Mit ‘Schicksal’ getaggte Artikel

Runenorakel – Teil III, geschrieben von Eibensang

Samstag, 09. August 2014

Sinn der Sache

Womit gesagt sein soll: Ein Orakelbild, egal was es zeigt, ist kein Schicksalsspruch im Sinne einer garantiert eintreffenden Ereignisfolge. Alles andere als das! Es ist eine Momentaufnahme, aus der sich mögliche Folgen ableiten lassen – die ein Orakelbild durchaus mit anspricht. Warum überhaupt orakeln? Um sich das gegenwärtige Verhalten mehr oder minder bestätigen zu lassen – oder es zu ändern: in Erkenntnis, dass es, lässt mensch die Dinge weiter so laufen, nicht dorthin führt, wohin mensch will! Gerade „schicksalsgläubigen“ Menschen ist dieser Aspekt – der Selbstverantwortlichkeit und der eigenen Souveränität – unbedingt und ausdrücklich zu betonen. Allzuoft – so erlebe ich es immer wieder – sind gerade orakel-unerfahrene Leute geneigt, die Ergebnisse ihres Wurfs als „Weissagung“ misszuverstehen – und geneigt, aus dem Häuschen zu geraten, wenn das Bild „Übles voraussagt“. Aber es sagt eben nichts „voraus“! Es warnt höchstens. Und das hat nur Sinn, wenn Veränderungen stattfinden bzw. getätigt werden können. Die liegen immer in der Macht der Fragenden – meistens muss hex sie jedoch genau darauf hinweisen: so gut und so genau, bis die entsprechende Rückmeldung klarmacht, dass dieses Prinzip verstanden wurde und wird.

Jeder Atheistin aber, die darob den Eindruck bekommen könnte, dass ich die Runen dieserart nur als Aufhänger nehme, mit der ratsuchenden Person deren spezielles Thema zu erörtern, darf ich ein freundliches „na und?“ entgegenlächeln. Dass hinter jedem Orakelwurf das Wirken mächtiger Gottheiten steht, das sich recht zuverlässig aus der jeweiligen Runenkonstellation lesen lässt, ist ebenso Auffassungssache wie die, dass es sich bei derselben Konstellation um wahlloses Durcheinander handele, das der Zufall generierte. Was aber so oder so herum nicht mehr „Zufall“ genannt werden darf, ist der aus dem Orakel abgeleitete Rat. Der liegt in der Verantwortung der Person, die ihn gibt.

Bei dieser Gelegenheit sei allen mit Runen Orakelnden ein zu- und grundsätzlicher gegeben: Selbstverständlich sollte jedes noch so wüst erscheinende Orakelbild in einen Rat münden, aus dem sich etwas Konstruktives und irgendwie Ermutigendes ziehen lässt: für die Person, die ihn erfragt und benötigt – und mit ihrer Offenheit ein Vertrauen investiert, das gewürdigt und ernstgenommen werden muss, ganz unabhängig vom Inhalt der Themen oder irgendwelchen persönlichen Eindrücken wie Sympathie oder deren Abwesenheit (beides soll vorkommen. Wer diese Neutralität nicht aufbringt, sollte davon absehen, andere Menschen mit Ratschlägen zu behelligen). Einerseits.

Andererseits gilt: Es nützt nichts, ein möglicherweise stark dissonant oder spannungsgeladen daherkommendes Bild und die daraus resultierende Deutung derart in Watte zu verpacken, dass die beratene Person daraus schlussfolgern kann, dann sei ja doch alles halb so wild und geriete schon irgendwie gut und knuffig. Nicht, wenn Gegenteiliges dräut! Natürlich hören alle Menschen lieber gute Nachrichten als unangenehme – und jeglichen „Prophezeihungen“ bzw. Prognosen gegenüber ist diese Neigung besonders ausgeprägt. Die Versuchung, dieser urmenschlichen Neigung zu entsprechen, mag kommerziell mehr kitzeln, als zahlender Kundschaft klarzumachen, dass sie dabei ist, sich in einen Riesen-Mist zu verrennen – besonders, wenn dieser Mist erkennbar heißrennenden Wünschen derselben Kundschaft entspricht (von der hex ja möchte, dass sie wiederkommt – oder eine/n zumindest weiterempfiehlt).

Meine Orakelpraxis ist Jahrzehnte alt, mein damit verbundenes kommerzielles Bestreben noch jung. Ich hoffe dennoch, auch künftig sagen zu können: Nur ehrliche Geschäfte sind gute Geschäfte. Und nur ein ehrlicher Rat ist ein letztlich brauchbarer. Noch der schwierigste lässt sich so formulieren, behaupte ich, dass die beratene Person ihn nehmen kann: als etwas, das in ihrer Macht und Möglichkeit liegt. Selbst wenn der Inhalt mit zunächst unangenehmen Tatsachen oder Aussichten konfrontiert. Der Ton macht die Musik! Aber ehrlich muss er sein. Gerade Runen – genauer: die göttlichen Mächte, die durch sie sprechen – äußern sich gern einen ganzen Tick ruppiger und schroffer als andere Divinationsformen! Abermals gilt: Ohne Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl geht hier gar nichts.

Der große Wurf

Vor über 20 Jahren, als ich alltägliche Runenerfahrungen noch – tatsächlich auch – über vorwiegendes Orakeln erwarb, leitete ich meine Methoden erstmal vom Tarot ab: übertrug dort populäre „Legebilder“ aufs Runensystem, indem ich sie zuerst übernahm, um sie dann zunehmend zu verändern. Zusätzlich ließ ich mich von dieser und jener esoterischen Runenliteratur zu weiteren Orakelformen inspirieren – auch wenn ich die Runeninfo in den Büchern selbst meist eher kärglich, blödsinnig oder sonstwie daneben fand. Ich versuchte gewissermaßen, mir die „Perlen herauszupicken“ – besser: selber welche daraus zu generieren. Die einfachen Formen einzelner Runen verführten mich zudem dazu, ganze Orakelmuster bzw. „Legespiele“ in Runenform zu erhirnen. Nach einer Weile hatte ich ein dickes handgeschriebenes Büchlein zusammen: Würfe mit gern blumigen Titeln wie „Sleipnirs Wiehern“, dem „Feuerwurf“, „Lokis Eibenast“ – oder gar dem höchst aufwendigen „Charakterwurf“ (den ich mir nur ein einziges Mal antat), bei dem ich ein komplettes Futhark aufzeichnete und darauf ein komplett blind gezogenes Futhark Zeichen für Zeichen legen ließ, um aus den Beziehungen der Runen untereinander ein dadurch 48fach facettiertes „Charakterbild“ zu schlussfolgern – wozu ich in jenem Fall eine halbe Woche brauchte, von der grafischen und verbalschriftlichen Doku dazu ganz zu schweigen… Hex tut sich ja sonst nix an, wa. ;-)

