Mit ‘soziale Sicherung’ getaggte Artikel

Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich – Teil 2

Samstag, 26. September 2015

Im zweiten Teil meines Artikels über den Besuch der Landesausstellung 2015 in Oberösterreich möchte ich einerseits noch kurz auf die Ausstellungsgestaltung und andererseits auf etliche Fragen, die sich mir im Laufe des Ausstellungsbesuch bezüglich unserer Gesellschaft aufgedrängt haben, zu sprechen kommen. Den ersten Teil des Artikels findet ihr hier

Haptisches – auch für Oldies

Für mich wurde das Thema museumsdidaktisch sehr gut aufbereitet. Es gibt (zusätzlich zu Gruppenführungen) eine Führung mit einem Audio-Guide, der viel Hintergrundinfos bringt und auch die einzelnen KuratorInnen zu Wort kommen lässt und somit nicht nur, wie in vielen anderen Ausstellungen, der Raumtext vorgelesen wird. Neben der schon erwähnten Flachware, die aber eher sparsam eingesetzt wird, gibt es immer wieder die Möglichkeit sich anhand von Videos mit den Lebenswelten von Betroffenen (zum Beispiel Menschen mit Behinderung) oder Menschen die im sozialen Bereich arbeiten (hauptamtlich und ehrenamtlich) auseinander zu setzen.

Das Meer der Lebensrisiken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden je nach Jahrhundert

Das Meer der Lebensrisiken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden je nach Jahrhundert

Bei den Raumtexten wurde auf eine angenehme Lesehöhe und auch eine leichte Lesbarkeit der Texte geachtet. In jedem Raum gibt es dazu zusätzlich eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Themas in leicht lesbaren Sätzen, damit auch Menschen die Schwierigkeiten mit dem Verstehen von komplizierten Texten die Möglichkeit haben der Ausstellung zu folgen. Diese Texte sind mit einem „LL“-Zeichen gekennzeichnet (=Leichter Lesen). Daneben gibt es verschiedene Rauminstallationen wie die MS ASVG, in der das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz als Schiff dargestellt wird. Der rote Faden der Ausstellung stellt einem die Frage ob man erwerbstätig ist und wenn man diese Frage mit Ja beantworten kann, dann wird man auf das Schiff eingeladen. Interaktive Stationen vermitteln einem spielerisch einen Zugang zu den zentralen Inhalten – zum Beispiel navigiert man mit dem Schiff durch das Meer der Lebensrisiken zu verschiedenen Zeiten. Ist man nicht Erwerbstätig, dann bleiben noch verschiedene Rettungsinseln außerhalb der MS ASVG im Falle von zum Beispiel Arbeitslosigkeit oder Behinderung.

Aufzeigen – hinterfragen – reflektieren

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ausstellung auf der einen Seite die geschichtliche Entwicklung des Systems der sozialen Sicherung beleuchtet und auf der anderen Seite immer die Solidarität als eine wichtige Grundlage des Wohlfahrtsstaates thematisiert – Solidarität gilt im Großen und im Kleinen, zwischen Gesellschaften und Gemeinschaften, Organisationen und Gruppen, und zwischen einzelnen Menschen. Und dabei gelingt es den AusstellungskuratorInnen auch gut sich aus den aktuellen politischen Diskurs zu diesem Thema raus zu halten. Es wird aufgezeigt, hinterfragt und zum Reflektieren angeregt. Es kommen betroffene Menschen zu Wort und erklären was Ihnen wichtig ist – sowohl Menschen mit Behinderung als auch Menschen die beruflich oder ehrenamtlich im sozialen Feld arbeiten. Ich würde allen, die sich in diesem Feld engagieren wollen einen Besuch dieser Ausstellung empfehlen – es lohnt sich auf alle Fälle.

Wie ich schon am Anfang vermutet habe, hat anscheinend viele potentielle BesucherInnenn das Thema abgeschreckt. Ich war bei meinem zweieinhalb bis dreistündigen Besuch allein mit den AufseherInnen und dem Kassapersonal. Es ist halt doch ein unbequemes Thema mit dem man sich vor allem in seiner Freizeit anscheinend nicht gern beschäftigen will.

Wer übernimmt Verantwortung und warum?

Wer übernimmt Verantwortung und warum?

