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Kemetismus – ist das was für mich?

Samstag, 22. Oktober 2016

Es ist schwer sich für einen Weg zu entscheiden, über den man zumeist nur rudimentäre Kenntnisse hat. Das Augenscheinliche der altägyptischen Kultur und des kemetischen Kults mag noch so attraktiv erscheinen, viele wenden sich nach kurzer Zeit wieder von diesem Weg ab und sind enttäuscht, weil sie völlig andere Erwartungen hatten. Dieser Artikel soll eine Entscheidungshilfe bieten, die natürlich rein subjektiv ist, sich aber dennoch auf die geteilten Erfahrungen anderer Kemeten beruft. Wenn Ihr also nach dem Lesen dieser Worte immer noch beherzt „ja“ zum Kemetismus sagen könnt, dann seid ihr hier vermutlich genau richtig. Wenn Ihr einen anderen Weg als den Euren anseht, ist dieser nicht weniger richtig und vielleicht kann Euch der Kemetismus dann zumindest die ein oder andere wertvolle Inspiration bieten. Denn die Entscheidung zu diesem Weg liegt letztlich bei jedem selbst. Es gibt weder ein verbindliches Glaubensbekenntnis noch eine Verpflichtung ihn zu gehen. Die Entscheidung ihn zu gehen fällt jeder ganz allein für sich und täglich aufs Neue.

Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato
Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato

Anfänge

Die Gründe, warum Menschen plötzlich den Wunsch haben Kemetismus zu praktizieren sind sehr unterschiedlich. Sehr häufig ist es eine der bekannteren ägyptischen Gottheiten wie Isis, Horus oder Ra, die einen in ihren Bann gezogen haben. Oder es ist einfach die Faszination für die altägyptische Kultur an sich. Viele Leute finden auch über die stark ägyptophile Ritualmagie ihren Weg in den Kemetismus.

Ehe man beginnt, sollte man sich mit einigen wichtigen Merkmalen der altägyptischen Religion und der kemetischen Praxis befassen und sich ausreichend Zeit nehmen zu prüfen, ob man wirklich bereit ist diesen Weg zu gehen.

Unterschiede zum mitteleuropäischen Heidentum

Was den Kemetismus von anderen heidnischen und neuheidnischen Traditionen besonders hier in Mitteleuropa unterscheidet ist das unglaublich dichte Informationsspektrum. Während man im nordischen Heidentum mühsam seinen spirituellen bzw. religiösen Weg aus wenigen Quellen heraus interpretieren muss, ist die altägyptische Kultur äußerst gut und umfangreich belegt. Möchte man einigermaßen authentisch praktizieren, fehlt also im Gegensatz zum hiesigen Heidentum ein ganz entscheidendes Merkmal, das vielen spirituell interessierten eigentlich am Herzen liegt: der Raum für die eigene Intuition und Kreativität. Gerade zu Beginn des kemetischen Weges kann es sinnvoll sein die eigene Interpretation hinsichtlich Weltanschauung oder Ritualistik äußerst sparsam einzusetzen um erst einmal ein Gefühl für die authentische überlieferte Tradition und deren Inhalte als solche zu entwickeln und so eine solide Basis bestehend aus mythologischem Wissen und kultischen Grundlagen zu festigen. Kemetismus ist traditionell, das liegt nicht jedem, vor allem dann nicht, wenn man auf der Suche nach einer spirituellen Praxis ist, die flexibel und frei interpretierbar ist.

Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-
Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-

Freud und Leid der Literatur

Eine weitere Herausforderung stellt die Art der Literatur über das alte Ägypten dar. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie äußerst gespalten ist. Auf der einen Seite finden sich leicht zu lesende ausschweifende und passionierte Werke, die hauptsächlich im Bereich des New Age und der Esoterik anzusiedeln sind. Von Theorien über die außerirdische Herkunft der altägyptischen Götter, über Channeling Botschaften und Einweihungen verschiedener Gottheiten bis hin zu einem phantasieriechen Göttinnenkult um Isis finden sich eine Menge blumige Schriftwerke mit leider sehr dünnem und teilweise fehlerhaftem sachlichem Inhalt.

Auf der anderen Seite bietet die ägyptologische Fachliteratur sehr wenig Informationen für den Laien an und schon gar nicht für religiös Praktizierende, man muss also schon fast ein halbes Ägyptologiestudium auf sich nehmen um sich einen einigermaßen authentischen Überblick zu verschaffen und praktikable Rituale abzuleiten. Literatur zum eigentlichen Kemetismus ist weitestgehend auf Englisch, da die amerikanische Szene in dieser Hinsicht um einiges ausgeprägter ist und bereits seit den 80er Jahren in stetiger Entwicklung ist. Neben Büchern, stehen zahlreiche Blogs, Websites und social media Gemeinschaften zur Verfügung, die einen großen, dynamischen und diskussionsfreudigen Pool an unterschiedlichsten Infos bieten. Englische Sprachkenntnisse sind daher von großem Vorteil. Inzwischen gibt es im deutschen Sprachraum wenige hochwertige virtuelle Informationsquellen zum Thema Kemetismus. Dies hat sich u.a. auch diese Seite zum Ziel gemacht.

Tägliche Kultpraxis

Über eines sollte man sich als im Klaren sein, wenn man sich dem Kemetismus widmen möchte: für diesen Weg braucht man Zeit, Geduld und Beständigkeit. Ein typisches Merkmal der kemetischen Praxis ist ihre Regelmäßigkeit und weniger ihre prunkvollen Rituale. An dieser Beständigkeit scheitern sehr viele. Wenn man erwähnt, dass tägliche Opferrituale keine Seltenheit sind, dann kommt schon mal die verwunderte Gegenfrage „Wirklich jeden Tag?“. Ja, wirklich jeden Tag.

Der altägyptische Kult hatte eine sehr wichtige mythologische Bedeutung. Er war darauf ausgerichtet die vielen verschiedenen ineinandergreifenden Zyklen der Schöpfung in Gang zu halten. Den Lauf der Sonne, die jährliche Wiederkehr der Nilflut, die Zyklen der Landwirtschaft, den Wechsel von Nacht und Tag usw. Durch den Ritus bindet sich der Mensch als spirituelles und natürliches Wesen in diesen Lauf der Schöpfung mit ein, nimmt daran Teil und bewirkt ihn letztlich. Der Kult ist also nicht nur Dienst an den Göttern und Ausdruck ihrer Verehrung, es ist auch eine praktische Bewusstseinsschule um sich auf die kemetische Weltanschauung auch im täglichen Leben ganz und gar einzulassen.

Der tägliche Aufwand muss nicht übermässßg groß, aber dennoch regelmäßig sein. Man tut also gut daran ein tägliches Maß zu finden, dass man einigermaßen leicht über mehrere Monate hinweg durchhalten kann.

