Mit ‘Mittwinter’ getaggte Artikel

Mithras steht für Weihnachten – Teil II von Kim Morgan übersetzt von Anufa

Samstag, 07. Januar 2012

Sofern der historische Charakter „Jesus“ jemals tatsächlich existiert hat, ist fraglos, dass sein Geburtstag am 25. Dezember gewesen wäre. Tatsächlich  wurde das Datum seiner Geburt schon sehr früh in der Geschichte der Kirche festgelegt. 350 neuer Zeitrechnung gab Papst Julius bekannt, dass die Geburt Christi am 25. Dezember zu feiern wäre. Der Grund dafür ist recht einfach zu finden. Zu dieser Zeit war der Großteil Europas und auch große Bereich des Weltreiches entweder völlig und durch und durch heidnisch oder die Leute hatten damit begonnen an den Kunstgriff zu glauben, dass Jesus, der Sohn Gottes eigentlich Hesus, der Sonnengott wäre. Das röm. Reich verbog sich zugunsten des Christentums, weil Julius versuchte, die Bekehrung vom Heiden- zum Christentum für die Heiden Roms (die damals die Mehrheit darstellten) so schmerzlos wie möglich zu gestalten. Den Leuten wurden die Konzepte dieser neuen Religion, des Christentums, als sehr ähnlich denen ihres heidnischen Glaubens verkauft. So wurden sie ein wenig einfacher akzeptiert, weil sie wussten, dass man ihnen ihre Feste und Feiertage, Zeremonien und Bräuche nicht wegnehmen würde.

Wie schaut es mit dem Bild von Santa, dem freundlichen alten Mann mit der Gewohnheit, durch die Schornsteine in die Zimmer der Kinder zu gelangen aus, oder der Symbolik des nordeuropäischen Schamanen.

Santa Claus, als eine historische, legendäre und mythologische Figur, die auf heidnischen Vorstellungen beruht. Generell wird er als dicker, fröhlicher, weißbärtiger Mann gezeichnet, der einen roten Mantel mit weißem Kragen und weißen Ärmelbesatz trägt, weissbesetzte rote Hosen und einen schwarzen Ledergürtel mit passenden Stiefeln. Dieses Bild wurde im 19. Jahrhundert in den USA und in Kanada gebräuchlich. Es wurde durch Lieder, das Radio, Fernsehen und Film immer weiter gefüttert und verstärkt. In England ist Santa derselbe historische Charakter, wird aber Vater Weihnacht genannt.

Der Name „Santa Claus“ stammt offensichtlich aus dem Holländischen „Sinterklass“

Es gibt die moderne „urban legend“, dass Vater Weihnachten eine vollständige Erfindung der Firma „Coca Cola“ aus den 30ern des letzten Jahrhunderts wäre. Seine Erkennungsfarben würden denen der Firma gleichen. Das ist aber absolut erfunden und allein schon an den Farben Rot und Weiß ist ersichtlich, dass Santa schon viel länger existiert.

Ein bekanntes Volksmärchen mit dem Santa Claus verbunden wird und das die Verbindung zwischen Nordeuropa und unserer heidnischen Vergangenheit aufzeigt, erzählt, dass er hoch im Norden lebt, in einem Land, das durchgehend von Schnee bedeckt ist. Er ist mit Elfen verbunden (Wesen der Erde) mit welchen er seine große Aufgabe, Geschenke an alle zu liefern (in nur einer Nacht), vollbringt – mit der Hilfe der Elfen, die das Spielzeug herstellen und mit den Rentieren, die seinen Schlitten ziehen.

All diese Symbolik gibt es wegen einer Form der Spiritualität einer früheren Zeit. Das Rot und Weiß seiner Kleidung wurden vom Anthropologen Richard Rudgeley als Echo der Farben des Fliegenpilzes interpretiert. Seine Assoziation zum Rentier ist die mit dem Gehörnten Gott des Nordens.

