kindler Verlags auch grün), Bilder fehlen. Erster Eindruck für den Leser – hier sollen die Fakten sprechen beziehungsweise überwiegen.

Schon im Vorwort wird klar – der Mann weiß, wovon er schreibt, beziehungsweise muss es wissen, wenn er Namen wie Z. Budapest, Oberon Zell-Ravenheart, Ed Fitch oder Glenn Turner aufzählt, die er alle persönlich kennt oder noch gekannt hat. Er betont auch, dass er versucht hat, einen ungefähren Überblick zu schaffen, seine Erinnerungen alles andere als perfekt sind und er eventuelle Fehler, die ihm bei seinen Recherchen unterlaufen sind, in der zweiten Auflage korrigieren wird. Auch könne man ihn weiterhin auf solche Irrtümer aufmerksam machen.

Die Anfänge

Es ist schwierig, die Geschichte in den ersten Jahren nach 1963, nachdem Raymond Buckland Wicca nach Long Island brachte, zu verfolgen, schreibt Kelly. Es gab eine Zeitschrift, „The Green Egg Yellow Pages“, die von 1972 bis 1974 erschien, in der an die 100 Coven gelistet waren. Trotzdem hat er eine Dachorganisation ausfindig machen können – oder zumindest den Versuch, eine Dachorganisation zu gründen. Dieser Versuch wurde 1967 von Michael Kinghorn unternommen, der die „Delphic Fellowship“ in Los Angeles gründete. Daraus entstanden jedoch nicht eine, sondern viele Organisationen, die alle ihre eigenen Zwecke und ihre eigenen Regeln verfolgten. Dass nur Coven einer Tradition miteinander Kontakt haben, sei selten, schreibt Kelly. Stattdessen hätten Coven einer Stadt, einer ländlichen Gegend versucht, zusammenzuarbeiten, um gemeinsam gegen bestimmte Probleme vorzugehen und einen sogenannten „Council of Elders“ gegründet.

Vor Buckland habe es in den Staaten einige Heiden und Hexen gegeben, die geglaubt haben, sie würden eine spezielle Religion praktizieren. Der amerikanische Autor Chas S. Clifton hatte diesem Trend den Namen „Gardnerian Magnet“ gegeben, der die Ausbreitung des Heidentums in Amerika begünstigt hatte. Der richtige Beginn der Wicca-Bewegung war erst ab 1963 auszumachen, beginnend von Bucklands Gardnerian Coven in Long Island. Von dort aus breitete sich Wicca 1967 nach San Francisco und Los Angeles aus, dann 1969 nach Boston und Chicago und ab 1971 in die Region rund um Washington D.C. Um die neue Religion zu praktizieren, musste man damals noch einem Coven oder einer heidnischen Gruppe beitreten. Das änderte sich erst ab 1980, als die Festivals wie Pilze aus dem Boden schossen und die ersten heidnischen Tempel gegründet wurden. Margot Adler verweist in ihrem Buch „Drawing Down The Moon“ auf 50 Feste allein im Jahr 1985.

Auch einige Zahlen über das rasante Wachstum der neuen Religion kann Kelly vorweisen:

„In 1999, according to a survey sponsored by the Covenant of the Goddess, there were about 600.000 initiated Witches in America and so, I estimate, up to 6.000.000 practicing Pagans – and it has been growing just as fast since then. That is, this religion is clearly meeting some needs in American society that are not being met as well by other religions.” (S. 7)

Strömungen vor Gardnerian Wicca

Als stichhaltigsten Beweis dafür, dass es bereits vor dem Bucklands Coven Wicca oder so etwas Ähnliches in den USA gab, führt Kelly den Magi Orden an, der bereits 1889 von Olney H. Richmond in Chicago gegründet wurde. Den Orden gibt es auch heute noch, schreibt Kelly, aber nicht mehr den dazugehörigen Coven. Nach seinen Recherchen habe dieser Orden sexualmagisch gearbeitet und sei astrologisch orientiert gewesen.