DSC_0370Tägliche Opfergaben, Foto: Sat-Ma’at

 

Das Kalenderproblem

Hinzu kommen eine schier unerschöpfliche Zahl an Feiertagen und Festen, deren korrekter Zeitpunkt heutzutage nur noch schwer zu rekonstruieren ist, weil der altägyptische Kalender zum einen anders strukturiert ist und sich aufgrund der zeitlichen Ferne der altägyptischen Kultur Zeitrechnungsfehler eingeschlichen haben, die zu einer nicht unerheblichen Verschiebung der Feiertage geführt habe. Auch die geographische Lage Ägyptens im Gegensatz zu der in Mitteleuropa spielt eine große Rolle bei der Berechnung verschiedener astronomischer Ereignisse. Wikipedia liefert aber trotz allem einen relativ guten Überblick über die verschiedenen Festtage und größere Tempel in USA verfügen teilweise über einen eigenen Kalenderlauf, der auch für freie Kemeten erhältlich ist.

Canis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert), Wikimedia Commons, Bild: Michelet BCanis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert),
Wikimedia Commons, Bild: Michelet B

Göttinnen und Götter

Die Göttin Isis, der Sonnengott Re, die musikalische Hathor, der falkengestaltige Horus oder die Katzengöttin Bastet sind weit über die altägyptische Tradition hinaus bekannt. Häufig werden sie auch innerhalb völlig anderer Traditionen verehrt. Viele die sich für den Kemetismus zu interessieren beginnen, finden über diese Gottheiten ihren Weg. Die altägyptische Kultur hat aber unendlich viele Gottheiten, mindestens 1.500 sind namentlich belegt, die teilweise natürlich nicht minder wichtig sind als die allseits beliebten und bekannten. Es ist sehr lohnend sich auch mit den weniger bekannten zu beschäftigen, ehe man sich einer bestimmten zuwendet, da sie oft tragende Rollen in der Mythologie spielen und es wichtig ist ihre kosmologische Aufgabe zu verstehen. Dennoch wird man natürlich schwerlich alle kennenlernen können. Die meisten Kemeten enden bei etwa 2-3 Gottheiten um die sie einen intensiveren Kult praktizieren und vielleicht 4-5 weitere für die sie eine sporadische Praxis betreiben und schätzungsweise weitere 10 die eher unter die Kategorie „bekannt“ fallen ohne explizite Praxis. Natürlich wird man dafür abermals viel Zeit, Geduld und Motivation aufbringen müssen.

Egyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor
Ägyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor

Der Erhalt der Ma’at

Auch steht der Götterkult im Kemetismus durchaus nicht so stark im Vordergrund wie es scheint. Der wichtigste Aspekt ist die Einhaltung eines ungeschriebenen ethischen Codex, die gleichbedeutend mit der kosmischen Weltenordnung ist, nämlich die sogenannte Ma’at. Dabei handelt es sich um ein gesellschaftliches Ideal gegenseitiger Unterstützung und sozialen Bewusstseins, dass die eigentliche Grundlage des Kemetismus bildet. Ein soziales Prinzip geradzu altruistischer Ideale in einer Welt der Ellbogenmentalität zu leben, deren Erfolgskonzept der blanke Narzissmus ist, kann zu einer psychischen Zerreißprobe werden. Dessen sollte man sich unbedingt bewusst sein.

Außenseiter und manchmal Feindbild

Ein leidiges Thema, dass hier bereits mehrfach angedeutet wurde, ist die Situation für den Kemetismus in Deutschland. Er ist bis auf wenige einzelne Ausnahmen so gut wie nicht vorhanden. Das hiesige Heidentum versteht sich in erster Linie als Wiederbelebung der prächristlichen deutschen Religionsgeschichte, die daher meist das Germanentum und zum Teil vielleicht das Keltentum umfasst. Verschiedene neopagane Strömungen wie Wicca, Hexentum oder Schamanentum stehen oft in enger Verwandtschaft zu den nordischen Traditionen, so dass man sich als Verehrer der altägyptischen Götter auf eine wahrhafte Exotenrolle einstellen darf. Auch gibt es vereinzelt durchaus Feindseligkeiten gegenüber der zivilisierten Hochkultur der Ägypter, die mit ihrem schillernden Pharaonentum, dem ausgefeilten Staatswesen und den beeindruckenden Prunkbauten in starkem Kontrast zu der naturnahen Tradition nordischer und germanischer Völker steht. Die Parallelen der altägyptischen Theologie zur frühchristlichen, die sich insbesondere im koptischen Christentum manifestiert, sorgt vereinzelt auch dafür, dass man als Kemet zum „Heidenfeind“ und „Christenfreund“ erklärt wird und damit der kollektiven Christentumsverdrossenheit der mittel- und nordeuropäischen Heiden widerspricht. Man muss sich also wohl oder übel auf einen einsamen Weg gefasst machen, der mitunter auch von Anfeindungen geprägt sein kann.

Immer noch interessiert?

Wer also mit einer weitgehend selbstständigen Praxis, die Literaturrecherche, Hingabe und eine gewisse Akribie erfordert gut zurecht kommt, erfüllt schon mal die wichtigsten Voraussetzungen Kemetismus zu praktizieren. Wer auf die Enthüllung abenteuerlicher Weltengeheimnisse und Verschwörungstheorien hofft und sich nach göttlich-magischen Einweihungen sehnt wird jedoch sicher bald enttäuscht sein.

Eins kann man getrost versprechen, es wird sicher nie langweilig und es gibt immer wieder neues und beeindruckendes zu erfahren. Die altägyptischen Religion ist trotz ihres Prunks und ihrer hochentwickelten Ritualistik immer noch im Kern eine Natur- und naturverehrende Religion mit animistischen Grundzügen, die die täglich erlebte Welt tief zu verzaubern vermag. Die täglichen Rituale werden schnell zur Gewohnheit und ermöglichen ein intensives Erleben kosmischen Eingebundenseins ganz ohne die notwendige Bodenhaftung zu verlieren. Sie sind ein starkes Band zu unseren Göttern die dadurch sehr präsent und unmittelbar erfahrbar werden.

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Keine lieben Kätzchen – Kemetische Katzengottheiten – Teil II, geschrieben von Richard Chao

Samstag, 29. August 2015

Sehr ähnlich und daher nicht nur durch den Namen leicht zu verwechseln ist Menhit.

Bei ihr scheint der Vergleich mit der Uräusschlange noch prägender zu sein, auch wird sie gelegentlich nur als Frau mit Uräusschlange auf dem Haupt dargestellt. Menhit bedeutet „Die Schlächterin“, dem Kampf zugetanen Königen wie Sethos I. scheint sie wichtig gewesen zu sein.

>>>[Ich habe über Menhit einen Falken mit einem Stab gesehen. Obwohl sie total unbeweglich wirkte, sagte sie mir, dass sie „Bewegung“ sei, und Wasser und Luft. Zuerst war sie Löwin mit scharfen Gesichtszügen, dann Frau mit getrennten Gesichtszügen, dunkel und hell. Sie nannte sich auch Bewegung des Kreises und stieß mir ihre Krallen in die Brust. Mein Blut wurde von einer Dienerin mit Schale aufgefangen. Das Leben floss aus mir heraus, bis eine Schlange die Wunde mit einem Biss verschloss.]<<< -Iffi

Pachet ist „die Kratzende“ oder „die Zerreißende“.

„…die mit spitzen Krallen, die große Flamme, die die Beute in der Dunkelheit ergreift. Die inmitten des heiligen Ortes ist…“

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.

Einige Darstellungen zeigen sie auch als Pavian, ebenfalls ein Tier, das als sehr aggressiv und kämpferisch galt und auch nicht selten in einem ambivalenten Verhältnis zum Panther/Leoparden stand.

