Mit ‘Hase’ getaggte Artikel

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Jimmy finden noch einen ganz besonderen Freund von Evelien Roos übersetzt von Anufa

Samstag, 21. März 2015

Jimmy, der Igel erwachte durch den Duft der Sonne auf dem feuchten Waldboden, der seine kleine Nase kitzelte. Ahhhhh, endlich war der Frühling da. Er erinnert sich daran, wie kalt der Schnee bei seinem letzten Ausflug gewesen war und wie er den großen Gott Pan und Isobel, einen ganz besonderen Menschen, getroffen hatte. Er frage sich, ob sie wohl wieder bei den Steinen sein würde und beschloss, dass er das, nach einem herzhaften Frühstück, überprüfen wollte.

Den Bauch mit Würmern und Insekten gut gefüllt, bummelte Jimmy durch den Wald. Die Bäume mussten ihre Blätter noch entfalten, aber die Sonne hatte tatsächlich schon an Stärke gewonnen. Ihre goldenen Strahlen linsten durch die Zweige und wärmten den kleinen Igel schön auf. Da hörte er Tumult. Es klang wie wenn ein Hase oder ein Kaninchen in vollem Lauf durchs Unterholz preschte. Jimmy wusste, dass Hasen und Kaninchen schreckhaft waren aber hauptsächlich weil es dafür auch gute Gründe gab, dass sie wie der Wind liefen. Nur um sicher zu gehen, rollte er sich ein und versteckte sich unter einem Busch. Er hörte das Tier näher und näher kommen und dann … rannte es mitten in ihn rein!

„Autsch“, rief er. Jimmy rollte sich schnell aus und fand heraus, dass ein Hase ihn böse anschaute.
„Warum um der Großen Grünen Erde Willen, liegst du hier herum, von oben bis unten voller Stacheln und bist mir im Weg!“ grantelte der Hase.
Jimmy zwinkerte. Das war unfair! Er war aus dem Weg gegangen, damit ihn niemand sehen könnte oder sich an seinen Stacheln verletzen würde. „Das hab ich nicht absichtlich gemacht!“ sagte er. „Warum hast Du es erst so eilig und nimmst dir jetzt soviel Zeit mich anzuschreien? Ich dachte du wärest von einem Fuchs gejagt worden oder sowas.“
Der Hase schnaubte. „Ein Fuchs, wirklich! Kein Fuchs würde es wagen mich zu jagen“ sagte er grantig. „Ich habe gespielt und habe diesen Lauf durch den Wald sehr genossen.“
Das kam Jimmy sehr seltsam vor. „Ich dachte mir, dass ein hungriger Fuchs nicht zögern würde, ein Stück aus deinem Hintern zu beißen. Du schaust gut gefüttert und stark aus.“
Der Hase schaute beleidigt drein. „Würden sie NIE tun!“, rief er. „Meine Herrin wäre sehr zornig, wenn sie das täten.“
Das erstaunte Jimmy. „Deine Herrin? Du bist ein zahmer Hase?“
Der Hase schaute Jimmy an, als ob er das dümmste Wesen wäre und kaum wert, dass er ihm aufwändig etwas erklären sollte. „Nein, du dummes Tier. Meine Herrin ist dort hinten und jetzt gehe ich zu ihr, Sie braucht mich.“

Er stellte seine Vorderpfoten auf den Boden um loszuhoppeln, aber sofort quietschte er und zog wie wieder zurück. „Autsch! Jetzt schau dir an, was du und dein stachliger Rücken angstellt haben! Einer deiner Stacheln ist abgebrochen und steckt zwischen meinen Zehen! Ich kann nicht mehr hoppeln!“ Der Hase schaute wild im Kreis herum. Ein panischer Blick kroch über sein Gesicht. „Meine Herrin! Sie ist WEG! Ich kann sie nicht finden!“

