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Hekate: A Devotional

Samstag, 29. Juli 2017

 

Vivienne Moss
Hekate: A Devotional

2015/Pagan Portals/ISBN-10: 1785351613/ISBN-13: 978-1785351617/
97 Seiten/Paperback: 8,12 Euro

Über die Autorin

Vivienne Moss ist eine geborene Hexe und Priesterin der Hekate. Sie lebt mit ihrem Freund und ihren beiden Töchtern in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Indiana.

Andere Bücher der Autorin: By Blood, Bone, and Blade: A Tribute to the Morrigan (2014)

 

Über das Buch

Der Göttin Hekate und ihrer tiefen, innigen Verbindung zu ihr hat die Autorin ein Buch gewidmet. Wer hinter dem Buchtitel mehr vermutet als eine Ehrerbietung an Hekate, wird enttäuscht. Vivienne Moss reißt ein wenig die Geschichte der Göttin an, doch ist dieses Buch keine Fachliteratur. Viel mehr beschreibt die Autorin mit gewaltigen, tief unter die Haut gehenden Worten die Hingabe, die Liebe, die sie Hekate tagtäglich entgegenbringt. Und wie ihr die Göttin andererseits hilft, ihren Alltag zu meistern. Das Buch ist eine Mischung aus spirituellem Tagebuch, ein Buch über die Magie und Gedichtband. Ideal für Leser, die ihre persönlichen Erfahrungen vergleichen oder eine neue Perspektiven erhalten möchten, wie sie ihre Beziehung zu Hekate vertiefen können.

Fazit: Eine echte Bereicherung für all jene, die die „private“ Seite der Göttin Hekate kennenlernen möchten.

Lasst uns die Feste feiern wie sie fallen! – Teil II, geschrieben von Uhanek

Samstag, 15. August 2015

In einem „buddhistischen Diskussionsforum“ las ich auf Facebook kürzlich wieder einmal eine Diskussion um den Einwand, dass Buddhismus angeblich einer „ganz anderen Tradition“ angehöre, die ja gar nichts mit unserem „Kulturkreis“ zu tun habe. Auf die ein oder andere Weise wird in derlei Gesprächen stets aufs Neue ein Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht, wie man sich als Europäer mit einem so vollkommen fremden Kulturphänomen abgeben könne.


Das Eigene und das Andere

Ein grundlegendes Problem mögen hierbei sicherlich die Konzepte vom „Eigenen“ und vom angeblich so furchtbar fremden „Anderen“ sein, noch dazu in Kombination mit dem simplifizierenden, um nicht zu sagen primitiv-eurozentrischen „Kulturkreis“-Konzept. Was aber soll das sein, der „Kulturkreis“, auf den sich Menschen immer dann gerne berufen, wenn sie auf die Unverständlichkeit und Gefahr des „Anderen“ verweisen wollen? Der einzige „Kulturkreis“, den die meisten Menschen kennen, ist zunächst einmal lediglich das, was sie als ihre alltägliche Realität erleben. Und die Kultur der Homo Consumicus beschränkt sich doch zu weiten Teilen auf das, was ihm von der unmittelbaren Umgebung vorgelebt und von MTV und RTL, von Castingshows, Werbesendungen und Popvideos vermittelt wird. Das sind prägende Elemente, die die Wirklichkeitsauffassung formen. Er sucht sich dann Freunde, die diesen Wirklichkeitsbegriff teilen und widerspiegeln, und projiziert am Ende seine eigene geistige Begrenzung auf die Welt. „Kulturkreis“ umfasst das Fremde, was wir an der Peripherie unserer eigenen Beschränktheit gerade noch so als entfernt dem Eigenen zugehörig interpretieren und halbwegs tolerieren mögen. Außerhalb dieser äußersten Grenze aber lauert die Gefahr und das Chaos, eben der „fremde Kulturkreis“.

