Mit ‘Mistel’ getaggte Artikel

Mistel – Schmarotzer, die zum Küssen verführen

Samstag, 26. Dezember 2015

In der laubfreien Zeit sind sie wieder besonders gut zu erspähen – die Mistel, oder auch Viscum album (Weißbeerige Mistel). Meist in den oberen Regionen der Baumkronen angesiedelt ziert das parasitäre Sandelholzgewächs sowohl Laub- als auch Nadelbäume. Um die Mistel ranken sich verschiedene Mythen, sie fand und findet Verwendung als Heilmittel, aus Amerika kommt der Weihnachtsbrauch sich unter dem Mistelzweig zu küssen und besonders in den Rauhnächten wird sie zum Räuchern verwendet.

Vögel gehen ihr auf dem Leim

Im Volksmund ist sie unter anderem unter den Namen Hexenbesen, Hexen- oder Trudennest beziehungsweise Vogelleimholz bekannt. Der letzte Namen bezieht sich auf die Verwendung vorwiegend der Eichenmistel bei der Vogeljagd. Ein Teil der Früchte wurde und wird zur Herstellung von Vogelleim verwendet, der in einigen europäischen Ländern noch immer beim Vogelfang eingesetzt wird. Der klebrige Schleim der Mistelbeeren wird dabei auf Ästen angebracht und wenn sich die Vögel darauf niederlassen bleiben sie kleben und können eingefangen werden. Vielleicht kommt daher auch der Ausspruch „Jemanden auf den Leim gehen“ – wer weiß.

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Dieser klebrige Schleim kommt daher, dass die Mistelfrüchte keine Samenschalen bilden, sondern die Samen von einer klebrigen Schicht, die unter anderem aus Cellulose und Pektinen besteht, umschlossen werden. Dieser Schleim hilft der Mistel auch bei der Verbreitung, die vorwiegend durch Vögel passiert. Die klebrigen Samen bleiben an den Schnäbeln haften und werden später an anderen Zweigen abgestreift. Werden die Samen von den Vögeln gefressen, dann wird die klebrige Schicht nicht vollständig verdaut und beim Ausscheiden bleibt der Samen dadurch trotzdem gut an Ästen kleben.

Familienzugehörigkeit

Im Unterschied zur Weißbeerigen Mistel hat die Eichenmistel gelbe Beeren und gilt als eigene Gattung. Das Verbreitungsgebiet der Viscum album sind hauptsächlich Mittel- und Südeuropa, sowie Südskandinavien. Wohingegen die Eichenmistel vermehrt in Südosteuropa, Mittel- und Osteuropa und Kleinasien verbreitet ist. In Österreich beschränkt sich ihr Vorkommen hauptsächlich auf Ober- und Niederösterreich, Wien, Steiermark und das Burgenland. In den Voralpengebieten gilt sie als gefährdet. Im Unterschied zur Eichenmistel findet man die Weißbeerige Mistel auf unterschiedlichen Laubbäumen, zu denen unter anderem Apfelbäume, Linde, Birken, Weiden und Pappeln zählen. Aber auch auf Bäumen wie den Weißdorn, der Robinie und der Hainbuche findet man sie recht häufig. Die Eichenmistel ist nicht nur an den gelben Beeren von der Weißbeerigen Mistel zu unterscheiden. Sie ist auch sommergrün und ihre Äste sind ab dem zweiten Jahr braun bis schwarzgrau – im Gegensatz dazu bleiben die der Weißbeerigen Mistel grün.

Die Viscum Album kann man nach der unterschiedlichen Wirtsbaumart in verschiedene Unterarten einteilen – die Laubholz-Mistel, die Tannen-Mistel (hauptsächlich auf Weißtannen), die Kiefern- beziehungsweise Föhren-Mistel (häufiger auf Kiefern und seltener auf Fichten oder Lärchen) und die Kretische-Mistel (kommt nur auf Kreta und hier auf der Kalabrischen Kiefer vor). Als eigene Arten (neben der Eichenmistel) gelten heute auch noch die Koreanische oder die Japanische Mistel.

