Mit ‘Götter’ getaggte Artikel

Doreen Valiente – Witch

Samstag, 06. Mai 2017

 

Philip Heselton
Doreen Valiente – Witch
2016 / Centre For Pagan Studies Ltd / ISBN Paperback: 978-0-9928430-6-9, Hardcover: 978-0-9928430-7-6 / 357 Seiten / Gebundene Ausgabe: 35,34 Euro, Taschenbuch: 16,99 Euro

 

Über den Autor

Philip Heselton, geboren 1946, hatte schon seit seiner Jugend eine starke Beziehung zur Natur und zum Paganismus. Angeregt durch eine gut bestückte Bibliothek, interessierte er sich zunächst für Ufologie und traf auf Tony Wedd, seinen ersten Lehrer, der ihm Alfred Watkins große Entdeckung und Forschungsgebiet, die „Ley Lines“, näherbrachte. Philip gründete zusammen mit Jimmy Goddard 1965 den „Ley Hunters Club“ sowie „The Ley Hunter“ Magazine. Die Geheimnisse der Erde beschäftigten ihn so sehr, dass er darüber mehrere Bücher veröffentlichte, darunter „The Elements of Earth Mysteries“ und „Leylines – A Beginner’s Guide“. Sein Interesse an Landschaften führte ihn zu einem abgeschlossenen Studium der Geographie und er begann eine Karriere als Stadt- und Landschaftsplaner, und er wurde Naturschutzbeauftragter, bevor er 1997 in Rente ging. Er war sich immer darüber bewusst, dass es noch andere Existenzebenen als die physische gab und so interessierte er sich für psychische Phänomene und Techniken, einschließlich der Astrologie. 1960 las er zum ersten Mal Gerald Gardners „Witchcraft Today“, das ihn ansprach. In die „Craft“ wurde er jedoch erst wesentlich später initiiert. Für ihn ist Paganismus das Erfahren der tieferen, mystischen Seite der Landschaften um uns herum und dies versuchte er in verschiedenen Büchern, die beim Capall Bann Verlag erschienen, auszudrücken. Darunter „Secret Place of the Goddess“, „Mirrors of Magic“ und „Magical Guardians – Exploring the Spirit and Nature of Trees“. Seit einiger Zeit versucht er zurück zu seinen Wurzeln zu gehen und untersucht die Quellen von Gerald Gardners Schriften. Das Ergebnis sind seine beiden Bücher „Wiccan Roots“ und „Gerald Gardner and the Cauldron of Inspiration“.

 

Über das Buch

“Das ist das Buch, das ich hätte schreiben sollen”. So beginnt John Belham-Payne, der 2016 verstorbene Leiter der Doreen Valiente-Stiftung, sein Vorwort. Doreen Valiente hatte ihm nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihre magische Sammlung vermacht, darunter auch Dinge von Gerald Gardner. 2011 gründete er die Doreen Valiente Foundation. Liebevoll bezeichnet Belham-Payne Doreen als „the most remarkable person I have ever met“.

Doch das Schreiben der Biografie überließ Belham-Payne Philip Heselton, dem Experten, wie er schreibt. Weil er erkannte, dass ihm die Arbeit über den Kopf wachsen würde.

Autor Philip Heselton hingegen sah der Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits freute er sich darauf, war es doch eine für ihn würdevolle Fortsetzung der Gardner Biografie. Andererseits sei er auch ein wenig besorgt gewesen, weil er umgeben von Leuten war, die Doreen noch persönlich gekannt hatten. Im Gegensatz zu ihm.

Schon jetzt ist er sich sicher, dass diese Biografie nicht die letzte von Doreen Valiente bleiben wird, da er einiges aus ihrem Leben nur kurz gestreift und auch nicht alles aus ihrer umfangreichen Materialsammlung durchgesehen hatte. Er hat, schreibt Heselton in seinem Vorwort, nur die Oberfläche dieser gewaltigen Sammlung angekratzt, in der sicher noch viele Geheimnisse verborgen liegen.

Für seinen Streifzug durch Doreens Leben geht Heselton weit zurück. Er beginnt bei ihren Vorfahren, die aus Cerne Abas in der südwestenglischen Grafschaft Dorset stammen. Der Leser erfährt, dass Doreen eigentlich noch einen Bruder gehabt hätte, der aber nicht einmal ein Jahr alt wurde und an den Folgen eines Magengeschwürs im Jahr 1916 verstarb.

Am 4. Januar 1922 in einer Familie geboren, die nicht sehr viel von übernatürlichen Dingen hielt, merkte Doreen bald, dass sie besonders empfänglich war. Heselton schreibt über ein Erlebnis kurz vor Weihnachten, als Doreen mit ihren Eltern London besuchte und ihrer Mutter von einer wunderschön gekleideten Dame vorschwärmte, die aber nur sie sehen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete sie für den britischen Geheimdienst, lernte kurz vor Ende des Krieges auch ihren Mann Casimiro Valiente kennen, den sie am 29. Mai 1944 heiratete.

Erst als sie ihre Arbeit beim Geheimdienst beendet hatte, hatte Doreen mit 22 Jahren Zeit darüber nachzudenken, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte. Und fand die Magie. Sie durchforstete die Bibliothek in Bournemouth, wo sie zur damaligen Zeit lebte und fand nicht nur Magie, sondern vor allem die Schriften Aleister Crowleys.

Durch einen Artikel über Hexerei, der am 27. September 1952 in einem Wochenmagazin erschien, bekam Doreen Kontakt zu Cecil Williamson und traf durch ihn im selben Jahr auf Gerald B. Gardner.

