Mit ‘Heilpflanze’ getaggte Artikel

Wolf-Dieter Storl: Der Selbstversorger – Mein Gartenjahr (inkl. DVD)

Samstag, 11. Juni 2016

selbstversorger-gartenjahr

Wolf-Dieter Storl
Der Selbstversorger – Mein Gartenjahr (inkl. DVD)
06. Februar 2016 / Gräfe und Unzer Verlag / EUR 19,99 / ISBN: 3833851651 /  128 Seiten

 

Über den Autor

storlbioDr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als 11-jähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.

Über das Buch
Vor drei Jahren brachte Wolf-Dieter Storl sein Buch „Der Selbstversorger“ heraus. Mit „Der Selbstversorger – Mein Gartenjahr“ legt er noch einmal nach – und das dicke: Denn das Nachfolgewerk ist mehr als ein Buch. Band II kommt mit einer DVD und einer App zur Gartenpraxis.
Aber der Reihe nach: Band I geht es hauptsächlich um das „How To“. Wie legt ein Bio-Hobbygärtner einen Garten an, um zu jeder Jahreszeit auf frisches Obst und Gemüse zurückgreifen zu können? Welche Pflanzen eignen sich für welche Böden? Und wie wird kompostiert? 
In der Fortsetzung geht es hauptsächlich um – wie der Titel schon sagt – das Gartenjahr. Was muss der im Frühling beachtet werden? Und was im Sommer, Herbst und Winter?
Seinen Garten-Streifzug beginnt Storl mit der Auflistung der richtigen Gartenwerkzeuge und der Pflege derselben. Hier rät er: „Im Spätherbst, nach Abschluss der Gärtnerarbeit, werden die Werkzeuge gründlich eingeölt und die metallenen Teile eingefettet, Bewässerungsschläuche, Folien, Plastikgießkannen sollten nicht an der Sonne aufbewahrt werden, denn diese hat eine zersetzende Wirkung auf Gummi und Kunststoff.“ (S.19)

Nach diesen ersten Instruktionen geht’s mitten rein ins Gartenjahr: Und das beginnt mit dem Vorfrühling, laut Storl bereits kurz nach Lichtmess am 2. Februar. Der Boden muss umgegraben werden, Mulch abgetragen, Beete gelockert und ab Ende Februar können sogar schon Zuckererbsen, Möhren, Gartenkresse oder Radieschen gesät werden. 

Das Jahresrad dreht sich weiter zum Erstfrühling. Dies ist der Zeitpunkt nach dem 17. März, dem Tag der christlichen Heiligen Gertrude. Danach kann man – auch wenn die Nächte noch kalt sind – mit der Aussaat der robusteren Wurzelgemüse wie Pastinake, Möhren, Rote Beete, Wurzelpetersilie, Schwarzwurzel beginnen. 

Den Vollfrühling macht der Ethnobotaniker im April fest. Der richtige Zeitpunkt, um viele Gemüsearten, beispielsweise Melonen, Paprika, Zuckermais oder Gurken zu säen.

Auf diese Art unterteilt Wolf-Dieter Storl das Gartenjahr nach seinen unterschiedlichsten Merkmalen, gibt unter anderem Tipps, wie man Schädlingen Herr werden kann, Saatgut selber ziehen kann oder erklärt die eine oder andere Heilpflanze genauer, beispielsweise den Giersch oder die Studentenblume. Auch verrät er dem Leser seine Favoriten unter den Gemüsen – nach Jahreszeiten unterteilt: Hier finden sich die Brennnessel, Radieschen, Spinat, Tomate, Mangold, Lauch, Endivien oder Zuckerhut.

Wie eingangs erwähnt, kommt das Buch auch noch mit einer DVD und einer App. Auf der DVD zeigt Wolf-Dieter Storl alle Arbeitsschritte in seinem eigenen Garten. Diese Tipps gibt es auch per App. Dazu muss lediglich die kostenlose GU Garten & Natur Plus-App aufs Smartphone geladen werden. Die App wird gestartet und das Buch ausgewählt. Wer sich nun durch das Buch blättert, entdeckt bei einzelnen Bildern das Handy-Symbol. Einfach scannen und los geht’s.

