Mit ‘Jahreskreisfeste’ getaggte Artikel

Warum „Jahreskreisfeste“ im Alten Ägypten keine Rolle spielten

Samstag, 10. Dezember 2016

Immer wieder wird im Neuheidentum versucht die Jahreskreisfeste auch der altägyptischen Kultur zuzuordnen. Dass dies wenig sinnvoll ist hat einen sehr einfachen Grund: Ägypten liegt viel näher am Äquator und die Unterschiede in den Tageslängen in Abhängigkeit der Jahreszeit sind in Ägypten kaum spürbar.

Eine „Wiedergeburt des Lichts“ gibt es daher ebenso wenig wie „die dunkle Zeit“ o.ä. Naturphänomene der nördlichen Regionen. Daher haben die Sonnenwenden, die für den heidnischen Festtagskalender so wichtig sind kaum Bedeutung für den altägyptischen Festkalender.

Sonnenbewegungen in Äquatornähe

In den folgenden Grafiken ist deutlich zu sehen, dass der Unterschied der Tageszeitlänge über das Jahr z.B. in Berlin bis zu 9 Stunden beträgt. In Kairo dagegen sind es 3,5 Stunden. Das bedeutet, dass die Sonne im Sommer weniger als 2 Stunden früher oder später untergeht als im Winter, während dies in nördlichen Regionen mindestens doppelt so lange dauert. In Skandinavien ist diese Spanne natürlich noch größer.

Tageslänge Kairo

 

Tageslänge Berlin

(Quelle: https://www.laenderdaten.info)

Im Alten Ägypten bestand der Tag aus 12. Tagesstunden welchen jeweils bestimmte Gottheiten zugeordnet waren und die Nacht gleichsam aus 12. Nachtstunden über die ebenfalls Götter regierten. Auch hier lässt sich also keinerlei Unterscheidung zwischen „Sommer“ und „Winter“ nachweisen.

Der nächtliche Sonnenlauf, Abbildung aus der Grabkammer Ramses III., nach Champollion, Wikimedia Commons

Der nächtliche Sonnenlauf, Abbildung aus der Grabkammer Ramses III., nach Champollion, Wikimedia Commons

Die Bedeutung des Nils für die Jahresrechnung

Ein wesentlich prägnanteres Naturereignis war hingegen die alljährlich wiederkehrende Nilflut. Diese wurde von den Monsunregenfällen im äthiopischen Hochland verursacht, die etwa Juni/Juli herrscht und damit eine kalendarische Nähe zur Sommersonnenwende der nördlichen Regionen aufweist. Die Wassermassen gelangten über das äthiopische Ursprungsgebiet des Nils in den ägyptischen Nil, verursachten weitläufige Überschwemmungen, die fruchtbaren Schlamm brachten und damit das Ende der Trockenperiode bestimmten. Demzufolge orientierte sich auch der altägyptische Kalender an den drei natürlichen Jahresphasen der Überschwemmung, der Zeit der Aussat und der Trockenheit und benannte die drei Jahreszeiten danach: Achet, Peret und Schemu. Die meisten Festtage drehten sich auch um den Jahresbeginn, der mit dem Eintreffen der Nilflut zeitlich gleichgesetzt wurde.

AchetPeretSchemu

Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der jährlichen Niederschlagsmenge in Äthiopien die nahezu identisch mit den Jahreszeiten des altägyptischen Kalenders ist. Der dunkelblaue Teil entspricht der Flutzeit, der gestrichelte der Zeit der Aussat und der gelbe Teil der Trockenperiode. Je nach Nilgebiet traf die Flutwelle früher oder später ein und damit verschob sich jeweils auch der Kalender.

 

Jahresdiagramm Niederschlagsmenge Äthiopien

Jahresdiagramm Niederschlagsmenge Äthiopien

Etwas später orientierte man sich am Aufgang des Sirius, der ungefähr zeitgleich mit der Nilflut eintrat. Ein weiterer Unterschied zu nördlich gelegenen Ländern, denn dort geht der Sirius gar nicht mehr unter und folglich auch nicht auf. Sternzyklen der sog. Baktiu-Sterne bildeten schließlich auch die Grundlage für die Sternuhren, die noch vor dem Anfang des Mittleren Reiches belegt sind. Die Baktiu-Sterne markierten jeweils die Dekane, also die 10-tägigen Wochen der altägyptischen Zeitrechnung. Das Jahr enthielt daher 36 Dekane – jede davon mit einem eigenen Dekan-Stern – und die 5 verbleibenden Tage zum Sonnenjahr galten als Heriu-renpet Tage, also als Tage „zwischen den Jahren“, die wiederrum im Juni/Juli zum Jahreswechsel datiert waren.

Diagonalsternuhr in Särgen des Mittleren Reiches im Alten Ägypten, Foto: NebMaatRa, Wikimedia Commons

Diagonalsternuhr in Särgen des Mittleren Reiches im Alten Ägypten, Foto: NebMaatRa, Wikimedia Commons

Feste wie die Tages-und Nachtgleiche oder die Sonnenwenden finden also keinerlei thematische Entsprechnung im altägyptischen Kalender. Es gibt jedoch derart viele Festtage im altägyptischen Kalender, dass man mit etwas Kreativität einen persönlichen Kalender für die eigene hiesige Praxis festlegen kann, der mit dem üblichen heidnischen einigermaßen übereinstimmt. So steht auch gemeinsamen Festen mit anderen Heiden nichts mehr im Wege. Jedoch muss einem dabei klar, sein, dass es sich hierbei um eine rein neuzeitliche Adaption handelt und keineswegs um authentische Tradition.