Die Aggressivität dieser Göttin kommt auch in anderen ihrer zahllosen Beinamen zum Ausdruck, sie ist diejenige, die dem Feind Entsetzen einflößt; „die Göttin mit den scharfen Augen und spitzen Krallen, die des Nachts Nahrung beschafft“, aber auch die „Göttin am Eingang des Wadi“ und „Herrin der Wüste, die inmitten der östlichen Wüste haust“.

>>>[Ich bin über verwinkelte Pfade in einen dunklen Tempel und zu Pachet gekommen. Sie lag als schwarze Katze mit einem roten Halsband auf einem goldenen Thron und erst als sie es erlaubte, konnten mein Verbündeter und ich uns ihr nähern. Mir hat sie nach anfänglicher Skepsis gesagt, dass sie eine Wächterin der Sterbenden und der Toten sei, dass sie den Toten mitgegeben werde, dass sie darauf achtet dass eine Wohnstatt der Toten auch eine Wohnstatt der Toten bleibe und dass dieser Tempel das Abbild einer Wohnstatt der Toten sei. Pachet verwandelte sich auch in eine Frau, die viel roten Schmuck trug und zeigte mir noch Einzelheiten in diesem Tempel. Als Gegenleistung für die von ihr erhaltenen Informationen gab sie mir eine Aufgabe.]<<< -Lyone

Repit ist eine löwenköpfige Göttin, die erst in späterer Zeit autonom erwähnt wird, vormals wird sie mit Hathor und Isis in Verbindung gebracht, verschmilzt in der Bedeutung und Anbetung aber auch oft mit Sachmet und Aperetiset. Repit ist auch ein Ehrentitel, er bedeutet „Vornehme Frau“.

>>>[Mir erschien eine schlanke, schwarze Katze, die aus Dunkelheit besteht. Und eine Höhle mit einem „katzenartigen“ Eingang, die als Refugium für erschöpfte, zerrissene und fragile Schattenwesen dient, ein warmer, trockener und behaglicher Rückzugsort. Repit erschien ohne Pomp, schwarz, dünn und seidenzart. Fürsorglich beschützt und versorgt sie die Schatten in dieser Höhle, die mehr eine Passage als ein Saal ist. Weiter ließ sie mich jedoch nicht gehen.]<<< -Syba Sukkub

>>>[Ich habe Repit am Nil getroffen. Eine Katze hat mich abgeholt. Die Göttin blieb zunächst im Hintergrund und wurde erst zugänglicher, nachdem ich ihr als Opfer etwas geräuchert hatte. Ihre Form war nicht stabil, aber meist überdurchschnittlich groß, erst nach und nach wurde sie zur Löwin. Auf meine Fragen hin wechselte sie mit mir zu einer Oase, wo sie mir Bäume zeigte, die und deren Früchte anscheinend für Repit wichtig sind. Zeitweise verwandelte sie sich in ein Krokodil, offenbar um mir zu zeigen, dass diese wichtig für sie sind. In der Oase hat sie mir auch ein Pärchen beim Sex gezeigt. Auch das schien wichtig zu sein. Es hatte etwas mit Befruchtung und Beseelung zu tun, der Akt war ansonsten eher emotionslos. ]<<< -James Vermont

>>>[Der Schatten, Schut, ist nach kemetischer Ansicht ein Teil der Seelematrix. Wie andere Seelenaspekte („Teile“) geht idealerweise auch der Schut ins Totenreich um sich mit dem Ba zu vereinen. Vielleicht war es ja das. Die Fürsorglichkeit dieser Göttinnen für die Toten ist jedenfalls typisch.]<<< -Chao

Ruti ist ebenfalls ein löwenköpfiger Gott, der oft als zwei Löwen abgebildet wird, als Doppellöwe.

„…auf dessen Rücken die Sonne aufgeht…“

PicsArt_1432323111504Ruti ist insbesondere eine im Totenreich wichtige Gottheit. Er gehört zu den beisitzenden Richtern im Totengericht, hat aber auch mit den Ba-Seelen der Verstorbenen und ihrer Ernährung zu tun.

>>>[Ruti ist mir als alter, behäbiger Löwe in der Wüste begegnet. Er saß neben einem Tor, in das ich nicht eintreten durfte. Was mir auffiel, war sein stechender durchdringender Blick, seine Augen sind ungewöhnlich blau. Er starrte mich nur an. Eine ganze Weile. Dann näherte er sich mir, stellte sich auf die Hinterpfoten und legte seine Vorderpfoten auf meine Schultern. Er war sehr schwer, aber ich empfand keine Bedrohung. Wieder starrte er mich an und blickt mir in die Augen, als wollte er in mich hineinsehen. Jetzt spürte ich Wohlwollen und er machte den Weg frei, dass ich in die Höhle eintreten konnte. Sie scheint in die Duat zu führen. Ich entschied mich aber trotzdem jetzt zurückzukehren.]<<< -Sati

>>>[Ich sah einen prächtigen Löwen aber verwirrenderweise immer wieder auch einen Leoparden. Einen Tempel mit sehr dominanten Säulen. Ich fühlte mich in dieser Atmosphäre nicht wohl, es war stickig und beklemmend und ich wollte am liebsten wieder weg.]<<< -Mandy

Eine sehr bekannte und dominante Löwengöttin ist Sachmet. Ihr Name bedeutet „die Mächtige“, sie ist die Herrin des Zitterns, eine Göttin des Krieges die Macht über Krankheiten und Seuchen hat.

„…deren Pfeil nicht verfehlt. Sachmet, die Macht hat über eine Millionen Gegner…“

PicsArt_1432323407116Wie einige andere vergleichbare Löwinnen gilt auch sie als eine Beschützerin des Königs und Vernichterin seiner Feinde.
Im Kult bedeutsam scheint aber vor allem auch der Heilaspekt gewesen zu sein. Heiler und Ärzte sind des Öfteren auch als Sachmet-Priester belegt. Überhaupt scheint die Popularität der Sachmet zeitweise auch damit zu tun haben, dass man sie sicherheitshalber besänftigte um Seuchen fernzuhalten.

Im Mythos zeigt sich ihre erbarmungslose Kampfeswut auch in der Geschichte, in der sie als Sonnenauge des Re die verräterische Menschheit bestrafen soll. Dabei vernichtet die Löwengöttin wie rasend alle Lebewesen und kann nur durch einen Trick der anderen Götter besänftigt werden, nämlich indem sie Bier rot färben, so dass es aussieht wie Blut, woraufhin sie sozusagen durch Trunkenheit besänftigt wird.