Ein weiterer Einwand im Rahmen des Kulturkreisargumentes lautet, dass man sich ja intellektuell mit dem Buddhismus beschäftigen und ihn so erst einmal lernen müsse, er sei ja schließlich fremd. Dieser Gedanke lässt aber völlig außer acht, dass wir alles, was menschliche Kultur ausmacht, erst einmal lernen müssen, und er setzt zudem voraus, dass wir hinsichtlich der hiesigen Kulturen über ein Wissen verfügen, das wir nicht erst lernen müssen, sondern gleichsam in uns tragen. Mir scheint, dieser Gedanke ist Ausdruck einer trägen Ignoranz, die Angst hat, etwas dazulernen zu müssen. Unser gesamtes Leben ist aber geprägt von Lernprozessen: Lernen ist ein Ausdruck von Leben und Lebendigkeit. Leider sind viele Menschen hinsichtlich des Lernens ein wenig unwillig, was dazu führt, dass sie sich vereinfachenden Ideologien zuwenden, die in der einen oder anderen Weise die Vorstellung wiederkäuen, wir trügen als Angehörige eines Kulturkreises, einer Nation, eines Volkes spezifische Kulturformen in unseren Genen und unserem Blut. Kultur scheint in diesem Fall etwas zu sein, das regional verwurzelt und nach Art einer Pflanze aus dem Boden gewachsen ist und die Menschen wie Früchte hervorbringt. Das Eigene repräsentiert eine überragende Ordnung, in der die Begrenzung des so denkenden Geistes gespiegelt wird durch die in der Außenwelt gezogenen Grenzen. Die Grenzen der Sprache erscheinen als die Grenzen einer geordneten, sicheren Welt. Das Fremde wird in diesem Fall als Bedrohung wahrgenommen, die von außerhalb der sicheren Grenzen hereinbricht und die vermeintlich natürliche Ordnung bedroht.

Natürlich ist ein inhaltliches Verständnis unabdingbar, um einen Zugang zum Buddhismus und zu seinen verschiedenen Praxismethoden zu finden – anders würde es ja gar keinen Sinn machen, denn wenn ich keinen Schimmer davon habe, was ich da tu, dann ist die betreffende Handlung bedeutungsleerer Mummenschanz. Und tatsächlich gibt es nicht wenige Menschen die glauben, sie könnten rein intuitiv erfassen, was Buddhismus sei, nachdem sie vielleicht ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Zitate buddhistischer Meister oder frei erfundene Weisheiten gelesen haben, die als angeblich buddhistisch von wem auch immer in Umlauf gebracht wurden. Diese Art westlicher Buddhist scheint sich vor allem an einer gewissen Exotik zu erfreuen, die er im Buddhismus wahrzunehmen glaubt. Zu dieser Exotik zählen dann auch Meditationspraktiken oder auch die elaborierten Rituale etwa des Vajrayana-Buddhismus, die ggf. sogar mitpraktiziert werden, ohne jedoch den Sinn dieser Handlungen zu kennen. In diesem Fall wird ein sinnvoller Kommunikationsakt (denn um einen solchen handelt es sich) entweder blind nachgeäfft oder, schlimmer noch, es werden nach eigenem Gutdünken und frei assoziierend falsche Bedeutungen hineinfantasiert.

Die Inhalte buddhistischer Lehren sind in erster Linie Dharma, d.h. sie formulieren Beobachtungen/Untersuchungen aus über die Welt und das Bewusstsein und das Verhältnis dieser beiden zueinander. Anders ausgedrückt: Der Dharma untersucht die Natur des Daseins und des Geistes, d.h. er betrifft das allgemein Menschliche. Innerhalb des Dharmas gibt es verschiedene Schulen der philosophischen Ausformulierung und unterschiedliche Methoden, die buddhistische Analyse und Untersuchung durchzuführen und auf immer subtilere Weise die jeweiligen Grenzen des Geistes zu überschreiten. Doch immer gilt: Sie alle betreffen das allgemein Menschliche und das allgemeine Dasein. Das „Andere“ der „fremden Kultur“ betrifft die Oberflächen, etwa die Bereiche der künstlerischen Gestaltung, aber das ist eine Hürde, die leicht überwunden werden kann, wenn man den Wahn der „Kulturkreisbesonderheit“ einmal über Bord geschmissen hat und sich vorrangig als Mensch unter Menschen begreift.

