Mit ‘Tollkirsche’ getaggte Artikel

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau

Eine tolle Kirsche – Atropa belladonna

Samstag, 25. Dezember 2010

Die Liebe und der Tod – bei der Tollkirsche liegen diese zwei Erfahrungen sehr nahe beieinander. Sie wurde im Laufe der Geschichte sowohl als Aphrodisiaka als auch als Gift eingesetzt.

Schönheit, die ver-rückt

Den Gattungsnahmen Atropa legte als erster der schwedische Naturforscher Carl von Linné fest. Atropa kommt aus dem griechischen und bezieht sich auf die griechische Schicksalsgöttin Atropos, die eine der drei Parzen ist: Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis zieht ihn aus und Atropos schneidet ihn durch. Auf einigen Bildern wird Atropos mit einem Tollkirschenzweig anstelle einer Schere dargestellt.

Der Name Belladonna kommt aus dem italienischen und heißt übersetzt soviel wie „schöne Frau“. Dies bezieht sich einerseits auf die frühere kosmetische Anwendung von Tollkirschensaft – Frauen träufelten sich diesen Saft in die Augen und vergrößerten sich dadurch ihre Pupillen um dem damals gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Andererseits kann der Name aber auch auf die römische Göttin Bellona zurückgeführt werden. Ihre Priester sollen bei verschiedenen Zeremonien zu ihren Ehren Tollkirschensaft getrunken haben. Mit der Ausbreitung des Christentums geriet die Göttin in Vergessenheit und der Name wandelte sich von „Bellona“ zu „bella donna“.

Atropa belladonna (Copyright Markus Dürnberger)

Atropa belladonna (Copyright Markus Dürnberger)

Bevor Linné ihr einen eigenen wissenschaftlichen Namen gab wurde die Tollkirsche unter anderem als die Rasende, Verhängnisvolle, Todbringende, Verzaubernde, Schlafbringende aber auch als Hexen- oder Mörderbeere bezeichnet. Sie wird auch Wolfsbeere oder Wolfskirsch genannt. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die verschiedenen Erfahrungen von Menschen, die im Selbstversuch die Wirkung der Tollkirsche getestet haben. Sie erzählen von Begegnungen mit Wölfen in diesen Phasen, die sie als Wächter oder Begleiter in die Astral- oder Anderswelt erlebt haben.

Der deutsche Name Tollkirsche bezieht sich auf ihre „doll“ machende Wirkung – „doll“ kann mit „geil“ übersetzt werden, was sich auf die Wirkung als Aphrodisiakum bezieht. Durch ihre halluzinogene Wirkung verursacht sie allerdings auch „Tollheit“ im Sinne von Verrücktheit.

Bevor wir uns jetzt weiter mit der Wirkung der Tollkirsche beschäftigen möchte ich noch kurz auf ihr Aussehen und Vorkommen eingehen.

Verwechslungen kommen teuer zu stehen

Als mehrjähriges, staudenartiges Gewächs kann die Tollkirsche bis über eineinhalb Meter hoch werden. Die violetten bis bräunlichen Blüten sind glockenförmig und wachsen aus einem fünfzipfeligen Kelch. Die Frucht sind schwarze Beeren die leicht mit der Schwarzkirsche (Traubenkirsche) verwechselt werden kann und enthält einen stark violett färbenden, süßen Saft. Die Blütezeit reicht von Juni bis August (vereinzelt bis in den Oktober) und die Beeren bilden sich von August bis September.

Alle Teile der Tollkirsche (Wurzeln, Blätter, Blüten und Früchte) sind hochgiftig und enthalten als Hauptbestandteil Atropin und L-Hyoscyamin. Die frische Pflanze enthält hauptsächlich Hyoscyamin das sich bei der Trocknung in Atropin wandelt.

Atropa belladonna (Copyright Markus Dürnberger)

Atropa belladonna (Copyright Markus Dürnberger)

Atropa belladonna kommt in Europa (Mittel-, West- und Südeuropa, Irland, Dänemark und Schweden), Kleinasien (Iran und Balkan) und heute auch in Nordafrika vor. In Griechenland ist sie hauptsächlich in bergigen Gebieten verbreitet. In den Alpen findet sie sich bis in einer Höhe von 1700 Metern. Die Tollkirsche bevorzugt schattige Plätze auf kalkreichen Böden an Waldrändern, Waldwegen und Lichtungen und in Laubwäldern. Da sie allerdings sehr anpassungsfähig ist findet sie sich mitunter auch in der prallen Sonne in Großstädten.

