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Versteinertes Holz – Oder wenn man sich mal wieder erden muss

Samstag, 07. Februar 2015

Versteinertes Holz gehört zur Mineralklasse der Oxide. Es entsteht meist, indem Kieselsäure in abgestorbenes Holz eindringt. Wenn Kieselsäure dehydriert bleibt Siliziumoxid zurück, das wir in seiner kristallinen Form als Quarz kennen. In diesem Prozess – Silifizierung oder häufiger Verkieselung genannt – lagert sich also relativ instabiles amorphes Siliziumoxid im Holz ab und wandelt mit der Zeit über Opal zu Quarz um. Auch mit anderen Mineralien, wie zum Beispiel Pyrit, Hämatit oder Calcit sind ähnliche Vorgänge der Versteinerung möglich. Am häufigsten haben wir es allerdings bei versteinertem Holz mit silifiziertem zu tun.
Voraussetzung für die Entstehung von versteinertem Holz ist, dass das Holz von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten wird und keine Mikroorganismen eindringen können, es darf also nicht verwesen. Günstige Bedingungen finden sich in Sedimenten von Flüssen und Seen oder in vulkanischen Ablagerungen. Wie lange es dauert, bis so ein versteinertes Holz „hergestellt“ ist, hängt natürlich von den äußeren Einflüssen wie zum Beispiel der Temperatur und dem Druck ab. Auch die Färbung des Holzes legt sich bei der Entstehung fest. Je nach Zusatz verschiedener Elemente kann die Färbung ganz unterschiedlich ausfallen. Während Siliziumoxid farblos ist, kann das Vorhandensein von Eisen beispielweise das versteinerte Holz rot, braun oder gelblich einfärben. Durch Kobalt und Chrom wird das Holz blau oder grün.

Versteinertes Holz

Der versteinerte Wald

Versteinerte Wälder sind rund um den Globus zu finden. Sobald mehrere fossile Holzstücke an einem Platz entdeckt wurden, bezeichnete man den Fundort als einen „versteinerten Wald“. Man findet diese Wälder in Südamerika (Argentinien und Ecuador), den USA, auf der Insel Lesbos (Griechenland), in Namibia, Wales, oder auch Neuseeland sowie Thailand. Ebenso gibt es auch in Österreich und Deutschland zwei versteinerte Wälder. Oft ging der Versteinerung ein Vulkanausbruch voraus, der zwischen 290 und 15 Millionen Jahre zurückliegt. Teilweise befinden sich die versteinerten Wälder noch an ihrem Ursprungsplatz und wurden zu Nationalparks ernannt. Einige wurden aber auch davon gespült und konnten erst an anderer Stelle als ihrem Entstehungsort entdeckt werden. Diverse versteinerte Einzelstücke finden sich in Museen wieder. An dieser Stelle sei der Fund von Chemnitz erwähnt, der aufgrund der vollständigen Erhaltung der Bäume besonders einzigartig ist. Teilweise sind noch stehende Bäume erhalten, sogar deren Wurzeln sowie Teile der Kronen sind in versteinertem Zustand nach wie vor vorhanden.

Warum Wissenschaftler Luftsprünge machen – Bedeutung für die Wissenschaft

Versteinerte Wälder zu finden, ist immer wieder eine Sensation. Vor allem das Alter dieser Fossile und der meist tadellose Zustand erfüllt das Herz der Wissenschaftler mit Freude. In Chemnitz stieß man bereits 1751 auf verkieselte Hölzer, so wurde ein vier Meter hoher stehender Kieselholzstamm mit Wurzelansätzen geborgen, der vorerst ausgestellt, aber leider im Jahre 1849 bei einem Brand vollkommen zerstört wurde. Ganz in der Nähe dieses ersten Fundstücks wurden 2008 weitere Grabungen angesetzt. Immer mehr sensationelle Funde konnten freigelegt werden. Da bei der Versteinerung die Zellstruktur der fossilen Pflanzen oft erhalten und gut erkennbar bleibt, lassen sich ein Vielzahl neuer Erkenntnisse über die Flora der jeweiligen Entstehungszeit gewinnen. Auch in Bezug auf die Klimaverhältnisse der Urzeit ergeben sich so neue Daten. Die Entdeckungen in diesem Fall etwa ließen darauf schließen, dass die Cheminitzer Gegend sich statt in einem tropischen Klima eher in einer Feuchtsavanne befand.

Versteinerter Wald Australien


Wenn man es mal etwas ruhiger braucht

Laut Gienger dient versteinertes Holz vor allen Dingen dazu, auf den Boden der Realitäten zurückzukommen und einen Bezug zu Mutter Erde zu finden bzw. wiederzuerlangen, sollte dieser verloren gegangen sein. Versteinertes Holz wurde bereits in etruskischen Tempeln eingesetzt (vor rund 4.300 Jahren). Es heißt es wurde als Knochen bzw. Werkzeug der Götter angesehen und hatte daher besonderen Kultstatus. Da ihm scheinbar eine besondere Kraft innewohnt, hilft es angeblich dabei, sich an frühere Leben zu erinnern. Alles was mit dem inneren Selbst zu tun hat, scheint es zu begünstigen. So hilft es, sich auf innere Bilder und die Erholung unserer Seelenwelt zu konzentrieren. Es reduziert das innere Verlangen nach Luxus auf ein Minimum und steht für ein einfaches und bescheidenes Leben. Es sorgt für eine harmonische Atmosphäre im Haus und steigert die heimatlichen Gefühle. Körperlich soll es den Stoffwechsel anregen, die Nerven beruhigen und Menschen helfen, die durch mangelnde Erdung an Nervosität und Unruhe leiden. Es ist dem Herz Chakra zugeordnet. Am besten ist es, man besorgt sich eine Scheibe versteinerten Holzes und benutzt es als Sitzunterlage für Meditationen. Zur Reinigung sollte versteinertes Holz einmal in der Woche unter fließendem Wasser gewaschen werden. Bei der Entladung hilft Hämatitstein, zum Aufladen kann man das Versteinerte Holz einfach ins Licht legen.

