Mit ‘walpurgisnacht’ getaggte Artikel

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VII

Samstag, 21. Mai 2011

Die Symmetrie dieses Jahresfestkreises hat einige Vorteile gegenüber weniger symmetrischen Jahresfestkreisen: Es macht einen harmonischen Eindruck und lässt sich durch ein schönes achtspeichiges Rad darstellen, das viele Künstler/innen inspiriert (hat). (Wenn Du im Google unter „Bilder“ nach „Jahreskreisfeste“ oder „Wheel of the year“ suchst, weißt Du, was ich meine, und jede anständige Neuheidin (mich inbegriffen) hat natürlich zu Hause so einen Jahreskreisposter herumhängen …) Jedes Jahresachtel wird gleichermaßen mit einem Fest bedacht (nicht mehr, nicht weniger), das heißt, es „stauen“ sich keine Feste irgendwo in einer Jahreszeit (wie es bei vielen anderen Jahreskreisen – oft bedingt durch das bäuerliche Jahr –  der Fall ist), was praktisch ist, weil man immer genügend Zeit hat, das nächste Fest vorzubereiten – man kommt nicht in Festtagsstress. Das achtspeichige Jahresrad vermittelt daher ein perfektes Abbild einer harmonisch funktionierenden Natur und ihrem Wandel durch die Jahreszeiten.

Dies gilt allerdings nur für die nördliche Hemisphäre und hier v.a. für die gemäßigte Zone (teils auch für die mediterrane und die kalte Klimazone). Das achtfache Jahr lässt sich – zumindest in seiner ursprünglich gedachten Bedeutung – nicht auf andere Klimazonen oder auf die Südhalbkugel übertragen. Die Idee hinter dem neuheidnischen Jahreskreis ist weitgehend europäisch, und auch die Mythen, die damit in Verbindung gebracht werden, stammen großteils (wenn auch nicht ausschließlich) aus den europäischen Kulturkreisen (vergangenen wie heutigen).

Wer hat’s erfunden?

Als ich im Google unter „acht Jahreskreisfeste“ suchte, fand ich interessante Erklärungen über den Ursprung derselben. So seien sie Jahrtausende alt, stammten aus matriarchalen Kulturen, basierten auf uraltem Geheimwissen, seien die heidnischen Feste der Germanen und Kelten, wären uralte Feste, die von Hexenzirkeln im Geheimen durch die christliche Zeit gerettet wurden, seien heidnische Feste, die von den Christen gestohlen und als christliche Feste verfälscht worden seien. Irgendwo liegt in diesen Aussagen sicher ein Körnchen Wahrheit, im Großen und Ganzen handelt es sich aber um unhaltbare Behauptungen. Ich hoffe, im Folgenden ein wenig Klarheit in die Materie zu bringen, und was die Aussage betrifft, dass es sich um Jahrtausende alte geheime Feste handle, möchte ich noch einmal kurz an das Kapitel über die Urgeschichte erinnern und an die Unmöglichkeit, über das geistige Erbe von Kulturen jenseits der Historie auch nur halbwegs gesicherte Aussagen machen zu können.

Die Erfindung des achtfachen Jahres jedenfalls (nicht die der einzelnen Feste!) liegt zeitlich viel näher, als man meinen könnte. Und die acht Jahresfeste haben sogar etwas mit geheimen Hexenzirkeln zu tun. Allerdings mit sehr modernen. Konkret geht es um die von dem Engländer Gerald B. Gardner (1884 – 1964) Mitte des 20. Jhdts. gegründete „Wicca“ genannte Hexenreligion, die in sogenannten Coven (geheimen Kleingruppen) praktiziert wird.