In der Praxis stellte ich fest, dass ich ohnedies eine Vorauswahl treffen musste für meine Klientel – die in den allermeisten Fällen mit der Fülle der Wurf- bzw. Legemöglichkeiten heillos überfordert war. In jenen ersten Jahren meines bekennenden Heidentums hätte ich mich „nordisch orientiert“, aber noch nicht Ásatrú genannt – tat also genau das, was ich später nicht mehr so gut verstand: mich nämlich mit Runen zu beschäftigen, ohne mich der Kultur nahe oder gar zugehörig zu fühlen, der sie entstammen. Nach meinem definitiven Bekenntnis zu Ásatrú, dem Bund mit germanischen Gottheiten (der eine noch gewichtigere kulturell-gesellschaftliche Komponente hat als die Frage nach einer bestimmten spirituellen Orientierung – aber die Erörterung dieses Komplexes führte hier deutlich zu weit), vereinfachten sich meine Methoden so grundlegend wie sie sich plötzlich ungleich stärkerer Wirkung erfreuten. Im Klartext: Ich legte das dicke, zerfledderte Handbuch mit den 1001 selbsterknobelten „Runenwürfen“ auf irgendein Weißtenoch-Regal – und offerierte nurmehr zwei Wurfformen. Da der eine überhaupt nie gewählt wurde von irgendjemandem – nämlich drei Runen aus dem Beutel zu ziehen und die dann zu deuten – biete ich seit langem nur noch eine einzige Orakelform an, den so genannten „freien Wurf“: das blinde Erfühlen, Befummeln und alsbaldige Werfen aller 24 Runen des Älteren Futharks auf ein Leintuch (oder, in jüngerer Zeit, gern auf das große Fell meiner alten Rahmentrommel).

Das ergibt ein meist sehr differenziertes Bild auf-, über-, unter- und nebeneinander liegender Runen – etwas mühsam zu dokumentieren in veranschaulichend erinnernder Grafik, aber umso ergiebiger in der Deutung. Auffällig oft zeigt sich bei diesem Wurf nur ein Viertel bis ein Drittel der 24 Runen lesbar – der meist überwiegende Rest fällt aufs Gesicht und kann ignoriert werden – aber es gibt Ausnahmen. (Anmerkung: Ich benutze Holzscheibchen mit darauf eingebrannten Runenzeichen. Jüngst habe ich auch mit Runensets in Stabform experimentiert – und einige davon verkauft –, aber die Herstellung ist schwieriger für mich und die handwerkliche Gestaltung gelingt mir da weniger als bei den altvertrauten, meist mehr oder minder ovalen Scheibchen, die sich gut aus halbwegs geraden Ästchen dieses oder jenes Holzes sägen lassen.)

Werfen lasse ich die Runen in Nordrichtung – wichtig für die Lesart des Orakelbildes. (Weniger, dass es Norden sein muss, als vielmehr, dass ich das Bild aus derselben Raum- bzw. Richtungsperspektive der Person lese, die den Wurf getätigt hat.)

Neben teils eindeutig aufrecht, teils gestürzt lesbaren Zeichen kommen dabei etliche Runen in Schrägstellungen zu liegen, die interessante Zwischentöne ergeben. Nahezu waagrecht liegende Zeichen deute ich dabei als „wichtig fürs Thema, aber in neutraler, gewissermaßen noch zu entwickelnder Richtung“. Ansonsten messe ich schräg liegende Runen danach, ob sie graduell eher zum Kopfstand oder zur aufrechten Lage neigen – der jeweilige Neigungsgrad zu diesem oder jenem Zustand sagt zusätzlich etwas aus.

Zuweilen decke ich auf dem Gesicht liegende Scheibchen, die ihre Zeichen nicht zeigen (und sich dadurch als unerheblich ausweisen für die Orakelfrage), dennoch auf: um zu erfahren, welcher Aspekt KEINE Rolle spielt – was der genauesten Ratsfindung dienlich sein mag. Oder sichtbare Runen überdecken einander halb oder ganz, weil ihre „Datenträger“ ;-) mehr oder minder aufeinander zu liegen kamen: Hier zeigen sich eng verbundene Aspekte, die es zu deuten gilt. Wieder andere Runen mögen weiter entfernt liegen – während sich manche regelrecht stauen: All das fließt ins Lesen mit ein. Live und in Farbe: in laufendem Gespräch mit der Person, die das Orakel warf.

Ende Teil III

Schuld und Unschuld – eine Erfindung der Menschheit?

Samstag, 02. Juli 2011

Die Begriffe Schuld und Unschuld sind den Menschen nicht fremd. Aber diese Begriffe sind nicht nur zwei Worte, sie sind tiefe und oft prägende Gefühle, die wahrscheinlich jeder Mensch schon einmal empfunden hat. Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen haben oder sich entschuldigen müssen sind unserer Gesellschaft nicht fremd. Im Gegenteil, sie bilden mit unter die Basis des Glaubenskonstrukts dieser Gesellschaft. Wir wollen frei von Schuld sein, uns nicht mehr schuldig fühlen, ein reines Gewissen haben. Wo kommt nur dieses kollektive Schuldbewusstsein her? Verdienen wir es zu leiden, Schuld zu empfinden und unser Leben damit zu verbringen, uns zu entschuldigen? Gibt es so etwas wie die Erbsünde denn wirklich? Kommen wir vielleicht mit einem riesigen Sündenballast auf die Welt und MÜSSEN uns schuldig fühlen?

Unterschiedliche Religionen – unterschiedliche Meinungen

Im bei uns weit verbreiteten Christentum ist der Schuldbegriff ein zentrales Thema. Dies wird schon in der Erzählung vom Sündenfall deutlich als – wie in der Bibel beschrieben – Gott Adam und Eva verbietet vom „Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen“ zu essen. Nachdem aber Adam und Eva dennoch von diesem Baum essen, ist Adam plötzlich der Meinung, es wäre falsch nackt zu sein. Die Bibel sagt, dass Gott ursprünglich nicht wollte, dass der Mensch zwischen Gut und Böse unterscheiden könne, da er ursprünglich im paradiesischen Urzustand hätte leben sollen. Obwohl hier noch nicht vom Schuldbegriff die Rede ist, erkennt man aber schon die Polarität zwischen Gut und Böse, etwas Gutem und etwas Schlechtem. Der Schuldbegriff kommt in der Bibel häufig vor, zum Beispiel im 3. Buch Mose, Kapitel 5, Vers 17: „Wenn jemand sündigt und handelt gegen irgendein Gebot des HERRN, was er nicht tun sollte, und hat es nicht gewusst und versündigt sich und lädt eine Schuld auf sich, so soll er zum Priester einen Widder bringen von der Herde, ohne Fehler, nach deiner Schätzung als Schuldopfer. Der soll die Sühnung für ihn vollziehen für das, was er versehen hat, ohne dass er es wusste, so wird ihm vergeben.“
In diesem Vers sind alle Begriffe vertreten. Es geht um Schuld, Sünde, Schuldopfer, Entschuldigung, Vergebung. Aus christlicher Sicht könnte die Vorgehensweise folgendermaßen zusammenfassen: der Mensch lädt sich aufgrund seines Verhaltens Schuld auf, die er mittels bestimmter Vorgehensweisen (Schuldopfer, Beten, Eingestehen der Schuld, etc.) wieder loswerden kann, wonach er dann wiederum frei von Schuld ist. Im Christentum gibt es also auf jeden Fall einen stark ausgeprägten Schuldbegriff. Ebenso stark ausgeprägt ist hier der Begriff der Unschuld. Psalm 26, Vers 6: „Ich wasche meine Hände in Unschuld und halte mich, HERR, zu deinem Altar.“