Quellen:
„Die Steinheilkunde“, Michael Gienger
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/holzversteinerungen-unter-dem-pflaster-der-wald-1678528.html
http://www.simplyscience.ch/erde-klima/articles/versteinerte-waelder-wie-entstehen-die-baeume-aus-stein.html
http://www.versteinertes-holz.de/petrified-wood-entstehung.html

Bildquelle:
http://www.simplyscience.ch/erde-klima/articles/versteinerte-waelder-wie-entstehen-die-baeume-aus-stein.html
http://www.jally.de/pages/wallpaper/bilder/landschaften/versteinerter-wald-petrified-forest-australien-wallpaper.JPG

Von Krafttieren und Seelengefährten

Samstag, 10. Mai 2014

Stefanie Glaschke

Von Krafttieren und Seelengefährten

Lüchow Verlag/1. März 2014/ISBN 978-3-89901-767-0/EUR 16,95/S. 171

Über die Autorin

Stefanie Glaschke wurde am 1. April 1967 als die älteste von sieben Geschwistern geboren. Nach dem Abitur studierte sie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Evangelische Theologie und ließ sich danach am Institut für Angewandte Psychologie und Psychosomatik (IAPP) in Düsseldorf zur psychologischen Beraterin ausbilden.

Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im Jahr 2001. Im Jahr 2006 ging ihre Internetseite hexenvonheute.de online, die sie seit 2009 gemeinsam mit ihrem Mann Michael Ruhnau betreibt. Glaschke lebt mit ihrer Familie am Niederrhein und arbeitet als Dozentin und Beraterin für diverse Unternehmen.

Weitere Bücher der Autorin: Das Seelenwissen der weisen Frauen (2009), Das Heilwissen der weisen Frauen (2008), Mein magischer Alltag (2011), Das Liebeswissen der weisen Frauen (2010), Krafttiere – Freunde und Begleiter des Menschen (2012)

Über das Buch

Seit jeher gehören sie zum Leben des Menschen – die Tiere. Im alten Ägypten beispielsweise wurden Katzen verehrt, zum gefahrlosen Übertritt der Seele eines verstorbenen Menschen geopfert, bei den Kelten waren dies überwiegend Hunde und Pferde, während die Griechen ihren Göttern unter anderem Kühe opferten. Viele Gottheiten wurden in Tiergestalt dargestellt, einige konnten sich mitunter in Tiere verwandeln.

In der heutigen Gesellschaft werden Tiere verstärkt zum Nutztier degradiert, meint Stefanie Glaschke: Katzen werden in Wohnungen gehalten, Kühe als Milchlieferanten missbraucht, Pferde und Delfine als tierische Therapeuten neu entdeckt.

„Hunde müssen Leberwurstbrote fressen, Katzen sollen ihre Krallen an albernen Sisalstöcken schärfen, und Vögel dürfen in eine Voliere von links nach rechts fliegen“, kritisiert sie die Tierhaltung der Gegenwart (S. 9). „Und dann sollen Tiere Heilung bringen. […]  Heilung bedeutet aber, in liebevoller Verbundenheit mit allem Leben und der Quelle zu stehen. Wer ein Tier auf die eine oder andere Art missbraucht, quält, verletzt oder missachtet, kann gar keine Chance auf Heilung haben. […] Wer Wertschätzung und Achtsamkeit nicht aufbringt, kann keine Heilung erlangen (S. 9/10).

Um sich mit Krafttieren zu beschäftigen, sie wirklich zu erleben, muss ein Mensch das Tier in seinem natürlichen Lebensraum kennenlernen, schreibt Glaschke.

„Wer wirklich von den Tieren lernen will und ihre Werte genießen möchte, muss in der Lage sein, sein Ratio hinter seine Seele zu stellen. Und wer sich Tieren nähern will, sollte freie Tiere als Kontakte wählen. Die findet man nicht im Zoo oder beim Züchter und auch nicht im Tierheim“ (S. 32/33).

Als Beispiel nennt sie den schamanischen Kulturkreis, wo Tiere zur Heilung eingesetzt werden, das Krafttier zum Menschen gehört. „Dort darf jedes Lebewesen ganz und heil sein. […] Im Schamanismus wird innen gelebt, unser Leben wird im Außen und in Abhängigkeit davon geführt“ (S. 36).

Auch im christlichen Glauben gibt es sie, die Krafttiere. Allerdings haben sie hier einen anderen Namen.

„In der christlichen Mythologie entsprechen den schamanischen Krafttieren die Engel, die Gottes Botschaft an die Menschen weiterleiten. Allerdings werden die Engel in der modernen Welt genau so reduziert und missverstanden wie das Krafttier. Es geht nicht um ein Trostpflaster und auch nicht um den Schutz vor der eigenen Unmündigkeit. Auch sind weder Engel noch Krafttiere dazu da, die Fehler der Menschen auszubügeln. […] Engel und Krafttiere stellen wie Pflanzengeister und andere Lichtwesen die Verbindung zwischen unserem eigenen Leben und der Schöpfungskraft her“ (S. 36/37).

Wie also mit dem Krafttier arbeiten? Oder gar erst das eigene Krafttier finden, wenn der Mensch der Gegenwart schon kaum die Möglichkeit hat, ein Tier in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten und so in seinem ganzen Wesen zu erfahren? Es ist eine Änderung der Einstellung, die dafür notwendig ist, so die Meinung der Autorin.

Etwa so: „Und so bedienen sich die Schamanen der Tiere nicht als Sklaven, sie benutzen kein Lebewesen als ihren Besitz, sondern finden die Qualitäten der Tiere in ihrem eigenen Unterbewussten. Sie visualisieren das Tier, um der Qualität eine Gestalt zu geben. […] Es bedeutet, vollständig mit dem Geist des Lebens zu verschmelzen und sein gesamtes Ego, seine individuelle Gedankenwelt zu überwinden“ (S. 38).