Weiter listet er die „Fellowship of Shasta“ (gegründet am 1. Mai 1916 von Ella Young; irische Mysterien), den Harpy Coven (vor 1932; ein männlicher Gott, aber nicht der christliche), The Church of Aphrodite (1920, Long Island, gegründet von Gleb Botkin, Verehrung der Göttin Aphrodite), The Discordian Society (1957 von Gregory Hill und Kerry Wendell Thornley gegründet, Verehrung der Göttin Eris), Feraferia (gegründet 1967 von Frederick McLaurin Adams; entstand aus der Fellowship of Hesperides [1957]. Adams initiierte acht Sabbate pro Jahr, an denen gefeiert wurde), die Reformed Druids of North America (1963), The Hollywood Coven (1967 von E. Tanssan of Hollywood, in Florida gegründet, der Coven arbeitete in Roben, feierte die vier Hauptsabbate), die Feri Tradition (gegründet Mitte der 50er Jahre von Victor Anderson, die Ritualen ähnelten denen des Hollywood Covens), Daughters of the Triple Goddess (Irisches Hexentum), Cauldron of Cerridwen (aus Irland, Gründung vor 1968), Church of all Worlds (gegründet 1962 von Timothy/Oberon Zell und Lance Christie, inspiriert durch den Roman „Stranger in a strange Land“ von Robert Heinlein), die russischen-jüdischen Hexen in Los Angeles (Coven von jüdisch-russischen Immigranten, die magisch arbeiteten und einen Gott, der auch öfter mit Satan gleichgesetzt wurde, verehrten), traditionelle Hexen und die Ozark Witches (Hexen in den ländlichen Gegenden der USA).

Nicht in seine Aufzählungen eingebunden hat Aidan Kelly die Traditionen, die ihm von den Lesern seines „Patheos“-Blogs genannt wurden: Beispielsweise die „Skull and Bones“ Familientradition von Douglas McIlwain, oder die Gundella Tradition in Michigan (eine Fernsehserie in den 70ern, zu der es auch heute noch eine Internetseite gibt: http://gundella.blogspot.de/ )

Die Gardnerian Coven

Nach den Strömungen, die vor Raymond und Rosemary Bucklands Long Island Coven existierten, zählt Aidan Kelly nun die bekannten Gardnerians auf, die in den Jahren 1963 bis 1976 bekannt wurden. Dazu gehören neben den Bucklands Ed Fitch (geb. 29.04.1937), Donna Cole Schultz (1937 – 2004) und Margot Adler (16.04.1946-28.07.2014) auch ein kleiner Überblick über die Traditionen wie Seax Wicca, New Wiccan Church und Central Valley Wicca.

Joe Wilson und die Pagan Way-Tradition

Als einer derjenigen, die einen großen Einfluss auf die Wicca-Bewegung in den USA hatten, nennt Aidan Kelly Joseph Bearwalker Wilson (1942 bis 2004). Wilson stieß rein zufällig auf Wicca, als er bei einem Casting für das Theaterstück „Bell, Book and Candle“ Sean kennenlernte, der die Hauptrolle spielte. Sean erweckte in ihm das Gefühl für die Natur, lernte ihm verschiedene Überlebenstechniken. Und er wurde initiiert, da er ihn vier Tage in einer Höhle ohne Essen, Wasser und Kleidung sich selbst überließ.

Doch diese Initiation in die Geheimnisse von Mutter Erde waren Wilson zu wenig – er wollte mehr, kaufte sich alle möglichen Bücher über Okkultismus. Und war 1965 bei einem Abendessen dabei, bei dem er Doreen Valiente kennenlernte.

1965 veröffentlichte er ein Inserat in der Zeitschriften „Pentagramm“ und in seiner eigenen Publikation „The Waxing Moon“ auf der Suche nach Gleichgesinnten. Wilson erhielt an die 30 Zuschriften, eine davon von Robert Cochrane (1931 bis 1966), mit dem er über sechs Monate regelmäßig korrespondierte. Im Laufe der Jahre lernte er viele Leute kennen, die sich in Wicca aktiv engagierten, darunter Bill und Helen Mohs, Pat Kopanski, Norman Giles, Tom de Long (Gwydion Pendderwen), Tony Kelly, John Hansen, Fred und Martha Adler oder Ed Fitch.