Im Buddhismus liegen die Dinge völlig anders. Einen Schuldbegriff – in der Art und Weise wie ihn das Christentum verwendet – gibt es nicht. Die buddhistische Sichtweise schließt einen strafenden Gott, der uns unsere Taten nach unserem Ableben büßen lässt, aus. Es existiert keine Hölle, in der wir ewiglich im Fegefeuer brennen werden. Das heißt aber nicht, dass unsere Taten ohne Folgen bleiben. Alles was wir tun hat Konsequenzen und wirkt sich auf unser(e) zukünftiges(n) Leben aus. Dies geschieht aber durch uns selbst, nicht durch einen strafenden Gott. Würde man dies in einem christlichen Kontext sehen und nach einer höheren moralischen Instanz suchen, könnte man sagen, dass wir diese Rolle selbst übernehmen und unser eigener „Richter“ sind. Dies hat aber im buddhistischen Zusammenhang nichts mit Schuld zu tun, wir wissen es nur ganz einfach nicht besser und befinden uns in karmischen Verstrickungen, die unsere zukünftige Entwicklung beeinflussen.

Das Schuldthema aus heidnischer Sicht – ein persönliches Statement

Wie bereits erwähnt, sind die Begriffe Schuld und Unschuld in unserer Gesellschaft besonders ausgeprägt. Ob im beruflichen oder privaten Kontext – im Büro/Team, in der Beziehung oder in der Familie – läuft etwas schief, beginnt die Suche nach dem Schuldigen, die Unschuldigen sind schnell aus dem Schneider, der/die Schuldige muss mit Bestrafung und Sanktionen rechnen. Es ist nicht möglich an dieser Stelle die Frage zu beantworten, wie das gesamte Heidentum zum Schuld- bzw. Unschuldsbegriff steht. Aber es ist möglich ein paar Gedanken einer persönlichen Sichtweise zu diesen Begriffen zu äußern und der Frage nachzugehen, wieso es im Hexenglauben so schwierig ist, dem Schuldbegriff viel Platz einzuräumen.
Dieser Glaube beschäftigt sich mit Wachstum, Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Wertschätzung – allen Dingen und Menschen auf dieser und um diese Erde herum, auch sich selbst gegenüber. Wenn ich damit beschäftigt bin zu sehen und zu fühlen, zuzuhören und zu lernen, zu wachsen und all die Dinge und Menschen um mich herum wertzuschätzen und zu respektieren, bin ich im Hier und Jetzt und die Suche nach Schuld bezogen auf Ereignisse, die (mir) widerfahren sind, also in meiner Vergangenheit liegen, sind zwangsläufig irrelevant. Diese Lebensart kann keinen Platz lassen für die Suche nach den Schuldigen, die es zu bestrafen gilt oder den Unschuldigen, die es zu loben gilt. Natürlich ist das eine Idealvorstellung, die wohl wenige Menschen fähig sind, konsequent zu leben. Wieso das so ist, ist schnell zusammen gefasst: solange ich jemanden finden kann, der die Verantwortung dafür trägt, was in meinem Leben passiert, muss ich diese nicht selbst übernehmen und mich nicht mit mir selbst beschäftigen. Ich bin also von mir selbst und den Dingen an denen ich arbeiten könnte/sollte abgelenkt, und kann diese wunderbaren Ideale noch ein wenig vor mir herschieben. Man kann es an der Art und Weise der Fragestellungen vieler Menschen erkennen, wo sie glauben Ursachen zu finden: „Wie soll ich denn persönlich wachsen, wenn mich mein Partner immer wieder boykottiert?“, „Wie soll ich denn Respekt gegenüber meinen Arbeitskollegen haben, wenn ihre Arbeitsleistung einfach dermaßen schlecht ist?“
Fragen zu stellen ist gut, allerdings können uns Antworten auf Fragen, die die Ursache für unser eigenes Erleben ausschließlich in unserem Gegenüber suchen, weit von uns selbst wegführen und unsere Entwicklung blockieren.

Abschließend komme ich zu der Überzeugung, dass Schuld und Unschuld von den Menschen erfundene Begriffe sind, die dienlich waren um den Menschen Angst zu machen und Macht und Kontrolle über sie ausüben zu können. Aber was ist anders, wenn ich selbst meine moralische Instanz bin und es nicht nötig ist, Schuldige zu suchen oder Schuld zu empfinden? Woran glaube ich? Bin ich auf dieser Erde um etwas zu lernen? Trage ich die Verantwortung für mein Handeln selbst? Hat mein Schicksal einen tieferen Sinn? Haben die Dinge, die mir widerfahren eine größere Bedeutung? Helfen sie mir zu lernen, was ich in diesem Leben lernen soll?

Was will uns unser Schicksal sagen?

Dion Fortune: Das karmische Band

Samstag, 19. März 2011

Dion Fortune

Englischer Titel: The esoteric Philosophy of Love and Marriage London 1924/Rider & Son