Oder so: „Nur ein Tier, dessen urtümliche Kraft der Mensch nicht bricht und nicht einschränkt, ist ein Krafttier. Die alten Kulturen wussten das und achteten die Freiheit und die Selbstbestimmung ihrer Krafttiere. Schamanen sahen und sehen ihre tierischen Begleiter als gleichberechtigte Freunde an. […] Sie pflegen eine Freundschaft auf Basis der Freiwilligkeit“ (S. 39).

Nach dieser einleitenden Einführung über die Bedeutung des Krafttiers geht’s schließlich ans Eingemachte – an die Methoden, die den Unbedarften ans Krafttier heranführen. Bei dieser Gelegenheit betont sie auch, dass es niemals nur ein Krafttier ist, das einen Menschen durch sein Leben begleitet. Nein, sie wechseln – je nach Lebensumständen, je nach Lebensaufgabe werden bestimmte Krafttiere gebraucht. Und die kommen und gehen. Dass ein Krafttier nicht mehr zum Menschen passt, merkt der Einzelne schnell, meint Stefanie Glaschke. „Man stellt die Arbeit mit dem Krafttier ein und fühlt es wie einen lieben Bekannten aus alter Vergangenheit“ (S. 47).

Sie stellt verschiedene Methoden vor, um sich dem Krafttier zu näheren, betont aber auch, dass der Suchende nicht gleich die berühmte Flinte ins Korn werfen soll, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Im Einzelnen sind das die Meditation, Orakelmethoden, meditatives Malen, Traumerleben und die schamanische Reise, sowie kreative Praktiken wie Blindes Malen, Tanzen oder das Buchstabenspiel.

Kurz geht sie darauf ein, wie sie denn aussehen soll, die Arbeit mit dem Krafttier, das gegenseitige Annähern. Etwa so: „Es ist immer wieder notwendig, Reisen zum Krafttier zu unternehmen, um es zu treffen. […] Man sollte sein Krafttier wie einen guten Freund behandeln. […] So wird die Arbeit mit dem Krafttier auch eine kreative und meditative, die den Menschen tief in eine Verbindung mit der speziellen Wesensart seines persönlichen Krafttiers eintauchen lässt“ (S. 62).

Anschließend listet sie die unterschiedlichen Krafttiere nach dem Element, in dem sie sich bewegen, kurz auf: Angefangen mit den Tieren der Luft (von Adler bis Zitronenfalter), jenen des Wassers (Biber bis Lachs) und jenen an Land (Ameise bis Ziege). Miteingeschlossen in dieses Kapitel sind auch noch Hexentiere (zum Beispiel Spinne, Kröte oder Wolf) und Fabelwesen (Drache, Basilisk, Einhorn). Bei einigen Tieren hat die Autorin auch Übungen hinzugefügt, die dabei helfen sollen, mit dem einzelnen Krafttier zu arbeiten und – wie sie in ihrem Vorwort betont – auch auf andere Krafttiere übertragbar sind.

Im letzten Abschnitt geht es darum, den Alltag mit dem Krafttier zu bewältigen, physische und psychische Krankheiten mit seinem Tier zu erkennen und zu heilen. „Leid ist eine menschliche Erfindung“, meint Stefanie Glaschke. „Je mehr Erkenntnisse ein Mensch sammeln kann, umso weniger Schmerz wird er fühlen. Es kommt der Punkt, an dem Schmerz nicht mehr als etwas Unerwünschtes, Ablehnungswertes erfahren wird. Dann setzt die Akzeptanz der Endlichkeit ein, und der Mensch hat Reife erlangt“ (S. 137).

Genau bei diesem Prozess kann die Arbeit mit dem Krafttier helfen. Mit der Erwähnung einzelner Krankheitsbilder und einigen Übungen, diese mithilfe tierischer Gefährten zu behandeln und unter Umständen zu heilen, endet dieses Buch.

Fazit: Dieses Buch bietet einen guten Einstieg in die Welt der Krafttiere. Wer sich noch nie mit den tierischen Gefährten auseinandergesetzt hat, der findet hier sicher den einen oder anderen wertvollen Tipp, für den Fortgeschrittenen ist es eine sinnvolle Ergänzung.

Was von der Rezensentin an der einen oder anderen Stelle als unpassend empfunden wird, ist der teilweise sehr belehrende Standpunkt der Autorin. Dass dies durchaus beabsichtigt ist, betont sie – einmal mehr – in ihrem Nachwort. „Dieses Buch ist ein kritisches Buch. Es ergreift Partei für unsere Geschwister, die Tiere. […] Tut euch zusammen, ihr Menschen, um die Tiere zu schützen. Holt sie nicht in muffige Wohnungen, sondern helft ihnen, in ihren natürlichen Lebensräumen ungestört zu sein. […] Esst nicht mehr das krankmachende Fleisch leidendender Kreaturen, dann bleibt euer Körper länger gesund. Staunt bei jeder Kreatur, die ihr seht, denn in ihr ist mehr verborgen, als der menschliche Geist erfassen kann. Lasst die Tiere sein, wie sie sind“ (S. 169/170).

Sicher hat Stefanie Glaschke mit vielem durchaus Recht. Krafttiere in ihrem ganzen Wesen zu erfassen, ist unmöglich, wenn man nur einen Teilaspekt, nämlich den gezähmten, betrachtet. Doch wer sich wirklich mit einem Krafttier beschäftigen will – beispielsweise einem Wolf – der wird kaum Gelegenheit haben, ihn in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Er ist auf den Zoo, auf Filme und Bücher angewiesen. Selbstverständlich gehört die wilde, die gefährliche Seite ebenso zu einem Wolf wie sein Beschützerinstinkt. Hat man ihn jedoch als Krafttier, wird er seinem Menschen überwiegend nur diese eine, gutmütige Seite zeigen, weil ein Krafttier seinen Menschen niemals ernsthaft gefährdet.

Dies ist nur einer von einigen diskussionswürdigen Ansichten. Insgesamt ist „Von Krafttieren und Seelengefährten“ jedoch ein Buch, das wertvolle Impulse für die Auseinandersetzung mit Krafttieren bereithält.