Im Laufe der Ausstellung haben sich mir auch ein paar Fragen aufgedrängt, die ich hier gerne mit euch teilen und vielleicht auch zu einer Diskussion anregen will. Als es das System der sozialen Sicherung als (Pflicht-)Versicherung in dieser Form noch nicht gegeben hat gab es einerseits das Netz der Familie, das mit der zunehmenden Industrialisierung und damit auch durch den Wegfall der örtlichen Nähe zerrissen wurde, und andererseits das soziale Netz der verschiedenen institutionalisierten Einrichtungen wie Bürgerspitäler, Armenhäuser, etc. auf kommunaler Ebene beziehungsweise konfessionelle Einrichtungen wie das hier erwähnte Haus der Diakonissinnen. Sie alle nahmen sich um verschiedene „Lebensrisiken-Zielgruppen“ wie Menschen mit Behinderungen, Kranke, von Armut und/oder Alter Betroffene an. Nun ist es ja in unserer Zeit anscheinend abzusehen, dass dieses System der sozialen Sicherung wie wir es bis jetzt kennen keinen langen Bestand mehr hat. Das Prinzip des Generationsvertrages ist wahrscheinlich nicht mehr lange finanzierbar und auch das Prinzip mit der Normalarbeitszeit funktioniert nicht mehr so wie eigentlich geplant. Der Staat zeigt immer mehr Tendenzen sich aus bestimmten Bereichen der sozialen Sicherung zurück zu ziehen. Ich will jetzt gar nicht groß auf die Gründe eingehen, warum das System in dieser Form anscheinend nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

Und wie geht es weiter?

Mich interessiert vielmehr die Frage, ob unsere Gesellschaft genug Solidarität aufbringen kann um ein soziales Netz außerhalb der staatlichen Verantwortung zu schaffen. Den familiären Zusammenhalt gibt es aus unterschiedlichen Gründen (derzeit) nicht mehr – zum Beispiel durch geographische Entfernung oder weil jeder Erwachsene im Haushalt einer erwerbsmäßigen Beschäftigung nachgeht, ist meist keiner mehr da der die Kinder/Heranwachsenden oder die Alten/Kranken/zu Pflegenden betreuen kann. Wenn also der Staat und die Familie als Netz wegfallen, dann bleiben meiner Meinung nach zum Beispiel noch die konfessionellen Institutionen wie Caritas oder Diakonie übrig. Mit dem zunehmenden Verschwinden der Anhänger dieser verschiedenen Konfessionen wird es vielleicht auch hier in absehbarer Zeit zu Engpässen kommen. Und da würde mich jetzt einfach mal interessieren ob die verschiedenen heidnischen Gemeinschaften, welcher Richtung sie auch immer angehören mögen, ein soziales Netz bieten/aufbauen können. Ich meine versteht mich nicht falsch, gesellschaftliche Solidarität sollte eigentlich nicht von der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft/Religion/spiritueller Einstellung abhängig sein. Aber wenn wir uns die Geschichte so anschauen, hat in den verschiedenen Religionen/Glaubenssystemen die Unterstützung für die Armen/Kranken/Notleidenden einen fixen Platz und daraus entwickelten sich dann verschiedene Unterstützungsformen beziehungsweise Institutionen wie zum Beispiel die Diakonissinnen. Als die „alten Religionen/Glaubenssysteme“ in der Bevölkerung weit verbreitet waren gab es noch den Zusammenhalt des Clans/der Familie in Notsituationen beziehungsweise wurde mit dem Thema auch anders umgegangen – in vielen geschichtlichen Abschnitten war soziale Sicherung natürlich auch einfach kein Thema. Nun – jetzt ist aber mal jetzt und daher interessiert es mich, ob die neu belebten Traditionen sich darüber auch Gedanken gemacht haben.