Fazit: Ein empfehlenswerter, kompakter Ratgeber für Hobbygärtner. Das I-Tüpfelchen ist die interaktive Verknüpfung mit interessanten Tipps aus Storls eigenem Erfahrungsschatz.

 

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Roa und Gschtettn – Pflanzen am Rande der Gesellschaft – Teil IV

Samstag, 06. September 2014

Als heutige Pflanze des Wegrandes (Roa) beziehungsweise der abgeschrägten Brachflächen (Gschtettn) möchte ich euch zwei aus der Familie der Artemisia vorstellen – den Beifuß und den Wermut. Die Familie Artemisia gehört zu den Korbblütler und umfasst ungefähr 250 bis 500 verschiedene Arten – dazu zählen unter anderem die Edelraute, der Beifuß, die Stabwurz und den Wermut. Beheimatet sind die Arten der Artemisia hauptsächlich in den gemäßigten Zonen in Nordamerika und Eurasien. In Afrika und in Südamerika sind nur vereinzelt Vorkommen zu finden.

Bereits bei den Griechen (Dioskurides und Plinius) wurden verschiedene Arten der Artemisia beschrieben. Ihren Namen hat sie laut Überlieferung entweder von der Göttin Artemisia, weil die Wirkstoffe der Pflanze besonders bei Frauenkrankheiten hilfreich sind, oder aber von der griechischen Königin Artemisia (Gattin des Mausolos von Halikarnassos), die ihre Heilkräfte in der Volksmedizin bekannt gemacht hat.

Alle Mitglieder der Artemisia-Familie erreichen in ihrem Wuchs eine Höhe von 3 Zentimeter bis zu 3 Meter und sind ein- bis zweijährige krautige Pflanzen. Vor allem die Bitterstoffe und die ätherischen Öle machen sie als Heil- und Gewürzpflanze interessant. So wird zum Beispiel der einjährige Beifuß in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Mittel gegen die Malaria eingesetzt.

Dunkle Mächte abwehren oder schnell davonlaufen

Einer der bekanntesten Vertreter der Familie Artemisia ist der Gewöhnliche Beifuß oder auch Gemeine Beifuß – Artemisia vulgaris – genannt. Im Volksmund wird er auch Besenkraut, Sonnwendkraut, Gänsekraut oder auch Weiberkraut genannt. Für die Erklärung des deutschen Namens Beifuß gibt es zwei Varianten. Entweder er wird vom althochdeutschen „bōʒen“, das stoßen oder schlagen heißt, abgeleitet – bezogen darauf, dass die Blätter für die Verwendung gestoßen wurden oder weil er eine abstoßende Wirkung auf die „dunklen Mächte“ haben sollte. Oder die Bezeichnung bezieht sich auf Fuß (mittelhochdeutsch „bīvuoʒ“), weil dem Aberglauben nach der Beifuß ausdauerndes Laufen und Geschwindigkeit verleihen sollte.

Blüte und Samen - Gemeiner Beifuß

Blüte und Samen – Gemeiner Beifuß

Die Blütezeit des Gewöhnlichen Beifußes dauert von Juli bis September. Die Blüten werden hauptsächlich durch den Wind bestäubt und die Pollen fliegen zwischen 6.00 und 11.00 Uhr morgens. Für viele Leute bedeutet dies, dass sie besser zu dieser Zeit nicht in die Nähe von Beifußplanzen kommen sollten da der Pollen allergische Reaktionen hervorrufen kann.