In ihren Aufzeichnungen schreibt sie: „We seemed to take an immediate liking in each other. I realized that this man was no time-wasting pretender to occult knowledge. He was something different from the kind of people I had met in esoteric gatherings before.”

„Wir waren uns scheinbar auf den ersten Blick sympathisch. Ich erkannte, dass dieser Mann niemand war, der einfach nur vorgab, sich im Okkultismus auszukennen. Er unterschied sich deutlich von den Menschen, die ich bislang auf esoterischen Treffen kennengelernt hatte.“ (S. 71)

Schnell kam Doreen jedoch drauf, dass die von Gardner angepriesene „alte Religion” gar nicht so alt war. Sie entdeckte in seinem Book of Shadows Material von Aleister Crowley. Darauf angesprochen stritt er es zuerst ab. Später erklärte er ihr, er habe von Crowley die Erlaubnis erhalten, eine Loge zu leiten. Also dürfe er auch sein Material verwenden.

Schließlich war es Doreen, die Gardners „Book of Shadows“ umschrieb und letztendlich auch die „Charge of the Goddess“ neu verfasste.

Nach einigen Streitereien mit Gardner kehrte Doreen dem Coven den Rücken und gründete ihren eigenen Coven. Als Gerald Gardner ein paar Jahre später, im Jahr 1964 stirbt, ist die Betroffenheit in der Wiccan Community zuerst groß. Dann versucht jeder, der in dieser Zeit etwas zu sagen hatte, Geralds Platz einzunehmen.

Nur Doreen nicht: Heselton beschreibt sie als Person, die es nicht mochte, im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen. Als Person, die die Geschehnisse lieber aus der Ferne betrachtete und sich nicht einmischte. Sie liebte die Einsamkeit, die stille Kommunikation mit den Göttern. Hier fühlte sie sich wohl, hier war sie zuhause. Wo es menschelte, da blieb sie lieber fern.

Was Doreen Valiente nach ihrem Tod am 1. September 1999 ihrer Nachwelt vermachte, waren ihre fünf Bücher.

Fazit: Mit Hilfe von John Belham-Payne (gestorben am 15. Februar 2016) und des Centre for Pagan Studies hat Philipp Heselton eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Buch des Jahres 2016 verfasst. Doreen Valiente ist und bleibt eine der interessanten und einflussreichsten Personen in Wicca. Meiner Meinung nach war es höchste Zeit, dass dieses Buch geschrieben wurde. „Doreen Valiente – Witch“ ist packend erzählt. Heselton reiht hier nicht nur stur die Stationen ihres Lebens aneinander, sondern schafft es auch, durch die eine oder andere Anekdote aus ihren Aufzeichnungen Witz und Charme rüberzubringen. Zum Beispiel an der Stelle, wo sie Gerald Gardner einen „cunning old devil“, einen „ausgefuchsten, alten Teufel nennt“, als er sie vor einem Winter Solstice-Ritual durch einen Trick dazu nötigt, ein Ritual auszuarbeiten.

Schnell wird dem Leser klar, dass Gerald B. Gardner, der „Father of Witchcraft“ selbst alles nur erfunden hat, die alte Religion in Wirklichkeit gar nicht alt, sondern nur zusammengeklaut ist. Dass die Wicca-Rituale trotzdem funktionieren, wie die „Charge of the Goddess“ im Laufe der Jahre ein Eigenleben entwickelt haben – das ist vor allem Doreen zu verdanken, der bedeutendsten von Gardners Hohepriesterinnen.

Kurzum: Philipp Heselton hat eine rundum gelungene Biografie über eine faszinierende Frau verfasst! Wenn man sich für die Wicca-Geschichte interessiert, gehört „Doreen Valiente – Witch“ unbedingt in den Bücherschrank!

Janet & Stewart Farrar – Spells and how they work

Samstag, 02. April 2016

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Erstauflage: 1990/St. Edmundsbury Press Limited/Phoenix Publishing/ISBN: 0919345638/191 Seiten

2. Auflage: 1991/3. Auflage: 1992/BCA

Über die Autoren

Stewart Farrar kam am 28. Februar 1916 in Essex in Großbritannien zur Welt. Seine Eltern waren Christian Scientists, also wurde er auch so erzogen. Doch bereits im Alter von 20 Jahren fühlte er sich zum Hexentum hingezogen. Seine Ausbildung als Journalist absolvierte er am “University College“ in London, schloss diese 1937 mit Diplom ab. In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er im Londoner Reuters Büro (1953 und 1954), war Drehbuchautor für die englischen Filmgesellschaften “Associated British-Pathe“ und “Associated British Corporation“ sowie freier Mitarbeiter der BBC. Seinen ersten Roman „The Snake on 99“ veröffentlichte Farrar im Jahr 1958. Im Jahr 1969 – Farrar arbeitete für die Wochenzeitung “Reveille“ – wurde er zu einer Pressevorführung des Films “Legend of the Witches“ geschickt. An der Vorführung nahmen auch Alex Sanders und seine Frau Maxine teil, die bei diesem Film als Ratgeber mitwirkten. Die Herausgeber der Zeitung beauftragen Stewart Farrar ein Interview mit Alex Sanders zu führen. So kam er mit Wicca in Kontakt, nahm in der Folge auch an einem Initiationsritual teil. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er mit der Arbeit zu seinem ersten Science Fiction-Roman “What Witches Do“ begann. Er ließ sich durch die Sanders ausbilden und wurde am 21. Februar 1970 in die Alexandrian Tradition initiiert. Im Coven lernte er dann auch seine spätere Frau, Janet Owen, kennen. Am 17. Oktober 1970 wurden beide von Alex Sanders in den zweiten Grad initiiert und erhielten ihren dritten Grad am 24. April 1971. Im selben Jahr wurde auch “What Witches Do“ veröffentlicht und die Farrars gründeten ihren eigenen Coven (noch bevor sie den dritten Grad erhielten). 1972 feierten sie Handfasting, legal heirateten sie 1975. Vor seiner Ehe mit Janet Owen war Stewart Farrar bereits fünf Mal verheiratet, hatte aus drei dieser früheren Ehen auch zwei Töchter und zwei Söhne. 1974 kündigte er bei “Reveille“ und war seitdem nur noch freier Mitarbeiter. 1976 zogen die Farrars nach Irland. Sie lebten in den Grafschaften Mayo und Wicklow, bis sie sich endgültig in Kells bei der Grafschaft Meath niederließen. Stewart Farrar starb am 7. Februar 2000 nach kurzer Krankheit.