Silja: Das Buch der Grünen Magie – Zauberhaftes Wissen für deinen Alltag

Samstag, 19. Oktober 2013

2013/Lüchow Verlag/ISBN: 978-3899016246/EUR 19,95/140 Seiten

Über die Autorin

Silja ist eine Wicca Hohepriesterin und Mutter zweier Kinder. Von Kindheit an hat sie eine tiefe Beziehung zur Natur. Im englischen Magazin „Spirit und Destiny“ erscheint ihre Kolumne „Verhext“.

Über das Buch

Nach dem Jahreskreis und den Kräutern hat sich Silja nun an die Zaubersprüche gewagt. Den Anreiz, das Buch zu schreiben, erhielt sie von den Leserinnen ihrer monatlichen Kolumne im Magazin „Shine & Destiny“, die von ihr Zaubersprüche für alle erdenklichen Anlässe haben wollten. Da sie ihr dazu die Zeit fehlte, „kam ich zu dem Schluss, dass ein Buch allen LeserInnen jederzeit die Möglichkeit eröffnen sollte, magische Anregungen und Antworten auf Fragen zu finden.“ (S.6)

Der Originaltitel des Buches ist „The Green Wiccan Book of Shadows“ und enthält – ganz wie es der Leser von Silja bislang gewohnt ist – kleine, leicht verständliche Texte, aufgehübscht mit vielen bunten Bildern.

Im ersten Kapitel behandelt sie die „Magische Ethik“. Das Credo der Hexen „Tu was du willst, so lange es niemanden schadet“ setzt sie als Warnung ihren Zaubersprüchen voran, weist darauf hin, dass erst die Konsequenzen bedacht werden müssen, bevor ein Zauber gewirkt wird. So weit, so gut. Nur mit der Unterteilung in „böse“ und „gute“, also schwarze und weiße Magie, lässt sie die Thematik unbehandelt, dass sich Magie immer in einer Grauzone bewegt, schwarze und weiße Magie aus diesem Blickwinkel gesehen eine Illusion ist.

Anschließend erklärt sie, warum Magie funktioniert, was Mondgöttin und Sonnengott sind, geht kurz auf die vier Elemente ein, widmet sich der Mythologie in der Magie, den heidnischen Pfaden und den vier Haupttraditionen im Wicca. Alles kurz und knackig abgehandelt auf einer oder zwei Seiten. Auf immerhin drei Seiten findet die Herstellung magischer Werkzeuge Platz – Heiliges Wasser, Pentagramme, Kerzen, Räucherstäbchenhalter und Robe Platz.

Nach der Wahl des magischen Namens kommt Silja schließlich zum eigentlichen Thema ihres Buches – den magischen Zaubersprüchen.

Sie fordert die Leser auf, sich genau zu überlegen, ob sie einen Zauber brauchen: „Manchmal ist es eine reizvollere Option, einfach einen Zauber zu sprechen, als mit harter Arbeit zum Ziel zu kommen. […] Sei also wählerisch und nutze nicht Magie für jedes kleine Problem.“ (S.32)

Anschließend gibt sie Tipps zur Erstellung eines eigenen Zaubers: Hierunter fällt die Wahl der Farben, der Gegenstände bis hin zum Kreieren eines eigenen Zauberspruchs und der passenden Wortwahl.

Teil zwei ihres Buches – die Zauber – hat sie gemeinsam mit ihrem Illustrator Michael A. Hill je nach Art des Zaubers in der jeweiligen Farbe unterteilt: Rosa für Liebeszauber, Grün für Geld- und Arbeitsplatzzauber, Gelb für Glücks- und Gerechtigkeitszauber,  Hellgrün für Heim- und Beziehungszauber, Blau für Gesundheitszauber und Violett für Zauber, die unter keine dieser Kategorien fallen.

Die Zauber selbst sind nachvollziehbar und nachahmbar, je nach Schwierigkeitsgrad unterteilt von einem bis hin zu drei Sternen.

Anbei einige Beispiele:

Wenn Kinder unter Albträumen leiden oder Angst im Dunklen haben, lass sie an dem Ort in ihrem Zimmer, den sie als sicher empfinden, Rosmarin verstreuen. Dies beugt Albträumen vor und lässt Kinder besser schlafen. Verstreue das Kraut selbst, falls du nicht möchtest, dass deine Kinder etwas über Magie erfahren (S. 79)

Nach einem traumatischen Erlebnis wie einer Trennung oder einem körperlichen Angriff füge deinem Tee einen kleinen Rosenquarz zu. Dieser hilft dir zu entspannen und zu vergessen. (S. 86)

Schneide ein Herz aus rotem Papier (oder aus pinkfarbenem Papier, wenn es dir eher um romantische Liebe geht). Schreibe darauf, was du von dem neuen Mann in deinem Leben erwartest (sei realistisch!). Verstaue das Herz an einem sicheren Ort, bis du in einer Beziehung bist. Dann verbrenne es und danke den Göttern für ihre Hilfe bei deiner Suche nach Liebe. (S. 44)

Platziere drei Kupfermünzen unter deiner Fußmatte, um Geld in deinem Haus willkommen zu heißen. Lass die Münzen dort, bis du die benötigte Summe erhalten hast. (S. 54)

Nach den Zaubern folgen Kapitel über Meditation, Visualisierungen, über Rituale, die Jahreskreisfeste und Tipps, um einem Coven beizutreten oder eine eigene magische Gruppe zu gründen.

Fazit: Silja stellt in ihrem neuen Buch Zauber vor, die für jeden, der mit Magie noch nie etwas zu tun hatte, leicht nachvollziehbar und nachmachbar sind. Obwohl die Zauber in den Bereich der Sympathiemagie fallen, sind sie sicher ein gangbarer Weg, um einen Einstieg zu schaffen. Anders als bei ihren ersten beiden Veröffentlichungen „Magische Kräuter“ und „Das magische Kräuterjahr“ enthält dieses Buch mehr, und vor allem sinnvolle Informationen. Wie es der Leser von Silja gewohnt ist, wartet sie auch hier mit kurzen, knackigen Tipps und Ratschlägen auf, die von Michael A. Hill mit netten, teilweise verspielten Zeichnungen unterlegt wurden und das Gesamtwerk ansprechend erscheinen lassen.