Heilende Würze

Verbreitet wurde der Beifuß in Mitteleuropa wahrscheinlich im Zuge des neolithischen Ackerbaus und wird als typisches Hackfruchtunkraut bezeichnet. Vom Gemeinen Beifuß gibt es eine europäische und eine asiatische Variante, die sich in der Zusammensetzung der ätherischen Öle unterscheidet. Auf nährstoffreichen Böden fühlt sich der Beifuß am wohlsten und kommt hier auch wild vor. Gezielt wird er aufgrund der Verwendung seiner ätherischen Öle für die Parfümindustrie in Nordafrika und in Südeuropa angebaut. Geerntet werden die oberen Triebspitzen (bei noch geschlossenen Blütenkörbchen) von Juli bis Oktober. Der Sinn dahinter ist, dass die Blätter bitter schmecken wenn der Beifuß in Vollblüte steht und er sich dann nicht mehr zum Würzen eignet. Die Wurzel wird im Spätherbst geerntet.

Die kleinere Dosis Bitterstoffe, die bei der frühzeitigen Ernte enthalten ist regt die Bildung von Gallenflüssigkeit und Magensaft an und unterstützt dadurch die Verdauung. Daher eignet sich der Beifuß als Würzmittel vor allem für schwere und fette Fleischspeisen. Die Parfümindustrie nutzt die aus dem getrockneten Beifuß gewonnen Öle. In der Phyto- und Aromaindustrie werden die getrockneten Spitzen der Stängel gemeinsam mit den Blütenkörpchen verwendet und in der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Beifuß in der Moxa-Therapie eingesetzt. In der Volksmedizin wurde er früher bei Menstruationsbeschwerden, nach einer Geburt und bei verschiedenen anderen Unterleibbeschwerden. Auch heute wird er in der alternativen Heilkunde  zur Behebung bzw. Linder dieser Beschwerden und außerdem bei Appetitlosigkeit,  Muskelkater, schmerzenden Beinen, kalten Gliedmaßen, Schlaflosigkeit und Nervenanspannungen eingesetzt. Wie schon oben bei der Namensnennung beschrieben wurde der Beifuß in früheren Zeiten zur Abwehr von dunklen Mächten und Hexerei verwendet und war ein fixer Bestandteil bei vielen magischen Amuletten. Um Blitze und Seuchen abzuwehren brachte man ihn am Hausdach an und am sogenannten Sonnwend- oder Johannisgürtel, bezogen auf die optimale Zeit der Ernte, sollte er gegen Zauberei und böse Dämonen schützen.

Bitter ist gesund

Der zweite Vertreter aus der Familie Artemisia den ich euch vorstelle ist der Gemeine oder auch Echte Wermut – artemisia absinthum. Wie auch der Gemeine Beifuß ist er eine krautige Pflanze, wird aber durchschnittlich nur 40 bis 60 Zentimeter groß. Er hat einen starken aromatischen Duft und eine gräulich-grüne Färbung. Die Hauptvorkommen des Gemeinen Wermuts liegen in Nordafrika und den gemäßigten Zonen von Europa und Asien. Seine bevorzugten Standorte sind sandig-trockene beziehungsweise trockene Böden in der Nähe von Wasserläufen. Von ihm gibt es auch eine kleinere eigene österreichische Unterart – den sogenannten Österreich-Wermut (artemisia austriaca), der hauptsächlich in den Bundesländern Niederösterreich, Wien und Burgenland vorkommt. Diese Unterart hat sich vor allem östlich von Österreich ausgebreitet, ist aber auch in als Neophyt mittlerweile in Deutschland zu finden. Trotz der Ausbreitung gilt diese Unterart in Österreich mittlerweile als stark gefährdet.

Österreich Wermut - artemisia austriaca

Österreich Wermut – artemisia austriaca

Die Dosis macht das Gift

Seit der Antike wird der Wermut als heilendes Kraut eingesetzt und die Mönche im Mittelalter kultivierten den Wermut in ihren Gärten. Durch sein bitteres Aroma zählt er zu den wichtigsten Bitterkräutern und wird wie der Beifuß zur Verdauungsstärkung und bei Unterleibsbeschwerden, sowie bei Appetitlosigkeit eingesetzt.  Im Laufe der Geschichte wurde er einigen Göttinnen wie etwa der griechischen Göttin Artemis oder der ägyptischen Göttin Bastet geweiht.  Hildegard von Bingen empfahl dieses Heilmittel auch zur äußerlichen Anwendung gegen die Schädigung von Büchern durch Mäuse – Abwehr sollte die Beimengung in der Schreibtinte bringen – und gegen Kleidermotten. Und ebenso wie der Beifuß wurde er als probates Mittel gegen dämonische Einflüsse und Hexerei empfohlen. Allerdings ist bei seiner Verwendung Vorsicht geboten – bei einer länger dauernden Anwendung in hoher Dosis wirken die ätherischen Öle sinnverwirrend.