Die frühen Volksmärchen des deutsch/holländischen „Sinterklass“ haben viele Verbindungen mit Odin aus den heidnischen Traditionen des Nordens. Die gemeinsamen Kennzeichen schließen den Bart, den Hut und den Speer (heute den Stab) mit ein. Ursprünglich ritten beide, Sinterklass und Odin auf Pferden und hatten die Fähigkeit durch die Luft zu fliegen. Sleipnir, Odins achtbeiniger Hengst, ist derselbe auf dem Sinterklass in der frühesten Geschichten geritten war. Noch eine seltsame Verbindung von Odin und Sinterklass wird mit dem Ursprung der Runen verknüpft. Odin gab der Menschheit die Runen um ihnen in der Magie zu helfen. Sinterklass und sein Helfer „Black Peter“ (Zwarte Pieten, Schwarzer Peter) schenkten den Kindern Süßigkeiten in Buchstabenform und das erinnert doch sehr daran, dass Odin die Runen „erfand“. Die Gedichte, die während der Feiern gemacht wurden und die Lieder, die Kinder für Sinterklass/Odin sangen, erinnern an den Gott der Dichtkunst.

Es gibt die unterschiedlichsten Erklärung für den Ursprung der Helfer, sowohl Gnome als auch ein „schwarzer Junge“ Pieter. Die älteste Erklärung ist, dass die Helfer die zwei Raben Hugin und Munin symbolisieren, die Odin über alles, was so in der Welt vorging, informierten. In späteren Geschichten haben wir dann die christianisierte Version der alten Geschichte, die uns erzählt, dass die Helfer den Teufel besiegen würden. Der Teufel wird entweder von Odin oder von seinem Helfer Nörwi, dem schwarzen Vater der Nacht, besiegt. Nörwi wird üblicherweise mit einem Birkenstab beschrieben, genauso, wie der Helfer des Sinterklass, Zwarte Piet ihn auch trägt.

Wie wir also aus den europäischen Mythen und Legenden sehen können, ist das der Ursprung von Santa oder Vater Weihnachten, die viel komplizierter sind, als wir gemeinhin annehmen. Auf jeden Fall ist er nicht die Erfindung eines amerikanischen Softdrinkherstellers aus den 30ern!

Also haben wir mit Mithras, dem Gott der Wintersonnwende begonnen, der bei dieser Gelegenheit geboren worden war. Dann sollten wir uns vielleicht ansehen, wie der heidnische Kult des Mithras nicht nur die Mittwinterfeste beeinflusste sondern später dann zu Weihnachten wurde und er beeinflusste auch das gesamte Christentum.

Der Kult des Mithras war eine Mysterienreligion, die aus Persien stammte und schnell in den römischen Legionen im ganzen Römischen Reich vom ersten bis zum vierten Jahrhundert neuer Zeitrechnung, bekannt wurde.

Wir würden heute den Mithraskult als okkultistisch oder von Natur aus geheim beschreiben, weil er eine Mysterienreligion war, in der die Gläubigen ein komplexes System von sieben Graden der Einweihung, die in einem Untergrundtempel ausgeführt wurden (die überall im Reich zu finden waren), durchlaufen mussten.

Die früheste bildliche Darstellung von Mithras, in seiner legendären Rolle als Töter des Bullen, findet sich auf einem Monument in Rom. Es gibt darauf kein Datum, aber die Inschriften sagen uns, dass es von einem „Alcimus“, Verwalter des Livianus, der ziemlich sicher Feldherr der Präterianergarde 101 nach neuer Zeitrechnung war.

Es gibt auch einen Altar oder Stein vom Esquiline in Rom, der von einem Freigelassenen, Flavius Hyginus (wahrscheinlich zwischen 80 – 100 neuer Zeitrechnung) zweisprachig mit Inschriften versehen ist. Gewidmet ist er Sol Invictus Mithras – Mithras, der alles besiegenden Sonne (zu Yule).

Andere Monumente für Mithras, schließen eines Altar, der von Sacidius Barbarus, Zenturio der XV Legion des Apollinaris, am Ufer der Donau bei Carnuntum, wahrscheinlich vor 114 neuer Zeitrechnung, errichtet wurde, mit ein. Das zeigt, dass der Kult des Mithras nicht für Menschen reserviert war, die in Rom geboren worden waren. Das Mithraneum ist der früheste archäologische Beweis außerhalb Roms, dass Mithras im gesamten römischen Reich verehrt wurde, einschließlich der Militärgarnison Carnuntum. Dieses Mithraneum datiert auf 148 neuer Zeitrechnung.

Mithras, die alles besiegende Sonne, wieder ein Hinweis auf das Fest „Dies Natalis Solis Invicti“. Yule war ein Symbol der Geburt des Mithras und wurde am kürzesten Tag des Jahres verortet. Wenn der Sonnengott wächst und erwachsen wird, dann werden die Tage länger und wärmer. Es war Brauch, Kerzen anzuzünden um Mithras und damit die Sonne zu ermutigen, im nächsten Jahr wieder zu erscheinen.