Nach den ersten beiden Veröffentlichungen ist „Das Buch der grünen Magie“ eine durchaus positive Überraschung. Insgesamt ein Buch, das für Einsteiger empfohlen werden kann.

Von Bommelkissen und Lackhosen – Ein Dialog unter Freunden, Teil III (von Sati und Uhanek)

Samstag, 13. Juli 2013

Sati: Ok, dann frage ich einfach mal ganz unverblümt: Was macht man denn tatsächlich, wenn man Tantra praktiziert? Und jetzt leg mal die Karten auf den Tisch, Uhanek! Ich will alles wissen!!

Uhanek: Tantra dient der Untersuchung und Auslotung des Geistes. Tantra ist der Pfad der Transformation. Transformiert wird hierbei die begrenzte relative Erfahrungswelt des gewöhnlichen Individuums in die Erfahrung des absoluten Bewusstseins und der von ihm erlebten höchsten Wirklichkeit. Im mittelalterlichen Indien konnten auch Könige, die aus niederen Kasten oder nicht aus Indien stammten, durch tantrische Riten legitimiert werden. Sie wurden dann gewissermaßen vom falschen Stand in die Königswürde transformiert – eine soziale und politische Transformation also. So war das im mittelalterlichen Indien. Für uns hat das Prinzip der Transformation eine andere Bedeutung. Wir haben es im Grunde mit mehreren Arten der Transformation zu tun. Wir werden als Tantriker von einem gewöhnlichen, von Illusionen und negativen Emotionen getriebenen Wesen durch die tantrische Ermächtigung in ein reines, erleuchtetes Wesen transformiert, indem uns auf symbolische Weise die uns innewohnende Buddhanatur aufgezeigt wird. Als praktizierende Tantriker transformieren wir dann mit unterschiedlichen Methoden unsere negativen Emotionen, all unsere Geistesgifte und Illusionen in die uns eigene ursprüngliche Weisheit. Auf diese Weise wird der Geist von seinen wahnhaften Vorstellungen gereinigt, erlangt die Erkenntnis der Leerheit und verwirklicht den Zustand der Erleuchtung.

Das klingt natürlich alles zunächst mal ziemlich abstrakt und gibt dadurch auch gern einmal Anlass zu allerlei sonderbaren Verdrehungen. Die berühmte buddhistische Leerheit wird ja bis heute immer wieder mal ganz gerne von manchen Autoren als „Nichts“ gedeutet. Eine andere ganz lustige Interpretation lieferte mir vor einiger Zeit ein junger Okkultist. Er hatte unter dem Vorwand, Fragen zu bestimmten Aspekten des Buddhismus zu haben, um ein persönliches Gespräch gebeten. So saß ich denn schließlich in meiner Küche einem blassen, anorektischen jungen Mann gegenüber, der mich nach einigen wenigen Fragen zum Buddhismus, die er sich sehr schnell mit Hilfe von Wikipedia und Google selbst hätte beantworten können, mit einer nicht enden wollenden großspurigen Selbstdarstellung zu beeindrucken versuchte. Nachdem ich in gut anderthalb Stunden von ihm erfuhr, dass er ein überragender Magier, ein tiefgründiger Wissender, ein Mystiker der Sonderklasse und quasi so gut wie erleuchtet sei, fragte er mich, ob man denn, wenn man die Erleuchtung erreicht habe, hier bleiben müsse, also gewissermaßen seine Zeit in dieser Welt trotz guter Führung mit abschließender Erleuchtung dann noch absitzen müsse. Dies ist eine Frage, die in ihrer dualistischen Spaltung und Wertung sehr weit von den buddhistischen Sichtweisen auf die Welt und der Bedeutung des im Buddhismus angestrebten Zustandes der Erleuchtung entfernt ist. Als ich daraufhin fragte, ob er denn schon einmal von dem für buddhistisches Denken sehr zentralen Leerheitsbegriff gehört habe und was das seiner Ansicht nach sei, erklärte er mir, ja, für ihn bedeute Leerheit, wenn der Kopf leer sei. In dem Punkt konnte ich nach allem, was ich zuvor zu hören bekommen hatte, nicht umhin, ihm tatsächlich zu glauben, dass er über einen sehr großen Erfahrungsschatz verfügte.

Sati: Also wenn ein leerer Kopf sowas wie Erleuchtung bedeutet, dann bin ich auch oft ziemlich erleuchtet… haha… Du glaubst ja gar nicht wie leer mein Kopf sein kann!

Uhanek: Nun muss man natürlich einmal mehr anmerken, dass dieser junge Mann mit all seinen großartigen Vorstellungen über sich selbst und mit all seinem mit egozentrischen Fantasien durchmischten angelesenen Halbwissen eben ein typischer Vertreter unserer Welt ist. Wir alle erschaffen uns eine Welt aus all den erlernten, erfahrenen und gedeuteten Versatzstücken, die wir im Verlauf unseres Lebens aufnehmen und mit deren Hilfe wir uns unsere Wirklichkeit erklären und strukturieren, mit dem Resultat, dass sich dieses Puzzle aus Ideen und Annahmen letztlich als vermeintliche Wahrheit unentwegt selbst bestätigt. Es ist, als würden wir den Himmel und das Licht durch Buntglasscheiben betrachten, die wir uns aus farbigen Glassplittern zusammengesetzt haben. Name, Geburtstag und -ort, Familienmitglieder, Freunde und alle erdenklichen weiteren biographischen Details bilden die transparenten Mosaikteilchen. Und als sei das nicht schon genug, schieben wir auch noch mehrere derartige Scheiben übereinander – die von uns als Wahrheiten akzeptierten Inhalte, unsere Glaubenssätze etc. –  und nehmen dabei an, in den so entstandenen Farbmustern eine eigenständig bestehende Welt des Lichts zu erblicken. Und die Welt, die wir uns auf diese Weise erschaffen, ist nicht einmal besonders schön, denn sie wird dominiert von den düsteren Farben unserer dunkelsten Emotionen oder Geistesgifte: Gier, Hass, Ignoranz, Stolz und Neid. Und all dies wird zusammengehalten von unserem Festhalten an einem Selbst — unserer Selbst-Sucht. Mit aller Macht identifizieren wir uns mit den Schichten unserer Buntglasmosaike, halten vehement an diesem falschen Selbst fest, egal wie hässlich die hindurch scheinende Sonne auch verzerrt wird. Wenn uns die Lichtmuster zu unangenehm werden, dann schieben wir lieber eine neue Scheibe vor die anderen Mosaike, anstatt zu lernen, diese Konstruktionen alle miteinander beiseite zu legen. Es ist noch nicht einmal so, dass die Buntglasmosaike als solche das Problem darstellen. Unsere Selbstidentifikation und die daraus entstehenden Leiden sind das Problem.

