Mit ‘Merienptah’ getaggte Artikel

Rede an die Rechit, geschrieben von Merienptah

Samstag, 24. Januar 2015

Angesichts der erschreckenden Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate kann ich nicht länger schweigen und muss meine Worte an Euch richten.

Beschimpfe keinen einfachen Mann, denn Beleidigungen führen zu Schlägerei,

und Schlägerei führt zu Mord.

Sei nicht überheblich und arrogant,

beurteile nichts ohne es zu kennen,

verurteile niemanden ohne ihn zu hören.

Siehe, man kämpft auf dem Kampfplatz, denn das Gestern ist vergessen.

Nichts gelingt dem, der den nicht mehr kennt, den er gekannt hat.

Verhülle dein Angesicht nicht gegenüber dem, den du gekannt hast,

sei nicht blind gegenüber dem, auf den du geblickt hast,

stoße nicht zurück den, der sich bittend an dich wendet.

Wenn du in einer Stellung bist, dass man sich an dich wendet,

dann sollst du hören auf die Worte des Bittstellers.

Weise ihn nicht ab, bis er seinen Leib ausgefegt hat von dem,

was er sich zu sagen vorgenommen hat.

Wer Kummer hat, möchte lieber sein Herz erleichtern als Erfolg haben mit dem,

weswegen er gekommen ist.

Nicht alles, worum er bittet, kann erfüllt werden. Das weiß auch er.

Aber schon gut Zuhören tut seinem Herzen wohl.

Schneller ist die Rede eines, dessen Herz geschädigt ist, als Wind und Regen.

Er wird zerstört und er wird erbaut durch seine Zunge

und doch spricht er mangelhafte Rede.

Er gibt eine Antwort, die Prügel verdient, indem ihre Fracht Schädigung ist.

Er macht eine Fahrt unter den Menschen, indem er falsche Rede geladen hat.

Er ist ein Fährmann, der von Worten gefangen ist, er wird umgetrieben im Streit.

Er ist wie ein junger Wolf in der Viehherde.

Und so wird Maat gegeben dem, der tut, was geliebt wird.

Und so wird Isfet gegeben dem, der tut, was gehasst wird.

Und so wird Leben gegeben dem Friedfertigen

und Tod gegeben dem Rebellischen.

Tausende weitere Zitate aus den alten Lehren Kemets könnte man hier anführen, dennoch wäre die Botschaft immer nahezu dieselbe. Der Blick aus dem Fenster hinaus auf die Straße und in die Welt hinein zeigt uns aber leider deutlich dass die Menschen den Inhalt dieser einfachen Lehren für ein respektvolles Zusammenleben in einer Gesellschaft mittlerweile verdrängt oder gar gänzlich vergessen zu haben scheinen.

Redner aller Gruppierungen, Parteien und Minderheiten; dies ist kein Phänomen einzelner Gruppen sondern es durchzieht die Gesellschaft gerade wie ein roter Faden; verbreiten ihre Hetze im ganzen Land, entfachen damit Hass und Missgunst und stacheln eine Minderheit gegen eine Andere auf, Hilfesuchende und Flüchtende werden zu Feinden gemacht, Andersgläubige werden dämonisiert und denunziert, Randgruppen noch weiter ausgegrenzt. Mit vollen Händen wird Angst geschürt und Hass gesät und wenn diese Saat aufgeht, erblüht Terror und Gewalt was schlussendlich zum Mord führt.

Wo bleibt bei all dem künstlich geschürten Hass die Menschlichkeit? Ist das wirklich die Art von Gesellschaft in der wir alle gemeinsam leben wollen? Wo jeder, der auch nur ansatzweise anders ist als die breite Masse Furcht haben muss vor Beleidigungen, Denunziation, Ausgrenzung oder Verbalattacken und gewaltsamen Übergriffen bis hin zum Mord?

Wollen wir wirklich in so einer Welt leben, in einer Welt in der man Angst haben muss zu zeigen wer und wie man ist oder in der man sich fürchten muss offen zu sagen was man denkt?

Wenn ein jeder ehrlich zu sich selbst und zu den Menschen in seiner Umgebung ist, dann wird er zugeben müssen, dass auch er selbst auf die eine oder andere Weise zu der einen oder anderen Minderheit oder gar Randgruppe gehört. Wir Menschen sind nicht alle gleich und wir werden nie alle gleich sein. Diese Unterschiede allerdings machen uns weder besser noch schlechter als die Anderen und sollten einfach respektiert werden.

Ist es denn fair, nur um von der eigenen Andersartigkeit abzulenken und um diese zu überdecken Andere, die ebenfalls ein wenig anders sind als die Masse, zu beleidigen, sie zu Feinden zu stilisieren oder ihnen gar Gewalt anzutun?

Wer gibt einem Menschen das Recht sich aus ideologischen oder religiösen Gründen über einen anderen Menschen zu erheben, nur weil er anders ist?