Gardner richtete neben verschiedensten Ritualen und Initiationsriten auch Jahreskreis- und Vollmondfeste ein. Wenn man Frederic Lamond, einem Wicca-Urgestein aus Gardners Zeiten, glauben darf, so ist der Grund für die Entwicklung des achtspeichigen Jahresrades reichlich banal: Lamond berichtet in „50 Jahre Wicca“, dass anfangs nur die vier Feuerfeste (die in seinem Coven „die großen Sabbate“, oder die „Jahreskreisfeste“ genannt wurden) begangen wurden. Daneben gab es noch die Vollmondfeste. Zu den magischen Vollmondritualen waren nur Covenmitglieder zugelassen, und als Ritualspeise wurden lediglich Kekse und Wein gereicht. Die vier Sabbate hingegen endeten immer in einem großen Festgelage mit reichlich Speis und Trank. Außerdem waren diese Feste offen, und die Covenmitglieder konnten ihre Freund/innen dazu einladen.

Auf die Frage, warum im Coven nicht die Sonnenfeste gefeiert würden, sondern die Daten so komisch seien (also immer zwischen den Sonnenfesten), soll Gardner geantwortet haben, dass im nördlicheren England (im Gegensatz zum südlicheren Teil Europas) die natürlichen Jahreszeiten etwas später begännen. Das wichtigste Fest für die Hexen sei das Frühlingsfest, bei dem junge Paare sich auf den frisch gepflügten Feldern sexuell vereinigen sollten. Da es in England erst im Mai warm genug dafür wäre, sei auf den britischen Inseln das Frühlingsfest daher am 1. Mai zu feiern (und nicht zur Frühlingstagundnachtgleiche).

Analog dazu würde das bedeuten, dass der 1. August den Sommer markiert, der 1. November den Herbst und der 1. Februar den Winter. Warum sich Gardner tatsächlich genau für diese Feste entschied, ist fraglich. Am ehesten glaube ich, dass er einfach die vier altirischen Hochfeste für seine neue Religion adaptierte, wobei er sie allerdings neu deutete, da die Jahreszeitenbeginndaten im alten Irland anders lauteten (siehe im Kapitel über die Kelten).

Vielleicht suchte er auch nur nach einem symmetrischen Jahresrad, wobei ihn das Maifest mit seinen sexuell anmutenden Maibaumbräuchen vielleicht am meisten reizte. Oder er sah einen Zusammenhang mit der Walpurgisnacht am 30. April, der wohl berühmtesten Hexennacht überhaupt. (Wenn Du wissen willst, was in der Walpurgisnacht so alles vor sich geht – zumindest in den Köpfen kreativer Dichter – empfehle ich Faust I und II von Goethe, dessen Walpurgisnachtstraum einem Drogenrausch entsprungen sein könnte!)

Sei es wie es sei. Gardners Covenmitglieder fanden an den freundschaftlichen Festgelagen zu den vier Sabbaten, wo es leckere Speisen und Gutes zu trinken gab, so viel Gefallen, dass sie im Frühling 1958 kurzerhand beschlossen, die vier Sabbate um die vier Sonnenfeste zu erweitern, damit nun acht große Festgelage (die allesamt nun Sabbate genannt wurden) stattfinden könnten. Allerdings ging das laut Lamond auf Kosten der 12 bzw. 13 Vollmondrituale, die wegen Festtagsstress nun auf fünf bis sechs pro Jahr schrumpften.

Überspitzt gesagt bedeutet das: Der achtfache Jahreskreis existiert in der Form nur deshalb, weil Gardners Covenmitglieder nach den Ritualen immer Kohldampf hatten. Weg mit den blöden Keksen und dem Wein (irgendwann wird’s fad, wer würde das nicht verstehen?), und her mit einem guten Drei-Gänge-Menü! Rituale feiern macht schließlich hungrig.