 

Janet & Stewart Farrar – Spells and how they work

Samstag, 02. April 2016

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Erstauflage: 1990/St. Edmundsbury Press Limited/Phoenix Publishing/ISBN: 0919345638/191 Seiten

2. Auflage: 1991/3. Auflage: 1992/BCA

Über die Autoren

Stewart Farrar kam am 28. Februar 1916 in Essex in Großbritannien zur Welt. Seine Eltern waren Christian Scientists, also wurde er auch so erzogen. Doch bereits im Alter von 20 Jahren fühlte er sich zum Hexentum hingezogen. Seine Ausbildung als Journalist absolvierte er am “University College“ in London, schloss diese 1937 mit Diplom ab. In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er im Londoner Reuters Büro (1953 und 1954), war Drehbuchautor für die englischen Filmgesellschaften “Associated British-Pathe“ und “Associated British Corporation“ sowie freier Mitarbeiter der BBC. Seinen ersten Roman „The Snake on 99“ veröffentlichte Farrar im Jahr 1958. Im Jahr 1969 – Farrar arbeitete für die Wochenzeitung “Reveille“ – wurde er zu einer Pressevorführung des Films “Legend of the Witches“ geschickt. An der Vorführung nahmen auch Alex Sanders und seine Frau Maxine teil, die bei diesem Film als Ratgeber mitwirkten. Die Herausgeber der Zeitung beauftragen Stewart Farrar ein Interview mit Alex Sanders zu führen. So kam er mit Wicca in Kontakt, nahm in der Folge auch an einem Initiationsritual teil. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er mit der Arbeit zu seinem ersten Science Fiction-Roman “What Witches Do“ begann. Er ließ sich durch die Sanders ausbilden und wurde am 21. Februar 1970 in die Alexandrian Tradition initiiert. Im Coven lernte er dann auch seine spätere Frau, Janet Owen, kennen. Am 17. Oktober 1970 wurden beide von Alex Sanders in den zweiten Grad initiiert und erhielten ihren dritten Grad am 24. April 1971. Im selben Jahr wurde auch “What Witches Do“ veröffentlicht und die Farrars gründeten ihren eigenen Coven (noch bevor sie den dritten Grad erhielten). 1972 feierten sie Handfasting, legal heirateten sie 1975. Vor seiner Ehe mit Janet Owen war Stewart Farrar bereits fünf Mal verheiratet, hatte aus drei dieser früheren Ehen auch zwei Töchter und zwei Söhne. 1974 kündigte er bei “Reveille“ und war seitdem nur noch freier Mitarbeiter. 1976 zogen die Farrars nach Irland. Sie lebten in den Grafschaften Mayo und Wicklow, bis sie sich endgültig in Kells bei der Grafschaft Meath niederließen. Stewart Farrar starb am 7. Februar 2000 nach kurzer Krankheit.

Janet Farrar wurde am 24. Juni 1950 als Janet Owen geboren. Ihre Familie – die irischer, englischer und walisischer Abstammung ist – gehörten der Church of England an. Nach der Highschool arbeitete sie als Rezeptzionistin und als Model. 1970 lernte sie Alex Sanders durch eine Freundin kennen. Sie begleitete diese Freundin zu einem Treffen, weil sie diese davon abhalten wollte, dem Coven beizutreten. Statt ihrer Freundin trat letztendlich aber sie selbst bei. 

Über das Buch

Vor 26 Jahren haben die Farrars dieses Buch geschrieben. Zu einer Zeit, in der es noch kein Internet, kein Social Media gab und der Magie-Interessierte seine Frage nicht einfach in eine Suchmaschine eingeben konnte, um in Sekundenschnelle die passenden Antworten zu erhalten.

Wo heute einschlägige magische Sprüche zur schnellen Hilfe bei etwaigen irdischen Problemen auf irgendwelchen Foren oder Ratgeberseiten gefunden werden können, standen Janet und Stewart Farrar damals vor einem anderen Problem. Welches, wird im Vorwort klar. Da ersuchen sie ihre Leser, ihnen keine Briefe mit Anfragen für Zauber mehr zu schicken.

„Trying to solve the problems of dozens of strangers whom we have never met would drain us, or anyone else, in a week. It would also be irresponsible, because, however honest the writer tries to be, one cannot have the whole picture; after all, what doctor would diagnose and prescribe by post. And if you read this book carefully, we hope you will find we have pointed a way towards solving such problems for yourself.”

Auf den ersten Seiten machen die beiden Autoren also klar, warum sie dieses Buch auf den Markt gebracht haben. Es soll tausenden verzweifelten Menschen da draußen eine Anleitung geben. Ein Wegweiser in Richtung Magie. Um Zweifel zu zerstreuen, fragen sie auch im ersten Kapitel „Do Spells Work?“. Geben darauf aber keine direkte Antwort, sondern erklären, warum sich in den letzten Jahrzehnten sogar die Wissenschaft für die Magie und psychische Kräfte interessiert.

Konkreter werden die Autoren dann bei „Why and How“. Hier gehen sie auf die verschiedenen Realitätsebenen ein. Besonders die Astralebene ist die, die für Zaubersprüche sehr wichtig ist. Soll ein Zauber aber richtig wirken, muss die richtige Kommunikation zwischen allen Ebenen gefunden werden. So reagiert die Mentalebene auf Wörter, die Astral- und die physische Ebene verstehen die Sprache des Unterbewusstseins, während für die Astralebene Symbole und Bilder verwendet werden.

Das ethische Motto „An ye harm none, do what thou wilt“ erklären die Farrars damit, dass jedem Zauber ein legitimes Ziel zugrunde gelegt werden muss. Konkret: Nicht einfach dem eigenen egoistischen Willen folgen, sondern Regeln beachten. Diese sind, dass man niemals einen Zauber durchführen sollte, um jemandem zu schaden. Dass man niemanden gegen seinen eigenen Willen manipulieren sollte. Außerdem soll der, der den Zauber durchführt, niemals annehmen, dass er alle Umstände einer Situation kennt. Wichtig sei auch, niemals Magie für seinen eigenen Profit zu betreiben, wodurch jemand anderer auf der Strecke bleiben könnte. Bei der Durchführung sollte man auch genau auf die Wortwahl achten, den Spruch präzise formulieren und keinen Raum für Schlupflöcher lassen, bei denen wiederum jemand zu Schaden kommen könnte.

Um unbedarfte Menschen zu warnen, was beim Brechen einer dieser Regeln auf sie zukommen könnte, haben die Farrars das Kapitel über den „Boomerang Effect“ eingefügt. Bumerang bedeutet, dass jede physische Attacke, die gegen jemand mit einer starken physischen Abwehr gerichtet ist, dreifach auf den Ausführenden zurücktrifft.