Das karmische Band/1988/Wilhelm Goldmann Verlag

Über die Autorin

Violet Mary Firth alias Dion Fortune wurde 06.12.1890 geboren. Ihre Eltern gehörten den „Christian Scientists“ an. Ihr Interesse an der Erforschung der menschlichen Psyche wird im Alter von 29 geweckt. Damals arbeitet sie an einer Schule, ist mit der Direktorin jedoch sie ständig im Streit. Als Dion schließlich kündigt, wirft ihr die Direktorin vor, dass sie für den Job nicht geeignet sei und kein Selbstbewusstsein besitzt. Dion Fortune meint später, die Direktorin hätte bestimmte Techniken des Hypnotismus und Yoga benutzt, um sie für die nächsten drei Jahre zum psychischen Wrack zu machen. Während dieser Zeit studiert Dion Fortune Psychologie und beschäftigt sich mit den Werken von Freud und Jung. Vor allem von Jungs Veröffentlichungen fühlt sie sich darin bestätigt, dass die Antworten zur Komplexität des menschlichen Geistes im Okkulten liegen müssen. 1919 tritt Dion Fortune der „Alpha and Omega Lodge of the Stella Matutina“ bei, einer äußeren Loge des “Hermetic Order of the Golden Dawn”. Sie gerät aber in Streit mit Moina Mathers, der Frau von MacGregror Mathers (Gründer des Golden Dawn). Dion Fortune fühlt sich von Mona Mathers bedroht, fühlt sich wiederum psychischen Attacken ausgesetzt. So verlässt sie 1924 die Stella Matutina und gründet in London die „Community (später Fraternity, heute Society) of the Inner Light“. Sie arbeitet als Psychologin und lernt so über andere Fälle psychischer Attacken. Eine zeitlang lebt Dion Fortune in Glastonbury und beschäftigt sich mit den Legenden König Arthurs. Ihre Erkenntnisse schreibt sie im Buch „Avalon of the Heart“ nieder. Es folgen einige Bücher, unter anderem „Psychic Self Defense“ (1930), „Through the Gates of Death“ (1932), oder auch Romane wie „The Demon Lover“ (1927) oder „The Secrets of Dr. Taverner“ (1926). Das Bekannteste ihrer Bücher ist wahrscheinlich die „Mystical Qabalah“ (1935).  Dion Fortune stirbt am 08. 01. 1946 im Alter von 55 Jahren in London, England, an Leukämie.

Über das Buch

Das Buch ist alt, 1924 erschienen. Das Thema ist es nicht – im Gegenteil: Die karmischen Bänder sind heute noch genau so aktuell wie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Und Dion Fortune war die erste, die sich damit beschäftigte.

Warum suchen wir uns einen bestimmten Partner aus? Warum zieht es uns immer wieder zu einem bestimmten Menschen hin? Und was passiert auf spiritueller Ebene beim Geschlechtsverkehr? Alles das sind Fragen, die sich viele Menschen stellen. Dion Fortune ist diesen Geheimnissen auf den Grund gegangen.

Natürlich müssen die Zeit und die gesellschaftlichen Umstände in Betracht gezogen werden, in denen das Buch geschrieben wurde. Die Partner durften zwar wählen, wen sie heiraten wollten, allerdings hatte die Familie immer ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Der erste Geschlechtsverkehr fand meistens erst in der Ehe statt. Und eine Scheidung war schwierig.

In den ersten Kapiteln schreibt Fortune über die Entwicklung des Menschen: Hier geht sie vom so genannten siebenfachen Menschen aus. Vereinfacht gesagt: Ein Mensch besteht aus sieben Ebenen, wobei die erste Ebene der eigene physische Körper und die letzte Ebene die Verbindung zum Universum ist – jene Ebene des All-Einen ist, es kein Ego mehr gibt. Das Ziel eines Individuums ist nun, diese Ebenen auszubilden, wobei etliche Leben vergehen können, bevor eine dieser Ebenen so weit ausgebildet ist, damit diese auch weiter entwickelt werden kann.

Ein Beispiel: Laut der Okkultistin ist der physische Körper die einzige Ebene eines Menschen, die bei einem normalen Menschen bereits eine zweifache Entwicklung erreicht hat. „Er funktioniert und ist sich auch seiner Umgebung bewusst“, so Fortune (Kapitel „Der Siebenfache Mensch“). Seltener ist, dass ein Körper auch in der Lage ist, abstrakt zu denken, also in der fünften Ebene ausgebildet ist. Eine entwickelte spirituelle Natur, die der sechsten Ebene zugeschrieben wird, sei noch seltener. Das Ziel der menschlichen Entwicklung ist, das Bewusstsein mit dem Körper in Einklang zu bringen – zum Beispiel durch Trance, was aber laut Fortune nur ein vorübergehendes Hilfsmittel ist.

Die Entwicklung eines Individuums geht über viele Wiedergeburten vor sich: Es wird eine Persönlichkeit gebildet, die notwendig ist, um die Erfahrungen, die für ein Leben wichtig sind, zu machen.

„Sie wird abgelegt, wenn sie sich abgenutzt und ihre Brauchbarkeit sich verringert und die Erfahrungen, die sie gemacht hat, werden von der Individualität aufgenommen als Nahrung für die weitere Entwicklung.“ (Kapitel: „Der esoterische Begriff von Leben und Tod)

Die Person, die im nächsten Leben aus der alten hervor geht, ist dabei weiter entwickelt als die im vorangegangenen Leben. Aus dieser Lehre der Reinkarnation schreibt Dion Fortune weiter über den Begriff des Schicksals, der wiederum derselbe wie jener des östlichen Karmas ist. Dieser stehe für die Gesamtheit der Dinge, die eine Person in den vergangenen Leben bewirkt hat und die auch noch in diesem Leben Einfluss haben. Dennoch sei der Begriff „Schicksal“ nicht so zu verstehen, dass es sich dabei um etwas Unausweichliches handele. Lediglich einige Dinge könnten nicht durch den Willen abgewendet werden – sie kehren so lange wieder, bis sie ihre Kraft aufgebraucht haben, wie die Autorin es ausdrückt. Dennoch hab ein Mensch immer die Möglichkeit zu bestimmen, wie diese unabwendbaren Ereignisse auf ihn wirken – ob sie ihn zerstören oder ob er aus ihnen lernen kann.

So habe ein Mensch laut der esoterischen Wissenschaft keinen freien Willen, sondern lediglich die Möglichkeit, sich mit den Problemen, die ihm ein Leben bereit stellt, zurecht zu finden, sie zu lösen und für die Zukunft die Weichen zu stellen.

Das karmische Band

Der Ausdruck „karmisches Band“ ist aus den östlichen Lehren entlehnt und bezeichnet die positiven und negativen Kräfte vergangener Reinkarnationen. Diese Bänder bestehen durch die Anziehung aus früheren Leben. Dabei kann es auf jeder dieser sechs Ebenen, auf jeder der sechs Körper, Anziehungskräfte geben. Eine emotionale Anziehung gibt es erst auf der zweiten Ebene.

Das heißt, das durch reine körperliche Nähe kein Band entsteht, sondern immer die Emotion mitspielen muss, damit es zur Entstehung eines körperlichen Bandes kommt (vgl. Prostituierte).

