Mit ‘Herkunft’ getaggte Artikel

Die Eibe singt die Runen …

Samstag, 16. November 2013

Duke Meyer, DER Eibensang, hat außer Musik – die er mit den Singvøgel schon vielfach nach Österreich gebracht hat – auch Runen im Gepäck.

Nie wieder wollte ich irgendwelche Veranstaltungen organisieren, aber weil mich Runen immer schon interessiert aber nie wirklich erreicht haben – und ich natürlich auch mal wieder mit dem Herrn Eibensang fachsimpeln wollte – fing ich bei Dukes „organisiere Dir ein Runenseminar“ Idee tatsächlich an, darüber nachzudenken. Da ich relativ einfach Zugang zu einem passenden Raum habe (und sich meine Organisiererei damit auch schon erledigt hatte) kamen wir in kleiner und bunt zusammengewürfelter Runde in den Genuss, diese RunenReise antreten zu können.

Eibensang in der Theorie

Ein bisschen Theorie zu Beginn

… damit wir wussten, womit wir es genau zu bekommen würden. Das ältere Futhark, wie es in Benamsung und Reihenfolge historisch belegt ist.
Kurz kam auch zur Sprache, dass Runen gerade durch die Nationalsozialisten in ein schräges Licht gerückt wurden und welche „Irrtümer“ sich deshalb bis heute erhalten haben. Mein persönliches Lieblingsthema ist ja in dieser Hinsicht das vielzitierte Runenyoga – eine Erfindung von Guido von Liszt. Dieses Beispiel belegt für mich immer wieder sehr deutlich, wie „Geschichte“ gemacht werden kann. Viele Leute, die diese Übungen heute praktizieren haben keinen blassen Schimmer, dass sich jemand (noch dazu jemand mit eher zweifelhaften Motiven unter definitiv zweifelhaftem Zeitgeist) ebendiese aus den Fingern gesogen hatte. Ganz davon zu schweigen, dass für jemandem mit magischem Weltbild verständlich sein sollte, dass sich Zeit, Gesinnung und Hintergrund des Erschaffers immer auch in dessen Werk manifestieren (umso mehr es sich um Einstellungen handelte, die ganz sicher nicht vermuten lassen, dass der Erschaffer sich und seine Sichtweisen wissentlich und willentlich heraushalten wollte). Aber nun genug der Theorie und ab in die Praxis …

Eibensang bei der Arbeit

Runen – erarbeitet

Ich persönlich war, ob der sehr gemischten Gruppe, sehr gespannt wie es Duke gelingen würde, ein für jeden griffiges Konzept auf die Beine zu stellen.

Freyrs Ætt, die Acht der Schöpfung, fand jeder für sich durch Bewegung, Getöns – also schlichtweg Tun! Als Teamwork konnten wir dabei die Kenaz erfahren und viel Spaß hatten wir mit der Wunjo … jede einzelne Rune erlebten wir durch einen Chant, der uns quasi die Energie ganz unmittelbar erfahren ließ. Dazu gab es dann auch noch einige passende Körpererfahrungen. Alles in allem eher erdig und bodenständig.
Hels Ætt, die Acht der Erkenntnis, machte uns Eibensang in einer geführten Trancereise zugänglich. Naturgemäß ist das etwas schwieriger zu beschreiben, weil jeder seinen eigenen Weg nahm und seine eigene Landschaft als Bühne benutzte. Durch die gekonnte Anleitung war es auch den Neulingen möglich ihre Erfahrungen zu machen, wobei aber auch die Meditationserfahreneren keineswegs zu kurz kamen.
Die dritte Reihe, Tyrs Ætt, die Acht des Tuns und Lassens, dreht sich um grundlegende Aspekte des Menschseins und somit war die Idee, genau diese Runen quasi in „Gruppenarbeit“ schauspielerisch umzusetzen, mehr als gelungen. Wir konnten die unterschiedlichen Aspekte eines Runenpaares zuerst in unserer Gruppe diskutieren, um sie dann möglichst umfassend, punktgenau, treffend, und, und, und umzusetzen. Wieder ein großer Spaß für alle und der war sogar für Runenkundige mit der einen oder anderen neuen Erkenntnis gewürzt!!

Runen in der Mache

Die ganze Zeit spielte auch eines seiner handgemachten Runensets eine wichtige Rolle, beim Austüfteln der Arbeitpaarungen, der Gruppen und überhaupt ganz generell um mal ein wenig „Fühlung“ aufnehmen zu können. Wer wollte konnte sich in bereitgestellten Heften Notizen machen und Wolf (einer der Teilnehmer) filmte ein wenig mit, damit ich auch Fotos in diesen Artikel einbauen konnte.

