Mit ‘Runen’ getaggte Artikel

Runenorakel – Teil IV, geschrieben von Eibensang

Samstag, 01. November 2014

Die Ausschlussprüfung

Es gibt einen guten Check, die Interpretation einer einzelnen Rune in einem solchen Wurf bezüglich ihrer Bedeutung im Zusammenhang (Bezug aufs erfragte Thema) zu überprüfen: Wäre das, was ich vermute, durch eine andere Rune besser ausdrückbar gewesen? Wenn das der Fall ist, stimmt meine Interpretation nicht – und ich muss sie entsprechend korrigieren. Wenn meine Detail-Interpretation durch keine andere Rune besser ausdrückbar ist als die vorliegende, darf ich davon ausgehen, dass ich richtig deute. Das ist bei 24 möglichen Zeichen nicht der bequemste Weg, aber der im Zweifelsfall sicherste. Zumal ja – nach dem Werfen aller 24 Runen gleichzeitig – nicht mehr die Möglichkeit besteht, auf eine Rune, deren Deutung im Zusammenhang fraglich, widersprüchlich oder nebulös bleibt, noch eine weitere zu ziehen: um Antwort auf dieses Detail zu erhalten.

Lesegewohnheiten

Der Wurf aller 24 Runen auf ein begrenztes Feld (Runen, die abseits davon zu liegen kommen, sind ganz wurscht in dem Fall) ist nicht umsonst ein „freier“. Ganz von Fragestellung und Thema hängt ab, wie ich räumliche Häufungen von Runen oder ihre Distanz zueinander deute – und inwieweit ich daraus auf mögliche zeitliche Abläufe oder Entwicklungstendenzen im Gesamtbild schließe. Tendenzell ordne ich weiter „unten“ liegende Runen einer „Ausgangslage“ oder „jüngeren Vergangenheit“ zu, während ich Runen weiter „oben“ im Bild (immer aus Wurfrichtung gesehen) als mögliche „Ergebnisse“ oder „Ziele“ lese. Kernpunkte der befragten Angelegenheit finden sich gern mitten im jeweiligen „Gewühl“ aufeinander oder nah beieinander liegender Zeichen; aus der Entfernung links oder rechts davon liegender Runen lese ich – je nachdem, wie prägnant sie mir erscheinen – beeinflussende bis tragende Aspekte. Aber das ist nur eine grobe Lesetendenz, die sich im Zweifelsfall nicht verallgemeinern lässt. Ich verlasse mich da ganz auf meine Intuition – und den Gesprächsaustausch mit der fragenden Person, um deren Angelegenheit es geht. (Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass ich über die jeweiligen Inhalte absolutes Stillschweigen bewahre! Wenn ich je ein besonders anschauliches Beispiel irgendwo und -wann zum Thema mache, um irgendetwas damit zu erklären, dann vollständig anonymisiert. Nichtmal der Fragesatz muss wörtlich zitiert werden, um eine bestimmte Konstellation von Runen und ihre mögliche Deutung bei anderer Gelegenheit zu erörtern. Personen, Zeit oder Umfelder aber zu offenbaren oder auch nur erratbar zu machen für wen auch immer, sind absolute Tabus.)

Da die meisten Menschen, die sich Orakel von mir deuten lassen, eher nicht runenkundig sind, erkläre ich ihnen nach getätigtem Wurf zunächst die lesbaren Zeichen einzeln, um im gemeinsamen Gespräch schritt- bzw. scheibchenweise ;-) den möglichen Zusammenhang und seine Conclusio zu erfassen. In den besten Fällen bin es gar nicht ich, der den letztlichen Rat ausspricht – die beratene Person formuliert ihn (oft unvermittelt bzw. plötzlich) selbst: aus den erkennbar werdenden Zusammenhängen des Gesamtbildes und Gesprächs heraus.

