Mit ‘lichtmess’ getaggte Artikel

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen, geschrieben von Mc Claudia – Teil XXVII

Samstag, 20. September 2014

Hier nun das achtfache Jahr im katholischen Festkreis:

Weihnachten und Jul:

Weihnachten wird in der neuheidnischen Szene oft als christianisierte Version des Julfestes begriffen. Wie im Germanenkapitel schon ausgeführt, deuten die historischen Schriften darauf hin, dass Jul wahrscheinlich ein pangermanisches Fest war, das je nach germanischem Volk und je nach Epoche und Kalender an verschiedenen Festdaten zwischen November und Jänner seinen Platz hatte. Der 25. Dezember selbst, der Weihnachtstag, hat historisch nur im angelsächsischen Modranecht-Fest seine Entsprechung. Dass in den nordischen Ländern Weihnachten heute noch Jul oder Jol heißt, deutet in jedem Fall darauf hin, dass die Wichtigkeit und Beliebtheit des heidnischen Julfestes dazu geführt hatte, dass das Weihnachtsfest mit diesem assoziiert wurde und Festtagsnamen und auch Bräuche auf das christliche Weihnachtsfest übertragen wurden.

ABER: Das christliche Weihnachtsfest am 25. Dezember war längst Bestandteil der katholischen Kirche, als die frisch christianisierten Germanen beschlossen, Weihnachten mit Jul in Verbindung zu bringen. Jul war also nicht der Grund für die Etablierung des Weihnachtsfestes sondern lediglich Namensgeber und Brauchtumsinspiration für das Weihnachtsfest in Skandinavien und Island. Inwieweit germanische Bräuche in den anderen germanischen Gebieten für Weihnachten belegt sind, entzieht sich meinem Wissen. Die Rauhnächte und das dazugehörige Brauchtum mögen vielleicht dazuzählen. Der Weihnachtsbaum übrigens nicht – der wird erstmals im 16. Jhdt. im Elsass historisch erwähnt und war anfangs vor allem in evangelischen Gebieten verbreitet. Verschiedene Zünfte, die Zunftbäume aufstellten (daher kommt wahrscheinlich auch der heutige Maibaum), waren für die Verbreitung dieses Brauchs verantwortlich. Auch sind Weihnachtsbäume meines Wissens für das vorchristliche Julfest nicht erwiesen. Nichtsdestotrotz sind Assoziationen mit dem Weltenbaum durchaus legitim. Wie gesagt – auch Heiden übernehmen gerne christliche Bräuche …

Zurück zum Festtagstermin: Weihnachten ist natürlich nicht aus dem Nichts entstanden. Bis zur Etablierung des Festdatums im Jahre 336 (knapp vor dem Tod Kaiser Constantins d. Großen – das ist jener römische Kaiser, der als erster den Christen Religionsfreiheit gewährte und die Kirche aktiv förderte) für den 25. Dezember gab es die verschiedensten Vorschläge innerhalb der christlichen Gemeinschaften, wann man der Geburt des Messias gedenken sollte. Das historische Geburtsdatum von Jesus ist ja nicht bekannt. Als christlicher Grund wird angegeben, dass neun Monate zuvor, am 25. März, Maria vom Erzengel Gabriel aufgesucht wurde, der ihr verkündete, dass der Heilige Geist über sie kommen werde. Im Fest „Mariae Verkündigung“ (englisch: Lady Day) wird dieses Ereignis an diesem Datum gefeiert. Und nach neun Monaten Schwangerschaft, am 25. Dezember, gebar Maria dann das Jesusbaby – soweit der Mythos. (Ich konnte allerdings nicht herausfinden, ob Mariae Verkündigung vor oder nach Weihnachten etabliert wurde – wenn danach, scheint es logisch, dass einfach neun Monate vom 25. Dezember nach vorn gerechnet wurde, um auf das Datum für Mariae Verkündigung zu kommen.)

