Mit ‘Homöopathie’ getaggte Artikel

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Von Bachblüten, Phyto- und Aromatherapie – geschrieben von Merlin

Samstag, 01. Februar 2014

Phytotherapie – Pflanzenheilkunde

Die Pflanzenheilkunde oder Phytomedizin ist die Lehre der Verwendung von Heilpflanzen als Medikament. Sie umfasst: Die Heilpflanzenkunde (Phytoharmakognosie), die die botanischen Aspekte der Heilpflanzen untersucht und ihren Anbau. Den Teilen der Pharmakologie, Pharmazeutik und Phytochemie, die sich mit pflanzlichen Drogen und der Eignung pflanzlicher Wirkstoffe als Arzneistoff in Medikamenten sowie deren Synthetisierung beschäftigen. Der Therapeutik der Medikamente pflanzlicher Herkunft und deren Einsatz als Therapatikum, die Phytotherapie. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet.

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Schlummernde Kräfte

Phytotherapie im engeren Sinne verwendet ganze Pflanzen (Kraut) und deren Teile (Blüten, Blätter, Wurzel), die auf verschiedene Weise (als Frischkraut, als Aufguss, als Dekokt [Auskochung] oder Kaltwasserauszug) zubereitet werden. Auch die Pulverisierung und Trockenstandardisierung ist möglich.
Therapierichtung Phytotherapie: Bei der reinen Phytotherapie werden meist Stoffgemische verwendet, sei es, weil der Wirkstoff bisher unbekannt ist, oder sei es, weil bekannte Präparate gut wirksam sind. Die Zubereitung und Dosierung entsprechender Präparate bedarf Expertenwissens, eventuell besteht die Gefahr von tödlichen Vergiftungen. Durch pharmakologische Untersuchungen konnten viele Inhaltsstoffe in ihrer chemischen Struktur geklärt werden. Es lassen sich dabei verschiedene Gruppen zusammenfassen:
Ätherische Öle
Alkaloide
Glykoside
Bitterstoffe
Polysaccharide
Anorganische Stoffe
Hormone, hormonartige Stoffe
Vitamine

Bach Blüten Therapie
Bei der Bach-Blütentherapie handelt es sich um ein in den 1930er Jahren von dem britischen Arzt Edward Bach (* 1886, † 1936) begründetes alternativmedizinisches Verfahren. Die Hypothese Die Bach-Blütentherapie basiert auf der Hypothese, dass jeder körperlichen Krankheit eine seelische Gleichgewichtsstörung vorausgehe und dass die Harmonisierung von Gefühlen und Gedanken eine Heilung bewirken könne. Bach postulierte ursprünglich zwölf Gemütszustände (u.a. Ängstlichkeit, Ärger, Kummer),
erweiterte das Repertoire dann aber früh auf 38 disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur, denen er jeweils eine Blütenessenz zuordnete.
Traditionell tragen die Essenzen englische Namen und sind folgenden Einsatzgebieten zugeordnet:

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Edelkastanie - Sweet Chestnut

Agrimony (authentischer), Aspen (zuversichtlicher), Beech (toleranter), Centaury (durchsetzungsfähiger), Cerato (intuitiver), Cherry Plum (gelassener), Chestnut Bud
(lernfähiger), Chicory (bedingungslos liebevoll), Clematis (realistischer), Crab Apple (reinigen), Elm (verantwortungsbewusster), Gentian (ermutigen), Gorse (hoffnungsvoller), Heather (zentrierter), Holly (sanfter und liebevoller), Honeysuckle (achtsamer), Hornbeam (kräftigen), Impatiens (geduldiger), Larch (selbstwertsteigernd), Mimulus (mutiger), Mustard (stimmungsaufhellend), Oak (vernünftige Ausdauer entwickeln), Olive (regenerierend), Pine
(Selbstakzeptanz steigern), Red Chestnut (eigenständiger), Rock Rose (innerlich ruhig), Rock Water (flexibel), Scleranthus (ausgeglichen), Star of Bethlehem (befreit), Sweet Chestnut (Selbstfindung), Vervain (überlegtes Handeln), Vine (anpassungsfähiger), Walnut (veränderungswillig), Water Violet (kommunikativer), White Chestnut (ruhiger), Wild Oat (beruflich klarer), Wild Rose (lebendiger), Willow (eigenverantwortlicher).