Wie wir also sehen können, war die Verehrung für Mithras im ganzen römischen Reich einheimisch und hatte Verbindungen mit der Wintersonnwende. Der Mithraskult erreichte seinen populären Höhepunkt im zweiten und dritten Jahrhundert und er breitete sich zur selben Zeit über das ganze Reich aus, wie der Glaube an Sol Invictus auf Veranlassung von Aurelian 274 neuer Zeitrechnung, Teil des Staatsglaubens wurde.

Das Ende des Mithraskultes war die Legitimierung des Christentums in Rom. Seine Bilder verschwanden sogar von den Münzen, weil die frühen Christen sehr darauf bedacht waren, keine Münzen zu verwenden, auf denen ein Sonnegott, so ähnlich ihrem eigenen, zu verwenden. Sie betrachteten Münzen mit Mithras darauf als vergiftet.

Interessanter Weise verschwand dieser Kult früher als der von Isis. Isis war noch im Mittelalter als heidnische Göttin in Erinnerung aber Mithras war im späten Altertum schon längst vergessen.

Der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit war in jedem Mithraneum die Darstellung von Mithras, wie er den heiligen Stier tötet; die sogenannte Tauroctony.

Das Zentralbild ist das des Mithras in anatolische Kleidung gehüllt und mit einer phrygischen Kappe (eine weiße oder rote Kopfbedeckung, die genau wie eine Schlumpfmütze aussieht) auf dem Kopf. Er kniet auf dem erschöpften Stier, hält ihn mit seiner linken Hand an den Nüstern und ersticht ihn mit seiner rechten. Während er das tut, schaut er über seine Schulter auf die Gestalt des Sol. Ein Hund und eine Schlange versuchen von unten das Blut zu erreichen. Ein Skorpion ergreift die Geschlechtsteile des Stieres. Zwei Fackelträger stehen zu beiden Seiten, genauso gekleidet wie Mithras, Cautes mit einer Fackel, die nach oben zeigt und Cautopates mit einer Fackel nach unten zeigend.

Das Ereignis findet in einer Höhle statt, in die Mithras den Stier geschleppt hat, nachdem er ihn gejagt, geritten und seine Stärke geschlagen hatte. Als geheimer Mysterienkult ist es interessant zu sehen, dass die Höhle außen von einem Kreis umgeben ist, auf welcher sich die zwölf Zeichen des Tierkreises finden. Außerhalb der Höhle, oben links, ist Sol, die Sonne mit Flammenkrone zu sehen. Ein Sonnenstrahl berührt oftmals den Mithras. Oben rechts ist Luna zu sehen, mit ihrer Mondsichel.

Auf einigen Bildern bekommen wir auch Zeichnungen vom Leben des Mithras präsentiert – geboren von einem Fels (die heilige Mutter Erde), das Jagen und Reiten des Stieres und manchmal auch das Treffen mit Sol (der sich selbst als Vater des Mithras identifiziert), kniend schüttelt er Sol die hand und gemeinsam verspeisen sie den Stier und steigen mit einem Wagen zum Himmel auf.

Durch die Beschreibung des ganzen Mithraskultes können wir sehen, wo das Christentum die Idee eines „Sonnengottes“ her hatte, der übernatürlich zur Wintersonnwende geboren worden war, die ganze Vater-Sohn-Sonne-Dynamik, das Teilen eines heiligen Mahles und das Aufsteigen in den Himmel.

Hier sind wir also Weihnachten/Yule/Wintersonnwende/Dies Natalis Solis Invicti. Ich werde auf jeden Fall eine seltsame Mütze tragen (phrygisch, genauso wie die von Mithras, die von den Römern im römischen Reich zum Fest des Mithras und der Sonnwende getragen wurde) und auf die Rückkehr der alles besiegenden Sonne anstoßen.

Und wenn ich ein ganz braves Mädchen bin, dann wird mir Mithras/Sinterklass/Odin etwas Magisches in meinen Strumpf, der am Kamin hängt (auf einem Platz zwischen den Welten) da lassen. So wünsche ich Euch ein mehr als glückliches Wintersonnwendfest. Besorgt Euch ein Yulescheit und fangt an zu feiern … Happy Yule für Euch alle!!