>>>[Meine erste Begegnung mit Sachmet hatte ich im der Ägyptischen Sammlung in München. Damals war die Ausstellung noch in der Residenz es war alles furchtbar eng und sie stand etwas unwürdig an der Wand in einem Durchgang. Ich ging an ihr vorbei und wollte in den anderen Raum, als ich plötzlich magisch von ihr angezogen wurde und stehen blieb. Ich sah sie an und hatte das dringende Bedürfnis zu anzufassen. Das war natürlich nicht erlaubt und ich hatte Sorge ich würde den Alarm auslösen, aber ich konnte nicht anders und berührte sie an der Schulter. Es fühlte sich an, als würde ich an einen Elektrozaun fassen, mich durchführ ein Zittern im ganzen Körper. Der Alarm ging zum Glück nicht los.]<<< -Sati

Ende Teil II

Keine lieben Kätzchen – Kemetische Katzengottheiten – Teil I, geschrieben von Richard Chao

Samstag, 01. August 2015

Dass die Vorgänger unserer Hauskatze im alten Ägypten zeitweise ein hohes Ansehen genossen, ist allgemein bekannt. Vor allem die katzengestaltige Göttin Bastet ist Vielen ein Begriff. Auch der Sonnengott Re selbst wird oft als “der große Kater” bezeichnet.

Camera2-2014-11-09-13-34-28Es gab aber noch viele weitere, teilweise bedeutende Katzen- und Raubkatzengottheiten, die freilich, wie in Ägypten üblich, oft in Synkretismen miteinander verbunden waren, teilweise auch zeitweise zusammengeführt oder assimiliert wurden. Auf diese teilweise recht komplizierten Synkretismen wollen wir hier aber nicht näher eingehen sondern wenden uns den Gottheiten im Einzelnen zu, soweit sie bekannt sind. Ich möchte nicht nur die Bekanntesten dieser Gottheiten auflisten sondern auch meine Eindrücke sowie die von verschiedenen „Reisenden“wiedergeben, die sich mit ihnen beschäftigt haben.

Beginnen wir mit der Bekanntesten, Bastet, die in der Frühzeit noch als Löwin dargestellt wird, dann jedoch als sitzende Katze oder Menschenfrau mit Katzenkopf.

„…Worte zu sprechen von Bastet, der Großen, der Herrin von Bubastis, dem Auge des Re, die in Behedet weilt, die auf dem Thron sitzt, die die Feinde tötet, die die von den Göttern geschützt wird…“

Bastet hat eine enge Verbindung zu Sachmet, als deren sanfte Seite sie manchmal bezeichnet wird. Trotzdem ist auch die Bastet ein „Sonnenauge des Re“, das ihren Vater, den Sonnengott beschützt. Es überwiegen aber eindeutig ihre schützenden Seiten, vor allem dem Schutz der Schwangeren und Kinder scheint sie zugetan. Bast gilt aber auch als eine Göttin der Freude, der Feste, der Musik und des Tanzes und möglicherweise der Trunkenheit, jedenfalls spielte selbige in einem bekannten Fest zu Ehren Bastets, dem Bubasteia, eine nicht unwesentliche Rolle.

>>>[Sie wirkt wie eine abgeklärte alte Kätzin auf mich. Sie ist schwarz, sehr groß und hat grüne Augen. Auf der Brust hat sie einen weißen ovalen Fleck. Ich muss an einen Skarabäus denken, es ist aber keiner. Ich begegne ihr auf einem felsigen Hochplateau wo ein offener Tempel steht mit vielen Säulengängen. Sie leckt mir mit ihrer rauen Katzenzunge übers Gesicht zur Begrüßung und führt mich dann in den Tempel. Überall springen Katzen rum, junge, ältere, sie gibt mir zu verstehen, dass das alles ihre Kinder sind. Die Katzen sind aber nicht einfach nur Katzen, manche von ihnen fühlen sich menschlich an, obwohl sie Katzengestalt haben. Als würden sich hier die katzenartigen Seelen von verschiedenen Menschen aufhalten. Sie legt sich auf den Steinboden in einen Sonnenstrahl und ich lege mich zu ihr. Sie ist ungefähr so groß wie ich, also weit größer als eine normale Katze. Ich darf mein Gesicht in ihrem weichen Bauchfell begraben. Ihre großen hellgrünen Augen schauen sehr aufmerksam umher, sie scheint trotz ihrer vordergründigen Passivität alles unter Kontrolle zu haben. Sie schützt ihre Familie. Dann sitzt sie mir plötzlich gegenüber. Sie leckt wieder mein Gesicht und umschmeichelt mit ihrem großen Kopf meinen. Ihre Schnurrbarthaare kitzeln und ihre sanften Bewegungen wirken plötzlich sehr erotisierend auf mich. Ich komme fast in eine Art Rauschzustand und merke wie ich immer stärker von ihr angezogen werde und Schwierigkeiten habe zurückzukehren. Schließlich löst sie sanft die Verbindung und lässt mich gehen.]<<< -Sati

>>>[Meine erste Begegnung mit Bastet war nicht informativ aber einprägsam. Es war weniger eine visuelle Erfahrung als eine emotionale: Eine Umarmung und eine Berührung die mich, mit Verlaub, tief erschütterte in ihrer beruhigenden, beschützenden und ein bisschen augenzwinkernden Liebenswürdigkeit.]<<< -Chao

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Weniger bekannt sind die alte Panthergottheit Abi, zunächst ein Himmelspanther als Totengöttin in der Duat, später zunehmend eine Schutzgöttin.

„…Abis Krallen ruhen auf der Brust des Verstorbenen, um ihn im Jenseits vor bösen Mächten zu schützen…“

>>>[Bei einer Reise nahm ich sie wechselnd als schwarze Katze, junge Schönheit und als ältere, dunkelhäutige Frau wahr. Ihr Wesen war sehr vereinnahmend, und als ich kurz abgelenkt war hieb sie mir sofort mit den Krallen über die Wange, bis ich wieder da war. Ich nahm sie als sehr kriegerisch wahr, als Göttin die über verbrannte Erde wandelt und Verwundete mit Wasser labt. Also auch einen trostspendenden Aspekt.]<<< -Monja

>>>[Himmelspanther und Totengöttin ist ja auch durchaus ambivalent. Die verbrannte Erde hört sich stark nach der Duat an.]<<< -Chao

>>>[Ich habe irgendwie auch Menschenopfer dort gesehen, wobei ich eher glaube, dass sie selbst es war, die geopfert wurde, oder sich opferte.]<<< -Monja

Camera2-2015-05-22-21-07-16Auch Kenmet ist ein Totengott, ein Leopardengott der in einem dauerhaften Kampf mit dem (göttlichen) Pavian steht, den er von anderen Göttern festhält.

„…Kenmet ist der Leopard, der in der Balsamierungshalle die Götter vor dem Pavian schützt…“

>>>[Kenmet wirkt auf mich sehr ambivalent, der Kampfaspekt hat etwas Rituelles und Zyklisches; eine rituelle Notwendigkeit scheint in seinem dauerhaften Kampf zu liegen.]<<< -Chao

mafdetMafdet wiederum ist populärer. Auch sie ist eine Pantherkatze und eine Beschützerin, aber mit hervorgehoben grausamen Zügen.

„…die Herrin des Lebenshauses, die Vernichterin feindlicher Schlangen und Beschützerin…“

Sie frisst die Köpfe der hingerichteten Verbrecher, sie ist „Mafdet mit dem Messer in der Hand“ und sie reißt Apophis das Herz heraus. Durch die Vielzahl ihrer Schutzfunktionen war Mafdet eine der idealen Beschützerinnen des Horus oder des Königs, eine seltener erwähnte Throngöttin.