Jimmy tat der Hase leid. Der schaute wirklich bestürzt aus. Dann kam ihm eine Idee! Wenn Isobel bei den Steinen war, dann könnte zumindest sie diesen Stachel aus der Pfote des Hasen heraus ziehen.
„Hase, mir nach. Ich kann Hilfe holen!“ Diese ganze „ich bin besser als du“ Attitüde war weg und der Hase humpelte hinter Jimmy nach.
Die kleine Nase auf den Boden gepresst, erschnüffelte sich Jimmy seinen Weg in Richtung der Steine, wo er Isobel getroffen hatte. Von ganzen Herzen hoffte er, dass Isobel dort sein würde. Da war der Weg … da waren die Steine … Jimmy roch aber noch etwas anderes und das erfüllte sein Herz mit Freude! Narzissenkerzen! Isobel war da.“

Er wieselte aus dem Unterholz und eilte in Richtung der grün gekleideten Frau, die im Zentrum eines Kreises kniete. Der Hase hielt sich misstrauisch im Hintergrund. Jimmy stupste Isobel ans Knie und sie schaute erstaunt nach unten.

„Hallo, kleiner Freund! Woher weißt du denn, dass ich da bin?“, wunderte sie sich. Sie tätschelte seine pelzige Schnautze und Jimmy wurde es ganz warm und kribbelig vor lauter Freundschaft zu diesem ganz besonderen Menschen. Der Hase bewegte sich immer noch nicht. Jimmy drehte sich um und sagte, „Na komm! Sie kann dir mit deiner Pfote helfen!“
Der Hase zögerte aber humpelte dann doch endlich in den Kreis. Isobel brauchte etwas länger aber hob den Hasen dann doch vorsichtig hoch.

„Ach du liebe Zeit, Du bist verletzt!“ Sie drehte den Hasen vorsichtig um und untersuchte seine Pfoten. Ganz vorsichtig zog sie den Stachel, der sich zwischen seine Pfoten gebohrt hatte, heraus. „Na schau! Ist schon wieder gut!“ Sie setzte den Hasen wieder ab. Der war bemüht sein Gewicht auf beide Vorderpfoten zu verteilen und machte ein paar Testhoppler.
Jimmy war sehr froh, an Isobel gedacht zu haben, war aber traurig, dass der Hase seine Herrin noch immer nicht gefunden hatte. Isobel setzte sich neben ihn und sagte, „Weisst du, du hast vielleicht diesen heiligen Tag gerettet, indem du den Hasen hierher gebracht hast. Der weiße Hase sollte zu Ostara der Gefährte der Göttin Ostara selber sein!“ Sie zwinkerte Jimmy zu.

Jimmy war völlig verwirrt. Konnte das wirklich sein? Gerade da, warf der Hase seinen Kopf herum. Jimmy und Isobel folgten seinem Blick und beide erstarrten beim Beobachten der Szenerie. Der große Gott Pan und eine wunderschöne Frau mit goldenem Haar hatten den Kreis betreten. Überall wo die Frau ihren Fuß hinsetzte, erblühten Frühlingsblumen und sie selbst schien mit der Wärme der Sonne zu strahlen. Sie beugte sich zu Jimmy und Isobel hinunter und sagte, „Danke Jimmy und dir Isobel, dass ihr meinem, ein wenig übermütigen, Kameraden geholfen habt.“ Sie küsste Isobel anf die Stirn und streichelte Jimmy über den Rücken. Dann hob Ostara den Hasen auf, drehte sich um und Sie und Pan waren weg.

Isobel schluckte und sagte, „Jimmy heißt Du also.“ Dann lachte sie und lachte und lachte. Jimmy stand nur da und ließ dass alles noch einmal durch seinen Kopf gehen.

Isobel begann ihre Sachen einzupacken und sagte, „Nur andere Hexen könnten mir das glauben, wenn ich es erzählen würde. War hatten sehr viel Glück, kleiner Jimmy.“ Sie nahm ihn hoch und küsste ihn auf seine kleine Knopfnase. Dann setzte sie ihn wieder ab und sagte, „ An Beltane bin ich wieder zurück!“

Dann ging sie und verließ Jimmy, der sich wunderte, was denn wohl Beltane wäre und wie lang es dauern würde, dort hin zu kommen.

