Mit ‘ostara’ getaggte Artikel

Jimmy finden noch einen ganz besonderen Freund von Evelien Roos übersetzt von Anufa

Samstag, 21. März 2015

Jimmy, der Igel erwachte durch den Duft der Sonne auf dem feuchten Waldboden, der seine kleine Nase kitzelte. Ahhhhh, endlich war der Frühling da. Er erinnert sich daran, wie kalt der Schnee bei seinem letzten Ausflug gewesen war und wie er den großen Gott Pan und Isobel, einen ganz besonderen Menschen, getroffen hatte. Er frage sich, ob sie wohl wieder bei den Steinen sein würde und beschloss, dass er das, nach einem herzhaften Frühstück, überprüfen wollte.

Den Bauch mit Würmern und Insekten gut gefüllt, bummelte Jimmy durch den Wald. Die Bäume mussten ihre Blätter noch entfalten, aber die Sonne hatte tatsächlich schon an Stärke gewonnen. Ihre goldenen Strahlen linsten durch die Zweige und wärmten den kleinen Igel schön auf. Da hörte er Tumult. Es klang wie wenn ein Hase oder ein Kaninchen in vollem Lauf durchs Unterholz preschte. Jimmy wusste, dass Hasen und Kaninchen schreckhaft waren aber hauptsächlich weil es dafür auch gute Gründe gab, dass sie wie der Wind liefen. Nur um sicher zu gehen, rollte er sich ein und versteckte sich unter einem Busch. Er hörte das Tier näher und näher kommen und dann … rannte es mitten in ihn rein!

„Autsch“, rief er. Jimmy rollte sich schnell aus und fand heraus, dass ein Hase ihn böse anschaute.
„Warum um der Großen Grünen Erde Willen, liegst du hier herum, von oben bis unten voller Stacheln und bist mir im Weg!“ grantelte der Hase.
Jimmy zwinkerte. Das war unfair! Er war aus dem Weg gegangen, damit ihn niemand sehen könnte oder sich an seinen Stacheln verletzen würde. „Das hab ich nicht absichtlich gemacht!“ sagte er. „Warum hast Du es erst so eilig und nimmst dir jetzt soviel Zeit mich anzuschreien? Ich dachte du wärest von einem Fuchs gejagt worden oder sowas.“
Der Hase schnaubte. „Ein Fuchs, wirklich! Kein Fuchs würde es wagen mich zu jagen“ sagte er grantig. „Ich habe gespielt und habe diesen Lauf durch den Wald sehr genossen.“
Das kam Jimmy sehr seltsam vor. „Ich dachte mir, dass ein hungriger Fuchs nicht zögern würde, ein Stück aus deinem Hintern zu beißen. Du schaust gut gefüttert und stark aus.“
Der Hase schaute beleidigt drein. „Würden sie NIE tun!“, rief er. „Meine Herrin wäre sehr zornig, wenn sie das täten.“
Das erstaunte Jimmy. „Deine Herrin? Du bist ein zahmer Hase?“
Der Hase schaute Jimmy an, als ob er das dümmste Wesen wäre und kaum wert, dass er ihm aufwändig etwas erklären sollte. „Nein, du dummes Tier. Meine Herrin ist dort hinten und jetzt gehe ich zu ihr, Sie braucht mich.“

Er stellte seine Vorderpfoten auf den Boden um loszuhoppeln, aber sofort quietschte er und zog wie wieder zurück. „Autsch! Jetzt schau dir an, was du und dein stachliger Rücken angstellt haben! Einer deiner Stacheln ist abgebrochen und steckt zwischen meinen Zehen! Ich kann nicht mehr hoppeln!“ Der Hase schaute wild im Kreis herum. Ein panischer Blick kroch über sein Gesicht. „Meine Herrin! Sie ist WEG! Ich kann sie nicht finden!“

Jimmy tat der Hase leid. Der schaute wirklich bestürzt aus. Dann kam ihm eine Idee! Wenn Isobel bei den Steinen war, dann könnte zumindest sie diesen Stachel aus der Pfote des Hasen heraus ziehen.
„Hase, mir nach. Ich kann Hilfe holen!“ Diese ganze „ich bin besser als du“ Attitüde war weg und der Hase humpelte hinter Jimmy nach.
Die kleine Nase auf den Boden gepresst, erschnüffelte sich Jimmy seinen Weg in Richtung der Steine, wo er Isobel getroffen hatte. Von ganzen Herzen hoffte er, dass Isobel dort sein würde. Da war der Weg … da waren die Steine … Jimmy roch aber noch etwas anderes und das erfüllte sein Herz mit Freude! Narzissenkerzen! Isobel war da.“

Er wieselte aus dem Unterholz und eilte in Richtung der grün gekleideten Frau, die im Zentrum eines Kreises kniete. Der Hase hielt sich misstrauisch im Hintergrund. Jimmy stupste Isobel ans Knie und sie schaute erstaunt nach unten.