Janet Farrar wurde am 24. Juni 1950 als Janet Owen geboren. Ihre Familie – die irischer, englischer und walisischer Abstammung ist – gehörten der Church of England an. Nach der Highschool arbeitete sie als Rezeptzionistin und als Model. 1970 lernte sie Alex Sanders durch eine Freundin kennen. Sie begleitete diese Freundin zu einem Treffen, weil sie diese davon abhalten wollte, dem Coven beizutreten. Statt ihrer Freundin trat letztendlich aber sie selbst bei. 

Über das Buch

Vor 26 Jahren haben die Farrars dieses Buch geschrieben. Zu einer Zeit, in der es noch kein Internet, kein Social Media gab und der Magie-Interessierte seine Frage nicht einfach in eine Suchmaschine eingeben konnte, um in Sekundenschnelle die passenden Antworten zu erhalten.

Wo heute einschlägige magische Sprüche zur schnellen Hilfe bei etwaigen irdischen Problemen auf irgendwelchen Foren oder Ratgeberseiten gefunden werden können, standen Janet und Stewart Farrar damals vor einem anderen Problem. Welches, wird im Vorwort klar. Da ersuchen sie ihre Leser, ihnen keine Briefe mit Anfragen für Zauber mehr zu schicken.

„Trying to solve the problems of dozens of strangers whom we have never met would drain us, or anyone else, in a week. It would also be irresponsible, because, however honest the writer tries to be, one cannot have the whole picture; after all, what doctor would diagnose and prescribe by post. And if you read this book carefully, we hope you will find we have pointed a way towards solving such problems for yourself.”

Auf den ersten Seiten machen die beiden Autoren also klar, warum sie dieses Buch auf den Markt gebracht haben. Es soll tausenden verzweifelten Menschen da draußen eine Anleitung geben. Ein Wegweiser in Richtung Magie. Um Zweifel zu zerstreuen, fragen sie auch im ersten Kapitel „Do Spells Work?“. Geben darauf aber keine direkte Antwort, sondern erklären, warum sich in den letzten Jahrzehnten sogar die Wissenschaft für die Magie und psychische Kräfte interessiert.

Konkreter werden die Autoren dann bei „Why and How“. Hier gehen sie auf die verschiedenen Realitätsebenen ein. Besonders die Astralebene ist die, die für Zaubersprüche sehr wichtig ist. Soll ein Zauber aber richtig wirken, muss die richtige Kommunikation zwischen allen Ebenen gefunden werden. So reagiert die Mentalebene auf Wörter, die Astral- und die physische Ebene verstehen die Sprache des Unterbewusstseins, während für die Astralebene Symbole und Bilder verwendet werden.

Das ethische Motto „An ye harm none, do what thou wilt“ erklären die Farrars damit, dass jedem Zauber ein legitimes Ziel zugrunde gelegt werden muss. Konkret: Nicht einfach dem eigenen egoistischen Willen folgen, sondern Regeln beachten. Diese sind, dass man niemals einen Zauber durchführen sollte, um jemandem zu schaden. Dass man niemanden gegen seinen eigenen Willen manipulieren sollte. Außerdem soll der, der den Zauber durchführt, niemals annehmen, dass er alle Umstände einer Situation kennt. Wichtig sei auch, niemals Magie für seinen eigenen Profit zu betreiben, wodurch jemand anderer auf der Strecke bleiben könnte. Bei der Durchführung sollte man auch genau auf die Wortwahl achten, den Spruch präzise formulieren und keinen Raum für Schlupflöcher lassen, bei denen wiederum jemand zu Schaden kommen könnte.

Um unbedarfte Menschen zu warnen, was beim Brechen einer dieser Regeln auf sie zukommen könnte, haben die Farrars das Kapitel über den „Boomerang Effect“ eingefügt. Bumerang bedeutet, dass jede physische Attacke, die gegen jemand mit einer starken physischen Abwehr gerichtet ist, dreifach auf den Ausführenden zurücktrifft.

„‘A stronger defence‘ can mean three things. First, of course, conscious and deliberate defence when you are aware of the attack. Second, the habit of keeping yourself permanently in a state of defence. And third, a naturally tough psychic skin – which many people, even without any occult knowledge or even a belief in psychism, do possess. “ (S.22)

An dieser Stelle fügen die Autoren einen Zauberspruch mit an, mit dem eine psychische Attacke an den Verursacher zurückgeschickt werden kann.

Der psychischen Selbstverteidigung ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Drei Arten von Angst gibt es, klären die Farrars auf – „Paranoia, Panik und Paralyse“, die drei P. Wie man eine gesunde psychische Selbstverteidigung aufbaut, sich gegen Angriffe schützen kann, erklären sie in diesem Kapitel. Nicht fehlen darf hier die Verteidigung gegen die sogenannten Energievampire, also Menschen, die unbewusst von anderen Energie abziehen.