  • Wie geht zum Beispiel ein Coven mit seinen Mitgliedern um, die nicht mehr aktiv an der Gesellschaft (aus welchen Gründen auch immer – Krankheit, Unfall, Alter) teilnehmen können und es zu diesem Zeitpunkt keine staatliche Unterstützung gibt?
  • Gibt es dafür Beispiele zum Beispiel aus Ländern, die ein geringeres Maß an sozialer Sicherung als wir hier in Europa?
  • Gab es in den „alten“ heidnischen Traditionen auch „Auffangsysteme“ außerhalb des Clans/der Familie?
  • Welche Form der Hilfe könnte es noch geben wenn die Familie, der Staat die religiösen Institutionen wegfallen? Spielt dabei die (religiöse) Lebenseinstellung eine Rolle?
Grundsätzliche und wichtige Frage

Grundsätzliche und wichtige Frage

Fragen über Fragen die mir im Laufe des Ausstellungsbesuches so in den Sinn gekommen sind. Auch wenn ich grundsätzlich ein positiv denkender Mensch bin, gehe ich davon aus das ich es vielleicht noch erleben werde, dass das jetzige System der sozialen Netze nicht mehr hält und dann gibt es hoffentlich Alternativen, da ich dann höchstwahrscheinlich in einem unterstützungsbedürftigen Alter sein werde. Was ist eure Meinung dazu?

Quelle:
OÖ Landesausstellung 2015 – Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich
www.wikipedia.com

Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich – Teil 1

Samstag, 22. August 2015

So lautet der Titel der heurigen Landesausstellung in Oberösterreich. Mich hat dieser Titel neugierig gemacht und ich nutzte meinen Urlaub um diese Ausstellung in Gallneukirchen (nähe Linz) im Haus Bethanien der Diakonie[1] zu besuchen.
Einerseits reizte mich der Inhalt der Ausstellung, immerhin wird gerade über das Thema soziale Sicherung und deren finanzielle Leistbarkeit sehr viel diskutiert. Andererseits interessierte mich die museumsdidaktische Aufarbeitung dieses Themas.

Der Ausstellungsort wurde als Heim der Diakonissinnen im Jahr 1909 als Ort einer Glaubens-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft gegründet deren Aufgabe in der Hilfestellung von Menschen in Notlagen ist und war. Zu Beginn war es ein Damen- später dann auch Flüchtlingsheim, Notkrankenhaus während des 2. Weltkrieges, Wohnort für Schülerinnen der Schwesternvorschule und Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz, wird unter anderem als Tagesbetreuungsstätte für Menschen mit Demenz benutzt und beherbergt ein Beschäftigungsprojekt für Menschen mit Behinderung im Kunst- und Kulturbereich.

Solidarität der Gesellschaft als Grundidee

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Hilfe bei sozialen Herausforderungen wie Krankheit, Armut, Behinderung oder soziale Ausgrenzung. Es zeigt, dass die Hintergrundidee der sozialen Sicherung auf der Idee einer Gesellschaft basiert, deren Pflicht es ist, sich um Menschen in Problemlagen anzunehmen. Sie zeigt die geschichtliche Entwicklung des gesellschaftlichen Umgangs mit den verschiedenen Lebensrisiken. Als BesucherIn hat man immer wieder die Möglichkeit in verschiedenen Rollen zu schlüpfen und sich mit den verschiedenen Lebenslagen, Schicksalsschlägen und verschiedenen Lösungswegen auseinander zu setzen. Es sollen die Schwachstellen der sozialen Sicherheit aufgezeigt werden und der Besucher/die Besucherin sensibilisiert werden, dass nicht nur die Gesellschaft Verantwortung für diesen Bereich trägt, sondern auch die individuelle Verantwortung jedes Einzelnen/jeder Einzelnen für ein gutes Leben beziehungsweise Zusammenleben gefragt ist.

Darstellung der verschiedenen Lebensrisiken

Darstellung der verschiedenen Lebensrisiken

Als ich die Ankündigungen für diese Ausstellung gelesen habe ich mir gedacht, na servas – wie wollen die bloß so ein schwieriges und auch sensibles Thema aufarbeiten. Eigentlich ist es ein trockenes, für die meisten unangenehmes Thema wo man als AusstellungskuratorIn wahrscheinlich auf eine Vielzahl von Flachware (Dokumente, Fotos, etc.) aber auf wenig haptische Objekte zurückgreifen kann. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass so etwas schnell langweilig für die BesucherInnen wird. Außerdem setzt man sich mit diesem Thema meist nur auseinander, wenn man selber (oder wer aus der Familie beziehungsweise dem Freundeskreis) auf das soziale Netz angewiesen ist oder damit in seinem Leben schon mal Erfahrungen gemacht hat.