„‘A stronger defence‘ can mean three things. First, of course, conscious and deliberate defence when you are aware of the attack. Second, the habit of keeping yourself permanently in a state of defence. And third, a naturally tough psychic skin – which many people, even without any occult knowledge or even a belief in psychism, do possess. “ (S.22)

An dieser Stelle fügen die Autoren einen Zauberspruch mit an, mit dem eine psychische Attacke an den Verursacher zurückgeschickt werden kann.

Der psychischen Selbstverteidigung ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Drei Arten von Angst gibt es, klären die Farrars auf – „Paranoia, Panik und Paralyse“, die drei P. Wie man eine gesunde psychische Selbstverteidigung aufbaut, sich gegen Angriffe schützen kann, erklären sie in diesem Kapitel. Nicht fehlen darf hier die Verteidigung gegen die sogenannten Energievampire, also Menschen, die unbewusst von anderen Energie abziehen.

Konzentration, Wille, Visualisierung und natürlich Übung sind die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Spruch. Und das Schlüsselelement fürs Gelingen: Die Energie, die man hochgezogen hat, loslassen.

„We have witnessed cases in which this has been overlooked – and the result has been not only frustration of the intent but, on the physical level, a severe headache for the practitioner.“ (S.33)

Um das passende Umfeld, also Räucherung, Öle, und die Hilfsmittel für die Visualisierung – zum Beispiel mit einer Puppe – geht es unter anderem in „Setting about it”. In diesem Kapitel finden sich auch die Farben – die zum Beispiel für Kerzenmagie gebraucht werden – mit den entsprechenden Zuordnungen und den kabbalistischen Sphären. Überdies listen die Farrars auch eine nummerologische Zuordnung der Zahlen eins bis 13 auf.

Janet und Stewart scheuen sich auch nicht davor, das heute wie auch damals heiß diskutierte Thema der Sexualmagie aufzugreifen: „Any strong emotion produces an incandescent fireball on the astral plane. […] Erotic feeling and activity engender is just about the brightest astral fireball (with its explosion at the climax of orgasm) that can legitimately be harnessed to a magical operation.” (S.48)

Sie betonen aber auch, dass Sexualmagie nur von einem Paar durchgeführt werden sollte, für die die Sexualität Teil ihrer Beziehung ist – also von Ehepartnern oder einem Pärchen. Denn: „Sex magic without love is black magic“ (S.48)

Durchgeführt werden sollte Sexualmagie dann, wenn viel Energie gebraucht wird. Hier beschreiben die Farrars ein Ritual, das für ein Kind gemacht wurde, das andernfalls gestorben wäre. Die Ärzte nannten dessen Genesung ein Wunder.

Auch fürs magische Arbeiten nach der Kabbala ist ein Kapitel reserviert. Die Farrars betonen „The Cabala is not generally regarded as a part of mainstream Wiccan tradition; some witches find it helpful, while others make a point of avoiding it. […] We are among those who find Cabalistic concepts a fruitful expansion of ‘pure’ witchcraft (if there is such a thing).“ (S.55)

Darauf, wie der Einzelne mit der Kabbalah effektiv magisch arbeiten kann, gehen die Farrars aber nicht weiter ein. Sie belassen es bei der Aufzählung der Eigenschaften der einzelnen Sephiroth und haben eine Zeichnung des Lebensbaums beigefügt.

Hier endet der eigentlich wirklich interessante Teil des Buches. Die anderen Kapitel drehen sich um um Talismane, Wetter-Zaubersprüche, Bindesprüche oder Liebeszauber, die aber meistens aus der Folklore- und Sympathiemagie stammen. Im Anhang finden sich unter anderem eine Auflistung der Planetenstunden sowie magische Alphabete.

Fazit: Der Buchtitel „Spells and how they work“ hält nicht ganz, was er verspricht. Interessant ist der Einblick in den magischen Alltag der Farrars und ihres damaligen Covens. Sie bringen auch haufenweise Beispiele von Zaubersprüchen, die durchgeführt wurden und auch zum Erfolg geführt haben. Allerdings lassen sie eines vermissen: Den konkreten Aufbau eines Rituals. Stattdessen findet der Leser „Zaubersprüche aus alten Zeiten“, darunter auch den „Ojala“-Spruch (S.77), bei dem die Autoren behaupten, das Wort wäre ein Ausdruck für „Allah“. Tatsächlich bedeutet „Ojala“ – „hoffentlich“. Auch lassen sie offen, wofür oder wogegen der Spruch wirken soll.

Aus der folkloristischen und Sympathiemagie besteht der größte Teil der Kapitel über die magischen Zaubersprüche. Natürlich könnte man dem entgegenhalten, dass die heutige Magie aus der Folklore entstanden ist. Nur hat das mantraartige Wiederholen eines bestimmten Spruchs eher etwas mit den „Wünschen ans Universum“ zu tun: Es kann etwas bewirken, es kann aber auch nichts bewirken.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die magischen Sprüche zur Heilung, die die Farrars auf drei Seiten abhandeln. Unter den hier vorgestellten Sprüchen findet sich einer zur Heilung von Knochenbrüchen, einer bei chronischen Herzproblemen, ein weiterer, um Kopfschmerzen zu heilen und ein älterer aus Ägypten gegen Schlangenbisse.

Um Herzprobleme zu heilen, soll es demnach einfach reichen, in eine Puppe, die die Person repräsentiert, einen Rosenquarz ins Herzchakra einzunähen. An diesem Beispiel wird das Problem verdeutlicht, das sich nach Ansicht der Rezensentin wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Es ist eine nette Ergänzung zu anderen Büchern, die genauer auf das Thema Zaubersprüche und Rituale eingehen. Andererseits bleiben zu viele Fragen offen, der unbedarfte Leser, der sich hier eine echte Hilfestellung in puncto „Magie und Heilung“ erhofft, wird von den beiden Autoren zu oft im Dunklen gelassen. Deshalb nur bedingt empfehlenswert!