Konzentration, Wille, Visualisierung und natürlich Übung sind die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Spruch. Und das Schlüsselelement fürs Gelingen: Die Energie, die man hochgezogen hat, loslassen.

„We have witnessed cases in which this has been overlooked – and the result has been not only frustration of the intent but, on the physical level, a severe headache for the practitioner.“ (S.33)

Um das passende Umfeld, also Räucherung, Öle, und die Hilfsmittel für die Visualisierung – zum Beispiel mit einer Puppe – geht es unter anderem in „Setting about it”. In diesem Kapitel finden sich auch die Farben – die zum Beispiel für Kerzenmagie gebraucht werden – mit den entsprechenden Zuordnungen und den kabbalistischen Sphären. Überdies listen die Farrars auch eine nummerologische Zuordnung der Zahlen eins bis 13 auf.

Janet und Stewart scheuen sich auch nicht davor, das heute wie auch damals heiß diskutierte Thema der Sexualmagie aufzugreifen: „Any strong emotion produces an incandescent fireball on the astral plane. […] Erotic feeling and activity engender is just about the brightest astral fireball (with its explosion at the climax of orgasm) that can legitimately be harnessed to a magical operation.” (S.48)

Sie betonen aber auch, dass Sexualmagie nur von einem Paar durchgeführt werden sollte, für die die Sexualität Teil ihrer Beziehung ist – also von Ehepartnern oder einem Pärchen. Denn: „Sex magic without love is black magic“ (S.48)

Durchgeführt werden sollte Sexualmagie dann, wenn viel Energie gebraucht wird. Hier beschreiben die Farrars ein Ritual, das für ein Kind gemacht wurde, das andernfalls gestorben wäre. Die Ärzte nannten dessen Genesung ein Wunder.

Auch fürs magische Arbeiten nach der Kabbala ist ein Kapitel reserviert. Die Farrars betonen „The Cabala is not generally regarded as a part of mainstream Wiccan tradition; some witches find it helpful, while others make a point of avoiding it. […] We are among those who find Cabalistic concepts a fruitful expansion of ‘pure’ witchcraft (if there is such a thing).“ (S.55)

Darauf, wie der Einzelne mit der Kabbalah effektiv magisch arbeiten kann, gehen die Farrars aber nicht weiter ein. Sie belassen es bei der Aufzählung der Eigenschaften der einzelnen Sephiroth und haben eine Zeichnung des Lebensbaums beigefügt.

Hier endet der eigentlich wirklich interessante Teil des Buches. Die anderen Kapitel drehen sich um um Talismane, Wetter-Zaubersprüche, Bindesprüche oder Liebeszauber, die aber meistens aus der Folklore- und Sympathiemagie stammen. Im Anhang finden sich unter anderem eine Auflistung der Planetenstunden sowie magische Alphabete.

Fazit: Der Buchtitel „Spells and how they work“ hält nicht ganz, was er verspricht. Interessant ist der Einblick in den magischen Alltag der Farrars und ihres damaligen Covens. Sie bringen auch haufenweise Beispiele von Zaubersprüchen, die durchgeführt wurden und auch zum Erfolg geführt haben. Allerdings lassen sie eines vermissen: Den konkreten Aufbau eines Rituals. Stattdessen findet der Leser „Zaubersprüche aus alten Zeiten“, darunter auch den „Ojala“-Spruch (S.77), bei dem die Autoren behaupten, das Wort wäre ein Ausdruck für „Allah“. Tatsächlich bedeutet „Ojala“ – „hoffentlich“. Auch lassen sie offen, wofür oder wogegen der Spruch wirken soll.

Aus der folkloristischen und Sympathiemagie besteht der größte Teil der Kapitel über die magischen Zaubersprüche. Natürlich könnte man dem entgegenhalten, dass die heutige Magie aus der Folklore entstanden ist. Nur hat das mantraartige Wiederholen eines bestimmten Spruchs eher etwas mit den „Wünschen ans Universum“ zu tun: Es kann etwas bewirken, es kann aber auch nichts bewirken.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die magischen Sprüche zur Heilung, die die Farrars auf drei Seiten abhandeln. Unter den hier vorgestellten Sprüchen findet sich einer zur Heilung von Knochenbrüchen, einer bei chronischen Herzproblemen, ein weiterer, um Kopfschmerzen zu heilen und ein älterer aus Ägypten gegen Schlangenbisse.

Um Herzprobleme zu heilen, soll es demnach einfach reichen, in eine Puppe, die die Person repräsentiert, einen Rosenquarz ins Herzchakra einzunähen. An diesem Beispiel wird das Problem verdeutlicht, das sich nach Ansicht der Rezensentin wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Es ist eine nette Ergänzung zu anderen Büchern, die genauer auf das Thema Zaubersprüche und Rituale eingehen. Andererseits bleiben zu viele Fragen offen, der unbedarfte Leser, der sich hier eine echte Hilfestellung in puncto „Magie und Heilung“ erhofft, wird von den beiden Autoren zu oft im Dunklen gelassen. Deshalb nur bedingt empfehlenswert!

Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen – Teil III, geschrieben von Myriad Hallaug Lokadís

Samstag, 03. Oktober 2015

Lass die Gottheit das Thema wählen

Das ist wichtig. Viele von uns betrachten Divination als ein Mittel, spezifische Fragen zu einem bestimmten Thema zu fragen, und darauf mehr oder weniger spezifische Antworten zu erhalten. Ich habe das mit Loki probiert, und es hat zu einer der bewegendsten Erfahrungen geführt, die ich mit Ihm bislang erleben durfte. Er antwortete — aber wie.