Buddhismus ist in Europa schon lange kein „neues“ und „fremdes“ Phänomen mehr, denn seit gut zweihundert Jahren gibt es in Europa eine Auseinandersetzung mit dem buddhistischen Denken. Buddhismus ist nicht fremd, sondern ein kultureller Faktor, der unsere Gegenwart mit geformt hat. Doch umgekehrt gilt das auch: Sieht man vom Einfluss moderner und postmoderner Kultur der Gegenwart einmal ab, so hat bereits in der Antike die griechische Philosophie den Buddhismus mit beeinflusst. Der Einfluss ging in beide Richtungen, weil Europa und Asien sich eben nicht isoliert unter zwei Käseglocken befanden, wie es der Kulturkreisgedanke nahelegt, sondern sich seit jeher in konstantem kulturellem Austausch befanden. Ein Umstand freilich, der dem Kulturkreisgedanken ziemlich fremd ist.

Ein wichtiges und von Kulturkreiseurozentrikern gern übersehenes (wahrscheinlich aber gar nicht bekanntes) Beispiel hierfür ist Gandhara. Viele haben ja schon einmal von den berühmten Buddhastatuen von Bamiyan in Afghanistan gehört, die unglücklicherweise von fanatischen Verrückten, den durch die USA groß gewordenen Taliban, zerstört wurden. Die Verkörperung hasserfüllter geistiger Beschränkung hat die kunstvoll in Stein gehauene Darstellung von Weisheit und Größe, durch die sie sich bedroht fühlt, zerstört. Ein hinlänglich bekanntes Prinzip, auf das ich an späterer Stelle noch genauer eingehen werde. Natürlich gibt es noch sehr viel mehr, als die beiden Riesenstatuen und deren Schutt. Typisch für Gandhara ist ein ganz besonderer Stil: Die Artefakte der Gandhara-Kultur sehen nicht nur griechisch aus, sie sind griechisch. Das Reich von Gandhara, ursprünglich eine Provinz des achämenidischen Perserreiches, war 326 v.Chr. von Alexander eingenommen worden, dessen Gefolgsleute – Griechen wohlgemerkt! – nach seinem Tod das Seleukidenreich gründeten, das sich auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung von Thrakien, also dem heutigen Bulgarien, über Persien bis ins Industal erstreckte. Gandhara war eine Provinz dieses riesigen Reiches. Der Buddhismus dieser Kultur wird auch als als Graeco-Buddhismus bezeichnet und hat sich über einen Zeitraum von achthundert Jahren entwickelt.

Und es gab noch weitere Verbindungen zwischen Ost und West. Unter dem legendären Kaiser Ashoka wurde im 2. Jahrhundert v.Chr. eine griechische Übersetzung des buddhistischen Kanons in Umlauf gebracht, indem er buddhistische Lehrer zu den griechischen Inseln entsandte. Man vermutet eine Verbindung zum Stoizismus, und Vergleiche von Neuplatonismus und Mahayana, Theurgie und Vajrayana zeigen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten. Die ältesten bildlichen Darstellungen Vajrapanis, einer der wichtigsten zornvollen tantrischen Gottheiten, stammen aus Gandhara und enthüllen, dass er niemand anders ist, als die buddhistische Erscheinung des Herakles. Auch andere Gottheiten der griechischen Antike, allen voran die neuplatonische Hekate, bestehen im Buddhismus fort. Ebenfalls lassen sich bis heute Verbindungen zum Gnostizismus finden. Schwer vorstellbar vielleicht, wenn man der Kulturkreis-Ideologie anhaftet, nicht weiter verwunderlich jedoch, wenn man historisch-kulturelle Tatsachen wie die riesige Ausdehnung des Seleukidenreiches, konstante Handelsverbindungen zwischen Rom und Indien u.ä. bedenkt.