Spirituelle Aspekte

…kommen umstandshalber auch zum Tragen, wenn die fragende Person selbst mit Ásatrú soviel zu tun hat wie ich mit Investmentfonds (oder wie so Zeug heißt). Nehmen wir zum Beispiel das Thema Liebe: Unabhängig von persönlichen Auffassungen oder Sehnsüchten – sowohl meinen als der der fragenden Person – kann ich Runen nur in Kenntnis und Erfahrung der dahinter und durch sie wirkenden Kräfte lesen und deuten. Von Freyja, der Liebesgöttin (nicht nur, aber auch!), weiß ich, dass sie alles tut, um liebende Menschen – einschließlich derer, die „nur scharf“ sind aufeinander (aber dieses „nur“ ist bereits eine moralische Wertung, die der Großen Sau so schnuppe ist wie euch der Federhall meines ollen Gitarrenverstärkers) – unter allen Umständen zusammenzubringen. Das tut bzw. unterstützt bzw. provoziert sie unter Aufbietung sämtlicher verfügbarer Kräfte: Gerade Liebende wachsen ja gern mal über sich und alle ihnen zugedachten Erwartungen hinaus, wenn es gilt, das Ziel der Begierde zu erreichen – und sei es in 180-Grad-Wenden bisheriger Lebensläufe, Gewohnheiten, Moralvorstellungen oder sämtlicher dagegen gerichteten Umstände. (Anders hätte vermutlich die Menschheit, engstirnig und verstockt wie sie wohl seit je war, ihre ersten Generationen nicht wirksam überlebt… ;-) ) Wer hat nicht schonmal die ganze Welt untergehen lassen – oder hätte dies getan – um einer ersehnten Begegnung oder gar Vereinigung willen! Das ist – in meiner Sichtweise – Freyjas Art und Methode. Wozu gehört, dass sie nach „erfolgter Zusammenführung“ die ProbandInnen allein lässt mit ihrem Glück, Pech oder Geschick! Für den „Rest“ sind andere Große zuständig – Freyja kümmert sich sozusagen nur um die „Möglichmachung“ der wie auch immer titulierbaren Liebesbegegnung. Dies gilt selbstverständlich völlig unabhängig von jeweils herrschenden Sitten, Gebräuchen, Gesetzen, Gewohnheiten: Die beeinflussen, wie das alles in der Praxis verläuft und was daraus erfolgen mag. Aber nicht die Sache selbst: ihren Ursprung und dessen Tendenz.

Nur ein Beispiel von vielen, wo mir das Wirken von Göttern, so wie ich es erfuhr, die Ausdeutung auch und gerade von Orakelbildern diktiert: in Kenntnis einer Systematik, die auf persönlichen Zuordnungen beruht, die wiederum ausschließlich persönlicher Erfahrung entsprechen. Und die ich gelernt habe, auch auf Menschen und Situationen zu übertragen, die sich in ganz anderen spirituellen Sphären und Weltbildern bewegen: ab da, wo ich deren Situationen in Runen ausgedrückt sehe. Es ist bestimmt nicht die einzig mögliche Lesart – nur die einzige, die ich für meinen Teil verantworten kann, weil ich von ihr genug verstehe.

Entsprechend unerwartet oder krass mögen Aspekte meiner Deutungen ausfallen: Sie richten sich nach dem, wie ich meine Großen erlebe seit vielen Jahren. Wie sie wirken, auf was sie Wert legen – und was von ihnen erwartbar ist (soweit sich das empirisch schlussfolgern lässt für mich). Wer sich Rat mithilfe von Runen einholt, begibt sich in dieses Wirkungsfeld – und das hat weniger mit lieblichen Allgemeinplätzen auf farblich übersättigten (und eher sterilen) Blümchenbildern zu tun als vielmehr mit den gewaltigen Kräften einer überbordend verschwenderisch agierenden und durch und durch unmoralischen Natur, die stets dynamische Gleichgewichte anstrebt – und es dabei, wenn’s drauf ankommt, auch gehörig krachen lässt… Dass ich ihre Aspekte in Form göttlicher Wesenheiten deute und übersetze, noch dazu germanischer, ist meine Art, damit klarzukommen. Gelänge mir das nicht, hätte ich mir längst etwas anderes gesucht zur Welterklärung. (Dass ich mir mein System weniger gesucht habe als es mir vielmehr „zustieß“, ist eine andere Geschichte… die hier aber keine Rolle spielt. ;-) ).