Keine Religion der Welt, ganz gleich aus welcher Zeit und welcher Gegend sie auch immer stammen mag und ganz gleich wer auch immer versucht sie für sich zu instrumentalisieren, heißt derartige Barbarei gut. Und wer behauptet dass seine Religion ihm diese Bösartigkeiten, diesen unmenschlichen Hass und diese rohe Gewalt anderen gegenüber abverlangt, der lügt und hat nichts von den grundlegenden moralischen Werten einer jeden Religion verstanden.

Es geht hier nicht um Toleranz, denn Toleranz meint aufs Wesentliche heruntergebrochen nur etwas schlecht zu finden, es stillschweigend hinzunehmen aber nicht zu sagen dass man es schlecht findet. Es geht um Akzeptanz und Respekt. Akzeptieren und respektieren kann man allerdings nur das, was man kennt. Wer glaubt was einem die Hetzprediger einimpfen und diesen dann blind folgt ohne selbst darüber nachzudenken und für sich selbst zu hinterfragen was das Gesagte bedeutet und welche Folgen das hat, der ist entweder zu dumm um zu verstehen oder zu faul und zu bequem sich eine eigene Meinung zu bilden. Beides ist schlecht. Dabei sind die Dummen ohne Schuld, was sie aber nicht weniger gefährlich macht.

Wer sich einreden lässt, dass die Religion einer Minderheit eine Gefahr darstellt und wer sich einreden lässt dass Menschen, die aus Angst vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat geflohen sind und bei uns Schutz suchen die Gesellschaft zerstören könnten, sollte sich, bevor er laut brüllend auf die Straßen geht und versucht einen imaginären Feind durch sinnleere Parolen zu beleidigen, die Mühe machen sich zu informieren wogegen er sein Wort erhebt. Nur weil einige wenige Fanatiker, die ihren eigenen Glauben und dessen moralische Grundsätze nicht mal ansatzweise verstanden haben, falsch handeln und Böses tun sind nicht gleich alle Anhänger dieser Religion auch schlecht.

Nur weil ein Hund einen Menschen angefallen hat sind doch nicht gleich alle Hunde gefährlich, nur weil ein Mann eine Frau geschlagen hat sind doch nicht alle Männer gewalttätig, nur weil ein Bettler einen Menschen bestohlen hat, sind doch nicht alle Bettler Diebe.

Die Saat des Hasses und der Angst fällt auf fruchtbaren Boden wenn die Menschen sich nicht mehr die Mühe machen eigenständig zu denken und dieses Denken dann einigen selbsternannten Führern überlassen, wenn sich die Menschen aus Bequemlichkeit das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen und aufhören für sich selbst zu bestimmen was sie gut oder schlecht finden oder was richtig und falsch ist. Jeder ist für seine Taten selbst verantwortlich und auch für das was er unterlässt zu tun, wenn es eigentlich an der Zeit wäre zu Handeln.

Das Denken kann einem niemand abnehmen und die Verantwortung für sein Handeln auch nicht.

Auch wir sind eine religiöse Minderheit, doch wünsche ich mir dass wir alle, egal welcher Minderheit oder Randgruppe wir auch immer angehören mögen, uns nicht einschüchtern lassen, dass wir uns nicht beherrschen und unterdrücken lassen durch die Angst vor fanatischen Irrläufern, dass wir uns nicht vertreiben lassen aus einer Gesellschaft, die uns und allen anderen Menschen hier so lange Frieden und Sicherheit bot.

Ich wünsche mir, dass wir als Minderheit auch nicht aus Angst stillschweigend dabei zusehen wie einige wenige Verwirrte diese Gesellschaft, die auch unsere Heimat ist, in den Untergang reißen.

Wir alle haben eine Stimme, und wir alle können „nein“ sagen zu dieser barbarischen Entwicklung von Hass, Gewalt und Missgunst. Wir können ein gutes Beispiel abgeben und zeigen dass wir nicht stillschweigend hinnehmen werden, wie die Welt in der wir leben von radikalen Islamisten, Salafisten, Antisemitisten, Rassisten, Homophobikern oder anderen Fanatikern allgemein in Chaos, Angst und Terror gestürzt wird.

Tränen für die unschuldigen Opfer dieses Wahnsinns, und Tränen für die verblendeten Täter, die nicht verstehen was sie sich selbst und denen in ihrer Umgebung antun.

Hilf denen, die Hilfe suchen.

Höre die an, die um Gehör bitten.

Schweige nicht aus Angst wenn Dir Unrecht begegnet.