Bestandteile des Wermutkrauts

Bestandteile des Wermutkrauts

Solange die Pflanze blüht werden Bruchstücke der Zweigspitzen gesammelt und daraus wässrige beziehungsweise wässrig-alkoholische Auszüge oder auch ein Tee gemacht. Eine Hauptkomponente der Bitterstoffe ist Absinthin. Dieser Bestandteil hat ihn vor allem im 19. Jahrhundert als Zutat des gleichnamigen Getränks Absinth bekannt und beliebt gemacht. Absinth wurde als alkoholisches Getränk, dem auch Melisse, Fenchel und Anis beigemischt wurden, in dieser Zeit zu einer Modedroge. Die gesundheitsschädliche Wirkung lässt sich vor allem auf den hohen Thujongehaltes zurückführen und führte dazu, dass er in vielen europäischen Ländern zu dieser Zeit verboten war. In großen Mengen wirkt Thujon toxisch und kann zu Nierenschäden, Erbrechen, Bauchschmerzen und Störungen im Zentralnervensystem führen. Wie bei vielen anderen Heilkräutern macht auch hier die Dosis das Gift. Setzt man ihn zum Beispiel in homöopathischen Dosen ein, kann er krampflösend und beruhigend wirken.

In der Verwendung des Wermuts liegt also sprichwörtlich ein „Wermutstropfen“ – in kleinen Dosen hat er eine heilende Wirkung, setzt man ihn maßlos ein wirkt er gesundheitsschädlich.

Quellen:
Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at

www.naturheilkunde-berlin.eu
www.kraeuter-verzeichnis.de

Hanf – Das Kraut der germanischen Göttin geschrieben von Leilani

Samstag, 11. Mai 2013

Bereits seit 9000 Jahren wird Hanf als Heil- sowie Nutzpflanze kultiviert. Bereits früh wusste man um die psychoaktive Wirkung des Hanfs gut Bescheid. Im antiken Indien und Ägypten, wie auch im europäischen Raum, wurde Hanf neben seiner Verwendung als Rauschmittel bereits medizinisch eingesetzt. Er sollte bei Hypochondrie helfen und galt auch schon früh als „Frauenheilmittel“. Schnell war es auch allgemein üblich, Hanf zur Steigerung der Lust einzusetzen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hanf – der auch bei dem Germanen als Liebeskraut und Aphrodisiakum galt – der germanischen Liebesgöttin Freya zugesprochen wurde. Da Freya die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und Schutzgöttin des Lebens und der Ehe war, sollte Hanf den Menschen zu Fruchtbarkeit und Gesundheit verhelfen.

