Mit ‘Schamanismus’ getaggte Artikel

Werner Gertz: Schamanische Reisen in andere Welten

Samstag, 08. Oktober 2016

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Schamanische Reisen in andere Welten –
Unterwegs in der Nicht-Alltäglichen Wirklichkeit
Dezember 2015 / tao.de – Kamphausen Verlag / ISBN: 978-3958028388 / 14,99 € / 206 Seiten

Verlagsinfo: Die Ausprägungen und Methoden des schamanischen Arbeitens sind vielfältig und es gibt viele Missverständnisse. Neben einer Einführung in eine aktive moderne schamanische Praxis, enthält das Buch rund 50 thematisch beispielhafte Fallstudien, anhand derer die Verläufe und Wirkungen der Arbeit modellhaft aufgezeigt werden. Es stellt eine Verbindung her zwischen dem Weltbild des Schamanen und einer modernen Naturwissenschaft. Der Zugang zu geistigen Dimensionen wird für all diejenigen erleichtert, die sie sonst höchstens philosophisch, aber nicht im alltäglichen Leben vermuten.
Aufbauend auf dem traditionellen Schamanismus, der meist als eine eher exotische Form spirituellen Wirkens gesehen wird, gibt es heute eine aktive moderne schamanische Praxis, in der das traditionelle tiefere Wissen und Vermögen immer wieder neu entdeckt, erforscht und moderneren Gestaltungsformen zugeführt wird. Er gerät zunehmend ins Blickfeld einer an spirituellen Themen interessierten Öffentlichkeit, insbesondere auch als eine alternative Heilkunst.
Eine der wirkungsvollsten Methoden, die geistige Welt um Informationen und Heilung zu bitten, ist die „Schamanische Reise“. Im Buch wird sie in ihren einzelnen Aspekten beschrieben. „Neulinge“ im Bereich Schamanismus erhalten so eine praktisch orientierte Einführung in dessen Philosophie, Methoden und Verfahren. Leser mit schamanischer Erfahrung können das Buch nutzen, um ihr Wissen aufzufrischen, etwa durch die beschriebenen Methoden zu den Fallstudien.

Über den Autor

Ursprünglich studierte Werner Gertz Elektrische Nachrichtentechnik und arbeitete als Management-Berater über viele Jahre hinweg in verschiedenen Unternehmen. Als er vor einigen Jahren mit seiner Frau nach Namibia zog, lernte er eine deutsche Schamanin kennen und kam durch sie in Kontakt mit dem Schamanismus. Er und seine Frau wurden schamanisch ausgebildet und führen heute Behandlungen in Deutschland, der Schweiz und Namibia durch.

Über das Buch

Wenn ein Mensch erkrankt, muss das nicht immer an irgendeinem körperlichen Gebrechen liegen. Es kann auch mit der Psyche zusammenhängen mit irgendeinem Geschehen in der Vergangenheit. Schamanen gehen in ihrer Suche nach den Ursachen noch weiter: Sie suchen eventuell nach abgespaltenen Seelenteilchen, hören dabei auf den Rat ihrer Führer, die ihnen meistens in tierischer Form erscheinen.
Wie das funktioniert, hat Werner Gertz mit 50 Fallbeispielen verdeutlicht. In seinem Buch finden sich verschiedene Krankheitsbilder. Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht haben oder in ihrem Leben immer wieder Situationen erleben, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt. Werner Gertz und andere Schamanen, mit denen er Heilungen durchführt, haben ihre Erfahrungen für dieses Buch niedergeschrieben.

Teil zwei des Buches sind Fallstudien. Hier geht es nicht nur um Probleme, die von den Klienten an Werner Gertz und sein Team herangetragen wurden. So ist gleich das erste Beispiel eine Reise zu den Hausgeistern, die das Grundstück von Feema betreuen. Oder es sind Reisen zu Gefühlen, wie zum Beispiel der Gier oder der Liebe. Eindrucksvoll schildert Werner Gertz, wie bei verschiedenen Klienten durch eine Konfliktlösung in einem früheren Leben ein Problem in der Gegenwart behoben werden konnte. Auch Fremdenergien, wie Verwünschungen, Flüche oder Dämonen konnten mithilfe der Krafttiere beseitigt werden.

Anfangs geht es um die Ursprünge des Schamanismus, um Michael Harner und seine Foundation for Shamanic Studies, die er im Jahr 1979 gründete. Es geht um die schamanische Weltsicht, um Leben, Tod und Wiedergeburt. Und es geht natürlich um schamanische Reisen, um die drei Welten (obere, untere und mittlere Welt) und den Kontakt zu den Krafttieren.
„Ein Schamane wird auf der Reise von Krafttieren begleitet, die ihn beschützen und auch leiten. Man spricht von ihnen auch als Schutzgeister, die – ähnlich wie Schutzengel – bestimmte Funktionen haben. Sie beraten den Schamanen und sind auch dessen Führer. Sie haben eine zentrale Bedeutung für die schamanische Reise“. (S. 42/43)
Wie eine schamanische Reise durchgeführt wird, welche Fragen der Klient stellt, die Besprechung im Vorfeld, die Reise selbst und die Nachbesprechung finden sich auch im ersten Abschnitt. Und Werner Gertz warnt vor dem „Do-it-yourself-Schamanismus“, also den Büchern mit beigefügter Audio-CD, die den Schamanen-Anfänger in Kürze zum Meister machen sollen. Er betont aber, dass Schamanismus erlernbar ist, jedoch bedarf es dazu der Anleitung von erfahrenen schamanisch Tätigen, zum Beispiel in einem Seminar.