„Hallo, kleiner Freund! Woher weißt du denn, dass ich da bin?“, wunderte sie sich. Sie tätschelte seine pelzige Schnautze und Jimmy wurde es ganz warm und kribbelig vor lauter Freundschaft zu diesem ganz besonderen Menschen. Der Hase bewegte sich immer noch nicht. Jimmy drehte sich um und sagte, „Na komm! Sie kann dir mit deiner Pfote helfen!“
Der Hase zögerte aber humpelte dann doch endlich in den Kreis. Isobel brauchte etwas länger aber hob den Hasen dann doch vorsichtig hoch.

„Ach du liebe Zeit, Du bist verletzt!“ Sie drehte den Hasen vorsichtig um und untersuchte seine Pfoten. Ganz vorsichtig zog sie den Stachel, der sich zwischen seine Pfoten gebohrt hatte, heraus. „Na schau! Ist schon wieder gut!“ Sie setzte den Hasen wieder ab. Der war bemüht sein Gewicht auf beide Vorderpfoten zu verteilen und machte ein paar Testhoppler.
Jimmy war sehr froh, an Isobel gedacht zu haben, war aber traurig, dass der Hase seine Herrin noch immer nicht gefunden hatte. Isobel setzte sich neben ihn und sagte, „Weisst du, du hast vielleicht diesen heiligen Tag gerettet, indem du den Hasen hierher gebracht hast. Der weiße Hase sollte zu Ostara der Gefährte der Göttin Ostara selber sein!“ Sie zwinkerte Jimmy zu.

Jimmy war völlig verwirrt. Konnte das wirklich sein? Gerade da, warf der Hase seinen Kopf herum. Jimmy und Isobel folgten seinem Blick und beide erstarrten beim Beobachten der Szenerie. Der große Gott Pan und eine wunderschöne Frau mit goldenem Haar hatten den Kreis betreten. Überall wo die Frau ihren Fuß hinsetzte, erblühten Frühlingsblumen und sie selbst schien mit der Wärme der Sonne zu strahlen. Sie beugte sich zu Jimmy und Isobel hinunter und sagte, „Danke Jimmy und dir Isobel, dass ihr meinem, ein wenig übermütigen, Kameraden geholfen habt.“ Sie küsste Isobel anf die Stirn und streichelte Jimmy über den Rücken. Dann hob Ostara den Hasen auf, drehte sich um und Sie und Pan waren weg.

Isobel schluckte und sagte, „Jimmy heißt Du also.“ Dann lachte sie und lachte und lachte. Jimmy stand nur da und ließ dass alles noch einmal durch seinen Kopf gehen.

Isobel begann ihre Sachen einzupacken und sagte, „Nur andere Hexen könnten mir das glauben, wenn ich es erzählen würde. War hatten sehr viel Glück, kleiner Jimmy.“ Sie nahm ihn hoch und küsste ihn auf seine kleine Knopfnase. Dann setzte sie ihn wieder ab und sagte, „ An Beltane bin ich wieder zurück!“

Dann ging sie und verließ Jimmy, der sich wunderte, was denn wohl Beltane wäre und wie lang es dauern würde, dort hin zu kommen.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen, geschrieben von Mc Claudia – Teil XXVII

Samstag, 20. September 2014

Hier nun das achtfache Jahr im katholischen Festkreis:

Weihnachten und Jul:

Weihnachten wird in der neuheidnischen Szene oft als christianisierte Version des Julfestes begriffen. Wie im Germanenkapitel schon ausgeführt, deuten die historischen Schriften darauf hin, dass Jul wahrscheinlich ein pangermanisches Fest war, das je nach germanischem Volk und je nach Epoche und Kalender an verschiedenen Festdaten zwischen November und Jänner seinen Platz hatte. Der 25. Dezember selbst, der Weihnachtstag, hat historisch nur im angelsächsischen Modranecht-Fest seine Entsprechung. Dass in den nordischen Ländern Weihnachten heute noch Jul oder Jol heißt, deutet in jedem Fall darauf hin, dass die Wichtigkeit und Beliebtheit des heidnischen Julfestes dazu geführt hatte, dass das Weihnachtsfest mit diesem assoziiert wurde und Festtagsnamen und auch Bräuche auf das christliche Weihnachtsfest übertragen wurden.