Cannabis plant, shot in, Himachal Pradesh, India by Subhashish Panigrahi

Sogar Hildegard von Bingen…

Am deutlichsten akzeptiert finde ich, wird in Esoterik-Kreisen die Wichtigkeit eines Krauts, wenn man folgende Tatsache anmerkt. Ich würde fast sagen, sie ist über alle Zweifel erhaben: Bereits Hildegard von Bingen lobte und nutzte die heilende Wirkung von Hanf.
Dass Hanf schon früh einen gewissen Wert hatte beweisen Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus in Brandenburg. Dort wurden Hanfsamen (von Cannabis sativa) in der Asche einer Graburne aus Wilmersdorf nachgewiesen. Anscheinend wurden solche Samen bereits bei südgermanischen Stämmen in prähistorischer Zeit als Grabbeigabe verwendet. In den Gräbern fand man neben den Samen zudem Hanffasern sowie Blütenstänge. Hanf wurde bei den Germanen gemeinsam mit Nutzpflanzen wie Getreide und Gemüse auf Äckern angebaut. Er hatte den Namen hanapiz, heanep oder hanaf. Ein interessantes Detail am Rande ist, dass Hanf angeblich nur von Frauen ausgesät, gepflegt und geerntet werden durfte. Galt diese Regelung bereits dem Ursprung, dass der Hanf der Liebesgöttin zugeordnet war, oder wurde uns ob unserer zarten Hände und der Kenntnis um den großen Wert des Hanfes das Vergnügen zuteil, die „Herrinnen des Hanfes“ zu werden? Leider konnte ich keine Aufzeichnungen dazu finden, ob auch die Mondphasen oder ähnliche äußere Einflüsse, die Art des Anbaus oder vielleicht der Ernte, mitbestimmten. Es heißt aber, dass sowohl Aussaat und Ernte von erotischen Ritualen begleitet wurden.

Mehr als nur ein Rausch

Hanf galt aber nicht nur als Faserlieferant. Er wurde als Aphrodisiakum sowie Heilmittel eingesetzt. Hanfstengel nahmen auch eine wichtige Rolle in der Austreibung des Winters ein. „Man legt einen solchen Stengel quer auf zwei Gartenböcke, schnellt ihn mit einer Gerte in die Luft … Diese fliegenden Hanfstengel stellen die Pfeile des Frühlings dar, durch die der Winter fortgeschossen wird.“ (A. R. von Perger, 1864).

Im Mittelalter wurde Hanf meist wegen des Hanföls angebaut, ein Fastenfett. Aber auch das Hanföl (Oleum cannabium) wurde gerne zu medizinischen Zwecken verwendet und wohl besonders eingesetzt bei Nervenschmerzen, Koliken, Magenkrämpfen und Verhärtung des Uterus und zwar indem man die betroffene Stelle damit einrieb. In Deutschland wurde zudem im 19. Jahrhundert der Gebrauch von Hanf als psychoaktives Aphrodisiakum explizit empfohlen. Natürlich schrieb man dies damals den serbischen Zigeunern in die Schuhe und war der Meinung, diese würden die Hanfblume gepulvert und gemeinsam mit Menstruationsblut vermischt einnehmen. Hanf wurde nur zu gern bei Liebeszaubern eingesetzt. Der deutsche Arzt Dr. Georg Friedrich Most beschrieb in seinem damals einflussreichsten „Arztbuch“, der „Encyklopädie der gesammten Volksmedicin“, bereits die vielseitige und wunderbare Wirkung der Hanfpflanze, von der Wurzel bis zur Blüte.

