Mit ‘Gott’ getaggte Artikel

Doreen Valiente – Witch

Samstag, 06. Mai 2017

 

Philip Heselton
Doreen Valiente – Witch
2016 / Centre For Pagan Studies Ltd / ISBN Paperback: 978-0-9928430-6-9, Hardcover: 978-0-9928430-7-6 / 357 Seiten / Gebundene Ausgabe: 35,34 Euro, Taschenbuch: 16,99 Euro

 

Über den Autor

Philip Heselton, geboren 1946, hatte schon seit seiner Jugend eine starke Beziehung zur Natur und zum Paganismus. Angeregt durch eine gut bestückte Bibliothek, interessierte er sich zunächst für Ufologie und traf auf Tony Wedd, seinen ersten Lehrer, der ihm Alfred Watkins große Entdeckung und Forschungsgebiet, die „Ley Lines“, näherbrachte. Philip gründete zusammen mit Jimmy Goddard 1965 den „Ley Hunters Club“ sowie „The Ley Hunter“ Magazine. Die Geheimnisse der Erde beschäftigten ihn so sehr, dass er darüber mehrere Bücher veröffentlichte, darunter „The Elements of Earth Mysteries“ und „Leylines – A Beginner’s Guide“. Sein Interesse an Landschaften führte ihn zu einem abgeschlossenen Studium der Geographie und er begann eine Karriere als Stadt- und Landschaftsplaner, und er wurde Naturschutzbeauftragter, bevor er 1997 in Rente ging. Er war sich immer darüber bewusst, dass es noch andere Existenzebenen als die physische gab und so interessierte er sich für psychische Phänomene und Techniken, einschließlich der Astrologie. 1960 las er zum ersten Mal Gerald Gardners „Witchcraft Today“, das ihn ansprach. In die „Craft“ wurde er jedoch erst wesentlich später initiiert. Für ihn ist Paganismus das Erfahren der tieferen, mystischen Seite der Landschaften um uns herum und dies versuchte er in verschiedenen Büchern, die beim Capall Bann Verlag erschienen, auszudrücken. Darunter „Secret Place of the Goddess“, „Mirrors of Magic“ und „Magical Guardians – Exploring the Spirit and Nature of Trees“. Seit einiger Zeit versucht er zurück zu seinen Wurzeln zu gehen und untersucht die Quellen von Gerald Gardners Schriften. Das Ergebnis sind seine beiden Bücher „Wiccan Roots“ und „Gerald Gardner and the Cauldron of Inspiration“.

 

Über das Buch

“Das ist das Buch, das ich hätte schreiben sollen”. So beginnt John Belham-Payne, der 2016 verstorbene Leiter der Doreen Valiente-Stiftung, sein Vorwort. Doreen Valiente hatte ihm nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihre magische Sammlung vermacht, darunter auch Dinge von Gerald Gardner. 2011 gründete er die Doreen Valiente Foundation. Liebevoll bezeichnet Belham-Payne Doreen als „the most remarkable person I have ever met“.

Doch das Schreiben der Biografie überließ Belham-Payne Philip Heselton, dem Experten, wie er schreibt. Weil er erkannte, dass ihm die Arbeit über den Kopf wachsen würde.

Autor Philip Heselton hingegen sah der Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits freute er sich darauf, war es doch eine für ihn würdevolle Fortsetzung der Gardner Biografie. Andererseits sei er auch ein wenig besorgt gewesen, weil er umgeben von Leuten war, die Doreen noch persönlich gekannt hatten. Im Gegensatz zu ihm.

Schon jetzt ist er sich sicher, dass diese Biografie nicht die letzte von Doreen Valiente bleiben wird, da er einiges aus ihrem Leben nur kurz gestreift und auch nicht alles aus ihrer umfangreichen Materialsammlung durchgesehen hatte. Er hat, schreibt Heselton in seinem Vorwort, nur die Oberfläche dieser gewaltigen Sammlung angekratzt, in der sicher noch viele Geheimnisse verborgen liegen.

Für seinen Streifzug durch Doreens Leben geht Heselton weit zurück. Er beginnt bei ihren Vorfahren, die aus Cerne Abas in der südwestenglischen Grafschaft Dorset stammen. Der Leser erfährt, dass Doreen eigentlich noch einen Bruder gehabt hätte, der aber nicht einmal ein Jahr alt wurde und an den Folgen eines Magengeschwürs im Jahr 1916 verstarb.

Am 4. Januar 1922 in einer Familie geboren, die nicht sehr viel von übernatürlichen Dingen hielt, merkte Doreen bald, dass sie besonders empfänglich war. Heselton schreibt über ein Erlebnis kurz vor Weihnachten, als Doreen mit ihren Eltern London besuchte und ihrer Mutter von einer wunderschön gekleideten Dame vorschwärmte, die aber nur sie sehen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete sie für den britischen Geheimdienst, lernte kurz vor Ende des Krieges auch ihren Mann Casimiro Valiente kennen, den sie am 29. Mai 1944 heiratete.

Erst als sie ihre Arbeit beim Geheimdienst beendet hatte, hatte Doreen mit 22 Jahren Zeit darüber nachzudenken, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte. Und fand die Magie. Sie durchforstete die Bibliothek in Bournemouth, wo sie zur damaligen Zeit lebte und fand nicht nur Magie, sondern vor allem die Schriften Aleister Crowleys.

Durch einen Artikel über Hexerei, der am 27. September 1952 in einem Wochenmagazin erschien, bekam Doreen Kontakt zu Cecil Williamson und traf durch ihn im selben Jahr auf Gerald B. Gardner.

In ihren Aufzeichnungen schreibt sie: „We seemed to take an immediate liking in each other. I realized that this man was no time-wasting pretender to occult knowledge. He was something different from the kind of people I had met in esoteric gatherings before.”

„Wir waren uns scheinbar auf den ersten Blick sympathisch. Ich erkannte, dass dieser Mann niemand war, der einfach nur vorgab, sich im Okkultismus auszukennen. Er unterschied sich deutlich von den Menschen, die ich bislang auf esoterischen Treffen kennengelernt hatte.“ (S. 71)

Schnell kam Doreen jedoch drauf, dass die von Gardner angepriesene „alte Religion” gar nicht so alt war. Sie entdeckte in seinem Book of Shadows Material von Aleister Crowley. Darauf angesprochen stritt er es zuerst ab. Später erklärte er ihr, er habe von Crowley die Erlaubnis erhalten, eine Loge zu leiten. Also dürfe er auch sein Material verwenden.

Schließlich war es Doreen, die Gardners „Book of Shadows“ umschrieb und letztendlich auch die „Charge of the Goddess“ neu verfasste.

Nach einigen Streitereien mit Gardner kehrte Doreen dem Coven den Rücken und gründete ihren eigenen Coven. Als Gerald Gardner ein paar Jahre später, im Jahr 1964 stirbt, ist die Betroffenheit in der Wiccan Community zuerst groß. Dann versucht jeder, der in dieser Zeit etwas zu sagen hatte, Geralds Platz einzunehmen.

