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Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen, geschrieben von Mc Claudia – Teil XXVII

Samstag, 20. September 2014

Hier nun das achtfache Jahr im katholischen Festkreis:

Weihnachten und Jul:

Weihnachten wird in der neuheidnischen Szene oft als christianisierte Version des Julfestes begriffen. Wie im Germanenkapitel schon ausgeführt, deuten die historischen Schriften darauf hin, dass Jul wahrscheinlich ein pangermanisches Fest war, das je nach germanischem Volk und je nach Epoche und Kalender an verschiedenen Festdaten zwischen November und Jänner seinen Platz hatte. Der 25. Dezember selbst, der Weihnachtstag, hat historisch nur im angelsächsischen Modranecht-Fest seine Entsprechung. Dass in den nordischen Ländern Weihnachten heute noch Jul oder Jol heißt, deutet in jedem Fall darauf hin, dass die Wichtigkeit und Beliebtheit des heidnischen Julfestes dazu geführt hatte, dass das Weihnachtsfest mit diesem assoziiert wurde und Festtagsnamen und auch Bräuche auf das christliche Weihnachtsfest übertragen wurden.

ABER: Das christliche Weihnachtsfest am 25. Dezember war längst Bestandteil der katholischen Kirche, als die frisch christianisierten Germanen beschlossen, Weihnachten mit Jul in Verbindung zu bringen. Jul war also nicht der Grund für die Etablierung des Weihnachtsfestes sondern lediglich Namensgeber und Brauchtumsinspiration für das Weihnachtsfest in Skandinavien und Island. Inwieweit germanische Bräuche in den anderen germanischen Gebieten für Weihnachten belegt sind, entzieht sich meinem Wissen. Die Rauhnächte und das dazugehörige Brauchtum mögen vielleicht dazuzählen. Der Weihnachtsbaum übrigens nicht – der wird erstmals im 16. Jhdt. im Elsass historisch erwähnt und war anfangs vor allem in evangelischen Gebieten verbreitet. Verschiedene Zünfte, die Zunftbäume aufstellten (daher kommt wahrscheinlich auch der heutige Maibaum), waren für die Verbreitung dieses Brauchs verantwortlich. Auch sind Weihnachtsbäume meines Wissens für das vorchristliche Julfest nicht erwiesen. Nichtsdestotrotz sind Assoziationen mit dem Weltenbaum durchaus legitim. Wie gesagt – auch Heiden übernehmen gerne christliche Bräuche …

Zurück zum Festtagstermin: Weihnachten ist natürlich nicht aus dem Nichts entstanden. Bis zur Etablierung des Festdatums im Jahre 336 (knapp vor dem Tod Kaiser Constantins d. Großen – das ist jener römische Kaiser, der als erster den Christen Religionsfreiheit gewährte und die Kirche aktiv förderte) für den 25. Dezember gab es die verschiedensten Vorschläge innerhalb der christlichen Gemeinschaften, wann man der Geburt des Messias gedenken sollte. Das historische Geburtsdatum von Jesus ist ja nicht bekannt. Als christlicher Grund wird angegeben, dass neun Monate zuvor, am 25. März, Maria vom Erzengel Gabriel aufgesucht wurde, der ihr verkündete, dass der Heilige Geist über sie kommen werde. Im Fest „Mariae Verkündigung“ (englisch: Lady Day) wird dieses Ereignis an diesem Datum gefeiert. Und nach neun Monaten Schwangerschaft, am 25. Dezember, gebar Maria dann das Jesusbaby – soweit der Mythos. (Ich konnte allerdings nicht herausfinden, ob Mariae Verkündigung vor oder nach Weihnachten etabliert wurde – wenn danach, scheint es logisch, dass einfach neun Monate vom 25. Dezember nach vorn gerechnet wurde, um auf das Datum für Mariae Verkündigung zu kommen.)