Dass viele der Leute nur wenig Ahnung davon hatten, wie sie diese „Alte Religion“ praktizieren sollten, geht aus einer Autobiografie Wilsons hervor, aus der Aidan Kelly zitiert:

„Hundreds of the letters we got were requests for information on how to start practicing the Old Religion. We jointly decided to take Ed’s idea of an Outer Court a step or two further and we collaborated on a book of pagan religious rituals and practices suitable for those who had to start without personal guidance. Each of us contributed something of substance from our own background to share, rituals, theories, and so forth. It turned out to be a fairly decent small book.” (S.76)

In den 70er Jahren gründeten Wilson, Fitch und Hansen den Pagan Way, eine Tradition, die in ihren Grundzügen gardnerisch, aber nicht eidgebunden war. Die Hoffnung war, dass sich dadurch mehr Leute für Gardnerian Wicca interessieren würden, da von den strikten Regeln viele abgeschreckt wurden. Pagan Way bestand aus äußeren Kreisen, es gab aber auch spezielle Initiationsriten, die mit der Zeit dazukamen.

New England Coven seine Nachfolger

Im nächsten Kapitel geht es um den New England Coven of Traditional Witches und die Coven und Organisationen, die daraus hervorgingen. Gegründet wurde der in den späten 60er Jahren von Lady Gwen Thompson (Phyllis Healey, 1928 bis 1986) in North Haven im US-Bundesstaat Connecticut. Daraus bildete sich die Church of Wicca, die von George E. „Pat“ Patterson III. ins Leben gerufen wurde. In weiteren Abschnitten geht es um The New York Coven of Welsh Traditional Witches, gegründet von Edmund Buczynski (1947 bis 1989) um 1970, die Witches Craft Associates, gegründet von Leo Martello um 1970, The Gaia Group, von Roger und Chrystal Tier in New York ins Leben gerufen sowie die Universal Eclectic Wicca, eine Gruppe, die sich ab 1969 formierte.

Alexandrian Coven und andere Traditionen

Natürlich darf neben all den Traditionen auch die zweite große Tradition, die Alexandrian Tradition, nicht fehlen. Diese ist auf Alex Sanders zurückzuführen, der 1963 von Pat Kopanski, einer Initiantin von Patricia Crowther, initiiert wurde. In den späten 60er Jahren ging Jim Baker von Boston nach England und ließ sich dort von den Sanders ausbilden. Im Dezember 1970 gründete er nach seiner Rückkehr nach Boston den Coven Du Bandia Grasail. Hier traf er 1971 auf Mary Nesnick, die bereits eine Initiation in den Long Island Coven von Lady Theos hatte. Mit einer Ausbildung und Initiation von Patrick Sumner in die Alexandrian Tradition gründete sie einen Coven in New York und später die Algard Tradition.

Um 1974 zersplitterte der Du Bandia Grasail Coven in viele Nachfolgeorganisationen:

The Order of Ganymede and Coven of the Chthonioi von Ralph Des Rosiers und Starspawn, den Coven Ar Dealrach Baintighearna, aus dem wiederum Earthrose und später die Starkindler Linie hervorgingen und den Coven Uil’iomlan Tri-fillte Mathair (der Coven der omnipotenten dreifaltigen Göttin).

Aidan Kelly schreibt an dieser Stelle, dass Lady Morven die Hohepriesterin des Covens war. Ein Punkt, der von den Usern auf seinem Patheos Blog gegenteilig diskutiert wurde. Während Kelly diese Information nach eigenen Angaben aus einem Manuskript haben will, schreibt einer der Leser und schließlich Lady Morven selbst, dass diese Information nicht der Wahrheit entspricht, der Coven nur von Andras Corban Arthan geleitet wurde. Außerdem erschien das Harvest Magazin, das von Lady Morven herausgegeben wurde, von 1980 bis 1992 und nicht, wie Kelly schreibt, von 1975 bis 1993. Kelly antwortet, dass er im zweiten Band Band genauer auf die Ereignisse in Boston eingehen und die Seiten vorab Lady Morven zur Durchsicht schicken will.