Nur Doreen nicht: Heselton beschreibt sie als Person, die es nicht mochte, im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen. Als Person, die die Geschehnisse lieber aus der Ferne betrachtete und sich nicht einmischte. Sie liebte die Einsamkeit, die stille Kommunikation mit den Göttern. Hier fühlte sie sich wohl, hier war sie zuhause. Wo es menschelte, da blieb sie lieber fern.

Was Doreen Valiente nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihrer Nachwelt vermachte, waren ihre fünf Bücher.

Fazit: Mit Hilfe von John Belham-Payne (gestorben am 15. Februar 2016) und des Centre for Pagan Studies hat Philipp Heselton eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Buch des Jahres 2016 verfasst. Doreen Valiente ist und bleibt eine der interessanten und einflussreichsten Personen in Wicca. Meiner Meinung nach war es höchste Zeit, dass dieses Buch geschrieben wurde. „Doreen Valiente – Witch“ ist packend erzählt. Heselton reiht hier nicht nur stur die Stationen ihres Lebens aneinander, sondern schafft es auch, durch die eine oder andere Anekdote aus ihren Aufzeichnungen Witz und Charme rüberzubringen. Zum Beispiel an der Stelle, wo sie Gerald Gardner einen „cunning old devil“, einen „ausgefuchsten, alten Teufel nennt“, als er sie vor einem Winter Solstice-Ritual durch einen Trick dazu nötigt, ein Ritual auszuarbeiten.

Schnell wird dem Leser klar, dass Gerald B. Gardner, der „Father of Witchcraft“ selbst alles nur erfunden hat, die alte Religion in Wirklichkeit gar nicht alt, sondern nur zusammengeklaut ist. Dass die Wicca-Rituale trotzdem funktionieren, wie die „Charge of the Goddess“ im Laufe der Jahre ein Eigenleben entwickelt haben – das ist vor allem Doreen zu verdanken, der bedeutendsten von Gardners Hohepriesterinnen.

Kurzum: Philipp Heselton hat eine rundum gelungene Biografie über eine faszinierende Frau verfasst! Wenn man sich für die Wicca-Geschichte interessiert, gehört „Doreen Valiente – Witch“ unbedingt in den Bücherschrank!

Janet & Stewart Farrar – Spells and how they work

Samstag, 02. April 2016

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Erstauflage: 1990/St. Edmundsbury Press Limited/Phoenix Publishing/ISBN: 0919345638/191 Seiten

2. Auflage: 1991/3. Auflage: 1992/BCA

Über die Autoren

Stewart Farrar kam am 28. Februar 1916 in Essex in Großbritannien zur Welt. Seine Eltern waren Christian Scientists, also wurde er auch so erzogen. Doch bereits im Alter von 20 Jahren fühlte er sich zum Hexentum hingezogen. Seine Ausbildung als Journalist absolvierte er am “University College“ in London, schloss diese 1937 mit Diplom ab. In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er im Londoner Reuters Büro (1953 und 1954), war Drehbuchautor für die englischen Filmgesellschaften “Associated British-Pathe“ und “Associated British Corporation“ sowie freier Mitarbeiter der BBC. Seinen ersten Roman „The Snake on 99“ veröffentlichte Farrar im Jahr 1958. Im Jahr 1969 – Farrar arbeitete für die Wochenzeitung “Reveille“ – wurde er zu einer Pressevorführung des Films “Legend of the Witches“ geschickt. An der Vorführung nahmen auch Alex Sanders und seine Frau Maxine teil, die bei diesem Film als Ratgeber mitwirkten. Die Herausgeber der Zeitung beauftragen Stewart Farrar ein Interview mit Alex Sanders zu führen. So kam er mit Wicca in Kontakt, nahm in der Folge auch an einem Initiationsritual teil. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er mit der Arbeit zu seinem ersten Science Fiction-Roman “What Witches Do“ begann. Er ließ sich durch die Sanders ausbilden und wurde am 21. Februar 1970 in die Alexandrian Tradition initiiert. Im Coven lernte er dann auch seine spätere Frau, Janet Owen, kennen. Am 17. Oktober 1970 wurden beide von Alex Sanders in den zweiten Grad initiiert und erhielten ihren dritten Grad am 24. April 1971. Im selben Jahr wurde auch “What Witches Do“ veröffentlicht und die Farrars gründeten ihren eigenen Coven (noch bevor sie den dritten Grad erhielten). 1972 feierten sie Handfasting, legal heirateten sie 1975. Vor seiner Ehe mit Janet Owen war Stewart Farrar bereits fünf Mal verheiratet, hatte aus drei dieser früheren Ehen auch zwei Töchter und zwei Söhne. 1974 kündigte er bei “Reveille“ und war seitdem nur noch freier Mitarbeiter. 1976 zogen die Farrars nach Irland. Sie lebten in den Grafschaften Mayo und Wicklow, bis sie sich endgültig in Kells bei der Grafschaft Meath niederließen. Stewart Farrar starb am 7. Februar 2000 nach kurzer Krankheit.

Janet Farrar wurde am 24. Juni 1950 als Janet Owen geboren. Ihre Familie – die irischer, englischer und walisischer Abstammung ist – gehörten der Church of England an. Nach der Highschool arbeitete sie als Rezeptzionistin und als Model. 1970 lernte sie Alex Sanders durch eine Freundin kennen. Sie begleitete diese Freundin zu einem Treffen, weil sie diese davon abhalten wollte, dem Coven beizutreten. Statt ihrer Freundin trat letztendlich aber sie selbst bei. 

Über das Buch

Vor 26 Jahren haben die Farrars dieses Buch geschrieben. Zu einer Zeit, in der es noch kein Internet, kein Social Media gab und der Magie-Interessierte seine Frage nicht einfach in eine Suchmaschine eingeben konnte, um in Sekundenschnelle die passenden Antworten zu erhalten.

Wo heute einschlägige magische Sprüche zur schnellen Hilfe bei etwaigen irdischen Problemen auf irgendwelchen Foren oder Ratgeberseiten gefunden werden können, standen Janet und Stewart Farrar damals vor einem anderen Problem. Welches, wird im Vorwort klar. Da ersuchen sie ihre Leser, ihnen keine Briefe mit Anfragen für Zauber mehr zu schicken.

„Trying to solve the problems of dozens of strangers whom we have never met would drain us, or anyone else, in a week. It would also be irresponsible, because, however honest the writer tries to be, one cannot have the whole picture; after all, what doctor would diagnose and prescribe by post. And if you read this book carefully, we hope you will find we have pointed a way towards solving such problems for yourself.”