Die Karten, die ich bekam, enthielten tatsächlich eine Antwort auf meine Frage — ohne Trollen — aber sie enthielten auch die Antwort auf die Frage die ich stattdessen hätte stellen sollen, und zwar gleich in mehreren Ebenen: eine individuelle Ebene, eine Gemeinschaftsebene und eine abstraktere, Big-Picture-Ebene. Ein anderes Mal waren die Bedeutungsebenen anders kategorisiert (diesmal in einen spirituellen, einen alltagsweltlichen und einen psychologischen Aspekt). Und bei wiederum einem anderen Versuch, kamen nochmal andere Schichtungen als Nachrichten an. Es war wunderschön zu lesen, und Ehrfurcht erregend.

Was ich damit ausdrücken will ist: einen Gott kann man nicht auf ein Konzept festnageln. Man kann schon Fragen stellen, aber man sollte keine spezifische Art von Antwort erwarten.

Loki ist nicht gerade überraschender Weise ein Experte, wenn es um Wortgewandtheit geht, und er „spricht“ Tarot fließend und virtuos, wenn Du Ihm nur Seinen eigenen Umgang damit lässt.

Eine andere Art, Ihn, bzw. Deine Gottheit das Thema wählen zu lassen, ist es, einfach keine Frage zu stellen (ich weiß, Divinationspuristen werden sich bei diesem Vorschlag die Haare zu Berge stellen). Trotzdem: ich habe das jetzt schon eine Weile lang so gemacht, mit zunehmender Fähigkeit, Ihn und Seinen Willen wahrzunehmen und in meinem Leben zu gestalten.

Wenn ich keine Frage stelle, evaluiere ich einfach die Karten, die ich bekomme unter dem Aspekt, das, was ich direkt von Ihm empfangen/empfunden habe, nochmals zu hinterfragen bzw. ergänzen. Für jemanden wie mich, der stark dazu neigt, alles, was in meinem Kopf stattfindet (und das schließt Götterkommunikation ein!) zu hinterfragen, können blind gezogene Karten, die genau das Gehörte widerspiegeln, einfach eine große Hilfe sein, mich in Lokis Sinne in Bewegung zu setzen.

Lass die Gottheit den Ton und Inhalt der Nachricht bestimmen

Ich habe eingangs mein „kleines schwarzes Buch“ erwähnt, das während der Deutung der Legung zum Einsatz kommt. In diesem Buch habe ich zu jeder Karte Assoziationen und „Grundbedeutungen“ aufgeschrieben.

Ich benutze es, wie ich etwa ein Wörterbuch für eine Fremdsprache benutze, mit der ich sehr vertraut bin (Englisch zum Beispiel): Immer, wenn ich ein Wort nachschauen muss, geht es (auch bzw. hauptsächlich) um die Frage der Nuance. Mit Tarot und Loki ist das genau so. Wenn ich eine Karte nachschlage, gibt es meist eine Handvoll Assoziationen, die sofort beginnen zu leuchten und sich mir förmlich aufdrängen, während die Mehrzahl einfach nur Worte bleiben. Diese „Leuchtschrift“ zu erkennen braucht ein bisschen Übung, und wahrscheinlich wird man sich anfangs an allen Ecken und Enden hinterfragen… aber es wird irgendwann einfacher.

Die Gesamtheit der Phrasen bzw. Assoziationen, die einem entgegenspringen, bestimmen den generellen Ton der Nachricht — der kann genau das sein, was man sich erhofft hat, oder aber auch nicht. Niemand mag gerne die Leviten gelesen bekommen, aber wenn das der Fall ist, dann ist es wirklich wichtig, dass man trotzdem zuhört, egal wie unangenehm und bisweilen schmerzlich das ist. Es bedeutet, dass deine Gottheit dir etwas mitteilt, und wenn Du Sie ignorierst, dann hat die ganze Übung gar keinen Sinn. Letztlich setzt Du damit die Kooperationsbereitschaft der Gottheit und die Funktion des Divinationswerkzeugs aufs Spiel.

Der Sinn dieser Phase ist es, sich mental für die Nachricht zu öffnen, die man erhalten wird. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn Du geistig an gewissen Formulierungen hängst, die Du irgendwo mal gelesen hast, oder selbst erstellt hast: die Gottheit wird damit arbeiten. Du brauchst dir auch keine Gedanken machen, wenn nicht sofort etwas „passiert“. Es gab da mal eine Legung, für die ich wirklich Tage gebraucht habe, bis ich mich drauf eingestellt hatte (teilweise weil ich es einfach nicht sehen wollte, und dazu hatte Loki auch ein paar sehr direkte Worte zu sagen).

Wenn ich erst einmal ein Gefühl für den Ton und das ganz allgemeine Thema der Nachricht habe, lasse ich Loki einfach reden. Es fällt mir ein bisschen schwer, zu beschreiben, was in dieser Phase passiert. Ich begebe mich in einen leichten Trancezustand und höre Ihm zu, während ich gleichzeitig aufschreibe, was Er mitteilt.

Wenn Du’s nicht raffst, frag einfach

Aber was macht man, wenn sich einfach kein „Aha“-Moment einstellt? Die gute Nachricht ist: man kann immer nach zusätzlichen Klarstellungen fragen. Die andere gute Nachricht ist, dass wenn Du wirklich gerade „das Doofe“ machst (also sehen, aber nicht sehen wollen), dann wirst Du einfach noch mehr verwirrendes Zeug erhalten, was letztlich dann umso mehr Sinn ergeben wird, wenn Du die „Doof-Brille“ ablegst.