Fortune schreibt: „Die Tatsache, dass sich eine Person zu einer anderen hingezogen fühlt, verbindet die beiden nicht miteinander. Nur wenn das Objekt dieses Gefühls darauf reagiert, entsteht diese Verbindung, denn dann hat diese Person die Kraft, die von der anderen ausgeht, sozusagen in sich aufgenommen und bildet so eine substantielle Kontinuität, allerdings nur eine ätherische. […] Wenn eine Person eine andere liebt und diese Liebe erwidert wird, bildet sich eine Verbindung; wenn eine Person eine andere liebt und die Liebe wird durch Haß, Vorwürfe, Ablehnung oder irgendeine Form von Abneigung oder Unfreundlichkeit erwidert, entsteht auch eine Verbindung, und für den Rest ihrer Inkarnation werden diese Bindungen ihre Leben beeinflussen, in einer Bindungsstärke, die proportional zu den empfundenen Gefühlen ist. Nur völlige Gleichgültigkeit verhindert die Entstehung einer Verbindung, jede Gefühlsreaktion bewirkt eine Bindung.“ (Kapitel: „Das karmische Band“)

Durch eine Aktion und die darauf erfolgende Reaktion entsteht eine Bindung, entweder auf der zweiten Ebene durch die Instinkte oder auf der dritten Ebene durch die Gefühlsebene. Beispielsweise die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler oder dem spirituellen Führer und seinen Schülern, eine Bindung, die auf der sechsten Ebene angesiedelt ist.

Diese Bindungen können lange anhalten oder auch nur ein kurzer Kontakt sein, der zwar sofort vergessen wird – aber so lange ein bestimmtes Gefühl zurück bleibt, eine Erinnerung zurück bleibt, ist auch die Bindung da. Wenn eine Person, zu der eine solche Bindung vorhanden ist, stirbt und das karmische Band nicht davor aufgelöst wurde, bleibt diese Bindung so lange bestehen, bis sie in einer neuen Reinkarnation wieder aufgenommen wird.

Dieses karmische Band verliert auch nichts an ihrer Kraft, sondern sie reagiert immer wieder auf dieselben Trigger. Genau so beschreibt Dion Fortune das berühmte Gefühl der Liebe auf den ersten Blick oder das Gefühl von Verständnis und Nähe, wie es Zwillingsseelen erleben.

Das karmische Band wird immer stärker, je öfter es wieder aufgenommen wird. Normalerweise sollte es so sein, dass sich die Partner gleichzeitig weiter entwickeln, die Partnerschaft auf spiritueller Ebene eingehen. Wenn es ihnen das jedoch nicht gelingt, ist das karmische Band zwar auf den tieferen Ebenen stark ausgeprägt, allerdings bleiben dann die höheren Ebenen unbefriedigt. Dies könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Mensch den Partner und sich selbst für diese Erwiderung der Gefühle auf den tieferen Ebenen hasst, sich aber dennoch nicht davon befreien kann. So erklärt Dion Fortune Streit, Hass und Verbrechen in einer Partnerschaft.

Nur im Zustand zwischen den Reinkarnationen befinden sich diese beiden Seelen dann auf einer Ebene und können diese Zeit zwischen den Inkarnationen gemeinsam verbringen. Durch das karmische Band werden sie wahrscheinlich zur selben Zeit und so wieder inkarnieren, dass sie einander finden können. Dass eine karmisches Band so eine Stärke erreicht, ist jedoch laut Fortune sehr selten.

Das kosmische Band

Als das kosmische Band bezeichnet Fortune das Band zwischen Seelen. In verschiedenen esoterischen Gruppen müsse auf Grund der Elektrizität eine Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen herrschen. Für bestimmte magische Arbeiten sei es auch notwendig, dass sie, damit ein Strom kosmischer Kraft entstehen kann, in Polarität durchgeführt werden.

„Das kosmische Band ist eine Verbindung, die von zwei Individuen eingegangen wird mit dem Zweck, bestimmte okkulte Aufgaben zu vollbringen, die nur von zwei in der Polarität befindlichen Einheiten durchgeführt werden können, das hat mit Liebe oder Anziehung, wie sie normalerweise verstanden werden, überhaupt nichts zu tun. Es wird durch die Aufgabe und nichts anderes motiviert, es ist eine Partnerschaft, die angetreten wird um der Arbeit willen, die es zu tun gibt. […] Der wesentlichste Unterschied zwischen dem karmischen und dem kosmischen Band besteht in der Tatsache, daß das karmische Band auf der untersten Ebene beginnt und sich hochentwickelt, so wie Körper um Körper wirksam wird; dagegen beginnt das kosmische Band auf der höchsten Ebene und wirkt nach unten. Das karmische Band ist ein Teil des normalen Vorgangs der Evolution; das kosmische Band ist übernatürlich, indem es einer völlig anderen Ordnung von Gesetzmäßigkeiten angehört als derjenigen, die normalerweise die Menschheit beherrscht; es ist eines der großen Mysterien und als solches Eingeweihten vorbehalten.“ (Kapitel: „Das kosmische Band“)

Die esoterische Einstellung zum Kind

Vom esoterischen Standpunkt her ist nicht jedes Kind, das neu auf die Welt kommt, eine neue Seele, sondern eine reinkarnierte Seele, die davor schon einige Male auf der Welt war. Wenn nun Eltern die Vorraussetzungen, also eine gute Umgebung für ein Kind schaffen, haben dadurch Seelen, die höher ausgebildet sind, die Möglichkeit, in dieser Umgebung zu reinkarnieren. Wenn dies Eltern machen, erhalten sie dadurch ein Guthaben auf dem großen Konto des Schicksals, schreibt Fortune.

Ein strittiger Punkt: Die Autorin ist der Ansicht, dass Seelen nicht in eine Umgebung geboren werden sollten, wo Armut vorherrscht oder die Kinder an sich schwach und krank sind und somit weiter böse Dinge für ihre nächsten Leben anhäufen können. Auch ist sie der Ansicht, dass eine Seele nach dem Tod ein so genanntes Purgatorium oder christlich übersetzt Fegefeuer durchlaufen muss, um ihre Taten zu sühnen.

Was die Empfängnis an sich betrifft, vertritt Fortune die Ansicht der esoterischen Wissenschaft, dass eine Befruchtung nur dann erfolgt, wenn eine Seele vorhanden ist, bei der neun Monate später die Voraussetzungen für das Lernen ihrer Aufgaben gegeben sind. Gibt es diese planetarischen Voraussetzungen nicht, gibt es auch keine Befruchtung und das Ei wird auf natürlichem Weg abgestoßen.

Fragwürdig ist Fortunes Einstellung zur Abtreibung und Verhütung, was aber wohl an der Zeit liegen mag, in der dieses Buch geschrieben wurde. Sie betrachtet Sexualität als nur zur Fortpflanzung geeignet. Und geht sogar noch weiter: Sie meint, es würden ernsthafte Probleme mentaler und physischer Art auftreten, wenn eben diese Lebenskraft in einer größeren Menge auf dieser ersten Ebene zugelassen wird, als sie zur Erhaltung des jeweiligen Körpers zugelassen ist. In so einem Fall sollte man zur Empfängnisverhütung greifen, als die Lebenskraft zu unterdrücken, was zu ungünstigen Auswirkungen auf die physische und mentale Gesundheit hat.