Die Blüten werden heute noch an den ehemals von Bach festgesetzten Standorten gesammelt und nach den von Bach beschriebenen Potenzierungsmethoden verarbeitet. Bei
der Sonnenmethode werden die Blüten für etwa drei bis vier Stunden in eine mit Wasser gefüllte Schale gelegt und diese in die Sonne gestellt, bei der Kochmethode werden die Pflanzenteile eine halbe Stunde in Wasser erhitzt. Die letztere Methode wird für holziges Pflanzenmaterial oder bei Pflanzen, die zu einer sonnenarmen Jahreszeit blühen, angewendet. Laut Bach geben die Pflanzen ihre Schwingungen als heilende Energie an das Wasser ab. Das Wasser wird anschließend mit einem gleich großen Anteil Alkohol als Konservierungsmittel versetzt. Diese Urtinktur wird ähnlich wie in der Homöopathie weiter verdünnt, um die eigentlichen Blütenessenzen herzustellen.

Aromatherapie
Aromatherapie bezeichnet die Anwendung ätherischer Öle zur Beeinflussung von Gesundheit und Wohlbefinden. Geprägt wurde der Begriff in den 1920er Jahren von dem französischen Chemiker René Maurice Gattefossé. Die in der Aromatherapie verwendeten ätherischen Öle werden aus Pflanzen extrahiert. Größere Anteile sind zum Beispiel in Kamille, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Jasmin und Sandelholz enthalten, die deshalb häufig zur Gewinnung ätherischer Öle genutzt werden. Ätherische Öle sind Arzneimittel, weshalb bei ihrer medizinischen Nutzung das Arzneimittelgesetz Anwendung findet. Aromatherapie ist die gezielte Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen mit ätherischen Ölen. Sie ist Bestandteil der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Teil komplementärmedizinischer Methoden.

Die Verwendung von Duftstoffen in Privathaushalten ist schon längst üblich geworden, auch wenn selten das Wort Aromatherapie dafür herangezogen wird. Erkältungsbäder, Massageöle und Duftlampen sind Beispiele dafür. Aromatherapie wird auch als ergänzende Erweiterung für den Whirlpool angeboten. Dabei werden dem aufgeheizten Wasser Duftstoffe beigemengt, die durch die ständige Umwälzung durch Düsenpumpen besonders gut während des Bades aufgenommen werden können.
Duftstoffe allgemein können in verschiedenen Weisen auf den menschlichen Körper einwirken: Der Geruchssinn wird angesprochen; dies führt zu einer  Sinneswahrnehmung mit all den damit verbundenen Nebeneffekten (Gefühlseindruck, Erinnerung, reflektorische Beeinflussung verschiedener Körperfunktionen, etc.).

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Aromatherapie

Ein Beispiel hierfür ist die Aromatherapie-Massage: Sie ist die wichtigste Methode der Aromatherapeuten auf dem Sektor der alternativen Gesundheitspflege. Wesentlich geprägt wurde dieses Anwendungsgebiet von der Französin Marguerite Maury: Sie untersuchte die Wirkung von Aromen, wenn sie auf die Haut aufgetragen werden. Dies erfordert Kenntnisse zur Anatomie und Massage sowie über die Eigenschaften der einzelnen ätherischen Öle. Nach Einnahme oder Inhalation können ätherische Öle auch eine direkte Wirkung auf die Organe haben. Lavendelöl soll zum Beispiel beruhigend wirken, Thymian aktivierend, Jasminöl stark anregend, Orangen- und Zitronenöl sollen die Stimmung aufhellen. Einige ätherische Öle besitzen antiobiotische Eigenschaften, wodurch sie sich gut für die Prophylaxe und zur Behandlung leichterer Infekte eignen. Neben den reinen Aromaölen eignen sich hierfür auch bestimmte Heilkräuter und Gewürze, wie Thymian, Salbei und Zitronenmelisse. Besonders häufig findet diese Therapieform Verwendung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten, wofür sich neben der oralen Einnahme ganz besonders die gezielte Inhalation, wie auch eine Anreicherung der Raumluft über Verdunstung eignen.

Schon zur Zeit der alten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten wurden Duftstoffe, bzw. Pflanzenteile, meist in Form von Räucherwerk für therapeutische und rituelle Zwecke angewandt. Davon abgeleitet wurde die heutige Bezeichnung Parfum (lat. per fumum – durch den Rauch) für wohlriechende Duftölmischungen. Der römische  Geschichtsschreiber Plinius berichtet etwa von der Anwendung von Pfefferminzblättern zur Reinigung von Krankenräumen.