Aber manchmal kommt es schon vor, dass die Karten einfach in dem Moment nicht genügend hergeben. Zum Beispiel könnte es sein, dass Du einfach in eine ganz andere Richtung denkst, als das, was die Gottheit dir zeigen möchte.

Generell wähle ich Klarstellungskarten genauso, wie ich auch alle anderen Karten wähle: ich lasse wählen. Es gab ein paar Legungen, bei denen mir Klarstellungen echt weitergeholfen haben (und das, obwohl Loki unter dem Ruf steht, entweder total unsubtil oder total Troll zu sein — stimmt aber nicht, offenbar).

Divination für andere

Divination für andere betreibe ich generell eher nicht. In Ausnahmefällen kann es schon einmal vorkommen, aber wenn, dann findet es auf persönliche Anfrage und mit Lokis Einverständnis statt. Innerhalb der letzten drei Jahre ist das eine knappe Handvoll Male passiert, also wirklich selten.

Für andere benutze ich ein anderes Kartendeck, aber im Grunde genommen die gleiche Methode. Insgesamt aber gilt: ich arbeite nicht als Orakel; meine Arbeit mit/für Loki dreht sich nicht primär darum, Menschen Nachrichten zu überbringen, und darum bin ich eigentlich wirklich froh.

Meine Divination ist sehr polytheistisch im spezifischen Sinne — ich sehe Lokis Kommunikation strikt als die Kommunikation eines eigenständigen Wesens mit einem Willen und einer Existenz außerhalb meiner selbst. Das ist es, was mir die Karten zeigen, und nicht etwa Aspekte meines eigenen Wesens. Weiterhin ist diese Divination auch sehr „Lokianisch“ — sie spielt sowohl Ihm als auch mir in die Hände (Ihm, indem Sie Ihm Freiheit und reichhaltige Möglichkeiten gibt, Seine Wortgewandtheit einzubringen, und mir durch die relativ klare Methodik und den einfachen Zugang zum Spirituellen über das Intellektuelle).

Und schließlich ist Divination für mich ein Mittel, meine Beziehung zu Loki zu vertiefen — und das ist generell (Ausnahmen bestätigen die Regel) auch das einzige Ziel, das ich damit verfolge. In diesem Rahmen hat mir Divination in den letzten drei Jahren und ein paar Zerquetschten sehr gute Dienste geleistet, und ich hoffe, dass meine Erfahrung für den einen oder die andere von Nutzen sein wird.

Keine lieben Kätzchen – Kemetische Katzengottheiten – Teil III, geschrieben von Richard Chao

Samstag, 05. September 2015

Schesemu ist ein oft als löwenköpfig (manchmal auch widderköpfig) dargestellter Gott, der Herr der Parfüm, -Salben, -Myrrhe, -Wein -und Salbenherstellung. Auch als ein Gott der Balsamierung wird er genannt.

„…er ist Schesemu, der sie für Unas zerstückelt und ein Mahl kocht für ihn aus Ihnen…“

PicsArt_1432323528111Wenn man weiß, wie wichtig diese Bereiche für die ägyptische Kultpraxis waren, erkennt man in Schesemu einen durchaus wichtigen Gott. Eine starke Ambivalenz zu diesen Bereichen ist die Schilderung Schesemus als (wohlgesinnter) Unterweltsdämon und Folterknecht des Osiris. Wie meist bei ägyptischen „Dämonen“ (die auf ägyptisch genauso „netjer“ genannt wurden wie die Götter) hat auch hier der Begriff keinen Bezug zu einer bösartigen Gesinnung, Dämonen sind sehr oft einfach nur niedere Gottheiten oder Wesenheiten, die vor allem in der Duat präsent sind.
Eine interessante Überlieferung, auch im schamanistischen Sinne, schildert Schesemu als einen Dämon, der andere Götter schlachtet und in einem Kessel kocht. Was damit vermutlich verdeutlicht wird, ist der Akt in dem Schesemu die magischen und göttlichen Fähigkeiten der Götter (für den König) destilliert und kocht.

>>>[Ich habe ihn als Löwen in einem Buschland oder einer Savanne getroffen. Anschließend war ich in einem Gangsystem, überall mit Keilschrift an den Wänden. Am Ende dann in einem fensterlosen Raum, auch dieser über und über mit Schriftzeichen bedeckt. In dem Rahm war dann Schesemu und fragte mich was ich wolle, woraufhin ich mich lieber verdrückt habe.]<<< -Mandy

>>>[Ja, so eine Begegnung kann durchaus eindrucksvoll sein.]<<< -Chao

>>>[An einige der Schriftzeichen kann ich mich noch erinnern, Anubis in priesterlicher Gebetshaltung, ein Boot und eine liegende Mondsichel.]<<< -Mandy

Eine uralte Göttin ist Tefnut, dargestellt als menschengestaltig mit Löwenkopf.

„…Wenn Re den Himmel jeden Morgen durchfährt, dann ruht Tefnut auf seinem Haupt und sendet ihren Feuerhauch gegen seine Feinde…“

PicsArt_1432323577234Im Schöpfungsmythos ist sie eine der ältesten Entitäten und steht auch für die Wahrheit. Sie geht zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Schu aus dem Schöpfergott Atum hervor und stellt damit eine sehr archaische Kraft dar, vielleicht eine Art Urfrau, die auch immer wieder mit anderen katzen- oder löwengestaltigen Göttinnen verschmilzt.