Empfängnisverhütung sollte nicht als Mittel zum Geschlechtsverkehr ohne die Verpflichtung – nämlich die Inkarnation einer Seele – zu vergessen.

Fortune schreibt: „Jene, die in der Lage sind, Seelen, die zur Inkarnation bereitstehen, mit gesunden Körpern zu versehen und die davon selbstsüchtig Abstand nehmen, versündigen sich gegen das Leben, und ihre Vereinigung ist unheilig, obwohl ihr vielleicht Kirche und Staat beide ihren Segen gegeben haben. Keine Verbindung bekommt den kosmischen Segen, wenn sie nicht Frucht getragen hat, sei es eine Frucht des Körpers oder des Geistes.“ (Kapitel: „Die esoterische Lehre über Empfängnisverhütung und Abtreibung“)

Fazit:

Dion Fortunes „Das karmische Band“ ist meiner Ansicht nach das Non plus Ultra auf diesem Gebiet. Es hat nichts an seiner Aktualität verloren, obwohl der Leser immer die Zeit in Erinnerung behalten sollte, in der es geschrieben wurde.

Geschlechtsverkehr erst nach der Eheschließung, eine Ehescheidung, die durch geltende Gesetze unmöglich gemacht wird? In der heutigen Zeit ist das alles nicht mehr vorstellbar, hat doch fast jeder, bevor er eine Ehe mit dem hoffentlich passenden Partner eingeht, bereits einige sexuelle Erfahrungen hinter sich. Doch genau da liegt laut Dion Fortune auch die Gefahr: Je mehr sexuelle Erfahrungen, desto größer ist die Anzahl der karmischen Bänder. Die Frage ist jedoch immer, ob diese Bänder solche sind, die aus vorangegangen Leben bereits bestehen oder solche, die in diesem Leben neu gebildet werden.

Weil das von einem in der Magie unkundigen Menschen kaum herausgefunden werden kann, gilt Dion Fortunes Ratschlag auch heute noch: Die Leidenschaft, die jugendliche Hitze hinten an stellen, bis man sich sicher ist, dass der Partner auch der Richtige ist. Oder beim Geschlechtsverkehr keinerlei Gefühl für den Partner entwickeln, so dass kein karmisches Band entstehen kann. Doch das ist leichter gesagt als getan, da es ein hohes Maß an Selbstkontrolle erfordert.

Absolut antiquiert und meiner Meinung nach auf dem Niveau der katholischen Kirche ist ihre Einstellung zur Abtreibung. Denn wenn man davon ausgeht, dass eine Seele geboren wird, um zu lernen, so kann sie ihre Lektionen in vielen Familien machen. Es muss nicht unbedingt eine Familie sein, die auf einer gewissen Ebene entwickelt ist. Denn eine Seele, die bestimmte Erfahrungen in früheren Reinkarnationen bereits gemacht hat, wird diese Erfahrungen überspringen und auf ihrem Weg weiter gehen. Ungeachtet dessen, ob sich die Eltern auf dem selben Entwicklungsstand befinden.

Trotz dieser Mankos ist „Das karmische Band“ ein Augenöffner – absolut lesenswert!

Schicksalsfäden

Samstag, 13. November 2010

Schicksalsfäden durchtrennen und Planetenkräfte befrieden

Die Seele eines Menschen wird von den Planeten und Sternzeichen beeinflusst. Dies wird z.B. in der Astrologie durch das Geburtshoroskop dargestellt. Wesentlich sind dabei die sieben inneren bzw. persönlichen Planeten. Zusätzlich dazu gibt es noch fünf weitere planetare Kräfte, die auf die Schicksalsgestaltung des Menschen einwirken.
Die Schamanen im Himalaya sehen diese fünf Kräfte als notwendige Balance zu einem wuchernden Egoismus des Menschen. Jeder Mensch kann die nächsten notwendigen Schritte seines Lebens voraussehen oder erahnen. Handelt er nicht in diesem Kontext, kann es zu Verwicklungen und schicksalhaften Verstrickungen kommen. Die eintretenden Schicksalsschläge sind jedoch keine Strafe, sondern zeigen auf, wo der Mensch nicht mehr gemäß seiner individuellen Weisheit und Lebensnatur handelt.
Eine Rückbesinnung auf den individuellen Lebensplan kann dabei Abhilfe schaffen. Manchmal ist aber eine Befreiung der Seele notwendig. In diesem Fall wenden Schamanen verschiedene Rituale zum Durchtrennen der Schicksalsfäden an. Je nach Schwere der Verstrickung können mehr Planetenwesen und Hilfsgeister eingeladen werden. Auch die Ausformung des Rituals kann dabei zunehmen.

Planeten – Kräfte und Wesen

Die Planeten werden in der schamanischen Tradition als Wesen mit archetypischen Kräften betrachtet. Jeder Mensch verfügt über sieben innere und drei äußere Planeten. Die Unterscheidung dahingehend erfolgt nach der Sichtbarkeit mit freiem Auge. Außerdem stehen noch weitere Himmelskörper und abstrakte Rechenpunkte für die Analyse zur Verfügung. Die Konstellationen, die diese untereinander bilden, stellen ihre Kommunikationslinien dar.
Ebenso verfügt jeder Mensch über zwölf Zeichen des Tierkreises und agiert in zwölf Lebensräumen, die traditionell Häuser genannt werden. Somit ist ersichtlich, dass jeder über dasselbe Potential verfügt.
Allerdings unterscheidet sich dieses Potential aufgrund seiner Aspekte und Sichtweisen der Lebensräume. Einige Planeten zeigen ihre Kräfte klar im Leben. Doch manche dieser Archetypen führen ein Schattendasein. Dennoch wirken sie in das eigene Leben herein. Durch Bewusstmachen und Achten dieser planetaren Archetypen werden die bisher verborgenen Kräfte wieder verfügbar.

Einfluss der Planeten

Jeder Tag der Woche ist einem Planeten zugeordnet und verfügt über eine bestimmte Qualität. Der Sonntag wird von Surya, dem Sonnengott, regiert. Dieser Tag ist für Segenszeremonien, Naga-Pujas und allgemein zu Förderung der Harmonie hilfreich. Montag von Chandra, der Mondgöttin regiert, kann ebenfalls für Naga-Rituale verwendet werden. Weiters werden Reinigungsrituale und Ernte-Rituale an diesem Tag durchgeführt. Dienstag wird von Mangal, Mars, beherrscht. Dieser Tag dient dem Segen, dem Glück und wird auch für Wallfahrten an heilige Orte genutzt. Der Herrscher von Mittwoch ist Budha, Merkur. Günstig ist dieser Tag für den Kauf eines Hauses, zum Erwerben von Besitz und zum Durchführen einer Haus-Puja bzw. Erdheilung. Prihaspati, Jupiter, regiert den Donnerstag. An diesem Tag ist es vorteilhaft, zu Jungali – der Königin der Natur- und zu den Nagas zu beten. Venus, Sukhra, entfaltet ihre höchste Wirkkraft am Freitag. Bei den alten Germanen war Freya die Namenspatronin für diesen Tag. Mit dem Bezug zur Urmutter ist dieser Tag hilfreich für Pujas an die Natur und zum Befrieden sozialer Differenzen. Sani, Saturn, regiert den Samstag. Da Saturn der äußerste der inneren Planeten ist, stellt er auch einen Übergang zum transpersonalen Bereich dar. Er kann mit seiner Kraft schlechte Dinge wandeln. Daher ist es günstig, an diesem Tag viele Wesen mit Gaben zu ehren.