Ende Teil II

Herrin der drei Welten geschrieben von Uhanek

Samstag, 12. November 2011

„Ich glaube das, was ich sehen und anfassen kann. Das ist Realität!“ Erklärte mir einst ein Klassenkamerad in einer hitzigen Rede wider die religiösen Anschauungen und alle Fragen der Spiritualität und Metaphysik – oder dessen, was er sich darunter vorstellte. Was genau diese sinnlich greifbare Realität sei, das hatte er von seinen Eltern und Lehrern erfahren. Und wie ein entsprechend „realistischer“ Lebensweg auszusehen habe, das hatten sie ihn auch gleich gelehrt: Berufsausbildung, Bausparvertrag, Eigenheim, Ehe, Nachwuchs und schließlich Rente. Punkt. So ausgestattet mit der Rüstung des Glaubens an eine materialistische, vorherseh- und planbare Realität machte er sich auf seinen Weg in die fließende und strömende Welt, die ihn eines Besseren belehrte: Die Begegnung mit Vergänglichkeit, Verlust, Wandel, Verletzlichkeit und Tod brachte ihn zu genau den Fragen, die er früher so vehement abgelehnt hatte. Das Konzept von der materialistischen „Realität“ und dem „realistischen Lebensweg“ schließt meist die Einsicht aus, dass alles in uns und um uns herum sich in ununterbrochener Bewegung und in stetem Wandel befindet. Wie „realistisch“ ist diese Perspektive also tatsächlich?

Ich war während unserer Schulzeit solchen Reden, in die auch andere Freunde immer wieder einmal einstimmten, einigermaßen regelmäßig ausgesetzt. Diese Predigten wurden meist mit missionarischem Eifer vorgetragen und waren durchaus gut gemeint, denn als Ungläubiger musste ich offenbar vor der drohenden Verdammnis wenn schon nicht bewahrt, so doch zumindest freundschaftlich gewarnt werden. Das, was sie mir als allein gangbare Wirklichkeit aufzudrängen versuchten, war die Perspektive eines Eingekerkerten, der eine Welt außerhalb seiner Gefängnismauern für Aberglauben hält: Wirklichkeit, das sind die augenscheinlichen Formen der über die Sinne erfahrbaren materiellen Welt, in der wir innerhalb einer Lebensspanne ein einziges Menschenleben führen; unser Bewusstsein wird dabei durch die chemischen Vorgänge im Körper sozusagen aus der Materie ausgeschwitzt; unser Handeln hat keine tiefergehenden Folgen und die materielle Welt hat der Befriedigung unserer Bedürfnisse und unserem Lustgewinn zu dienen; was diese Bedürfnisse und der Lustgewinn sind, das erfahren wir aus der Werbung, den neuesten Modetrends und durch aktuelle Pop- und Filmikonen; da wir ohnehin nur für eine begrenzte Zeit zufällig aus einem Materiehaufen abgesondertes Bewusstsein in einer grundsätzlich sinnlosen Welt sind, ist es legitim, das eigene Leben auf größtmöglichen Lustgewinn und Konsum auszurichten, mögliche Folgen für nachfolgende Generationen können einem egal sein, denn man selbst ist ja dann nicht mehr da.

Ich selbst empfand angesichts solch nihilistischer Kerkerwelten stets ein gewisses Grauen. All das entsprach nicht dem, was ich als die Welt wahrnahm. Genau genommen stand es im Widerspruch zu der Welt, die ich erlebte. Die Welt war mir stets etwas, das sich innerhalb des Geistes abspielt, denn selbst wenn wir von einer sinnlich erfahrenen und sinnlich greifbaren Welt reden, so müssen wir doch fragen, wo sich diese Sinne und dieses Ergreifen wohl abspielen, wenn ein bewusster, deutender Geist abwesend ist? Wo sollte ein „Sehen und Anfassen“ stattfinden können ohne ein wahrnehmendes Bewusstsein? Im Geist aber spielt sich noch sehr viel mehr ab, als es das Dogma der materialistischen Realität wahrhaben will. Er umfasst Gedanken, Emotionen, Bilder, Träume und Symbole aller Art, die sich auf unterschiedlichste Weise ausdrücken. Somit ist aber den Dogmen der materialistischen Weltanschauung kein grundsätzlich größerer Wahrheitsgehalt einzuräumen, als anderen Ausdrucksformen des Bewusstseins.