Ein weit plausiblerer Grund für das Weihnachtsdatum scheint mir die Wichtigkeit des römischen Sonnenkultes in der Spätantike zu sein. Zu Zeiten Kaiser Constantins war sowohl der Kult um den Sol Invictus (unbesiegbare Sonne), der im 3. Jhdt. durch andere Kaiser zum Staatskult erklärt wurde, von größter Bedeutung, andererseits war der Mithraskult (der aus Persien kam) vor allem bei den römischen Soldaten äußerst beliebt. Beide Götter waren untrennbar mit dem Kaiserkult verbunden. Und beide Götter hatten am 25. Dezember Geburtstag. Ein Beiname des Mithras war ebenfalls Sol Invictus. Wenn nun aber, beginnend mit Kaiser Constantin d. Großen, der Kaiser christlich wurde und den Sonnen- und Mithraskult nicht mehr pflegte oder, wie spätere Kaiser, sogar verbot, erübrigte sich der Kult an sich. Da beide Kulte aber staatstragend waren und für die Soldaten auch Symbol der Loyalität zum Kaiser darstellten, musste offenbar die religiöse Lücke geschlossen werden, die sich nach dem Niedergang der beiden heidnischen Kulte bildete. So führte man noch unter Regentschaft des Constantin den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi ein. Dass auch Christus den Beinamen „Sol Invictus“ erhielt, mag dabei nicht mehr verwundern.

Die Frage, warum nicht die Wintersonnenwende selbst (21./22. Dezember) den Geburtstag des (heidnischen und christlichen) Sonnengottes markierte, könnte damit beantwortet werden, dass Caesar bei seiner Kalenderreform den 25. Dezember auf den kürzesten Tag des Jahres legte. Das heißt, im 1. Jhdt. v. Chr. stimmte der 25. Dezember mit der Wintersonnenwende überein. Da aber nun der julianische Kalender, wie wir oben im Kapitel über die Kalender gesehen haben, das Jahr zu lange rechnet (genau um 0,0078 Tage pro Jahr zu lang in Bezug auf das „richtige“ astronomische Sonnenjahr), rutschte die echte Wintersonnenwende im Laufe der nächsten drei Jahrhunderte zurück auf den 22. Dezember, das heißt, der 25. Dezember um 300 n. Chr. befand sich schon drei Tage nach der Sonnenwende (und er wanderte weiter, bis Papst Gregor den Kalender reformierte und der 25. Dezember wieder seinen Platz aus dem 3. Jhdt. erhielt). Jedenfalls ignorierte man im 3. Jhdt. die „echte“ Sonnenwende und hielt sich stattdessen streng an das Kalenderdatum, in der Annahme, es handle sich noch immer um das Sonnwenddatum.

Feiertag der heiligen Brigitte von Kildare, Lichtmess und Imbolc:

Im Kapitel über die Kelten ist bereits auf den Zusammenhang des Imbolc-Festes mit dem heutigen Fest der hl. Brighid (zu Deutsch Brigitte) eingegangen worden. Die Ähnlichkeit der Göttin Brigit mit der namensgleichen Heiligen, deren Leben in das 5./6. Jhdt. datiert wird, in Attributen und Brauchtum sowie die Wichtigkeit des Brighid-Festes im gälischen Raum lassen vermuten, dass zwischen Imbolc und dem Brighid-Fest ein Zusammenhang besteht. Für Österreich hat die Brigitte von Kildare allerdings keine Bedeutung.

Mariae Lichtmess (engl.: Candlemas) findet am 2. Februar, also 40 Tage nach Weihnachten, statt. Mythologisch geht es darum, dass Maria nach jüdischem Brauch 40 Tage lang nach der Geburt Jesu unrein war. Am 40. Tag ging sie mit dem Baby dann in den Tempel, um die vorgeschriebenen Reinigungsopfer darzubringen. Außerdem übergab sie dort das Jesusbaby symbolisch Gott, da nach jüdischer Lehre der erstgeborene Sohn Eigentum Gottes war. Der alte Prophet Simeon erkannte dann in Jesus den Messias, das Licht der Welt – deshalb auch die Kerzensymbolik zu Lichtmess.