Ann-Marie Gallagher – The Spells Bible

Samstag, 03. Oktober 2015

Ann-Marie Gallagher – The Spells Bible

2003/Walking Stick Press/ ISBN: 1582972443/S. 400/EUR 18,13

Über die Autorin

Ann-Marie Gallagher ist Historikerin, Feministin, Dozentin an der Universität Lancashire in Großbritannien und bekennende Hexe. Seit Jahren hält sie Vorträge über Hexerei, heidnische und Göttinnen-Spiritualität, Magie, frauenspezifische Themen, Genderforschung und Folklore. Über diese Inhalten sprach Gallagher auch schon in einigen Radioshows. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrem Mann in Lancashire.

Andere Bücher: Thorsons Way of the Goddess (2000), Re-presenting the Past: Women and History (2001), Spellcraft: Practical Spells for Modern Life (2001), Magical Spells for Your Home: How to Bring Magic Into Every Area of Your Life (2002), The Wicca Bible: The Definitive Guide to Magic (2005), Inner Magic: A Guide to Witchcraft (2007)

Über das Buch

Bibel – schon der Name signalisiert, dass dieses Buch etwas Wichtiges, ja sogar vielleicht etwas Heiliges sein muss. Mittlerweile scheint es in Mode gekommen, ein Buch mit „Bibel“ zu betiteln. Da überschwemmen „The Chakra Bible“, „The Tarot Bible“, „The Wicca Bible“, “The Angel Bible”, “Astrology Bible” oder “The Chrystal Bible” den Büchermarkt. Nicht zu vergessen Janet & Stewart Farrar mit ihrer “Witches Bible”, sicherlich eine der ersten Autoren, die einem Buch diesen Titel gaben. Nun also „The Spells Bible“, die Bibel der Zaubersprüche.

Der Untertitel „The definitive guide to charms and enchantments“ vermittelt dem unbedarften Käufer, dass dieses Buch ein „Muss“ ist, wenn man sich mit Magie sein Leben erleichtern und bereichern möchte. Die Autorin Ann-Marie Gallagher folgt mit diesem Buch einem Trend. Dem Trend der heutigen Konsumgesellschaft, Lesern alles so mundgerecht wie möglich zu servieren. Dass sie damit den Nerv ihrer Zielgruppe – junge Mädchen und Frauen in den mittleren Jahren – getroffen hat, zeigen die Rezensionen auf Amazon.com: „Seit Jahren habe ich nach so einem Buch gesucht“, schreibt eine. „Das beste Buch für Zaubersprüche, das es gibt“, eine andere. „Großartige Bilder und viele nützliche Sprüche“, eine Dritte. Kritik erhält die Autorin lediglich von Leserinnen, die sich daran stören, dass das Buch keine besseren Abbildungen enthält oder fast jeder Zauber mit Räucherkohle durchgeführt werden muss. Die sind aber deshalb nicht minder begeistert von der „Spells Bible“.

Auf den ersten Blick vermittelt das Buch genau den Eindruck, den es vermitteln soll: Den eines Nachschlagewerks. Unterschiedliche kleine Bildchen auf dem Einband, ohne viel Schnickschnack kommt es im handlichen Taschenbuchformat daher.

Einleitend erklärt Gallagher kurz die Grundlagen der Magie, wie man mit ihr arbeitet, sich seinen eigenen Raum zwischen den Welten schafft. Der Raum, in dem ein Zauber wirken kann und soll.

Die innere Einstellung, mit der man an eine magische Arbeit herangeht ist der Schlüssel zum Erfolg, erklärt sie einleitend (S. 13). Und all diejenigen, die am liebsten gleich ans Eingemachte gehen wollen, warnt sie: „In case you are tempted to pass over this section, let me add that failure to do the basic work described here will result in wasted effort as far as spell casting goes“ (ebda). Und noch ein zweites Mal warnt sie ihre Leser: Bevor ihr einen Zauber einsetzt, um euer Ziel zu erreichen, überlegt euch gut, ob ihr den wirklich braucht. Denn „Magic should never be used as an alternative to a material action – this just wastes everybody’s time, enables people to avoid facing reality, and feeds whatever delusions they may be harboring that their problems can be solved with no effort on their part.“ (S. 14).

Nach den einleitenden Erklärungen, zu denen auch ein kurzer Abriss über die Jahreskreisfeste gehört, geht’s dann zum eigentlichen Thema des Buches: Zu den Zaubersprüchen. Diese sind nach einzelnen Themenfeldern unterteilt: Liebe und Leidenschaft, Karriere und Arbeit, Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden, Familie, Freunde und häusliches Umfeld, Jahreszeiten, Glück, Schutz und Segnung, Prophezeiung sowie bannende und bindende Sprüche. Insgesamt 150, also eine beträchtliche Sammlung.

Jeden Zauber hat Ann-Marie Gallagher mit einem Namen versehen, die Begründung und eine genaue Erklärung, wofür er eingesetzt wird, stehen darunter. Es folgen die Zutaten, die für den Zauber benötigt werden, dann die genaue Durchführung.

Die Bestandteile der Zauber sind zum Großteil in jedem guten Esoterik-Shop, online oder auch in der Natur erhältlich. Nur einige lassen sich nicht so einfach beschaffen, beispielsweise die Feder einer Eule, rote Tinte oder Schlangenhaut. Andere Zutaten gibt es nur saisonal, wie die Ringelblume, die für den „Bottle Spell“ benötigt wird.

Die Zauber selbst sind einfach durchzuführen. Einige sind im Bereich der Sympathiemagie angesiedelt, andere ähneln jenen, die auch in jedem anderen Magiebuch gefunden werden können. Von einigen Zaubern würde die Rezensentin jedoch jedem Magieneuling abraten. Dazu gehören die Runenzauber, wie beispielsweise das Tyr-Amulett, mit dem der Durchführende eine neue Stelle erhalten soll. Runen sind lebende Wesenheiten, nicht einfach nur Schriftzeichen, die jeden Missbrauch übel nehmen, sogar bestrafen.

Fazit: Magie schnell einfach und unkompliziert durchführen, ohne viel Brimborium. Das wünschen sich viele: Egal, ob sie sich die Magie in ihr Leben zurückholen möchten oder einfach nur die Lösung für ein Problem suchen. Die „Spells Bible“ ist sicher interessant, um sich Ideen und Anreize für Rituale zu holen, das eine oder andere umzuschreiben und über die Durchführung zu lernen. Allerdings sollte man auch bei einem Buch, das schnelle, magische Lösungen verspricht, den gesunden Menschenverstand nicht ausschalten, gegebenenfalls die Rituale hinterfragen, vielleicht sogar umschreiben und erweitern, wenn man sich in der Magie auskennt.