Die Pimpernuss – Staphylea pinnata L.

Samstag, 24. Dezember 2011

Heute muss ich gestehen – ich hatte bis vor kurzem keine Ahnung wer oder was eine Pimpernuss ist. Der Zufall wollte, dass ich für einige Freunde ein paar Pflanzen am Niederösterreichischen Heckentag besorgte und der Veranstalter (die Regionale Gehölzvermehrung – www.heckipedia.at) am Infostand unter anderem eine Broschüre über die Pimpernuss aufliegen hatte. Neugierig wie ich bin hab ich das Heft eingepackt und erst jetzt wieder hervorgeholt – und ich muss sagen, die Staphylea pinnata ist schon eine interessante und vor allem auch sehr alte Pflanze.

Nördliche Verwandtschaft in Ost und West

Es gibt (bis jetzt) insgesamt elf bekannte Pimpernussarten, die sich auf der gesamten Nordhalbkugel ausgebreitet haben. Die Ausnahme bildet ein kleines Verbreitungsgebiet in Peru. In Afrika gibt es keinen einzigen natürlichen Standort dieser Pflanze. Die Pimpernuss liebt die Wärme und ist daher über dem 50. Breitengrad nicht zu finden. Sie mag es aber keinesfalls zu trocken, sondern bevorzugt die luftfeuchteren, höheren Lagen. Die einzelnen Vertreter der Staphylea pinnata sehen sich untereinander sehr ähnlich. Die Begründung für diese Familienähnlichkeit liegt in der Entwicklungsgeschichte der Pflanze. Sie ist Teil der Arcto-Tertiär-Flora und hatte früher ein geschlossenes Verbreitungsgebiet auf der gesamten Nordhalbkugel.


Die zunehmende Vereisung führte dazu, dass die Pflanzen der Arcto-Tertiär-Flora nach Süden wanderten und sich erst nach der Eiszeit wieder nach Norden ausdehnten. Bei der erneuten Besiedlung in den früheren Verbreitungsarealen zerfielen die Verbreitungsgebiete in mehrer voneinander abgegrenzte und auch weit auseinander liegende Standorte, in denen sich die Pflanzen verschieden entwickelten. So entstanden zum Beispiel die Japanische, die Chinesische und die Kalifornische Pimpernuss, denen die Fiederblätter mit 3 Teilblättchen gemeinsam sind und die Gewöhnliche oder die Kolchische Pimpernuss, mit Fiederblättern mit 5 bis 7 Teilblättchen.

Nur die Starken überleben

Sie ist ein großer Strauch und wird ungefähr so hoch wie die Haselnuss. Die vielen traubenförmig hängenden Blütenrispen duften schwach und leicht würzig und werden neben Bienen auch von Fliegen und Schwebfliegen besucht. Den an Weintrauben erinnernden Blütenstand verdankt die Pimpernuss auch ihren Namen – Plinius nannte sie „staphylodendron“ und leitete das von „staphyle“, der Traube und „dendron“, dem Baum ab.


Die Anzahl der Samen richtet sich nicht nach dem Befruchtungserfolg sondern hauptsächlich nach den klimatischen Bedingungen. Ist der Sommer extrem trocken werden nur die Samen weiterversorgt, die eine realistische Chance haben voll auszureifen. Daraus ergibt sich eine stark schwankende Zahl an Samen pro Kapsel. Diese umfassende Anpassung an das Lokalklima, den Pflanzenstress und die Lebenskraft der Pflanze war für die Menschen schon immer interessant. So galten zum Beispiel in Schlesien Pimpernüsse mit sechs oder mehr Samen als Glücksnüsschen. Einzelne Samen wurden in die Geldbörse gegeben mit dem Ziel nie einen leeren Geldbeutel zu haben. Die Samen umschließt eine häutige Kapsel – die sogenannte Blähfrucht. Sie wird während ihrer Entwicklung durch einen leichten Überschuss aus CO²-hältiger Luft aufgespannt und erst kurz vor der Vollreife wird die Haut wieder gasdurchlässig.