Fazit

Dieses Buch zu lesen, macht einfach Spaß. Es macht Spaß, weil Werner Gertz den Schamanismus mit seinen vielen vielen Beispielen verständlich rüber bringt, zeigt, was alles mithilfe der Krafttiere möglich ist.
Trotzdem stellen sich bei der Rezensentin im Nachhinein einige Fragen: Viele seiner Fallstudien beruhen auf Erlebnissen in der Vergangenheit. Dinge, die seinen Klienten nicht nur in diesem Leben, sondern auch in früheren Reinkarnationen passiert sind und direkten Einfluss auf aktuelle Ereignisse haben. Und es macht mitunter den Eindruck, als würden die Ursprünge physischer und psychischer Probleme ausschließlich in früheren Leben zu suchen sein. Ist das so?
Eine weitere Frage ist die in Bezug auf Dämonen. Laut dem Autor bleibt ein Dämon so lange bei an einem Menschen haften, „solange der Mensch sich selbst negativen, angstvollen oder hasserfüllten Gedanken hingibt. Es besteht immer eine Resonanz zwischen der dunklen Energie und dem Menschen, der sie in sich trägt. Eliminiert der Mensch seine destruktiven Energien, findet das dunkle Wesen keinen Halt mehr und verlässt seinen ‚Wirt‘“. (S.104)
Wenn eine dunkle Wesenheit allein durch eine Veränderung der Gedanken und in Folge des Charakters in die Flucht geschlagen werden kann, warum nehmen dann die Exorzismen in der katholischen Kirche zu? Warum wird dies nicht schon längst bei Betroffenen geraten, die eindeutig von einer Fremdenergie besessen sind?
Letztendlich ist jedoch schwer, Erfahrungen auf den Prüfstand zu stellen, die Werner Gertz und sein Team erlebt haben und für die „Schamanischen Reisen“ niedergeschrieben haben. Allein die Tatsache, dass sie und ihre Krafttiere so vielen Klienten geholfen haben, sollte Beweis genug sein, dass der Autor nicht irgendein Scharlatan ist, sondern hier wirklich fundiertes Wissen und Praxis dahinter steckt.
Dieses Buch ist nicht nur spannend und unterhaltsam geschrieben, sondern auch eine echte Inspiration für jeden, der sich für Schamanismus interessiert oder sein Wissen vertiefen möchte.

 

Die Weiße Eule – Teil II

Samstag, 23. Mai 2015

Plötzlich reichte die Weiße Eule beide Hände um mir aufzuhelfen. Ich stand mitten im Raum. Sie erhob beide Hände, hielt sie an mein Gesicht und berührte mit ihrer Stirn die meine, so wie man durch ein spiegelndes Fenster sieht und das Gesichtsfeld mit beiden Händen rundherum abdunkelnd um durch die Oberfläche sehen zu können.


Eule auf einem ägyptischen Obelisk, Wikimedia Commons

Ich fühlte mich sehr geborgen und der Raum und die Leute verblassten um uns herum. Der gläserne Vorhang den ich sonst zwischen mir und anderen empfinde, war nicht mehr da. In dieser Wortlosigkeit empfand ich plötzlich mehr Verbindung, als Worte je hätten zu Stande bringen können. Es war auch nicht nur die Berührung, es war der aufrichtige Wille mich zu sehen, das konnte ich spüren und ich freut mich. Neugierig, unvoreingenommen, beinahe liebevoll, wie eine Umarmung, obwohl sich nur unsere Stirnen berührten. Wir standen eine Weile so da bis wir uns voneinander lösten. Die Weiße Eule verneigte sich mehrmals von mir, sie dankte mir. Ich verstand sofort, sie bedankte sich für das Gesehene. Ich hielt immer noch den Stein in der Hand und war kurz unschlüssig was damit zu tun war, dann entschied ich ihn einfach erstmal sicher bei mir zu verwahren.

Weisse Eule Stein

Das Ritual dauerte noch eine Weile. Ich trommelte wieder unermüdlich bis zum Schluss. Nach dem Ritual hatte jeder die Möglichkeit zu einem Nachgespräch. Ich hatte nicht das Gefühl, das zu brauchen, viel eher brauchte ich dringend was zu essen und ein Bier. Nach einer Weile beschlich mich dennoch das Gefühl, dass ich vielleicht hochgehen sollte zu dem Raum, wo die Nachgespräche stattfanden. Ich wartete bis ich dran war und war entschlossen einfach nur kurz „Danke“ zu sagen und wieder zu gehen. Ich trat ein und stammelte irgendwas, dass ich gar nicht so genau wisse, was ich sagen soll, doch Adrian sagte sofort „Ich hab Dir viel zu erzählen.“. Erleichtert setzte ich mich auf den Stuhl im gegenüber und hörte zu. Was nun folgte, war eine detaillierte Beschreibung jener Welt, wie ich sie kenne, wenn ich mit Seth in die Duat hinabsteige. Das wäre nicht weiter spektakulär, wenn ich jemals irgendjemand von der Duat und wie ich sie sehe erzählte hätte, doch das hatte ich nicht. Niemand, außer dem Schamanen mit dem ich gelegentlich ritualisierte. Adrian beschrieb alles so detailgetreu, dass ich sicher sein konnte, er hat Seth gesehen, er hat mir wohl bekannte Duat-Wesen gesehen, er hat jene Welt gesehen, die mir so vertraut ist und die sich für mich so sehr nach „zu Hause“ und „Familie“ anfühlt. Er war mit mir dort gewesen. Die Duat ist ein Ort den ohne Begleitung zu betreten höchst unsicher ist. Selbst ich kann mich nur in bestimmte Bereiche vorwagen und auch nur, wenn Seth bei mir ist oder bestimmte Gottheiten mich explizit an bestimmte Orte rufen. Ich war tief beeindruckt, dass Adrian mir dorthin folgen hatte dürfen.

Ein Satz, den er sagte, blieb mir besonders in Erinnerung: „Es ist nicht nur dein Wissen über all das, Du BIST das.“ Ich war unfähig angemessene Worte zu finden. Ich freut mich einfach nur über das gesehen sein, ich war dankbar, dass sich jemand so tief auf mich hatte einlassen können und fühlte mich einfach angenommen und auf eine wortlose Weise verstanden. Für all diese Empfindungen fand ich da aber keine Worte, also dankte ich ihm und wiederholte ein paar mal wie sehr ich mich freute. Da war jemand der mich gesehen hatte, ich meine wirklich MICH gesehen hatte, und das war gerade das Wichtigste. Das war die langersehnte Antwort auf eine Frage, von der ich nicht gewusst hätte, wie ich sie jemals hätte stellen können.