Und sich vor allem – wie auch die Autorin in ihrer Einleitung schreibt – eingangs fragen, ob das Problem nicht auch auf anderem Weg als mit Magie zu bewältigen ist.

Die „Bibel der Zaubersprüche“ ist auf jeden Fall eine nette Ergänzung in der Magie-Sektion der privaten Büchersammlung.

Ann-Marie Gallagher – The Spells Bible

2003/Walking Stick Press/ ISBN: 1582972443/S. 400/EUR 18,13

Über die Autorin

Ann-Marie Gallagher ist Historikerin, Feministin, Dozentin an der Universität Lancashire in Großbritannien und bekennende Hexe. Seit Jahren hält sie Vorträge über Hexerei, heidnische und Göttinnen-Spiritualität, Magie, frauenspezifische Themen, Genderforschung und Folklore. Über diese Inhalten sprach Gallagher auch schon in einigen Radioshows. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrem Mann in Lancashire.

Andere Bücher: Thorsons Way of the Goddess (2000), Re-presenting the Past: Women and History (2001), Spellcraft: Practical Spells for Modern Life (2001), Magical Spells for Your Home: How to Bring Magic Into Every Area of Your Life (2002), The Wicca Bible: The Definitive Guide to Magic (2005), Inner Magic: A Guide to Witchcraft (2007)

Über das Buch

Bibel – schon der Name signalisiert, dass dieses Buch etwas Wichtiges, ja sogar vielleicht etwas Heiliges sein muss. Mittlerweile scheint es in Mode gekommen, ein Buch mit „Bibel“ zu betiteln. Da überschwemmen „The Chakra Bible“, „The Tarot Bible“, „The Wicca Bible“, “The Angel Bible”, “Astrology Bible” oder “The Chrystal Bible” den Büchermarkt. Nicht zu vergessen Janet & Stewart Farrar mit ihrer “Witches Bible”, sicherlich eine der ersten Autoren, die einem Buch diesen Titel gaben. Nun also „The Spells Bible“, die Bibel der Zaubersprüche.

Der Untertitel „The definitive guide to charms and enchantments“ vermittelt dem unbedarften Käufer, dass dieses Buch ein „Muss“ ist, wenn man sich mit Magie sein Leben erleichtern und bereichern möchte. Die Autorin Ann-Marie Gallagher folgt mit diesem Buch einem Trend. Dem Trend der heutigen Konsumgesellschaft, Lesern alles so mundgerecht wie möglich zu servieren. Dass sie damit den Nerv ihrer Zielgruppe – junge Mädchen und Frauen in den mittleren Jahren – getroffen hat, zeigen die Rezensionen auf Amazon.com: „Seit Jahren habe ich nach so einem Buch gesucht“, schreibt eine. „Das beste Buch für Zaubersprüche, das es gibt“, eine andere. „Großartige Bilder und viele nützliche Sprüche“, eine Dritte. Kritik erhält die Autorin lediglich von Leserinnen, die sich daran stören, dass das Buch keine besseren Abbildungen enthält oder fast jeder Zauber mit Räucherkohle durchgeführt werden muss. Die sind aber deshalb nicht minder begeistert von der „Spells Bible“.

Auf den ersten Blick vermittelt das Buch genau den Eindruck, den es vermitteln soll: Den eines Nachschlagewerks. Unterschiedliche kleine Bildchen auf dem Einband, ohne viel Schnickschnack kommt es im handlichen Taschenbuchformat daher.

Einleitend erklärt Gallagher kurz die Grundlagen der Magie, wie man mit ihr arbeitet, sich seinen eigenen Raum zwischen den Welten schafft. Der Raum, in dem ein Zauber wirken kann und soll.

Die innere Einstellung, mit der man an eine magische Arbeit herangeht ist der Schlüssel zum Erfolg, erklärt sie einleitend (S. 13). Und all diejenigen, die am liebsten gleich ans Eingemachte gehen wollen, warnt sie: „In case you are tempted to pass over this section, let me add that failure to do the basic work described here will result in wasted effort as far as spell casting goes“ (ebda). Und noch ein zweites Mal warnt sie ihre Leser: Bevor ihr einen Zauber einsetzt, um euer Ziel zu erreichen, überlegt euch gut, ob ihr den wirklich braucht. Denn „Magic should never be used as an alternative to a material action – this just wastes everybody’s time, enables people to avoid facing reality, and feeds whatever delusions they may be harboring that their problems can be solved with no effort on their part.“ (S. 14).

Nach den einleitenden Erklärungen, zu denen auch ein kurzer Abriss über die Jahreskreisfeste gehört, geht’s dann zum eigentlichen Thema des Buches: Zu den Zaubersprüchen. Diese sind nach einzelnen Themenfeldern unterteilt: Liebe und Leidenschaft, Karriere und Arbeit, Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden, Familie, Freunde und häusliches Umfeld, Jahreszeiten, Glück, Schutz und Segnung, Prophezeiung sowie bannende und bindende Sprüche. Insgesamt 150, also eine beträchtliche Sammlung.

Jeden Zauber hat Ann-Marie Gallagher mit einem Namen versehen, die Begründung und eine genaue Erklärung, wofür er eingesetzt wird, stehen darunter. Es folgen die Zutaten, die für den Zauber benötigt werden, dann die genaue Durchführung.

Die Bestandteile der Zauber sind zum Großteil in jedem guten Esoterik-Shop, online oder auch in der Natur erhältlich. Nur einige lassen sich nicht so einfach beschaffen, beispielsweise die Feder einer Eule, rote Tinte oder Schlangenhaut. Andere Zutaten gibt es nur saisonal, wie die Ringelblume, die für den „Bottle Spell“ benötigt wird.