Auf den ersten Seiten machen die beiden Autoren also klar, warum sie dieses Buch auf den Markt gebracht haben. Es soll tausenden verzweifelten Menschen da draußen eine Anleitung geben. Ein Wegweiser in Richtung Magie. Um Zweifel zu zerstreuen, fragen sie auch im ersten Kapitel „Do Spells Work?“. Geben darauf aber keine direkte Antwort, sondern erklären, warum sich in den letzten Jahrzehnten sogar die Wissenschaft für die Magie und psychische Kräfte interessiert.

Konkreter werden die Autoren dann bei „Why and How“. Hier gehen sie auf die verschiedenen Realitätsebenen ein. Besonders die Astralebene ist die, die für Zaubersprüche sehr wichtig ist. Soll ein Zauber aber richtig wirken, muss die richtige Kommunikation zwischen allen Ebenen gefunden werden. So reagiert die Mentalebene auf Wörter, die Astral- und die physische Ebene verstehen die Sprache des Unterbewusstseins, während für die Astralebene Symbole und Bilder verwendet werden.

Das ethische Motto „An ye harm none, do what thou wilt“ erklären die Farrars damit, dass jedem Zauber ein legitimes Ziel zugrunde gelegt werden muss. Konkret: Nicht einfach dem eigenen egoistischen Willen folgen, sondern Regeln beachten. Diese sind, dass man niemals einen Zauber durchführen sollte, um jemandem zu schaden. Dass man niemanden gegen seinen eigenen Willen manipulieren sollte. Außerdem soll der, der den Zauber durchführt, niemals annehmen, dass er alle Umstände einer Situation kennt. Wichtig sei auch, niemals Magie für seinen eigenen Profit zu betreiben, wodurch jemand anderer auf der Strecke bleiben könnte. Bei der Durchführung sollte man auch genau auf die Wortwahl achten, den Spruch präzise formulieren und keinen Raum für Schlupflöcher lassen, bei denen wiederum jemand zu Schaden kommen könnte.

Um unbedarfte Menschen zu warnen, was beim Brechen einer dieser Regeln auf sie zukommen könnte, haben die Farrars das Kapitel über den „Boomerang Effect“ eingefügt. Bumerang bedeutet, dass jede physische Attacke, die gegen jemand mit einer starken physischen Abwehr gerichtet ist, dreifach auf den Ausführenden zurücktrifft.

„‘A stronger defence‘ can mean three things. First, of course, conscious and deliberate defence when you are aware of the attack. Second, the habit of keeping yourself permanently in a state of defence. And third, a naturally tough psychic skin – which many people, even without any occult knowledge or even a belief in psychism, do possess. “ (S.22)

An dieser Stelle fügen die Autoren einen Zauberspruch mit an, mit dem eine psychische Attacke an den Verursacher zurückgeschickt werden kann.

Der psychischen Selbstverteidigung ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Drei Arten von Angst gibt es, klären die Farrars auf – „Paranoia, Panik und Paralyse“, die drei P. Wie man eine gesunde psychische Selbstverteidigung aufbaut, sich gegen Angriffe schützen kann, erklären sie in diesem Kapitel. Nicht fehlen darf hier die Verteidigung gegen die sogenannten Energievampire, also Menschen, die unbewusst von anderen Energie abziehen.

Konzentration, Wille, Visualisierung und natürlich Übung sind die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Spruch. Und das Schlüsselelement fürs Gelingen: Die Energie, die man hochgezogen hat, loslassen.

„We have witnessed cases in which this has been overlooked – and the result has been not only frustration of the intent but, on the physical level, a severe headache for the practitioner.“ (S.33)

Um das passende Umfeld, also Räucherung, Öle, und die Hilfsmittel für die Visualisierung – zum Beispiel mit einer Puppe – geht es unter anderem in „Setting about it”. In diesem Kapitel finden sich auch die Farben – die zum Beispiel für Kerzenmagie gebraucht werden – mit den entsprechenden Zuordnungen und den kabbalistischen Sphären. Überdies listen die Farrars auch eine nummerologische Zuordnung der Zahlen eins bis 13 auf.

Janet und Stewart scheuen sich auch nicht davor, das heute wie auch damals heiß diskutierte Thema der Sexualmagie aufzugreifen: „Any strong emotion produces an incandescent fireball on the astral plane. […] Erotic feeling and activity engender is just about the brightest astral fireball (with its explosion at the climax of orgasm) that can legitimately be harnessed to a magical operation.” (S.48)

Sie betonen aber auch, dass Sexualmagie nur von einem Paar durchgeführt werden sollte, für die die Sexualität Teil ihrer Beziehung ist – also von Ehepartnern oder einem Pärchen. Denn: „Sex magic without love is black magic“ (S.48)

Durchgeführt werden sollte Sexualmagie dann, wenn viel Energie gebraucht wird. Hier beschreiben die Farrars ein Ritual, das für ein Kind gemacht wurde, das andernfalls gestorben wäre. Die Ärzte nannten dessen Genesung ein Wunder.

Auch fürs magische Arbeiten nach der Kabbala ist ein Kapitel reserviert. Die Farrars betonen „The Cabala is not generally regarded as a part of mainstream Wiccan tradition; some witches find it helpful, while others make a point of avoiding it. […] We are among those who find Cabalistic concepts a fruitful expansion of ‘pure’ witchcraft (if there is such a thing).“ (S.55)

Darauf, wie der Einzelne mit der Kabbalah effektiv magisch arbeiten kann, gehen die Farrars aber nicht weiter ein. Sie belassen es bei der Aufzählung der Eigenschaften der einzelnen Sephiroth und haben eine Zeichnung des Lebensbaums beigefügt.

Hier endet der eigentlich wirklich interessante Teil des Buches. Die anderen Kapitel drehen sich um um Talismane, Wetter-Zaubersprüche, Bindesprüche oder Liebeszauber, die aber meistens aus der Folklore- und Sympathiemagie stammen. Im Anhang finden sich unter anderem eine Auflistung der Planetenstunden sowie magische Alphabete.

Fazit: Der Buchtitel „Spells and how they work“ hält nicht ganz, was er verspricht. Interessant ist der Einblick in den magischen Alltag der Farrars und ihres damaligen Covens. Sie bringen auch haufenweise Beispiele von Zaubersprüchen, die durchgeführt wurden und auch zum Erfolg geführt haben. Allerdings lassen sie eines vermissen: Den konkreten Aufbau eines Rituals. Stattdessen findet der Leser „Zaubersprüche aus alten Zeiten“, darunter auch den „Ojala“-Spruch (S.77), bei dem die Autoren behaupten, das Wort wäre ein Ausdruck für „Allah“. Tatsächlich bedeutet „Ojala“ – „hoffentlich“. Auch lassen sie offen, wofür oder wogegen der Spruch wirken soll.