Von der Weisheit Kemets – Teil III, geschrieben von Merienptah

Samstag, 10. Januar 2015

Auch dieser Text könnte gut seinen Platz in einem modernen Benimmbüchlein finden, auch wenn er etwas blumig formuliert ist. Diese Art der Formulierung der Weisheitslehren ist aber gar nicht so ungewöhnlich, zwingt sie doch den Leser dazu sich eingehender mit dem Text zu befassen um zu verstehen was er aussagt. Eine einfache Auflistung der Machart „Du sollst nicht… „ wie in den christlichen 10 Geboten wird man in den Weisheitslehren Kemets vergeblich suchen. Die Lehren sagen was man wie tun soll und erläutern was passieren wird wenn man es nicht tut, oder umgekehrt erwähnen sie was man besser lassen sollte damit gewisse Ereignisse eben nicht eintreten.

Dabei bleiben sie teilweise sehr vage in ihren Beschreibungen, gehen andererseits aber auch sehr ins Detail, das ist von Fall zu Fall verschieden. Einige der Lehren sind moralische Kompasse die einen groben Kurs vorgeben ohne bestimmte Details aufzulisten, andere sind derart detailverliebt dass kaum Spielraum für Interpretationen bleibt.

So sagt Ani an einer anderen Stelle zu seinem Sohn:

Gehe nicht in eine Menschenmenge hinein, auf die du getroffen bist,

wenn sie gerade begonnen haben sich zu prügeln.

Ihre Umgebung sollst du in weitem Abstand passieren,

damit du von Verletzungen verschont bleibst.“

Zum gleichen Thema besagt die etwa 600 Jahre ältere Lehre eines Mannes für seinen Sohn:

Suche keinen Streit, sondern sei zurückhaltend,

wenn du an einer Menschenansammlung vorübergehst.

Trenne ja nicht zwei Männer, die zornig aufeinander sind!

Ihre Wut nämlich richtet sich gegen den, der den Streit schlichten will!

Und wenn du vermeiden willst, zerkratzt zu werden,

dann mische dich niemals in den Streit zweier Frauen! “

Die Lehre des Anchscheschonq aus der hellenistischen Zeit hat auch zu diesem Thema etwas zu sagen und unterscheidet sich inhaltlich nicht wirklich von ihren älteren Vorgängern:

Wenn zwei Brüder miteinander streiten, gehe ja nicht dazwischen!

Wer sich dazwischendrängt, wenn sich zwei Brüder streiten,

den nehmen sie sich vor, wenn sie wieder versöhnt sind.“

Bei den Sebait handelt es sich ähnlich wie im Buch „Über den Umgang mit Menschen“ von Adolph Freiherr Knigge (1752–1796), das heutzutage ja noch immer allerorts zitiert wird, eher um die Grundsätze der guten Umgangsformen als weniger um die Regeln der Etikette. Die Sebait vermitteln allgemeine soziale Grundsätze um ein geachtetes Mitglied der Gemeinschaft zu werden und ein den Regeln der Maat entsprechendes Leben zu führen.

Genaue Handlungsvorschriften wie sie die Formen der Etikette bilden, also explizite Benimmregeln werden in den Sebait höchstens angedeutet.

Die Sebait werden dabei in sechs Kategorien unterteilt, die sich jeweiligen Hauptthemen widmen. Der erste und wichtigste Teil handelt dabei vom Umgang mit den Menschen. Hier werden allgemeine Verhaltensregeln beschrieben, wobei sich diese weniger aus religiösen Grundlagen speisen als eher aus den Anforderungen einer friedlichen Gemeinschaft, auch wenn man all diese Moralgrundsätze niemals gänzlich von der Religion losgelöst betrachten sollte.

Der zweite Teil behandelt Tugenden und Laster, wobei auffällt dass sich die Tugenden von damals von denen der heutigen Zeit kaum unterscheiden. Ebenso verhält es sich mit den Untugenden, also den Lastern und Verfehlungen der Menschen. Auch darin unterscheiden sich die Kemeten der Pyramidenzeit nicht wirklich von den Menschen des 21. nachchristlichen Jahrhunderts.

Der dritte und am blumigsten ausgeschmückte Teil der Sebait handelt von Liebe und Leidenschaft, hier werden mit nahezu schmalztriefenden Formulierungen und Ausschmückungen Tipps und Tricks

Gegeben wie man denn in Beziehungsdingen vorankommt und „die Holde“ erobert oder wie man in Fragen der Sexualität am besten vorgeht, Einige Texte dieser Rubrik könnte man fast als Sexualratgeber bezeichnen. Aber auch moralische Grundsätze werden in dieser Kategorie vermittelt die klar machen dass beispielsweise voreheliche Sexualität nicht nur Spaß bedeutet sondern auch gewisse Risiken bergen kann.

Der vierte Teil behandelt die in der heutigen Zeit oftmals ausgeblendeten Fragen zu Krankheit, Alter und Tod, aber auch Richtlinien die das angemessene Verhalten der verschiedenen Altersgruppen untereinander und den gegenseitigen Respekt beschreiben. Einige Lehren dieser Kategorie beschreiben gar, was heute etwas befremdlich erscheinen mag, den Umgang der Lebenden mit den Toten.