Es war nicht so, dass ich etwa mit meinen eigenen ketzerischen Ansichten hausieren gegangen wäre, die vor allem darin bestanden, dass ich die Kerkerwelt der versklavenden Ideen für wahnhaft hielt. Aber meine Unfähigkeit, den Glauben an „die Realität“ zu teilen, und meine darauf gründende Neigung, derartige Vorstellungen in Frage zu stellen, war bekannt. Dieses Konzept der materialistisch-ökonomischen „Realität“ erschien mir wie ein Ornament auf einer aus kulturell tradierten Meinungen gewobenen chloroformgetränkten Decke, die irgendein böswilliger Teufel uns überzustülpen versucht, um den freien und erkennenden Geist zu betäuben. Das Chloroform, durch das wir in eine so tiefe, von immer neuen wahnhaften Fantasien durchzogene Bewusstlosigkeit fallen, besteht aus den als real empfundenen Zuständen Zerstreutheit, Gier, Abneigung, Eitelkeit und einer tiefen Ignoranz. Der Buddhismus bezeichnet diesen Schleier aus sich gegenseitig bedingenden betäubenden Zuständen und Wahnvorstellungen, der uns vom Erkennen des So-Seins der Welt und unserer eigenen Natur trennt, als Samsara.

Doch das Gewebe dieser teuflischen Decke kann Risse bekommen. Geschieht das, so erhaschen wir einen Blick auf andere Seiten der Wirklichkeit. Mir passierte dies seit meiner Kindheit als immer wiederkehrende Erfahrung, die verhinderte, dass sich die Chloroformdecke zu vermeintlicher Gewissheit verdichten konnte. Die Welt war mir die Erfahrung einer ozeanischen Tiefe aus unermesslicher Weite, strömenden Kräften und sich manifestierenden und wieder transformierenden Formen. Durchdrungen war diese wogende und wirbelnde Unermesslichkeit von einem klaren Bewusstsein. In vorläufiger Ermangelung eines besseren Begriffes nannte ich das zunächst „Gott“.

Familien unterstützen oder behindern Kinder in ihrer Entwicklung. Ich selbst hatte in der Hinsicht viel Glück mit meiner Familie und einigen sehr engen Freunden, denn ich hatte Möglichkeiten, über meine Erlebnisse zu berichten und erhielt im Lauf der Zeit Konzepte und Bilder, um die Erfahrungen sprachlich fassen und ausdrücken zu können. Teil meiner Erziehung war zudem auch das Lesen antiker Sagen und Mythen. Dadurch trat mir aus meiner Erfahrung der unermesslichen Absolutheit eine Gestalt entgegen, deren Führung ich mich anvertraute: Hekate.