>>>[Ich habe Mafdet als große Raubkatze gesehen, zunächst wie ein Gepard, dann eher wie ein Leopard. Sie hat mich zurechtgewiesen, nicht die Trommel sondern die Schellen zu benutzen, um sie zu rufen und mir gesagt, dass sie „die ist, die dem Leben nimmt, und dem Tod gibt“. Als ich nahe bei ihr war, hat sie sich in eine Frauengestalt mit nacktem Oberkörper und einem gefleckten Tierfell als Gürtel verwandelt. Als sie die krallenbewehrte Hand hob, entströmten ihr eine Unmenge schwarzer Fliegen, die den Raum füllten. Dann nahm sie mich mit, wie eine dunkler und dunkler werdende Höhle hinab.]<<< -Iffi

>>>[Dann hat sie dich vermutlich mit in die Duat genommen]<<< -Chao

>>>[Es war so dunkel, dass ich nur noch ihre Augen glühen sah. Ich musste etwas für sie tun, einen Toten ein Stück tragen in einer sehr merkwürdigen Umgebung, wie dunkles Leuchten, die Mitte einer Flamme. Anscheinend war es wichtig, dass er nicht mehr blutet. Dann sollte ich ihn liegenlassen, er könne nun alleine weiter.]<<< -Iffi

>>>[Klingt wie ein symbolischer Psychopompos mit Mafdet, die Hilfe für einen Verstorbenen in der Duat.]<<< -Chao

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Leicht mit Mafdet zu verwechseln ist die männliche Gottheit Mafed. Auch er ist ein Totengott, der in der Duat Wege für die Verstorbenen erschließt. Er gilt als „der Kater“.

„…der Kater, der in der Duat die Wege für die Verstorbenen erschließt…“

>>>[Ich habe ihn tief unten in der Dunkelheit gefunden. Ein Drache umkreiste ihn und mich. Mafed ließ mich zusehen, wie er andere auseinander nahm und neu zusammensetzte. Er zerfleischte und zerstückelte in einer blutigen Kompromisslosigkeit. In seiner Gegenwart heißt es, auf der Hut zu sein.]<<< -Tante Anita

Mahes ist eine männliche, vor allem im Delta verehrte, Löwengottheit, der „wildblickende Löwe“.

“…Worte zu sprechen von Mahes, dem Sohn der Bastet im Gefilde von Netjerit, dem Löwen mit großer Kraft, der die Feinde fällt und vom großen Thron fern hält. Der Blitzende und Donnernde, der Herr des Dunkels und der Winde…“

MaahesMaahes Bronze Statue, Ptolemäische Periode, (664 – 30 v. Chr.)

Er wird als Mensch mit Löwenkopf dargestellt, oft mit Messern in den Pranken, was seinen kriegerischen Charakter noch verstärkt. Als Löwe wird er gerne dargestellt, wie er einen Gefangenen von hinten anfällt und verschlingt, als „Herr des Gemetzels“ der sich über Blut freut. Er galt als Sohn der Bastet.

>>>[Mir hat er sich als großer, schwarzer Panther gezeigt. Er wanderte durch die Dünen und knurrte und brüllte die Sonne an. Außer ihm waren nur Dünen, Sonne, Himmel. Und als er mich ansah, traten glühende Bäche unter seinen Tatzen hervor, die dann zu richtigen Lavaflüssen wurden, bis schließlich nichts außer ihm und Lavaseen war]<<< -Anufa

Ähnlich unangenehm konnte Mehit werden.

„…Worte zu sprechen von Mehit, dem Auge des Re, der Gebieterin von Tjar, der Starken in der Stätte des Erstechens…“

Als alte, prädynastische Gottheit wird sie als ruhende Löwin mit drei-vier Stangen auf dem Rücken dargestellt. Erst später erscheint sie als löwenköpfige Menschenfrau. Mehit war Anhor und Onuris als Gattin zugetan; beiden steht sie als Kämpferin zur Seite, so wie sie auch mit der Uräusschlange als Beschützerin des Re verglichen wird. Interessant ist der Mythos, in dem Onuris die Mehit aus Nubien sozusagen importiert, indem er sie dort jagt, befriedet und „heim“ führt. Er wird dort auch als „Der die Ferne zurückbringt“ beschrieben.

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Ende Teil I

Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets – Teil II geschrieben von Merienptah

Samstag, 26. Juli 2014

Wenn nun also der physische Tod eintritt und der Körper stirbt, lösen sich die Wesensteile von ihm und lassen ihn allein zurück. Bleibt es über einen längeren Zeitraum (mehr als 70 Tage) bei diesem Zustand der Trennung bedeutet das die endgültige Auslöschung des Verstorbenen. Der Ka bleibt nach dem physischen Tod als „Schutzgeist“ in der Nähe des Leichnams, wo er von den Hinterbliebenen durch Totenopfer versorgt werden muss um nicht zu sterben und der Ba fliegt in Vogelgestalt davon. Der Schut begibt sich auf eine gefährliche Reise durch die Unterwelt Duat um in der bereits erwähnten Halle der Wahrheit vor das Gericht des Totengottes Osiris zu treten.

Hier ist wiederrum ein kleiner aber feiner Unterschied zu den Ansichten des alten Kemet vorzufinden. Die alten Totentexte berichten davon dass der Ba in die Unterwelt eingeht und die Reise durch die Duat antritt um sich vor dem Tribunal der 42 Götter zu rechtfertigen. In unserer Auffassung verlässt der freigewordene Ba den Körper und fliegt davon um an die „Orte der Sehnsucht“ zu gelangen, also die Orte an die der Verstorbene zu Lebzeiten gern gegangen wäre, die er aber nie erreichte und der Schatten Schut begibt sich auf die gefährliche Reise in die Unterwelt.

Diese Reise in die Duat wird bereits in den alten Unterweltsbüchern Kemets ausführlich beschrieben. Diese Unterwelt ist aber kein angenehmer Ort und die Reise zur Gerichtshalle des Osiris ist auch keine Spazierfahrt durch grüne Gefilde, sie führt durch die Regionen der 12 Nachtstunden in denen unzählige Dämonen leben, durch Wüsten und vorbei an den Feuerseen in denen die Seelen der Verdammten auf ewig schmoren. Diese Region dürfte dem christlichen Bild der Hölle Pate gestanden haben. Durch dieselbe Gegend führt die „Nachtfahrt“ des Sonnengottes, der nachts die Duat durchquert um am Ende der Reise verjüngt wiedergeboren zu werden.

Getrennt sind diese 12 Bereiche durch von messerbewehrten Dämonen gut bewachte Tore, die „Pforten der Duat“, die nur denjenigen durchlassen, der die Namen dieser Wächter kennt.

In der 7. Stunde der Duat, nach der Hälfte des Wegs, begegnet der Schut dann dem großen Widersacher des Sonnegottes Ra, Apep (Apophis), ebenso wie Ra muss er den „Vernichter“ erst überwinden um weiterreisen zu können. Die Barke des Ra wird während ihrer Nachtfahrt vom Gott Sutech (Seth) vor Apep geschützt, der Shut muss die geheimen Zauberformeln des Sutech kennen um an Apep vorbei zu kommen.