Im Klartext: Wenn ihr ausschließlich nette Sachen hören wollt, die eure lauesten Sehnsüchte bestätigen – seien die nun realistisch, wenigstens traum- oder visionsgetrieben oder gänzlich neben jeder Kappe –, dann geht zu irgendeinem Beschwichtigungs-Weissagungstantchen oder -onkelchen, das euch genau den Schmarren von den Lippen abliest und so nach- oder vorgackert, wie ihr ihn hören wollt. Ist ja euer Geld! Und euer Leben. Von und mit Leuten wie mir aber gibt’s nur Tacheles: Klartext, der kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern zeigt, was es mit eurer speziellen Situation – die ihr zudem selber aufdröseln müsst, um überhaupt zu einem sinnvoll deutbaren Wurf zu kommen – auf sich hat. Seelische Hilfestellung in einer ganz bestimmten Lebenslage – oder Klarstellung einer solchen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich brauche dafür – neben eurem persönlichen Vertrauen und der jeweiligen Offenheit – nur 24 Zeichen, die des Älteren Futharks. Mir erklären sie – dies ganz unabhängig von Orakeln – die ganze Welt. Seit über 20 Jahren, die mich persönlich glücklicher machten als die über 30 davor. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich gern an anderer Stelle erzähle.

Vom selben Autor kürzlich erschienen: „Runen-Jause – für die kleine Erleuchtung zwischendurch“ – die täglichen Runenportraits aus den ersten zwei Jahren „Orakeldienst Eibensang“ auf Facebook (siehe auch dort), erhältlich als E-Book in den Formaten MOBI/AZW für Kindle sowie als EPUB oder PDF (300 Seiten) für alle anderen Lesegeräte.

Duke Meyer gibt im gesamten deutschsprachigen Raum Workshops unter dem Titel „Eibensangs Magische Runen-Reise“: buchbar überall ab 6 teilnehmenden Personen.

Zusätzlich bietet das „persönliche Online-Seminar“ individuelle Runenkunde-Kurse via Skype.

Neben einem ständig wechselnden Angebot selbstgefertigter Runensets aus diversen Holzarten sind auch persönliche Amulette / Talismane u.ä. bestellbar.

Weitere Bücher und Schriften Duke Meyers hier.

Thorshammer ist ein Hammer

Samstag, 05. Juli 2014

Das ist doch der Hammer! Nachdem ein Thorshammer mit der Runeninschrift „Das ist ein Hammer“ gefunden wurde, ist entgültig klar, dass die als Thorhammer bezeichnenten Amulette tatsächlich Hämmer darstellen. (mehr …)

Runenorakel – Teil I geschrieben von Eibensang

Samstag, 01. März 2014

Von allen denkbaren Orakelformen (Tarot, Kaffeesatz- oder Rauchdeuten, Pferdewiehern, Gummibärchen usw. usf.) ist das Werfen oder Ziehen von Runen nicht die idealste. Ganz einfach deshalb, weil es dem Versuch entspricht, einen Nagel in die Wand zu klopfen mit Hilfe eines Schuhabsatzes. Was nicht unmöglich ist – nur etwas unpraktisch. Was natürlich erst einleuchtet, wenn man/frau Runen eher zur Welterkenntnis und Lebensgestaltung verwendet – und sich damit weißdiegöttin andere Möglichkeiten erschließt, was aber die meisten nicht tun. Im Folgenden daher ein paar Tipps zur Sache, die helfen mögen, ein paar typische Fehler und Irrtümer zu vermeiden, und mit den Ergebnissen von Runenorakeln leichter klarzukommen.