1958 ist also das Geburtsjahr unseres achtfachen Jahresrades und nicht irgendwelche diffusen uralten Zeiten. Schon damals machten die acht Jahresfeste auch außerhalb Gardners Coven Furore. Ross Nichols, ein moderner Druide und Freund von Gardner, übernahm 1964 für seinen neu gegründeten Druidenorden OBOD (siehe im Kapitel über das Neodruidentum) das Konzept des achtspeichigen Jahresrades, und nachdem es sich vor allem durch verschiedenste Wiccatraditionen in Europa und den USA ausgebreitet hatte, etablierte es sich schließlich in vielen anderen neuheidnischen, naturreligiösen und auch esoterischen Bereichen.

Verbreitung der acht Jahreskreisfeste

Wicca hat mit den acht Jahreskreisfesten sozusagen einen spirituellen Exportschlager in die westliche Welt gesetzt (und teilweise auch mit der Ritualpraxis, wie im entsprechenden Kapitel noch erläutert wird). Neben dem Neodruidentum und der Göttinnenspiritualität, denen je ein eigenes Kapitel gewidmet ist, hat das achtfache Jahr in vielen anderen esoterischen und neuheidnischen Richtungen Einzug gehalten. Zu nennen wären z. B. die Zeremonialmagie, die Kaosmagie, der Satanismus, verschiedene Hexentraditionen außerhalb des Wicca, der Core-Schamanismus sowie auch oft ganz allgemein die moderne Esoterik- und New-Age-Bewegung.

Die größte Gruppe aber, wie ich glaube (zumindest in Österreich), die auch den achtfachen Jahreskreis begeht, könnte man unter dem Begriff „allgemeines Heidentum“ oder „allgemeine Naturspiritualität“ zusammenfassen. Darunter verstehe ich Menschen, die sich keiner bestimmten Tradition zugehörig fühlen, sich aber aufgrund ihrer Liebe zur Natur, zum Umweltschutz, zu alternativen Heilmethoden, zur Kräuterkunde, zu einer autonomen bäuerlichen Lebensweise, in ihrer Ablehnung von „normaler“ Religiosität, in ihren intimen spirituellen Erfahrungen etc. trotzdem irgendwie als „heidnisch“, „naturreligiös“ bzw. „naturspirituell“, „pantheistisch“ oder ähnlich begreifen. Diese Menschen folgen ihrem ganz eigenen Weg, der sich an verschiedenen Traditionen orientieren kann bzw. sich derer bedient. Die acht Jahreskreisfeste bieten sich daher für das allgemeine Heidentum geradezu an, da diese selbst nicht kulturspezifisch sind sondern eine eigene, moderne Überlieferung darstellen.

Für all die genannten Gruppen spielen auch oft die Festbedeutungen aus dem Wicca eine Rolle bzw. werden für die eigenen Bedürfnisse adaptiert oder neu interpretiert. Nur selten bekommen die acht Feste ganz neue Bedeutungen (was sicher einmal ein erfrischender, spannender Ansatz wäre!). Ein Blick ins Internet genügt, und man findet – leicht abgewandelt – oft ganz ähnliche Festbedeutungen, obwohl es sich um verschiedene Richtungen handelt.

Die acht Jahreskreisfeste sind im esoterisch-neuheidnischen Bereich also hinlänglich bekannt, jede/r weiß, wovon man spricht, und kaum wer hinterfragt dieses Konzept, weil es längst zum Selbstläufer geworden ist. Es mutierte zu einer feststehenden Größe, zu einer universellen panheidnischen Matrix, die je nach Tradition mit Inhalt gefüllt werden kann. Es ist wahrlich schwer, sich dem Charme des achtspeichigen Jahresrades zu entziehen. Das geht so weit, dass manchmal sogar rekonstruktionistische Gruppen (z. B. Celtic Recon, Ásatrú etc.) die acht Feste begehen. Sei es wider besseres historisches Wissen über die je eigene kulturelle Jahreskreistradition, sei es, weil man mit Wicca-ähnlichen Gruppen zusammen feiert oder sei es einfach, weil man das achtfache Jahresrad liebgewonnen hat. Bei den historisch basierten „Recons“ stößt die inflationäre Nutzung des achtfachen Jahres jedenfalls auf Kritik, da damit der Eindruck erweckt wird, es handle sich um etwas allgemein Heidnisches, das für alle Völker irgendwie Gültigkeit hätte.