Schicksale lösen

Außer diesen sieben Planeten existieren in der Kosmologie der Schamanens noch fünf weitere Himmelskörper. Diese können einen Menschen „besetzen“ und durch vereintes Zusammenwirken von bis zu vier dieser Planeten können schwere schicksalhafte Ereignisse sich einstellen. Wirken alle fünf Himmelskörper zusammen, dann bedeutet dies nach der Sichtweise der Schamanen das Ende des Lebens.
Die fünf negativ beeinflussenden Himmelskörper werden Rahu, Ketu, Sankata, Ulka und Bhamari genannt. Rahu und Ketu führen zu Illusionen. Rahu kann einem alles nehmen und dadurch Armut verursachen. Aber auch die sozialen Bande können von Rahu durchbrochen werden. Er nimmt die Liebe weg und die soziale Welt bricht zusammen. Bei einem Einfluß von Ketu bekommt man negative Gefühle, wird unfreundlich und man glaubt, dass andere schlecht über einen reden. Sankata wiederum verursacht Streitereien. Man trifft immer auf schlechte Menschen. Auch bringt er schwere Krankheiten. Ulka verführt zur Respektlosigkeit. Er zieht negative ruhelose Seelen an. Sankata und Ulka treten häufig gemeinsam auf. Bhamari ist todbringend, wenn er attackiert.
Die fünf Planeten sind jedoch nicht an sich schlechte Einflüsse. Sie sind auch Lehrer und halten die Dinge in Balance. Durch ihre Kraft erinnern sie den Menschen an das, was wirklich wesentlich ist im Angesicht des Todes. Sie schaffen Gewahrsein und Gegenwärtigkeit. Manchmal sind die Planeten weit weg, ein andermal sind sie wieder ganz nah. Jedoch kommen sie nie wirklich gleichzeitig. Sie treten nacheinander auf und warnen einen.
In frühen Zeiten wurden die Kräfte der Planeten personifiziert. Jeder Planet spiegelt sich auf mehreren Ebenen wider. Er zeigt sich in seiner wesenhaften Gestalt, in bestimmten psychischen Ausprägungen, an Hand von körperlichen Entsprechungen und Symptomen. Über rituelle Handlungen – Darbringen von Gaben, Gesänge, Rezitationen und Beschwörungen (Mantras), Gesten (Mudras), magischen Ordnungen (Yantras) etc. – wurden die Planeten-Wesen angerufen. Man lud sie ein, bot ihnen einen Handlungsraum an und setzte sich auf diese Weise aktiv mit deren Fähigkeiten auseinander.

Vom Schicksal zur Kraft

Der Einfluss durch die Planeten hängt vom Schutz der Ahnengeister ab. Wenn bestimmte schicksalhafte Ereignisse im Leben eines Menschen eintreten, dann sollte man sich mit den Planeten und deren Kräften beschäftigen. Aber auch der Bezug zu seinen Wurzeln und zu seiner wahren Natur ist wichtig. Hat ein Mensch wenig Kontakt zu seinen Ahnen und zu seiner inneren Natur, dann wird der Planeteneinfluss stärker spürbar für ihn. Aber auch mangelnder Respekt vor dem Leben schwächt die Kraft eines Menschen ab. Die Planeten bringen einen wieder auf den Boden der Realität zurück.
Die Planeten sind Kräfte in uns selbst. Sie zeigen bestimmte Dinge und Konsequenzen auf. Außerdem machen sie uns den Lauf der Natur deutlich. Die fünf Himmelskörper kontrollieren das Leben. Sie arbeiten mit Yama, dem Totengott, zusammen. Der Tod ist kein negatives Wesen, welches zu bekämpfen ist. Vielmehr ist Yama ein Wesen, welches die notwendige Wandlung bewerkstelligt. Dies ist bedeutet Fortschritt und den Transport von Dingen im Sinne einer Transformation.
Der schamanische Auftrag im Umgang mit den Himmelskräften ist einerseits ein Bewusstmachen der verborgenen Potentiale und das Übereinstimmen von individuellen und transpersonalen Kräften. Wirkt ein Planet ungünstig auf den Menschen ein, verwenden Schamanen auch Yantras in Form eines Amuletts. Auf diesem Yantra sind in einer bestimmten Reihenfolge Zahlen angeordnet, die die Resonanz des Individuums zum jeweiligen Planeten ausgleichen sollen.
Weiters können auch die Planeten befriedet oder die Schicksalsfäden durchtrennt werden. Ein „einfaches Durchschneiden“ (Taro Khadko) oder „siebenfaches Durchschneiden“ (Sapta Khadko) wird zur Klärung und Reinigung der sieben inneren Kräfte verwendet. Das Ritual des Asta Khadko oder auch Yama Khadko genannt, ist ein „achtfaches Durchtrennen“ bzw. ein Abschneiden des Yama. Dies wird verwendet, wenn zwei der negativen Himmelskörper mitwirken. Das große Ritual des Nava Graha-Khadko ist das „neunfache Abschneiden“. Dieses Ritual wird auch Kala Khadko genannt, da es die schicksalhafte Zeit abschneidet. Man kann aber auch den Planetenwesen zu bestimmten Zeiten Gaben darbringen und so sie immer wieder bewusst machen und ihre Kräfte nutzen.

Weitere interessante Beiträge können Sie auf rangdrol’s blog sowie auf www.lhundrub.at lesen. Über Ihren Kommentar oder Ihre Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Autor: Enrico Kosmus

Mein Leben mit und in der Craft Teil III

Samstag, 09. Oktober 2010

Was heißt nu ´was genau??