Weißbeerige Mistel

Weißbeerige Mistel

Schnorrer auf dem Dach

Wie kommt jetzt die Mistel zu ihren Wirtsbäumen? Sie zählt zu den Halbschmarotzern – das bedeutet, dass sie eigentlich nur auf das Wasser und darin enthaltene Nährstoffe des Wirtes angewiesen ist. Der Keimling setzt direkt an der Sprossachse des Wirtsbaumes an und bildet einen Saugfortsatz aus, der durch die Rinde wächst und hier zwischen Holz und Rinde Stränge ausbreitet. Der Hauptsaugfortsatz entwickelt sich mit der Zeit zur Primärwurzel und daraus entwickeln sich wieder die sogenannten Senkerwurzeln, die das Versorgungsleitungsgewebe der Wirtspflanze anzapfen. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist entwickelt sich die Mistel weiter. Sie bildet dann kugelige Buschen von einem Durchmesser bis zu einem Meter aus und kann bis zu 70 Jahre alt werden. Das Wachstum der Viscum album ist sehr langsam – bei einer Astlänge von ca. 50 Zentimeter ist die Pflanze schon cirka 30 Jahre alt. Eine Besonderheit ist auch, dass die Mistel ab der Keimung voll photosynthetisch aktiv ist und daher in diesem Entwicklungsstadium einige Jahre überdauern kann – zum Beispiel wenn die Saugwurzeln die Leitungsbahnen der Wirtspflanzen nicht erreichen können. Wie einleitend erwähnt ist die Weißbeerige Mistel ein Halbschmarotzer und sie müsste daher dem Wirtsbaum nur Wasser und Mineralsalze entziehen. Warum sie dennoch die Leitungsbahnen für die organischen Substanzen des Baumes anzapft und ob sie ihm dabei auch andere Nährstoffe entzieht ist noch immer Gegenstand kritischer Diskussionen unter den Biologen.

Keimlinge einer Mistel

Keimlinge einer Mistel

Giftig und heilsam zugleich?

Die Mistel gilt als giftig, wobei einige Arten beziehungsweise Bestandteile giftiger sind als andere. Viscum Album von Pappel, Robinie, Linde, Walnuss und Ahorn sind am Giftigsten und die vom Apfelbaum als am wenigsten giftig. Die Blütenknospen und Früchte haben ihren höchsten Giftgehalt im Winter und die Blätter erhöhen ihre Dosis bereits im Herbst. Dieser Giftgehalt muss man bei der Verwendung der Mistel zu Heilzwecken besonders beachten.

Die jungen Zweige mit Blättern, Blüten und Früchten dienten und dienen als Heildroge und werden traditionell als Misteltee oder als Fertigpräparat mit Mistelextrakten zur Unterstützung des Kreislaufes und als Vorbeugung der Ateriosklerose eingenommen, wobei diese Anwendungen in der Wissenschaft auf Skepsis stößt.

Was allerdings auch in der westlichen Medizin gut aufgenommen wird, sind die Präparate aus frischem Mistelkraut, die zum Beispiel bei entzündlich-degenerativen Gelenkserkrankungen, Bandscheibenerkrankungen oder Arthrosen herangezogen werden. Und dann gibt es noch die sogenannte Misteltherapie die hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz verbreitet und in der alternativ- und komplementärmedizinischen Krebsbehandlung zum Einsatz kommt. Dazu werden Extrakte der Weißbeerigen Mistel nach der antiken Signaturlehre herangezogen. Da auch Krebs als „Parasit“ im menschlichen Körper empfunden wird und die Mistel in ihrer „Lebensart“ diesem entspricht wird sie zur Heilung desselben verwendet. Trotz langjähriger Forschung und Anwendung der Mistelpräparate konnte keine Heilung von Krebs oder eine Hemmung des Tumorwachstums nachgewiesen werden. Was allerdings schon nachweisbar ist, ist die Verbesserung der Lebensqualität bei paralleler Anwendung von Chemotherapie und Mistelpräparate zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen.

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Mythologisches Heilmittel, Fruchtbarkeitssymbol, Schutz und ewige Liebe

Im Altertum wurde die Mistel als Heilmittel und für kultische Handlungen von den Druiden benutzt. Laut Plinius war den keltischen Priestern besonders die selten vorkommende Eichenmistel heilig. Aufgrund ihrer immergrünen Erscheinungsart wurde sie bei den Kelten und Germanen auch als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Dies wird ihr angeblich auch heute noch in der Schweiz nachgesagt.

Abseits der Medizin wird der Mistel eine schützende Wirkung nachgesagt, was dazu führt, dass sie in manchen Gegenden besonders zur Zeit der Wintersonnenwende (oder als Weihnachtsschmuck) an Türen und Dächern angebracht wird. Ein weiterer Brauch aus dieser Jahreszeit ist das Küssen unter dem Mistelzweig – wen zwei dies tun dann soll aus ihnen ein besonders glückliches Liebespaar werden.