Die Zauber selbst sind einfach durchzuführen. Einige sind im Bereich der Sympathiemagie angesiedelt, andere ähneln jenen, die auch in jedem anderen Magiebuch gefunden werden können. Von einigen Zaubern würde die Rezensentin jedoch jedem Magieneuling abraten. Dazu gehören die Runenzauber, wie beispielsweise das Tyr-Amulett, mit dem der Durchführende eine neue Stelle erhalten soll. Runen sind lebende Wesenheiten, nicht einfach nur Schriftzeichen, die jeden Missbrauch übel nehmen, sogar bestrafen.

Fazit: Magie schnell einfach und unkompliziert durchführen, ohne viel Brimborium. Das wünschen sich viele: Egal, ob sie sich die Magie in ihr Leben zurückholen möchten oder einfach nur die Lösung für ein Problem suchen. Die „Spells Bible“ ist sicher interessant, um sich Ideen und Anreize für Rituale zu holen, das eine oder andere umzuschreiben und über die Durchführung zu lernen. Allerdings sollte man auch bei einem Buch, das schnelle, magische Lösungen verspricht, den gesunden Menschenverstand nicht ausschalten, gegebenenfalls die Rituale hinterfragen, vielleicht sogar umschreiben und erweitern, wenn man sich in der Magie auskennt.

Und sich vor allem – wie auch die Autorin in ihrer Einleitung schreibt – eingangs fragen, ob das Problem nicht auch auf anderem Weg als mit Magie zu bewältigen ist.

Die „Bibel der Zaubersprüche“ ist auf jeden Fall eine nette Ergänzung in der Magie-Sektion der privaten Büchersammlung.

Doreen Valiente: Where Witchcraft Lives

Samstag, 16. Mai 2015

Doreen Valiente
Where Witchcraft Lives
Erstausgabe: 1962 / Aquarian Press / 112 Seiten / Hardcover
Weitere Wiederauflagen: 2010 / Whyte Tracks / ISBN: 978-8792632098 / 127 Seiten
2014 / Centre for Pagan Studies / ISBN: 978-0992843014 / 127 Seiten

Die Rezension bezieht sich auf eine Ausgabe aus dem Jahr 2010


Über die Autorin

Doreen Edith Dominy wurde am 4. Januar 1922 in Mitcham geboren. In ihrer Jugend kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Magie. 1941 heiratete Doreen Joanis Vlachopoulos, der allerdings im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ihr zweiter Mann war Casimiro Valiente – die Hochzeit fand 1944 statt. 1952 kam sie in Kontakt mit Dafo, die Gerald Gardner 1939 initiiert hatte. Dafo stellte den Kontakt zu Gardner her und dieser gab ihr 1953 den 1. Grad. Nachdem er 1964 gestorben war, wurde Doreen von Robert Cochrane in eine Hexen-Familientradition initiiert. 1972 starb ihr Ehemann. Doreen konzentrierte sich darauf hin auf das Schreiben von Büchern und veröffentlichte „ABC of Witchcraft“ (1973) und „Natural Magic“ (1975). Es folgten „Witchcraft for Tomorrow“, „Witchcraft A Tradition Renewed“, “The Rebirth of Witchcraft” und “Charge of the Goddess”. Am 1. September 1999 starb Doreen Valiente in einem Pflegeheim.

Über das Buch

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Das ist kein Buch über die Geschichte von Wicca, kein Buch über die Geschichte der Hexerei, wie es der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Doch das macht die Wiederauflage des ersten Buchs von Doreen Valiente, das ursprünglich im Jahr 1961 veröffentlicht wurde, nicht weniger interessant. Längst ist die Erstauflage nicht mehr erhältlich, weshalb es jetzt wiederaufgelegt wurde.
John und Julie Belham-Payne haben es in einer limitierten Auflage wieder auf den Markt gebracht, wobei alle Einnahmen aus dem Verkauf in den „Doreen Valiente Trust“ fließen.
Doreen Valiente hat in diesem Buch größtenteils über Sussex geschrieben. Diese Grafschaft in Südengland war zugleich ihre Heimat. Warum sie sich dazu entschieden hat, schreibt sie in ihrem Vorwort:
„This is partly because I wish to write of things I know personally, and partly because Sussex could be taken as a sample of the way in which the strange tapestry of witchcraft has been woven through the centuries.“ (S. XIX)
Tatsächlich geht es in diesem Buch nicht nur um Sussex, sondern um Sympathiemagie und Folklore, um Hexenprozesse und Coven. „Witchcraft survives all over Western Europe, and was taken by emigrants to the colonies of America and Australia”, schreibt sie im Vorwort. Und es ist stimmt: Wicca hat überlebt – bis heute!

Auf den ersten Seiten schreibt sie über den Gehörnten Gott und die Entwicklung des Teufels: „The traditional appearance of the Devil, with horns, hoofs and tail is precisly that of the Great God Pan as depicted in ancient sculptures.“ (S. 8). Trotz der Verbote, die mit der Einführung des Christentums erlassen wurden, lebte die Folklore weiter, Rituale und Festivitäten fanden ihren Platz im Leben der ländlichen Bevölkerung. In Sussex lebte der Gehörnte in der Figur des „Puck of Pook’s Hill“ weiter, der immer mit einem Besen in der einen und einer Kerze in der anderen Hand portraitiert wurde.
Natürlich gab es in Sussex auch Hexenverfolgung und Hexenprozesse. Und nicht immer wurden die, die als Hexen bezeichnet wurden, gefürchtet. Doreen Valiente zitiert aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1570, als sich der Vikar von St. Dunstan in der Nähe von Canterbury, beschwerte, dass einer inhaftierten Hexe zu viele Freiheiten gelassen wurden. In Sussex selbst wurden zwischen 1558 und 1736 15 Einwohner der Hexerei bezichtigt, vier verurteilt und nur eine im Jahr 1575 hingerichtet.