Teil fünf der Sebait ist wohl der am melodramatischsten beschriebene Teil der Weisheitslehren, er beschreibt den Glanz und das Elend der Schöpfung, also die guten Dinge der Welt wie beispielsweise medizinische und wissenschaftliche Errungenschaften der Menschen aber im Umkehrschluss auch die Entartungen all dieser Errungenschaften und die manchmal bis in die Perversion gesteigerten Ausblühungen die die menschliche Gesellschaft hervorbringt. Dabei ist es manchmal beinahe erschreckend wie ähnlich die alten Kemeten den Menschen von heute in der Art und Weise sind wie sie die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel instrumentalisiert und eingesetzt haben um bestimmte Ziele zu erreichen. Ebenso gedankenlos verhält sich die moderne Gesellschaft auch, wenn auch mit ausgereifteren und dadurch gefährlicheren Mitteln als damals.

Der sechste und letzte Teil der Sebait behandelt dann die sogenannten Geheimnisse. Ein Großteil dieser Lehren befasst sich mit Themen über Magie, Zauber und Orakel. Diese Kategorie ist wohl die interessanteste, aber auch die schwierigste und die am kompliziertesten umschriebene der Sebait. Einige Schriften aus dieser Kategorie bilden die Grundsätze für die heutige Hermetik, auch wenn die kemetischen Lehrsätze darin oftmals fehlinterpretiert und umgedeutet oder gänzlich falsch verstanden wurden.

Neben den Sebait, also den sozialethischen und moralischen Unterweisungen gibt es auch noch Schriften die man tatsächlich als Lehrbücher bezeichnen kann, sie behandeln allgemeine Fragen zu Medizin und Wissenschaft, wie Mathematik, Physik, Astronomie, Geschichte und Biologie. Einige wenige dieser Schriften behandeln gar sozial- und sozioökonomische sowie politische oder wirtschaftswissenschaftliche Grundsatzfragen. Der religiöse Aspekt, der zwar nicht ausgeklammert werden darf, da die Religion in Kemet alle Lebensbereiche durchdringt und untrennbar miteinander verbindet, spielt in diesen Werken, ganz gleich ob es nun die moralischen Lehren oder die wissenschaftlichen Lehrbücher sind, eine weitaus geringere Rolle als man bei Kemet im allgemeinen denken würde.

Was uns aber all diese Schriften, ob es sich dabei nun um die moralischen Kompasse der Sebait oder um die wissenschaftlichen Lehrbücher Kemets handelt, deutlich machen ist dass sich das Wesen der Menschheit in den letzten Jahrtausenden nicht wirklich verändert hat. Die Menschen von heute funktionieren nach denselben Mechanismen wie die von Damals. Einzig die eingesetzten Mittel und Werkzeuge haben sich mit der Zeit verändert und weiterentwickelt, die Menschen aber sind geblieben wie sie waren, auch wenn sie das heute nicht wirklich gern hören.

Weder ist die Menschheit in den letzten fünf vergangenen Jahrtausenden ruhiger und friedlicher geworden, eher im Gegenteil, noch wurde sie wirklich reifer und klüger. Die Menschen im Hier und Jetzt machen die gleichen Fehler wie die Menschen damals, sie fühlen, lieben und hassen wie diese, sie bereichern sich und betrügen genauso, sie beuten ihre Umwelt noch immer gnadenlos aus und sind ebenso wie die Damaligen nicht in der Lage über längere Zeit aus ihren Fehlern zu lernen und trotz alledem streben sie immer nach der perfekten Gesellschaft.

Diese letzten beiden Punkte sorgen vor allen anderen dafür, dass die Sebait trotz ihres hohen Alters von bis zu 5000 Jahren bis in die heutige Zeit nichts von ihrer Aktualität verloren haben, manche von ihnen könnte man glatt als „modern“ bezeichnen.

Vom Ursprung der Dinge – Teil III geschrieben von Merienptah

Samstag, 07. Juni 2014

Der heute als „ägyptischer Urmonotheismus“ bezeichnete Glauben Kemets besteht also in der Vorstellung dass das Göttliche am Anfang Eines war und in der Kosmogonie zu Vielem wurde, als Werk des Einen. Aus diesem Grund sprechen viele alte Texte nur von Gott, ohne einen bestimmten Namen zu nennen; dies verdeutlicht dass mit diesem Gott, alles Göttliche gemeint ist. Diese Sonderstellung des einen Schöpfers am Anfang allen Seins wird in den kemetischen Texten in geradezu monotheistischer Strenge durch immer neue Definitionen umschrieben, häufig in paradoxer Form. Er ist „der Eine, der seinen Erzeuger erzeugte, der seine Mutter hervorbrachte und seine Hand erschuf“, wie es in einem Sonnenhymnus des Neuen Reiches heißt, in Anspielung auf das Werk des Atum, der mit seiner Hand den ersten Samen hervorbrachte. Optisch erfassen lässt sich diese Weltsicht bei einem Blick auf die Sonne am Himmel, sie steht im Zentrum als alleiniger Ursprung allen Seins und aus ihr gehen Millionen Strahlen hervor. Wenn in der Kosmogonie von Memphis Ptah an den Anfang gesetzt wird, erscheint er als Vater des Atum, also als „Erzeuger des Einen, der keinen Erzeuger hat“ und als Ptah-Nun, um auch die Urflut vor der Schöpfung in sein Wesen mit aufzunehmen.