Ende Teil VII

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).

Es walpurgisnachtet

Samstag, 22. Mai 2010

Wenn der allseits bekannte Hexensabbat wiederkehrt, kehren auch die Medienberichte von dunklen Hexenkulten und verschwörerischen dunklen Ritualen zurück.

Dass es auf Walpurgis zugeht, merkt man nicht nur am Umschwung der Jahreszeiten. Mit der Natur erwachen auch diverseste Medienmenschen zu neuem Leben, gibt es doch neben Naturkatastrophen und Wahlkämpfen noch eine weitere Schlagzeile, die sich immer gut verkauft: Zaubernde Teenager und wahnsinnige Weiber mit roten Mähnen, die sich nackt tanzend des nächtens um Lagerfeuer schaaren.

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Tanz ums Lagerfeuer

Dass Teenager gute Quoten bringen dürfte allseits bekannt sein, sind es doch Kassenschlager wie ModelWGs, Zickenkriege um Startitel oder Schlägereien um schlechtbezahlte Praktikas, die uns allabendliche Unterhaltung versprechen. Mischt man pubertäre Dramen nun mit einer Prise geheimen Kulten und einem Stück magischer Praktiken, resultiert daraus eine dicke, nahrhafte Mediensuppe, die vor allem zu hexischen Hochfesten wie Samhain (Halloween) und Beltane (Walpurgisnacht) gerne aufgewärmt und aufgetischt wird.

Und so begibt es sich, dass sich fleißige Medienleute kurz vor dem jeweiligen Feste auf die Suche nach Interviewpartnern begeben. Bevorzugterweise natürlich nach jungem Fleisch – man beachte die Quote – doch auch älteres Gemüse wird gerne vor das Mikro gebeten, wenn man Potential für ein gutes Süppchen darin erkennt. Und eigentlich ist das Alter ja auch gar nicht so wichtig, wenn eine Deadline sich bedrohlich nähert, schließlich birgt Recherche ein hohes Risiko, vor allem das der anfallenden Arbeit. Eine gute Kommunikation zwischen Drehteam und Schneidebrett zeigt sich an den vielen positiven Beispielen in der Vergangenheit, als das was gezeigt werden sollte, schlussendlich zu dem wurde, was am Ende der Produktion im Mülleimer übrig bleib.

Hexe, Hexe!

Hexe, Hexe!

Tieropfer bringen die Quoten, ganz gleich ob es sich um magischen Alltag, oder eine geschaffene Illusion des Mediums Fernsehen handelt. Die Zuschauer wollen Blut sehn´ – keine Frauen und Männer, die im Einklang mit der Natur fröhlich singend durch grüne Wiesen spazieren. Immerhin ist der Alltag langweilig genug, da will man halt auch mal ein bisschen Action.

Nicht nur das Fernsehen bietet interessante Berichterstattung zum Thema Hex´und Heid´ – wollen wir mal nicht auf unsere gute alte Zeitung vergessen, die uns allmorgendlich mit allem versorgt, was es in der Welt zu berichten gibt. Wie gut, wenn die Berichterstattung in Punkto Heidentum und Hexen auch dazu genutzt wird ein möglichst genaues, realistisches Ist-Bild aufzuzeigen, welches dazu führt, dass der Morgenkaffee es sich meist auf halbem Weg zum Magen doch nochmal anders überlegt.

Aber immerhin können wir uns glücklich schätzen, dass zumindest hexische Themen einer wirklichen Pressefreiheit unterliegen, die ja vierlerorts bei vielen Themen massig angezweifelt wird.