Als Zusammenfassung kann ich einen Teilnehmer zitieren:
„Ich kann mir schon vorstellen, jetzt mit den Runen was anzufangen! Mit Tarot konnte ich ja nie, weil mir Bilder nix sagen aber jetzt habe ich so einen körperlichen Zugang, hab´ was erlebt und das sagt mir viel mehr.“
Selber sag´ ich:
Seit ich mich in der Heidenszene rumtreibe, also seit mittlerweile 32 Jahren, habe ich mich durch etliche Runenbücher gelesen, habe so einige Vorträge darüber besucht, einige Workshops und nie hat es „gegriffen“. Ich bin halt der „Tarottyp“ – aber jetzt kann ich obiges Zitat für mich ein bisschen abändern. Ich kriege jetzt Bilder bei den Runen und zwar diejenigen, die wir beim Workshop mit Eibensang gemeinsam gemalt haben!
Vielen Dank, Herr Eibensang …

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VIII

Samstag, 09. Juli 2011

Herkunft und Bedeutung der Festtagsnamen

Gleich vorweg: Die Schreibweise, vor allem der mittelalterlichen Namensbezeichnungen der Festtage der Iren, Waliser, Angelsachsen, Wikinger etc. kann variieren. Da es damals keine einheitliche Rechtschreibung gab und es auch einen Unterschied macht, ob man das Fest in einer älteren oder neueren Schreibweise buchstabiert, gibt es oft mehrere Versionen, einen Namen zu schreiben, z. B. Samain (Altirisch), Samhain (modernes Irisch). Das soll aber weiter nicht stören.

Die üblichen neuheidnischen Namen der acht Jahreskreisfeste haben ihre Wurzeln vor allem im Wicca, wobei sich die Wiccas wiederum an traditionellen irischen, angelsächsischen, nordischen und britischen Festnamen orientieren (und im deutschsprachigen Raum auch an entsprechenden hiesigen, traditionellen Bezeichnungen). Manchmal sind die Festnamen auch Neuerfindungen.

Ich beginne mit den einfachen Bezeichnungen der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen: Wintersonnenwende (engl.: Winter Solstice), Frühlingstagundnachtgleiche/Frühlingsäquinoktium (engl.: Spring Equinox, Vernal Equinox), Sommersonnenwende (engl.: Summer Solstice) und Herbsttagundnachtgleiche/Herbstäquinoktium (engl.: Autumnal Equinox, Fall Equinox) sind einfach im Alltag übliche Bezeichnungen für die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden.

Eindeutig christlicher Herkunft sind die Bezeichnungen: (Mariae) Lichtmess (engl.: Candlemas – „Kerzenmesse“), Brighid (Brighid bzw. Brigitte ist eine christliche Heilige), Lady Day – „Frauentag“ (Mariae Verkündigung), Walpurgisnacht (Walburga ist eine christliche Heilige), Lammas/Loaf Mass – „Brotlaibmesse“ und Halloween/Hallowmas – „(Abend vor) Allerheiligen“. (Näheres dazu im Kapitel über das Christentum.)

Die Bezeichnungen „Maifeiertag/May Day/Hohe Maien“ sowie „Herbstfest/Erntedankfest/ Harvest Home“ sind deutsche und englische Bezeichnungen, die für die ausgelassenen Frühlingsfeierlichkeiten am 1. Mai und für die diversen Erntedankfeste im September/Oktober im englischsprachigen und deutschsprachigen Raum üblich sind. Auch sie sind – auch wenn das Brauchtum teilweise recht heidnisch anmutet – eingebettet im christlichen Festkalender.

Der Begriff „Schnitterfest“ für Lugnasad dürfte eine neuheidnische Bezeichnung sein, die sich auf die Ernte, also das Schneiden des Getreides bezieht.

Die Festtagsnamen Mittwinter (engl.: Midwinter), Summerfinding – „Sommer-Findung“, Mittsommer (engl.: Midsummer) und Winter Finding – „Winter-Findung“ sind deutsche bzw. englische Bezeichnungen, die sich auf den germanischen Raum Skandinaviens und Islands (= nordischer Sprachraum) beziehen. Ebenfalls aus dem germanischen Raum kommen die Begriffe Jul (engl.: Yule) – Nordisch für „Zauber, Beschwörung“, Eostre (Altenglisch) und Ostara (rekonstruiertes Althochdeutsch) für „östlich, Osten“ und Litha – Altenglisch für „durchlaufen, gehen, vergehen“. (Näheres im Kapitel über die Germanen.)

Imbolc – „umfassende Reinigung, im Bauch“, Beltaine – „Bel‘s-Feuer“, Lug(h)nasad „Lug‘s-Versammlung“ und Sam(h)ain – „Sommerende“ sind altirische (und damit keltische) Bezeichnungen für die vier Hochfeste im alten Irland. (Siehe das Kapitel über die Kelten.)