Aus der folkloristischen und Sympathiemagie besteht der größte Teil der Kapitel über die magischen Zaubersprüche. Natürlich könnte man dem entgegenhalten, dass die heutige Magie aus der Folklore entstanden ist. Nur hat das mantraartige Wiederholen eines bestimmten Spruchs eher etwas mit den „Wünschen ans Universum“ zu tun: Es kann etwas bewirken, es kann aber auch nichts bewirken.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die magischen Sprüche zur Heilung, die die Farrars auf drei Seiten abhandeln. Unter den hier vorgestellten Sprüchen findet sich einer zur Heilung von Knochenbrüchen, einer bei chronischen Herzproblemen, ein weiterer, um Kopfschmerzen zu heilen und ein älterer aus Ägypten gegen Schlangenbisse.

Um Herzprobleme zu heilen, soll es demnach einfach reichen, in eine Puppe, die die Person repräsentiert, einen Rosenquarz ins Herzchakra einzunähen. An diesem Beispiel wird das Problem verdeutlicht, das sich nach Ansicht der Rezensentin wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Es ist eine nette Ergänzung zu anderen Büchern, die genauer auf das Thema Zaubersprüche und Rituale eingehen. Andererseits bleiben zu viele Fragen offen, der unbedarfte Leser, der sich hier eine echte Hilfestellung in puncto „Magie und Heilung“ erhofft, wird von den beiden Autoren zu oft im Dunklen gelassen. Deshalb nur bedingt empfehlenswert!

Vergleich der Schöpfungsmythen verschiedener Kulturen – Teil IV, geschrieben von Mara

Samstag, 25. Juli 2015

Der christliche Schöpfungsmythos II: Das Paradies und der Sündenfall

In Teil Drei dieser Serie wurde die christliche Schöpfungsgeschichte dargestellt und interpretiert. In diesem vierten und letzten Teil der Serie geht es um die damit eng verbundenen Erzählungen vom Paradies und dem Sündenfall des Menschen.

Die Erzählung

Das Paradies

Im zweiten Kapitel der Genesis wird eine etwas andere Darstellung der Erschaffung des Menschen gegeben. Danach machte Gott den Menschen (Mann) aus Lehm vom Acker und blies ihm den Lebensatem ein. So wurde er ein lebendiges Wesen. Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden. Dort pflanzte er allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen standen mitten im Garten. Gott sagte zum Menschen: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ (1. Mose 2, 16-17)

Gott sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihm sei.“ Gott ließ nun Adam in einen tiefen Schlaf verfallen und entnahm ihm eine Rippe, die Stelle aber verschloss er mit Fleisch. Aus dieser Rippe baute Gott eine Frau und brachte sie zum Menschen. Dieser sprach: „Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist.“ (1. Mose 2, 21-23)

Der Sündenfall

Die Schlange war listiger als alle anderen Tiere im Felde und sprach zur Frau: „Hat Gott nicht gesagt, ihr sollt nicht vom Baum der Erkenntnis essen?“ Die Frau antwortete: „Wir essen von den Früchten aller anderen Bäume, nur nicht von den Früchten des Baumes der Erkenntnis. Denn Gott sagte, wenn wir das täten, müssten wir sterben.“ Da sprach die Schlange: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ (1. Mose 3, 1-5)

Die Frau sah, dass die Früchte des Baumes gut aussahen und es eine Verlockung wäre, sie zu essen, weil sie klug machen. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. Da entdeckten sie, dass sie nackt waren. Als Gott entdeckte, dass sie von der Frucht gegessen hatten, verfluchte er die Schlange und bestrafte den Mann und die Frau. Zur Schlange sagte er: „Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ (1. Mose 3, 14-15)

Und zur Frau sprach er: „Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, er aber soll dein Herr sein.“ (1. Mose 3, 16)

Und zum Manne sprach er: „Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen − verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ (1. Mose 3, 17-19)

Adam nannte seine Frau Eva, denn sie war die Mutter alles Lebendigen.

Anschließend warf Gott die Menschen aus dem Paradies, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens äßen und ewig leben würden. Das Paradies aber ließ er von einem Cherubin mit einem Schwert bewachen.

Interpretation der Paradiesgeschichte und des Sündenfalls

Die folgende Interpretation des Sündenfalls stützt sich vor allem auf das Buch Religion und Frau der evangelischen feministischen Theologin Elga Sorge, der deswegen ihre Lehrerlaubnis entzogen wurde.

Sie geht davon aus, dass auch in Israel um das Jahr 1000 v.u.Z. also zu Zeiten König Salomos, als diese Stellen der Bibel entstanden, das Patriarchat noch nicht fest etabliert, sondern erst ein noch durchzusetzendes Programm war. Das erklärt die Vehemenz, mit der der Verfasser dieser Geschichten der Genesis, der in der Wissenschaft als Jahwist bezeichnet wird, Eva stellvertretend für alle anderen Frauen herabsetzt. Es wird auch deutlich, welche Mühe der Jahwist mit der Umdeutung bestehender Mythen hatte (vgl. Sorge 1988, S. 107).

Aus der verehrten Urmutter und Schöpfergöttin Heba / Eva wird die Gefährtin des Mannes, die um seinetwillen aus seiner Rippe geschaffen wurde. Er ist es, der Pflanzen, Tieren und auch Eva ihren Namen gibt. Er benennt Eva mit ihrem ureigenen Namen „Mutter alles Lebenden“. Mit dieser symbolischen Handlung verleiht er Eva eine neue, von ihm herzuleitende Identität.

Die Handlung, mit der Eva ihrem Heros in ihrem Apfelgartenparadies den Liebesapfel übergibt, war ursprünglich eine Aufforderung zum Beischlaf und zugleich gab sie dem Mann symbolisch Anteil an ihrem Wissen. Daraus wird in der Genesis die Erbsünde, die die Menschheit ins Unglück stürzt, weswegen angeblich alle Menschengenerationen bis heute leiden müssen.

Das Gebären soll die Frau nicht als Ausdruck schöpferischen Geistes begreifen, sondern als Strafe Gottes. (vgl. Sorge 1988, S. 108)

Die Bestrafung Evas „Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, er aber soll dein Herr sein“ ist in der westlichen Kultur bis heute die zentrale Begründung für die Unterordnung der Frau unter männliche, patriarchale Herrschaft und in ihrer Wichtigkeit gar nicht zu unterschätzen. Diese Strafe gilt nach Auffassung der Kirche bis heute für alle Frauen, also für alle weiblichen Nachkommen Evas, selbst nach der angeblichen Erlösungstat von Jesus Christus. Dies stellte der Apostel Paulus bzw. ein anonymer Autor, der in seinem Namen schreibt, ausdrücklich auch im Neuen Testament fest: „Einer Frau gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.“ (1. Timm 2, 11-14) „Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“ (1. Kor 14, 33-35) „Der Mann aber soll das Haupt [im Gottesdienst] nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.“ (1. Kor 11, 7-9)

Generationen von christlichen Frauen haben mit Eva gehadert, hätte sie doch nur nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen, dann währe ihnen viel Leid und Demütigungen erspart geblieben…