Die Einleitung klingt kryptisch? Für mich sind Runen Ausdruck bzw. Bestandteil einer größeren Sache, die ich Ásatrú nenne – und deren Werte sich von gängigeren Weltauffassungen (zumindest meine Lebensart betreffend) unterscheiden. Zuweilen nur marginal – aber auch das führt unter Umständen zu unerwarteten Ergebnissen. So ähnlich, wie auf einer Tastatur das Drücken ein- und derselben Taste ganz unterschiedliche Folgen haben kann: je nach gerade aktiver Software, die diese Tasten mit ureigenen Funktionen belegt. Und egal, an was du glaubst oder wie du spirituell orientiert bist: Mit den Runen rufst du germanische Gottheiten an – und begibst dich damit in deren „System“. Ob dich das interessiert oder nicht. Da ich von Letzterem ausgehe ;-), sei dieser wichtige Hintergrund hier nur ansatzweise angeleuchtet – ganz ignorieren kann ich ihn bei diesem Thema nicht! Denn nur so lassen sich einige typische Effekte erklären.

In sich geschlossene magische Systeme funktionieren als solche natürlich immer. Simpelstes Beispiel ist das Werfen einer Münze – Kopf oder Zahl – auf eine Entscheidungsfrage. Dazu bedarf es keinerlei spiritueller Bindung – es sei denn, wir betrachten die Bereitschaft, sich nach dem Ergebnis solch launigen oder auch spielerischen Münzwurfs zu richten, bereits als spirituellen Akt. Was in den wenigsten Fällen so intendiert sein dürfte. „Aberglaube“ würde ich das aber auch nicht nennen – solange die genannte Bereitschaft eine freiwillige ist und nichts Zwanghaftes hat. Womit ich nur sagen will: Selbstverständlich lassen sich Runen werfen, ziehen und deuten, ohne dass die betreffende Person dafür im Bunde mit germanischen Gottheiten sein muss. Die werden ggf. auch ungefragt aktiv.

Historischer Hintergrund

Etwa 6.500 historische Runeninschriften sind bis heute bekannt; die allermeisten davon lassen sich dem so genannten „Jüngeren Futhark“ zuordnen: jenem auf 16 Zeichen reduzierten Runensystem, das die Wikinger (als Angehörige einer letzten altgermanischen, also noch als vorwiegend heidnisch titulierbaren Kultur) zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert über die damals bekannte Welt verbreiteten; die meisten dieser Inschriften finden sich auf Gedenksteinen. Dort wurden im Wesentlichen einzelne Ereignisse festgehalten – Schiffsunglücke oder Jagdglück und dergleichen, in aller Regel ohne Hinweise auf weitere Zusammenhänge, was eine wertende Einordnung erschwert.

Das älteste Runensystem, das aus 24 Zeichen besteht und das auch ich verwende, das so genannte Ältere Futhark, ist historisch ab dem 2. bis 3. Jh. nachweisbar und kam bereits Ende des 7. Jh. außer Mode. Etwa 350 Funde sind bis heute vorhanden, davon zeigt nur eine Handvoll das komplette System (dies in zwei unterschiedlichen Versionen). Die so genannten gemein-germanischen Namen der Runen wurden – samt ihrer wahrscheinlichen Grundbedeutungen – aus späteren (letztlich bereits mittelalterlichen) Gesängen bzw. deren Aufzeichnungen so weit als wissenschaftlich möglich recherchiert. Runen sind germanische Ritzglyphen, also Ritzzeichen mit möglicher Mehrfachbedeutung und Symbolik. Außer Älterem und Jüngerem Futhark entstanden (in der Spätzeit: vor 1000 n.Chr.) noch weitere historische Systeme wie das Angelsächsische Futhark aus ca. 33 Zeichen, das Friesische und andere. Die Bezeichnung Futhark beruht – nur hier analog zum ABC – auf den ersten Zeichen des Systems: Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz. (Die Betonung germanischer Begriffe liegt übrigens immer auf der Stammsilbe, dem Anlaut!)