Ganz zu Beginn hatte Adrian gesagt, er könne mit diesem Ritual nur einen Impuls setzen, etwas lostreten und weitermachen müssten wir alle selbst. Das Ritual liegt nun einige Tage zurück und dieses Gefühl von „weitermachen“ lässt mich nicht mehr los. Ja, ich will weitermachen, völlig egal, wie und was. Rituale erreichen Menschen auf eine Weise, wie es unzählige Worte, Dresscodes, Meinungen, soziale Allianzen usw. nicht vermögen und schaffen tiefe Verbindungen, die einfach passieren ohne dass man sie „macht“. Es geht vielleicht gar nicht so sehr darum, dass jemand den Mittelpunkt bildet und etwas verkörpert. Es ist auch egal in welcher Tradition man sich bewegt und welchen Geistern man sich verbunden fühlt und welche Götter man verehrt. Ritual, das sind alle die ganz einfach da sind und dafür sorgen, dass der Puls nicht aufhört. Es sind die die den Kreis bilden, wenn jemand in der Mitte steht und es sind die hinterher eine gemeinsame Erfahrung mit nach Hause nehmen. Und das ist viel. Und ich hoffe, dass es weitergeht. Irgendwie.

hand in hand

Die Weiße Eule – Teil I

Samstag, 16. Mai 2015

Bild: Wikimedia Commons

Für mich war es die erste „Weisse Eule“. Ein schamanisches Ritual, tuvinisch inpiriert, seit vielen Jahren wiederholt abgehalten von Adrian Oswald und organisiert von Zaunkönig Schamanismus, einem guten Freund, der selbst Schamane ist, mit dem ich regelmäßig rituell arbeite. Durch ihn kam ich überhaupt auf die Idee an diesem Ritual teilzunehmen, schließlich bin ich ja Kemetin und nicht wirklich Schamanin. Ich hatte durch ihn aber viel von Adrian gehört, vor allem dass er einer der sehr wenigen Schamanen ist, die ihr Handwerk zu verstehen scheinen und sowohl Wissen, als auch Können und Erfahrung miteinander vereinen. Das interessierte mich. Zwar hatte ich schon mehrfach an spirituellen Seminaren und Workshops, kleineren paganen Festen oder naturheilkundlichen Lehrgängen teilgenommen , aber ein Ritual in dieser Größenordnung war mir vollkommen neu. Rituale jedoch, waren mir keineswegs neu, denn meine kemetische Praxis besteht letztlich in erster Linie aus täglichem Kult und regelmäßigen Ritualen, allerdings meist allein.

Ich wusste dennoch nicht, was mich erwartet. Besorgt war ich vor allem über die vielen Menschen die mir begegnen würden, was für mich oft sehr anstrengend und stressig ist. Also nahm ich mir vor das zu tun, was ich immer tue, wenn ich an social events teilnehmen muss. Ich beschloss mich erstmal hinter meinem „gläserenen Vorhang“ aufzuhalten und die Leute zu beobachten und mir so oft wie nötig eine Auszeit zu nehmen, wenn ich mich überfordert fühlte. Der idyllische Drachenhof nahe der deutsch-tschechischen Grenze, der Ort des Geschehens, bot auch dankenswerterweise viel Möglichkeit dazu, so konnte ich mich zeitweise irgendwo im großen Haus oder im versteckteren Teil des Gartens zurückziehen. Auch war geplant, dass ich jemanden osteopathisch behandele, so dass ich mir erstmal nicht völlig fehl am Platze vorkam.

Der Drachenhof in Neualbenreuth (ein Klick auf das Bild führt zur Website) Der Drachenhof in Neualbenreuth
(ein Klick auf das Bild führt zur Website)

Der erste Teil des Rituals bestand aus einer Geschichte. Nämlich die der Weißen Eule und wie alles überhaupt entstanden ist. Da saß ich also mit vielen Leuten, die ich gar nicht oder nur flüchtig kannte in einem großen holzvertäfelten Raum, in der Mitte ein Altar auf dem ich netterweise auch meinen Reiseschrein mit dem Bild der Göttin Ma’at hatte aufstellen dürfen und sah vor mir einen etwas zurückhaltenden, freundlichen Mann mit Brille, sportlicher Hose und einem leuchtgrünen T-Shirt sitzen. Die Art wie er erzählte war witzig, herzlich und angenehm unaufdringlich. Gar nicht wie ein Vortrag, eher so als würde hätte man sich gerade irgendwo zufällig auf einer Parkbank getroffen und sei ins Gespräch gekommen.

Seth by Sati Seth by Sati

Während Adrian erzählte, hielt ich nach Seth Ausschau. Er wich nie von meiner Seite und natürlich war er auch jetzt dabei. Er stand mitten im Raum beim Altar und sein Blick ruhte fest auf mir. Ich trug wie er es verlangt hatte seine Insignien, eine Kette mit roten Perlen und einem Ankh, die ihm geweiht war. Außerdem hatte ich auch meine Ma’at-Kette um, doch sie war wie immer sehr transzendent. Ich spürte ihre Präsenz, spürte das typische subtile in-ihr-aufgelöst-sein, dass ich so gut von Ma’at kannte. Mir war nicht ganz wohl dabei, dass Seth mitten im Raum stand, ich hatte Sorge, dass das den Ritualablauf stören könnte und bat Seth inständig um sein Wohlwollen. Er schien zwar skeptisch und leicht belustigt, aber es schien ihm auch daran gelegen mir die Sorgen zu nehmen. Ich hatte mir einen Platz in der Ecke des Raumes gesucht, neben mir die Balkontür. Da dieser Platz vor der Balkontür frei blieb, postierte er sich dort leicht hinter mir und legte seine Hand auf meine Schulter. Es tat trotz allem gut, ihn an der Seite zu haben und ich hatte das Gefühl, es besänftigte ihm, dass ich ihn doch so sehr brauchte.