Der Gott des Sündenfalls ist ein Gott, vor dem man sich rechtfertigen muss, weil er Verbote aufstellt und Strafen verhängt, wenn Übertretungen vorliegen. Dies ist das düstere Bild eines verbietenden und strafenden Gottes, der wie ein kontrollierendes, verurteilendes Über-Ich auftritt. Nach Elga Sorge ist es ein Gott, bzw. seine irdischen Stellvertreter, der Frauen und Männern ihre autonome Identität nimmt, ihnen authentische Erkenntnis verbietet und die Anerkennung seines unbegreiflichen Willens verlangt. (vgl. Sorge 1988, S. 116)

Der Mythos vom Sündenfall wird heute im Unterschied zu vergangenen Zeiten in der Kirche nicht mehr so groß herausgestellt. Dennoch ist er von eminenter Bedeutung. Da die Menschen nach christlicher Auffassung, die auf Augustinus zurückgeht, durch die Tat Evas von der Erbsünde befleckt und auch im juristischen Sinne schuldig sind, haben sie ein Bedürfnis nach Erlösung. Nur durch den Opfertod von Jesus Christus und wenn sie von Priestern der Kirche getauft werden, können sie in den Himmel kommen, ansonsten müssen sie allein schon wegen der Erbsünde ewig in der Hölle schmoren. Deshalb hat sich der Brauch der Kindstaufe entwickelt. Ohne den Mythos der Erbsünde wäre eine Kirche für das Heil der Menschen nicht notwendig.

Literatur:

Elga Sorge: Religion und Frau, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1988 (Erstauflage 1985).

(7072 Z.)

Vergleich der Schöpfungsmythen verschiedener Kulturen – Teil III, geschrieben von Mara

Samstag, 20. Juni 2015

Der christliche Schöpfungsmythos I: Die Erschaffung der Welt

Nachdem in den Teilen eins und zwei der matriarchale pelasgische und der indoeuropäische Schöpfungsmythos dargestellt wurden, folgt nun in zwei Teilen der christliche Schöpfungsmythos. In dem nun folgenden dritten Teil geht es um die Erschaffung der Welt und der Menschen durch den männlichen, patriarchalen Gott, im Teil vier um den Mythos vom Paradies und den Sündenfall.

Die folgenden wörtlichen Zitate stammen aus der Lutherbibel in der Version von 1985. Der christliche Schöpfungsmythos findet sich im ersten Buch Mose, oder Genesis des Alten Testaments in den Kapiteln 1 bis 3.

Es ist deshalb vom christlichen Schöpfungsmythos die Rede, weil die ersten drei Kapitel der Genesis von christlichen Autoren, am wichtigsten ist hier Augustinus, in besonderer Weise interpretiert wurden, was erhebliche Auswirkungen auf das christliche Abendland hatte. Die israelitisch-jüdische Interpretation dieser Stellen ist anders, worauf aber hier nicht weiter eingegangen werden kann. Zur Frage des christlichen Naturverständnisses sind inzwischen dermaßen viele Veröffentlichungen erschienen, die hier nicht erschöpfend behandelt werden können. Die folgende Darstellung ist deshalb vor allem als Anstoß für weitere Diskussionen gedacht.

Die Schöpfung

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (1. Moses 1, 1-5)

In den folgenden Versen wird dargestellt, wie Gott innerhalb von 6 Tagen allein aus seinem Geiste heraus alles hervorbringt, mit dem Menschen als der Krone der Schöpfung.

  • 1. Tag: Trennung von Licht und Finsternis
  • 2. Tag: Schaffung einer Feste zwischen den Wassern, die Gott Himmel nennt
  • 3. Tag: Scheidung von Festland und Meer, Erschaffung der Pflanzen
  • 4. Tag: Erschaffung von Meerestieren und Vögeln
  • 5. Tag: Erschaffung von Landtieren, von „Vieh, Gewürm und Tieren des Feldes“
  • 6. Tag: Erschaffung des Menschen nach seinem Bilde. Erschaffung als Mann und Frau (1. Moses 1, 6-27)

An diesem Tag erteilt Gott den Menschen den Herrschaftsauftrag: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1. Moses 1, 28)

Am siebten Tag ruhte Gott von all seinen Werken, die er gemacht hatte.

Interpretation der Schöpfungsgeschichte

Die Erschaffung der Welt rein durch Gedankenkraft aus dem Nichts „ex nihilo“ des einen männlichen Gottes ist eine Imitation der Erschaffung der Welt durch Gebären. In anderen Mythologien wird beschrieben, wie männliche Götter aus ihrem Kopf, aus ihrem Achselschweiß etc. gebären. Das wirkt aber ungewollt eher lächerlich. Deshalb suchten und fanden die priesterlichen Autoren der Genesis eine andere, elegantere Lösung, die bis heute das Denken der westlichen Kultur prägt. Allein geistige Hervorbringungen werden als wertvoll erachtet, während die Geburt – die Hervorbringung neuen Lebens – als Strafe, bestenfalls als unangenehme Notwendigkeit angesehen wird.

Der Satz „Seid fruchtbar und mehret euch“ ist die zentrale biblische Begründung dafür, dass die Katholische Kirche und viele fundamentalistische evangelische Kirchen den Gebrauch von Verhütungsmitteln verbieten. Nach Auffassung der katholischen Kirche muss an diesem Verbot sogar dann festgehalten werden, wenn die Welt durch die Überbevölkerung zugrunde geht. Wenn dies durch die Vorsehung, also durch Gottes Wille, so bestimmt sei, haben es die Menschen ungefragt zu akzeptieren, denn die Gläubigen kommen nach ihren Tode ja ohnehin in den Himmel, und die Welt sei laut Bibel endlich und zum Untergang bestimmt, so der katholische Theologe Jan Visser in einer Diskussion im Deutschen Fernsehen (vgl. Deschner 1988, S. 288). In diesem Sinne ist es wohl zu verstehen, wenn Papst Johannes Paul II. in seinen Predigten das Verbot der Verhütungsmittel vor allem in Entwicklungsländern einschärfte, die ein massives Problem mit dem Bevölkerungswachstum hatten und zudem auch noch stark von der Ausbreitung der Seuche AIDS betroffen waren.

Die christliche Schöpfungsgeschichte im Allgemeinen und insbesondere der göttliche Herrschaftsauftrag „Macht euch die Erde untertan!“ im Speziellen sind die zentralen Stellen der Bibel, die im Westen das Verhältnis der Menschen zur Natur bis heute wesentlich bestimmen. Nach Ansicht des US-amerikanischen Historikers Lynn White Jr. etablierte das Judentum und ihm folgend das Christentum zum ersten Mal in der Geschichte einen Dualismus zwischen Menschen und Natur. Die Natur ist dem Menschen ausdrücklich untergeordnet und zur Ausbeutung freigegeben. Sie wird im Unterschied zum antiken Paganismus nicht mehr als heilig gedacht und aus der Sphäre des Göttlichen ausgeschieden. In der Antike dagegen hatte jeder Baum, jede Quelle, jeder Strom, jeder Hügel einen eigenen Schutzgeist, auch Nymphen oder in der germanischen Mythologie Elfen genannt. Die Menschen konnten mit diesen Geistern Kontakt aufnehmen. Bevor jemand damit begann, einen Baum zu fällen, Bergbau zu betreiben oder einen Bach aufzustauen, war es wichtig, den jeweiligen Schutzgeist zu besänftigen. Die Zerstörung des Paganismus machte es möglich, die Natur auszubeuten, ohne sich um die Gefühle der jeweiligen Naturobjekte große Gedanken machen zu müssen.