Ein weit plausiblerer Grund für das Weihnachtsdatum scheint mir die Wichtigkeit des römischen Sonnenkultes in der Spätantike zu sein. Zu Zeiten Kaiser Constantins war sowohl der Kult um den Sol Invictus (unbesiegbare Sonne), der im 3. Jhdt. durch andere Kaiser zum Staatskult erklärt wurde, von größter Bedeutung, andererseits war der Mithraskult (der aus Persien kam) vor allem bei den römischen Soldaten äußerst beliebt. Beide Götter waren untrennbar mit dem Kaiserkult verbunden. Und beide Götter hatten am 25. Dezember Geburtstag. Ein Beiname des Mithras war ebenfalls Sol Invictus. Wenn nun aber, beginnend mit Kaiser Constantin d. Großen, der Kaiser christlich wurde und den Sonnen- und Mithraskult nicht mehr pflegte oder, wie spätere Kaiser, sogar verbot, erübrigte sich der Kult an sich. Da beide Kulte aber staatstragend waren und für die Soldaten auch Symbol der Loyalität zum Kaiser darstellten, musste offenbar die religiöse Lücke geschlossen werden, die sich nach dem Niedergang der beiden heidnischen Kulte bildete. So führte man noch unter Regentschaft des Constantin den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi ein. Dass auch Christus den Beinamen „Sol Invictus“ erhielt, mag dabei nicht mehr verwundern.

Die Frage, warum nicht die Wintersonnenwende selbst (21./22. Dezember) den Geburtstag des (heidnischen und christlichen) Sonnengottes markierte, könnte damit beantwortet werden, dass Caesar bei seiner Kalenderreform den 25. Dezember auf den kürzesten Tag des Jahres legte. Das heißt, im 1. Jhdt. v. Chr. stimmte der 25. Dezember mit der Wintersonnenwende überein. Da aber nun der julianische Kalender, wie wir oben im Kapitel über die Kalender gesehen haben, das Jahr zu lange rechnet (genau um 0,0078 Tage pro Jahr zu lang in Bezug auf das „richtige“ astronomische Sonnenjahr), rutschte die echte Wintersonnenwende im Laufe der nächsten drei Jahrhunderte zurück auf den 22. Dezember, das heißt, der 25. Dezember um 300 n. Chr. befand sich schon drei Tage nach der Sonnenwende (und er wanderte weiter, bis Papst Gregor den Kalender reformierte und der 25. Dezember wieder seinen Platz aus dem 3. Jhdt. erhielt). Jedenfalls ignorierte man im 3. Jhdt. die „echte“ Sonnenwende und hielt sich stattdessen streng an das Kalenderdatum, in der Annahme, es handle sich noch immer um das Sonnwenddatum.

Feiertag der heiligen Brigitte von Kildare, Lichtmess und Imbolc:

Im Kapitel über die Kelten ist bereits auf den Zusammenhang des Imbolc-Festes mit dem heutigen Fest der hl. Brighid (zu Deutsch Brigitte) eingegangen worden. Die Ähnlichkeit der Göttin Brigit mit der namensgleichen Heiligen, deren Leben in das 5./6. Jhdt. datiert wird, in Attributen und Brauchtum sowie die Wichtigkeit des Brighid-Festes im gälischen Raum lassen vermuten, dass zwischen Imbolc und dem Brighid-Fest ein Zusammenhang besteht. Für Österreich hat die Brigitte von Kildare allerdings keine Bedeutung.

Mariae Lichtmess (engl.: Candlemas) findet am 2. Februar, also 40 Tage nach Weihnachten, statt. Mythologisch geht es darum, dass Maria nach jüdischem Brauch 40 Tage lang nach der Geburt Jesu unrein war. Am 40. Tag ging sie mit dem Baby dann in den Tempel, um die vorgeschriebenen Reinigungsopfer darzubringen. Außerdem übergab sie dort das Jesusbaby symbolisch Gott, da nach jüdischer Lehre der erstgeborene Sohn Eigentum Gottes war. Der alte Prophet Simeon erkannte dann in Jesus den Messias, das Licht der Welt – deshalb auch die Kerzensymbolik zu Lichtmess.

Die beiden Feste am 1. und am 2. Februar gehören im irisch-katholischen Brauchtum zusammen, denn am 1. Februar wird Brighid als Amme des Jesus geehrt, am 2. Februar Maria mit dem Jesuskind. Die Verehrung der hl. Brighid in Irland und Schottland ist übrigens dermaßen beliebt, dass sie als „Maria der Gälen“ bezeichnet wird und manchmal sogar als Jesu Mutter angerufen wird.