Neue soziale Netze werden geknüpft

Im ersten Teil der Ausstellung wird die historische Entwicklung des Systems der sozialen Sicherung präsentiert und deren Zentrierung auf die Erwerbstätigkeit thematisiert. Der Gedanke der Solidarität bildet die Grundlage des Systems: Es lebt von der Akzeptanz und der aktiven Unterstützung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Verschiedene soziale Gruppen sind zu unterschiedlichen Zeiten und  in unterschiedlichem Ausmaß abgesichert worden, wobei die zentrale Voraussetzung der Kranken- und Unfallversicherung (wie in der Regel heute noch) in der Erwerbstätigkeit gegründet war.

Durch zunehmende Industrialisierung kam es zu einer Abwanderung der Bevölkerungen in die verschiedenen Städte und Industriegebiete. Somit wurde das soziale Netz, dass bis jetzt hauptsächlich durch die Familie im Fall von Krankheit, Unfall oder Alter und der daraus resultierenden Armut gebildet wurde geschwächt beziehungsweise ganz zerrissen. Der zunehmende Unmut der arbeitenden Klasse machte sich vermehrt durch Demonstrationen bemerkbar und der Staat und die Unternehmen sahen sich gezwungen ein Sicherungssystem für die ArbeiterInnen zu entwickeln – die Unfall- und Krankenversicherung wurde eingeführt. Somit hatten die ArbeiterInnen einen Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen – so lange sie erwerbstätig waren.

Wer hat Unterstützung verdient?

Wenn jemand in die Arbeitslosigkeit und damit meist auch in Armut geriet, war er/sie darauf angewiesen in seine/ihre Heimatgemeinde zurück zu kehren und dort um Unterstützung durch die Gemeinde anzusuchen. Ein zentrales Thema dieses Bereichs ist die Unterscheidung zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Armen, die die Fürsorgeeinrichtungen beschäftigte und auch heute noch beschäftigt, ebenso wie der Grundsatz der Subsidiarität[2]. Erst wenn wirklich keine Mittel mehr vorhanden waren, wurde die Unterstützung der Gemeinde gewährt. In diesem Feld – Versorgung der Erwerbsunfähigen – etablierten sich Hilfseinrichtungen von kommunalen und privaten (konfessionellen) Trägern, die jeweils spezielle Personengruppen betreuten.

Wer hat die Unterstützung wirklich verdient?

Wer hat die Unterstützung wirklich verdient?

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die soziale Sicherung zum Konfliktfeld der großen politischen Lager in der ersten Republik. 1920 wurde die Arbeitslosenversicherung eingeführt – unter anderem wollte man damit auch das Risiko eines militärischen Umsturzes durch die aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten und jetzt sich in der Arbeitslosigkeit befindlichen Männer verhindern. Die Politiker fürchteten, dass die Männer am Kommunismus Gefallen gefunden hatten und diesen auch in Österreich mit Waffengewalt einführen wollten. Ursprünglich war auch ein weiterer Ausbau des Versicherungssystems mit der Einführung einer Pension geplant, der wurde allerdings durch die Weltwirtschaftskrise verhindert. Die steigende Arbeitslosigkeit führte zu einem massiven Armutsphänomen und dies wiederum begünstigte den aufkommenden Nationalsozialismus. In der NS-Zeit wurden soziale Maßnahmen wie Alterspension, Ehestandsdarlehen und Kinderbeihilfen eingeführt; durch die Kriegsvorbereitungen kam es auch zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Die Leistungen des nationalsozialistischen Wohlfahrtsstaats standen aber nur jenen Menschen zur Verfügung, die die Voraussetzungen der Erbgesundheit und der Rassereinheit erfüllten.