Die fragwürdige Passage hat er in seinem Buch trotzdem nicht abgeändert.

Coven im übrigen Amerika

Auch diesen Strömungen hat Aidan Kelly ein Kapitel gewidmet. Dazu gehören die Church and School of Wicca, gegründet in St. Charles im Jahr 1970, Mike Nichols und die Welsh Tradition (um 1974), die McFarland Dianics (gegründet von Morgan McFarland und Mark Roberts im Jahr 1960), die American Celtic Tradition, zu denen Lady Sheba (Jessie Wicker Bell, 1920 bis 2002) und Carl Llewellyn Weschke (geboren 1930) sowie die Sisterhood and the Brotherhood of Wicca (gegründet in den 70er Jahren von Lady Cybele in Madison).

The Covenant of the Goddess

Über die Jahre hinweg gab es viele Versuche, Dachorganisationen zu gründen. Und ebenso viele scheiterten. 1974 sollte es endlich so weit sein – eine Wicca-Kirche sollte initiiert werden. Doch mit dem Begriff an sich waren viele der Beteiligten unglücklich, weshalb dann schließlich der Covenant daraus wurde.

Das Treffen fand schließlich am 1. März 1975 im Haus von Alison und Gwydion Harlow statt. 17 Coven waren anwesend. Kelly zitiert hier Alison Harlow, die damals gesagt hat, dass sich die Leute misstrauisch beäugt hätten. Sie seien nicht gekommen, um neue Freundschaften zu schließen, sondern hätten sich deshalb auf das Treffen eingelassen, um sicherzugehen, dass sie niemand über den Tisch zieht (S. 123).

In einer Präambel, auf die sich alle einigen konnten, wurde dann festgelegt, dass man dahingehend übereinkomme, die alten Götter anzuerkennen, einen Gott und eine Göttin zu verehren, durch die ethischen und traditionellen Gesetze der Religion gebunden sei und einander als Mitglieder derselben Religion anerkenne. Falls andere beschließen, dem Covenant nicht beizutreten, bedeute das nicht, dass sie deshalb keine Mitglieder der Religion sind.

Weiter wurde beschlossen, dass nur Coven Mitglieder sein könnten, die Organisation keinen Einfluss auf die Interna eines Coven habe und auch nicht selbst einen Coven gründen könne. Gleichwohl wurde in Betracht gezogen, lokale Verwaltungen zu initiieren, um Anliegen der Coven und der Craft besser handhaben zu können. Einige andere Unterzeichner neben Aidan und Alta Kelly (Coven of Eurynome, NROOGD, Oakland) waren Bill und Helen Mohs (American Tradition, La Puente), Deborah Bender, Rita Alcorn (Ursa Maior, Oakland), Ed Fitch und Janine Renee (Gardnerian, Huntington Beach), Gwydion Pendderwen (Feri Tradition) und Herb Mitchell (Gregorian Church, Edwards).

Fazit

Der Ausflug in die Geschichte der Craft in Amerika wirkt auf den Leser erst einmal überwältigend. Aidan Kelly hat eine Unmenge an Material zusammengetragen, um die Ereignisse möglichst lückenlos wiedergeben zu können. Anders als bei Michael Howards „Modern Wicca“ beschränkt sich Kelly auf die Geschichten der beteiligten Personen, persönliche Erlebnisse oder Anekdoten überwiegen nicht. Das macht das Buch aber nicht uninteressant. Im Gegenteil: Mit „A Tapestry of Witches“ ist ihm ein guter Gesamtüberblick gelungen.

Dennoch wurde von Rezensenten bei Amazon kritisiert, dass er Kapitel des Buchs zuerst auf seinem Blog (http://www.patheos.com/blogs/aidankelly/) veröffentlicht, seine Leser um Input gebeten hat, aber viele der Ideen und Korrekturen nicht miteingeflossen sind. Tatsächlich finden sich auf besagtem Blog Kommentare mit Verbesserungsvorschlägen und auch Beiträge, die ihn auf Fehler bei seinen Recherchen hinweisen, von denen Kelly einige ignoriert hat.