Nach einer Pause mit einem gemeinsamen Essen, das aus mitgebrachten Speisen und Getränken aller Teilnehmer bestand, begann der Hauptteil der Zeremonie. Das Angenehme an Ritualen ist, sie haben, wenn sie gut gemacht sind, eine erkennbare Struktur und innerhalb dieser Struktur gibt es verschiedene Aufgaben, die sich aus der Ritualdynamik ergeben und wo man anknüpfen kann. Mein fester Vorsatz war mittrommeln und möglichst unauffällig bleiben. Es ist ziemlich erstaunlich mit was für einfachen Ausdrucksmitteln man an etwas intensiv teilnehmen kann ohne ein einziges Wort sagen zu müssen. Ich hatte meine Trommel noch nie in einer Gruppe benutzt, eigentlich hatte ich sie vorher noch nie benutzt, nicht mal allein denn die ägyptischen Kultrituale bedienen sich oft anderer Handlungen zum überschreiten der Schwelle ins Andersweltliche. Mit dem Trommelschlegel auf das Fell zu schlagen, war also fürs erste mein Beitrag und ich merkte schnell, wie wichtig das war. Es war der Herzschlag, der das Ritual trug. Manchmal wurden meine Arme müde, manchmal zerfloß der Rhythmus in einen undefinierbaren Klangteppich, manchmal war es ein kraftvoller gemeinsamer Puls der die Gruppe zu einem einzigen pulsierenden Organismus verschmolz. Die Hauptsache war, er hörte niemals auf.

trommel

Im Zuge der Zeremonie legte Adrian immer mehr rituelle Gewandstücke an und so wich jener freundliche Erzähler immer mehr der Weißen Eule. Diese ging im Kreis der Teilnehmer umher, berührte sie, sah sie an, holte sie auch mal in die Mitte und führte verschiedene rituelle Gesten durch, die auf mich sehr heilerisch und manchmal fast initiatorisch wirkten. Ich zog mir meine geistige Tarnkappe über, schloß die Augen und versteckte mich hinter meiner Trommel. Manchmal wenn bestimmte Personen in die Mitte geholt wurden, hatte ich das Gefühl, dass der Trommelpuls besonders wichtig war. Auch schienen bestimmte Frequenzen und Töne eine Rolle zu spielen, denn ich hatte oft das Gefühl, die Trommel in bestimmten Bereichen anschlagen zu müssen. Mal waren es mehr Obertöne aus den Randbereichen und mal waren es die echolosen, dumpfen tiefen Bässe aus der Mitte.

Irgendwann nahm ich durch die geschlossenen Augen war, dass ich nicht mehr ganz allein war in meiner Ecke. „Weitertrommeln!“ dachte ich, als mich eine Hand an der Stirn berührte. Die Weiße Eule saß mir gegenüber. Ich spürte Wohlwollen, Interesse, vielleicht ein wenig Neugier. Eine von den Frauen mit einer Trommel fing an zu singen. Ich war ihr dankbar. Ihre Stimme beruhigte mich und gab mir das Gefühl, dass alles was passiert richtig war. Und ihre Stimme drückte auf unerklärliche Weise das aus, was ich fühlte und dem ich gerade keine Stimme verleihen konnte. Das Getrommel schwoll an, wurde asynchroner, unruhig und lauter. Ich trommelte weiter, ein bisschen lauter sogar um den Gleichklang zurückzuholen, als ich spürte das eine Hand sanft meinen Trommelschlegel nahm und zur Seite legte. Die Weiße Eule nahm auch meine Trommel und legte sie zur Seite. Dann nahm sie meine Hände und in eine legte sie einen Stein. Ich suchte Seth und spürte ihn an meiner Seite. Er war erstaunlich zurückhaltend. Er war da, aber unternahm nichts, obwohl ich seine Unruhe deutlich spürte. Lediglich das lauter werdende Trommeln jenes schamanischen Freundes neben mir fiel mir auf. Ich war froh, dass er da war. Vor allem war ich froh, dass auch er ebenfalls mit Seth in Verbindung stand, denn ich fühlte mich gerade außer Stande mit ihm zu kommunizieren. Ich wusste ja selber nicht was geschah und es war auch nicht wichtig, denn ich ließ es einfach geschehen.

Später nach dem Ritual erfuhr ich, dass Seth seine geballte Unruhe an meinem Ritualpartner ausgelassen hatte. Er packte ihn und war außer sich, dass sich mir jemand so näherte, den er nicht kannte und verlangte von ihm für den Unbekannten zu bürgen. Ich war im Nachhinein nochmal heilfroh, dass er in diesem Moment dabei war und die Situation genaustens im Auge behielt. Ich war auch ein wenig gerührt von Seths Reaktion. Sicher, ich gehöre ihm und er wird zu einem gewissen Teil auch sein „Revier“ verteidigt haben, aber dennoch wirde mir wieder bewusst, wie sehr er mich schützt und wie eng unsere Bindung ist. Wenn man täglich seit Jahren mit einem Gott interagiert verkommt vieles unweigerlich zur Routine. Rituale, egal welcher Art, sind eine Möglichkeit jenseits des Alltags die Verbundenheit mit andersweltlichen Wesen intensiv zu erfahren.