Diese Urflut, der Urozean Nun verkörpert das Nichtseiende, das als Wasser und Finsternis vor jeder Schöpfung, vor Raum und Zeit und auch vor dem Einen des Anfangs war. Die Redewendung „als ich noch im Nun war“ bedeutet: als die Welt noch nicht geschaffen war. Dies ist das für moderne Augen so paradoxe an der Schöpfung aus kemetischer Sicht: Der Schöpfer befindet sich im Nichts als er das Seiende ins Leben ruft. Er bringt sich selbst und die Welt aus einem Zustand der Nichtexistenz hervor. Aus Nichts wird Alles erschaffen, durch die reine Willenskraft des Schöpfers. Seine eine Seite ist Finsternis, die andere Licht. Er steht zwischen Nichtsein und Sein. Das kommt auch im Namen des Gottes Atum zum Ausdruck; der Wortstamm tem ist eine Umschreibung für „nicht sein“, kann aber auch „vollendet“ und „vollständig sein“ bedeuten. Der Ägyptologe Erik Hornung hat einmal als gemeinsamen Nenner „der Undifferenzierte“ vorgeschlagen. Als der Eine gehört der Schöpfer noch dem Nichtseienden an, durch seine Entfaltung im ersten Götterpaar Schu und Tefnut tritt er ins Sein; durch diese Entfaltung setzt sich der Schöpfungsprozess in Gang.

Der Beginn der Schöpfung ist nichts anderes als Differenzierung der Welt aus dem Einen des Anfangs. Diese Entfaltung des Seins wird einmal durch numerische Formeln umschrieben, wie „aus Eins wird Viel“; auf andere Weise wird diese Entfaltung anschaulich gemacht im Bild der Trennung von Himmel und Erde in der nächsten Göttergeneration, die im raumlosen Anfang noch ungetrennt waren.

Schu, der Sohn des Urgottes Atum, trennt die Himmelsgöttin Nut vom Erdgott Geb, die die Kosmogonie von Heliopolis als seine Kinder und die Eltern von Osiris und Isis benennt. Als sprachliches Bild ist diese Vorstellung der Trennung von Himmel und Erde bereits in den Pyramidentexten belegt, bildlich begegnet uns diese Darstellung, in der Schu die Göttin Nut -oftmals unterstützt von weiteren Göttern- in den Himmel über ihren Brudergemahl Geb emporhebt, jedoch erst in Totenbuchpapyri aus dem Neuen Reich. Diese „Hochhebung des Himmels“ vollendet die räumliche Schöpfung, die der Urgott begonnen hat, sie grenzt die gestaltete Welt gegen das immer noch Ungestaltete ab und Schafft den irdischen Raum.

Nach der Trennung von Himmel und Erde setzt sich die Schöpfung fort, die Himmelgöttin Nut gebiert die nächste Göttergeneration und die Erde bevölkert sich mit allerlei Wesen, wobei die Kosmogonien Kemets keinen gesonderten Wert auf die Erschaffung des Menschen legen oder diese besonders hervorheben. Nach kemetischer Sicht ist der Mensch nur einer von vielen Millionen Teilen aus denen sich die ganze Schöpfung zusammensetzt. Die Menschen werden nicht als von der Schöpfung losgelöst oder gar über sie erhaben betrachtet. Meist werden Götter und Menschen parallel genannt, beide sind vom Urgott erschaffen. Aus Freude am Wortspiel in der kemetischen Sprache, am Zusammenklang der Dinge und Namen, erwächst die Aussage, die Menschen seien aus den „Tränen“ des Schöpfers entstanden, da beide Worte im Kemetischen denselben Wortstamm (rem) haben. Aber das ist mehr als nur ein Anklang, es ist eine Erklärung für die zwiespältige Herkunft des Menschen, aus einer Trübung des Gottesauges, die der Urgott wieder überwunden hat. „Die Menschen gehören der Blindheit, die hinter mir ist“ sagt er in den Sargtexten, und damit ist subtil angedeutet, weshalb wir so oft mit Blindheit geschlagen sind. Oftmals behaupten die Mythen auch dass die Menschen durch ihre guten Taten den Schöpfer zu Tränen rühren oder ihn andererseits ob ihrer oftmaligen Unvernunft zum Weinen bringen, womit ein weiteres Spiegelbild des Wortspieles von Menschen und Tränen geschaffen wird.