Um meine mögliche Antwort nach einer gelebten Praxis überhaupt formulieren zu können, fehlen einige Schlüsselbegriffe in der bereits beleuchteten Nomenklatur.
Wichtig ist mir da zum Beispiel der Begriff „magisches Weltbild“. Darunter verstehe ich, dass Magie einen festen Platz in meinem Weltbild hat. Dazu ist es nötig das Wort „Magie“ zu erklären: Unter Magie verstehe ich die Fähigkeit (und auch Fertigkeit) durch bewusst gesetzte Handlungen auf einer nicht-materiellen Ebene gezielte Veränderungen auf der materiellen Ebene hervorzurufen. Dieses magische Weltbild ist für mich tägliche Realität. Wie jeder andere Mensch arbeite ich für Dinge, die ich in mein Leben bringen will auf die unterschiedlichsten Arten. Meinen Beruf habe ich erlernt, meinen Lebensunterhalt mittels meiner Hände Arbeit verdient, meine Gesundheitspflege mittels sinnvoller Lebensweise eigenverantwortlich in Arbeit und wie jeder andere auch habe ich Schicksalsschläge zu verkraften und mit Problemen zu kämpfen. Wenn aber die in unserer Gesellschaft üblichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, dann berufe ich mich auf Magie. Dabei lebe ich frei nach dem Motto: Wenn arbeiten nix geholfen hat, dann wird eben gezaubert!

Allerdings spielt das magische Weltbild nicht nur in solchen Notfällen eine Rolle, sondern erfüllt auch eine wichtige Funktion für meine persönliche Entwicklung und die anderer. Damit meine ich die Rituale, die in der Craft ihren Platz haben. Schließlich sehe ich die Craft als initiatorische Mysterienreligion an. Weihen, Einweihungen, Blessings (Segnungen/unter Schutz Stellen von Mensch, Tier, Ding oder sonstigem), Handfastings (Rituale um Menschen zu verbinden), Partings (Rituale um sich zu trennen oder für Verstorbene), Lebensabschnittsrituale (Pubertät, Schwangerschaft, Geburt/Vaterschaft, Menopause, etc.)  und die craftspezifischen Rituale wie Sabbats, Esbats und Jahreskreisfeste, sie alle sind Teil des gelebten Weges. All das benötigt in meinen Augen dieses magische Weltbild um im täglichen Leben auch Wirkung zeigen zu können. Ein Ritual ohne Wirkung auf die nachfolgende Zeit ist für mich unnötig vertane Zeit und Energie.
Allerdings möchte ich da noch ein paar Worte zur Wirkung eines Rituals verlieren. Es geht mir dabei um Auswirkungen auf die Protagonisten oder Ritualteilnehmer. Von einem Heilungsritual sollte genauso in der alltäglichen Wirklichkeit etwas zu merken sein, wie von einem Parting. Eine Einweihung sollte genauso merkbar ihre Spuren hinterlassen wie sich die Stellung des in die Pubertät gekommenen Kindes innerhalb der Familie/der Umgebung im Vergleich zu vorher ändern sollte. Ich hoffe damit ist klar, dass ich nicht von galoppierenden Einhörnern als stetes Gefolge einer Weihe an die Wesenheiten eines Platzes oder vom mystischen Verschwinden eines übergriffigen Lebenspartners nach einem Parting spreche. Wovon ich rede ist die Kraft zu finden, diesen Lebenspartner eigenständig zu verlassen und nötigenfalls ihn den weltlichen Gerichten zu überantworten oder die tiefe innere Verbindung an einen bestimmten Platz in der Natur zu empfinden und sich dementsprechend auch um ihn zu kümmern (dort Zeit zu verbringen, ihn rein zu halten, etc.).

Reinkarnation ist der zweite Punkt, den ich kurz erwähnen möchte. Ich bin mir sicher, dass ein einziges Leben in diesem Universum ganz sicher nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Meiner Ansicht nach, werden wir wiedergeboren – weil´s sonst einfach Energieverschwendung wäre. Nach welchen Regeln das geschieht, darüber mache ich mir keine großen Gedanken, weil es mir ehrlich gesagt völlig egal ist… Durch meinen Bezug auf ein All-Eines kann ich mir das gut leisten, weil ich keinen Wert darauf lege, irgendetwas an persönlichem Bewusstsein oder Persönlichkeit von mir erhalten zu wollen. Mir gefällt der Gedanke, dass ich nur ein klitzekleiner Teil eines großen Ganzen bin und das nächste Mal völlig „neu gemischt“ hier oder wo anders wieder ins Leben purzle.

So erklärt sich auch mein Karmabegriff als Ursache und Wirkung. Was ich auch immer tue (oder lasse) hat eine Auswirkung, für die ich verantwortlich bin. Allerdings denke ich nicht, dass es eine Bestrafung gibt, im Sinne, dass mich jemand von außen beurteilt und dann bestraft. Meine Erfahrung geht eher in die Richtung, dass ich eher selber für die Bestrafung sorge, indem ich selber unter den Auswirkungen meines Tuns leide. Dabei ist die Beurteilung dieses Tuns eine spannende Sache. Was ich dabei besonders wichtig finde, ist die Frage, ob ich mit meinem Tun Schaden verursacht habe. Es gibt vieles, wofür mensch verantwortlich sein kann und vieles davon verursacht Unbehagen oder sogar Schmerz. Nicht alles davon muss aber auch Schaden bedeuten…
Damit stellt sich dann natürlich sofort die Frage nach der Einteilung bzw. Bestätigung, was denn nun was wäre. Da finden wir uns dann wieder in der Eigenverantwortung. Es gibt niemanden, der uns wirklich sagen könnte, ob wir Schaden angerichtet haben oder nicht – außer wir selber.

Das wäre dann, meiner Ansicht nach, der Komplex um den „wahren Willen“ des Magiers. Wer seinen wahren Willen tut (was für mich gleichbedeutend ist mit „ich tue etwas mit dem ich selber 100% in Einklang bin), der tut nicht fehl. Mir ist schon klar, dass gerade dieses Thema den Missbrauch geradezu herausfordert. Allerdings bin ich Verfechterin der These „wenn du etwas nicht missbrauchen kannst, dann kannst du es gleich wegwerfen, weil dann ist es auch nicht wirklich zu gebrauchen!“
Im Klartext: wenn ich etwas tue, von dem ich nicht überzeugt bin, und das zieht dann auch noch Schaden nach sich, dann quält mich mein Gewissen. Je weniger ich hinter Sache gestanden bin, desto heftiger werden die Gewissensbisse. Natürlich kann mensch sie verdrängen, versuchen die Sache schön- und den Schaden kleinzureden oder noch so manch anderen Kniff anwenden. Mein Inneres weiß aber was los war und dieses Wissen ist solange präsent, bis ich den Schaden anerkenne, mein Möglichstes getan habe, ihn zu kompensieren und mir selber vergeben kann. Erst dann kann ich meine Schuld auch wirklich loslassen und damit auch tatsächlich loswerden… Eine kleine Hintertüre gäbe es da noch – sofern ich einen höhere Instanz aus vollem Herzen und zu 100% anerkenne und diese mich von meinen Sünden losspricht, dann ist der Effekt der selbe. Meist wird diese Instanz von mir aber auch „Buße“ verlangen und somit geschieht genau dasselbe, bloß nach außen verlagert.

Ende Teil III