Sati: Dann hat Tantra ja sehr viel mehr damit zu tun unsere Wahrnehmung zu verändern oder „zu leeren“?

Uhanek: Nicht nur die Wahrnehmung, sondern das Bewusstsein insgesamt. Legen wir unsere falschen und begrenzenden Ideen über uns selbst und unsere Welt ab, so kann sich unser eigentliches Potential entfalten. Als Tantriker wollen wir uns von einem wahnhaften Zustand der Trennung, Vereinzelung und konzeptuellen Einengung befreien. In unseren westlichen Gesellschaften hat sich das ganze Problem durch das trennende und vereinzelnde Ich-Ideal und die allgemein vorherrschenden auf Besitz und Konsum ausgerichteten Ideologien noch weiter verschärft. Argwöhnisch betrachten wir unsere Mitmenschen, fixieren uns auf das Trennende, betrachten die anderen als potenzielle Feinde, als Konkurrenten, als mögliche Diebe, Terroristen, Spione. Und wenn wir von den anderen ja ohnehin nur das Schlechteste erwarten können, dann können wir es ihnen auch gleich tun. Jeder ist sich schließlich selbst der Nächste. An die Stelle der Nächstenliebe treten der Nächstenhass und der Nächstenverdacht in unserer feindseligen Kultur der alles verzehrenden Selbst-Sucht. Hasse deinen Nächsten wie dich selbst.

Es ist eine zutiefst materialistische Kultur. Ausgehend von der Annahme einer eigenständig existierenden Materie, die Leben und Bewusstsein entweder zufällig hervorbringt oder quasi ausschwitzt, oder aber die unabhängig und letztlich getrennt neben dem Geist besteht, steht der einzelne Mensch als materielle Einheit getrennt vor einem ganzen Universum anderer materieller Einheiten, die auf unterschiedliche Weise gelenkt und manipuliert werden können. Der materialistische Mensch in seinem getrennten Eigen-Sein sammelt im Verlauf seiner zeitlich begrenzten Existenz materielle Besitztümer. Unter diesen Besitztümern befinden sich auch Worte und Konzepte aller Art, die unter der Sichtweise des getrennten materiellen Eigen-Seins selbst zu einem Ausdruck der Materie und ihrer Beschränkung wird. So, wie sich der Materiemensch als eigenständiges Selbst begreift, so sieht er in seinem geistigen Materialismus auch Worte als abgespaltene Einheiten des Klangs. So wie sich der konsumierende Materiemensch mit Kleidung schmückt, die seinem momentanen Modeempfinden entspricht, so kann er sich auch mit Worten und Konzepten behängen, kann sich eine Persona zurechtschneidern, kann sich Verhaltensweisen zulegen, die der so präferierten Rolle entsprechen und kann von seinem Umfeld und seiner Bezugsgruppe Bestätigung in diesem Rollenspiel einfordern, dem keine tiefere Bedeutung als lediglich die persönliche Lust eines einzelnen, zufällig mit Bewusstsein und Emotionen ausgestatteten Materieklumpens beikommt. Persona und individuelle Philosophie (oder was man dafür halten möchte) als kreative Selbstdarstellung eines zufällig bewussten und (mehr oder weniger) denkenden Erdkrümels, der unablässig Identitäten, Geschichten und Objekte erfindet, die er für wahrhaft existierend hält.

Demgegenüber richten Tantra und andere alte spirituelle Systeme den Fokus auf den Himmelsraum. In der Ausdehnung des Raumes formieren sich die Elemente zu immer neuen Formen und Wirklichkeiten. Der Raum selbst ist vollständig erwachtes Gewahrsein und strahlendes, ungehindertes Bewusstsein – der absolute Buddha. Und auch in den schamanischen Traditionen ist der Raum selbst ein höheres Wesen. Den Menschen, die nur einen Daseinsbereich empfindender Wesen in einem unermesslichen weiten Geflecht verschiedener, miteinander interagierender Daseinsbereiche in dieser  dynamischen Welt bevölkern, Praxisebenen geschickter Mittel unterschiedliche Möglichkeiten der Hilfe und Entwicklung.

Schamanische Praktiken zielen darauf ab, Ordnung in dem zu schaffen, was den Raum füllt, und das zu beherrschen, was im Raum aufsteigt und sich auf uns Menschen auswirkt. Der Schamane lernt, mit unsichtbaren Kräften in Verbindung zu treten, sie zu lenken und sich gegebenenfalls dagegen zu verteidigen. Der Pfad der Sutras hingegen beruht auf Entsagung. Man ist der Dinge überdrüssig, die sich im Raum angesammelt haben und der oder die Praktizierende konzentriert sich darauf, das Negative auszusortieren und die Anhaftung an das Ich oder Selbst zu überwinden, aus der soviel Leid resultiert. Die Geistesgifte Gier, Hass und Unwissenheit sollen langsam bereinigt und positive Qualitäten wie Liebe, Mitgefühl, Vertrauen, Gleichmut, innerer Frieden und Weisheit hervorgebracht und kultiviert werden.

Sati: Hat denn Tantra dann auch nur im Entferntesten was mit Sex zu tun? Ich meine, woher kommt denn diese sehr verbreitete Vorstellung und wie lässt sich das mit dem Prinzip der Entsagung vereinbaren?