ABER: Das christliche Weihnachtsfest am 25. Dezember war längst Bestandteil der katholischen Kirche, als die frisch christianisierten Germanen beschlossen, Weihnachten mit Jul in Verbindung zu bringen. Jul war also nicht der Grund für die Etablierung des Weihnachtsfestes sondern lediglich Namensgeber und Brauchtumsinspiration für das Weihnachtsfest in Skandinavien und Island. Inwieweit germanische Bräuche in den anderen germanischen Gebieten für Weihnachten belegt sind, entzieht sich meinem Wissen. Die Rauhnächte und das dazugehörige Brauchtum mögen vielleicht dazuzählen. Der Weihnachtsbaum übrigens nicht – der wird erstmals im 16. Jhdt. im Elsass historisch erwähnt und war anfangs vor allem in evangelischen Gebieten verbreitet. Verschiedene Zünfte, die Zunftbäume aufstellten (daher kommt wahrscheinlich auch der heutige Maibaum), waren für die Verbreitung dieses Brauchs verantwortlich. Auch sind Weihnachtsbäume meines Wissens für das vorchristliche Julfest nicht erwiesen. Nichtsdestotrotz sind Assoziationen mit dem Weltenbaum durchaus legitim. Wie gesagt – auch Heiden übernehmen gerne christliche Bräuche …

Zurück zum Festtagstermin: Weihnachten ist natürlich nicht aus dem Nichts entstanden. Bis zur Etablierung des Festdatums im Jahre 336 (knapp vor dem Tod Kaiser Constantins d. Großen – das ist jener römische Kaiser, der als erster den Christen Religionsfreiheit gewährte und die Kirche aktiv förderte) für den 25. Dezember gab es die verschiedensten Vorschläge innerhalb der christlichen Gemeinschaften, wann man der Geburt des Messias gedenken sollte. Das historische Geburtsdatum von Jesus ist ja nicht bekannt. Als christlicher Grund wird angegeben, dass neun Monate zuvor, am 25. März, Maria vom Erzengel Gabriel aufgesucht wurde, der ihr verkündete, dass der Heilige Geist über sie kommen werde. Im Fest „Mariae Verkündigung“ (englisch: Lady Day) wird dieses Ereignis an diesem Datum gefeiert. Und nach neun Monaten Schwangerschaft, am 25. Dezember, gebar Maria dann das Jesusbaby – soweit der Mythos. (Ich konnte allerdings nicht herausfinden, ob Mariae Verkündigung vor oder nach Weihnachten etabliert wurde – wenn danach, scheint es logisch, dass einfach neun Monate vom 25. Dezember nach vorn gerechnet wurde, um auf das Datum für Mariae Verkündigung zu kommen.)

Ein weit plausiblerer Grund für das Weihnachtsdatum scheint mir die Wichtigkeit des römischen Sonnenkultes in der Spätantike zu sein. Zu Zeiten Kaiser Constantins war sowohl der Kult um den Sol Invictus (unbesiegbare Sonne), der im 3. Jhdt. durch andere Kaiser zum Staatskult erklärt wurde, von größter Bedeutung, andererseits war der Mithraskult (der aus Persien kam) vor allem bei den römischen Soldaten äußerst beliebt. Beide Götter waren untrennbar mit dem Kaiserkult verbunden. Und beide Götter hatten am 25. Dezember Geburtstag. Ein Beiname des Mithras war ebenfalls Sol Invictus. Wenn nun aber, beginnend mit Kaiser Constantin d. Großen, der Kaiser christlich wurde und den Sonnen- und Mithraskult nicht mehr pflegte oder, wie spätere Kaiser, sogar verbot, erübrigte sich der Kult an sich. Da beide Kulte aber staatstragend waren und für die Soldaten auch Symbol der Loyalität zum Kaiser darstellten, musste offenbar die religiöse Lücke geschlossen werden, die sich nach dem Niedergang der beiden heidnischen Kulte bildete. So führte man noch unter Regentschaft des Constantin den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi ein. Dass auch Christus den Beinamen „Sol Invictus“ erhielt, mag dabei nicht mehr verwundern.

Die Frage, warum nicht die Wintersonnenwende selbst (21./22. Dezember) den Geburtstag des (heidnischen und christlichen) Sonnengottes markierte, könnte damit beantwortet werden, dass Caesar bei seiner Kalenderreform den 25. Dezember auf den kürzesten Tag des Jahres legte. Das heißt, im 1. Jhdt. v. Chr. stimmte der 25. Dezember mit der Wintersonnenwende überein. Da aber nun der julianische Kalender, wie wir oben im Kapitel über die Kalender gesehen haben, das Jahr zu lange rechnet (genau um 0,0078 Tage pro Jahr zu lang in Bezug auf das „richtige“ astronomische Sonnenjahr), rutschte die echte Wintersonnenwende im Laufe der nächsten drei Jahrhunderte zurück auf den 22. Dezember, das heißt, der 25. Dezember um 300 n. Chr. befand sich schon drei Tage nach der Sonnenwende (und er wanderte weiter, bis Papst Gregor den Kalender reformierte und der 25. Dezember wieder seinen Platz aus dem 3. Jhdt. erhielt). Jedenfalls ignorierte man im 3. Jhdt. die „echte“ Sonnenwende und hielt sich stattdessen streng an das Kalenderdatum, in der Annahme, es handle sich noch immer um das Sonnwenddatum.