Hekate ist die saffrangewandete, strahlend schöne Göttin, die über die drei Welten herrscht: Den Himmel, den Ozean und die Erde. In dieser Dreiheit fand ich meine eigene Erfahrung wieder: Den grenzenlosen Raum, das Wogen der Energie und die Manifestation der sich transformierenden Erscheinungen – drei zu einer großen Sphäre verbundene Welten, durchdrungen und beherrscht von diamantgleicher klarer Bewusstheit. Hekate ist eine überweltliche Gottheit, die sich in der Welt zeigt, jedoch nicht von der Welt ist. Daher schildern die alten Mythen den Respekt, den die anderen Götter und selbst Göttervater Zeus ihr entgegenbringen, denn sie sind weltliche Götter, Wesen die Hekates Herrschaftsbereiche bevölkern. Sie wird als Jungfrau bezeichnet, denn sie wurde mit keinem Gott vermählt, vielmehr wählt sie sich ihre Gefährten selbst und ist keiner anderen Gottheit untertan. Sie ist die nächtliche Sonne, die zur Nachtzeit die Unterwelt durchwandert, d.h. sie verkörpert nicht den Intellekt des Tagesbewusstseins, sondern Erkenntnis und Weisheit, die alle Konzepte des Intellektes überschreiten und auch über das Reich der Totengeister, Ahnen und Träume herrschen. Ihre Insignien zeigen weitere Einflussbereiche an. Die zwei Fackeln repräsentieren die zwei Arten der Weisheit: Die Weisheit der geschulten Intelligenz und die Weisheit der höchsten Erkenntnis. Die Hunde oder Wölfe zeigen sie als machtvolle Schützerin, die Schlangen zeigen ihre Herrschaft über die unterirdischen Reiche und die Gewässer, deren machtvolle Herrscher die Hüter vieler geistiger und materieller Schätze sind; der Schlüssel drückt aus, dass sie Hüterin der Mysterien ist; ihr Beiname Atropaia (das Böse Fernhaltende), sowie die Geißel, die Schlinge und der Dolch zeigen ihre Kraft, Böses und Unheil aller Art abzuwehren, zu binden und zu durchtrennen; die Mondsichel zeigt ihre Herrschaft über die illusionären Formen, der Granatapfel und der Stier die Herrschaft über den Tod. Als Triformis, die dreifaltige Göttin, ist sie Herrscherin der drei Welten und drei Zeiten, als Brimo ist sie die Furchteinflößende. Sie ist die Himmlische (Ourania) und die Weltseele, und als solcherart überweltliche Weisheitsgöttin ist sie Soteira, die Befreierin.

Sie ist auch  Propolos, die Führerin, und Kourotrophos, die Pflegende –  und einer solch fürsorglichen, überwältigend schönen und umfassend kompetenten Manifestation klaren Geistes und höchster Bewusstheit, die mir durch den Riss im Gewebe aus Täuschung und Lüge entgegen strahlte, vertraute ich mich gerne an. Sie führte mich durch vielerlei Untiefen hin zu den tantrischen Lehren des Vajrayana-Buddhismus, wo ich auf eine ungebrochene authentische Lehrüberlieferung stieß, in der ich meine Erfahrungen und Sichtweisen in vollkommener Weise beschrieben fand. Kleidukos, die Schlüsseltragende, hatte mich vorbereitet und mir nun die wichtigsten Mysterien eröffnet;  Propylaia, die Torhüterin, gewährte mir Zugang zu Lehren, die mich genau dort abholten, wo ich war, und mir präzise Anweisungen zu meiner schnellen Weiterentwicklung gaben. Und erneut zeigte sich Hekate auch in diesem Kontext.

Unter allen Gottheiten des tantrischen Buddhismus ist Tara die beliebteste. Ihr Name könnte „Stern“ bedeuten, doch wird er nahezu immer als „Befreierin“ interpretiert, als „Sie, die hinüber führt“. So sagt sie in dem Text Die Hundertacht Namen über sich selbst:

Ich, oh Herr, werde die Wesen hinüberführen

Über die große Flut ihrer vielfältigen Ängste;

Daher besingen mich die bedeutenden Seher

In der Welt unter dem Namen Tara.

Sie erlangte diesen Namen, weil sie unermesslich viele Wesen aus Samsara befreit und in den erhabenen Seinszustand der Bodhisattvas überführt hat. So verkörpert sie den schnellen Weg zur Erleuchtung und höchsten Weisheit. Nun war allerdings selbst im mittelalterlichen Indien nur eine kleine Minderheit von Menschen wirklich und ernsthaft daran interessiert, Befreiung aus Samsara zu suchen. Ihre große Popularität erlangte sie dadurch, dass sie auch weltliche Errungenschaften anbot, allen voran der Schutz vor den acht großen Ängsten oder Gefahren: Löwen, Elefanten, Feuer, Schlangen, Räuber, Gefangenschaft, Wasser (oder auch Schiffbruch) und menschenfressende Dämonen. Diese Liste wird auch symbolisch als Ausdruck der acht spirituellen Gefahren interpretiert: Stolz, Wahn, Zorn, Neid, falsche Sichtweisen, Gier, Anhaftung und Zweifel. Doch Taras Schutz und ihre Aktivitäten reichen noch sehr viel weiter.