Hilfsmittel auf dieser Reise durch die Unterwelt sind die Totentexte, die dem Verstorbenen als eine Art Spickzettel mitgegeben werden und die Namen der Torwächter, genau wie die Zauberformeln zur Überwindung des Apep enthalten. Kein Kemet käme auf die Idee sich ohne diese Gedächtnisstütze bestatten zu lassen. In einem dieser Unterweltsführer, dem Amduat, dem „Buch von dem was in der Duat ist“, heißt es einleitend über den Inhalt des Buches:

Zu kennen die Wesen der Unterwelt; die geheimen Wesen; die Tore und Wege, auf denen der große Gott wandelt; zu kennen, was getan wird, was in den Stunden ist und ihre Götter; zu kennen den Lauf der Stunden und ihre Götter; zu kennen ihre Verklärungssprüche für Ra; zu kennen, was er ihnen zuruft; zu kennen die Gedeihenden und die Vernichteten“

Diese Schrift ist sozusagen ein Reiseführer durch die Unterwelt, damit der Schut am Ende der Reise auch tatsächlich unbeschadet die Gerichtshalle erreichen kann. Diese Schriften, die oft als „Totenbuch“ bezeichnet werden sind heutzutage die einzige unabdingbare Grabbeigabe. Dazu muss man aber sagen dass es „das Totenbuch“ überhaupt nicht gibt. Das was heute gemeinhin als das Totenbuch bezeichnet wird ist eine Sammlung von Beschwörungsformeln, liturgischen Anweisungen und Zaubersprüchen die im Kemetischen unter dem Titel „Sprüche, die vom Hinausgang der Seele berichten zum vollen Lichte des Tages“ oder kurz unter „Sprüche vom Heraustreten ins Tageslicht“ zusammengefasst werden. Auch die Nummerierung der Kapitel dieser Spruchsammlung ist eine moderne Erfindung, im Kemetischen trägt jedes dieser Kapitel einen eigenen Namen und keine Nummer, ebenso sind die Kapitel in ihrer Reihung variabel. Eine festgeschriebene Abfolge von Kapiteln gibt es nicht. Der berühmte Spruch 125, der das Totengericht beschreibt, heißt im Kemetischen einfach „verneinen der Sünden“ und ist heute auch als „negatives Sündenbekenntnis“ bekannt.

Wenn der Shut dann alle Pforten und Regionen der Duat durchquert und die Gerichtshalle, die „Halle der vollständigen Wahrheit“, erreicht hat, so sagen die Totentexte, wird er von Heru (Horus) an der letzten Pforte in Empfang genommen und vor ein Tribunal aus 42 Göttern geführt, diese 42 Götter gilt es ebenfalls wie die Torwachen der Pforten zu kennen und zu benennen. Vor jeder dieser Gottheiten muss eine bestimmte Sünde verneint werden, nach diesem „negativen Sündenbekenntnis“ übergibt der Shut sein Herz an Inpu (Anubis), der es unter Aufsicht des Totenrichters Usir-Wennenefer (Osiris) auf die Waagschale der Maat legt und gegen die Feder der Maat aufwiegt. Während dieses „Wägens des Herzens“ sind neben Inpu, Heru und Usir-Wennenefer noch der Gott Djehuti (Thot) anwesend, der das Ergebnis schriftlich festhält, als Zeugen des Totengerichtes die beiden Schwestern Aset und Nebethat (Isis und Nephthys) sowie für den Fall, dass das Herz diese Überprüfung nicht übersteht ist auch Ammit, die krokodilköpfige „Totenfresserin“ anwesend.

Sollte der Verstorbene das Totengericht nicht von seinem maatgerechten Lebenswandel überzeugen können, wird er zur endgültigen Vernichtung verurteilt, sein Herz wird von der Totenfresserin verschlungen und sein Shut der ewigen Verdammnis in den Feuerseen der Duat übergeben. Dadurch wird eine Wiedervereinigung mit seinem Ka und Ba unmöglich gemacht und er stirbt den endgültigen Tod. Das ist für einen Kemeten das Schlimmste was überhaupt passieren kann.

Unerlässlich ist auch dass der Verstorbene vor diesem Tribunal seinen eigenen Namen (Ren) nennen kann. Sollte ihm sein Name aufgrund eines besonders schweren Vergehens zu Lebzeiten schon von einem kemetischen Gerichtshof genommen werden (Kemet hat eigene interne Gerichte die über Vergehen gegen die Maat ein Urteil fällen und die durch Rituale dem Schuldigen ihren Namen nehmen können um ihm ein Weiterleben nach dem Tode zu versagen), ist es ihm unmöglich das Tribunal der Götter in der „Halle der vollständigen Wahrheit“ zu bestehen und er wird ebenfalls endgültig vernichtet. Aus diesem Grund achtet ein gläubiger Kemet auch schon während seines irdischen Lebens sehr darauf sich keiner Verstöße gegen die Maat schuldig zu machen, denn sollte er seinen Namen verlieren nutzen ihm auch alle vorgesehenen Hilfsmittel (dazu später mehr) auch nichts mehr.

Wenn der Verstorbene das Totengericht aber von seiner Rechtschaffenheit überzeugen konnte erhält er von Usir-Wennenefer (Osiris), dem Vorsitzenden des Totengerichtes und Herrscher der Unterwelt den Titel „Gerechtfertigter“ (maa-cheru), wörtlich übersetzt eigentlich „wahr an Stimme“, also „der der die Wahrheit spricht“. Danach wird er vom „Öffner der Wege“ Wepwaut (Upuaut) aus der Duat zurück zum Leichnam geführt um sich aufs Neue mit ihm, seinem Ka und seinem Ba vereinigen zu können um zu einem Ach zu werden.

Während der Shut seine gefährliche Reise durch die Unterwelt bestreitet und seine Rechtfertigung vor dem Tribunal der Totenrichter ablegt, bleibt der Ka immer in der Nähe des Leichnams um diesen zu bewachen und zu beschützen. Da er aber nun vom Körper getrennt ist und nicht mehr von ihm genährt wird, muss er in dieser 70-tägigen Zeit des Wartens auf die Rückkehr des gerechtfertigten Shut von den Angehörigen des Verstorbenen ernährt werden. In dieser Zeit muss der Ka täglich mit Speise- und Trankopfern versorgt werden damit er nicht stirbt. Stirbt der Ka weil er nicht mit Nahrung versorgt wird bedeutet dies das Ende des Verstorbenen, da eine Verbindung mit Shut und Ba zu einem Ach nicht mehr stattfinden kann.

Ebenso bedarf auch der Ba in dieser Zeit einer gewissen besonderen Fürsorge. Er löst sich nach dem Tode zwar vom Körper und entfliegt zu den „Orten der Sehnsucht“, dort ist er aber schutzlos und wird nach 70 Tagen sterben wenn er nicht zum Leichnam zurückgerufen wird. Ebenso ist der Ba wie bereits eingangs erwähnt, nicht unverletzlich; er kann gepackt und gefangengesetzt, ja sogar vernichtet werden. Die Vernichtung des Ba oder seine Gefangennahme, die ihn daran hindern würde zum Leichnam zurückzukehren bedeutet für den Verstorbenen genau das gleiche wie der Tod des Ka oder ein nichtbestehen des Totengerichtes. Mit täglichen Totenritualen, die den magischen Schutz gewährleisten, soll verhindert werden dass der Ba in dieser gefährlichen Zeit vor der Wiedergeburt als Ach irgendwelchen Schaden nimmt.