Weiters soll die Mistel hauptsächlich auf Bäumen wachsen die an „schwierigen“ Standorten (vermehrte Erdstrahlung, Wasseraderkreuzungen, etc.) stehen. Dies soll bewirken, dass sie beim Verräuchern „negative“ Schwingungen in positive umwandelt.

Wie ihr seht, ist die Mistel also ein sehr vielfältig einsetzende Gewächs deren Geheimnisse noch immer nicht alle entdeckt sind. Daher finde ich sie als sehr passende Pflanze für die Zeit der Wintersonnenwende und der Rauhnächte – mögen auch wir unsere vielfältigen Talente und Gaben entdecken und einsetzen. In diesem Sinne wünsche ich euch entspannte Feiertage und einen guten Start ins neue Kalenderjahr!

Quelle:
Unterlagen Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer – LFI St. Pölten
www.wikipedia.at

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Mithras steht für Weihnachten – Teil I von Kim Morgan übersetzt von Anufa

Samstag, 24. Dezember 2011

Als Heiden kennen wir wohl alle die Frustration, dass unsere Yule-Traditionen vom weltlichen Christentum durch die Jahrhunderte vereinnahmt und als Eigentum beansprucht worden sind. Wo fangen wir an …

  1. Erlöser geboren von Jungfrauen – Isis und Horus
  2. Die Geburt der Sonne/des Sohnes, der/der Gott ist, im tiefsten Winter
  3. Grünpflanzen ins Haus zu bringen um es zu erneuern
  4. Der „Yule Log“ – nicht die Schokoladenversion sondern ein Holzscheit, das die zwölf Weihnachtstage durchbrennen würde
  5. Die zwölf Weihnachtstage – Wintersonnwende bis zur alten Wintersonnwende
  6. Der Weihnachtsmann in Rot gekleidet – Rot und Weiß, die Farben, die in dieser Jahreszeit beim bärtigen Fliegenpilzheiligen zu finden sind, der Magie wirkt, ein Schamane aus dem Norden

Wo fangen wir also an um die heidnischen Ursprünge von Weihnachten zu finden? Sowohl im alten Ägypten als auch in Babylon wurde das Fest des Sohnes von Isis oder Astarte (Muttergottheiten) am 25. Dezember gefeiert. Diese Feiern basierten auf wilden Feiern mit massenhaft Speisen und Getränken und dem Austausch kleiner Geschenke zwischen Freuden und Familie.

In der ganzen heidnischen Welt gibt es rund um die Zeit der Wintersonnwende Feiern. In Rom gab es einige Festtage und Feiern die stattfanden, einschließlich der Saturnalien, die sich über sechs Tage rund um die Wintersonnwende erstreckten und die wesentlich älter als jede christliche Einmischung.

Gemeinsam mit den Saturnalien in rom gab es die Calenden des Jänner, die parallel zu den Saturnalien verliefen, was diese ganzen Festivitäten als „Dies Natalis Solis Invicti“ bekannt werden liess –  das Fest der Rückkehr der unbesiegbaren Sonne. Von diesem Fest her rührt es, dass die Christen in Rom die Sonne und den Sohn Gottes als dasselbe ansahen, besonders natürlich, weil die unbesiegbare Sonne den Sieg des Lebens über den Tod versinnbildlichte. Das stammt aus der Beobachtung der Sonne, die zur Wintersonnwende geschwächt während der Calenden des Jänner immer stärker und heller wird.
Das ganze Fest der Dies Natalis Solis Invicti war ein wunderbarer Anlass um zu feiern, zu prassen, aus sich heraus zu gehen und wie viele „Yule“festestammt das Verkleiden während dieses Festes ebenfalls aus dem alten Rom.
„Mummers“ waren Gruppen von kostümierten Sängern und Tänzern, die von Haus zu Haus zogen und für Geld, das in Form von milden Gaben an die Armen verteilt wurde, ihre Nachbarn unterhielten. Nicht nur, dass die Mummers kostümiert waren, die Götter und Göttinnen des Pantheons darstellten, sie trugen auch Masken oder Bemalungen, die ihre Gesichter verbargen. Aus diesem Mumming im alten Rom entstanden zwei Weihnachtstraditionen – Mumming und Carolling (Singen)

Während dieser Zeit warne in Rom die Gerichte geschlossen und das römische Gesetz sagte, dass während dieser Festwoche niemand bestraft werden konnte, der entweder Eigentum beschädigte oder Leute verletzte. Das Fest begann damit, dass die römischen Autoritäten einen „Feind des römischen Volkes“ auswählten, der den „Herrn  des Tumult“ darstellen sollte. Jede römische Gesellschaft erwählte ein Opfer, das sie dazu zwangen innerhalb dieser Woche Speisen und anderen Genüssen zu frönen.