Weithin bekannt sind ihre Erscheinungsformen als grüne und weiße Tara, wobei die grüne Form die schnellen und präzisen Aktivitäten der erleuchteten Wesen repräsentiert, während Taras weiße, mit sieben Augen versehene Form alle Ebenen unseres Daseins überschaut und die Gabe der Langlebigkeit verkörpert. Weniger bekannt dagegen ist der Umstand, dass es noch sehr viel mehr Erscheinungsformen gibt, die sämtliche Ebenen tantrischer Belehrung, Praxis und Verwirklichung umfassen. Zusammengefasst werden sie im berühmten Lobpreis in 21 Versen, der 21 Aspekte und Aktivitäten Taras preist. Sie ist diejenige, die den Verstand schärft und die Erkenntnis des gnostischen Gewahrseins hervorruft, die die machtvollen Wirkungen verdienstvoller Handlungen verstärkt und die Lebenskräfte sammelt, die Gesundheit und Langlebigkeit schenkt, die Dämonen unterwirft, Flüche bricht und die Wirkungen übelwollender Zauberei auf ihren Ursprung zurückwirft. Sie ist diejenige, die vor dem Hindernis der Armut bewahrt und vor Vergiftung schützt, die über die verschiedenen Klassen der Götter, Geister und Dämonen herrscht und über die Elemente gebietet. Sie ist die Göttin der Natur mit all ihren Pflanzen und Tieren, die Königin der drei Welten und die Mutter aller Erwachten.

Meist wird sie als indische Prinzessin gezeigt, reich geschmückt mit Seide, Gold, Juwelen und Blumen, umgeben von duftenden Kräutern und thronend auf Sonne und Mond. Dementsprechend befremdlich wirkt es auf manche Betrachter, wenn sie die geheimeren Abbildungen der extrem wilden Erscheinungsformen Taras, geschmückt mit Menschenhäuten und Schädelketten, zu Gesicht bekommen oder wenn sie erfahren, dass Tara in der tantrischen Überlieferung der Hindus einer der furchteinflößendsten Aspekte Kalis ist. In einer ihrer geheimsten und machtvollsten Manifestationen als Schützerin erscheint sie als die Blaue Wölfin. Das Mantra dieser überwältigend starken Schützerin ist so stark, dass es jenen, die nicht durch Tara-Praxis angemessen vorbereitet sind, allein schon dadurch schaden könnte, dass sie es nur sehen. Allerdings sind all diese Formen natürlich keine Abbildung einer genau so existierenden Gestalt, sondern symbolischer Ausdruck großer Kräfte und verschiedener Wirkungen auf den wahrnehmenden Geist.

Die überwältigende Selbstoffenbarung des Absoluten bewirkt im verblendeten Bewusstsein stets ein vollendetes Grauen, daher werden etwa in der christlichen Tradition Begegnungen mit Engeln, die gemäß Dionysius die „Gedanken Gottes“ sind, mit der vielsagenden Aufforderung „Fürchte Dich nicht!“ eingeleitet. In der tantrischen Tradition wird die furchteinflößende Ungebundenheit und Kraft des Absoluten in entsprechenden Bildern zum Ausdruck gebracht. Sind wir unter dem Einfluss all unserer inneren Dämonen, unserer erbarmungslosen Selbstsucht, unserer Gier, unseres Hasses und nicht zuletzt unserer selbstgefälligen Unwissenheit zu sprödem Ego-Eis erstarrt, so wird uns die gleißende Sonne des Mitgefühls und der Erkenntnis mit Grauen erfüllen. Aber Tara ist die große Mutter aller Erwachten. Sie ist die Mutter der erhabensten Qualitäten und des höchsten Potenzials, das uns allen innewohnt. Wenn sie aber die Mutter ist, deren innerste Qualität höchstes Mitgefühl und ungeteilte Liebe ist, wie sollte sie uns Furcht einflößen, wenn wir sie tatsächlich mit den Augen eines Kindes sehen? Ein kleines Kind wird seine liebende und mitfühlende Mutter als wunderschönes Wesen wahrnehmen und seine liebende und vertrauensvolle Hingabe an die Mutter wird ihre Beziehung zueinander noch vertiefen. Egal, wie hässlich diese Mutter in den Augen der zu Ego-Eis erstarrten und unter chloroformgetränkten Konzeptdecken betäubten Wesen erscheinen mag, in den Augen ihres Kindes ist sie eine wunderschöne Prinzessin, geschmückt mit Seide, Gold, Juwelen und Blumen.