Im Vorwort zur ersten Auflage verweist er darauf, dass er etwaige Ungereimtheiten in der zweiten Auflage korrigieren wird.

Trotz dieser kleinen Makel bietet der „Flickenteppich“ ein umfangreiches Resümee über die Entwicklung der Craft in Amerika mitsamt ihren Organisationen, Gruppierungen und Personen, die hauptsächlich oder irgendwie am Rande dazu beigetragen haben.

Pagan und Wicca beim Militär – Teil I geschrieben von Alexandra Bader

Samstag, 09. November 2013

(1.7.2011) Etwas andere SoldatInnen in den USA – Pagans („Heiden“) und Wicca sind in Nordamerika die am schnellsten wachsenden Religionen. Auch in der Armee gibt es viele AnhängerInnen von Überzeugungen jenseits der monotheistischen (Männer-)Religionen. Das Personaldatensystem der U.S. Air Force MilMod hat bereits 2001 in einer revidierten Ausgabe Dianic Wicca, Druidentum, Gardnerian Wicca, Seax Wica, Pagan, Schamanismus und Wicca aufgeführt. Im Handbuch für Militärkaplane ist Wicca ebenfalls erwähnt, wobei Regeln für den Umgang mit Wicca und Pagan-SoldatInnen vermittelt werden.

Noch immer ist vielen die Vorstellung fremd, dass es Pagans und Wicca beim Militär gibt. Die einen meinen, nur monotheistische Konzepte hätten ihre Berechtigung, die anderen sehen einen Widerspruch zwischen Pagan oder Wicca sein und in einer Armee dienen. Carl McColman setzt sich damit im Artikel „The Pentagon and the Pentacle“ auseinander: „I, and many other granola Pagans, developed a new appreciation for the fact that our spiritual path has also been embraced by thousands–if not hundreds of thousands–of U.S. service men and women.

These Pagans often identify as warriors, blending ancient or earth-centered spirituality with the ethics and ideals of the martial arts. A leading Pagan warrior is Kerr Cuhulain, a Vancouver policeman and former Air Force officer whose books ‚The Wiccan Warrior‘ and ‚Full Contact Magick‘ celebrate the ancient – and still relevant – connection between primal spirituality and the path of the warrior.“ McColman weist darauf hin, dass die alten Göttinnen und Götter sehr wohl kämpferisch waren, wenn es darauf ankam:

„Warrior spirituality recognizes that it is a limitation to see the Goddess as some sort of romantic peacenik. Try convincing mythical Goddesses like the Hindu Kali Ma, the Irish Morrigu, or the Greek Athena that Pagan spirituality is all about peace and love. Each of these figures are ferocious, take-no-prisoner warrior queens, far more concerned with security and self-defense than with playing nice in the multi-cultural sandbox. And it’s not just the Pagan Goddesses who are tough. Gods and heroes from ancient myth often embody the heroic ideals of bravery, valour, strength and skill, all woven into a fierce determination to defend their people and protect the land. Indeed, it is the sheer idealism of such virtues that drive the warrior ethic in modern Paganism.“

Der Autor zitiert Hawk, die in der US-Armee dient und den Pfad der Kriegerin als für sie persönlich zentral beschreibt. Sie meint, dass wir in sehr gefährlichen Zeiten leben: „Pagan warriors are working very hard to keep our people safe and our borders protected. Many times, in fact, most of the time, not only is it a thankless duty, but it’s also frowned upon by many in our own magickal community.“  Auch Patti Wiginton befasst sich mit Pagan-Themen und greift immer wieder Anregungen ihrer LeserInnen bei About.com auf. so beginnt sie einen Text über Warrior Pagans mit einem Zitat: „I attended a Pagan festival not too long ago, and I was shocked by how many people there consider themselves ‚warriors.‘


I even met a bunch of men (and a woman) who are in the military – one of them had just come back from the Middle East, and another was getting ready to go over there. I was really uncomfortable around this group – how can any self-respecting Pagan have the ‚warrior mentality‘ when we’re all supposed to be peace-loving people who do no harm to others?“ Wiginton meint, „we’re all supposed to be“, also „wir sollten alle sein“ ist ein Widerspruch zu dem, was den paganen Weg für so viele Menschen attraktiv macht, nämlich dass es kein „es soll so (und nicht anders) sein“ gibt. Pagan bedeutet, seinen eigenen spirituellen Weg zu gehen.