Das Weiterleben nach den Tode hängt also nicht nur davon ab, ob der Shut das Totengericht besteht und als „Gerechtfertigter“ zum Leichnam zurückkehrt, sondern in besonderem Maße auch davon, dass die Angehörigen oder Hinterbliebenen des Verstorbenen den Ka in dieser Zeit am Leben erhalten und dass sie durch magische Rituale dafür Sorge tragen dass dem Ba kein Leid geschieht.

Ist dieser Vorgang der Wiedergeburt als Ach dann abgeschlossen, wozu besondere Totenriten vonnöten sind, die genau 70 Tage nach dem Tod des Verstorbenen an seinem Grab abgehalten werden, kann der Ach dann sein Jenseitsleben beginnen wobei er zwei verschiedene Wahlmöglichkeiten hat. Erstens ist es dem Ach möglich nun in den Himmel aufzusteigen, um dort unter den Göttern zu leben und zu einem strahlenden Stern zu werden. In Gestalt dieses neuen Sterns reiht sich der Verstorbene nun in das Gefolge des Sonnengottes ein und begleitet ihn für alle Zeiten auf seiner Fahrt über den Himmel.

Die zweite Möglichkeit ist nach der „Wiedergeburt als Ach“ in die „Gefilde der Iaret“ (Sechet iaru), auch „Binsengefilde“ genannt, einzugehen und dort sein Leben für „Millionen von Jahren“ fortzusetzen.

Sechet iaru im Grab des Sennedjem

Diese Gefilde liegen im Lande „Ta-djeser“, der von Usir-Wennenefer (Osiris) beherrschten Unterwelt und sind ein paradiesisches Spiegelbild der irdischen Welt, allerdings ohne die negativen Dinge wie Alter, Krankheit oder Tod. Sie sind ein fruchtbarer Garten, umrahmt und durchzogen von Kanälen, in denen das Getreide 7 Ellen (knapp 3,5 Meter) hoch wächst, wo es weder Hunger noch Durst gibt, die Sonne nie durch Wolken verdeckt wird und wo Lüge, Neid und Betrug unbekannt sind. Dort führt der Verstorbene dann als ewig Jugendlicher ein dem irdischen Leben recht ähnliches, aber ein um ein Vielfaches angenehmeres und idyllischeres Dasein. Er pflanzt Getreide und allerlei Feldfrüchte an, fährt paradiesische Ernten ein (diese anstrengende Arbeit übernehmen aber die sogenannten Horusdiener für ihn), sitzt gemütlich im Schatten immer fruchttragender Obstbäume und Palmen oder unternimmt Bootsfahrten zur Muße oder um zu fischen auf den Kanälen von „Sechet iaru“.

Anders und doch nicht: eine interreligiöse Erfahrung (Teil III geschrieben von Myriad und Sati)

Samstag, 17. Mai 2014

Hier geht’s zu Teil I und Teil II

5. Habt Ihr das Gefühl, dass ihr einander beeinflusst habt? Wenn ja, wie?

Sati: Also der größte Einfluss den ich gefühlt habe war Stärke. Es bestärkt mich in meiner eigenen Praxis eine andere Person ebenso liebend, respektvoll ihren Göttern  gewidmet zu sehen wie ich den meinen. Ich meine, mal ehrlich, religiöse Hingabe wird doch heute eher belächelt. Leute die religiös sind werden entweder als „extrem(istisch)“ oder irgendwie als naiv, unreif und der Eigenverantwortung unfähig angesehen und was es sonst noch für öde Vorurteile über Religiosität gibt.

Myriad: Ich glaub’ schon , dass wir einander beeinflusst haben. Für mich war es besonders überraschend, dass ich mit jemandem über meine Erfahrungen und das, was gerade in meinem Leben passiert, reden konnte. Eines der besten Gespräche überhaupt war eine Diskussion über Zweifel, Ängste, und darüber, was eigentlich die Wirklichkeit wirklich macht. Dieses Gespräch hat mir die Augen geöffnet, weil es vorgekommen war (und zum Teil immer noch vorkommt, aber seltener und seltener), dass ich aber auch wirklich jedes noch so kleine Detail meines religiösen Lebens in Zweifel zog. Sati war da außerordentlich hilfreich und konnte mit ihrer weit größeren Erfahrung als Polytheistin sehr gute Denkanstöße geben.

Sati: Ein weiterer Aspekt ist, dass es oft zu tieferen Einsichten in der eigenen Tradition führt sich mit anderen paganen Religionen zu befassen, wenn die Kommunikation offen und respektvoll ist, was definitiv der Fall war. Die Tatsache, dass wir beide streng polytheistisch sind vermied jeden Zweifel darüber, dass Loki und Seth beides verehrbare Gottheiten sind und nicht irgendein seltsames philosophisches Konzept oder gar Archetypen. Und es bestätigte mich wiederholt in der Erkenntnis Vielheit als grundlegende Sichtweise zu adaptieren so tröstlich one-source-theories oder universalistische Konzepte manchmal scheinen mögen.

Myriad: Wir ermuntern einander, zu studieren, und das bezieht auch vergleichendes Studieren mit ein. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen: es handelt sich um getrennte, verschiedene Traditionen. Keine von uns ist synkretistisch. Aber wir erkennen beide an, dass nichts im Vakuum passiert, und dass sich religiöse Traditionen entsprechend der kulturellen Situation entwickeln. Und wenn die kulturelle Situation vorgibt, dass wir auf engem Raum mit Anhängern einer anderen Tradition zusammenleben, dann wäre es nur lachhaft, nicht auch mal auf den metaphorischen Teller der anderen zu gucken.

Sati: Eine wichtige Erfahrung für mich ganz persönlich war in meiner religiösen Identität gemocht zu werden. Ich meine, sicher, ich habe meine Kemetics im Internet, doch als Kemetic UND als Seth Verehrerin hat man nicht gerade viele Fans in der deutschsprachigen Heidenszene. Seth ist meist nur im ritualmagischen oder sonst wie okkulten Kontext bekannt, was so gar nicht mein Ding ist. Ich bin im Prinzip daran gewöhnt allein zu sein zumal ich ohnehin nicht außerordentlich gesellig bin. Und natürlich macht mich Seths Einfluss auch zuweilen ein bisschen impulsiv und schwer einschätzbar. Daher war ich sehr positiv überrascht über Myriads Vertrauen mit mir UND Seth in meinem Zuhause Zeit zu verbringen und sowohl ihre Zugewandtheit zu mir sowie ihren Respekt für Seth zu erleben.

Myriad: Wir schätzen beide aneinander unsere religiöse Hingabe. Unser Alltag ist unseren Göttern gewidmet, und wir haben beide erfahren, wie selten das in einem Menschen ist.