Doreen Valiente zählt die Anklagepunkte für Hexerei im Einzelnen auf – Behexung von Tieren, Verhexung von Menschen, Verhexung mit Todesfolge.
Eine Geschichte aus dem Jahr 1607 fand sie so kurios, dass sie die in ein eigenes Kapitel gepackt hat. Susanna Swapper wurde von vier Geistern heimgesucht, die ihr erzählten, dass im Garten des Hauses das Familienerbe ihrer Freundin, Ann Taylor, vergraben war. Die beiden Frauen buddelten nach dem Schatz, aber eine von ihnen musste aufgeben und so suchten sie nicht weiter. Vom damaligen Bürgermeister von Sussex wurden sie wegen Hexerei und Kommunikation mit Geistern zum Tode verurteilt. (S. 23ff)

Zu Hexenverfolgung und Hexenprozessen gehören selbstverständlich auch noch einige abergläubische Ansichten über Hexen: Wie die, dass sich Hexen in Hasen verwandeln können. An dieser Stelle erzählt sie die Geschichte über einen alten Mann, der einst in Sussex lebte. Dieser behauptet, er sei in einer Nacht rausgegangen, um Hilfe für eine kranke Person zu holen. Da habe er die Silhouette einer Frau gesehen, die er sofort erkannt hatte. Als er sie mit Namen ansprach, habe sich die Frau in Luft aufgelöst und stattdessen habe er einen Hasen erkannt, der vor ihm davongelaufen sei.
Warum sich Hexen gerade in Hasen verwandeln, begründet Doreen Valiente so, dass Hasen in der Mythologie der Mondgöttin dienen und der Hase demnach auch eng mit den Hexen verbunden ist.

Die magischen Fähigkeiten einer Hexe
Selbstverständlich reiten Hexen in der Nacht auf ihren Besen. Und sie können sich in Hasen verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie noch die Fähigkeit der Astralprojektion, das heißt, sie können ihren feinstofflichen Körper vom materiellen Körper trennen. Tatsächlich ist es der Astralkörper einer Hexe, der sich in den Hasen verwandelt. Dafür gibt es auch einige Erzählungen aus der Folklore. Wie die, dass sich italienische Stregas um Mitternacht treffen, nackt ausziehen, Körper mit allerlei Hexensalben einreiben und anschließend ihre Astralkörper auf die Reise schicken.
Dann gibt es auch noch die fantastischen Geschichten von Autoren, die gegen Hexerei schreiben: Wie etwa die, dass Hexen Gräber schänden und Kinder ermorden würden. Oder die Erzählungen von Leuten, die in Tiere verwandelt, durch den Blick einer Hexe verletzt oder gar getötet wurden. Erzählungen, die meistens vor Gericht bei einem Hexenprozess wiedergegeben wurden. Dies alles sei gegen Hexen gerichtete Propaganda, schreibt Valiente.
Gegen die Verwünschungen gab es allerlei Gegenzauber. Doreen Valiente schreibt vom Fall einer Mutter um 1593 in Sussex, deren Kind verhext worden war. Ein zauberkundiger Mann gab ihr den Rat, die entsprechende Hexe mit einem Messer in den Hintern zu stechen. Stattdessen stach sie sie mit einer Nadel in die Hand. Dieses Mittel wirkte, das Kind wurde wieder gesund.
Um herauszufinden, ob eine Person tatsächlich eine Hexe war, hatten die Inquisitoren verschiedene Anhaltspunkte. Ein sicheres Anzeichen war das sogenannte Teufelsmal, wie eine zusätzliche Brustwarze. Wenn man in diese Stelle stach, tat dies der betreffenden Person nicht weh. Oder kleine Tiere, die eine Hexe besaß und die ihr dienten. Für ihre geleisteten Dienste wurden sie mit Blutstropfen gefüttert.
Viele dieser Geschichten aus Sussex und Umgebung hat Doreen Valiente ausgegraben und in ihrem Buch festgehalten: Wie etwa die einer Hexe, die ihre Dienstbotin mit einem Zauber belegte, wenn sie ihr nicht gehorchte. Sie machte sich dann von daheim auf den Weg zum Haus der Hexe, verlief sich aber immer wieder. Wenn sie dann Stunden später dort ankam, verspottete sie die Hexe für ihre Unpünktlichkeit.
Oder die Geschichte eines Fischers, von dem die Leute glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Man erzählte sich von ihm, er könne durch ein Schlüsselloch kriechen und habe sogar seine Tochter in das Handwerk der Hexerei initiiert.
Auch ihre eigene Ansicht über die damaligen modernen Hexen, die es offenbar als schick oder In empfanden, sich als solche zu outen, lässt Doreen Valiente mit einfließen:
„Since the last of the Witchcraft Acts were repealed in 1951, it has become something of a popular gimmick to proclaim oneself a witch. […] My experience is that the louder and more frequently such claims are made, the less likely they are to be genuine. Real witchcraft, which certainly still exists, is a secret thing. The very last thing a possessor of real secrets does is to seek cheap publicity.” (S. 83)

Fazit:
“Where Witchcraft lives” ist vom Erscheinungsjahr her ein älteres Buch. Und trotzdem modern. Wie Hexen damals gesehen wurden, welche folkloristischen Mythen es über sie gab, warum sie angeklagt und auch wieder frei gelassen wurden – Doreen Valiente hat über all das geschrieben. Hauptsächlich auf die Ereignisse in Sussex bezogen, das ist richtig. Und trotzdem haben all diese Ereignisse nicht nur in Sussex stattgefunden, sondern überall in Europa.
Eine nette und durchaus sinnvolle Ergänzung für die magische Ecke im Bücherschrank!

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen – Teil XXIX, geschrieben von Mc Claudia

Samstag, 14. Februar 2015

Ausblick

Wie wir gesehen haben, ist das achtspeichige Jahresrad zwar nichts Uraltes aber dafür eine wunderbare moderne Erfindung, die es zu großer Beliebtheit im alternativspirituellen Bereich der westlichen Welt gebracht hat. Aber auch die Quellen zu den historischen Festen der vorchristlichen europäischen Kulturen sind nicht uralt sondern nehmen erst mit der griechischen Geschichte im 7. Jhdt. v. Chr. ihren Anfang. Religionen und Jahreskreisfeste aus den Zeiten davor, aus der Urgeschichte, jener riesigen Epoche, die man wirklich als „uralt“ bezeichnen könnte, bleiben uns aber mangels schriftlicher Aufzeichnungen, die wir auch verstehen könnten, wohl für immer verborgen. Natürlich kann man auf Visionen hoffen, darüber meditieren, channeln oder was auch immer. Vielleicht wird man so sogar zu Erkenntnissen kommen. Nur fehlen meist die Mittel, diese zu verifizieren oder zu falsifizieren, weshalb sie nur für die Visionärin selbst von Bedeutung sind. Und die Archäologie kann auch nicht mehr zutage fördern als die materiellen Hinterlassenschaften unbekannter Kulturen, die oft in alle Richtungen interpretiert werden können.