Germanische Kulturen dürfen dennoch als schriftlos gelten; das Ritzen von Runen war Eingeweihten, so genannten Erilar (Runenkundigen) vorbehalten. Magische Absichten sind – besonders in der Frühzeit des Älteren Futhark – historisch wahrscheinlich, wenn auch nicht beweisbar. Runen sind nicht verwandt mit dem keltischen Ogham (einem Ritzzeichensystem, das die Druiden, Angehörige der bei keltischen Stämmen üblichen Priesterkaste, verwendeten: für die es in germanischen Kulturen keine Entsprechung gab – dies nur am Rande erwähnt). Die Herkunft bzw. Ableitung der ersten Runen aus ertruskischen, italischen sowie auch phönizischen Alphabeten ist sehr wahrscheinlich, auch wenn sich nicht genau sagen lässt, wie die geheimnisvolle Kunde des Schreibenkönnens nach Skandinavien gelangte, wo das Runenritzen vor rund oder knapp 2000 Jahren zuerst praktiziert wurde. Die anfangs ausschließliche Verwendung von geraden und schrägen (nicht aber waagrechten) Strichen mag als Hinweis herhalten, dass Runen zunächst in Holz geritzt wurden (gegen die Maserung, um die Zeichen davon abzuheben), was wiederum die – ledigliche (wissenschaftlich nicht belegbare) – Vermutung zulässt, dass das Ältere Futhark ein oder zwei Jahrhunderte früher entstanden sein mag, als die ältesten Funde nachweisen können: Holz und vergleichbare Materialien verrotten eben mit der Zeit.

Für divinatorischen Gebrauch von Runen in historischer Zeit gibt es keinerlei Hinweise, geschweige denn Belege. Andere germanische Orakelformen – wie das Deuten von Pferdewiehern oder das Verbluten von Opfern über Steinen – sind überliefert; doch selbst der Römer Tacitus (der selbst nie in germanischem Gebiet war) erwähnt in seiner „Germania“ nur das Ziehen und Werfen von Holzstäbchen, die einem „fruchttragenden Baum“ entstammten – kein Wort darüber, ob in diese Stäbe irgendwelche Zeichen eingeritzt waren oder gar defintiv Runen. Demnach dürfen wir das Runenorakel als einen neuzeitlichen Brauch betrachten.

Teil I

Die Eibe singt die Runen …

Samstag, 16. November 2013

Duke Meyer, DER Eibensang, hat außer Musik – die er mit den Singvøgel schon vielfach nach Österreich gebracht hat – auch Runen im Gepäck.

Nie wieder wollte ich irgendwelche Veranstaltungen organisieren, aber weil mich Runen immer schon interessiert aber nie wirklich erreicht haben – und ich natürlich auch mal wieder mit dem Herrn Eibensang fachsimpeln wollte – fing ich bei Dukes „organisiere Dir ein Runenseminar“ Idee tatsächlich an, darüber nachzudenken. Da ich relativ einfach Zugang zu einem passenden Raum habe (und sich meine Organisiererei damit auch schon erledigt hatte) kamen wir in kleiner und bunt zusammengewürfelter Runde in den Genuss, diese RunenReise antreten zu können.

Eibensang in der Theorie

Ein bisschen Theorie zu Beginn

… damit wir wussten, womit wir es genau zu bekommen würden. Das ältere Futhark, wie es in Benamsung und Reihenfolge historisch belegt ist.
Kurz kam auch zur Sprache, dass Runen gerade durch die Nationalsozialisten in ein schräges Licht gerückt wurden und welche „Irrtümer“ sich deshalb bis heute erhalten haben. Mein persönliches Lieblingsthema ist ja in dieser Hinsicht das vielzitierte Runenyoga – eine Erfindung von Guido von Liszt. Dieses Beispiel belegt für mich immer wieder sehr deutlich, wie „Geschichte“ gemacht werden kann. Viele Leute, die diese Übungen heute praktizieren haben keinen blassen Schimmer, dass sich jemand (noch dazu jemand mit eher zweifelhaften Motiven unter definitiv zweifelhaftem Zeitgeist) ebendiese aus den Fingern gesogen hatte. Ganz davon zu schweigen, dass für jemandem mit magischem Weltbild verständlich sein sollte, dass sich Zeit, Gesinnung und Hintergrund des Erschaffers immer auch in dessen Werk manifestieren (umso mehr es sich um Einstellungen handelte, die ganz sicher nicht vermuten lassen, dass der Erschaffer sich und seine Sichtweisen wissentlich und willentlich heraushalten wollte). Aber nun genug der Theorie und ab in die Praxis …