Feiertag der heiligen Brigitte von Kildare, Lichtmess und Imbolc:

Im Kapitel über die Kelten ist bereits auf den Zusammenhang des Imbolc-Festes mit dem heutigen Fest der hl. Brighid (zu Deutsch Brigitte) eingegangen worden. Die Ähnlichkeit der Göttin Brigit mit der namensgleichen Heiligen, deren Leben in das 5./6. Jhdt. datiert wird, in Attributen und Brauchtum sowie die Wichtigkeit des Brighid-Festes im gälischen Raum lassen vermuten, dass zwischen Imbolc und dem Brighid-Fest ein Zusammenhang besteht. Für Österreich hat die Brigitte von Kildare allerdings keine Bedeutung.

Mariae Lichtmess (engl.: Candlemas) findet am 2. Februar, also 40 Tage nach Weihnachten, statt. Mythologisch geht es darum, dass Maria nach jüdischem Brauch 40 Tage lang nach der Geburt Jesu unrein war. Am 40. Tag ging sie mit dem Baby dann in den Tempel, um die vorgeschriebenen Reinigungsopfer darzubringen. Außerdem übergab sie dort das Jesusbaby symbolisch Gott, da nach jüdischer Lehre der erstgeborene Sohn Eigentum Gottes war. Der alte Prophet Simeon erkannte dann in Jesus den Messias, das Licht der Welt – deshalb auch die Kerzensymbolik zu Lichtmess.

Die beiden Feste am 1. und am 2. Februar gehören im irisch-katholischen Brauchtum zusammen, denn am 1. Februar wird Brighid als Amme des Jesus geehrt, am 2. Februar Maria mit dem Jesuskind. Die Verehrung der hl. Brighid in Irland und Schottland ist übrigens dermaßen beliebt, dass sie als „Maria der Gälen“ bezeichnet wird und manchmal sogar als Jesu Mutter angerufen wird.

Ostern und Ostara:

Der lateinische Begriff für Ostern ist Pascha, abgeleitet vom hebräischen Pessach. Pessach ist das jüdische Freudenfest, an dem der Auszug aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Pessach wird vom 15. bis 22. Nisan gefeiert, was März/April entspricht. Da der jüdische Kalender lunisolar ist, heißt das, dass Pessach mit dem Vollmond beginnt und dann eine Woche lang dauert. Das christliche Osterfest entspricht ungefähr diesem Datum: Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Vollmond zu oder nach dem Frühlingsäquinox. Der früheste Termin ist der 22. März der späteste der 25. April. Laut biblischem Mythos wurde Jesus am Freitag in der Pessachwoche gekreuzigt und ist am Sonntag darauf wieder auferstanden.

Im Gegensatz zu Jesu Geburt ist Jesu Tod und Auferstehung deutlich aus dem Neuen Testament herauszulesen, weshalb es keine Unklarheiten darüber gab, dass das Osterfest in die jüdische Pessachwoche fallen müsste. Nur über die genaue Datumsberechnung wurde gestritten. Im ersten Konzil von Nicaea 325 n. Chr. wurde unter Kaiser Constantin die obige Berechnung des Osterfestes bestimmt.

Dass der April und das Pascha-Fest im germanischen Raum nach dem „Osten“ benannt wurde, könnte zwei Gründe haben: Zum einen ist der Osten die Richtung der aufgehenden Sonne, die der Auferstehung Christi entsprechen würde (auch Kirchen werden für gewöhnlich „geostet“, also nach dem Sonnenaufgang ausgerichtet). Zum anderen haben wir den Bericht von Beda Venerabilis über die Angelsachsen (siehe Kapitel über die Germanen). Zumindest für dieses germanische Volk haben wir den Beleg, dass Monat (Eosturmonath), Fest und Göttin (Eostrae) namensgebend für das christliche Pascha-Fest waren. Wir haben hier also dieselbe Vorgangsweise wie für Weihnachten: Ein christliches Fest wurde nach einem germanischen Fest benannt, das an einem ähnlichen Datum stattfand.

Aus all diesen Fakten dürfte hervorgehen, dass nicht Christen Ostern erfunden haben, weil die Germanen ein Frühlingsfest hatten, sondern dass die Germanen Namen (und Bräuche?) des heidnischen Eostrae-Festes mit dem Pascha-Fest verbanden. Inwieweit heutige Osterbräuche (Hase, Eier, Lämmer, Palmzweige, Küken, Feuer etc.) heidnischen Ursprungs sind, müsste man gesondert erforschen. Zumindest für die Ostereier gibt es eine christliche Erklärung: Eier waren früher in der Fastenzeit verboten, weshalb sie gesammelt und zu Ostern verschenkt wurden. Dass das Ei an sich eine Menge Symbolik in sich trägt, die in verschiedensten Kulturen zum Ausdruck kommt, ist klar. Speziell für Ostern kann man aber nur spekulieren, ob und welche heidnischen Symbole in das Osterei geflossen sein mögen.