Zudem war die Zeitvorstellung der Antike zyklisch, auf die ständige Wiederkehr des Jahreskreises orientiert, die christliche ist dagegen linear, sie reicht von der Erschaffung der Welt durch Gott unmittelbar bis zum Jüngsten Gericht.

Im Christentum ist das Hauptübel des Menschen seine moralische Verworfenheit, die mit der Sünde Evas begann und bis heute fortwirkt. Gute Werke und gute Lebensführung können nach christlicher Doktrin zur Erlösung des Menschen beitragen, dazu kann auch eine intensivere Ausbeutung der Natur gehören. So war es z.B. für die christlichen Zisterziensermönche des Mittelalters eine gottgefällige Tat, die Wildnis zu roden und in Kulturland umzuwandeln (vgl. White 1967, S. 4-6).

Auf jeden Fall erreichte im Mittelalter das Ansehen der Natur einen Tiefpunkt: Sie wurde als feindlich und für den Menschen verderblich betrachtet. Die irdische Welt war ein Jammertal und nur noch die Durchgangsstation zum Paradies. Die heiligen Haine der Germanen mit ihren riesigen Baumgestalten wurden systematisch gefällt und viele Tierarten, die den alten Göttern und Göttinnen heilig waren, verteufelt und erbittert bekämpft, darunter die Katze, der Wolf und der Rabe. Ja selbst Körperhygiene wurde als sündig betrachtet und von der Kirche verurteilt.

Aus diesen Gründen kommt Lynne White zu der Schlussfolgerung, dass das Christentum direkt für die technologischen Neuerungen des Mittelalters und das Aufkommen des Kapitalismus verantwortlich ist. Je nach der Einstellung zum technischen Fortschritt wird dies entweder als weltgeschichtliche Großtat ersten Ranges abgefeiert oder heftig kritisiert. Andere Autoren wie der Anarchist Murray Bookchin gehen sogar noch weiter und behaupten, dass nur das Christentum sozialkritisches Denken und die Entstehung des Sozialismus ermöglicht habe, das Heidentum dagegen in „pflanzenartigen Vorstellungen“ von Passivität gefangen sei. Ein Paradebeispiel ist für ihn die Erzählung von den Lotosessern in Homers Odyssee.

Nicht mehr die Religion allgemein, sondern nur noch das Heidentum soll das „Opium des Volkes“ gewesen sein, während das Christentum Sinn für Geschichte, Zukunft und Erlösung zu den Massen gebracht habe. Denn ein geheiligter Kosmos impliziert seiner Meinung nach eine geheiligte Gesellschaft, so dass die soziale Unterdrückung die mystische Qualität einer Naturerscheinung annehme (vgl. Bookchin 1992, S. 94-100).

Jedoch ist die Situation nicht ganz so eindeutig, wie von White und Bookchin dargestellt. Unzweifelhaft haben Religionen einen großen Einfluss auf das Handeln der Menschen, aber in letzter Instanz bilden doch die materiellen Bedingungen der Produktion und die Formen der Aneignung ihrer Produkte die Grundlage jeder Gesellschaft. So kann z.B. das weitgehende Fehlen eines technologischen Fortschritts in der Antike nicht auf den Paganismus zurückgeführt werden; vielmehr bewirkte die weitverbreitete Institution der Sklaverei, dass kein Anreiz für den Einsatz von arbeitssparenden Maschinen vorhanden war, die die Sklaven als Form der Sabotage vielfach ohnehin „unbeabsichtigt“ zerstört hätten. Als jedoch gegen Ende der Antike der Sklavennachschub zurück ging und ihre Arbeitskraft knapp wurde, setzten die Römer gelegentlich auch arbeitssparende Maschinen ein. Ein Beispiel hierfür sind die berühmten Wassermühlen von Barbegal bei Arles (vgl. Anderson 1981, S. 92ff).

Erst als die Sklaverei und das Kolonat als Ausbeutungsformen verschwanden, gab es im Mittelalter die von White genannten landwirtschaftlichen Erfindungen wie das Kummet oder die Dreifelderwirtschaft und die Wassermühle setzte sich allgemein durch. Aber auch das Mönchstum hat dazu beigetragen, dass unter der Parole ora et labora („bete und arbeite“) körperliche Arbeit aufgewertet und als Gottesdienst verstanden wurde. Damit fielen Schranken gegen technische Erfindungen und weiteren Fortschritt. Das kann allerdings nicht als die Hauptursache des technischem Fortschritts im Mittelalter und der Neuzeit angesehen werden, denn, wie Perry Anderson zutreffend bemerkt, kam es im Islam zu einer noch viel stärkeren Entzauberung der Welt, ohne dass dies der Technologieentwicklung im Orient einen bedeutenden Schub gegeben hätte (vgl. Anderson 1981, S. 161f). Die Entstehung des Kapitalismus in Europa ist ohnehin ein vielschichtiger Prozess, in der viele unterschiedliche Faktoren zusammenwirkten und kann sicherlich nicht monokausal erklärt werden.

Es ist auch zu berücksichtigen, dass das göttliche Gebot „Macht euch die Erde untertan!“ im Laufe der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums unterschiedlich interpretiert wurde. In der Antike spielte es noch keine große Rolle. Seine Auslegung wurde jedoch in den folgenden Jahrhunderten immer radikaler, insbesondere seit dem 16. Jahrhundert, also zu Beginn der Neuzeit (vgl. Hartlieb 1996). Die Zeitvorstellung des Christentums war zwar im Prinzip linear, allerdings adaptierten christliche Missionare im frühen Mittelalter den paganen Jahreskreis und wandelten in um in das Kirchenjahr, wobei christliche Feste häufig und absichtlich auf pagane Hochfeste gelegt wurden. In diesem Sinne war im Mittelalter die Zeitvorstellung der einfachen Menschen eben doch eher zyklisch als linear geprägt. Eine lineare Zeitvorstellung setzte sich dagegen erst in der Neuzeit und besonders im 19. Jahrhundert mit dem Fortschrittsdenken durch.