Myriad

Sati: Und anscheinend haben Myriad und ich einen ziemlich Eindruck bei Leuten hinterlassen. Ich bin mehrfach gefragt worden, ob wir Schwestern sind, dabei sind wir so grundverschieden. Myriad ist extrovertiert, witzig, klug, eloquent und unglaublich hübsch. Sie trägt immer bunte Kleidung und ihre leuchtend roten Haare sind ein echter Hingucker. Sie lacht und lächelt viel und fängt auch mal an spontan mit Leuten zu tanzen oder zu singen (da sie Opernsängerin ist, kann sie auch unglaublich schön singen). Ich fühle mich eher wie das glatte Gegenteil. Ich trage meistens schwarz und bin eher die dunkle, stille, mysteriöse Gestalt in der Ecke, die die Leute beobachtet, aber dennoch aus unerfindlichen Gründen Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich bin ja auch Aspie, daher habe ich in Gesellschaft manchmal meine Probleme, aber mit Myriad zusammen habe ich mich sehr sicher und ruhig gefühlt und vieles fiel mir deutlich leichter, so dass es mir sogar gefiel unter Leuten zu sein.

Sati

Myriad: Wir bringen gegenseitig unsere Schokoladenseite zum Vorschein, wenn man will. Wir sind zweimal ausgegangen (dreimal wenn man die Feierlichkeiten zum Abschluss meiner Promotion mit einbezieht). Jedes Mal waren wir ungeschlagen die beiden schönsten Menschen im Raum – und nicht etwa, weil der Raum leer oder mit besonders hässlichen Menschen gefüllt gewesen wäre. Ich glaube wir bringen an einander zum Vorschein, wie unsere Götter uns beeinflussen [LOL klingt das albern, aber so sieht es aus, Leute].

6. Hat Euch irgendetwas gefehlt oder habt Ihr Euch in Euer Praxis irgendwie eingeschränkt gefühlt?

Sati: Ehrlich gesagt kaum. Als ich Myriad besucht habe, hat mir natürlich meine Wohnung gefehlt, da sie sozusagen mein Tempel ist. Alle meine Schreine sind dort, mein großer Schrein für mehrere Gottheiten, mein Seth Schrein, mein Akhu (=Ahnen) und Heka (=Ägyptische Magie) Schrein. Aber wenn ich verreise habe ich immer meinen kleinen Reiseschrein dabei, den ich bei Myriad auf Lokis Altar stellen durfte, also war da gar nicht mal viel, was mir fehlte. Meine Katze habe ich aber arg vermisst. Und was mir auch ein bisschen abging war der Kontakt zu den anderen Kemetics und unsere Gespräch über Geschichte, unsere Tradition oder auch einfach nur das Gescherze auf Facebook. Das mag sich seltsam anhören, aber ich empfinde die Zeit die ich mit meinen Mit-Kemetics verbringe auch ein bisschen als Teil meiner Religiosität und ich versuche ihnen so viel meiner Aufmerksamkeit wie möglich zu widmen auch wenn’s nur ums Spaß haben geht.

Myriad: Ich habe meine Meditation vermisst, und die längeren Gebete, als ich zum ersten Mal zu Besuch war, aber die ganzen tollen anderen Sachen, die passierten, haben das mehr als wettgemacht. Während meines zweiten Besuchs und während Satis Besuch bei mir kam ich viel besser zu Allem.

7. Welche Ideen und Inspirationen habt Ihr aus der gemeinsamen Zeit gewonnen?

Sati: Viele kreative Dinge. Wir sind beide handwerklich begabt und Myriad hat mich auf einige tolle neue Ideen für Opferungen sowie Handgearbeitetes zu Ehren Seths gebracht. Wie z.B. eine Devotionalien-Halskette, die mit sieben handgemalten Perlen für sieben von Seths überlieferten Beinamen bestückt ist. Ich bin ja auch Schneiderin und habe schon lange nicht mehr geschneidert, doch nun habe ich eine lange Liste von Kleidungsstücken, die ich für Myriad machen möchte.

Myriad im Bliaut made by Sati :)

Myriad: Sati ist diejenige, die mich dazu inspiriert hat, Brettchenweben zu lernen – etwas, das bei meinen Göttern ziemlich gut ankam und wofür ich auch möglicher Weise eine Art Talent habe.

Brettchenborten-Lesezeichen (von Myriad)

Ich war natürlich auch von Satis kultischer Praxis beeindruckt. Als ich heimkam, wollte ich unbedingt mehr Schreine, und Statuen, jede Menge Statuen. Das Problem ist, dass ich die Ästhetik der meisten kommerziell verfügbaren Statuen der nordischen Götter wirklich nicht ausstehen kann. Daher habe ich bisher immer meine eigenen Darstellungen verwendet: Acrylgemälde auf Leinwand. Das funktioniert gut, und meine Götter finden sie schon an sich ganz schick (obwohl ich immer wieder gefühlt eine Million Perspektivenfehler ausmache). Jedenfalls wollte ich Statuen, und Skulpturen, und geschlossene Schreine, als ich heimkam. Tatsächlich will ich auch immer noch manches davon, obwohl ich mir nicht mehr sicher bin, wie gut geschlossene Schreine mit den nordischen Göttern funktionieren. Aber Skulpturen möchte ich nach wie vor, und werde wohl meine eigenen anfertigen. Und neulich fanden auch zwei kleine Portraits von Seth und Ma’at ihren Weg in mein Wohnzimmer.

Sati: Und wir hatten außerdem das Gefühl, dass wir unsere Erfahrung teilen sollten und haben begonnen an einem Seminarkonzept zu arbeiten um über polytheistische Religion und Praxis zu berichten. Da es uns beiden wichtig ist historisch gut informiert und gebildet zu sein bin ich guter Dinge, dass wir einen vernünftigen Einblick vermitteln können, was es bedeutet inmitten der Gesellschaft Polytheist zu sein. Sowohl Myriad als auch ich sind ja keine seltsamen Freaks oder gesellschaftlichen Randfiguren (mal abgesehen von meinen Asperger-bedingten Einschränkungen). Myriad hat einen Doktortitel in Informatik und ich bin gerade mitten in meiner Ausbildung zur Osteopathin, die ich hoffentlich mit einem M.Sc. abschließen können werde; und ich kümmere mich um Patienten und gehe osteopathischer und medizinischer Forschungsarbeit nach.

Myriad: Aufgrund unserer Interfaith-Tempel-Situation, und unserer geteilten Leidenschaft für unsere Götter kamen wir auf die Idee, Seminare über polytheistische Religionen in unserer Region anzubieten. Im Moment haben wir beide ziemlich viel um die Ohren, aber wir denken es ist wichtig, dass wir das machen. Ich denke, es ist wichtig, zu zeigen – und zwar am gelebten Beispiel – was Polytheismus beinhaltet, wie eine religiöse Praxis aussehen kann, und dass es Menschen gibt, die die Götter als Gott-Personen verehren.

Loki und Seth

8. Was war für Euch anders als erwartet?

Sati: Also grundsätzlich hatte ich mir alles viel befremdlicher vorgestellt und uns eher schüchtern hinsichtlich unserer Praxis. Aber letztendlich war alles unerwartet einfach und toll. Es war einfach wunderschön gemeinsam bei unseren Schreinen zu sitzen, Wein und Speisen mit unseren geliebten Göttern zu teilen und die morgendlichen Opferungen gemeinsam zu begehen. Und ich bin mir sehr sicher Seth und Loki hat das auch gefallen.

Myriad: Ja, absolut. Komisch, wie man sowas manchmal einfach weiß.

(Ende letzter Teil)

Myriads Blog „Weaving the Net“ Satis Blog „Kemetic Insights“