Uhanek: Die Tantriker sortieren nichts aus, sondern nehmen das, was da ist, und verwandeln es in Schönheit, in heilige Ornamente, die den Raum verzieren. Die gewöhnliche Welt wird in den reinen Mandalapalast einer Buddha-Gottheit transformiert. Alle Erscheinungen bilden den Körper der Gottheit, alle Klänge sind der Klang heiliger Mantras  und alle Sinneswahrnehmungen sind reine Glückseligkeit. Die kleine, beengte, von Ängsten, Unglück und Ärger gequälte wahnhafte Identität wird transformiert in die Erfahrung von Grenzenlosigkeit, Größe, Stabilität, Freude und Gelassenheit. Tantra arbeitet mit der Energie des Individuums mit Hilfe von komplexen Visualisationen einer ungeheuer reichen Symbolsprache und Bilderwelt, mit Meditationen in Bewegung (Ritualen), verschiedenen Yogas etc. Grundsätzlich können alle Bereiche des alltäglichen Lebens in den Pfad integriert werden — allerdings ohne Anhaftung. So gibt es auch Meditationen, in denen der sexuelle Höhepunkt auf dem Pfad genutzt wird. Wie wir alle sehr gut wissen, ist natürlich der sexuelle Höhepunkt eine sehr angenehme Erfahrung, deshalb haften wir daran an, d.h. wir wollen mehr. In dem Fall haben wir dann ganz gewöhnlichen Sex, völlig egal, in was für blumige Worte wir das Ganze hinterher verklären. Die Integration von Sexualität im tantrischen Sinn kann nur erfolgen, wenn ihr eine tiefe und stabile Erfahrung der Leerheit vorangeht. Derlei Praktiken sind einfach sehr weit entfernt von dem im Westen zu diesem Thema verbreiteten Unsinn und sie bilden nur eine von vielen verschiedenen Methoden, d.h. innerhalb der tantrischen Traditionen kommt ihnen insgesamt nicht die Bedeutung zu, die man ihnen auf dem westlichen Esoterikmarkt beimisst. Ganz zu schweigen davon, dass es sich um diffizile Methoden für Praktizierende mit tiefer Meditationserfahrung und Selbstkontrolle handelt.

Sati: Also kann man ja als Tantriker im Grunde ein ganz normales (westliches) Leben führen. Danke, jetzt bin ich wirklich viel schlauer als vorher! Und wenn nochmal einer versucht mich mit Pseudo-Tantra-Geschwafel in den nächsten Swingerclub zu zerren, kann ich dem ja mal erklären, was Tantra wirklich ist…

Von Bommelkissen und Lackhosen – Ein Dialog unter Freunden, Teil II (von Sati und Uhanek)

Samstag, 15. Juni 2013

Uhanek: Dieses ganze Gerede über den „kosmischen Orgasmus“, „Sexualmagie“ u.ä. ist natürlich Blödsinn und hat in der Regel mit Tantra wenn überhaupt, dann nur sehr wenig zu tun. Man kann halt von „Neotantra“ oder „Esotantra“ oder von mir aus auch von „Wellnesstantra“ sprechen. Es werden heutzutage einfach gerne irgendwelche Begriffe aufgegriffen und so zurechtinterpretiert, wie es den Wunschträumen und Bedürfnissen der Angehörigen unserer Gesellschaft entspricht.

Sati: Das ist ja gerade in der Eso- und Spirituellenszene recht häufig anzutreffen… nicht nur auf buddhistische Inhalte bezogen…

Uhanek: Klar, das ist dann ein eigenständiges und recht weit verbreitetes Phänomen westlicher Kulturen, neben Neuheidentümern, neuen Hexen, der „neuen Spiritualität“ christlich evangelikaler Gruppen etc. Was häufig hinter diesen verschiedenen Begriffen steckt, unterscheidet sich kaum voneinander und ist inhaltlich im Grunde alles ein Abwasch. Eins von vielen Phänomenen der postmodernen Gesellschaft. Und meist geht es darum, den Wunsch nach narzisstischer Selbstbespiegelung zu bedienen. Der übliche Blödsinn: An sich ganz durchschnittliche Mitglieder dieser Gesellschaft wollen irgendwie anders sein als Mutti und Vati, bedienen sich daher bestimmter Begriffe, die sie mit diesem Anders-Sein assoziieren und betreiben inhaltlich am Ende doch nur eine Apologetik eben jener Durchschnittlichkeit, von der sie sich doch so sehnlich hatten abheben wollen.

Sati: Das erinnert mich jetzt fast wieder ein bisschen an die Punk/Gothic-Szene (nur die hatten einfach die cooleren Outfits …). Erst kürzlich habe ich einige Leute wiedergetroffen, die damals noch mit viel Mühe „anders“ sein wollten und es ist beinahe lustig, wie angepasst und konservativ die meisten von ihnen heute sind. Job, Familie, Auto, Anzug, statt kollektivem Besäufnis Dinner-Partys mit Freunden…

Uhanek: Die Übergänge zwischen diesen Szenen – Gothic, Okkultismus, Neuheidentum, Hexen, Mittelalter, Rollenspiel – sind oft recht fließend und der Umgang mit der „Spiritualität“ oft geprägt durch Selbstdarstellung und Oberflächlichkeit. Eigentlich ist es traurig. Aber vielleicht ja auch ganz interessant, weil solche Dinge dann halt in vielerlei Hinsicht den Zustand unserer Gesellschaft widerspiegeln. Den Grad des Verfalls. Spirituell ernst zu nehmende Persönlichkeiten bilden in diesen „westlichen Wegen“  eher die Ausnahme, scheint mir. Einigen wenigen bin ich aber begegnet…

Sati: Solche, die das von sich zumindest behaupten, gibt’s ja mehr als genug und die Nachfrage scheint ziemlich groß zu sein. Vielleicht ist der Anstrich nicht mehr ganz so „spirituell“ wie noch vor 10-20 Jahren. Heute schmeißt man mit ein paar gesundheitlichen Schlagwörtern um sich und behauptet Krebs oder AIDS heilen können. Und ich staune immer sehr, was für einen unglaublichen Ansturm solche Leute haben…