Ostern und Ostara:

Der lateinische Begriff für Ostern ist Pascha, abgeleitet vom hebräischen Pessach. Pessach ist das jüdische Freudenfest, an dem der Auszug aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Pessach wird vom 15. bis 22. Nisan gefeiert, was März/April entspricht. Da der jüdische Kalender lunisolar ist, heißt das, dass Pessach mit dem Vollmond beginnt und dann eine Woche lang dauert. Das christliche Osterfest entspricht ungefähr diesem Datum: Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Vollmond zu oder nach dem Frühlingsäquinox. Der früheste Termin ist der 22. März der späteste der 25. April. Laut biblischem Mythos wurde Jesus am Freitag in der Pessachwoche gekreuzigt und ist am Sonntag darauf wieder auferstanden.

Im Gegensatz zu Jesu Geburt ist Jesu Tod und Auferstehung deutlich aus dem Neuen Testament herauszulesen, weshalb es keine Unklarheiten darüber gab, dass das Osterfest in die jüdische Pessachwoche fallen müsste. Nur über die genaue Datumsberechnung wurde gestritten. Im ersten Konzil von Nicaea 325 n. Chr. wurde unter Kaiser Constantin die obige Berechnung des Osterfestes bestimmt.

Dass der April und das Pascha-Fest im germanischen Raum nach dem „Osten“ benannt wurde, könnte zwei Gründe haben: Zum einen ist der Osten die Richtung der aufgehenden Sonne, die der Auferstehung Christi entsprechen würde (auch Kirchen werden für gewöhnlich „geostet“, also nach dem Sonnenaufgang ausgerichtet). Zum anderen haben wir den Bericht von Beda Venerabilis über die Angelsachsen (siehe Kapitel über die Germanen). Zumindest für dieses germanische Volk haben wir den Beleg, dass Monat (Eosturmonath), Fest und Göttin (Eostrae) namensgebend für das christliche Pascha-Fest waren. Wir haben hier also dieselbe Vorgangsweise wie für Weihnachten: Ein christliches Fest wurde nach einem germanischen Fest benannt, das an einem ähnlichen Datum stattfand.

Aus all diesen Fakten dürfte hervorgehen, dass nicht Christen Ostern erfunden haben, weil die Germanen ein Frühlingsfest hatten, sondern dass die Germanen Namen (und Bräuche?) des heidnischen Eostrae-Festes mit dem Pascha-Fest verbanden. Inwieweit heutige Osterbräuche (Hase, Eier, Lämmer, Palmzweige, Küken, Feuer etc.) heidnischen Ursprungs sind, müsste man gesondert erforschen. Zumindest für die Ostereier gibt es eine christliche Erklärung: Eier waren früher in der Fastenzeit verboten, weshalb sie gesammelt und zu Ostern verschenkt wurden. Dass das Ei an sich eine Menge Symbolik in sich trägt, die in verschiedensten Kulturen zum Ausdruck kommt, ist klar. Speziell für Ostern kann man aber nur spekulieren, ob und welche heidnischen Symbole in das Osterei geflossen sein mögen.

Anmerkung zum Schluss: Das neuheidnische Ostara-Fest wird für gewöhnlich zu Frühlingsäquinox gefeiert, was mit den Quellen zum angelsächsischen Eostrae-Datum (lunisolarer Monat im März/April) nicht genau übereinstimmt. Historisch korrekter wäre es, das Ostara-Fest auf eine bestimmte Mondphase im März/April zu legen. Direkt auf die Frühlingstagundnachtgleiche fiel hingegen das Uppsala-Fest. Auch die slawischen und baltischen Frühlingsfeste Maslenitsa und Velykos wurden offenbar direkt zu Frühlingsbeginn gefeiert.

Ende Teil XXVII

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VIII

Samstag, 09. Juli 2011

Herkunft und Bedeutung der Festtagsnamen

Gleich vorweg: Die Schreibweise, vor allem der mittelalterlichen Namensbezeichnungen der Festtage der Iren, Waliser, Angelsachsen, Wikinger etc. kann variieren. Da es damals keine einheitliche Rechtschreibung gab und es auch einen Unterschied macht, ob man das Fest in einer älteren oder neueren Schreibweise buchstabiert, gibt es oft mehrere Versionen, einen Namen zu schreiben, z. B. Samain (Altirisch), Samhain (modernes Irisch). Das soll aber weiter nicht stören.