Die Götter lassen die Mythen entsprechend aus dem Schweiß des Schöpfers entstehen. Bei den Göttern Kemets ist der Schweiß Träger des Wohlgeruches, der sie wie eine Aura umgibt und zugleich mit dem Glanz, der von ihnen ausstrahlt, ihre Anwesenheit verrät.

Am Anfang leben Götter und Menschen gemeinsam auf der Erde, unter der Herrschaft einer Götterdynastie, die den historischen Königen vorangeht. An ihrer Spitze steht der Sonnengott Re, der über alle Wesen herrscht. So können sich die Menschen und alle Wesen auf der Erde in dieser ersten Phase an der ständigen Gegenwart der Sonne erfreuen. Es gibt noch keinen Wechsel von Tag und Nacht, auch Tod und Unterwelt existieren noch nicht. Diese Zeit beschreiben die alten Texte als das „goldene Zeitalter“, die selige Urzeit (pa’ut), in der die Maat, die richtige, harmonische Ordnung der Dinge, in Gestalt der Tochter des Re zu den Menschen kommt und das Leben gemäß den Gesetzen der göttlichen Weltordnung bestimmt. Doch dieser perfekte Zustand der Welt sollte nicht für ewig andauern.

Im Buch von der Himmelskuh wird beschrieben, wie dieser vollkommene Anfangszustand nach Jahrtausenden sein Ende findet und der jetzige, keinesfalls ideale Zustand der Welt eintritt. Der Grund dafür liegt in der Alterung, der alles Seiende unterworfen ist. Die anfängliche Jugendfrische der Schöpfung erlahmt im Laufe der Zeit, der Sonnengott altert, während die Finsternis -als Urkraft aus dem Nichtseienden- niemals altern kann. Diese Texte beschreiben den Sonnengott Re als altgewordenen Greis, dem die Zügel der Herrschaft langsam entgleiten. Die Götter Kemets sind keineswegs im Besitz der Unsterblichkeit, auch sie sind dem Alterungsprozess der Welt unterworfen. Und so ruft die Altersschwäche des Sonnengottes Gegenkräfte auf den Plan. Die Menschen „ersinnen Anschläge und Aufstände gegen Re“ und müssen bestraft werden. Ein Teil von ihnen wird, wie der Mythos von der Vernichtung des Menschengeschlechtes berichtet, durch das „Feurige Auge“ des Gottes vernichtet. Doch ein Rest bleibt übrig, wird vom Sonnengott verschont und bevölkert die Welt aufs Neue. Der Sonnengott Re, betrübt und von den Menschen enttäuscht, entfernt sich auf dem Rücken der Himmelskuh von der Erde, es wird zum ersten Mal seit Anbeginn der Schöpfung wieder finster, die Menschen wenden sich in ihrer Blindheit gegeneinander und sind fortan von den Göttern getrennt. Diese ziehen sich mit dem Sonnengott in den Himmel zurück, nur Osiris erhält die Herrschaft über die Unterwelt, die jetzt erst geschaffen und eingerichtet wird. Denn die Alterung hat als unausweichliche Konsequenz den Tod zur Folge, er setzt auch der Herrschaft der Götter ein Ende; auf den Sonnengott, der den Mondgott Thot als seinen Stellvertreter eingesetzt hat, folgt sein Sohn Schu, auf Osiris folgt Horus.

Von nun an bestimmen Krieg und Gewalt das Leben der Menschen, sie haben die paradiesische Unschuld des Anfangs verloren, und die Welt der Götter wird ihnen erst im Tod wieder zugänglich. Diese „Rebellion“ der Menschen gegen ihren Schöpfer deutet die Gefahren an, die der Schöpfung und ihrem Fortbestand drohen. Es gibt Mächte der Auflösung, die den Lauf der Welt, symbolisiert durch den täglichen Lauf der Sonne, zum Stillstand bringen wollen. Diese Macht verkörpert sich im Gott Apophis, der die Fahrbahn der Sonnebarke trockenlegt und sie somit in ihrem Lauf aufhalten will, der aber durch die Macht der Zaubers immer wieder überwunden wird. Bis jetzt jedenfalls.

Die Drohung einer Aufhebung der Schöpfung äußert sich in der Vorstellung, der Himmel könne auf die Erde stürzen und damit aller Raum kollabieren; die Allvermischung des Uranfangs zurückkehren. Im Buch von der Himmelskuh werden sehr ausführlich die Bemühungen geschildert, den Himmel zu stützen und zu tragen, und das wichtigste dieser tragenden Elemente ist die Zeit.