Schamanismus im Alten Ägypten

Samstag, 25. April 2015

Es ist nicht leicht schamanische Aspekte in der altägyptischen Kultur zu entdecken, unter anderen weil der Begriff Schamane oder Schamanismus ebenfalls in seiner Auslegung variiert, je nachdem welche Autoren man heranzieht. Und noch schwerer ist es die schamanischen Elemente so stichhaltig zu belegen, dass man den aktuell anerkannten Stand der Geschichtswissenschaften überstimmen könnte. Dieser ist nämlich, dass es im Alten Ägypten keinerlei veränderte Bewusstseinszustande im Kult gegeben haben soll. Damit wäre einer der wichtigsten Aspekte der schamanischen Arbeit, die Trance, der Seelenflug oder die Ekstase bereits von vorn herein ausgeschlossen.

Elliott Rivera, Sangoma der Afro-kubanischen Santeria, Wikimedia Commons

Animismus, Totemismus, Götter

Schamanismus ist jedoch oft in einen animistischen Kontext eingebettet und dieser lässt sich durchaus in der altägyptischen Theologie finden. Die Annahme des Alles-Beseelten zeigt sich in mannigfaltigen Vergöttlichungen verschiedenster Erscheinungen der Wirklichkeit. Sogar so abstrakte Begriffe wie „Lebensdauer“ oder „Einsicht“ fanden die Form einer eigenständigen Gottheit. Hier muss man jedoch auch einräumen, dass der Begriff „netjer“ (= altägyptisch Gott) nicht mit dem heutigen, meist monotheistisch geprägten Verständnis von Gott vergleichbar ist. Vielmehr bezeichnet „netjer/netjeri/netjeru“ eine ganze Sphäre von Heiligkeit, die geistartiger Qualität ist und vor allem durch ihr Wirken in Erscheinung tritt. So ist z.B. die Hieroglyphe für „netjer“ ein Fähnchen. Wie der Wind das Fähnchen „belebt“ treten auch die Götter in der Natur in Erscheinung. Auch ist der Mensch durchaus nicht die Krone der Schöpfung. Tiere wurden zum Teil als lebende Avatare der Gottheiten betrachtet und entsprechend behandelt und später fürstlich bestattet. In Darstellungen des Alten Reiches finden sich grafische Deifizierungen menschlicher Wesen in Form von tierischen Attributen, wie Flügel, Tierkörper, Tierköpfe etc.

Schamanismus vs. Tempelkult

Schamanische Arbeit im offiziellen Tempelkult zu suchen – der mit Abstand am besten belegt ist – dürfte ein schwieriges Unterfangen sein, denn es kennzeichnet Schamanen meist im Besonderen, dass er seine andersweltliche Arbeit überwiegend im Kreis überschaubarer sozialer Gruppen durchführte. Die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits für eine Gruppe von Menschen aufzuheben erfordert geradezu einen intimeren Kreis insbesondere, wenn dabei Bewusstseinsmodifikationen herangezogen werden, deren oft schwer kontrollierbare Eigendynamik Zugewandheit und Vertrautheit erfordert. Dies zu gewährleisten ist aber wiederrum unter anderem die Aufgabe von Ritualen und ritualisierten Handlungen. Rituale bieten eine Möglichkeit Wahrnehmung, Verhalten und in der Folge Empfindung auf mehreren Ebenen für viele Teilnehmer zu synchronisieren. Menschen, die schon einmal auf einem Rockkonzert waren, werden diese Massendynamik, synchronisiert durch die Musik, sicher bereits schon einmal gespürt haben. Die Tatsache, dass man im Verlauf der ägyptischen Geschichte großen Wert auf die korrekte und konsistente Durchführung vom Kultritus legte, hat weniger mit Dogmatismus zu tun sondern mit dem Wunsch die Wirkung dieser Handlungen dauerhaft zu erhalten. Und eine der Hauptwirkungen war selbstverständlich der Kontakt mit den Göttern und Wesen der nicht-diesseitigen Welt. Die Grenzen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits aufzuheben, war ein Produkt einer ständig wiederkehrenden kultischen Interaktion. Götter waren weder omnipräsent noch omnipotent und ihr Wirken bedurfte der Unterstützung durch den Menschen.

Zwei-Klassen-Mystik

Die altägyptische Gesellschaft entstand aus schamanisch geprägten Nomadenvölkern der Sahara, die zunehmend am Nil seßhaft wurden als die Sahara immer mehr zur unbewohnbaren Wüste wurde. So entstand ein konzentrierter multikultureller Staat aus vielen einzelnen Kulturkeimzellen, die einander anerkannten. Hier liegt auch nicht zuletzt der so unüberschaubar große und vielschichtige ägyptische Polytheismus begründet, denn kaum eine Gottheit musste der anderen weichen. Die ägyptische Kultur verfolgte stets eine Mentalität der Einbeziehung und Erweiterung, statt der Zwangsfusion und Exklusion. Dennoch gab es natürlich im Zuge politischer Schachzüge auch immer wieder Synkretisierungen und Verschmelzungen, doch geschah dies häufig auf staatspolitischer Ebene – und blieb im Großen und Ganzen auch dort. Selbst zur Amarnazeit, als Amenophis IV – besser bekannt als Echnaton – den Sonnengott Aton zum einzigen Gott Ägyptens ausrief, beeindruckte das den normalen ägyptischen Bürger recht wenig, der nach wie vor seine ihm vertrauten Hausgottheiten verehrte. Von den Auseinandersetzungen zwischen Königshaus und Priesterschaft blieb er weitestgehend unbeeindruckt, was nicht zuletzt auch ein infrastrukturelle Gründen haben mag. Auch hier liegt eine nicht zu unterschätzende Grundlage des schier unerschütterlichen Polytheismus.