Aufgrund der schon angesprochenen Probleme in der Vergangenheit bei der Berichterstattung anlässlich der Hexenfeste, machen des sich die Medienleute natürlich immer wieder zum Ziel eine möglichst vorurteilsfreie Abbildung über das Hexentum zu bringen und die Massen über die Realität aufzuklären. In sehr vielen Fällen ist dies ein gerne genutzt Start das Vertrauen der interviewten Person zu gewinnen – wer wollte nicht schon einmal der Held der ganzen Sippe werden, Missstände aufdecken und einen revolutionären Bericht bringen, a la Hollywood.

Hexen für Utopia

Hexen für Utopia

Und so fand auch ich kürzlich eine derartige Email in meinem Posteingang. Shina,emöchtest nicht auch du dazu beitragen das Bild der Hexen zu verbessern und ein Interview mitmachen, das endlich mal was Richtiges ist und nicht nur eine graue Ansammlung von Vorurteilen? Natürlich, naiv wie ich bin, träume auch ich von einem heidnischen Utopia, ohne Vorurteile von außen, aber auch von innen. Ich bin außerdem immer wieder begeistert davon, wenn mir jemand ein Utopia verspricht, und sich sogar noch selbst so ernst und wahrhaftig dafür engagieren möchte, dass er sich nicht vor der Suche nach einer geeigneten Zielgruppe drückt und sich voller Elan daran macht das Wort Hexe in Google einzutippen und die ersten drei Webmaster anzuschreiben, die ihm dabei begegnen.

Nur leider kollidiert meine Naivität da gerne mit meiner Erinnerung an diverse Projekte, bei denen ich zwar nicht involviert, aber als Zaungast anwesend war, und bei denen wie üblich Schema F zum tragen kam. „Unterschreiben Sie bitte hier, hier und dort, die Übertragung kommt dann am so und so vielten um so und so viel Uhr, Rechte auf Änderung oder vorheriger Durchsicht des Materials haben sie natürlich keine, denn diese haben Sie grade eben in vollster Gesamtheit an den Sender abgetreten. Pech, hätten Sie halt das Kleingedruckte lesen müssen. “ So schnell ist eine Seele verkauft.

Die Medien wollen nur unser Bestes, das wissen wir doch – das wirklich Böse ist da draußen in den Wäldern, tanzt am 1. Mai um große Lagerfeuer, verführt kleine Kinder, opfert schwarze Katzen und vollführt dunkle Rituale in der Innenstadt. Ganz in Ihrer Nähe, also bleiben Sie wachsam.

Das Böse lauert am Baumkreis

Das Böse lauert am Baumkreis

Bleibt auch ihr wachsam, liebe Mithexen, Mitheiden uns vor allem liebe Teenwitches – lasst die Finger von den bösen Medienleuten, auch wenn sie euch Schokolade und den Weltfrieden versprechen. Im Grunde wollen sie nur eure Seele, wie viele Generationen an Heiden und Hexen schon leidvoll feststellen mussten. Ehrt diese Opfer und wenn ihr das nächste Mal eine Kamera seht, nehmt am Besten die Beine in die Hand und lauft.

(Es sei denn natürlich, der- oder diejenige dahinter ist ein Medienvertreter aus Heidenkreisen, dann ist es natürlich was anderes. Übrigens, auch das WurzelWerk und einige andere Plattformen machen es sich zur Aufgabe über das Hexen- und Heidentum in seiner Vielfalt aufzuklären, wenn du also Lust auf Weltverbesserung hast, versuch es doch mal auf diesem Weg.)

Notausgang

Notausgang

Sollte es sich bei dir lieber Leser/liebe Leserin um einen Medienvertreter handeln, der oder die sich jetzt negativ angesprochen fühlt, dann überlege woher dieses Gefühl kommt und ob es berechtigt ist. Wenn dem nicht so ist, beweise mir wie sehr ich daneben liebe mit einem medialen Meisterstück und ich werde mich sofort entschuldigen. Bis es soweit ist verbleibe ich aber mit sarkastischen Grüßen und einer gesunden Pressephobie. ;)