Giftige Schönheit die verzaubert

In der botanischen Literatur findet sich die Tollkirsche ab dem 15. Jahrhundert und wird als Gift- und Zauberpflanze beschrieben. Sie wird unter anderem zur Herstellung von Flug- und Hexensalben verwendet, die aber wegen ihrer Giftigkeit seltener angewendet wird als zum Beispiel der Stechapfel.

Ein weiteres Einsatzgebiet im Laufe der Geschichte findet sie als Kriegstoxikum. In der Steinzeit wurde sie als Pfeilgift verwendet und in späterer Zeit verschiedenen alkoholischen Getränken beigefügt. Mit diesen Gebräuen wurden die Feinde umgebracht oder ruhiggestellt.

Als Beispiel dient hier die überlieferte Geschichte von der Vernichtung der Armee des dänischen Königs Swenos nach der Invasion in Schottland. Die Schotten hatten den Dänen, wie in einem Waffenstillstandabkommen vereinbart, Met ins Lager geschickt. Dieser war allerdings mit Tollkirschensaft vermischt und machte die Dänen so betrunken, dass die Schotten über sie herfallen konnten und viele im Schlaf getötet wurden.

Das letzte Mal kam das Atropin der Tollkirsche 1943 zum Einsatz. Die Alliierten erfuhren, dass die Deutschen ein geruch- und farbloses Nervengift herstellten, das in kürzester Zeit zum Tod führte. Das einzige Gegengift stelle Atropin dar und so wurden große Mengen aus der Tollkirsche gewonnen. Das Gegengift wurde allerdings nie gebraucht, da das Gift von den Deutschen im Kampf nicht eingesetzt wurde.

In der Volksmedizin wurde sie in der Antike als Schmerzmittel und als Psychopharmaka verwendet. Ihre Blätter und Beeren fanden Anwendung als Mittel unter anderem gegen Gelbsucht, Husten, Epilepsie, Scharlach, Hautkrankheiten, Masern, Röteln, Geschwüre, Bluthochdruck, Hitzewallungen und Nierenkoliken. Trotz dieser vielfältigen Anwendbarkeit wurde sie in der volksmedizinischen Praxis relativ selten verwendet. Für die Schulmedizin wurde sie, durch ihre Pupillen erweiternde Eigenschaft zuerst in der Augenheilkunde interessant. In Bulgarien verwendete ein Kräutersammler die Tollkirsche für die Heilung der chronischen Gehirngrippe (Parkinson). Diese Anwendung fand unter dem Namen „Bulgarische Kur“ ihre Verbreitung, war aber wegen ihrer häufig auftretenden Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Sehstörungen, …) nicht ganz einfach zu handhaben.

Atropa belladonna(Copyright Markus Dürnbergr)

Atropa belladonna(Copyright Markus Dürnbergr)

Die heutige Medizin verwendet das Atropin der Tollkirsche vor allem in der Augenheilkunde und in der internistischen und chirurgischen Notfallmedizin. Die Wirkstoffe werden bei Augenoperationen und Asthma als Entspannungsmittel, zur Einleitung der Narkose und als Stimulanz bei Herzkreislauf-Stillstand eingesetzt. Die Homöopathie setzt Belladonna unter anderem gegen Gelenksbeschwerden, Blasen- und Augenbeschwerden, Bluthochdruck, Eiterungen, Erkältungen, Gicht, Delirium, Halsschmerzen, Husten, Migräne, Fieber, Menstruationsbeschwerde, Sonnenallergie, Basedow-Krankheit und Lichtscheu ein.

Aphrodisiaka und Schönheitsmittel, Heilmittel und Gift, Zauberpflanze für die Reise in die Anderswelt, … die „tolle Kirsche“ zeigt uns damit ihr gesamtes Spektrum und es liegt in unserer Verantwortungen wie wir sie nutzen – Liebe oder Tod.

Quellen:

Berger, Markus u. Hotz, Oliver: Die Tollkirsche. Königin der dunklen Wälder. Solothurn 2008.
Hansen, Harold A.: Der Hexengarten. Die Zauberkräuter des Mittelalters und ihre Wirkung. München 1980
Yilmaz, Martina: Zauberkräuter Hexengrün. Bergen 1989.