Anmerkung zum Schluss: Das neuheidnische Ostara-Fest wird für gewöhnlich zu Frühlingsäquinox gefeiert, was mit den Quellen zum angelsächsischen Eostrae-Datum (lunisolarer Monat im März/April) nicht genau übereinstimmt. Historisch korrekter wäre es, das Ostara-Fest auf eine bestimmte Mondphase im März/April zu legen. Direkt auf die Frühlingstagundnachtgleiche fiel hingegen das Uppsala-Fest. Auch die slawischen und baltischen Frühlingsfeste Maslenitsa und Velykos wurden offenbar direkt zu Frühlingsbeginn gefeiert.

Ende Teil XXVII

Donau, Traisen und die Au

Samstag, 24. März 2012

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Hart oder weich – das ist hier die Frage

Die Au wird grundsätzlich in zwei Typen unterschieden – die weiche und die harte Au. Der Unterschied ergibt sich aus den bestimmenden Holzarten, also weiche oder harte Hölzer, die auf Grund der unterschiedlichen Überschwemmungslage übers Jahr hinaus dort am besten gedeihen können.

Lebensraum Au

Copyright www.donauauen.at

So sind in der weichen Au hauptsächlich Weiden, Pappeln und Erlen heimisch die mit einer mehrmaligen Überschwemmung im Jahr gut zu recht kommen können. In der harten Au finden sich überwiegend Stieleichen, Esche, verschiedene Ulmenarten (Feldulme und Flatterulme), die Winterlinde und in geringerer Vorkommensdichte der Holzapfel und die Holzbirne. Diese kommen gut mit den schweren, nährstoffreichen Bodenverhältnissen zu Recht. Die harte Au wird nur ein- bis zweimal im Jahr, mehrere Tage mit 0,5 bis 3 Meter überschwemmt und bietet somit einen idealen Standort für Bäume die sowohl mit wechselfeuchten als auch mit trockenen Bodenverhältnissen gut klarkommen.

Der Bau des Kraftwerkes Altenwörth an der Donau in den 1970er Jahren hatte zur Folge, dass diese aufgestaut wurde und viel Augebiet in unserer Gegend verloren ging. Vereinzelt findet man noch Altarme der Donau, die aber zunehmend durch die Ablagerung von Feinsedimenten gefährdet sind. Ebenfalls durch den Kraftwerksbau wurde das Mündungsgebiet der Traisen rund 7 Kilometer Richtung Osten (hinter das Kraftwerk, damit dieses nicht durch Schotter- und Schlammablagerungen bei den Turbinen beeinträchtigt wird) verlegt. Mit viel Geld von Seiten der EU und dem Bund wird jetzt bei der Traisen ein Renaturierungsprojekt gestartet um den künstlich begradigten Fluss wieder in einen mäandernden umzuwandeln (http://www.life-traisen.at/).

Traisen-Renaturierung

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Durch dieses Projekt soll wieder eine Verbindung der verschiedenen Augewässer (Altarme der Donau und vereinzelte Brunnadern[1]) mit der Taisen hergestellt werden und damit ein vielfältiger Lebensraum für die einzelnen Fauna- und Floraarten hergestellt werden. Vor allem die Hartholzau, die zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas zählt, profitiert durch diese Wiederanbindung an den Fluss und die damit einhergehenden periodisch wiederkehrenden Hochwässer.

Alle Macht dem Frühjahr

Ich möchte hier nun auf die verschiedenen Pflanzen der harten Au eingehen. Neben den schon erwähnten Holzarten gibt es auch eine vielfältige Krautschicht, die sehr reich an Frühlingsblühern – den sogenannten Geophyten[2] – ist. Kennzeichnend für die harte Au sind das Weiße und das Gelbe Buschwindröschen, das Scharbockskraut und der Gelbstern. Diese Arten nutzen die Zeit vor der Laubentfaltung der Baumschicht und wickeln ihr ganzes Jahresprogramm im Frühjahr ab. Den Großteil des restlichen Jahres überdauern sie im Boden.

Donau Altarm

Copyright Rothani

Zu den Frühjahrsblühern die sich ebenfalls in der Au breit machen zählen das Schneeglöckchen, der Bärlauch und das Maiglöckchen. Und weil wir gerade die richtige Jahreszeit haben und nicht oft genug auf die Gefahren hingewiesen werden kann, hier noch mal anschaulich und hoffentlich einprägsam die Unterschiede zwischen Bärlauch – der sehr lecker schmeckt, und Maiglöckchen – das meistens nur einmal verzehrt wird.

Tot oder lebendig – das ist hier die Frage

Ich habe mir angewöhnt Bärlauch und Maiglöckchen vor allem an den Blättern zu unterscheiden. Die Blätter des Bärlauchs haben einen eindeutig zu identifizierenden Stiel und die Blätter des Maiglöckchens entspringen direkt an der Wurzel, sie werden von einer Blattscheide immer paarweise zusammengehalten! Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist zwar der Geruch, aber nach einer Stunde Bärlauchernte riechen die Hände schon so nach Knoblauch, dass man beim besten Willen ein gerade gepflücktes Maiglöckchenblatt nicht mehr am Geruch identifizieren kann. Hier aber noch mal die Unterschiede im Überblick.