Diese spirituelle Eigenständigkeit des ägyptischen Volkes legt auch die Vermutung nahe, dass sich in puncto Magie und andersweltlichem Handeln wohl ebenso unabhängig vom großen Staatskult verhalten haben mag. Magische Praktik war dem einfachen Ägypter ja keineswegs untersagt, im Gegenteil, jeder bediente sich gleichermaßen dieser Mittel, wie auch die Priester in den Tempeln. So wäre es fast naiv anzunehmen, dass es im ägyptischen Volk nicht auch Personen gegeben hat, die ihre übersinnlichen Fähigkeiten zum Wohle der engeren Gemeinschaft einsetzten. Für das Gesundheitswesen ist dies z.B. gut belegt. Die Überlieferungen der Arbeiterstadt Set-Ma’at zeigen recht deutlich, dass die altägyptischen Arbeiter trotz organisierter medizinischer Versorgung und Infrastruktur, die Pflege in medizinischen Belangen meist selbst und innerhalb der Familie übernahmen. Da Erkrankungen stets als andersweltliches, magisches Wirken interpretiert wurden, darf man also ruhig davon ausgehen, dass die Versorgung unter Einbeziehung dieser Dimension erfolgte.

Die ägyptische Gesellschaft war entgegen aller idealisierten überlieferten Darstellungen eine Zweiklassengesellschaft und nicht jedem war die Teilnahme am Staatskult mit all seinen Ausprägungen möglich. Dies zeigt sich am deutlichsten an den Begräbnisgepflogenheiten, deren Standesunterschiede größer nicht sein könnten. Dabei ist die Mumifizierung bereits aus der Prädynastik belegt, selbst wenn die Verstorbenen hier auch mal notdürftig in Tierhäute geschlagen wurden. Gerade deshalb finden sich aber unzählige Spuren, die auf eine rege Anwendung von einfachster Magie im Volkskult schließen lassen. Fetische, Amulette, Hausschreine und einiges mehr gehörte zur andersweltlichen Ausrüstung des ägyptischen Bürgers. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der Staatskult den Volkskult inspiriert hat und der durchschnittliche Ägypter versucht den „Großen“ des Staates nachzueifern. Für die Frühzeit ist jedoch zumindest auch die Frage berechtigt, ob dies nicht sogar genau umgekehrt gewesen sein mag und der Volkskult Pate für den Staatskult gestanden hat.

Sem-Priester

Sem Priester mit Pantherfell der eine Wasservase hoch hält, Ausschnitt aus einer Totenstele ca. 1400 - 1350 v. Chr., Walters Arts Museum, Wikimedia Commons Sem Priester mit Pantherfell der eine Wasservase hoch hält
Ausschnitt aus einer Totenstele ca. 1400 – 1350 v. Chr.
Walters Arts Museum, Wikimedia Commons

Für einen Priester gilt das im besonderen, nämlich den Sem, ein altägyptischer Totenpriester, der aus der Prädynastik belegt ist und als einziger Priester mit einem Trance- oder Meditationsartigen Zustand arbeitet, der sog. Schlaf des Sem. Seine Rolle zieht sich nahezu unverändert bis in die Spätzeit hinein, was die Wichtigkeit seiner Funktion deutlich macht. In ihm konzentriert sich der Schnittpunkt zwischen Diesseits und Jenseits.

Die häufigste Interpretation dieses Kultaktes ist, dass der Sem symbolisch die Rolle des Sohnes des Verstorbenen übernimmt und dessen Bild in einen Stein projeziert um dann Bildhauern genaue Anweisungen zur Herstellung einer Statue zu geben. Dazu benutzt er eine Art Netz, der man i.d.R. rein handwerkliche Funktionen zuschrieb, doch einige Historiker legen den Verdacht nahe, dass es sich dabei auch um ein kultisches Werkzeug gehandelt haben könnte, welches ähnlich einem Fischernetz Einsatz fand um die Seele des Verstorbenen sicher aus der Duat zu „fischen“. Denn es bestand die Sorge, dass die Toten in der Duat, die von einem Fluß durchzogen war, verloren gingen und so der Rechtfertigung nicht unterzogen werden konnten, die nötig war um im Reich das „Westens“ als gerechtfertigter Ahnengeist, als Ach, das ewige Leben zu verbringen. Es gibt fast keinen Gegenstand im ägyptischen Kult, der nicht auch magisch-mystische Bedeutung hat. Oftmals ist diese nachträglich neu hinzugefügt oder modifiziert worden, doch man darf mit Recht annehmen, dass nichts nur rein weltliche, praktische Bedeutung hatte, was in den Riten Anwendung fand.

Kultische Spurensuche

Hinsichtlich des prädynastischen Usus Leichname in Tierhäute einzuhüllen, kann man sich ebenfalls erfolgreich auf Spurensuche nach schamanischen Elementen begeben. Das Einhüllen in Tierhäute wird in einem weiteren Ritus vermutet, nämlich das Fest zur Verjüngung des Königs, das sog. Sed Fest, dessen Ursprünge weit vor die Zeit der Frühdynastik zurückreichen. Das Netjeret oder Ba-Ani, das Pantherfell, gehörte zum festen Ornat des Königs und stellte den Geist des Himmelspanthers dar, der Duatgöttin Mafdet, die die Toten schützte aber auch richten konnte. Außerdem trug der Pharao einen Stierschwanz an seinem Ritualgewand von dem angenommen wird, dass es ein Überbleibsel einer kompletten Tierhaut ist.

Eine Verjüngung findet auch regelmäßig für den Sonnengott Re statt, der nachts die Unterwelt mit seiner Barke durchfährt um am nächsten Morgen wieder im Osten seine Himmelsfahrt anzutreten und Re war im Alten Reich das Vorbild aller Verstorbener, die hofften an seinen Verjüngungsfahrten teilnehmen zu dürfen. Hier lässt sich also bereits eine Diesseits/Jenseits Thematik erkennen, die möglicherweise auch Bestandteil des Sed Festes war.