Als Neuheid/innen müssen wir uns also damit abfinden, dass wir teilweise sehr unzureichende Quellen haben, wenn es um Rituale und Jahresfeste bei unseren heidnischen Altvorderen geht. Gerade die im neuen Heidentum beliebten Kulturen der Kelten und Germanen lassen sich schriftlich nur über deren Feinde oder christliche Nachfolger erschließen – und das leider mit vielen, vielen Lücken.

Auch heutige christliche Feste eröffnen uns kaum einen Einblick in die Festtagskultur vorchristlicher, schriftloser Völker, da zumeist zu viele Unschärfen vorhanden sind und sich das „heidnische Original“ so kaum sicher ermitteln lässt.

Aber auch dann, wenn wir schriftliche Zeugnisse en masse haben, wie aus der klassischen Antike, können wir damalige Feierlichkeiten höchstens in die moderne Zeit übersetzen, denn die Verhältnisse sind heutzutage ganz andere als dazumals.

Wir werden daher mit der ernüchternden Erkenntnis leben müssen, dass unsere neuheidnischen Jahresfeste und die Art, wie wir sie feiern, zwar heidnisch sind, aber vor allem neu, und sei die Idee oder die Quelle noch so alt.

Aber: Bürgt das Alter einer Tradition wirklich für deren Güte? Ist eine Tradition, ein Fest, ein Glaube, ein Ritual nur deshalb wertvoller oder besser, wenn es mehrere hundert oder tausend Jahre auf dem Buckel hat? Ich denke z. B. gerade an die weibliche Genitalverstümmelung, wie sie im Sudan und in anderen afrikanisch-arabischen Ländern praktiziert wird, wobei es historisch sicher ist, dass sie aus heidnischer Zeit stammt und damit auch „uralt“ ist. Ist es wirklich sinnvoll, Traditionen nur wegen ihres Alters wertzuschätzen? Im Anhang findet man vorchristliche Feste, die Menschenopfer beinhalteten (Uppsala-Fest, Samain) oder das Schlagen von Frauen (Lupercalia). Meine Antwort ist daher ein klares „Nein“, nein, eine Tradition ist nicht deshalb wertvoll, weil sie alt ist. Sie muss zugleich auch gut sein, ethisch gut, menschenrechtlich gut und auch heute noch lebbar und sinnvoll sein.

Aber natürlich hat es auch etwas von Ewigkeit, wenn man bei der Feier eines Festes gewiss sein kann, dass es so oder ähnlich auch schon vor 2000 Jahren begangen wurde. Es hat etwas von Größe, deren Teil man während des Rituals wird. Für mich persönlich ist es deshalb wichtig, möglichst viel über die historischen Fakten herauszufinden, um so diese Verbindung zur Vergangenheit und damit dieses Gefühl der Größe herstellen zu können. Andererseits feiern aber auch heutige Juden ihr Chanukka-Fest etwas anders als in der Antike, heutige Muslime begehen ihr Opferfest anders als im 8. Jhdt., heutige Katholiken zelebrieren Ostern anders als jene aus dem frühen Mittelalter, heutige Hindus das Holi-Fest anders als vor 1000 Jahren. Feste und Bräuche sind immer einem Wandel unterworfen, auch dann wenn sie einer durchgehenden Tradition folgen. Ich behaupte also, dass es letztlich egal ist, ob ein Fest eine lange, alte Tradition hat oder eine Neuerfindung ist. Wenn es das Gefühl der Größe in den Feiernden erzeugen kann, das innere Feuer zu entfachen vermag, dann ist es gelungen. Der Rest ist meines Erachtens zweitrangig.

Jedenfalls finde ich es durchaus befreiend, wenn man eine beliebte, diffuse Behauptung, wie: „Wir feiern heute Samhain, ein uraltes Fest aus heidnischer Zeit! Unsere keltischen Ahnen haben es genau so gefeiert wie wir heute. Die Druiden (oder Hexen) haben das geheime Wissen bis in heutige Zeit herüber gerettet, und das Fest heißt heute Halloween oder Allerheiligen, weil es die Christen gestohlen haben.“ zugunsten einer ehrlichen Herangehensweise, wie: „Wir feiern heute Samhain, ein Fest aus Irland, das wahrscheinlich schon in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde. Das Ritual habe ich selbst erfunden, Anleihen nahm ich bei mittelalterlichen Beschreibungen und modernen irischen katholischen Bräuchen.“ aufgibt. Man verliert dabei nichts, außer einem verschleiernden, pathetischen Mythos, gewinnt aber etwas viel Wertvolleres: Authentizität.

Obwohl die Quellen, vor allem bei den „schriftlosen“ Kulturen, mager sind, geben sie doch eine Menge her, mehr jedenfalls, als im „allgemein“ neuheidnischen Kontext üblicherweise an Information darüber zu finden ist. Im folgenden Anhang wird ersichtlich, wie groß die Fülle an Festen der verschiedenen Kulturen und Traditionen ist. Und wir haben auch gesehen, dass die vorgestellten Kulturen in vielen Dingen sehr unterschiedlich sind. Nicht einmal innerhalb ein und derselben Kultur ist alles gleich. Und das, obwohl alle hier vorgestellten Ethnien der indogermanischen Sprachfamilie angehören und alle in Europa zu gleichen oder fast gleichen Zeiten heimisch waren. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Kulturen und ihrer Festkalender hat hoffentlich die Idee eines monolithischen Heidentums mit einem ewiggleichen achtfachen „uralten“ Jahreskreis ad absurdum geführt.

Wenn ich es somit geschafft habe, Dich durch die Vorstellung der verschiedenen heidnischen Kalender und Jahreskreisfeste zu inspirieren oder sogar zum Weiterforschen anzuregen, dann ist mein Ziel mit dieser Abhandlung erreicht.

Bleibt nur noch eins zu wünschen: Viel Spaß beim Feiern!

Ende Teil XXIX