Bärlauch
die ausgewachsenen Blätter sind deutlich in einen Blattstiel verschmählert; die Blätter sind grasgrün und papierartig dünn; er wächst auf frischen, nährstoffreichen Standorten und kommt meist in Massen vor; weißt einen starken Knoblauchgeruch auf

Maiglöckchen
hat zwei bis drei Laubblätter die direkt dem Rhizom (Wurzel) entspringen; die Blätter sind blaugrün und ledrig derb; Blätter meist einzeln oder zu wenigen zusammenstehend; wächst auf trocken-warmen Standorten; es kommt meist in kleinen Truppen, aber nicht flächendeckend vor; ist geruchsarm

Donauau im Frühling

Copyright Rothani

Darm und Demut

Generell ist der Bärlauch in ganz Europa und Nordasien verbreitet und bevorzugt seinen Standort auf tiefgründigen, lehmigen, feuchten und nährstoffreichen Böden in Au und Laubwäldern. Durch die in der Wurzel gespeicherte Energie kann der Bärlauch das zeitlich begrenzte Lichtangebot am Boden der Wälder optimal ausnutzen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni und wenn sich das Blätterdach des Laubwaldes allmählich schließt verschwindet er für den Rest des Jahres wieder in den Boden.

Die Knospen des Bärlauch lassen sich als Kapernersatz sehr gut einlegen und die Blätter werden vor der Blüte meist für Aufstriche und zur Zubereitung von Pesto gesammelt. Die Zwiebel kann auch im Sommer beziehungsweise im Herbst gesammelt werden. Sie enthält wie die Blätter und die Knospen viel Vitamin C und ätherische Öle. Werden die Bestandteile des Bärlauchs roh gegessen oder gekocht dann haben sie eine antiseptische Wirkung und normalisieren die Darmflora. Zusätzlich hilft sie gegen Arterienverkalkung und bei erhöhtem Blutdruck. Eine zerquetschte Bärlauchzwiebel in Milch eingelegt und schluckweise getrunken ist als Wurmmittel sehr wirksam.

Traisenau im Frühling

Copyright Rothani

Das Maiglöcken ist ebenfalls in ganz Europa und im gemäßigten Asien beheimatet. Es bevorzugt trockene, halbschattige Standorte und ist in Österreich geschützt. Die Glykoside des Maiglöckchens, die sie gleichzeitig zur Heil- und zur Giftpflanze machen, wirken ähnlich wie die Digitalisglykoside des Roten Fingerhutes und wurden beziehungsweise werden in der Medizin eingesetzt. Der Überlieferung nach wird das Maiglöckchen der nordischen Göttin Ostara zugeordnet. Andere Legenden berichten davon, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria am Grab Jesu ihre Tränen vergoss. In der christlichen Ikonografie zählt es neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den Marienblumen. Durch seine kleinen weißen, nickenden Blüten war es ein Symbol für die keusche Liebe, die Demut und die Bescheidenheit von Maria und wurde dementsprechend oft auf Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt.

Auch wenn mein Auparadies in nächster Zeit durch die umwälzenden Eingriffe zu leiden haben wird freue ich mich trotzdem schon auf das Endergebnis eines alten, neu zu entdeckenden Lebensraum. Die Zeit dazwischen werde ich für viele Artikel über die verschiedenen Kräuter der Auwälder wie Aronstab, Diptam, Gundelrebe, Wilde Karde, Ehrenpreis, Kleiner Klappertopf, Natternkopf, Knabenkraut, Scharbockskraut und viele mehr nutzen.

Ich hoffe Ihr genießt den Frühling mit Bärlauch und vielleicht habt ihr auch ein paar Rezepte die Ihr mit uns in der Rubrik Heidensterz teilen wollt.

Quellen:
www.donauauen.at
www.verbund.com

Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten


[1] Brunnader: Bei Hochwasser bricht ein Fluss aus und erzeugt im Hinterland Mulden und Gräben. Befinden sich unter diesen Gräben und Mulden Schotterablagerungen hat das Grundwasser hier (an der tiefsten Stelle des Geländes) die Chance an die Oberfläche zu steigen. Durch die Filterwirkung des Schotters wird das Wasser fast gänzlich frei von Schwebstoffen. Die Brunnadern sind ein typisches Begleitgewässer von Flüssen wie die Donau, die Traun, die Traisen und dem Inn.

[2] Geophyten: Pflanzen, deren Überdauerungsorgane (Rhizome, Zwiebeln, Knollen, Wurzelsprossen) im Boden liegen und dadurch geschützt sind.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil IX

Samstag, 06. August 2011

Kalender, Festkreisbeginn und Festdaten

Da das achtfache Jahr eine moderne Erfindung ist, braucht man nicht nach einem traditionellen, dahinterliegenden Kalender suchen. Die acht Jahreskreisfeste sind als Fixdaten konzipiert, die sich hervorragend im gregorianischen Kalender einfügen. Praktischerweise fällt die Hälfte der acht Jahreskreisfeste auch genau oder ungefähr auf gesetzlich anerkannte Feiertage: Beltaine (Tag der Arbeit am 1. Mai) und Samain (Allerheiligen am 1. November) sowie Jul (Weihnachtstag am 25. Dezember) und Ostara (Osterwochenende) – wenn man es nicht so genau nimmt mit dem Sonnendatum. Auch die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden (also die Jahreszeitenbeginndaten) sind zumeist in jedem Taschenkalender eingetragen, die Mondphasen sowieso.