Darstellung eines Tekenu Darstellung eines Tekenu

Die Grenzen zwischen dem Diesseits und Jenseits überschreiten und sogar auflösen zu können, mit den drüberen Wesenheiten in Kontakt zu treten ist eine wichtige Aufgabe der Schamanen vieler Kulturen. Weiters gibt es ein Element des ägyptischen Totenkultes bei dem der sog. „Tekenu“ den Verstorbenen auf der Barke zu seinem Haus der Ewigkeit begleitet. Der Tekenu taucht in den Darstellungen als ein in Tierhäute gewickelter Haufen auf, mit einem menschlichen Gesicht. Einige Interpretationen vermuten eine Art „Ersatzkörper“ mit Köderfunktion, die negative Energien auf sich ziehen und vom Verstorbenen fernhalten soll, andere Historiker sehen aber die Möglichkeit, dass es sich dabei um den oben erwähnten Sem handeln könnte, der in Tierhäute gehüllt und damit für die Jenseitsreise gewappnet, die Reise des Verstorbenen auch von jenseitiger Perspektive überwachte. Das Kleiden in Tierfelle ist aus vielen schamanischen Kulturen bekannt und stellt häufig eine rituelle Verschmelzung mit einem andersweltlichen Wesen oder/und eines Tiergeistes dar oder dient einfach als Schutz. Die Parallele zum Pantherfell, dem schützenden Geist des Himmelspanthers, der bezeichnenderweise wie eine „Umarmung“ mit den Fellpfoten getragen wird, ist hier offensichtlich.

Sistrum, Britisches Museum, Wikimedia Commons

Forscht man noch weiter so entdeckt man noch mehr Hinweise auf die einst schamanische Rolle des Pharaos. Eines seiner Machtsymbole, das Sechem-Zepter (sechem=Macht), ist identisch mit einem Sistrum, einem Rasselinstrument bestehend aus einem Metallbügel und Metallscheiben, welches in der Frühzeit zusammen mit  dem Pantherfell, zur Ausrüstung des Königs gehörten. Vom Sistrum wird angenommen, dass es in der Prädynastik als kultisches Instrument diente um mit Ahnenseelen Kontakt aufzunehmen und somit in seiner Form als Zepter die Fähigkeit demonstrierte, die Grenze zum Jenseits zu überschreiten. Rasselinstrumente sind neben Trommeln als schamanische Werkzeuge in vielen Traditionen üblich.

Das Sistrum ist auch eine wichtige Insignie für eine weitere Gottheit nämlich, Sachmet, „die Mächtige“ und löwengestaltige Göttin die einen weiteren Hinweis auf schamanische Elemente liefert, nämlich den veränderten Bewusstseinszustand.

Rausch, Trance, Ekstase

Sachmet zu Ehren hielt man nämlich ein Fest des heiligen Rausches ab, das Fest der Trunkenheit, dessen Name Programm ist. Das heisst, es wurde in der Tat exzessiv Alkohol getrunken. Sich den Riten zu entziehen wurde schwer mißbilligt, Kontrollverlust galt als unschicklich, jedoch war es völlig akzeptabel sich bis zum Erbrechen zu betrinken.

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Allerdings liegt dem ein Mythos zu Grunde, der deutlich weniger amüsant ist, als es das feuchtfröhliche Fest vermuten lässt. Der Mythos berichtet vom Aufstand der Menschen gegen die Götter insbesondere gegen den inzwischen alterschwachen Sonnengott Re. Manche planen sogar ihn zu töten und verweigern Opfergaben.

DSC_0284 Sachmet, Ägyptisches Museum München

Re beschließt die Menschheit zu vernichten und beauftragt nach einem Götterrat, Sachmet mit dieser Mission zu betrauen, während er sich auf dem Rücken der Himmelskuh in Sicherheit brachte.

Sachmet gerät in einen Blutrausch und kurz bevor sie die gesamte Menschheit ausrottet, überkommt Re Reue und er bittet Thoth um Hilfe. Dieser färbt zusammen mit Re Bier mit rotem Ocker und schüttet es auf die Erde. Sachmet merkte in ihrem Rausch nicht, dass es sich um Bier handelte und trinkt gierig bis sie sturzbetrunken einschläft. Sie erwacht als sanftmütige Hathor, die Göttin des Festes, der Musik und der Trunkenheit. Und das Sistrum ist einer der wichtigsten Hathor Insignien überhaupt.

Schamanismus und moderne kemetische Praxis

Die Suche nach Schamanismus in Ägypten bleibt sicherlich eine Suche nach Indizien, jedoch lohnt es sich als kemetisch Praktizierender diesen Sprung ins Mutmaßliche zu wagen. Viele Lücken in der Kultpraxis lassen sich auf diese Weise überraschend gut schließen, kulturgeschichtliche Fragestellungen, die für die kemetische Praxis von historischer Seite meist nur unbefriedigend beantwortet werden können, finden hier spannende und vor allem praktikable Ergänzungen. Die ägyptische Religion, so überwältigend, kulturell entwickelt und prunkvoll sie auch wirken mag, bleibt im Kern doch eine Naturreligion für deren Beständigkeit der einfache Ägypter und seine selbstbewusste mystisch-magische Auseinandersetzung mit den natürlichen Gegebenheiten über Jahrtausende hinweg sorgte.

Literatur:
Hartwig Altenmüller – die Wandlungen des Sem Priesters
Sabine Neureiter – Schamanismus im Alten Ägypten
Jeremy Naydler – Schamanic Wisdom in the Pyramid Texts
Jan Assmann – Tod und Jenseits im Alten Ägypten
Erik Hornung – Der Eine und die Vielen: Altägyptische Götterwelt

Wie fange ich an… geschrieben von Anette Tunritha

Samstag, 28. März 2015

Wie fange ich an…..

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In letzter Zeit häufen sich die Gespräche zu der Frage – wie fange ich an schamanisch zu arbeiten? Was sind die ersten Schritte auf dem Weg des Schamanen? Kann ICH überhaupt schamanisch arbeiten und was heißt das überhaupt?

Meiner persönlichen Erfahrung nach kann jeder, der es möchte, grundlegende schamanische Techniken lernen und anwenden.

Kleiner Exkurs – Was ist Schamanisch?