Sonnen- und Schattenseiten eines Krauts

Ebenso diente Hanf, wie andere Pflanzen, denen eine Fruchtbarkeits-steigernde Wirkung zugesprochen wurde, als Heiratsorakel. Da vielleicht ein paar der jungen Damen gerne wissen möchten, ob und wen Sie einmal heiraten werden, bin ich relativ sicher, dass sich nun einige der LeserInnen auf dem Weg zur nächsten Hanfstaude befinden um diese eingehend zu befragen. Aber all jene, die das Kraut lieber rauchen oder daraus Hosen weben möchten, anstatt ein gesittetes Gespräch mit eben diesem zu führen, müssen an dieser Stelle nicht verzweifeln. Wie wir wohl alle wissen kann ein guter Rausch sowohl beim Erkennen eines potentiellen Liebespartners, sowie beim Liebesakt selbst, Wunder bewirken. Wie immer gilt hier auch hier: die Dosis macht das Gift. Auch dies war bereits früh bekannt: „Übrigens hat dieser Missbrauch des Hanfes doch auch, wenn er zu lange fortgesetzt wird, Dummheit, Blödsinn und große Körperschwäche zur Folge“ (Dr. Georg Friedrich Most). Dummheit – wir können das in vielerlei Hinsicht interpretieren. Wer hat sich denn nicht schon mal am nächsten Morgen gewünscht, er hätte sich weniger intensiv dem Rauschmittelchen hingegeben und mehr darauf geachtet, seine kognitiven Fähigkeiten weiterhin an erster Stelle zu wissen. Wo der Alkohol einen – zumindest in der eigenen Wahrnehmung bis zu einem gewissen Punkt unangefochten gültig – zum Superhelden mutieren lässt, trägt der Genuss von Hanf tatsächlich (oder sollte ich sagen angeblich?) zu einer übertriebenen Liebesfähigkeit bei, die durchaus dazu führen kann, mit sich und der Welt dermaßen im Einklang zu sein, dass selbst hartgesottene Sarkasten Gefahr laufen, sich taumelnd in Glück und Liebe zu verlieren. Wie gefährlich dieses Kraut sein kann, bemerkt man wohl erst, wenn am nächsten Morgen das gegenüber im Lichte des Tages eine nicht mehr allzu aphrodisierend anmutende Wirkung besitzt. In diesen schweren Momenten kann man nur hoffen, noch eine Dosis griffbereit zu haben. Sofort sind alle Zweifel ausgeräumt und man kann sich langsam an die Entscheidungsfindung der letzten Nacht erinnern. Darf man als emanzipierte Frau so etwas sagen? Von schlechten One Night Stands sprechen und davon, wie kleine Rauschmittelchen einem die Entscheidung abgenommen haben? Nehmen wir es doch heute mal nicht so genau. Hallo also, Göttin der Liebe, dir sei der Hanf gewidmet, du wusstest wohl schon immer was gut ist. Die Schande liegt nun auf unserer Seite, denn wir können wohl nicht mehr allzu gut mit diesem Geschenk umgehen.

Theodor_von_Hörmann_Hanfeinlegen

Hier noch ein paar angebliche Hausmittelchen, basierend auf Hanf:

Pomade für den Haarwuchs
Zutaten
– ca.120 Gramm Hühnerfett
– ca.120 Gramm Hanfsamenöl
– ca.120 Gramm Honig
Alle Zutataen mischen und so lange rühren, bis sich eine schöne fette Pomade ergibt. Den Kopf damit 8 Tage hintereinander einreiben.


Noch ein weiteres Rezept für den Haarwuchs
Zutaten
– 2 Handvoll Wurzel des weißen Weinstocks
– 2 Handvoll Wurzel vom Hanf
– 2 Handvoll Kohlstrünke
Alle Zutaten trocknen und dann verbrennen. Aus der Asche eine Lauge machen und vor dem Waschen des Kopfes mit dieser Lauge den Kopf mit Honig massieren. Dies sollte man 3 Mal hintereinander tun an jedem zweiten Tag.

Quellen:
„Heimische Pflanzen der Götter“, Erwin Bauerreiß, 1995

Donau, Traisen und die Au

Samstag, 24. März 2012

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Hart oder weich – das ist hier die Frage

Die Au wird grundsätzlich in zwei Typen unterschieden – die weiche und die harte Au. Der Unterschied ergibt sich aus den bestimmenden Holzarten, also weiche oder harte Hölzer, die auf Grund der unterschiedlichen Überschwemmungslage übers Jahr hinaus dort am besten gedeihen können.

Lebensraum Au

Copyright www.donauauen.at

So sind in der weichen Au hauptsächlich Weiden, Pappeln und Erlen heimisch die mit einer mehrmaligen Überschwemmung im Jahr gut zu recht kommen können. In der harten Au finden sich überwiegend Stieleichen, Esche, verschiedene Ulmenarten (Feldulme und Flatterulme), die Winterlinde und in geringerer Vorkommensdichte der Holzapfel und die Holzbirne. Diese kommen gut mit den schweren, nährstoffreichen Bodenverhältnissen zu Recht. Die harte Au wird nur ein- bis zweimal im Jahr, mehrere Tage mit 0,5 bis 3 Meter überschwemmt und bietet somit einen idealen Standort für Bäume die sowohl mit wechselfeuchten als auch mit trockenen Bodenverhältnissen gut klarkommen.