Am Ende der Zeit werden sich Himmel und Erde wieder vereinen. Dann endet der Sonnenlauf, erfüllen Urflut und Urfinsternis aufs Neue das All, und nur der Schöpfer überdauert als schlangengestaltiges Urwesen, in das Chaos zurückkehrend, aus dem er hervorging. Diese Überlegungen zum Ende allen Seins werden nur selten in den kemetischen Texten direkt ausgesprochen, sie werden eher subtil angedeutet, wobei sie aber darauf hinweisen dass Anfang und Ende der Welt in einer gewissen Symmetrie zueinander stehen.

Die Schöpfung trägt in sich bereits den Keim des eigenen Verfalls, aber nur dadurch wird es möglich, dass sie sich verjüngt und regeneriert. Dies ist die tragende Idee der kemetischen Kultur, aus der sich viele ihrer schöpferischen Kräfte erklären. Die Schöpfung ist kein ein einmalig-abgeschlossener Akt, sie muss ständig wiederholt und neu bestätigt werden. Die gestaltete Welt ist umringt von der Uferlosigkeit des Ungestalteten, des Nichtseienden, welches das Sein mit Auflösung und völliger Auslöschung bedroht.

Bild 1: die Milchstraße (Copyright: NASA/DOE/Fermi LAT/D. Finkbeiner et al.)

Bild 2: Titelbild aus dem “Buch von der Himmelskuh”

Bild 3: Benu Reiher

Bild 4: Gold-/ Lapislazuliamulett des Gottes Chepre aus dem Grab von König Psusennes I.

Bild 5: Sonne am Mittagshimmel

Bild 6: Atum, Schu und Tefnut; Spruch 125 Totenbuch – Ausschnitt

Bild 7: Trennung von Himmel und Erde. Schu hebt Nut empor und trennt sie von Geb

Bild 8: die Göttin Maat

Bild 9: der schlangengestaltige Gott der Zerstörung Apophis stellt sich der Sonnenbarke in den Weg

Vom Ursprung der Dinge – Teil II geschrieben von Merienptah

Samstag, 26. April 2014

Urhügel, Urlotos oder Urkuh sind verschiedene Umschreibungen für den tragenden Grund der Schöpfung, sie verorten den Beginn des Seins und erlauben uns diesen Urakt der Schöpfung vor unserem inneren Auge zu visualisieren ohne dabei jedoch Anspruch darauf zu erheben die „einzig wahre Wahrheit“ in Form einer Aufzählung historischer Fakten zu vermitteln. Aus diesem Grund der Schöpfung steigt die Sonne auf und formt durch ihr Licht den Raum und durch ihren Lauf die Zeit. Der Startpunkt der Schöpfung ist definiert. Der Urkeim der Welt wird in anderen Schriften auch als „kosmisches Ei“ beschrieben, das sich am Uranfang noch im Leib des „großen Schreiers“ befindet, des Urvogels, dessen Schrei die Urstille durchbricht, noch bevor die Sonne aus seinem Ei emporsteigt. Diesen Vogel sieht man als den Reiher Benu, der sich als erstes Wesen überhaupt auf dem Urhügel niederlässt. Spätere Mythen setzen ihn mit dem Phoenix gleich.

So erscheint der Schöpfer in vielerlei Gestalten – als Mensch, als Vogel oder auch als Schlange, die ja das eigentliche Urwesen ist. In menschlicher Gestalt wird der Schöpfers als Atum verehrt, der mit seiner Hand den ersten Samen erzeugte oder das erste Götterpaar ausspuckte oder -nieste. Dieses erste Götterpaar sind in den Schöpfungsmythen Kemets Schu und Tefnut. Von Schu heißt es in den Sargtexten ausdrücklich, er sei „nicht in irgendeinem Ei gebildet“. Mit diesem ersten Götterpaar und dessen Nachkommen Geb und Nut beginnt der Lauf der natürlichen Fortpflanzung und Vermehrung, und mit den vier Gottheiten der folgenden Generation (Osiris, Isis, Seth und Nephthys) ist das System der „Neunheit“ abgeschlossen, die in den kemetischen Mythen vom Anbeginn eine so wichtige Rolle spielt – unabhängig von Ort und Zeit, auch wenn diese Neunheit und ihre Kosmogonie aufgrund ihres Urgottes Atum und dessen Hauptheiligtum in Heliopolis (dem alten Iunu) oft als „heliopolitanisch“ bezeichnet wird. Ihr wird dann oft eine sogenannte „memphitische“ Kosmogonie gegenüber gestellt, in der Hauptgott der alten Landeshauptstadt Memphis (Mennefer) Ptah, oder genauer Ptah-Tatenen als Schöpfer wirkt, der durch sein Wort die Welt erschuf; indem er die sie in seinem innersten ersann und durch den Ausspruch seiner Zunge ins Leben rief. Durch diesen Akt der willentlichen Schöpfung wurde Ra geboren, aus dem Schu und Tefnut hervorgingen und sich die Schöpfung wie bereits aus Heliopolis bekannt in Gang setzte.