Für mich bedeutet Schamanismus oder schamanische Arbeit an allererster Stelle die Arbeit oder vielmehr die Zusammenarbeit mit Geistern oder Spirits. Und damit meine ich nicht die Arbeit mit Energien, inneren Bildern oder Anteilen meiner eigenen Psyche… Ich meine damit Wesenheiten die nicht inkarniert sind – und die man (im Normalfall) nur dann wahrnehmen kann, wenn man das normale oder alltägliche Bewusstsein verlässt und stattdessen eintritt in das Nicht-Alltägliche Bewusstsein. Diese Spirits sind eigentständige Wesen, die außerhalb von mir existieren und genau so real sind wie Du und ich.  Die Zusammenarbeit mit den Spirits ist für mich ein essentieller Bestandteil der schamanischen Arbeit – Ohne Geister kein Schamanismus/kein Schamane.

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Ein weiterer wichtiger und meiner Ansicht nach unverzichtbarer Teil des Schamanentums ist der “Seelenflug”.                            Die schamanische Reise, in die nicht alltägliche Wirklichkeit – in die Anderswelt.

Der Schamane/schamanisch Praktizierende begibt sich hierzu in einen Trancezustand (durch singen, rasseln, trommeln, tanzen oder was auch immer), wechselt den Bewusstseinszustand und fliegt/reist mit seinem Geist in die anderen Ebenen der Wirklichkeit – in die Anderswelt – die Nicht-Alltägliche Wirklichkeit. Viele schamanische Kulturen kennen mindestens eine 3-teilige Wirklichkeit… Eine mittlere Welt, eine untere Welt und eine obere Welt.  Und durch diese Welten lässt sich reisen und von dort lässt sich auch etwas mitbringen. Die Mittlere Welt ist dabei die Anderswelt zu unserer normalen, alltäglichen, materiellen Welt. Für die anderen Welten gibt es keine materielle Entsprechung. Dies ist aber nur ein Model von vielen möglichen Modellen.

Um schamanisch zu praktizieren oder gar Schamane zu werden müssen also ein paar grundlegende Techniken gelernt und praktiziert werden.

Die erste und wichtigste ist dabei wohl, den Bewusstseinszustand willentlich zu verändern und eine leichte oder auch stärkere Trance herbeizuführen.

Im Zustand der sog. schamanischen Trance begibt sich der schamanisch Praktizierende dann auf die Suche nach Verbündeten – Krafttier und Lehrer sind wohl die bekanntesten, aber es gibt auch reichlich andere mögliche Verbündete…. und nicht alle werden einfach nur „gefunden“ oder gehören schon zu mir…. manche müssen erabeitet, überzeugt, ertrotzt oder gar erkämpft werden….

Die ersten Verbündeten die ein schamanisch Praktizierender sich erwirbt, sollten vertrauenswürdige und mitfühlende Geister sein, denn diese sind Schutz und Führer auf der schamischen Reise und durch die Anderswelt.

Wie und wo lernt man dies?

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Grundsätzlich gibt es dafür viele verschiedene Möglichkeiten, ich habe zu Beginn ein sog. Schamanisches Basis-Seminar besucht. Hier wird intensiv an 2-3 Tagen alles eingeübt was man für die schamanische Arbeit braucht. Vor Besuch des Seminars habe ich mich schon einige Zeit als Autodidakt versucht – was auch gut funktioniert hat, aber nicht die gleiche intensive Wirkung auf mich hatte wie ein zweitägiges Seminar.

Auf einem Basis-Seminar ist ein Lehrer den man mit Fragen löchern kann, andere Teilnehmer die vielleicht ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse haben wie man selbst – man kann sich austauschen, es hat einfach eine ganz andere Wirkung wenn man zwei Tage mehrere Stunden reist und übt als wenn man das zu Haus, alle paar Tage mal, für ein zwei Stündchen probiert…. Für mich war damals die Intensität der Arbeit und des Erlebten ein ganz klarer Unterschied.

Die Kraft einer Gruppe und eines routinierten Lehrers kann, gerade am Anfang, sehr, sehr hilfreich sein.

Darum wäre mein Tipp immer sich zuerst ein schamanisches Basis-Seminar zu gönnen – ein gutes Basis-Seminar ermöglicht es mir das ich danach auch alleine weiterkomme, denn die eigentliche Unterweisung und Ausbildung erfolgt durch die Geister.

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Wer lieber alleine arbeitet dem seien einige Bücher empfohlen die ich persönlich sehr nützlich fand:

http://www.tunritha.de/literatur.html

Ganz grundsätzlich gilt meiner Ansicht nach: Schamanisch Praktizieren kann jeder, der das möchte und den Wunsch danach verspürt. Krafttier, Lehrer und andere spirituelle Verbündete können das Leben sehr bereichern und uns mit ihrer Kraft und Unterstützung wunderbare Freunde und Partner sein. Aber natürlich wird man nicht an einem Wochenende zum Schamanen…. und das ist doch auch gar nicht notwendig….

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Genau so wie eigentlich jeder singen oder tanzen kann, so haben wir auch alle die grundlegenden Fähigkeiten uns spirituell zu entfalten und mit Spirits und geistigen Verbündeten zu kommunizieren.

Aber genau wie nicht aus jedem ein Berufs-Sänger oder Profi-Tänzer wird, so muss auch nicht jeder der schamanisch praktiziert unbedingt ein Schamane werden, mit Verantwortung für Andere.

Letztlich ist es aber egal für welchen Weg Du Dich entscheidest oder welcher Weg der Deine ist…. Schamanismus … Schamanentum …. das ist etwas sehr Praktisches und Pragmatisches… das heißt konkret: PRAKTIZEREN – Praktizieren – Praktizieren ….

Links zu möglichen Basis-Kursen und Basis-Kurs Anbietern die ich empfehlen würde, es gibt natürlich noch viel mehr – falls nichts passendes dabei ist, einfach mal googlen :

http://www.tunritha.de/seminare.html

https://schamanismus.org/

http://www.shamanicstudies.net/

http://www.heilpraxis-riemerschmid.de/schamanismus.html

http://www.seidh.net/