Tara ist eine Gottheit, die sich in den Erscheinungen der Welt offenbart. Auf einer allgemeinen äußeren Ebene ist sie die Herrin des ganzen Universums. Auf dieser Ebene ist sie eng verbunden mit der Erde und der Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen. Dies wird vor allem in ihrer Erscheinung als grüne Khadiravani-Tara, die Tara des Akazienwaldes, zum Ausdruck gebracht. In dieser Erscheinungsform wird sie oft in Begleitung von zwei weiteren Tara-Manifestationen gezeigt, nämlich die goldene Marici, die Erscheinung Taras als Sonne und Tag, und die schwarzblaue Ekajata, Tara als Nacht. Auf dieser Ebene kontrolliert sie die Phänomene der Erscheinungswelt und gewährt Schutz vor allen Gefahren. Auf einer inneren Ebene wiederum kontrolliert und bereinigt sie all die geistigen und emotionalen Verdunkelungen, durch die die empfindenden Wesen in das große Rad der Wiedergeburt gezwungen werden. Nach der Einweihung durch einen Meister oder eine Meisterin können Praktizierende des Vajrayana durch Selbstidentifikation mit der Göttin ihr Dasein transformieren und schließlich den Zustand der Vollendung erreichen, indem sie Taras Qualitäten verwirklichen.

Tara ist die Herrin der drei Welten: Der Tiefe des Raumes, des Ozeans der wogenden Kräfte und des Erdenreichs der sich manifestierenden und transformierenden Formen. Sie ist die Befreierin, die die Wesen zu den Mysterien höchster Erkenntnis geleitet und sie vor Bösem bewahrt. Sie ist die Pflegende, die sich voll Mitgefühl um das Wohl der Wesen kümmert und keiner anderen Gottheit untertan ist. Sie herrscht über die Unterwelt der Totengeister, Ahnen und Träume, über das Reich der Erde und die Weite des Himmels.

Hymnen an Hekate gespendet von Rivka

Samstag, 30. Juli 2011

I

You turned my feet downside-up
Lady of the crossways
Held me by my ankles let soil
Whisper in the bone-bowl of my head
Dog dreams

In which I still find myself downside-up
Hanging by my ankles down from
The boar-faced night’s moon-tusks
While my head’s cauldron simmers gently
Above torch-lit
Sunfire.

II

Where these three paths meet, Hekate
The darkened sun stand deep
And very still. Gravity, multiplied,
Reaches out from the middle of the earth,
Makes my feet sink into the ground
Which is, as I now see, bones.

I’m standing on a crossway in the middle
Of bone-country, Hekate.
Which way out?

You walk away from me, three white ladies
One on each path. Being threefold
Doesn’t make you a good guide, Hekate.
Sorry to say that. As I sink deeper
I’m trying to decide: Should I follow
The one with the torches, the dogs, the snake?

Whilst I sink, inchwise, deeper and deeper
Down from this crossway towards the sun
Of bone-country.

How to get out, Hekate? I ask and white dust
Plasters my mouth and still deeper
And deeper I sink. You turn around, Hekate,
Threefold. You look into my reddened
Eyes through my eyelashes’ white and you say:
You’re right on the way.