Die Prinzipien des ASVG

Die Prinzipien des ASVG

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde das Modell der Versicherung beibehalten und nochmal ausgebaut. Der Kreis der Versicherten wurde zum Beispiel um bisher nicht erfasste Berufsgruppen und Angehörige erweitert. Die Basis dazu bildete und bildet auch heute in Österreich das Allgemeinde Sozialversicherungsgesetzt, kurz ASVG genannt. Sie deckt Risiken wie Krankheit, Unfall und Alter ab. Die Arbeitslosenversicherung zählt zwar auch zu den Pflichtversicherungen, ist aber in Österreich nicht im ASVG geregelt. Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetzt beruht auf verschiedenen Prinzipien – neben dem Prinzip der Pflichtversicherung, sind hier noch das Solidaritätsprinzip, der Generationenvertrag, die Normalarbeitszeit und das Versicherungsprinzip zu nennen. Das Solidaritätsprinzip besagt, dass Menschen mit höheren Einkommen auch höhere Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Der Generationenvertrag besteht darin, dass die heute Erwerbstätigen die Pensionen der heutigen Pensionisten zahlen. Das Prinzip der Normalarbeitszeit besagt, dass alle ArbeitnehmerInnen mit Normalarbeitszeit (Vollzeit und unbefristet) voll in das soziale System integriert sind – was natürlich in heutigen Zeiten mit einer Zunahme von Teilzeit und anderen mehr oder weniger prekären Beschäftigungsverhältnisse zunehmen zu einer Benachteiligung dieser letztgenannten Gruppe führt. Das Versicherungsprinzip besagt, dass die Erwerbstätigen eine Risikogemeinschaft bilden um bei Arbeitsunfähigkeit abgesichert zu sein.

Der Weg zur Selbstbestimmung und Chancengleichheit

Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird nochmal vertiefend auf die verschiedenen Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter und Behinderung eingegangen und die Rolle der verschiedenen sozialen Dienst in diesem Kontext herausgearbeitet. Zusätzlich wird das Thema Behinderung und Alter ausführlichere behandelt. Hierbei geht auch um die geschichtliche Entwicklung dieser beiden Risiken. Früher arbeitete man nach dem Motto „warm, satt und sauber“ und dabei ging es grundsätzlich um Grundversorgung der betroffenen Menschen. Dies hat sich über das Motto „Förderung und Rehabilitation“ hin zu „Selbstbestimmung und Chancengleichheit“ entwickelt. Heute steht zum Beispiel im Bereich der Behindertenarbeit zunehmend die Frage der Beteiligung/Inklusion und dem Abbau von Barrieren im Vordergrund.

"Kleine Helfer" für ältere Menschen

"Kleine Helfer" für ältere Menschen

Auch bei Personen im Alter hat hier in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Neben der Pension beziehungsweise einer allenfalls anfallenden Ausgleichszulage (damit die Mindestpension erreicht wird) ist es Ziel die Menschen in ihrem familiären Umfeld zu belassen – Stichwort Förderungen für die 24-Stunden-Pflege daheim, Ausbau von Tagesbetreuungsplätzen für SeniorInnen, etc. Die eventuell zusätzlich benötigten ambulanten und stationären Hilfestellungen werden – wie in anderen Sozialbereichen auch (Behinderten-, Jugend-, Familienarbeit, Unterstützung bei der Lebensbewältigung für verschiedenste Gruppen) – von immer qualifizierterem Personal geleistet. Auch die Sozialeinrichtungen agieren immer professioneller, kämpfen aber oft mit Unverständnis und Sparzwängen. Viele soziale Dienste könnten nicht geleistet werden, gäbe es nicht zahlreiche Menschen, die sich ehrenamtlich im Sozial- und Gesundheitswesen, aber auch im Freizeitbereich engagieren.


Im zweiten Teil des Artikels beschäftige ich mich mit der museumsdidaktischen Umsetzung des Ausstellungsinhaltes sowie mit den verschiedenen Fragen, die mir während meines Besuches zu diesem Thema – über die Zukunft einer solidarischen Gemeinschaft und inwieweit sich hier auch die verschiedenen heidnischen Gemeinschafen einbringen können.

Ende Teil 1

Quelle:
OÖ Landesausstellung 2015 – Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich
www.wikipedia.com


[1] Das Haus ist nach dem biblischen Ort Bethanien benannt und Heim der Diakonissinnen. Eine Diakonisse ist eine Frau die in einer evangelischen verpflichtenden Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft lebt.

[2] Subsidiarität ist eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einstellung, die die Entfaltung der Fähigkeiten des Einzelnen/der Einzelnen, deren Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in den Vordergrund stellt und anstrebt. Erst wenn das nicht klappt, dann springt eine übergeordnete Institution ein und übernimmt Aufgaben und Handlungen subsidiär, also unterstützend.