Eibensang bei der Arbeit

Runen – erarbeitet

Ich persönlich war, ob der sehr gemischten Gruppe, sehr gespannt wie es Duke gelingen würde, ein für jeden griffiges Konzept auf die Beine zu stellen.

Freyrs Ætt, die Acht der Schöpfung, fand jeder für sich durch Bewegung, Getöns – also schlichtweg Tun! Als Teamwork konnten wir dabei die Kenaz erfahren und viel Spaß hatten wir mit der Wunjo … jede einzelne Rune erlebten wir durch einen Chant, der uns quasi die Energie ganz unmittelbar erfahren ließ. Dazu gab es dann auch noch einige passende Körpererfahrungen. Alles in allem eher erdig und bodenständig.
Hels Ætt, die Acht der Erkenntnis, machte uns Eibensang in einer geführten Trancereise zugänglich. Naturgemäß ist das etwas schwieriger zu beschreiben, weil jeder seinen eigenen Weg nahm und seine eigene Landschaft als Bühne benutzte. Durch die gekonnte Anleitung war es auch den Neulingen möglich ihre Erfahrungen zu machen, wobei aber auch die Meditationserfahreneren keineswegs zu kurz kamen.
Die dritte Reihe, Tyrs Ætt, die Acht des Tuns und Lassens, dreht sich um grundlegende Aspekte des Menschseins und somit war die Idee, genau diese Runen quasi in „Gruppenarbeit“ schauspielerisch umzusetzen, mehr als gelungen. Wir konnten die unterschiedlichen Aspekte eines Runenpaares zuerst in unserer Gruppe diskutieren, um sie dann möglichst umfassend, punktgenau, treffend, und, und, und umzusetzen. Wieder ein großer Spaß für alle und der war sogar für Runenkundige mit der einen oder anderen neuen Erkenntnis gewürzt!!

Runen in der Mache

Die ganze Zeit spielte auch eines seiner handgemachten Runensets eine wichtige Rolle, beim Austüfteln der Arbeitpaarungen, der Gruppen und überhaupt ganz generell um mal ein wenig „Fühlung“ aufnehmen zu können. Wer wollte konnte sich in bereitgestellten Heften Notizen machen und Wolf (einer der Teilnehmer) filmte ein wenig mit, damit ich auch Fotos in diesen Artikel einbauen konnte.

Als Zusammenfassung kann ich einen Teilnehmer zitieren:
„Ich kann mir schon vorstellen, jetzt mit den Runen was anzufangen! Mit Tarot konnte ich ja nie, weil mir Bilder nix sagen aber jetzt habe ich so einen körperlichen Zugang, hab´ was erlebt und das sagt mir viel mehr.“
Selber sag´ ich:
Seit ich mich in der Heidenszene rumtreibe, also seit mittlerweile 32 Jahren, habe ich mich durch etliche Runenbücher gelesen, habe so einige Vorträge darüber besucht, einige Workshops und nie hat es „gegriffen“. Ich bin halt der „Tarottyp“ – aber jetzt kann ich obiges Zitat für mich ein bisschen abändern. Ich kriege jetzt Bilder bei den Runen und zwar diejenigen, die wir beim Workshop mit Eibensang gemeinsam gemalt haben!
Vielen Dank, Herr Eibensang …

Going native Seidr – ursprünglicher seiðmaðr werden Teil II geschrieben von Runic John