Die Überlieferung der Schöpfung durch das Wort als Akt des Willens reicht unabhängig von diesem am memphitischen Hauptgott orientierten Mythos bis zu den Pyramidentexten zurück und ist keineswegs nur mit Ptah verbunden. In den alten Texten wird berichtet wie der Sonnengott durch planende Einsicht (Sia), schaffenden Ausspruch (Hu) und wirksamen Zauber (Heka) wirkt – diese drei Schöpferkräfte begleiten ihn auf seiner Fahrt und helfen ihm nachts in der Unterwelt sein Schöpfungswerk zu erneuern. In einem anderen Mythos war am Anfang das Wort des Amun, der als Urvogel seine Stimme erhob. In diesem Mythos handelt es sich beim Urvogel allerdings nicht um einen Reiher, sondern um einen Ganter, das heilige Tier des Amun, und sein Name wird mit „der große Schnatterer“ wiedergegeben. Auch der Göttin Neith wird in alten Mythen nachgesagt sie habe durch sieben Aussprüche die Welt ins Leben gerufen, andere Texte berichten allerdings davon dass es sich dabei um ein siebenfaches Lachen und demzufolge um eine eher ungeplante Initialzündung der Schöpfung gehandelt haben soll.

In der Gestalt der großen Göttin Neith tritt uns erneut eine weibliche Schöpfergottheit entgegen, eine Urmutter allen Seins, aus deren Schoß nach den alten Kosmogonien von Sais (Sau) und Esna (Iunyt / Senat) die Sonne geboren wurde. Ihre enge kultische Verbindung mit der Urkuh Mehet-weret führt uns wieder zur Vorstellung von der Himmelskuh zurück, welche die Sonne und alle Gestirne trägt. Als Universalgöttin taucht Neith auch oftmals bildlich, anders als gewohnt, nicht mit der roten Krone des Nordens sondern mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf. Denkt man an die bedeutende Rolle, die Neith schon in der Frühzeit Kemets spielte, und an ihre alte Verkörperung in einem Käfer, so macht dies ihre Stellung im Zentrum alter kosmogonischer Vorstellungen deutlich, die später erst von anderen überlagert wurden; der Käfer der Neith verschwindet im Laufe der Zeit und weicht der Erscheinungsform des Sonnengottes Re als Skarabäus Chepri.

Erwähnenswert ist hier auch dass der Mythos um Neith wohl weitaus älter als der heliopolitanische ist und nie mit diesem oder den sich auf ihn beziehenden Kosmogonien verknüpft wurde; auch werden Neith oder ihre Nachkommen wie beispielsweise Chnum, Heket, Menhit oder Sobek, die alle gewisse „Schöpferqualitäten“ ihr Eigen nennen, niemals wirklich in den heliopolitanischen Götterhimmel integriert. Sie bilden eine eigenständige parallele Götterwelt. Also vom kemetischen Pantheon zu sprechen wäre genauso falsch wie von DEM kemetischen Schöpfungsmythos, da es davon in Kemet jeweils mehrere verschiedene gibt.

Neben Neith wird auch Chnum als Schöpfer verehrt. Es heißt er schafft durch das Werk seiner Hände, man sagt er ist derjenige Gott, der die Menschen oder gar das Urei und mit diesem die ganze Welt aus Ton auf seiner Töpferscheibe formt. Auch Ptah, in seiner Funktion als Gott der Handwerker und Künstler, wird als ein solcher Bildner gesehen, der nicht nur durch das Schöpferwort, sondern wie ein Künstler die Welt als sein Werk formt.

All diese verschiedenartigen Aussagen Kemets über Schöpfung und Schöpfer lassen sich weder in ein zeitliches Nacheinander noch ein geographisches Nebeneinander bringen. Sie durchdringen einander und ergänzen sich gegenseitig. Sie sind Versuche, die komplexe Weltentstehung möglichst differenziert zu beleuchten und so besser verständlich zu machen. So sind die Person des Schöpfers und die Art seines Wirkens im kemetischen Glauben nicht verbindlich festgelegt, aber es gibt dennoch eine ganze Reihe von gemeinsamen Aussagen. Der Schöpfer, ganz gleich welcher damit nun gemeint ist, ist „von selbst entstanden“ (cheper djesef); er hat keinen Vater und keine Mutter, sondern hat „sein Ei selber gebildet“, wie es in einem Hymnus zu Ehren Amuns so schön beschrieben wird. Die Schöpfergottheit gehört vor die geschlechtliche Differenzierung in männlich und weiblich, ist daher „Vater und Mutter“ in einem, oftmals androgyn dargestellt. Vor allem tritt der Schöpfer als der „Eine, neben dem nichts anderes ist“ in Erscheinung, der sich selbst zu dem „Einen, aus dem Millionen werden“ macht.

Ende Teil II