Wenn man die germanischen und keltischen Wurzeln der einzelnen Feste bedenkt, kann man natürlich auch überlegen, einen germanischen oder keltischen Kalender zugrunde zu legen. Näheres dazu in den entsprechenden Kapiteln weiter unten. Aber es gibt auch moderne Hexenkalender, die man verwenden kann. (Der bekannteste ist der Ogamkalender von Ranke-Graves, wie er im Kapitel über die Neodruiden vorgestellt ist.) Für die Festtagsdaten macht das aber keinen Unterschied. – Es sei denn, man kommt auf die Idee, die acht Jahreskreisfeste (oder einen Teil davon) auf eine bestimmte Mondphase zu legen.

Tatsächlich habe ich beim Surfen im Netz öfters die Idee gefunden, zumindest die Feuerfeste an einem in der Nähe des jeweiligen Festdatums liegenden Neu- oder Vollmond zu feiern. Die Begründung dafür dürfte sein, dass man die Sonnenfeste der Sonne zuordnet und die anderen Feste, die jetzt nicht auf ein Sonnen-Eckdatum fallen, will man auch irgendwie an einem markanten Punkt haben. Der Mond bietet sich an, weil er der zweitgrößte Himmelskörper ist – von der Erde aus betrachtet -, außerdem hat man so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: man hat fixe Mond-Feierzeiten eingerichtet (Der Vollmond gehört ja zu den Hexen wie der Besen und der brodelnde Kessel), die zugleich auch große Feiertage sind. Eine weitere Begründung, die Feiertage auf eine Mondphase zu legen, liegt im lunisolaren Kalender der Gallier und einiger germanischer Völker (siehe dazu die Kapitel über die Kelten und die Germanen).

Zurück zu der Version mit den Fixdaten. Wenn keine anderen zwingenden Gründe dagegen sprechen (eine Wicca-Bekannte erzählte mir einmal, sie feiere Samhain ein paar Tage später, weil das besser mit der Astrologie zusammenpasse – die Sonne stehe da genau in 15° Skorpion), feiern die meisten Neuheiden die Feste an den oben beschriebenen Daten bzw., wenn der Job es nicht anders zulässt, an nahegelegenen Wochenenden oder Feiertagen.

Die Daten für die Sonnenfeste sind ja relativ klar. Es geht um die Tage vor der kürzesten Nacht (Sommersonnenwende) oder der längsten Nacht (Wintersonnenwende) oder um den Tag, der gleich lang ist wie die darauffolgende Nacht (Tagundnachtgleichen). Bei den Feuerfesten muss ich aber noch etwas ausholen, denn Samhain wird für gewöhnlich nicht am 1. November gefeiert sondern am Abend des 31. Oktober, Beltaine nicht am 1. Mai, sondern am Abend des 30. April, Imbolc nicht am 1. Februar sondern am Abend des 31. Jänner und Lughnasad nicht am 1. August sondern am Abend des 31. Juli. Vor allem für Samhain und Beltaine sind die Daten sehr bekannt, fällt ja auch Halloween (die moderne Version von Samhain) auf den 31. Oktober und die Walpurgisnacht (die festlandeuropäische Entsprechung zu Beltaine) auf den 30. April. Der Grund dafür liegt in der keltischen Tagesrechnung, bei der der Tag am Vorabend beginnt (diese Rechnung gab es auch bei den Germanen, Griechen und heute noch bei den Juden).

Da Gardner – im Gegensatz zu den Sonnenfesten, die in ihrer Gesamtheit kein bestimmtes historisches Vorbild haben – bei den Feuerfesten wahrscheinlich auf den altirischen Festkalender geschielt hat, hat er auch die Tradition des „Abend davor“ übernommen.

Imbolc wird in einigen Jahreskreisbeschreibungen auch auf den 2. Februar gelegt. Der Grund dafür dürfte das katholische Mariae-Lichtmess-Fest sein, das am 2. Februar stattfindet und mit dem Imbolc manchmal assoziiert wird. Die irische Heilige (und frühere Göttin) Brighid wird allerdings am 1. Februar geehrt. Das „keltisch-korrekte“ Feierdatum ist damit der Abend vor dem 1. Februar.