Die üblichen neuheidnischen Namen der acht Jahreskreisfeste haben ihre Wurzeln vor allem im Wicca, wobei sich die Wiccas wiederum an traditionellen irischen, angelsächsischen, nordischen und britischen Festnamen orientieren (und im deutschsprachigen Raum auch an entsprechenden hiesigen, traditionellen Bezeichnungen). Manchmal sind die Festnamen auch Neuerfindungen.

Ich beginne mit den einfachen Bezeichnungen der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen: Wintersonnenwende (engl.: Winter Solstice), Frühlingstagundnachtgleiche/Frühlingsäquinoktium (engl.: Spring Equinox, Vernal Equinox), Sommersonnenwende (engl.: Summer Solstice) und Herbsttagundnachtgleiche/Herbstäquinoktium (engl.: Autumnal Equinox, Fall Equinox) sind einfach im Alltag übliche Bezeichnungen für die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden.

Eindeutig christlicher Herkunft sind die Bezeichnungen: (Mariae) Lichtmess (engl.: Candlemas – „Kerzenmesse“), Brighid (Brighid bzw. Brigitte ist eine christliche Heilige), Lady Day – „Frauentag“ (Mariae Verkündigung), Walpurgisnacht (Walburga ist eine christliche Heilige), Lammas/Loaf Mass – „Brotlaibmesse“ und Halloween/Hallowmas – „(Abend vor) Allerheiligen“. (Näheres dazu im Kapitel über das Christentum.)

Die Bezeichnungen „Maifeiertag/May Day/Hohe Maien“ sowie „Herbstfest/Erntedankfest/ Harvest Home“ sind deutsche und englische Bezeichnungen, die für die ausgelassenen Frühlingsfeierlichkeiten am 1. Mai und für die diversen Erntedankfeste im September/Oktober im englischsprachigen und deutschsprachigen Raum üblich sind. Auch sie sind – auch wenn das Brauchtum teilweise recht heidnisch anmutet – eingebettet im christlichen Festkalender.

Der Begriff „Schnitterfest“ für Lugnasad dürfte eine neuheidnische Bezeichnung sein, die sich auf die Ernte, also das Schneiden des Getreides bezieht.

Die Festtagsnamen Mittwinter (engl.: Midwinter), Summerfinding – „Sommer-Findung“, Mittsommer (engl.: Midsummer) und Winter Finding – „Winter-Findung“ sind deutsche bzw. englische Bezeichnungen, die sich auf den germanischen Raum Skandinaviens und Islands (= nordischer Sprachraum) beziehen. Ebenfalls aus dem germanischen Raum kommen die Begriffe Jul (engl.: Yule) – Nordisch für „Zauber, Beschwörung“, Eostre (Altenglisch) und Ostara (rekonstruiertes Althochdeutsch) für „östlich, Osten“ und Litha – Altenglisch für „durchlaufen, gehen, vergehen“. (Näheres im Kapitel über die Germanen.)

Imbolc – „umfassende Reinigung, im Bauch“, Beltaine – „Bel‘s-Feuer“, Lug(h)nasad „Lug‘s-Versammlung“ und Sam(h)ain – „Sommerende“ sind altirische (und damit keltische) Bezeichnungen für die vier Hochfeste im alten Irland. (Siehe das Kapitel über die Kelten.)

February Eve, May Eve, August Eve und November Eve (also Februar-, Mai-, August- und November-Abend) sind die Namen der Feuerfeste, wie sie in Gardners Book of Shadows (siehe Quellenverzeichnis) zu finden sind. Da diese Festbezeichnungen für die jeweils an diesen Daten stattfindenden christlichen Feste eher unüblich sind (ich konnte nichts Diesbezügliches finden), dürfte es sich um Gardners Idee handeln, die Sabbate einfach nach ihrem jeweiligen Datum zu benennen.

Fast alle Festnamen haben also einen heidnisch oder christlich tradierten Ursprung oder sind logische Bezeichnungen (wie „Schnitterfest“ oder „May Eve“).