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VIII

Samstag, 09. Juli 2011

Herkunft und Bedeutung der Festtagsnamen

Gleich vorweg: Die Schreibweise, vor allem der mittelalterlichen Namensbezeichnungen der Festtage der Iren, Waliser, Angelsachsen, Wikinger etc. kann variieren. Da es damals keine einheitliche Rechtschreibung gab und es auch einen Unterschied macht, ob man das Fest in einer älteren oder neueren Schreibweise buchstabiert, gibt es oft mehrere Versionen, einen Namen zu schreiben, z. B. Samain (Altirisch), Samhain (modernes Irisch). Das soll aber weiter nicht stören.

Die üblichen neuheidnischen Namen der acht Jahreskreisfeste haben ihre Wurzeln vor allem im Wicca, wobei sich die Wiccas wiederum an traditionellen irischen, angelsächsischen, nordischen und britischen Festnamen orientieren (und im deutschsprachigen Raum auch an entsprechenden hiesigen, traditionellen Bezeichnungen). Manchmal sind die Festnamen auch Neuerfindungen.

Ich beginne mit den einfachen Bezeichnungen der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen: Wintersonnenwende (engl.: Winter Solstice), Frühlingstagundnachtgleiche/Frühlingsäquinoktium (engl.: Spring Equinox, Vernal Equinox), Sommersonnenwende (engl.: Summer Solstice) und Herbsttagundnachtgleiche/Herbstäquinoktium (engl.: Autumnal Equinox, Fall Equinox) sind einfach im Alltag übliche Bezeichnungen für die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden.

Eindeutig christlicher Herkunft sind die Bezeichnungen: (Mariae) Lichtmess (engl.: Candlemas – „Kerzenmesse“), Brighid (Brighid bzw. Brigitte ist eine christliche Heilige), Lady Day – „Frauentag“ (Mariae Verkündigung), Walpurgisnacht (Walburga ist eine christliche Heilige), Lammas/Loaf Mass – „Brotlaibmesse“ und Halloween/Hallowmas – „(Abend vor) Allerheiligen“. (Näheres dazu im Kapitel über das Christentum.)

Die Bezeichnungen „Maifeiertag/May Day/Hohe Maien“ sowie „Herbstfest/Erntedankfest/ Harvest Home“ sind deutsche und englische Bezeichnungen, die für die ausgelassenen Frühlingsfeierlichkeiten am 1. Mai und für die diversen Erntedankfeste im September/Oktober im englischsprachigen und deutschsprachigen Raum üblich sind. Auch sie sind – auch wenn das Brauchtum teilweise recht heidnisch anmutet – eingebettet im christlichen Festkalender.

Der Begriff „Schnitterfest“ für Lugnasad dürfte eine neuheidnische Bezeichnung sein, die sich auf die Ernte, also das Schneiden des Getreides bezieht.

Die Festtagsnamen Mittwinter (engl.: Midwinter), Summerfinding – „Sommer-Findung“, Mittsommer (engl.: Midsummer) und Winter Finding – „Winter-Findung“ sind deutsche bzw. englische Bezeichnungen, die sich auf den germanischen Raum Skandinaviens und Islands (= nordischer Sprachraum) beziehen. Ebenfalls aus dem germanischen Raum kommen die Begriffe Jul (engl.: Yule) – Nordisch für „Zauber, Beschwörung“, Eostre (Altenglisch) und Ostara (rekonstruiertes Althochdeutsch) für „östlich, Osten“ und Litha – Altenglisch für „durchlaufen, gehen, vergehen“. (Näheres im Kapitel über die Germanen.)

Imbolc – „umfassende Reinigung, im Bauch“, Beltaine – „Bel‘s-Feuer“, Lug(h)nasad „Lug‘s-Versammlung“ und Sam(h)ain – „Sommerende“ sind altirische (und damit keltische) Bezeichnungen für die vier Hochfeste im alten Irland. (Siehe das Kapitel über die Kelten.)

February Eve, May Eve, August Eve und November Eve (also Februar-, Mai-, August- und November-Abend) sind die Namen der Feuerfeste, wie sie in Gardners Book of Shadows (siehe Quellenverzeichnis) zu finden sind. Da diese Festbezeichnungen für die jeweils an diesen Daten stattfindenden christlichen Feste eher unüblich sind (ich konnte nichts Diesbezügliches finden), dürfte es sich um Gardners Idee handeln, die Sabbate einfach nach ihrem jeweiligen Datum zu benennen.