Die beiden Feste am 1. und am 2. Februar gehören im irisch-katholischen Brauchtum zusammen, denn am 1. Februar wird Brighid als Amme des Jesus geehrt, am 2. Februar Maria mit dem Jesuskind. Die Verehrung der hl. Brighid in Irland und Schottland ist übrigens dermaßen beliebt, dass sie als „Maria der Gälen“ bezeichnet wird und manchmal sogar als Jesu Mutter angerufen wird.

Ostern und Ostara:

Der lateinische Begriff für Ostern ist Pascha, abgeleitet vom hebräischen Pessach. Pessach ist das jüdische Freudenfest, an dem der Auszug aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Pessach wird vom 15. bis 22. Nisan gefeiert, was März/April entspricht. Da der jüdische Kalender lunisolar ist, heißt das, dass Pessach mit dem Vollmond beginnt und dann eine Woche lang dauert. Das christliche Osterfest entspricht ungefähr diesem Datum: Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Vollmond zu oder nach dem Frühlingsäquinox. Der früheste Termin ist der 22. März der späteste der 25. April. Laut biblischem Mythos wurde Jesus am Freitag in der Pessachwoche gekreuzigt und ist am Sonntag darauf wieder auferstanden.

Im Gegensatz zu Jesu Geburt ist Jesu Tod und Auferstehung deutlich aus dem Neuen Testament herauszulesen, weshalb es keine Unklarheiten darüber gab, dass das Osterfest in die jüdische Pessachwoche fallen müsste. Nur über die genaue Datumsberechnung wurde gestritten. Im ersten Konzil von Nicaea 325 n. Chr. wurde unter Kaiser Constantin die obige Berechnung des Osterfestes bestimmt.

Dass der April und das Pascha-Fest im germanischen Raum nach dem „Osten“ benannt wurde, könnte zwei Gründe haben: Zum einen ist der Osten die Richtung der aufgehenden Sonne, die der Auferstehung Christi entsprechen würde (auch Kirchen werden für gewöhnlich „geostet“, also nach dem Sonnenaufgang ausgerichtet). Zum anderen haben wir den Bericht von Beda Venerabilis über die Angelsachsen (siehe Kapitel über die Germanen). Zumindest für dieses germanische Volk haben wir den Beleg, dass Monat (Eosturmonath), Fest und Göttin (Eostrae) namensgebend für das christliche Pascha-Fest waren. Wir haben hier also dieselbe Vorgangsweise wie für Weihnachten: Ein christliches Fest wurde nach einem germanischen Fest benannt, das an einem ähnlichen Datum stattfand.

Aus all diesen Fakten dürfte hervorgehen, dass nicht Christen Ostern erfunden haben, weil die Germanen ein Frühlingsfest hatten, sondern dass die Germanen Namen (und Bräuche?) des heidnischen Eostrae-Festes mit dem Pascha-Fest verbanden. Inwieweit heutige Osterbräuche (Hase, Eier, Lämmer, Palmzweige, Küken, Feuer etc.) heidnischen Ursprungs sind, müsste man gesondert erforschen. Zumindest für die Ostereier gibt es eine christliche Erklärung: Eier waren früher in der Fastenzeit verboten, weshalb sie gesammelt und zu Ostern verschenkt wurden. Dass das Ei an sich eine Menge Symbolik in sich trägt, die in verschiedensten Kulturen zum Ausdruck kommt, ist klar. Speziell für Ostern kann man aber nur spekulieren, ob und welche heidnischen Symbole in das Osterei geflossen sein mögen.

Anmerkung zum Schluss: Das neuheidnische Ostara-Fest wird für gewöhnlich zu Frühlingsäquinox gefeiert, was mit den Quellen zum angelsächsischen Eostrae-Datum (lunisolarer Monat im März/April) nicht genau übereinstimmt. Historisch korrekter wäre es, das Ostara-Fest auf eine bestimmte Mondphase im März/April zu legen. Direkt auf die Frühlingstagundnachtgleiche fiel hingegen das Uppsala-Fest. Auch die slawischen und baltischen Frühlingsfeste Maslenitsa und Velykos wurden offenbar direkt zu Frühlingsbeginn gefeiert.

Ende Teil XXVII