Die Geschichte, warum Mutter Mond ist wie sie ist, geschrieben von Crysalgira

Samstag, 20. September 2014

Zu jener Zeit, als Mondmädchen und Sonnenjunge noch in der Welt lebten, kamen eines Tages Hase, Wolf, Bär, Adler und Pferd zu Bruder Wind, dem ältesten und weisesten der Geschöpfe, um ihm eine Frage zu stellen, die sie sehr beschäftigte. Salamander hatte ursprünglich mitkommen wollen, es sich dann aber doch anders überlegt und war lieber auf seinem warmen weißen Stein liegen geblieben.

Bruder Wind, kannst du bitte ein wenig stillhalten?“ sagte Hase. „Wir möchten dich gerne etwas fragen und du kannst uns bestimmt Antwort geben.“ Bruder Wind war sehr geschmeichelt. Ja, er wusste wirklich viel und lernte auch jeden Tag etwas Neues und er half gerne. Also tanzte er nur noch als kleiner Wirbelwind durch das Gras. „Fragt nur – für euch habe ich immer Zeit“, pfiff er freundlich.

Bruder Wind, dann sag uns doch bitte, warum Mutter Mond so ist wie sie ist! Wir wissen inzwischen, dass die Nacht der Sterne jene Zeit ist, wo sie sich bei Vater Sonne ausruht. Aber warum ist ganz dünn, bevor sie verschwindet? Ist sie da so müde? Und warum kommt sie noch dünner wieder, wenn sie sich doch ausgeruht hat? Warum ändert sie ständig ihre Gestalt? Vater Sonne ist doch auch immer gleich, auch wenn er hinter den Wolken steckt.“

Bruder Wind, dem ältesten und weisesten der Kinder von Mutter Mond und Vater Sonne, fiel etwas unangenehm auf. Er wusste die Antwort nicht! Diese Frage hatte er sich nie gestellt, es war einfach so, seit es ihn gab. Und das war schon sehr lange. Also hatte Bruder Wind jetzt ein Problem. Er konnte doch nicht zugeben, dass er etwas nicht wusste!

Ähhh – also – das ist, weil ….“ Er verstummte und dachte verzweifelt nach. „Da muss ich erst noch darüber nachdenken, wie ich euch das erklären soll. Morgen um die gleiche Zeit treffen wir uns wieder hier und dann sage ich es euch.“ Pfiff’s und wirbelte davon, so schnell er konnte. Die Bäume bogen sich auf seinem Weg und knarrten empört.

Also wurde er etwas langsamer und entschuldigte sich bei dem Wald, den er gerade gehörig gerupft hatte. Ungeduldig wartete er, bis es Abend wurde. Kaum erschien der erste schwache Lichtschein von Mutter Mond am Horizont, sauste er zu ihr.

Guten Abend, mein lieber Wind!“ begrüßte Mutter Mond ihn freundlich.

Wind holte erst einmal tief Luft, was in seinem Fall hieß, dass er einen kräftigen Luftstrom erzeugte. „Hallo, Mutter Mond“, flüsterte er dann.

Wind, was ist denn los? Möchtest du es mir nicht erzählen?“

Bruder Wind hatte kein Problem, gegenüber Mutter Mond zuzugeben, dass er etwas nicht wusste. Und ein wenig schämte er sich auch für die Ausrede, die er gegenüber seinen Freunden gebraucht hatte. Also sagte er ihr auch, warum er es nicht wusste, weil er nie darüber nachgedacht hatte.

Ach, Wind, das ist doch nichts Schlimmes, wenn man einmal etwas nicht weiß. Man kann ja immer fragen! Wirklich dumm ist nur der, der nicht nachfragt. Und es ist auch nicht schlimm, dass du über manche Dinge nie nachgedacht hast. Ich weiß, du denkst sehr viel und bist sehr neugierig und willst alles wissen, was es zu wissen gibt – aber manche Dinge sind einfach und bedürfen keiner Erklärung.“

Hast du dafür vielleicht ein Beispiel, damit ich es auch ganz sicher richtig verstehe?“ fragte Wind schüchtern.