Uhanek: Derlei esoterische Tunichtgute sind ja leider Legion. Das lässt mich jetzt spontan an einen solchen denken, der in der buddhistischen Szene sein Unwesen treibt und sich seit ein paar Jahren als wundertätiger buddhistischer Ngakpa-Lama ausgibt. Mit magischen Heilversuchen und magischen Börsenspekulationen ist es ihm im Laufe der Jahre bereits recht erfolgreich gelungen, ganz gehörig Unheil zu stiften. Es gelingt ihm immer wieder, „Schüler“ mit Methoden, wie man sie aus Psychokulten kennt, eine Zeit lang an sich zu binden. Er erzählt den Leuten dann, dass sie von Dämonen besessen seien oder dass die Schützer der buddhistischen Lehre auf sie wütend seien, wenn sie nicht machen, was dieser Guru von eigenen Gnaden ihnen sagt. Da steht man immer ganz fassungslos davor und fragt sich, was eigentlich schlimmer ist: Dass es solche skrupellosen Hochstapler überhaupt gibt oder dass immer wieder Menschen ganz grenzenlos naiv auf derartige Scharlatane hereinfallen?

Das ist natürlich ein Extremfall. Sicherlich meinen die meisten Leute es durchaus gut. Wir leben in einer so offensichtlich kranken, verrückten und von einem geistig-kulturellen Krebs zerfressenen Gesellschaft, dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich Menschen auf die Suche nach Auswegen machen. Nur leider geschieht dies oft auf eine Weise, in der die grundlegenden Denk- und Sichtweisen dieser Gesellschaft gar nicht in Frage gestellt werden. So verbleiben die Suchenden oft einfach in dem Gefängnis, dem sie doch entfliehen möchten. Eine der wichtigsten Fesseln bildet dabei das Haften an oberflächlichen Begriffen und Konzepten. Da werden dann eben exotisch anmutende Begriffe ins Spiel gebracht und innerhalb der herrschenden Denkmuster und Wirklichkeitsvorstellungen interpretiert. So bleibt alles beim Alten, nur mit etwas neuer Tünche und aufgefrischtem Make Up.

Sati: Kannst Du bitte einmal erklären, was man unter Tantra nun wirklich versteht?

Uhanek: Der Begriff „Tantra“ bedeutet „Gewebe“, „Zusammenhang“, „Kontinuum“. Es gibt hinduistische und buddhistische Tantra-Traditionen. In vielen Publikationen wird behauptet, die tantrische Überlieferung des Buddhismus habe sich aus der hinduistischen entwickelt, was aber eigentlich gar nicht so sicher zu sein scheint. Im Wesentlichen spiegeln solche Aussagen wohl den europäischen Wunsch wieder, die Welt in linearen Abfolgen denken und deuten zu wollen. Relevant für uns ist, dass es mehrere tantrische Überlieferungen mit unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen Schwerpunktsetzungen gibt. Die tantrischen Traditionen speisen sich aus verschiedenen Quellen des mittelalterlichen Indiens, die neue, nicht-vedische Rituale einführten. Allen ist gemeinsam, dass ihre Lehren die Einheit des Relativen und des Absoluten betonen, also die letztliche Identität von phänomenaler Welt und höchster, absoluter Wirklichkeit. Das Ziel dieser Lehren besteht dementsprechend in der Einswerdung mit dem Absoluten und der Erkenntnis der höchsten Wirklichkeit.

Sati: Wie kommt es dann zu diesem… sagen wir mal „schlüpfrigen“ Image von Tantra? Und vor allem wie passt das in einen buddhistischen Kontext? Ich dachte immer der Buddhismus hat viel mit Askese zu tun? Außerdem hab mich schon über den nicht-vegetarischen Inhalt Deines Kühlschranks gewundert…

Uhanek: Es gibt immer wieder Westler mit sonderbaren Vorstellungen, viel bruchstückhaftem Wissen und sehr viel selbstgefälliger Ignoranz, die im Brustton der Überzeugung zum Teil höchst sonderbare Vorstellungen über einen „reinen“ Buddhismus verbreiten. Dabei wird dann meist das Geschreibe anderer kenntnisfreier westlicher Autoren wiedergekäut. So erscheint dann der Gedanke, es könne einen tantrischen Buddhismus geben natürlich leicht als ein Widerspruch in sich, weil ja vermeintlich alle Buddhisten weltverneinende und asketische lächelnde Vegetarier seien; Tantra hingegen habe doch eher mit sexueller Extase und Zauberei zu tun. Wer diesen Blödsinn für bare Münze hält ist dann auch leicht mal sehr offen für völlig absurde „Enthüllungen“ gewisser Autoren, die ganz genau zu wissen glauben, dass das einzig wahre Heil in der Krone der menschlichen Entwicklung liegt, nämlich den westlichen Gesellschaften der Gegenwart mit ihren auf breiter Ebene akzeptierten dogmatischen Beschreibungen dessen, was die Wirklichkeit sei. Was davon abweicht ist natürlich gefährlich. Und so werden leicht die Ergüsse primitivster Propaganda unters Volk gebracht: Der Dalai Lama betreibe Sexualmagie, raube dabei Frauen ihre Gynergie – eine eigens von den Autoren erfundene geschlechtsspezifische Energieform, die geraubt werden kann und offenbar vor dem Hintergrund bevorzugter Geschlechtervorstellungen vielen Leuten plausibel erscheint – und strebt mittels finsterer Mächte die Weltherrschaft an. Und wem der Dalai Lama als Urvater Darth Vaders und der finsteren Sith denn doch eine Spur zu fantasievoll ist, der kann sich von den höchst primitiven faschistoiden Hetzschriften eines gewissen deutschen Psychologen darüber aufklären lassen, dass die „Scheiße fressenden Tibeter“ uns edle Westler in seelische Krüppel verwandeln wollen, allen voran ihr grinsender „Gottkönig“, der Dalai Lama.

Das hat natürlich auch alles nichts mit Tantra, Buddhismus und Tibet zu tun, eher mit einer Psychopathologie westlicher Mentalitäten.

Ende Teil II