Der Bau des Kraftwerkes Altenwörth an der Donau in den 1970er Jahren hatte zur Folge, dass diese aufgestaut wurde und viel Augebiet in unserer Gegend verloren ging. Vereinzelt findet man noch Altarme der Donau, die aber zunehmend durch die Ablagerung von Feinsedimenten gefährdet sind. Ebenfalls durch den Kraftwerksbau wurde das Mündungsgebiet der Traisen rund 7 Kilometer Richtung Osten (hinter das Kraftwerk, damit dieses nicht durch Schotter- und Schlammablagerungen bei den Turbinen beeinträchtigt wird) verlegt. Mit viel Geld von Seiten der EU und dem Bund wird jetzt bei der Traisen ein Renaturierungsprojekt gestartet um den künstlich begradigten Fluss wieder in einen mäandernden umzuwandeln (http://www.life-traisen.at/).

Traisen-Renaturierung

Copyright www.verbund.com

Durch dieses Projekt soll wieder eine Verbindung der verschiedenen Augewässer (Altarme der Donau und vereinzelte Brunnadern[1]) mit der Taisen hergestellt werden und damit ein vielfältiger Lebensraum für die einzelnen Fauna- und Floraarten hergestellt werden. Vor allem die Hartholzau, die zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas zählt, profitiert durch diese Wiederanbindung an den Fluss und die damit einhergehenden periodisch wiederkehrenden Hochwässer.

Alle Macht dem Frühjahr

Ich möchte hier nun auf die verschiedenen Pflanzen der harten Au eingehen. Neben den schon erwähnten Holzarten gibt es auch eine vielfältige Krautschicht, die sehr reich an Frühlingsblühern – den sogenannten Geophyten[2] – ist. Kennzeichnend für die harte Au sind das Weiße und das Gelbe Buschwindröschen, das Scharbockskraut und der Gelbstern. Diese Arten nutzen die Zeit vor der Laubentfaltung der Baumschicht und wickeln ihr ganzes Jahresprogramm im Frühjahr ab. Den Großteil des restlichen Jahres überdauern sie im Boden.

Donau Altarm

Copyright Rothani

Zu den Frühjahrsblühern die sich ebenfalls in der Au breit machen zählen das Schneeglöckchen, der Bärlauch und das Maiglöckchen. Und weil wir gerade die richtige Jahreszeit haben und nicht oft genug auf die Gefahren hingewiesen werden kann, hier noch mal anschaulich und hoffentlich einprägsam die Unterschiede zwischen Bärlauch – der sehr lecker schmeckt, und Maiglöckchen – das meistens nur einmal verzehrt wird.

Tot oder lebendig – das ist hier die Frage

Ich habe mir angewöhnt Bärlauch und Maiglöckchen vor allem an den Blättern zu unterscheiden. Die Blätter des Bärlauchs haben einen eindeutig zu identifizierenden Stiel und die Blätter des Maiglöckchens entspringen direkt an der Wurzel, sie werden von einer Blattscheide immer paarweise zusammengehalten! Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist zwar der Geruch, aber nach einer Stunde Bärlauchernte riechen die Hände schon so nach Knoblauch, dass man beim besten Willen ein gerade gepflücktes Maiglöckchenblatt nicht mehr am Geruch identifizieren kann. Hier aber noch mal die Unterschiede im Überblick.