February Eve, May Eve, August Eve und November Eve (also Februar-, Mai-, August- und November-Abend) sind die Namen der Feuerfeste, wie sie in Gardners Book of Shadows (siehe Quellenverzeichnis) zu finden sind. Da diese Festbezeichnungen für die jeweils an diesen Daten stattfindenden christlichen Feste eher unüblich sind (ich konnte nichts Diesbezügliches finden), dürfte es sich um Gardners Idee handeln, die Sabbate einfach nach ihrem jeweiligen Datum zu benennen.

Fast alle Festnamen haben also einen heidnisch oder christlich tradierten Ursprung oder sind logische Bezeichnungen (wie „Schnitterfest“ oder „May Eve“).

Bleibt der mysteriöseste Festtagsnamen, der nirgends hineinpasst, nämlich Mabon. Mabon vab Modron (übersetzt: „Mabon, Sohn der Modron“) ist ein Held im mittelalterlichen walisischen (und damit keltischen) Mythos Culhwch ac Olwen, wo er eine Nebenrolle spielt. Und zwar war er in einem Kerker eingesperrt (er war als Kleinkind von drei Jahren seiner Mutter geraubt worden), bis er von Kaiser Arthur (dem meistverfilmten König aller Zeiten) und seinen Mannen befreit wurde, um mit ihnen danach gemeinsam auf die Jagd nach dem gefährlichen Keiler Twrch Trwyth zu gehen. Mabon und Modron haben sogar Entsprechungen in der antiken festlandkeltischen Götterwelt: Der walisische Mabon leitet sich etymologisch vom gallischen Maponos ab, was „Sohn, Kind“ bedeutet. Von den Römern wurde er mit Apollon, dem Gott der Dichtkunst, der Orakel und der Sonne verglichen. Walisisch „Modron“ wiederum kommt vom gallischen Matrona – „große Mutter“. Diese Göttin ist als Singular ein Fluss (nämlich die Marne) und als Dreiergruppe von Göttinnen (Matronen) war sie im römischen Gallien (vor allem im Rheinland) äußerst populär.

Seitdem ich den Mythos kenne, frage ich mich, was genau jemanden veranlasst, ein Erntedankfest nach diesem Helden zu benennen. Man könnte spekulieren, dass das Eingesperrtsein vielleicht einen Initiationsritus oder den Abstieg in die Unterwelt symbolisiert – analog zur Sonne, die im Herbst in die Unterwelt wandert oder auch analog zu den Eleusinischen Mysterien. Vielleicht ist es auch die Eberjagd, weil im Herbst die Jagdsaison beginnt. Und dann gab es im alten Griechenland um diese Zeit noch das Fest Pyanopsia, das Apollon geweiht war.

Wie auch immer, Mabon als Name für ein walisisches (oder anderes keltisches) Fest ist nach meiner gründlichen Recherche historisch nicht erwiesen (weder im Herbst noch sonstwann, weder christlich noch heidnisch). Aber Modron sei Dank gibt es ja das englische Wikipedia. Im Eintrag „Wheel of the Year“ ist zu lesen, dass Aidan Kelly, ein neuheidnischer Autor, in den 1970er Jahren diesen Namen für das Herbstfest geprägt hätte. Warum er das gemacht hat, weiß ich aber nicht.

Auch wenn sich „Mabon“ längst als Festtagsname eingebürgert hat, möchte ich doch darauf hinweisen, dass er damit eine gewisse Asymmetrie bei der Namenswahl der acht Jahreskreisfeste verursacht. Denn die vier Feuerfeste haben keltische Bezeichnungen (Imbolc, Beltaine, Lugnasad und Samain), und drei der vier Sonnenfeste tragen germanische Namen (Jul, Ostara, Litha). Wäre es da nicht konsequent, auch dem Herbstäquinoktium einen schönen germanischen Namen zu geben? Ich finde z. B. „Tamfana“ sehr passend. Das ist eine südgermanische Göttin, die laut Tacitus Ende September vom Stamm der Marser mit einem Fest geehrt wurde. Damit hätten wir sogar einen historischen Namen!

Wie auch immer. Die kreative Namensgestaltung der acht Feste dürfte erst nach der Expansion der Wicca-Idee in verschiedenen Wicca-, Wicca-ähnlichen und anderen Traditionen stattgefunden haben. Schaut man sich nämlich die Namen der acht Sabbate in Gardners Book of Shadows an, muten diese sehr nüchtern an. Sie heißen einfach „…-Equinox“, „….-Solstice“ oder „…-Eve“, also eigentlich nur Datumsbeschreibungen. Warum er keine passenden keltischen oder germanischen Namen benutzte, die er sicherlich kannte, ist fraglich. Vielleicht wollte er keine kulturspezifischen Festtagsnamen einführen, um den Sabbaten einen universellen Charakter zu verleihen?