Heiden in Nordeuropa hatten viele Traditionen, die mit Yule in Verbindung gebracht werden und die wir heute noch haben. Viele davon wurden vom Christentum korrumpiert und zu ihren eigenen Traditionen gemacht obwohl die gebräuchlich waren, lang bevor die Teilnehmer etwas von Christus gehört hatten.
Wie heute auch noch, feierten die Heiden in ganz Nordeuropa die Wintersonnwende, bekannt als Yule. Oft waren diese Traditionen in der Naturmagie beheimatet und mit immergrünen Bäumen, Stechpalme und Mistel verbunden.
In den Hallen unserer alten heidnischen Ahnen wurden massive „Yule logs“ verbrannt um die Sonne zu ehren. Diese Scheite standen symbolisch für das Holz der Yggdrasil, dem Weltenbaum der nordischen Traditionen. Das Wort „Yule“ selber bedeutet „Rad“ und es ist genau diese Drehung des Rades, die die Wintersonnwende so wichtig macht. Eine von vier Markierungen durch Sonnwenden und Tag-und-Nachtgleichen, die für unsere Vorfahren so wichtig waren.

Das universelle Symbol des immergrünen Baumes ist das Hauptsymbol, das fast alle nordeuropäischen Wintersonnwenden miteinander verbindet.

Ein Symbol, dass das Leben auch in Härtezeiten des Eises und der Schnees im Winter weitergeht. Das Grün des lebenden Baumes trotz der Härte als Symbol dass das Leben weitergeht und deshalb wurden anfänglich immergrüne Zweige ins Haus und in die Hallen gebracht, um den Herd und die Feuerstellen zu schmücken. Die Hitze verstärkte aromatische Gerüche, die wieder das Gefühl verstärkten, dass das Leben trotz der Härte des Winters weitergehen würde.
Erst spätere Traditionen brachten dann ganze Bäume in die Häuser der Menschen. Oft wird von modernen Wissenschaftlern angenommen, dass der Christbaum als viktorianische Tradition, aus Deutschland stammt. Tatsächlich ist diese Tradition tausend Jahre älter, als sie die Menschen im viktorianischen Zeitalter bekannt gemacht haben.

Unsere Ahnen wählten Tannen und Fichten. Man denkt auch an die Eibe, die ebenfalls immergrün ist und oftmals in heiligen Hainen, die heute oft Plätze mit alten Kirchen darauf sind, wächst. Die Eibe ist ein machtvolles Symbol, das für die Verehrung der Ahnen Verwendung findet.
Bäume als heilig anzusehen und sich in Hainen zu den Jahreszeitenfesten zu treffen war für viele Heiden, das Druidentum eingeschlossen, heilig. Cäsar schrieb, dass die Druiden Haine mit heiligen Bäumen als Fokus für ihre Riten und Zeremonien verwendeten, besonders wenn das Augenmerk der Feier auf der Rückkehr der Sonne, in der Zeit nach der Sonnendwende, wenn die Sonne am tiefsten am Himmel stand und am schwächsten strahlte, lag.

Gemeinsam mit den Zweigen der heiligen Bäume wurden auch immergrüne Pflanzen wie Stechpalme und Mistel, als heilige Pflanzen, in die Häuser gebracht. Die Mistel wurde heilig, weil sie auf sehr offensichtliche Weise (für jeden, der schon einmal eine Mistelbeere zerquetscht hat) ein Symbol für Fruchtbarkeit ist. Die Samen, die in den Beeren enthalten sind ähneln sehr dem menschlichen Sperma, das am Höhepunkt der sexuellen Vereinigung verströmt wird (obwohl Sperma schwerer zu erkennen ist, wussten unsere heidnischen Vorfahren sehr wohl, dass der Samen nötig war um menschliches Leben zu schaffen und so wurde die Mistel ein Symbol der Fruchtbarkeit).
Die altnordische Mythologie erzählt, wie der Gott Balder von seinem Rivalen Hödur mittels eines Mistelzweigpfeils getötet wurde, während sie um Nanna stritten. Deshalb war die Mistel in allen heidnischen Kulturen Nordeuropas als mächtiges Symbol bekannt. Sogar der Brauch sich unter dem Mistelzweig zu küssen hat seinen Ursprung in der sexuellen Freizügigkeit der Saturnalien des römischen Reiches.

Ende Teil I