Aber ja!“ lächelte Mutter Mond. „Sieh mal, Vater Sonne und ich lieben unsere Geschöpfe. Das ist einfach so und das muss nicht erklärt werden.“

Glücklich schmiegte sich Wind an Mutter Mond. Ja, das war einfach so und es war gut. Nach einer Weile gewann aber doch wieder seine Neugier die Oberhand. „Und meine Frage?“ pfiff er leise.

Das will ich dir gerne erklären und du kannst es dann deinen Freunden sagen, wie du es ihnen versprochen hast.

Meine sich wandelnde Gestalt ist ein Sinnbild der Zeit, ein Sinnbild von Werden, Sein und Vergehen.

Wenn ein Kind geboren wird, wenn ein Pflanzensamen sprießt, dann sind sie klein und zart. Ich werde zwar nicht geboren -“ sie lächelte und Bruder Wind nickte stürmisch, das wusste er, Mutter Mond war ewig, wie die Sterne, „aber wenn ich nach der Nacht der Sterne zurückkehre, dann habe ich mich erneuert, so wie der Frühling nach dem Winter wiedergeboren wird.“

Erneut nickte Bruder Wind, wenn auch ein wenig langsamer. Er begann zu verstehen.

Wenn ein Kind erwachsen genug ist, wenn eine Pflanze die rechte Größe erreicht hat, dass sie selbst Nachkommen haben, dann sorgen sie damit dafür, dass der Kreis des Lebens immer fortbesteht, dann ist meine runde Gestalt ein Sinnbild für diese Zeit, für diesen Kreis des Lebens.“ Mutter Mond lächelte. „Ich glaube, du weißt wie es weiter geht, also sprich – versuch‘ es!“

Bruder Wind zappelte ganz aufgeregt. „Also, wenn ein Lebewesen dann älter wird, wenn eine Pflanze langsam vergeht, dann werden sie wieder schwächer und irgendwann kehren sie zurück in das Dunkel, wo sie sich ausruhen, bis sie wiedergeboren werden. Habe ich es verstanden?“

Ja“, nickte Mutter Mond. „Und du hast einen Teil ganz alleine herausgefunden, mit ein paar Hinweisen. Glaubst du, dass du nun deinen Freunden ihre Frage beantworten kannst?“

Das kann ich ganz sicher. Ich danke dir, Mutter Mond. Ich glaube, ich werde mich jetzt ein wenig ausruhen.“ Sprach’s und rollte sich zusammen.

Als er am nächsten Morgen erwachte, war Mutter Mond natürlich schon weg. Aber trotzdem pfiff er ein lautes „Danke!“, denn er wusste, sie würde ihn hören, wo immer sie auch war. Er schüttelte sich ein bisschen, dass es staubte, und machte sich auf den Weg zu seinen Freunden.

Als er angewirbelt kam, warteten sie schon auf ihn. Dieses Mal war sogar Salamander mitgekommen. „Guten Morgen!“ pfiff er fröhlich. „Ich habe eure Antwort mitgebracht und Mutter Mond selbst hat sie mir gesagt. Naja, einen Teil habe ich selbst herausgefunden ….“

Nachdem er ihnen seine Unterhaltung mit Mutter Mond erzählt hatte, nickten die Freunde verständig. „So betrachtet ist es vollkommen klar. Danke, dass du für uns gefragt hast, Bruder Wind! Wenn wir wieder etwas wissen möchten, dann kommen wir wieder zu dir.“ Mit diesen Worten liefen, hoppelten, krabbelten und flogen sie davon.

Bruder Wind aber hatte noch etwas Wichtiges gelernt. Weisheit bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen. Mit sich und der Welt wieder zufrieden sauste er davon.