Fast alle Festnamen haben also einen heidnisch oder christlich tradierten Ursprung oder sind logische Bezeichnungen (wie „Schnitterfest“ oder „May Eve“).

Bleibt der mysteriöseste Festtagsnamen, der nirgends hineinpasst, nämlich Mabon. Mabon vab Modron (übersetzt: „Mabon, Sohn der Modron“) ist ein Held im mittelalterlichen walisischen (und damit keltischen) Mythos Culhwch ac Olwen, wo er eine Nebenrolle spielt. Und zwar war er in einem Kerker eingesperrt (er war als Kleinkind von drei Jahren seiner Mutter geraubt worden), bis er von Kaiser Arthur (dem meistverfilmten König aller Zeiten) und seinen Mannen befreit wurde, um mit ihnen danach gemeinsam auf die Jagd nach dem gefährlichen Keiler Twrch Trwyth zu gehen. Mabon und Modron haben sogar Entsprechungen in der antiken festlandkeltischen Götterwelt: Der walisische Mabon leitet sich etymologisch vom gallischen Maponos ab, was „Sohn, Kind“ bedeutet. Von den Römern wurde er mit Apollon, dem Gott der Dichtkunst, der Orakel und der Sonne verglichen. Walisisch „Modron“ wiederum kommt vom gallischen Matrona – „große Mutter“. Diese Göttin ist als Singular ein Fluss (nämlich die Marne) und als Dreiergruppe von Göttinnen (Matronen) war sie im römischen Gallien (vor allem im Rheinland) äußerst populär.

Seitdem ich den Mythos kenne, frage ich mich, was genau jemanden veranlasst, ein Erntedankfest nach diesem Helden zu benennen. Man könnte spekulieren, dass das Eingesperrtsein vielleicht einen Initiationsritus oder den Abstieg in die Unterwelt symbolisiert – analog zur Sonne, die im Herbst in die Unterwelt wandert oder auch analog zu den Eleusinischen Mysterien. Vielleicht ist es auch die Eberjagd, weil im Herbst die Jagdsaison beginnt. Und dann gab es im alten Griechenland um diese Zeit noch das Fest Pyanopsia, das Apollon geweiht war.

Wie auch immer, Mabon als Name für ein walisisches (oder anderes keltisches) Fest ist nach meiner gründlichen Recherche historisch nicht erwiesen (weder im Herbst noch sonstwann, weder christlich noch heidnisch). Aber Modron sei Dank gibt es ja das englische Wikipedia. Im Eintrag „Wheel of the Year“ ist zu lesen, dass Aidan Kelly, ein neuheidnischer Autor, in den 1970er Jahren diesen Namen für das Herbstfest geprägt hätte. Warum er das gemacht hat, weiß ich aber nicht.

Auch wenn sich „Mabon“ längst als Festtagsname eingebürgert hat, möchte ich doch darauf hinweisen, dass er damit eine gewisse Asymmetrie bei der Namenswahl der acht Jahreskreisfeste verursacht. Denn die vier Feuerfeste haben keltische Bezeichnungen (Imbolc, Beltaine, Lugnasad und Samain), und drei der vier Sonnenfeste tragen germanische Namen (Jul, Ostara, Litha). Wäre es da nicht konsequent, auch dem Herbstäquinoktium einen schönen germanischen Namen zu geben? Ich finde z. B. „Tamfana“ sehr passend. Das ist eine südgermanische Göttin, die laut Tacitus Ende September vom Stamm der Marser mit einem Fest geehrt wurde. Damit hätten wir sogar einen historischen Namen!

Wie auch immer. Die kreative Namensgestaltung der acht Feste dürfte erst nach der Expansion der Wicca-Idee in verschiedenen Wicca-, Wicca-ähnlichen und anderen Traditionen stattgefunden haben. Schaut man sich nämlich die Namen der acht Sabbate in Gardners Book of Shadows an, muten diese sehr nüchtern an. Sie heißen einfach „…-Equinox“, „….-Solstice“ oder „…-Eve“, also eigentlich nur Datumsbeschreibungen. Warum er keine passenden keltischen oder germanischen Namen benutzte, die er sicherlich kannte, ist fraglich. Vielleicht wollte er keine kulturspezifischen Festtagsnamen einführen, um den Sabbaten einen universellen Charakter zu verleihen?

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).