Bleibt der mysteriöseste Festtagsnamen, der nirgends hineinpasst, nämlich Mabon. Mabon vab Modron (übersetzt: „Mabon, Sohn der Modron“) ist ein Held im mittelalterlichen walisischen (und damit keltischen) Mythos Culhwch ac Olwen, wo er eine Nebenrolle spielt. Und zwar war er in einem Kerker eingesperrt (er war als Kleinkind von drei Jahren seiner Mutter geraubt worden), bis er von Kaiser Arthur (dem meistverfilmten König aller Zeiten) und seinen Mannen befreit wurde, um mit ihnen danach gemeinsam auf die Jagd nach dem gefährlichen Keiler Twrch Trwyth zu gehen. Mabon und Modron haben sogar Entsprechungen in der antiken festlandkeltischen Götterwelt: Der walisische Mabon leitet sich etymologisch vom gallischen Maponos ab, was „Sohn, Kind“ bedeutet. Von den Römern wurde er mit Apollon, dem Gott der Dichtkunst, der Orakel und der Sonne verglichen. Walisisch „Modron“ wiederum kommt vom gallischen Matrona – „große Mutter“. Diese Göttin ist als Singular ein Fluss (nämlich die Marne) und als Dreiergruppe von Göttinnen (Matronen) war sie im römischen Gallien (vor allem im Rheinland) äußerst populär.

Seitdem ich den Mythos kenne, frage ich mich, was genau jemanden veranlasst, ein Erntedankfest nach diesem Helden zu benennen. Man könnte spekulieren, dass das Eingesperrtsein vielleicht einen Initiationsritus oder den Abstieg in die Unterwelt symbolisiert – analog zur Sonne, die im Herbst in die Unterwelt wandert oder auch analog zu den Eleusinischen Mysterien. Vielleicht ist es auch die Eberjagd, weil im Herbst die Jagdsaison beginnt. Und dann gab es im alten Griechenland um diese Zeit noch das Fest Pyanopsia, das Apollon geweiht war.

Wie auch immer, Mabon als Name für ein walisisches (oder anderes keltisches) Fest ist nach meiner gründlichen Recherche historisch nicht erwiesen (weder im Herbst noch sonstwann, weder christlich noch heidnisch). Aber Modron sei Dank gibt es ja das englische Wikipedia. Im Eintrag „Wheel of the Year“ ist zu lesen, dass Aidan Kelly, ein neuheidnischer Autor, in den 1970er Jahren diesen Namen für das Herbstfest geprägt hätte. Warum er das gemacht hat, weiß ich aber nicht.

Auch wenn sich „Mabon“ längst als Festtagsname eingebürgert hat, möchte ich doch darauf hinweisen, dass er damit eine gewisse Asymmetrie bei der Namenswahl der acht Jahreskreisfeste verursacht. Denn die vier Feuerfeste haben keltische Bezeichnungen (Imbolc, Beltaine, Lugnasad und Samain), und drei der vier Sonnenfeste tragen germanische Namen (Jul, Ostara, Litha). Wäre es da nicht konsequent, auch dem Herbstäquinoktium einen schönen germanischen Namen zu geben? Ich finde z. B. „Tamfana“ sehr passend. Das ist eine südgermanische Göttin, die laut Tacitus Ende September vom Stamm der Marser mit einem Fest geehrt wurde. Damit hätten wir sogar einen historischen Namen!

Wie auch immer. Die kreative Namensgestaltung der acht Feste dürfte erst nach der Expansion der Wicca-Idee in verschiedenen Wicca-, Wicca-ähnlichen und anderen Traditionen stattgefunden haben. Schaut man sich nämlich die Namen der acht Sabbate in Gardners Book of Shadows an, muten diese sehr nüchtern an. Sie heißen einfach „…-Equinox“, „….-Solstice“ oder „…-Eve“, also eigentlich nur Datumsbeschreibungen. Warum er keine passenden keltischen oder germanischen Namen benutzte, die er sicherlich kannte, ist fraglich. Vielleicht wollte er keine kulturspezifischen Festtagsnamen einführen, um den Sabbaten einen universellen Charakter zu verleihen?

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).

Embrace the Light

Dienstag, 08. Februar 2011

Es ist wieder an der Zeit für einen neuen Song vom Pagan Piper Project:

Unsere aktuelle Station ist Lichtmess. Langsam wird es spürbar, dass die Tage wieder länger werden, man kann ahnen, dass der Frühling nun nicht mehr so weit ist. Der Song dazu ist einer unserer schönsten. Ein zarter, sanfter Song zur Begrüßung des Lichts. Ein Song wie das erste Schneeglöckchen, das die Schneedecke durchbricht: „Embrace the Light“