Samstag, 17. Dezember 2011

Wyrd beschrieben

Bevor ich fortfahre, will ich mich vorstellen, mein Name ist John; heut´ zu Tage bin ich bei den meisten Leuten als Runic John bekannt. Ich lebe im Rossendale Tal, tief in den Hügeln von Nordengland. Als ich rund zwölf Jahre alt war, hatte ich einige Wyrd-Erlebnisse, durch die meine Ahnen mich riefen, dem Pfad meiner Vorfahren zu folgen. Sie sagten mir, in ihren eigenen Worten: „In you is the knowledge of your forefathers, which you came to make live twice.” In diesen jungen Jahren hatte ich keine Ahnung, was das heißen sollte und in meiner kindlichen Unschuld hatte ich keine Idee davon, wie sehr dieser Ruf und diese Worte Einfluss auf mein Leben nehmen würden. Denn in diesen Worten war mein Orlog (die erste Schicht, die Lebensweg und Bestimmung angibt) geschrieben und die Kräfte des Wyrd (Schicksal) haben mich seitdem dieser Bestimmung folgend geleitet.

Über die Jahre befinde ich mich auf einem spirituellen, magischen und schamanischen Weg, der seine Wurzeln in die Zeiten der frühesten, primitive Siedler Nordeuropas zurück verfolgt, zurück bis zur Besiedlung Englands durch die Angeln, Saxen und Juten und die spätere Invasion der Nordmänner und Skandinavischen Völker. Gemeinschaftlich sind diese Menschen heute als die “Germanen” bekannt und schließen Leute aus Deutschland, Island, Dänemark, Skandinavien und natürlich aus England mit ein. Ich persönlich kenne sie sowohl als die Ahnen, die mich als Kind gerufen haben als auch als die Nördlichen Stämme. Denn, bevor das Christentum kam, hatten die Nördlichen Stämme, gemeinsam mit ursprünglichen Stammesgesellschaften auf der ganzen Welt, eine ununterbrochene spirtuelle, magische und schamanische Tradition, die bis zu den frühesten Siedlern in Europa zurück zu verfolgen ist. Vielleicht sogar zurück bis zu den ersten menschlichen Wesen, die in unserer Tradition aus zwei Bäumen geschnitzt waren und Askr und Embla genannt warden; Esche und Ulme. Heute ist dieser spirituelle Pfad bekannt als “Nördliche Tradition” oder in England spezifischer als “Heidentum”-

Heidentum ist ein alter Weg, es ist ein Weg der Leute, die auf der Heide wohnten, auf den Mooren. Das ist der ursprüngliche heidnische Weg Nordeuropas, obwohl wir heute eher bevorzugt unsere eigenen ursprünglichen Worte für “Heiden” (Heathen) verwenden, um zu beschreiben wer und was wir sind, im  Unterschied zu “Heiden” (Pagans) die sich aus dem Lateinischen herleiten. Heidentum ist ein alter Weg. Es ist der Weg der Menschen, die hier auf diesem Land lebten und es ist der Weg der “wights” (Geister des Landes) und der Wesen, die auf und im Land umherstreifen.  Es ist ein Weg mit vielen Teilen und jede Person nähert sich ihm auf ihre eigene individuelle Art. Es gibt keine gottgegebenen Gesetze oder Regeln, keine heiligen Bücher die vorschreiben, dass Dinge auf die eine oder andere Weise zu erledigen wären und es gibt keine Priester, die Dir dabei helfen, Deine Sünden zu bereuen. De facto gibt es nicht einmal so etwas wie Sünden! Heidentum ist ein Pfad des Tuns und des Seins. Es ist ein persönlicher Weg der Beziehung zu Göttern und Göttinnen und den Geistern des Nordens, ganz allein Dein eigener Weg auf Deine eigene Art und Weise.