Bekannt ist beispielsweise die Verschmelzung mit Sachmet und Bastet, durch die Inschrift „Als Sachmet ist sie zornig, als Bastet fröhlich.”
Obwohl sie löwenköpfig dargestellt wird, wird sie eher als nubische Katze beschrieben, erst im Zorn wird sie zur „wilden Löwin“. Sie stellt auch die Uräusschlange dar und selbstverständlich ist sie ein Sonnenauge des Re.

>>>[Tefnut hat mich an eine alte, einsame Berglöwin erinnert, kein Rudeltier jedenfalls. Dann wie eine Frau mit entblößten Brüsten und Löwenkopf. Ich nahm sie schwebend über einer weiten ruhigen Wasseroberfläche war. Um sie herum der aufsteigende Dunst des Wassers im Morgenlicht der Sonne vor strahlend blauem Himmel. Ihr Unterkörper war nicht zu sehen, er war wie gläsern und schien sich in dem Dunst aufzulösen. Sie schien den ganzen Luftraum auszufüllen. Sie wendete sich mit geschlossenen Augen der Sonnenscheibe zu und kehrte mir den Rücken, als wollte sie ihr Gesicht von der Sonne anstrahlen lassen. Dann sah ich sie allein hoch oben auf einem Felsvorsprung sitzen und die untergehende Sonne betrachten.]<<< -Sati

>>>[Ja, das deckt sich stark mit meinem Bild. Eine für mich eher ferne Göttin, die einen Schatten auf die anderen Löwinnen wirft und diese dadurch auch einen Teil von Tefnut in sich integrieren. Im positiven Sinne.]<<< -Chao

>>>[Ich bin zu einer Oase gekommen, einem Haus dort und einem Hausaltar und einem dazu gehörigen Krug. Mir kam eine Abessinerkatze in den Sinn und der Eindruck einer volksnahen Göttin, die in fast jedem Haus verehrt wird, assoziiert mit dem Schutz von Frauen, vor allem bei der Geburt, aber auch mit Tanz.]<<< -Bruji

>>>[Das trifft ziemlich genau den Bastet-Aspekt von Tefnut!]<<< -Chao

Auch Wosret ist eher Katze als Löwin, sie wird als bewaffnete Katze mit Messern oder auch als löwenköpfige Schlange dargestellt. Wosret ist eine weitere Schutzgöttin. Selbstverständlich beschützt sie den König, gilt aber auch als Schutzpatronin der Jugend. Ihr Name bedeutet „Die Starke“ und wird daher auch gern als Beiname für verschiedene andere Göttinnen in späterer Zeit verwendet.

Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen – Teil I, geschrieben von Myriad Hallaug Lokadís

Samstag, 05. September 2015

Manche holen sich divinatorischen Rat bei anderen, manche machen’s lieber selbst — und wieder andere nutzen gar keine Divination in ihrer Praxis. Ich betreibe Divination selbst, und in ein paar ganz seltenen Fällen habe ich auch schon einmal andere befragt.

Für mich ist Divination keine Sache der nordischen polytheistischen Tradition, obschon ich mich dieser Tradition zugehörig fühle und es bekannt ist, dass die Menschen früher bestimmte Methoden verwendet haben, um die Zukunft vorherzusagen (oder, wie ich eher glaube, den Willen der Götter zu interpretieren). Viel eher ist Divination für mich eine mystische Praxis: Sie unterstützt meine Religionspraxis, meine Erfahrung und meine Erkenntnisse, die aufgrund meiner zentralen, persönlichen Götterbeziehung einen ausgeprägten mystischen Charakter haben.

Ein Wort vorweg an alle, die sich viel zu Herzen nehmen, was sie lesen: Solltest Du irgendwo das Gefühl bekommen, ich würde mich über Dich und Deine Praxis lustig machen, so sei Dir an dieser Stelle versichert, dass es sich bei den Einzelheiten, die ich besprechen werde, strikt um Abstraktionen meiner eigenen Fehler (oder Erfolge) handelt.

Divination als Kommunikation?

In meiner Praxis ist Divination der Akt der Verwendung gewisser physischer/materieller Werkzeuge, um von nicht-physischen Wesenheiten Informationen zu gewinnen, die für mich relevant sind. Hier möchte ich auf zwei wichtige Grundannahmen meiner Divinationspraxis eingehen.

Die erste ist, dass ich Divination als Methode betreibe, etwas von einem Wesen zu lernen, das außerhalb meiner selbst existiert. Dies steht im Gegensatz zu der gängigeren Annahme, mittels Divination erfahre man etwas über sein eigenes Unterbewusstsein. Man muss sich aber nichtsdestoweniger im Klaren sein, dass die Information, die man erhält, obwohl sie nicht aus dem Unterbewusstsein stammt, dennoch durch das Unterbewusstsein passieren muss. Das Unterbewusstsein ist der formbarste Teil unseres Geistes, einfach weil wir per Definition uns seiner nicht bewusst sind, und nicht mutwillig punktuell in seine Prozesse eingreifen können. Das macht unser Unterbewusstsein zu einem hervorragenden Werkzeug für Manipulanten, seien sie jetzt göttlicher Natur oder nicht. Denn wenn wir ehrlich sind: Kommunikation mit Gottheiten, und vor Allem der Art, in der Götter uns Information zu transferieren, wohnt ein Aspekt der Manipulation inne.