Bleibt noch zu ergründen, wann das achtfache Jahr nun richtigerweise beginnt. Ich habe einige Jahreskreisbeschreibungen in meinen Büchern miteinander verglichen. Die einzigen Feste, die NICHT als Beginnzeiten genannt wurden, sind: Beltaine, Litha und Mabon (aber vielleicht gibt es ja irgendeinen Coven irgendwo auf der Welt, der seinen Festkreisbeginn auf genau eines dieser Feste legt – ich meine, wenn man kurz die oben beschriebenen Jahresbeginndaten verschiedener Kulturen im Auge hat, könnte es griechischen Neuheiden einfallen, Litha als Jahresbeginn zu postulieren, jüdischen Mabon und tamilischen Beltaine – nur mal spaßhalber so angedacht …).

Alle anderen Feste dienen im einen oder anderen neuheidnischen System als Beginndatum des Jahresrades: Samhain hat jedenfalls den altirischen Kalender als Grund, Jul könnte sich auf die germanische oder römische Kultur berufen oder einfach auf die Wintersonnenwende selbst (Geburt der Sonne), Imbolc hat vielleicht Jahresbeginn-Symbolik in der Natur (Vorfrühling, wieder erstarkende Sonne), und Ostara als Festkreisanfang könnte sich neben der Symbolik der wiedergeborenen Natur auch auf persische, baltische oder slawische Tradition berufen.

Fazit: Wenn man keiner speziellen Tradition angehört oder einem bestimmten Dogma folgt, gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ bei den Daten und Festkreisbeginnzeiten des achtfachen Jahresrades. Es bleibt der Kreativität und den Wünschen der Feiernden überlassen.

Ritualpraxis

Im folgenden Kapitel geht es nicht nur um Gruppen, die die acht Jahresfeste begehen, sondern um alle Neuheiden, da das Meiste sowohl für die „Acht-Jahreskreisfeste-Traditionen“ als auch für die Recons und die anderen Neuheiden Gültigkeit hat.

Die Wicca-basierten bzw. -inspirierten Gruppen (allgemeines Neuheidentum und andere) übernehmen oft (nicht immer) Elemente der Ritualpraxis aus dem Wicca. Beliebte Ritualelemente sind: Das Ziehen eines Schutzkreises am Anfang und das Auflösen desselben am Schluss des Rituals, das Rufen der vier Elemente in die vier Himmelsrichtungen (beliebtes Schema: Luft – Osten, Feuer – Süden, Wasser – Westen und Erde – Norden), das Invozieren bzw. das „Energiearbeiten“ oder „magische Arbeiten“ mit Gottheiten (entweder nach Wicca-Tradition eine Göttin und ein Gott, nur Göttinnen in frauenzentrierten Gruppen oder in polytheistischen Gruppen auch mehrere zum Fest passende Gottheiten), das Aufbauen eines Kraftkegels bzw. das „Kreisenlassen von Energie“ (z. B. durch Tanz, Konzentrationsübungen, Chanten, Trommeln etc.). Andere Ritualteile aus dem traditionellen Wicca dürften im „allgemeinen Heidentum“ keinen so großen Anklang finden, wie z. B. der fünffache Kuss, die Verwendung einer Peitsche, der große Ritus o.ä.

Die Rituale traditioneller Gruppen sind – nona – traditionell und Recon-Gruppen versuchen, sich möglichst an historisch fassbare Zeremoniengestaltung zu halten (soweit möglich), was sich oft sehr vom Wicca unterscheidet.

Inwieweit man Kreativität in ein Jahreskreisfest einbringen kann, hängt davon ab, wie eng die Ritualvorgaben in der jeweiligen Tradition sind. In traditionellen Wicca-Coven, Neodruidenorden, traditionellen Heidentümern oder Recon-Gruppen mit vielen historischen Anhaltspunkten (z. B. Religio Romana oder Hellenismos) ist der Rahmen zur freien Ritualgestaltung naturgemäß enger als im „allgemeinen Heidentum“ oder im germanischen oder keltischen Recon (da dort genaue historische Ritualvorgaben meist fehlen). Weiters entscheidet jede Gruppe auch selbst, wie streng sie sein will, wie viel individuelle Gestaltung sie zulässt oder nicht. So kann auch eine chaosmagische, allgemein heidnische Gruppe sehr dogmatisch und eng strukturiert sein während eine Familientradition sich auch durchaus liberal geben kann. Wie auch immer: Durch die Vielfalt der Traditionen und Gruppen ergibt sich beim Vergleich der Jahresfestpraktiken sicher ein sehr buntes Bild.

Oft ist es üblich, einheimisches Brauchtum in die Jahresfeste zu inkludieren. Dieses Brauchtum ist in der westlichen Welt zumeist christlich geprägt, kann aber leicht in den heidnischen Kontext übernommen werden. Was Österreich betrifft, ließen sich für die acht Jahresfeste z. B. folgende Bräuche übernehmen: Weihnachtsbaum zu Jul, Lichtmesskerzen zu Imbolc, Ostereier zu Ostara, Maibaum zu Beltaine, Sonnwendfeuer zu Litha, Kräuterweihe zu Lugnasad, Erntekränze zu Mabon und Friedhofsbesuche zu Samain.

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).