Zwar folgen viele dabei einer Regel, niemandem zu schaden, besonders Wicca und Neopagane oder unterstützen einen friedlichen Lebensstil. Viele orientieren sich an der Wiccan Rede. Aber es gibt so viele verschiedene Pfade wie es Pagane gibt (zum Weg des Kriegers und der Kriegerin siehe auch Teil 2). Wigtinton sagt: „However – and this is a big however – there are plenty of Pagans out there whose belief system is based upon the warrior soul, a code of honor. These are the people who understand that while peace is nice, it may not always be a reality. They are the ones who stand up and fight, even when what they’re fighting for may be unpopular. Often, we find them in career fields which by their very nature put them in danger – military personnel, police officers, firefighters, etc.“

Außerdem ist die Vorstellung eines friedlichen und liebevollen Paganismus relativ modern: „The ancient societies upon which many modern Pagans base their core beliefs were rarely peaceful ones –  a culture that refused to fight was doomed to extinction right from the beginning. Instead, if you look at the historical evidence, early Pagan cultures like the Romans, the Celts, the Nordic societies – all of which are strongly represented in modern Paganism — were all, to some degree, militaristic societies. Willingness to fight was not precluded by one’s religious sensibilities.“ Wiginton ist auch etwas enttäuscht, dass sich Menschen unwohl fühlen, wenn jemand in der Nähe ist, der den Streitkräften angehört:

„No matter what your feelings about war may be, these are men and women who risk their lives half a world away – often leaving their families behind for months or years at a time – because they believe in what they are fighting for. Warriors are the ones who fight on behalf of those who can’t fight for themselves, and they do it for very little pay and without any demand for thanks. All of them have made a sacrifice, and they are worthy of, at the very least, our respect.“ Das „Opfer“ ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn viele Pagane und Wicca sind in gefährlichen Einsätzen und einige kommen dabei auch ums Leben.

Ihre Angehörigen müssen aber darum kämpfen, dass sie auch unter dem Zeichen ihrer Überzeugung beerdigt werden, wie der Guardian berichtete: „The US army allows them to fight and die for their country – but not to display the symbol of their faith on the headstones marking where they lie. That state of affairs could be about to change, however. Two widows of Wiccan combat veterans are taking the government to court demanding that the military add the pentacle to its list of 38 emblems authorised for use on gravestones.

The US department of veterans affairs (VA) recognises imagery associated with Christianity, Buddhism, Islam and Judaism, as well as smaller religions such as Sufism Reoriented, Eckankar and the Japanese faith Seicho-No-Ie. The Wiccan widows argue that the omission of their symbol is unconstitutional. The pentacle is a five-pointed star surrounded by a circle. Wiccans worship the Earth and believe they must give to the community. Some consider themselves ‚white‘, or good, witches; they may also define themselves as pagans or neo-pagans.“ Erst im Mai 2007 entschied die Veteran’s Association, dass sie das Pentagramm auf den Grabsteinen gefallener Pagans und Wicca gestattet. Dies wurde von Roberta Stuart durchgekämpft, der Witwe von Sergeant Patrick Stewart, der 2006 in Afghanistan getötet wurde.


Dabei half ihr auch das Medieninteresse für diesen „Fall“, das bis zum erwähnten britischen Guardian reichte. Allerdings ist es immer noch notwendig, auch andere Symbole durchzusetzen wie den Hammer der Asatru-AnhängerInnen. Immerhin gehört nun aber das Pentagramm zu den akzeptierten Symbolen. Grundsätzlich haben Wicca und Pagans bei US Army, Air Force und Marine Corps dieselben religiösen Rechte wie die AnhängerInnen anderer Überzeugungen. SoldatInnen können das Wort „Wicca“ auf ihre „Hundemarke“ drucken lassen, zu ihren Göttinnen oder Göttern beten und Rituale besuchen, wenn welche auf ihrer Basis durchgeführt werden.


Ende Teil I