Abgeschnitte Nasen zum Essen oder Umhängen

Die dicke und harte Schale schützt die Samen der Pimpernuss vor der Zersetzung und dies führte dazu, dass sich im archäologischen Fundmaterial auch heute noch etliche gut erhaltene Kerne finden lassen. Bei einer Ausgrabung aus der frühen Bronzezeit am Gardasee wurde eine vollständig erhaltene Kette aus Marmorperlen und durchlochten Pimpernuss-Samen gefunden und zeigt die Verwendung als Schmuckstück. Spätere Funde aus der Bronzezeit in Mittelitalien lassen auch auf eine Verwendung als Nahrungsmittel schließen. Während der Römerzeit werden die Funde häufiger und die Vermutung liegt nahe, dass Staphylea pinnata von den Menschen gezielt genutzt wurde. Funde Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus und auch aus dem 3./4. Jahrhundert nach Christus belegen, dass Pimpernüsse als Grabbeigaben – auch in römischen Provinzen wo die Pflanze eigentlich nicht heimisch war – verwendet wurden. Somit haben anscheinend die Römer aktiv zur Verbreitung der Pflanze beigetragen.

Der Schweizer Botaniker Gustav Hegi (1876 – 1932) beschreibt in seiner „Illustrierten Flora von Mitteleuropa“ (1906) auch einen keltischen Brauch, wonach es anscheinend üblich war Pimpernuss-Sträucher auf den Gräbern zu pflanzen. Auch wenn letztendlich die Beweise für diese Theorie fehlen könnten daher die deutschen Bezeichnungen „Todtenkopfbaum“ und „Todtenköpfli“ für die Pimpernuss stammen. Trotzdem ist es eher wahrscheinlich, dass sich diese Namen vielmehr auf die Gestalt der Samen beziehen – die Ansatzstelle der Kerne ähnelt einer abgeschnittenen Nase bzw. der Nase eines Totenschädels. Dazu passt auch eine Legende aus der Gegend von Steyr (Oberösterreich), wonach sich Nonnen die Nasen abschnitten um sich vor der Schändung durch angreifende Feine zu schützen. Sie vergruben ihre abgeschnittenen Nasenspitzen und daraus wuchsen der Sage nach Pimpernuss-Sträucher.


Ab dem Hochmittelalter waren es wohl die christlichen Mönche die für die Verbreitung der Pimpernuss in Europa sorgten. Sie verwendeten die Samen zur Herstellung von Rosenkränzen. Viele der heutigen Standorte befinden sich auf dem Gelände von ehemaligen oder noch bestehenden klösterlichen Anlagen. Im östlichen Europa belegen ethnographische Berichte aus der jüngeren Vergangenheit und auch der Gegenwart über eine vielfältige Verwendung von Staphylea pinnata im Volksglauben. Diese reicht von geweihten Zweigen und Holzkreuzen über Samen-Amulette und Samen als Hausmittel gegen Erbrechen oder der Blätter als Vieharznei bis hin zu Holz-Talismanen für den Exorzismus böser Geister.

Blähfrucht gegen Überdruck

Über die Verwendung der Pimpernuss in der Volksmedizin und deren Heilwirkung gibt es leider nur sehr spärliche Quellen. In modernen Quellen findet man Staphylea pinnata immer wieder unter den aphrodisierenden Pflanzen – es gibt aber keine Beweise die diese Theorie unterstützen. Allerdings gibt es aus der Signaturenlehre einige positive Beispiele die eine medizinische Verwendung der Pimpernuss belegen. Die Früchte und jungen Zweige werden in der Homöopathie zur Urtinktur verarbeitet. Die Besonderheit der Blähfrüchte – Gasabgabe nach innen wodurch ein Überdruck entsteht – legt nahe, dass sie sich bei Blähungen der Hohlorgane gut anwenden lässt. Hoch potentierte Gaben der Pimpernuss werden erfolgreich bei Darmblähungen, bei aufgetriebenem Bauch und bei hohem Blasendruck eingesetzt.

So bin ich durch Zufall auf eine sehr interessante Pflanze gestoßen. Falls euch auch mal so ein Zufall passiert, dann scheut euch nicht mit uns Kontakt aufzunehmen – wir freuen uns immer wieder über Artikelspenden!

Quellen:
Die Pimpernuss (Staphylea pinnata L.). Eine Monografie der Regionalen Gehölzvermehrung RGV.
www.sagen.at