Auch verschwand trotz zunächst oberflächlicher Christianisierung der Glaube an die Elfen nicht sofort. Nach einem Artikel von Hans Schuhmacher vom Rabenclan geschah dies bei der einfachen Bevölkerung erst mit der Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert. Während das Gebot „Macht euch die Erde untertan!“ zunehmend ins Zentrum der theologischen Interpretationen des Alten Testaments rückte, entdeckten in der Renaissance eine Minderheit der Intellektuellen die Schönheit der Natur wieder. Hier wäre insbesondere Francesco Petrarca (1304-1374) zu nennen. In der Neuzeit wurde dieser Trend insbesondere durch die Kunstströmung der Romantik im 19. Jahrhundert verstärkt, während sich in der einfachen Bevölkerung durch den vereinigten Druck von Staat und Kirche utilitaristische und „naturfeindliche“ Ansichten immer stärker durchsetzten. Nach Schumacher geschah dies, um diese Menschen kompatibel für die Arbeit im kapitalistischen Sinne zu machen (vgl. Schuhmacher: Abschied der Alben?, 2007).

Fazit: Das Christentum hat mit seiner inhärenten Naturverachtung die Durchsetzung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sicherlich erheblich erleichtert, ist aber nicht als primäre Ursache dieser Entwicklung zu verstehen.

Die Aussage von Murray Bookchin, dass eine geheiligte Natur eine geheiligte Gesellschaft bedinge und im Paganismus deshalb Klassenkämpfe unmöglich seien, ist natürlich inhaltlich völlig falsch. Gerade in der Antike gab es eine Vielzahl von Klassenkämpfen, die vom Christentum völlig unberührt waren: So die Reformen des Solon und die Tyrannis des Peisistratos in Athen, der Sklavenaufstand des Spartacus, der Versuch einer Agrarreform durch die Gracchen in Rom und die Bagaudenaufstände in Gallien.

Dennoch wird immer wieder behauptet, dass das Neuheidentum mit seiner zyklischen statt einer linearen Zeitvorstellung und der Vorstellung eines frühzeitlichen Matriarchats genauso wie das alten Heidentum unweigerlich „zu pflanzenartigen Vorstellungen“ und der Akzeptanz der bestehenden Gesellschaftsordnungen führen müsse. So z.B. bei Kerstin Futterlieb, wo sie, Bookchin folgend, dem Aktionismus Starhawks als Ausnahme bezeichnet, der die Regel bestätige (vgl. Futterlieb 2008, S. 163). Forschungen darüber, ob und wie Neuheiden politisch aktiv sind, stellt sie allerdings nicht an; mir sind auch solche nicht bekannt. Die Untersuchung von Kathrin Fischer in ihrem Werk „Das Wiccatum“ von 2007 belegt immerhin, dass viele der interviewten Hexen und Hexer politisch in der Umweltschutz- und der globalisierungskritischen Bewegung aktiv sind.

Literatur:

Perry Anderson: Von der Antike zum Feudalismus, Frankfurt am Main 1981

Murray Bookchin: Die Neugestaltung der Gesellschaft, Grafenau 1992

Karlheinz Deschner: Das Kreuz mit der Kirche, München 1988

Kerstin Futterlieb: Neopaganismus online, 2008, im Internet: http://ediss.uni-goettingen.de/bitstream/handle/11858/00-1735-0000-000D-F246-0/futterlieb.pdf?sequence=1

Elisabeth Hartlieb: Macht euch die Erde untertan?, 1996, im Internet: http://www.auf.uni-rostock.de/oekotext/maria/oekotext/programm/seite5/p48artikelc.pdf

Hans Schuhmacher: Abschied der Alben?, 2007, im Internet: http://www.rabenclan.de/index.php/Magazin/HansSchumacherAlben

Lynn White jr.: The historical Roots of our ecological Crisis, 1967, im Internet: http://www.uvm.edu/~gflomenh/ENV-NGO-PA395/articles/Lynn-White.pdf

Im folgenden Teil Vier dieser Serie werden die eng mit der christlichen Schöpfungsgeschichte i.e.S. verbundenen Erzählungen vom Paradies und vom Sündenfall der Menschen dargestellt.

Doreen Valiente: Where Witchcraft Lives

Samstag, 16. Mai 2015

Doreen Valiente
Where Witchcraft Lives
Erstausgabe: 1962 / Aquarian Press / 112 Seiten / Hardcover
Weitere Wiederauflagen: 2010 / Whyte Tracks / ISBN: 978-8792632098 / 127 Seiten
2014 / Centre for Pagan Studies / ISBN: 978-0992843014 / 127 Seiten

Die Rezension bezieht sich auf eine Ausgabe aus dem Jahr 2010


Über die Autorin

Doreen Edith Dominy wurde am 4. Januar 1922 in Mitcham geboren. In ihrer Jugend kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Magie. 1941 heiratete Doreen Joanis Vlachopoulos, der allerdings im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ihr zweiter Mann war Casimiro Valiente – die Hochzeit fand 1944 statt. 1952 kam sie in Kontakt mit Dafo, die Gerald Gardner 1939 initiiert hatte. Dafo stellte den Kontakt zu Gardner her und dieser gab ihr 1953 den 1. Grad. Nachdem er 1964 gestorben war, wurde Doreen von Robert Cochrane in eine Hexen-Familientradition initiiert. 1972 starb ihr Ehemann. Doreen konzentrierte sich darauf hin auf das Schreiben von Büchern und veröffentlichte „ABC of Witchcraft“ (1973) und „Natural Magic“ (1975). Es folgten „Witchcraft for Tomorrow“, „Witchcraft A Tradition Renewed“, “The Rebirth of Witchcraft” und “Charge of the Goddess”. Am 1. September 1999 starb Doreen Valiente in einem Pflegeheim.

Über das Buch

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Das ist kein Buch über die Geschichte von Wicca, kein Buch über die Geschichte der Hexerei, wie es der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Doch das macht die Wiederauflage des ersten Buchs von Doreen Valiente, das ursprünglich im Jahr 1961 veröffentlicht wurde, nicht weniger interessant. Längst ist die Erstauflage nicht mehr erhältlich, weshalb es jetzt wiederaufgelegt wurde.
John und Julie Belham-Payne haben es in einer limitierten Auflage wieder auf den Markt gebracht, wobei alle Einnahmen aus dem Verkauf in den „Doreen Valiente Trust“ fließen.
Doreen Valiente hat in diesem Buch größtenteils über Sussex geschrieben. Diese Grafschaft in Südengland war zugleich ihre Heimat. Warum sie sich dazu entschieden hat, schreibt sie in ihrem Vorwort:
„This is partly because I wish to write of things I know personally, and partly because Sussex could be taken as a sample of the way in which the strange tapestry of witchcraft has been woven through the centuries.“ (S. XIX)
Tatsächlich geht es in diesem Buch nicht nur um Sussex, sondern um Sympathiemagie und Folklore, um Hexenprozesse und Coven. „Witchcraft survives all over Western Europe, and was taken by emigrants to the colonies of America and Australia”, schreibt sie im Vorwort. Und es ist stimmt: Wicca hat überlebt – bis heute!