Bärlauch
die ausgewachsenen Blätter sind deutlich in einen Blattstiel verschmählert; die Blätter sind grasgrün und papierartig dünn; er wächst auf frischen, nährstoffreichen Standorten und kommt meist in Massen vor; weißt einen starken Knoblauchgeruch auf

Maiglöckchen
hat zwei bis drei Laubblätter die direkt dem Rhizom (Wurzel) entspringen; die Blätter sind blaugrün und ledrig derb; Blätter meist einzeln oder zu wenigen zusammenstehend; wächst auf trocken-warmen Standorten; es kommt meist in kleinen Truppen, aber nicht flächendeckend vor; ist geruchsarm

Donauau im Frühling

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Darm und Demut

Generell ist der Bärlauch in ganz Europa und Nordasien verbreitet und bevorzugt seinen Standort auf tiefgründigen, lehmigen, feuchten und nährstoffreichen Böden in Au und Laubwäldern. Durch die in der Wurzel gespeicherte Energie kann der Bärlauch das zeitlich begrenzte Lichtangebot am Boden der Wälder optimal ausnutzen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni und wenn sich das Blätterdach des Laubwaldes allmählich schließt verschwindet er für den Rest des Jahres wieder in den Boden.

Die Knospen des Bärlauch lassen sich als Kapernersatz sehr gut einlegen und die Blätter werden vor der Blüte meist für Aufstriche und zur Zubereitung von Pesto gesammelt. Die Zwiebel kann auch im Sommer beziehungsweise im Herbst gesammelt werden. Sie enthält wie die Blätter und die Knospen viel Vitamin C und ätherische Öle. Werden die Bestandteile des Bärlauchs roh gegessen oder gekocht dann haben sie eine antiseptische Wirkung und normalisieren die Darmflora. Zusätzlich hilft sie gegen Arterienverkalkung und bei erhöhtem Blutdruck. Eine zerquetschte Bärlauchzwiebel in Milch eingelegt und schluckweise getrunken ist als Wurmmittel sehr wirksam.

Traisenau im Frühling

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Das Maiglöcken ist ebenfalls in ganz Europa und im gemäßigten Asien beheimatet. Es bevorzugt trockene, halbschattige Standorte und ist in Österreich geschützt. Die Glykoside des Maiglöckchens, die sie gleichzeitig zur Heil- und zur Giftpflanze machen, wirken ähnlich wie die Digitalisglykoside des Roten Fingerhutes und wurden beziehungsweise werden in der Medizin eingesetzt. Der Überlieferung nach wird das Maiglöckchen der nordischen Göttin Ostara zugeordnet. Andere Legenden berichten davon, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria am Grab Jesu ihre Tränen vergoss. In der christlichen Ikonografie zählt es neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den Marienblumen. Durch seine kleinen weißen, nickenden Blüten war es ein Symbol für die keusche Liebe, die Demut und die Bescheidenheit von Maria und wurde dementsprechend oft auf Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt.

Auch wenn mein Auparadies in nächster Zeit durch die umwälzenden Eingriffe zu leiden haben wird freue ich mich trotzdem schon auf das Endergebnis eines alten, neu zu entdeckenden Lebensraum. Die Zeit dazwischen werde ich für viele Artikel über die verschiedenen Kräuter der Auwälder wie Aronstab, Diptam, Gundelrebe, Wilde Karde, Ehrenpreis, Kleiner Klappertopf, Natternkopf, Knabenkraut, Scharbockskraut und viele mehr nutzen.

Ich hoffe Ihr genießt den Frühling mit Bärlauch und vielleicht habt ihr auch ein paar Rezepte die Ihr mit uns in der Rubrik Heidensterz teilen wollt.

Quellen:
www.donauauen.at
www.verbund.com

Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten


[1] Brunnader: Bei Hochwasser bricht ein Fluss aus und erzeugt im Hinterland Mulden und Gräben. Befinden sich unter diesen Gräben und Mulden Schotterablagerungen hat das Grundwasser hier (an der tiefsten Stelle des Geländes) die Chance an die Oberfläche zu steigen. Durch die Filterwirkung des Schotters wird das Wasser fast gänzlich frei von Schwebstoffen. Die Brunnadern sind ein typisches Begleitgewässer von Flüssen wie die Donau, die Traun, die Traisen und dem Inn.

[2] Geophyten: Pflanzen, deren Überdauerungsorgane (Rhizome, Zwiebeln, Knollen, Wurzelsprossen) im Boden liegen und dadurch geschützt sind.