Aus magischer und schamanischer Sicht, gibt es zwei Hauptpraktiken im Heidentum. Die erste ist Galdr (ausgesprochen Galdor) durch das wir in vielen unterschiedlichen Arten mit den verborgenen Kräften arbeiten, die der Realität zu Grunde liegen und durch die Runen, magische Symbole weitergereicht von unseren Ahnen durch die Nebel der Zeit, verkörpert werden. Durch Runenlieder und Chants, Hochsitz und Anrufungen, durch Schnitzen und Senden von Runen lernen wir, die Struktur der Realität selbst zu verändern und umzukehren, sie nach unserem Willen zu biegen und nach unserer Absicht zu formen. Galdr ist wirklich machtvolle Magie. Magie, die obwohl sie für sich allein zu stehen im Stand ist erst durch die Praxis des Seidr (ausgesprochen “Seth”), dem schamanischen Weg des Heidentums, rund gemacht wird.

Der Weg des Seidr

Als ich erstmalig zum schamanischen Pfad kam, da war das nichts, worüber ich groß nachgedacht hatte, es gab keine großen persönlichen Entscheidungen, die ich bewusst getroffen hätte ein Seidrmann zu sein. Tatsächlich wusste ich nicht einmal, dass dieser Begriff existierte, nicht einmal dran zu denken, dass ich fünfzehn Jahre später genau das werden sollte. Wenn ich zurück blicke, dann sieht es so aus, als ob das alles für mich entschieden worden wäre. Mehr noch, nachdem ich einmal auf diesen Weg gerufen worden war, führte mich jede Sache die geschah immer tiefer ins Wissen und in ein Verständnis meiner eigenen Tradition. Es war als ob dieser Ruf meiner Ahnen eine Art Katalysator für Veränderungen in meinem Leben geworden ist, der eine deutliche Anzahl an Ereignissen innerhalb meines Wyrd angstoßen hat, die mich dahin geführt haben, wo ich heute bin, fast 30 Jahre später.

Zu dieser lang vergangenen Zeit gab es kein Internet, mit dem man recherchieren oder Wissen und Erfahrungen teilen konnte. Rund um dieses Thema gab es sehr wenige Bücher und im Norden von England gab es in den späten Siebzigern definitiv keine anderen Leute, die so verrücktes Zeug machten (und sofern sie das taten, dann hätten sie sicherlich nichts davon in die Öffentlichkeit posaunt!). Sogar, wenn ich mich selbst dabei ertappte, abzuschweifen und mit anderen Traditionen zu arbeiten oder sie zu studieren, dann bemerkte ich immer, dass das eine Kreisbewegung war, die mich wieder einmal auf meinen eigenen Weg zurückgebracht hatte.

Obwohl es weitreichende geschriebene Belege gibt, die Seidr entweder namentlich erwähnen oder sich auf Seidr in irgendeiner Form, wie Volkskunde, Volkspraxis, Märchen, Mythologie etc beziehen, ist viel des Wissens darüber, wie Seidr tatsächlich praktiziert worden ist, in den Tiefen der Zeit verloren gegangen. Deshalb ist der Weg des Seidrmannes alles zusammengefasst absolut kein einfacher. Der Notwendigkeit folgend war es ein Unternehmen, das an die Quellen zurückführte, des Lernens sowohl von der äußeren Welt der Menschen als auch von den übergebliebenen Geschichten und Märchen die Seidr erwähnen. Dann wurde dieses äußere Wissen durch Reisen in die Anderswelt und direktes Lernen von den Göttern, den Wesen des Landes und den Ahnen selbst erweitert. Viele Jahre verwendete ich, um einen anderen Begriff zu verwenden, „nördlicher Schamanismus“ um das zu beschreiben, was ich tat. Es war erst da, während ich in der Geistwelt war, als Woden (Gott der Weisheit, der Runen etc) mir sagte, dass ich Seidr praktizierte und ich ein Seidrmann wäre, wo ich selbst den Begriff erstmals hörte. Heute sind die Dinge völlig anders und ich persönlich fühle, dass sich das Rad ein weiteres Mal gedreht hat. Die alten Wege des Nordens fangen zweifellos an zurück zu kommen oder, um es genauer zu formulieren, dass die Menschen anfangen sich zu „erinnern“.

copyright Runic John