Auf den ersten Seiten schreibt sie über den Gehörnten Gott und die Entwicklung des Teufels: „The traditional appearance of the Devil, with horns, hoofs and tail is precisly that of the Great God Pan as depicted in ancient sculptures.“ (S. 8). Trotz der Verbote, die mit der Einführung des Christentums erlassen wurden, lebte die Folklore weiter, Rituale und Festivitäten fanden ihren Platz im Leben der ländlichen Bevölkerung. In Sussex lebte der Gehörnte in der Figur des „Puck of Pook’s Hill“ weiter, der immer mit einem Besen in der einen und einer Kerze in der anderen Hand portraitiert wurde.
Natürlich gab es in Sussex auch Hexenverfolgung und Hexenprozesse. Und nicht immer wurden die, die als Hexen bezeichnet wurden, gefürchtet. Doreen Valiente zitiert aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1570, als sich der Vikar von St. Dunstan in der Nähe von Canterbury, beschwerte, dass einer inhaftierten Hexe zu viele Freiheiten gelassen wurden. In Sussex selbst wurden zwischen 1558 und 1736 15 Einwohner der Hexerei bezichtigt, vier verurteilt und nur eine im Jahr 1575 hingerichtet.

Doreen Valiente zählt die Anklagepunkte für Hexerei im Einzelnen auf – Behexung von Tieren, Verhexung von Menschen, Verhexung mit Todesfolge.
Eine Geschichte aus dem Jahr 1607 fand sie so kurios, dass sie die in ein eigenes Kapitel gepackt hat. Susanna Swapper wurde von vier Geistern heimgesucht, die ihr erzählten, dass im Garten des Hauses das Familienerbe ihrer Freundin, Ann Taylor, vergraben war. Die beiden Frauen buddelten nach dem Schatz, aber eine von ihnen musste aufgeben und so suchten sie nicht weiter. Vom damaligen Bürgermeister von Sussex wurden sie wegen Hexerei und Kommunikation mit Geistern zum Tode verurteilt. (S. 23ff)

Zu Hexenverfolgung und Hexenprozessen gehören selbstverständlich auch noch einige abergläubische Ansichten über Hexen: Wie die, dass sich Hexen in Hasen verwandeln können. An dieser Stelle erzählt sie die Geschichte über einen alten Mann, der einst in Sussex lebte. Dieser behauptet, er sei in einer Nacht rausgegangen, um Hilfe für eine kranke Person zu holen. Da habe er die Silhouette einer Frau gesehen, die er sofort erkannt hatte. Als er sie mit Namen ansprach, habe sich die Frau in Luft aufgelöst und stattdessen habe er einen Hasen erkannt, der vor ihm davongelaufen sei.
Warum sich Hexen gerade in Hasen verwandeln, begründet Doreen Valiente so, dass Hasen in der Mythologie der Mondgöttin dienen und der Hase demnach auch eng mit den Hexen verbunden ist.

Die magischen Fähigkeiten einer Hexe
Selbstverständlich reiten Hexen in der Nacht auf ihren Besen. Und sie können sich in Hasen verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie noch die Fähigkeit der Astralprojektion, das heißt, sie können ihren feinstofflichen Körper vom materiellen Körper trennen. Tatsächlich ist es der Astralkörper einer Hexe, der sich in den Hasen verwandelt. Dafür gibt es auch einige Erzählungen aus der Folklore. Wie die, dass sich italienische Stregas um Mitternacht treffen, nackt ausziehen, Körper mit allerlei Hexensalben einreiben und anschließend ihre Astralkörper auf die Reise schicken.
Dann gibt es auch noch die fantastischen Geschichten von Autoren, die gegen Hexerei schreiben: Wie etwa die, dass Hexen Gräber schänden und Kinder ermorden würden. Oder die Erzählungen von Leuten, die in Tiere verwandelt, durch den Blick einer Hexe verletzt oder gar getötet wurden. Erzählungen, die meistens vor Gericht bei einem Hexenprozess wiedergegeben wurden. Dies alles sei gegen Hexen gerichtete Propaganda, schreibt Valiente.
Gegen die Verwünschungen gab es allerlei Gegenzauber. Doreen Valiente schreibt vom Fall einer Mutter um 1593 in Sussex, deren Kind verhext worden war. Ein zauberkundiger Mann gab ihr den Rat, die entsprechende Hexe mit einem Messer in den Hintern zu stechen. Stattdessen stach sie sie mit einer Nadel in die Hand. Dieses Mittel wirkte, das Kind wurde wieder gesund.
Um herauszufinden, ob eine Person tatsächlich eine Hexe war, hatten die Inquisitoren verschiedene Anhaltspunkte. Ein sicheres Anzeichen war das sogenannte Teufelsmal, wie eine zusätzliche Brustwarze. Wenn man in diese Stelle stach, tat dies der betreffenden Person nicht weh. Oder kleine Tiere, die eine Hexe besaß und die ihr dienten. Für ihre geleisteten Dienste wurden sie mit Blutstropfen gefüttert.
Viele dieser Geschichten aus Sussex und Umgebung hat Doreen Valiente ausgegraben und in ihrem Buch festgehalten: Wie etwa die einer Hexe, die ihre Dienstbotin mit einem Zauber belegte, wenn sie ihr nicht gehorchte. Sie machte sich dann von daheim auf den Weg zum Haus der Hexe, verlief sich aber immer wieder. Wenn sie dann Stunden später dort ankam, verspottete sie die Hexe für ihre Unpünktlichkeit.
Oder die Geschichte eines Fischers, von dem die Leute glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Man erzählte sich von ihm, er könne durch ein Schlüsselloch kriechen und habe sogar seine Tochter in das Handwerk der Hexerei initiiert.
Auch ihre eigene Ansicht über die damaligen modernen Hexen, die es offenbar als schick oder In empfanden, sich als solche zu outen, lässt Doreen Valiente mit einfließen:
„Since the last of the Witchcraft Acts were repealed in 1951, it has become something of a popular gimmick to proclaim oneself a witch. […] My experience is that the louder and more frequently such claims are made, the less likely they are to be genuine. Real witchcraft, which certainly still exists, is a secret thing. The very last thing a possessor of real secrets does is to seek cheap publicity.” (S. 83)

Fazit:
“Where Witchcraft lives” ist vom Erscheinungsjahr her ein älteres Buch. Und trotzdem modern. Wie Hexen damals gesehen wurden, welche folkloristischen Mythen es über sie gab, warum sie angeklagt und auch wieder frei gelassen wurden – Doreen Valiente hat über all das geschrieben. Hauptsächlich auf die Ereignisse in Sussex bezogen, das ist richtig. Und trotzdem haben all diese Ereignisse nicht nur in Sussex stattgefunden, sondern überall in Europa.
Eine nette und durchaus sinnvolle Ergänzung für die magische Ecke im Bücherschrank!