Ein Gott ist ein mächtiges Wesen — manchmal erlebe ich das so direkt, konkret und großflächig, dass es mich ein bisschen schockiert, wie mächtig Götter sind. Aber Sie können unsere Körperlichkeit nicht umgehen. Wir haben Gehirne, und Gehirne haben gewisse Funktionsprinzipien, die nicht einmal Götter ändern können oder wollen. Ein bewusster Gedanke erscheint nicht einfach so aus dem Nichts, sondern hängt von einer Reihe zusammenhängender unbewusster Vorgänge im Gehirn ab. Ohne diese Vorgänge, in dieser Kombination, würde der Gedanke nicht entstehen. Damit uns Götter etwas Konkretes mitteilen können, müssen sie also in die Prozesse unseres Unterbewusstseins gestaltend eingreifen.

Divination unterstützt diesen Prozess, indem das Unterbewusstsein mit Hilfe von Bildern oder anderen physischen Eigenschaften eines Divinationswerkzeugs auf bestimmte Arten stimuliert wird. Deshalb ist dein Divinationswerkzeug das potenzielle Kommunikationswerkzeug deiner Gottheit.

Lass die Gottheit sprechen (Sie kann das recht gut!)

Das bringt mich zu meiner zweiten wichtigen Grundannahme, die da lautet: das Divinationswerkzeug kommuniziert nicht. Deine Gottheit kommuniziert.

Das heißt dein Pendel, Orakeldeck, oder was auch immer Du benutzt, sagt dir nicht die Dinge, die Du erfährst, sondern deine Gottheit. Götter beherrschen in ganz fantastischem Ausmaß Dinge wie Koinzidenz und Zufälligkeit. Sie sind wahre Meister des Zufalls, und benutzen ihn kreativ. Das heißt, dass Divinationswerkzeuge, die auf zufälligen oder sehr (im mathematischen Sinn) chaotischen Prozessen beruhen, außerordentlich gut zum Zufallstalent von Gottheiten passen. Guckst Du dir gern Wolken an? Perfekt. Karten, Würfel, irgendwas wirklich zufälliges? Sehr fein! (Ich ziehe bei Pseudozufall meine Trennlinie, da es beim Pseudozufall keinen Indeterminismus gibt, es sei denn, der Pseudozufallsgenerator wird mit echtem Zufall geseedet; Wenn etwa der Shuffle-Algorithmus vom iPod das nicht tut, dann ist er nicht zufällig. Du denkst nur, er sei’s.)

Runen sind im Hinblick auf die Grundannahme des stummen Werkzeugs eher ein bisschen tricky. In manchen Kreisen ist die Annahme verbreitet, die Runen seien selbst unabhängige Geistwesen. Ich bin da sehr skeptisch, vor Allem, weil es keinerlei Anhaltspunkte gibt, dass Runen historisch so gesehen wurden. Keine belastbaren Anhaltspunkte gibt es weiterhin dafür, dass sie auch nur zu Divinationszwecken eingesetzt wurden, bevor die Neuzeit mit Runenlesen à la Stephen Flowers aufwartete. Nichtsdestotrotz habe ich zu wenig Erfahrung mit Runendivination, um einschätzen zu können, ob sie sich für meine Art Divination eignen würden. Ich benutze sie nicht, weil es zu vieles gibt, was ich nicht über sie weiß — einerseits — aber vor Allem benutze ich sie deswegen nicht, weil die Liebe meines Lebens (das ist Loki, für den Fall, dass es unklar ist) mir keinen Grund zu der Annahme gibt, Er sei irgendwie unzufrieden damit, meine üblichen Werkzeuge — ein Tarot-Kartenset und ein Pendel — zu benutzen.

Ob nun Runen eigenständig sind oder nicht sei dahingestellt: auf jeden Fall benötigt man für diese Art der Divination ein Werkzeug, keine automagischen Quasselstrippen.

Ja, aber ich hab‘ gehört, dass Karten nicht neutral „gemischt“ sein können?

Die kurze, nerdige Antwort darauf ist: It’s not a bug, it’s a feature.

Wenn Du schonmal nach Divinationstipps gefragt hast, wird dir vermutlich schon mal jemand den Hinweis gegeben haben, dass die Karten zu „deinem Nachteil gemischt sein könnten“. Was soll das überhaupt heißen?

Für meine Begriffe ist das nur eine wichtig klingende Art, zu sagen, dass die Gottheit, die Du befragst, die Karten so manipulieren könnte, dass Du nicht die „Wahrheit“ — also einen postulierten Pseudo-Willen der Karten — zu Gesicht bekommst, sondern genau das, was die Gottheit dich sehen lassen will. Aber in dem Divinationsparadigma, das ich benutze, ist das genau das, was Du willst.

Wir lassen nicht die Karten sprechen, sondern der Gott spricht, indem Er Seinen unnachahmlichen Zugang zu Zufälligkeit dazu nutzt, dir genau die Karten hinzulegen, die Du brauchst, um die Nachricht lesen zu können. Genauso einfach und logisch ist es. Loki manipuliert Karten? Ich hoffe es und zähle darauf, dass Er das tut! Es macht ja keinen Sinn, etwas vermeiden zu wollen, das unausweichlich ist. Man kann aber schlau sein, und den unausweichlichen Umstand zum beiderseitigen Vorteil nutzen.

Loki ist nicht der einzige Gott, der Divinationswerkzeuge manipulieren kann — Er ist aber derjenige unter den Göttern, die ich kennengelernt habe, der am eindrucksvollsten den Zufall biegen und Seinem Willen unterwerfen kann. Wenn man das versteht, liegt es auf der Hand, wie diese Neigung bewusst sowohl zu Seinem als auch unserem Vorteil genutzt werden kann. (Zu einem gewissen Grad gilt das für alle Gottheiten nicht „bloß“ Loki.)

Ende Teil I